Leseprobe - Markt und Technik

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Leseprobe - Markt und Technik

KAPITEL 3:

DIE ZWÖLF


Man kann mir sicherlich vorwerfen,

die Dinge mit nur zwölf Belichtungssituationen

etwas zu einfach darzustellen.

Im Vergleich dazu nutzt Nikon

beispielsweise mehr als 30 000 Bilder als

Referenz in seinen Belichtungssystemen.

Dennoch bildet die große Mehrheit der

Bilder einfache Untergruppen zu meiner

Hauptgruppe, was bedeutet, dass praktisch

alle Belichtungs anforderungen

einer Gruppe von nur zwölf Typen zugeordnet

werden können. Jeder Typ verlangt

eine andere Entscheidung.

Wie komme ich zu dieser Zahl? Einfach

durch viel Erfahrung – meiner und

die von vielen Profifotografen, die ich

kenne. Es ist nicht so, dass jeder von uns

wissentlich in einer Klassifizierung von

Belichtungen wie dieser denkt. Wir fotografieren

täglich und unser Zugang zu

Szenarien hat sich unterbewusst ausgebaut

und ist nun irgendwo in unseren

Gehirnen verdrahtet. Normalerweise

muss ich nicht lange darüber nachdenken,

welche Belichtungssituation sich vor

mir befindet, da ich auf einen großen

Erfah rungsschatz zugreifen kann. In diesem

entscheidenden Kapitel bringe ich

aber lediglich die kollektiven Erfahrungen

zum Ausdruck. Sie können jeder der zwölf

Situationen einen beliebigen Namen

geben, aber sie sind alle eindeutig und

echt. Was immer Sie im Sucher der

Kamera oder am LCD-Monitor sehen,

trifft auf eine von ihnen zu.

Bei dieser Aufstellung von Szenenarten

sind zwei Annahmen berücksichtigt,

die zwar sehr klar sind, aber dennoch

erwähnt werden sollten. Eine ist das

Konzept der Schlüsselstellen: einem oder

mehreren Bereichen in der Szene kommt

besondere Bedeutung zu. Die andere ist

die Erkenntnis, dass die Mehrzahl der

Betrachter von Motiven erwartet, dass

diese nahe am Durchschnittstonwert liegen,

außer bei begründeten Ausnahmen

– beispielsweise bei Abend szenen, wenn

wir ein schwächeres Licht erwarten.

D I E Z W Ö L F

67


ERSTE GRUPPE (PASSENDER DYNAMIKUMFANG)

Dies ist sozusagen die ideale Gruppe. Der

Dynamikumfang der Szene stimmt mit dem

Dynamikumfang des Sensors überein – oder

umgekehrt. Ganz klar muss man der Definition

von „Übereinstimmen“ etwas Flexibilität zugestehen,

aber nach gesundem Menschenverstand

bedeutet es einerseits keine Beschneidungen

und, dass die Tonwertverteilung innerhalb von

sagen wir 10 bis 15 % Abweichung liegt. Falls Sie

in Raw fotografieren, macht die Extraportion

Dynamikumfang noch einen Unterschied, aber

nicht so bedeutend wie es von den Befürwortern

angeführt wird.

Ich habe bereits die aufgepixelte Matrix mit

ihren 18 Pixelquadraten auf der Längsseite vorgestellt.

Sie ist ein Weg, die Tonwertverteilung in

Beziehung zum Bildinhalt darzustellen. Wenn Sie

das selber in Photoshop nachvollziehen wollen,

reduzieren Sie die Bildgröße auf 1200 Pixel in der

Längsseite und entsättigen das Bild anschließend.

Nun rufen Sie aus dem Vergröberungsfilter-Menü

den Filter Mosaikeffekt auf und wählen 67 für

die Größe der Mosaiksteine. Die Verhaltensweise

einer einzelnen Messzelle können Sie durch eine

Weichzeichnung (Filter > Weichzeichnungsfilter

> Durchschnitt berechnen) nachbilden. Beides

sind nützliche Übungen mit Ihren eigenen

Bildern oder Teilen davon.

Dennoch dient diese Bearbeitung und

Betrachtung nur der Analyse und bringt Ihnen

nichts in der Aufnahmesituation. Eine leichte

Ausnahme ist das Histogramm und auch dabei

kommt es darauf an, ob sie dafür Zeit haben.

Sobald Sie etwas fotografieren, das sich auch nur

ein bisschen bewegt, bleibt ohnehin dafür keine

Zeit übrig. Machen Sie in so einem Fall vorab

Testaufnahmen oder nutzen Sie eine Ruhepause,

um die Belichtung zu überprüfen.

SZENE VOR AUFNAHME PRÜFEN

Wenn Sie auf gar keinen Fall während der Aufnahme

Zeit haben, um das Histogramm auf den Dyna mikumfang

zu überprüfen, erledigen Sie dies vorher.

MOSAIK

ERGEBNIS

68 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


70%

8%

PRÜFBLICK

Ein erfahrenes Auge sollte einschätzen können,

ob der Sensor dem Dynamikumfang einer Szene

gerecht werden kann. Suchen Sie zuerst Maximum

und Minimum (hier Lichter im Wasser und Schatten

unterhalb der Brustwehr) und treffen Sie Ihr Urteil.

