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Manuskript - WDR 5

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Leonardo - Wissenschaft und mehr

Sendedatum: 09. Dezember 2009

Klimawandel und Katastrophenprävention in Bolivien

von Tini von Poser

Sprecherin:

Flughafen La Paz. Hagelkörner prasseln auf unsere 20-sitzige Propellermaschine.

Wir sind auf dem Weg ins bolivianische Amazonasgebiet. Windböen bringen anfangs

noch unseren kleinen Flieger heftig zum Schwanken. Dann klart es auf und die

Augen schweifen über riesige Flächen Regenwald. Plötzlich große, braune Löcher

inmitten des saftigen Grüns.

Was es mit diesen Löchern auf sich hat, erfahren wir kurz nach unserer Landung. Mit

dem Boot fahren wir auf dem Fluss Marmoré an der brasilianischen Grenze entlang.

Rechts und links des Ufers erstreckt sich der Regenwald. Zwischendurch plätschert

es neben dem Boot und ein Krokodil steckt seinen Kopf aus dem Wasser. Der lokale

Mitarbeiter der Caritas, Mario Quispe Franco, erklärt auf der Bootsfahrt:

O-Ton (Übersetzung):

„Ein Stück Wald zu verbrennen, ist eine notwendige Praxis, um für jede

Familie einen eigenen Produktionsraum zu schaffen, damit sie Reis, Yucca

oder Mais anbauen kann. Das Problem ist, sie zünden das Feuer ohne jede

Kontrolle an. Und der Klimawandel tut ein übriges.“

Sprecherin:

Puerto Bolívar ist eines der Dörfer, die wir am Rande des Ufers besuchen. Das

Leben findet hier draußen statt, vor den kleinen Holzhütten. Gerardo Mendez ist

einer der Dorfchefs:

O-Ton (Übersetzung):

„Letztes Jahr sind 80 Prozent unseres Waldes verbrannt. Es gab immer

Brände, doch nie in diesem Ausmaß. Die Blätter der Bäume sind sehr

trocken geworden und das hat den Brand gefördert. Außerdem ist die

Temperatur angestiegen. Seit drei Jahren leiden wir unter diesen

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009

Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen

Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder

vervielfältigt, verbreitet noch öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) werden.


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Waldbränden.“

Sprecherin:

Der 35-Jährige zeigt uns eine Brandfläche in der Nähe des Dorfes. Ein paar triste

graue Holzpflöcke erinnern daran, dass dort einmal ein Wald gestanden hat. Die

Sonne scheint unbarmherzig auf unsere Köpfe.

Um gegen die lebensbedrohliche Situation anzukämpfen, hat die Caritas die

Dorfbewohner mit Feuerlöschern ausgestattet, und Feuerproben durchgeführt, wie

Mendez berichtet:

O-Ton (Übersetzung):

„Wir haben vier Seminare absolviert. Dank all dieser Vorbereitungen konnten

wir den Brand dieses Jahre in den Griff kriegen.“

Sprecherin:

Das Dorf liegt auf einer Anhöhe, die es vor Überschwemmungen des Flusses

Marmoré bisher bewahrt hat. Anders in den Nachbargemeinden, die in den letzten

Jahren häufig vom über die Ufer tretenden Wasser überrascht wurden. Katastrophen

haben im Tiefland zahlreiche Opfer gefordert. Deshalb habe die Caritas mit

Klimaschutzprojekten in Bolivien begonnen, wie ihr Lateinamerikareferent, Wolfgang

Hees, erklärt:

O-Ton:

„Besonders krass sind eigentlich immer die Frühjahrsüberschwemmungen,

die wir haben. 2006 war die bis dahin schwerste Überschwemmung, und

2007 kam es dann noch mal heftiger, wo im Beni zwei Drittel der Landfläche

unter Wasser stand und 150.000 Menschen stark von Überschwemmungen

betroffen waren.“

Sprecherin:

Wir setzen unsere Reise fort in eine andere Klimazone: Es geht ins bolivianische

Hochland, dem Altiplano.

Wir besuchen den Ort Achacachi. Er liegt knapp 4.000 Meter über dem

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009

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Meeresspiegel. Die wenigen Kühe, die hier herumstehen, sehen abgemagert aus.

Der Boden ausgedörrt, in eine graue Farbe getaucht. Die Aymara-Indianerin Amalia

Quíspede lebt seit ihrer Geburt auf dem Altiplano:

O-Ton (Übersetzung):

„Es ist nicht mehr wie früher, als es noch regnete, als wir noch säten, es hat

sich total verändert. Das Leben ist härter geworden, wir haben kein Gras

mehr für unser Vieh, auch Wasser haben wir nicht, die Brunnen sind

ausgetrocknet, der Fluss ebenfalls. Jetzt haben wir von unserem Vieh gelebt,

aber auch das stirbt.“

Sprecherin:

Waldbrände, Überschwemmungen und Insektenplagen im Tiefland. Trockenheit,

plötzlicher Bodenfrost und Wüstenbildung im Hochland. Folgen des Klimawandels.

Auch die früher mal höchste Skipiste der Welt ist davon betroffen. Der Chacaltaya-

Gletscher ist fast verschwunden, wie der Klimaforscher David Cruz Choque an einer

Statistik verdeutlicht:

O-Ton (Übersetzung):

„1940 bestand der Gletscher noch zu 90 Prozent, 1996 nur noch zu 40

Prozent, 2005 zu 5 Prozent, und 2010 wird er ganz verschwunden sein.“

Sprecherin:

Das Abschmelzen der Andengletscher habe in den letzten Jahren immer wieder

Überschwemmungen und Erdrutsche zur Folge gehabt, so der Klimaforscher.

O-Ton (Übersetzung):

„Was Bolivien unternehmen muss, sind Strategien, sich an den Klimawandel

anzupassen, das muss in Kopenhagen entwickelt werden.“

Sprecherin:

Vor allem die Industrieländer hätten dabei eine große Verantwortung, fügt Cruz

Choque im Hinblick auf den Klimagipfel hinzu:

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009

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O-Ton (Übersetzung):

„Ich denke, die Vereinigten Staaten – sie haben das Kyoto-Protokoll nicht

unterschrieben – sollten sich der Tatsache stellen, dass sie die

Hauptemitenten von CO2 sind mit ungefähr 30 Prozent. Bolivien macht

dagegen nur 0,03 Prozent der globalen CO2-Ausstöße aus. Doch die

Konsequenzen für das Land sind immens.“

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2009

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