Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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dem Kultus des Apollon keimen gelernt haben, worin der Gott

mit 'Ir] \r^ ITatav augerufen zu werden piiegte. Fragen wir

ferner nach. der Bedeutuiig dieser eigentliiimlichen salischen

WafFentanze , so kann es kaum zweifelliaft sein, dass sie der

Geburt des Mars als Friihlingsgott galten , den man ebenso

wie den Apollon von der damonischen Gewalt des Winters gefahrdet

glaubte. Das erhellt nicht bloss aus der Bedeutung

ahnlicher WaiFelitanze im Kultus des kretischen Zeus und des

Dionysos, deren Identitat und Beziehung zum Friihling

Welcker, G. II,

218—244 mit guten Griinden erwiesen hat-^^),

sondern auch aus der von Preller, gr, Mythol. I, 104, Anm. I

u. 358, Anm. 3 gemacbten Beobacbtung, dass derartige Ceremonien

fast immer den Sinn eines airoTpdiraiov haben, indem

man ibnen einen schutzenden Einfluss gegen die Gefaliren unbeimlicher

Machte zuscbrieb, daher sie z. Jl. beim Aufgauge

des Sirius und bei Mondfinsternissen eine RoUe spielten

Dass

ausserdem der Klang des Erzes und der Trompeten , mit welfast.

Ill, 259, wo es v. 3S9f. heisst: Turn sic Mamurius: wmerces mihi gloria

detur,

II

nominaque extreme carmine nostra sonent.«

Der Mythus vom Mamurius, dem Schmiede der Ancilia, ist, wie schon

oben bemerkt, wahrscheinlich erst spat aus dem Missverstandnisse des

Namens in den nach Horat. ep. II, 1 , 86 und Quint. I, 6 alterthiimlichen

und schwer verstandlichen Liedern der Salier entstanden.

94) Bemerkenswerth ist dabei, dass der kretische Zeus undDionysos urspriinglich

keine echtgriechischen Gotter waren , wohl aber den mit den

Griechen verwandten phrygisch-thrakischen Stammen angehorten (vgl. O.

Abel in Pauly'sRealenc. u:Phryges V, 1572 fF.). DieHauptpunkte, welche

Welcker bei seiner Identificirung des kretischen Zeus und Dionysos anfiihrt,

sind:

Bei beiden Gottern linden wir ganz gleichartige Geburtsfeste im

Friihling, beide werden vor den Nachstellungen der Damonen durch Waffentanze

(G. II, 218, 220) geschiitzt, von Nymphen in einer Hohle aufgezogen

(G. II, 218, 235, 588), mit Honig ernahrt (G. II, 232), in goldenen

Schwingen gewiegt (G. II, 218. Preller, gr. Myth. I, 538) und sterbend

gedacht (G. II, 222 f. 225— 26) ; daher man im Kultus beider von ihren

Grabern sprach. Es ist wahrscheinlich, dass diesem Kultus ganz ahnliche

Ideeu wie dem Friihlingskultus des Apollon zu Grunde lagen (Preller I,

521, 538. G. II, 580. 586).

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