Ignorieren Sie die kleinen Spitzlichter im Wasser.

DURCHSCHNITTSHELLIGKEIT EINES

BEREICHS

Um die Durchschnittshelligkeit eines Bereichs zu

beurteilen, erstellen Sie in Photoshop eine Auswahl

und verwenden Sie den Weichzeichnungsfilter

„Durchschnitt berechnen“. Das Info-Bedienfeld

zeigt den Tonwert unter dem Mauszeiger an.

D I E Z W Ö L F

69


1 PASSEND – DURCHSCHNITTLICH, DURCHSCHNITTLICH *)

Der Dynamikumfang des Sensors kann mit

dem Dynamikumfang der Szene mithalten

und die Szene ist ausreichend normal, dass

eine durchschnittliche Mitteltonwiedergabe

funktioniert. Wären alle Fotografien wie diese,

wäre die Belichtung nie ein Problem und es gäbe

keinen Grund für dieses Buch. Natürlich bleiben

noch ein paar Entscheidungen zu treffen,

etwa ob die ganze Szene oder nur ein Teil davon

den Durchschnittstonwert treffen soll, oder

noch diffizilere Entscheidungen wie die, ob die

Belichtung eine Spur heller oder dunkler ausfallen

sollte. Belichtungen von Lichtsituationen wie

dieser können kaum misslingen.

Jedoch sollte man die passenden Szenerien

sicher diesem Typ zuordnen können. Die drei

hier gezeigten Beispiele zeigen Spielarten des

„Durchschnittlichen“. Der südamerikanische

Kaiman ist das Beispiel eines zentralen Motivs,

das einen Mittelton verlangt. Die Landschaft mit

den Reisfeldern unterscheidet sich dahingehend,

dass das Muster als Ganzes den Durchschnitt

bildet, der im Mitteltonbereich liegen sollte

(und kein deutlicher Teil davon außerhalb).

Die Zusammenstellung der Objekte ist eine

Studioaufnahme, wo die Beleuchtung kontrolliert

werden kann (eine Kontrolle der Beleuchtung

strebe ich nach Möglichkeit immer an).

In der Theorie, wenn Szenendynamikumfang

und Sensordynamikumfang zueinander passen,

sollte eine ausgemessene durchschnittliche

Belichtung keine Beschneidungen an den

Tonwertenden bewirken. In der Praxis gibt es

Beleuchtungssituationen, die immer noch die

Messung durcheinaner bringen, daher werbe ich

auch für das Schlüsseltonwertsystem in diesem

Buch. Ernsthaftere Probleme damit können

eigentlich nur dann auftauchen, wenn ein als

Durchschnitt eingeschätzter Schlüsseltonwert an

einem Ende der Tonwertskala liegt. Richten Sie

die Belichtung darauf aus, so kann das andere

Ende der Skala in eine Beschneidung umkippen,

was aber selten passiert.

KAIMAN, AUSEINANDERGELEGT

Auf den ersten Blick passt dieses Bild des Kaimans

ohne Probleme in den Belichtungsumfang, obwohl die

kleinen Lichter und die Tiefen am Kopf dies knapper

machen, als man annimmt. Mit dem Kaiman in seinem

Wassertümpel ist dies ist ein sehr geradliniges Beispiel

für eine Belichtung als klar isoliertes Motiv. Es gibt

einen kleinen Unterschied zwischen dem Motiv und

dem Schlüsseltonwert, da sich der Schlüsseltonwert

auf den Rücken des Tieres bezieht. Der Kopf mit seinen

Schatten ist etwas dunkler, aber nicht entscheidend.

Die durchschnittliche Helligkeit für diesen Bereich

– in der aufgepixelten Version gelb umrissen – liegt

bei 48 %, was sich kaum von der durchschnittlichen

Helligkeit von 46 % unterscheidet. Eine problemlose

Belichtungssituation.

46%

*) SO LESEN SIE HIER UND IM

FOLGENDEN DIE ÜBERSCHRIFTEN

Die Überschriften hier und auf den folgenden Seiten

lesen sich auf den ersten Blick etwas abstrakt,

wären aber komplett ausformuliert doch zu lang.

Diese hier würde sonst so lauten:

Dynamik umfang der Szene – passend zum Sensorvermögen,

Größe der Schlüsselstelle/n: durchschnittlich,

Schlüsseltonwert/e: durchschnittlich

70 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


D I E Z W Ö L F

71


46%

ALTE CHINESISCHE OBJEKTE

Eine Sammlung antiker chinesischer Objekte mit

einem Terracottakopf, Scheren und einer Pfeilspitze.

