Alpingeschichte(n) der anderen Art - Zürcher Hochschule der Künste

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Alpingeschichte(n) der anderen Art - Zürcher Hochschule der Künste

Z


hdk


Zürcher Hochschule der Künste

Zürcher Fachhochschule

Zett 1–11

Das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste

Nummer 1, Mai 2011



Beilage

Festival der Künste — 17./18. Juni


30

Henri Cartier-Bresson: Das Auge des

Jahrhunderts


36

Die besten Filme entstehen

aus gelebten Geschichten


02

zett 1–11

inhaltsübersicht

Zum Coverbild:

Mirjam und Molly in der Föhnbox. Setaufnahme und Standbilder.

HUMANDOG Der Film.

Mirjam Hofmann, Humandog, Master of Arts in Transdisziplinarität

Abschluss 2010 (mir.jam@bluewin.ch)

Was passiert, wenn ein Mensch beschliesst, ein Hund zu werden? Mögliche

Konsequenzen dieses Vorhabens erforsche ich in einem Selbstversuch:

dem Versuch einer Verhundung. Und stelle damit die Uralt-Frage „Was ist der

Mensch?“ aus einem neuen Blickwinkel. Dokumentiert wird das Projekt mit

Video, Foto, Text und Performance. Als Schauspielerin gehört die Menschendarstellung

zu meinem Beruf. Aber wie spielt es sich auf Kniehöhe? Und

bekommt das Wort „spielen“ als Hund nicht eine andere Bedeutung? Haben

Worte überhaupt noch eine Bedeutung für mich? Um ein Hund zu werden,

darf ich nicht in Sprache denken. Weil Hunde nicht in Sprache denken.

Zumindest wissen wir es nicht. Aber auf jeden Fall denken sie nicht Deutsch.

Auch der Deutsche Schäferhund nicht. Also werde ich entweder in einer

mir noch unbekannten Hundesprache denken oder gar nicht. Was es sei seinen

könnt e te wie wauss iii auch nich da dann waa rd drr huhundein labewäs

der dehuhund ja ja bent bell a jajdo jaja wwwaaä siin labewä

h huhu ndt drreg g dreg huhu de määäns a mään män seg th hu u gr

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Hochschule

04 Ein Jammer, dass man hart erwirtschaftete

ETCS-Punkte nicht verkaufen kann

Sechs Studierendenporträts. Adriana Bognar

07 Der homo oeconomicus im Garten

der Künste

Hochschultag-Referat von Thomas D. Meier

09 From High to New Art: on the Diminishing

Value of Art

Hochschultag-Referat von Hans Abbing, Bildender

Künstler und Ökonom

11 Das Toni-Areal zum Fliegen bringen

Interview mit dem Projektleiter Bruno Schulthess von

der Baudirektion. Adriana Bognar


Design

14 Was sind gute Auftragsprojekte?

Anforderungen der Praxis und Integration ins Studium

Visuelle Kommunikation. Peter Vetter

17 Innovativ und sexy ins Kino der Zukunft

3D-Brillen mit neuen Funktionen. Cyril Kennel

18 Alpingeschichte(n) der anderen Art

sechs Perspektiven

Wanderausstellung und Begleitpublikation, Scientific

Visualization


Musik

20 Musikszene Schweiz

Interview mit dem Autor und Musiker Christoph

Merki. Daniela Huser

21 Schönberg-Schüler Erich Schmid

in der Tonhalle Zürich

Orchesterkonzert und Forschungsprojekt. Lukas Näf

22 „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“

Ein fiktives Gespräch zwischen Konzerbesucher und

Komponist. Till Löffler

24 Kein alter Hut! — Alte Musik

Alte Musik ist heute aktuelle Musik.

Matthias Weilenmann


Kunst & Medien

25 Wo man Kunst einsperrt, sperrt man am

Ende auch Menschen ein

Gespräch zwischen Bea Schlingelhoff und

Wolf Schmelter zur Kulturstrafanstalt.

