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6 derinews März 2012 Marktfokus

China Railway – die Fahrt geht weiter

Nach dem tragischen Bahnunglück im Juli letzten Jahres zog die chinesische Regierung kurzfristig

die Notbremse und legte viele Bauprojekte auf Eis. 2012 geht der grosse Eisenbahnbau weiter –

zu gross ist die soziale und wirtschaftliche Bedeutung eines funktionierenden Schienennetzes für das

aufstrebende China.

Ob Bevölkerungszahlen oder Wirtschaftswachstum

– China gilt als Land der Superlative.

So setzt das Land auch im Bahnverkehr

neue Massstäbe. Für das Jahr 2012 erwartet

die Regierung über zwei Milliarden Bahnfahrgäste,

und Expertenschätzungen gehen

davon aus, dass das chinesische Passagieraufkommen

bis 2020 auf jährlich fünf Milliarden

steigen könnte. Bei diesem enormen Verkehrsaufkommen

stossen die vielerorts veralteten

Züge und Streckennetze zunehmend an ihre

Grenzen. Um dieser Entwicklung Herr zu

werden, ergriffen die chinesische Regierung

und das Eisenbahnministerium (MoR) in den

Jahren 1997 bis 2007 zahlreiche Massnahmen

zum umfassenden Ausbau der Bahninfrastruktur.

In dem im Jahre 2011 verabschiedeten

Fünfjahresplan (2011– 2015) wurde

das Ziel formuliert, bis 2015 das technisch

höchstentwickelte Hochgeschwindigkeitsnetz

der Welt zu bauen.

Doch das rasante Entwicklungstempo Chinas

fordert seinen Preis: Im Juli vergangenen

Jahres kam es in der Provinz Zhejiang zu

einem schweren Zugunglück, bei welchem

zwei Hochgeschwindigkeitszüge aufgrund

eines Signalausfalls miteinander kollidierten.

Der Aufprall der Züge brachte vier Wagen zum

Entgleisen und kostete über 40 Menschenleben.

Etwa 200 Personen wurden verletzt.

Was folgte, war eine landesweite Diskussion

um die (zu) schnell vorangetriebene

Entwicklung des Schnellzugfernverkehrs sowie

die Aufklärung des Zugunfalls durch die

Regierung. Bereits in der derinews-Ausgabe

vom August 2011 hatten wir über diese

Entwicklung berichtet.

«Chinas Ziel ist eine Verringerung

der Exportabhängigkeit und eine

Stimulierung der Binnennachfrage.»

Der Unfall bedeutete einen Dämpfer für die

gesamte Bahnindustrie Chinas. Neben dem

Vertrauensverlust innerhalb der Bevölkerung

zeigte sich auch das Vertrauen der Anleger

erschüttert und es kam kurzfristig zu Kurseinbrüchen

vieler Unternehmen aus der Bahn-

industrie. Vor allem das MoR geriet mit

Schulden von über 2 Billionen Yuan in finanzielle

Schwierigkeiten und liess die Gläubiger

zunehmend an seiner Kreditfähigkeit zweifeln.

Aufgrund mangelnder finanzieller Mittel des

MoR und des grossen Drucks der Bevölke rung

sah sich die Regierung schliesslich zum Handeln

gezwungen und stellte einen Grossteil der

laufenden Bahnprojekte, welche 2011 im Fünfjahresplan

beschlossen worden waren, zumindest

vorübergehend zurück. Gleichzeitig

drosselte man das Tempo der schnellsten

Züge des Landes von den üblichen 300 km/h

auf ca. 200 km/h, versprach die Priorisierung

der Sicherheit sowie eine rasche Analyse des

Unfalls.

Bahnausbau bleibt im Fokus

Gegen Ende des letzten Jahres setzte sich

die chinesische Bahnindustrie nach diesem

Zwischen stopp aber wieder in Bewegung:

Im vierten Quartal 2011 besserte sich

die finanzielle Situation des MoR etwas,

womit die Bauarbeiten zumindest teilweise

wieder aufgenommen werden konnten. Das

Bis 2020 geplante und teilweise gebaute Schienennetze

Tianjin Xigaze

Lhasa

Nyingchi

Quelle: www.czstation.net

Xi’an

Zhengzhou

Guangzhou

Peking

Hongkong

Eisenbahn ministerium konnte Kredite über

200 Milliarden Yuan von den Staatsbanken

aufnehmen und Wertschriften in der Höhe

von 20 Milliar den Yuan verkaufen. Zudem

will das Ministerium nach eigenen Aussagen

fortan vermehrt auch private und lokale

Investitionen anziehen, um die Finanzierungskanäle

zu diversifizieren.

«Für das kommende Jahr hat das Eisenbahnministerium

für den Ausbau der Bahninfrastruktur

400 Milliarden Yuan (64 Milliarden

US-Dollar) vorgesehen», sagte Minister Sheng

Guangzu auf der nationalen Eisenbahnkonferenz

Ende Dezember. Im Vergleich dazu

wurden 2011 469 Milliarden Yuan und im Jahr

2010 rund 700 Milliarden Yuan ausgegeben.

Im Jahresvergleich werden somit die Ausgaben

zwar gesenkt, der Ausbau des Schienennetzes

wird aber weiter vorangetrieben.

Laut Sheng wird dabei der Fokus 2012 auf den

Hauptverkehrsachsen und den Strecken mit

den meisten Kohletransporten liegen. Zudem

soll insbesondere die Fertigstellung angebrochener

Projekte vorangetrieben werden.

Laut eigenen Aussagen plant das MoR, 2012

Shanghai

Wuhan

Geschwindigkeit

300 – 350 km/h

200 – 250 km/h

160 – 200 km/h

Tibet-Eisenbahn

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