So wie die Szenerie eingefasst ist, erscheint sie

etwas dunkler im Tonwert als durchschnittlich. Ich

habe ein niedriges, durchkämmendes Spotlicht

unten links eingesetzt, das das recht flache Um gebungs

licht belebt. Kurz gesagt sind die einzi gen

Breiche, deren Belichtung Aufmerksamkeit benötigt,

die Lichter und Schatten um den Kopf. Der helle

Fleck am Kinn in Richtung Spotlicht sollte behalten

werden, während die Schatten an der anderen

Seite des Kopfes tatsächlich zulaufen könnten. Mit

anderen Worten: Hier liegt eine Szenerie vor, deren

Dynamikumfang durch ein Spotlicht angehoben

wird. Die Auf nahmeeinstellungen: 105 mm, ISO 160,

25 sec, ƒ38.

72 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


REISFELDER BEI ANGKOR

Diese Situation mit mehreren im Bildausschnitt verteilten

Tonwerten ist möglicherweise vertrauter als ein definierter einzelner

Schlüsseltonwert. Dies macht es nicht leicht, die, wenn überhaupt

eine Schlüsselstelle zu benennen. Dennoch sollte das gesamte Bild

einen durchschnittlichen Tonwert aufweisen. Ein sehr kleines Motiv

unterscheidet sich vom Rest des Bildes – der Mann, der durch die

Reisfelder geht. Obwohl der Zeitpunkt der Auf nahme durchaus ihm

galt, ist er im Bildausschnitt so klein, dass er für die Belichtung keine

Rolle spielt. Beachten Sie, dass die mittlere Helligkeit dieser Aufnahme

5 % unter dem Durchschnitt liegt. „Durchschnittlich“ muss nicht

präzise ausgedrückt werden; ich bevor zuge es einfach, sie als etwas

dunkler zu bezeichnen. In der Praxis lassen sich Bildmotive wie dieses

hier schnell unter der Rubrik „normaler Umfang“ einordnen und sind

Kandidaten für eine unkorrigierte durchschnittliche Belichtung. Die

Aufnahmeeinstellungen: 400 mm, ISO 50, 1 ⁄125 sec, ƒ8.

46%

D I E Z W Ö L F

73


2 PASSEND – HELL, HELL

In dieser Szene ist der Umfang weder niedrig

noch hoch. Den Unterschied macht das Motiv,

das von Natur aus hell ist. So wollen wir es auch

beibehalten. Einige natürlich helle Motive, die

einem einfallen, sind Schnee, weiße Wände bei

Innenaufnahmen und weiße Kleidung. Diese

gehören natürlich zu den hellsten Dingen,

aber es gibt eine Menge Oberflächen, die nicht

ganz so weiß sind und wie ein kaukasischer

Hautton als sehr hell eingestuft werden. Der

Dynamikumfang passt dies entsprechend den

anderen Objekten in der Szene an, und in diesen

zwei Beispielen gibt es nichts ernsthaft dunkles,

was den Dynamikumfang erhöhen würde. Wenn

der Schlüsseltonwert wie hier einen Großteil

der Aufnahme abdeckt, wird eine durchschnittliche

Messung nicht das richtige Ergbnis liefern,

und beide Szenen erfordern eine positive

Belichtungskorrektur. Dies sind die einfachsten

Bildbeispiele für eine höhere Helligkeit, aber

einen passenden Dynamikumfang.

80%

TYP 2: ZUSAMMENFASSUNG

Die wichtigen Gebiete sind und sollen hell bleiben,

aber nicht so, dass sie in einer durchschnittlichen

Belichtung beschnitten werden könnten. Achten

Sie auf Beschneidungsgefahr.

SCHNEE UND FELSEN

Eine Luftaufnahme einer Schneelandschaft in

Island. Nicht alles ist Schnee, es gibt viel dunkles

Gestein und das obere Drittel der Aufnahme ist ein

so ausgewogenes Gemisch aus Schnee, Steinen und

Wolken, dass es eine normale Belichtung verdienen

würde. Die Schlüsselstelle jedoch ist der weite Bereich

des Schneefeldes in der unteren Mitte, die zusammen

mit dem Bereich ganz links etwa ein Viertel des

Bildbereichs einnimmt. Da es weich und ohne Details

ist, darf es nicht beschnitten werden, soll aber so

hell wie möglich wiedergegeben werden. Ungefähr

80 % Helligkeit wären sicher, was zwei Blendenstufen

über dem Durchschnitt liegt. Am besten wäre eine

kreiszentrische Messung des Schneefeldes, die dann

zwei Stufen nach oben kompensiert wird.

74 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


HELLE INNENRÄUME

Der moderne Innenraum eines chinesischen Clubhauses

hat, wie viele seiner Art, weiße Wände

und eine weiße Decke, die den Eindruck auf den

Besucher bestimmen. Selbst der Boden ist weiß.

Eine weitwinklige Behandlung lässt das Weiße

dominieren und macht es automatisch zum

Schlüssel tonwert. Natürlich sollte das rote Mobiliar

irgendwo in der Mitte der Tonwertskala auftauchen,

aber aufgrund der allseitigen Reflexion des Lichts

gibt es keine tiefen Schatten, die somit aus der

Belichtungserwägung herausfallen. An Boden und

Decke gibt es Variationen des Tonwerts, aber über

alles würde ich 75 % Helligkeit anstreben – fast

zwei Stufen heller als eine Durchschnittsmessung.