26 300 m 2 für Experimente

Carte blanche für Studierende Bildende Kunst in der

Kindertagesstätte. Dominique Lämmli

27 Als Krönung die Klangverwirbelungsmaschine

Eine exemplarische Zusammenarbeit!

Andres Bosshard


zett 1–11

03

Kulturanalysen und Vermittlung

28 Kunstpflaster, Leerklänge und Endlosfilm-

Fünf interdisziplinäre Workshops. Jenny Berg

29 Think Art — Act Science

Wanderausstellung in der Kunsthalle Luzern.

Irène Hediger


Museum

30 Das Auge des Jahrhunderts

Henri Cartier-Bresson — die Retrospektive.

Christian Brändle

34 Neue Masche

Stricken und Häkeln im Museum Bellerive.

Mònica Gaspar und Tanja Trampe


Darstellende Künste und Film

36 Die besten Filme entstehen aus gelebten

Geschichten

Hanna Andersson im Interview mit Claudia Ramseier

38 Was zeichnet Bülach aus?

Theaterspektakel zum 1200-Jahr-Jubiläum.

Daniela Fichte und Jochen Kiefer

39 Transfer zwischen Beruf und Ausbildung

Praxiserfahrung aus erster Hand. Judith Hunger


Alumni

40 Wer übernimmt die Verantwortung für

unsere Illusionen?

Dave Leuthold, Musiker und Alumnus der ZHdK.

Christian Ledermann


Leute

43 Who is Who

Hochschulkommunikation

44 Neue Ausstellungskuratorin


Kurzmeldungen

45 Auszeichnungen

48 Veranstaltungen, Hinweise

49 Publikationen

50 Impressum

51 Carte blanche


Beilage, 8 Seiten Spezial:

Festival der Künste

Programm, Schwerpunkte, Hintergrundinfos,

Sommerfest

Diplome 2011 – jetzt Termine

ankreuzen!

Von April bis Juni haben die ZHdK-Diplomveranstaltungen

Hochsaison. Sowohl für ZHdK-Angehörige als auch für Externe

ist dies eine Zeit der Entdeckungen und der Freude darüber,

was an der Zürcher Hochschule der Künste entsteht.

Diesen Sommer schliessen über 200 Bachelor- und ebenso

viele Master-Studierende an der ZHdK ab — die meisten von

ihnen mit einer Produktion oder einem Projekt, das sie vor

einem öffentlichen Publikum präsentieren, sei es in Form

eines Konzertes, eines Ausstellungsbeitrages oder auf einer

Theaterbühne. Seit März laufen bereits die Diplomkonzerte

der MusikerInnen, ab April sind die Abschlussprojekte der

Theaterausbildung zu sehen und im Juni zeigen die Studierenden

aus Design, Kunst und Vermittlung ihre Arbeiten an

der Diplomausstellung, deren Vernissage seit Jahren ein Treffpunkt

für Kunst- und Designinteressierte ist.

Das Veranstaltungsangebot ist üppig — allein in der Musik

stehen rund 200 Konzerte auf dem Programm, — und es stellt

sich die Frage, welcher Event einen Besuch lohnt? Die Antwort

lautet: Jeder einzelne. Hier finden Sie die wichtigsten

Termine:

200 Konzerte, 3. März — 5. Juli, verschiedene Orte in

Zürich und Winterthur, vom 22. — 26. Mai im Moods und im

Mai im Musikklub Mehrspur

Master Fine Arts Degree Show, 7. — 19. Juni,

Di–So 12–20 h, Rote Fabrik, Seestrasse 395.

