Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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Studien zur vergleichenden Mythologie der Griechen und Römer

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))Die launenfreie Jahreszeit des Sommers ist monoton, ihre

Gleichmassigkeit ermiidend,

Gewitter, wenn sie vorkommen,

bringen keine Linderung, Diirre und Hitze erweisen

sich dem Pflanzenwuchs wie der Gesundheit des

Menschen feindselig. Der Blumenflor, seit Mai im Abiiehmen,

stirbt im Juni grosstentheils dahin und der Juli findet

nicht viel iibrig zu verbrennen. So giebt es niir zweierlei

Rosen, tot 'ATrpiXiatixa und xa Maiaxtxa (die Monate des alten

Stils sind gemeint) . Meteorischer Staub verhiillt oft die Gegend,

wunderlich groteske Gestaltungen der Luft thurmen sich

wie Staubtrichter empor, manchmal ist die ganze Akropolis

von den hasslichen Yorhangen gelbgrauer oder rothlicher

Staubmeteore umfangen, und doch ist bier nicht Afrika — die

Sonnengluth kann gefiirchtet und schmerzlich bedauert^ aber

nicht sentimental beklagt werden. Die staubige verarmte

Flur des siidlichen Sommers weckt nicht poetische,

sondern wirkliche Betriibniss. Wie herrlich

prangte im Marz und April

die Halbinsel Munychia mit ihren

bliihenden, mannshohen Ferulstauden , die man zu hunderten

und tausenden stehen sah. Nun wird es Sommer, die Hitze

hat die Ferulstaude bald ausgedorrt, sprode und zerbrechlich

gemacht, es folgen die Nordostpassate, mit gewaltiger Kraft

iiber den munychischen Felsen dahinbrausend, all das prachtige

Gestaude brechen sie ab und rasiren die Halbinsel kahl

bis auf den Stein.

))Zu der finstern Auffassung der heissen Jahreszeit, die

wir im Alterthum finden, tragen die Gefahren bei,

welche

sie der Gesundheit bring t. In den warmen Monaten

schwindet die Esslust und bei unvorsichtiger Diat zieht man

sich leicht Indigestionen und schlimme Krankheiten zu.

Vornehmlich leiden Kinder unter zwei Jahren und viele

werden Opfer der in

der Hitze entstehenden gastrischen Storungen.

In Athen horte ich von dem Loose der Kleinen nur

mit dem innigsten Bedauern sprechen und in den Familien^

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