Die aufgepixelte Version und das Histogramm

zeigen den Effekt.

75%

D I E Z W Ö L F

75


SCHLÜSSELTONWERT FINDEN

Diese Sitzgruppe eines Pekinger

Restaurants befindet sich in einem

Erker, so dass mehr Licht auf die

Polsterung, Kissen und grünen

Drappierungen fällt als auf den

Vordergrund. Diese im Schema

umrahmte hellere Region ist der

Schlüsseltonwert, oder besser

eine Zusammenstellung der

Schlüsseltonwerte. Die weißen

Textilstoffe müssen sicherlich vor

Lichterbeschneidungen bewahrt

bleiben, jedoch sind die hellsten

Tonwerte außerhalb des Erkers

nicht wichtig. Sie alle als eine

Tonwerteinheit zu behandeln,

vereinfacht die Belichtungsmessung,

und ich legte mich auf einen Wert

etwas mehr als eine Blendenstufe

höher als durchschnittlich fest. Noch

heller als das würde die starken

Grünwerte zu blass wiedergeben

(siehe Seiten 60-63).

Eine Variante heller Schlüsseltonwerte ist, wenn

sie nur einen Teil der Szene einnehmen. Hier

müssen Sie mit etwas mehr Urteilsvermögen

herangehen als in den vorigen Fällen. Dies

geht zurück bis zum ersten Schritt in der Entscheidungsabfolge

auf Seite 14-15: Wissen, was

man von einem Bild will. Hier im Fall der zwei

Mädchen auf dem Gras ist es leicht, ihre Blusen

als Schlüsseltonwert auszumachen, und sie sollen

weiß und hell erscheinen, ohne beschnitten

zu werden. Da sie nur ein kleiner Teil des

Bildes sind, ist die Belichtungseinstellung nicht

so offensichtlich wie in den vorigen Beispielen

und die Blendenstufe musste um einen halben

Schritt erhöht werden. Der Erker mit den

grünen Vorhängen ist ein etwas anderer Fall,

weil der Schlüsseltonwert, eine Mischung der

Drappierungen, des Sofas und der Kissen, verallgemeinert

ist und wir sie recht hell und optimisitisch

halten wollen.

60+%

76 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


70%

ZWEI TONWERTE

In diesem Bild gibt es nur zwei Tonwertblöcke, die

weißen Blusen und das Gras. Ist ein weißliches Motiv

so prominent, wird es üblicherweise der Schlüsseltonwert

und Sie müssen sich entscheiden, wie hell

es sein soll. Hier ist es kein Schnee und muss nicht

blendend weiß sein, es reichen etwa 70 %. Die weißen

Blusen beanspruchen weniger als 10 % der Fläche,

sodass eine nur etwas hellere Belichtung als

durchschnittlich ausreicht. Ich kompensierte die Durchschnittsmessung

um eine halbe Blendenstufe höher.

D I E Z W Ö L F

77


3 PASSEND – DUNKEL, DUNKEL

Die dritte Alternative bei passendem

Dynamikumfang ist ein von Natur aus

dunkles Objekt, wir wissen oder erwarten also,

dass es dunkler als normal erscheint. Die hier

gewählten Beispiele sind beides Kunstwerke.

Eines ist ein Bild mit Keramik-Skulpturen, das

andere die Abbildung eines Gemäldes, und

bei beiden bestand die Möglichkeit und die

Notwendigkeit, genau darüber nachzudenken,

wie dunkel sie exakt sein sollten. Ich diskutierte

dies bei der Aufnahme ausführlich mit

dem Künstler und betrachtete die Ergebnisse

auf dem Laptop. In irgendeiner Weise geben

dunkle Objekte mehr Interpretationsspielraum

als hellere. Die Gefahr einer Beschneidung steht

bei helleren Objekten mehr im Vordergrund,

was dazu führt, dass die Belichtung häufig davon

bestimmt wird, aber komplette Beschneidungen

in den Tiefen passieren nicht so leicht. Es gibt

dabei sehr viele Tonwerte, die Schwarz aussehen,

aber im Tonwertbereich von 1 bis 5 liegen. Damit

hat man mehr Flexibilität, gleichzeitig sind viele

Leute versucht, die Tiefen zu öffnen, um mehr

Details zu sehen. Das führt jedoch nicht immer

zu besseren Ergebnissen. Es mag klarer wirken

und mehr Information zeigen, aber vielleicht

weniger Atmosphäre. In der Nachbearbeitung

jedenfalls birgt das Öffnen von Schatten immer

die Gefahr, unerwünschtes Rauschen zu zeigen.