Vernissage: 6. Juni, 18 h, Shedhalle

Der Blaue Vogel, 8. — 10. Juni, 20 h, Theater der Künste,

Gessnerallee 9. Weitere Bachelor- und Master-Projekte

Theater: www.theaterderkuenste.ch

Diplomausstellung Design, Kunst, Vermittlung,

10. — 18. Juni, täglich 12 — 20 h, Ausstellungsstrasse 60,

Hafnerstrasse 39/41, Sihlquai 125/131, White Space,

Militärstrasse 76. Vernissage: 9. Juni, 17 h, Foyer Museum

für Gestaltung Zürich

Festival der Künste, 17./18. Juni, Fr 18 — 24 h,

Sa 16 — 03 h, Ausstellungsstrasse 60 und Gessnerallee 11—13

Diplomfilme, 20. Juni und 28.— 30. Juni, je 16, 18 und

20 h, Vortragssaal, Ausstellungsstrasse 60

Detailprogramm aller Anlässe:

www.zhdk.ch/?diplomveranstaltungen

Hingehen, hinhören, hinschauen und eintauchen in die Welt

der Künste lohnt sich auf jeden Fall!

Heike Pohl, Leiterin Hochschulkommunikation ZHdK


ein jammer,

dass man

hart erwirtschaftete

ects-punkte

nicht verkaufen

kann

... dieses und andere Leiden

und Hoffnungen verbinden die

Befragten mit ihrem Studium

an der ZHdK. Und auch diesmal

äussern sie sich zu ihren

Erwartungen bezüglich des

Toni-Areals. Adriana Bognar,

Fotos: Regula Bearth

Nadia Holdener, St. Gallen, wohnt in

Zürich. Departement Design, BA

Design, Vertiefung Cast. Aktuelles

Projekt: Eine Onlineplattform für Videos

mit Unplugged-Musik, mit Einbindung

von Social Payment (Bachelor-Arbeit).

Freud und Leid im Studium. FREUD: Die Vielseitigkeit

des Studiengangs und der starke

Praxisbezug. LEID: Seit zweieinhalb Jahren

lästern alle über den Theoriemontag

und nichts passiert. Drei Wünsche an die

gute Fee: Gesundheit, einen tollen Job mit

kreativen Freiheiten und mehr Zeit. Zum

Toni-Areal: Genügend Raum für Studierende

und eine Mensa mit gutem Essen zu

fairen Preisen.

Alex Ochsner, Schiers GR, wohnt in Zürich.

Departement Kulturanalysen

und Vermittlung, BA Vermittlung

von Kunst und Design. Aktuelles Projekt:

Letztes eigengestalterisches Projekt

im Bachelor: Untersuchungen von Rost

und dessen Prozess sowie nicht ganz

gesunde Rostproduktion. Freud und Leid

im Studium. FREUD: Austausch mit Mitstudierenden,

interessante Seminare, die

unglaubliche Vielfalt der Werkstätten in

Altstetten. LEID: Dass man überflüssige,

hart erwirtschaftete ECTS-Punkte nicht

verkaufen kann ... Drei Wünsche an die gute

Fee: Erstens würde ich mir einen unbeschränkten

Tauchurlaub auf den Galapagos

wünschen, zweitens eine lila

Nikon-D3X-Kamera mit komplettem Zubehör

in passender Farbe und drittens

eine neue Zeitrechnung, damit ich jeden

Tag genügend Zeit habe, um all das zu

erledigen, was ich mir vorgenommen

habe. Zum Toni-Areal: Schmutz- und Sudelateliers,

die an JEDEM Wochentag

zugänglich sind.


Fabio Müller, Winterthur, wohnt in

Winterthur. Departement Design,

MA Design, Produkt (Abschluss

Bachelor Design, Vertiefung Industrial

Design, ZHdK). Aktuelles Projekt: In meiner

Master-Arbeit gehe ich der Frage

nach, wie mit einem Baukasten Kindern

die Elektromobilität vermittelt werden

kann. Im Juni wird meine Antwort darauf

in der Diplomausstellung zu bewundern

sein. Freud und Leid im Studium. FREUD:

Perfekter Standort der Schule mit einer

sehr guten Infrastruktur. LEID: Beim

Arbeiten an einem Projekt über drei Semester

habe ich nicht immer die dafür

nötige Selbstdisziplin. Drei Wünsche an die

gute Fee: Zuerst wünsche ich mir einen

erfolgreichen Abschluss meines Master-

Studiums. Ab Juni suche ich eine neue

Herausforderung: Ich wünsche mir

spannende Jobangebote und lukrative

Aufträge. Als Drittes wünsche ich mir

einen weiterhin so rasant wachsenden

Absatz des Fleisches meiner Freilandschweine.