20%

SCHWARZE KERAMIK

Die moderne chinesische Keramik-Skulptur in dieser

Detailansicht ist schwarz. Andere Skulpturen dieser

Serie sehen Sie im kleinen Bild unten. Das Schwarze

der Skulptur wollen wir erhalten, wofür es einige

Möglichkeiten gibt. Die Lichter am Kragen und der

linken Hemdtasche sollen allerdings auch erhalten

bleiben. In der Tat sind es diese Lichter, die den

Dynamikumfang hochhalten und den Charakter

des Bilds mitbestimmen. Beim Betrachten war der

Eindruck heller und offener als in der Abbildung, die

ich deutlich reicher und dunkler haben wollte. So

nahm ich eine Belichtungsmessung nur der dunklen

Bereiche vor und kompensierte die Belichtung um

2 1 ⁄2 Stufen vom Durchschnitt herunter, was etwa 20

% Helligkeit in diesem Bereich entsprach.

TYP 3: ZUSAMMENFASSUNG

Die wichtigen Bildbereiche sind dunkler als durchschnittlich

und sollen dunkler erhalten bleiben.

Dabei ist weniger die Beschneidung die Gefahr als

eine schlechte Sichtbarkeit von Tiefendetails und

eine mögliche Rauschverstärkung beim Aufhellen

in der Nachbearbeitung.

78 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


DUNKLE KUNSTWERKE

Wir bleiben bei zeitgenössischer chinesischer Kunst und zeigen hier

ein Portrait von Shao Fan, einem führenden Pekinger Künstler, beim

Malen eines Bildes seiner Schwarzen Serie. Wir haben hier wiederum

ein Motiv, von dem wir um seine betonte Schwarzheit wissen und

diese auch bewahren wollen. Im Portrait jedoch tritt ein kleines

Dilemma auf. Eine Belichtung zum Halten der Schwärze des Gemäldes

würde eine Unterbelichtung um drei Stufen erfordern – zu dunkel für

den Rest der Abbildung. Unten habe ich eine Histogrammabbildung

eingefügt, die nur den Teil des Gemäldes anzeigt. Die Wahl für

eine moderatere Schwarzwiedergabe durch die Belichtung traf

ich zugunsten des portraitierten Künstlers und der weißen Wand.

Schließlich ist dies eine Fotografie und keine Gemäldereproduktion.

Eine Blendenstufe weniger als eine Durchschnittsbelichtung ist

realistischer für die Szenerie im Ganzen.

„DUNKEL“ ALS MOTIV

Diese Abbildung soll ein Lichtobjekt im

ausgeschalteten Zustand vor schwarzem

Hintergrund zeigen. Die Belichtung wurde

dazu so gesetzt, dass selbst die Lichter

im Bereich der unteren Mitteltöne und

leichten Schatten lagen.

D I E Z W Ö L F

79


ZWEITE GRUPPE (NIEDRIGER DYNAMIKUMFANG)

Überraschend wenige Szenerien in der

Fotografie fallen unterhalb eines durchschnittlichen

Dynamikbereichs oder sind

„flach“, wie viele Leute es bezeichnen würden.

Überraschend, denn wenn man erwartet, dass

ein passender Dynamikbereich (Sensor trifft

Szenenumfang) eher normal ist, würde man auch

eine gleichmäßige Verteilung höherer und niedrigerer

Dynamikumfänge von Szenen erwarten.

Letztlich gibt dies jedoch nur den momentanen

Status der Sensorfähigkeiten wieder und nichts

anderes. Technisch gesehen, gäbe es noch einiges

aufzuholen.

Abgesehen davon legt uns allein schon unsere

gewöhnliche Seherfahrung nahe, dass eine

bestimmte Art von Szenerie weniger Dynamik

umfasst als üblich. In der Interior- und Studiofoto

grafie werden Motive und Beleuchtung

normaler weise so arrangiert, dass damit jeglicher

gewünschte Dynamikumfang erreicht

wird, aber in der Landschaftsfotografie ist die

übliche Hauptzutat meist die Atmosphäre.

Dunst, Nebel, Wolkenschleier und Staub erzeugen

ein diffuses Licht und agieren als Filter, die

Ton werte in der Szenerie angleichen. Aber nicht

automatisch produzieren sie dabei eine niedrigdynamische

Szenerie – das kommt auch auf den

Kamerastandpunkt an. Meist fotografiert man

in solchen Szenerien in Richtung Lichtquelle

und dabei gibt es normalerweise immer einen

deutlichen Helligkeitsverlauf. Das herausragende

Merkmal von Bildern mit niedrigem

Dynamik umfang ist ihr größeres Wahlspektrum

für eine Gesamthelligkeit. Bei so vielen Wahlmöglichkeiten

sollte man die Einstellungen

nicht übertreiben. Insbesondere besteht oft die

Ver suchung, das vorhandene Tonwertspektrum

zu spreizen. Vordergründig mag dies eine Verbesserung

sein, aber man verliert dabei leicht

die bestimmende Weichheit der vorhandenen

Lichtbedingungen.

NIEDRIGER DYNAMIKUMFANG

Grund dieser typischen Niedrigdynamikszene

ist der morgendliche Nebel über einem Fluss in

den Wetlands. Das Histogramm zeigt besser als

alles andere den geringen Tonwertumfang, der

sich zentral um die wenigen Mitteltöne formiert.