Zum Toni-Areal: Geschrieben

wird oft viel Positives zum neuen Standort.

Ich konnte allerdings noch nie mit

jemandem sprechen, der sich wirklich

auf die neue Situation freut. Viele rechnen

mit weniger Platz, höheren Kosten

und einem längeren Weg an die ZHdK.

Ich wünsche mir deshalb fürs Toni-Areal,

dass alle positiv überrascht werden.

Fatima Dunn, Zürich, wohnt in Glattfelden.

Departement Musik, MA

Composition and Theory, Komposition

für Film, Theater und

Medien (Abschluss Diplomstudium

in Gesang/Pädagogik SMPV am Winterthurer

Institut für aktuelle Musik).

Aktuelle Projekte: Dritte Albumproduktion

mit meiner Band Coldeve, Live-Theatermusik

im Stück „Freier Fall“ (Spiegeltheater);

Filmmusik zu diversen

Kurzfilmen. Freud und Leid im Studium.

FREUD: Übergreifende Projekte mit der

Abteilung Theater/Theaterregie + Film;

spannender, inspirierender Unterricht;

die Möglichkeit, mein „individuelles

Profil“ zusammenzustellen; tolle Mitstudenten,

kleine Klassen und kompetente

Dozenten; die Studio-Sessions;

praxisbezogener Unterricht. LEID: Ewige

Besprechungen von Organisatorischem

während des Unterrichts, obschon alles

genauestens auf der Webseite steht; Aufgabenbesprechung

im Klassenverband;

unvorbereitete Dozenten. Drei Wünsche an

die gute Fee: Dass der Weg, den ich gehe,

mich immer zufriedenstellen wird; Erfolg

in allen Dingen, die ich anpacke; Gesundheit

für mich und meine Nächsten.

Zum Toni-Areal: Ein tolles Filmmusikstudio

mit Aufnahmeraum; ein Kino mit guter

Sound-Anlage; schöner Park; Club mit

Auftrittsmöglichkeiten.


Felix Kracke, Deutschland, wohnt

in Zürich. Departement Kunst &

Medien, BA Medien & Kunst,

Vertiefung Theorie. Aktuelle Projekte:

Le partage, Offenes Atelier Bern, „Rescue

Me“, Prosa, Dispo decken, Denken,

Reden, Schreiben. Freud und Leid im Studium.

FREUD: Diskurs, Austausch, Offenheit,

Kritik, Menschen, Projekte, Zürich, Kaffee,

Kunst, Bier. LEID: Kunst, Bier, Geld.

Drei Wünsche an die gute Fee: Gelassenheit,

Einsichtigkeit, Klugheit. Zum Toni-Areal:

Klugheit, Organisation, Austausch, Kommunikation,

Konzepte.

Saskia Neuthe, Berlin, wohnt in Zürich.

Departement Darstellende

Künste und Film, BA Theater,

Vertiefung Theaterpädagogik.

Aktuelle Projekte: Bachelor Thesis und

Master-Bewerbung. Dann das Theaterspektakel

zum 1200. Jahrestag der Stadt

Bülach mit Installationen, Stücken und

Performances in der Altstadt (Juni 2011

— siehe Seite 38). Damit schliessen wir

Theaterpädagogen und Szenografen unser

Bachelor-Studium ab. Freud und Leid

im Studium. FREUD: Die Vielfalt der Künste

und der Reichtum an Wissen und kreativen

Möglichkeiten. Die Freiheit, eine

Aktualität mit LaiendarstellerInnen

und deren sozialem Umfeld zu kreieren

und ein völlig individuelles Abbild

eines Themas zu erarbeiten. Im Vordergrund

der Arbeit als Theaterpädagogin

stehen die Erfahrungen und Ideen der

Teilnehmenden, deren Persönlichkeiten

und Thematiken es zu ästhetisieren

gilt. LEID: Manchmal gelingt eben nicht

beides ... (Prozess versus Endprodukt).

Eine der schwierigsten Aufgaben ist es,

Laien zum Mitspielen und Bleiben zu

bewegen. Die Fülle des Studiums, sehr

viele Inputs und Anforderungen und die

daraus resultierende Unsicherheit, noch

nicht viel gelernt zu haben. Doch ohne

diese Unsicherheit würde die künstlerische

Weiterentwicklung womöglich

stagnieren. Drei Wünsche an die gute Fee:

Einen Rucksack mit guten Ideen, der bis

zum Ende reicht; viele Projektangebote;

Erfüllung im Tun und Sein. Zum Toni-Areal:

Dass das Theater ebenfalls mit umziehen

würde. Meines Wissens behält es jedoch

den Standort an der Gessnerallee.


hochschule/ zett 1–11

07

der homo

oeconomicus

im garten

der künste

Gekürzte Fassung des Referates von Rektor

Thomas D. Meier * am vierten Hochschultag

der ZHdK vom 3. März, der unter dem Titel

„Vom Nutzen der Künste“ stand.

Das Dilemma, in dem die Ökonomie gegenüber den Künsten

steckt, zeigt das Beispiel eines Gesprächs mit einem Unternehmensführer

und mehrfachen Verwaltungsrat. Auf eine

entsprechende Frage hin negierte er, dass die Künste nützlich

seien. Gleichzeitig berichtete er von seinen Besuchen

im Luzerner KKL, an denen er sich durch Claudio Abbados

Mahler-interpretationen die Tränen in die Augen treiben liess.

Darauf angesprochen, präzisierte er, die Künste seien zwar

nicht nützlich, aber doch immerhin wertvoll. Trotzdem hat

die Ökonomie zu den Künsten mehr zu sagen, als man vielleicht

glauben möchte. Sie beschäftigt sich nicht nur mit den

ökonomischen Aspekten von Kultur, sondern auch mit der

Anwendung ökonomischer Methoden bei der Analyse menschlichen

Verhaltens im kulturellen Bereich.

Das erste ökonomische Feld betrifft das, was als Creative

Industries bezeichnet wird. Im Blickpunkt stehen dabei die

Umsätze, Beschäftigungsquoten und Wachstumsraten jener

Branchen, deren Existenz kreativen und künstlerischen

Leistungen geschuldet ist. Der Stand der Kreativwirtschaft

der Schweiz wird von der ZHdK regelmässig erhoben und

publiziert. Der dritte Kreativwirtschaftsbericht Zürich datiert

vom Oktober 2010. Er belegt, dass die Leistungen von

Künstlern, Architektinnen, Musikern, Designern, Film-, Fernseh-

und Medienschaffenden, Autorinnen, Schauspielern usw.

eine beachtliche volkswirtschaftliche Relevanz haben. 2008

wurden in der Schweiz ein Anteil von 4,2% am Bruttoinlandprodukt

und Wachstumsraten, die über jenen der Gesamtwirtschaft

liegen, erreicht. Die Kreativwirtschaft ist damit

viermal erfolgreicher als die Landwirtschaft. Die Zahlen für

Zürich, das eigentliche Zentrum der Kreativwirtschaft der

Schweiz, sind noch deutlich höher. Vor diesem Hintergrund

erscheint die Arbeit einer Institution wie der ZHdK, an der die

Expertinnen und Experten der Kultur- und Kreativwirtschaft

ausgebildet werden, in einem ökonomischen Sinn als durchaus

nützlich. Und trotzdem ist die verbreitete Wahrnehmung,

wonach insbesondere im Kunstbereich das Geld nicht auf der

Strasse liegt, nicht falsch. Neben anderen Faktoren, die dieses

Phänomen zu erklären vermögen, kennzeichnen zwei Spezifika

die Kulturwirtschaft. Die Wertschöpfungskette dieser

Form des Wirtschaftens ist dort, wo Kunstschaffende nicht

in Anstellungsverhältnissen, an Schulen und Hochschulen,

in Orchestern oder an Staatstheatern arbeiten, eine besondere.