Die Zentrierung der Tonwertverteilung zeigt sich

auch in der Belichtungsmessung, die schlichtweg

durchschnittlich war. Der Spielraum im Tiefenbereich

(links) und im Lichterbereich (rechts) erlaubt eine

breite Wahl der Belichtungsentscheidungen,

ohne in Gefahr von Beschneidungen zu laufen.

Hier abgebildet sind die simulierten Ergebnisse

der maximalen Absenkung und Anhebung der

Belichtung innerhalb des vorhandenen Tonwertbereichs.

80 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


D I E Z W Ö L F

81


4 NIEDRIG – DURCHSCHNITTLICH, DURCHSCHNITTLICH

Sind die Schlüsseltonwerte durchschnittlich

und der Dynamikumfang der Szene niedrig,

fallen die Tonwerte sehr wahrscheinlich in

das Zentrum des Histogramms und haben in

Richtung Schwarz und Weiß Spielraum. Die

Belichtungssituation bietet mehr Wahlfreiheit

als andere, weil in der Tonwertskala mehr Raum

ohne Beschneidungsgefahr vorhanden ist. Damit

ist die Wahlfreiheit die Hauptcharakteristik, insbesondere

bei Raw-Aufnahmen, die eine spätere

Regelung ohne irgendeinen Qualitäts verlust

erlauben.

Wie auf den vorigen Seiten bemerkt, wird

der Belichtungsspielraum auch um die Wahl der

Tonwertbreite erweitert; eine Vergrößerung der

Tonwertbreite korrespondiert dabei mit einem

höheren Kontrast. Sofern Sie im Raw-Modus

fotografieren, was immer empfehlenswert ist, sind

Kontrasteinstellungen unerheblich, da Sie diese

später in der Nachbearbeitung mit einem Raw-

Konverterprogramm steuern können. Sollten

Sie JPEGs oder TIFFs aufnehmen, wägen Sie ab,

ob die Kontrasteinstellungen für die kontrastarmen

Szenerien geeignet sind. Die Versuchung,

durch erhöhte Kontrasteinstellungen die Dinge

vorteilhafter aussehen zu lassen, mag groß

sein, aber entscheidender ist es, den Charakter

der Beleuchtung abzuwägen und wie sie in der

Aufnahme erscheinen soll. Wenn Sie den vorhandenen

Kontrast erhalten und vielleicht sogar

betonen wollen, vermeiden Sie besser die übliche

Technik, die Tonwertverteilung auf den Weißund

Schwarzpunkt einzustellen. Noch ein wichtiger

Punkt zu niedrigdynamischer Beleuchtung:

Da es keine großen Tonwertunterschiede

zwischen den verschiedenen Bildbereichen

gibt, arbeiten durchschnittliche Messungen

im gesamten Bildausschnitt gleich gut. Anders

als bei Szenen höherer Dynamik gibt es keine

Notwendigkeit, einen Schlüsseltonwert zu finden.

ORIGINALBELICHTUNG

EIN BILD DURCHSCHNITTLICHER

TONWERTE

Eine Waldwiese mit wilden Hyazinthen, fotografiert

mit einer durchschnittlichen Belichtung und einem

ebensolchen Histogramm. Die glockenförmige Kurve

der Tonwerte sitzt in der Mitte und zeigt Platz nach

links und rechts. Da in Raw fotografiert worden ist,

kann die Belichtung nachkorrigiert werden, was im

Fall eines niedrigen Dynamikumfangs sehr nützlich

ist. Ebenfalls abgebildet sind die minimale und

maximale Belichtung ohne Beschneidung und

schließlich eine Version, bei der die Raw-Ent wicklungsregler

von Belichtung und Kontrast für einen

ausgleichenden Effekt eingestellt wurden. Ins besondere

wurde der Tonwertumfang gestreckt.

TYP 4: ZUSAMMENFASSUNG

Der Tonwertumfang liegt zentral ohne Weiß- und

Schwarzanteile. Den Umfang auf Weiß- und

Schwarzpunkt zu strecken, ist verlockend, aber

würde den Charakter der Szenerie deutlich ändern

und ist für ein besseres Ergebnis nicht nötig.

82 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


STRECKUNG AUF VOLLEN TONWERTUMFANG

MINIMALE BELICHTUNG

MAXIMALE BELICHTUNG

D I E Z W Ö L F

83


ORIGINALSZENE

Dies ist die Originalszene,

auch sie bei niedrigem

Dynamikumfang aufgrund der

Wetterbedingungen. Sie wurde

im Raw-Konverter mit neutralen

Einstellungen entwickelt, mit

anderen Worten: als Standard-

Entwicklung. Vergleichen Sie das

Histogramm mit der Skala auf

Seite 16 - 17 und Sie sehen, dass

zusammengenommen fast drei

Blendenstufen über bleiben. Der

Dynamikumfang deckt nur sechs

Blendenstufen ab.

MAXIMALE BELICHTUNG

Wie diese Raw-Entwicklung zeigt, kann die

Belichtung ohne Beschneidung bis zu eineinhalb

Blendenstufen gehoben werden.

MINIMALE BELICHTUNG

Umgekehrt lässt sich die Belichtung fast eine Blenden -

stufe herunterziehen. Die Änderungen in der Bildstimmung

durch diese Einstellungen sind deutlich.

84 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


SCHWARZWEISS

ROT -11

SCHWARZWEISS

Die ursprüngliche Feinheit dieser Szene verleitet dazu, das Bild in ein

mono chromes zu verwandeln, um subtile Tonwertänderungen besser

auszu drü cken. Ich entschied mich, diese Feinheit in der Art von Palladiumund

Platindrucken weiter zu verfolgen. Als ersten Schritt konvertierte ich

das Bild mit den Auto-Einstellungen in Graustufen, was die Tonwerte des

wärmeren Spektrums und des Aquas herabsetzte. Als Nächstes habe ich

die Belichtung stark gesenkt. Besonders der Schwarzpunkt wurde dabei

deutlich nach innen bewegt und die Klarheit (der lokale Mitteltonkontrast)

auf einen hohen Wert (90 in ACR) eingestellt. Schließlich wurde eine

umgekehrte, kontrastmindernde Kurve angewendet.

ORANGE

GELB

GRÜN

AQUAMARIN

BLAU

LILA

MAGENTA

-20

-24

-27

-18

-10

-15

+3

TEILTONUNG

Um diese düstere Thematik weiter zu treiben,

können wir eine Teiltonung hinzufügen, um Farbe

anzudeuten und einen fast historischen Effekt zu

erzeugen. Wie üblich bei der Teiltonung ergeben

kontrastierende Farbwerte für die Lichter und die

Schatten einen verstärkten Effekt. Hier wurden die

Lichter im Himmel und ihre Wasserreflektionen auf

einen kalten Farbwert (Farbton 200°, Sättigung 114)

eingestellt, während die Farben des Marschlandes

auf ihren ursprünglichen Farbwert im Original

(Farbton 33°, Sättigung 18) geregelt wurden.

ANGLEICHEN

Das Angleichen des Bildes

beinhaltet das Strecken

der Tonwerte, um die Skala

auszufüllen. Im Raw-Konverter

wird dies durch eine erhöhte

Belichtung, das Einstellen des

Schwarzpunktes nach innen

und als Zugabe das Erhöhen der

Werte für Klarheit und Kontrast

erreicht. Entsprechend dazu

werden in einer Tonwertkorrektur

für JPEG- und TIFF-Bilder der

Schwarz- und Weißpunkt auf

die Enden der Tonwertverteilung

gesetzt. Der Effekt ist dabei

stärker und hat mehr Wirkung,

wobei meiner Meinung nach aber

die essenzielle Weichheit des

Originals leidet.

D I E Z W Ö L F

85


5 NIEDRIG – HELL, HELL

Diese Belichtungssituation hat viel gemein

mit der auf Seite 70–74 beschrieben,

aber im Unterschied zu ihr gibt es keine wichtigen

Tiefenbereiche. Die Motive sind natürlich

beleuchtet und die Belichtung muss

etwa zwei Stufen höher angesetzt werden.

Damit erzielen wir eine wirkliche High-key-

Fotografie; mehr zu diesem Stil lesen Sie auf

Seite 128. Natürlich helle Objekte sind solche

wie Schnee, weiße Mauern, weiße Textilien

und bauschige Sommerwolken. Abgeschirmte

Beleuchtungsquellen wie Reflektoren sind oft

Merkmal solcher Belichtungssituationen, und die

diffuse Beleuchtung hält Schatten und Lichter

weich oder entfernt sie wie bei Nebel und Dunst

manchmal fast vollständig. Die übliche Vorsicht,

wie bei allen Szenen mit hellen Tonwerten, gilt

der Vermeidung von Lichterbeschneidung.

Die Belichtungsabschätzung erfordert Sorgfalt,

damit das Resultat hell wirkt und gleichzeitig

kurz vor der Lichterbeschneidungsgrenze endet.

Wie bei Situationen mit Niedrigdynamik ist

eine Durchschnittsmessung der ganzen Szene

ausreichend; der einzige Unterschied liegt beim

Anheben der Belichtung vom Messwert. Wie

Sie aus den Beispielabbildungen ersehen können,

meint „hell“ etwas zwischen 1½ und 3

Blendenstufen höher als der Durchschnitt oder 65

bis 85 % Gesamthelligkeit.

HAUS DER SHAKER IM NEBEL

Eine nebelige Ansicht ohne Vordergrund. Mit Vor dergrund

wäre eine Belichtung näher am Durch schnitt

möglich gewesen. Die Anziehungskraft die ser Ansicht

eines Shaker-Hauses liegt in der Gleichheit der Töne

und wie sich die Details aus dem Nebel herausschälen.

Da Nebel grundsätzlich als Licht wahrgenommen wird,

empfiehlt sich eine Behand lung mit mehr als zwei

Blendenstufen über dem Durchschnitt (etwa 70 %

Helligkeit, wie das Histogramm zeigt).