Obwohl ein Buch ohne die Leistung eines Autors nicht

existieren kann, profitiert nicht in erster Linie der Urheber

von dessen Produktion und Verkauf. Er erhält lediglich einen

kleinen Prozentanteil am Umsatz, der ihn für seine Arbeit

kaum entschädigt. Ähnliches lässt sich von anderen Zweigen

der Kulturwirtschaft sagen. Auch das zweite Spezifikum gilt

vornehmlich für freischaffende Künstlerinnen und Künstler.

Es betrifft das Investitionsverhalten der Marktteilnehmer.

Nirgendwo sonst spielt der „return on investment“ für die Urheber

eine so kleine Rolle wie in der Kulturwirtschaft. Deren

Produkte entstehen in der Regel nicht auf der Grundlage von

Marktanalysen. Ihren Markt müssen sie sich oft erst schaffen.

Das hindert die Produzierenden jedoch nicht daran, ohne

sichere Aussicht auf Rendite und mit entsprechendem Risiko

in diesen Markt zu investieren. Uwe Johnson ist dafür

ein gutes Beispiel. In den vierten Band seines Hauptwerks

„Jahrestage“ investierte er acht Jahre Lebenszeit. Die Zuwendungen

seines Verlegers sicherten ihm während dieser Zeit

eine knappe Existenz. Erst nach seinem Tod sind die „Jahrestage“

dann zum Jahrhundertroman und Longseller geworden,

mit dem bis heute gutes Geld verdient wird. Der ökonomische

Nutzen der Investition von Johnson fällt damit dem Verlag zu,

der Autor selber ist weitgehend leer ausgegangen.

Das erste Spezifikum steht dafür, dass der Kulturmarkt nur

bedingt von jenen kontrolliert wird, die ihn mit Ideen und

Produkten beliefern. Das zweite Spezifikum verweist darauf,

dass die Motive der Akteure des Kulturmarktes nicht primär

ökonomischer Natur sind. Ihr Verhalten macht ökonomisch

nur begrenzt Sinn. Weil die Gesellschaft die Tätigkeit von

Kunstschaffenden offenbar trotzdem als nützlich erachtet,

schliesst in beiden Fällen die staatliche und private Kulturförderung

die Lücke.

Materielle Aspekte stehen auch im Zentrum der Steuerung des

Bildungssystems. Der Nutzen von Bildung wird in erster Linie

im Steuersubstrat und in ihrem Beitrag ans Bruttoinlandprodukt

verortet. Die Bildungsökonomie kennt dafür den schönen

Begriff der Bildungsrendite. Damit ist nichts anderes gemeint

als der ökonomische „return on investment“ von privat oder

staatlich finanzierten Ausbildungen in Form von Löhnen und

Steueraufkommen. Dass der Bildungsbericht Schweiz 2010

bei einem Ökonomen in Auftrag gegeben wurde, scheint vor

diesem Hintergrund folgerichtig. Der Bericht erhebt die Wirksamkeit

von Ausbildungen primär entlang von quantitativen

Kriterien. Hier ist er denn auch überaus nützlich. Gleichzeitig

deckt er in seiner Beschränkung nicht ab, was Bildung qualitativ

und im Hinblick auf menschliche Biografien zu leisten

vermag. Die Debatte um das schweizerische Hochschulförderungs-

und Koordinationsgesetz zeigt ein ähnliches Bild.

Obwohl die Wichtigkeit der Qualität von Bildung weitherum

beschworen wird, gibt es Widerstand dagegen, die Qualität

mit auf die Kriterienliste aufzunehmen, die über die Mittel-


08

zett 1–11/ hochschule

verteilung an Universitäten und Hochschulen entscheiden soll.

Man spricht lieber von „kritischer Grösse“ als von „kritischer

Qualität“ und entzieht sich damit der schwierigen Aufgabe,

Qualität messbar zu machen. Das ist verständlich, gleichzeitig

schafft man damit jedoch wachstums- statt qualitätsfördernde

Anreize.