86 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


WEISSE BORDS

Der Dynamikbereich in dieser

lichten Aufnahme eines

Regalbords in einem modernen

Designerladen erscheint

größer als er wirklich ist. Das

liegt teilweise an dem roten

Punkt Farbe, der für einen

anderen Kontrasteindruck

sorgt, und teilweise daran,

dass wir hartkantige Schatten

erwarten. In Wirklichkeit liegt der

Tonwertbereich einschließlich

der roten Farbe bei Zweidrittel

des Spektrums und bei der

Hälfte, wenn wir die rote Fläche

abziehen. Da die Oberflächen alle

als weiß erwartet werden, scheint

eine volle Belichtung nötig.

Tatsächlich liegt der Umfang in

den Maßen der Shaker-Fotografie,

nur dass er sich dabei von 50 %

Helligkeit für den Schatten am

Boden bis 90 % Helligkeit für die

voll beleuchteten Oberflächen

erstreckt.

HISTOGRAMM EINSCHLIESSLICH ROT

HISTOGRAMM OHNE ROT

TYP 5: ZUSAMMENFASSUNG

Aufgrund unserer Erfahrung erwarten wir, dass die Szene hell ist.

Schnee, weiße Kleidung, die meisten Wolken, Nebel und Dunst

aller Art und High-key-Bilder sind von diesem Typ, speziell bei

abgeschirmten Licht.

D I E Z W Ö L F

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6 NIEDRIG – DUNKEL, DUNKEL

Diese Belichtungssituation ist keinesfalls

so üblich wie die zwei anderen Beispiele

für niedrige Dynamikumfänge, und der einfache

Grund dafür ist der übliche Geschmack.

Es gibt anscheinend die Tendenz, dass man

Bilder lieber heller als dunkler schätzt. Da der

Dynamikumfang niedrig ist, sind Beschneidungsprobleme

weniger wichtig, wenn man bei der

Wahl vor heller oder dunkler steht. Dies ist eine

Art Niedrigumfangssituation, wie wir aber ab

Seite 136 sehen werden, beinhalten die meisten

Low-Key-Motive kleine Bereiche mit helleren

Tonwerten, die den Dynamikumfang größer

machen.

Hier finden Sie das Hauptbetätigungsfeld für

düstere, trübe, gedämpfte Bildstimmungen und

ich werde mehr davon in Kapitel 4 untersuchen.

Letztendlich kommt es darauf an, einen Grund

für die allgemein dunklere Stimmung des Bilds zu

haben, wie Sie in diesen zwei Beispielen sehen.

DUNKLERE HAUTTÖNE

Dieses Portrait entstand in Swat, in Nordpakistan. Ich

habe es aus einfachen Geschmacksgründen dunkler

als durchschnittlich gemacht. Die hellere Situation,

hier eine simulierte Belichtung in Photoshop,

ist perfekt im Durchschnitt für den Mann und

schließt den Hintergrund nahezu aus. Die Messung

hierfür ist ziemlich geradlinig, solange das Gesicht

die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die normale

Option wäre eine hellere – ein 50%iger Mittelton

für alles außer dem Hintergrund. Dennoch wollte

ich dem Hautton, den Gesichtsfurchen und der

dunklen Augenpartie eine intensivere Behandlung

zukommen lassen. Außerdem wollte ich den Bart

nicht in zu starken Kontrast zum dunkleren Gesicht

treten lassen. Aus diesen Gründen wählte ich eine

Kompensation um eine Blendenstufe nach unten.

TYP 6: ZUSAMMENFASSUNG

Die Szene wird als dunkel erwartet, auch hier aus

Erfahrung. Sie enthält Dämmerung oder Nacht,

dunkle Hauttöne, als schwarz bekannte Oberflächen

oder solche von dunkler Farbe wie Indigo oder

Purpur. Einige Low-key-Motive sind von diesem Typ.

50%

40%

88 K U N S T D E R P E R F E K T E N B E L I C H T U N G


SMOG-SZENE

Mit Ausnahme der winzigen spiegelnden Lichter

oben rechts, ist der Dynamikumfang dieser Stadtszene

in London gering. Die Gründe dafür finden sich

in der sichtbaren Umweltverschmutzung in dieser

eher heruntergekommenen Gegend entlang der

Bahndämme, der Überhöhung der Luftbelastung

durch die 400mm-Teleaufnahme mit ein paar hundert

Metern Distanz und der allgemeinen Farb losigkeit

des ungestrichenen Ziegelwerks, des Pflas ters und

der rostigen Eisenstrukturen. Vieles davon liegt auch

noch im Schatten der kraftlosen Morgensonne. Das

Gefühl der industriell-urbanen Farblosigkeit und die

allgemeine Anmutung leich ter Verwahrlosung führt

von selber zu einer dunk leren als durchschnittlichen

Behandlung. Die allgemeine Helligkeit mei ner Aufnahme

liegt dementsprechend bei 33 % und einer

gewähl ten Kompensation um minus einer Drittel

Belichtungsstufe. Ich machte nur eine Aufnahme, wir

können diese aber mit einer in Photoshop simulierten

durchschnittlichen Aufnahme (unten abgebildet)

vergleichen.

D I E Z W Ö L F

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