Die als Teil der Fachhochschulen vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement

gesteuerten Kunstausbildungen sind

von der ökonomistischen Verengung des Blicks besonders betroffen.

Die Tatsache, dass Kunstschaffende sich ihren Markt

oft selber schaffen müssen und Marktpotenziale deshalb

schwer zu erheben sind, ist nicht Teil der Betrachtungsweise

der steuernden Instanzen. Das gilt auch für die Tatsache,

dass der Nutzen künstlerischer Tätigkeiten nicht allein ökonomisch

zu vermessen ist. Politik und Verwaltung erkennen

zwar, dass Kreativ- und Kulturwirtschaft erhebliche Umsätze

generieren, die spezifischen Gesetzmässigkeiten für deren

Zustandekommen verstehen sie jedoch kaum. Dahinter steckt

keine böse Absicht. Der Kontext definiert den Blick. Im Fall

der Fachhochschulen ist dieser volkswirtschaftlich geprägt.

Die Maximen der Ordnungspolitik, die von einem Drang nach

Komplexitätsreduktion geprägt sind, minimieren die Bereitschaft

zur Differenzierung zusätzlich. Reibungsverluste und

Kollateralschäden, das zeigt die Erfahrung, sind die Folgen.

Eingangs war von einem zweiten, methodischen Zugang

zu Kunst und Kultur die Rede, den sich Ökonomen eröffnet

haben. Ein Exponent dieses Zugangs ist Bruno S. Frey. Er

wendet das ökonomische Paradigma der „rational choice“ auf

menschliches Verhalten gegenüber dem kulturellen Sektor an.

Im Zentrum steht dabei das Individuum als handelnde Einheit,

dessen Verhalten auf individuellen Präferenzen basiert und

dessen Entscheidungen diese Präferenzen reflektieren und im

jeweiligen individuellen Koordinatensystem „rational“ sind.

Interessant an diesem nicht unumstrittenen Ansatz ist, dass so

auch Verhaltensweisen, die ökonomisch nicht auf Anhieb Sinn

ergeben, als vernünftig und sinnvoll erfasst werden können.

Frey beschäftigt sich in seinen empirischen Untersuchungen

zum Abstimmungsverhalten bei städtischen Kulturvorlagen mit

den Motiven der StimmbürgerInnen im Hinblick auf den kulturellen

Sektor. Er weist erstens nach, dass die Zustimmungsquote

bei diesen Vorlagen im Durchschnitt höher liegt als bei

anderen Geschäften, und zweitens, dass weit mehr Menschen

solchen Vorlagen zustimmen als nur jene, die einen unmittelbaren

persönlichen oder ökonomischen Nutzen daraus ziehen.

Die Ablehnung des Zürcher Nagelhauses im Jahr 2010 vermag

dieses Forschungsergebnis nicht wirklich infrage zu stellen.

Die Vorlage war bekanntlich auch in Kulturkreisen umstritten.

Die im Kanton Baselland kürzlich knapp abgelehnte Erhöhung

der Subvention ans Theater Basel taugt als Gegenbeweis ebenfalls

kaum. Die Zustimmungsquote und damit die Identifikation

mit einem kulturellen Angebot nimmt mit der Entfernung

vom Ort des Geschehens ab. Das zeigt auch die untergeordnete

Rolle, welche die Kulturpolitik auf Bundesebene spielt. Für

den Nahbereich lässt sich der Schluss ziehen, dass die StimmbürgerInnen

in den Künsten einen Nutzen erkennen, der ihnen

nicht in einem ökonomischen Sinn zufällt. Frey nennt dabei

Werte wie Wahlmöglichkeit, Existenzwert und Sinnstiftung,

Prestigewert, Bildungswert und den dem kulturellen Erbe

zugeschriebenen Wert. Die Ökonomie belegt damit, dass kultureller

Nutzen nicht eine allein volkswirtschaftliche Grösse

ist. Zwar könnte man Freys Wertekanon auch einfach unter

Standortattraktivität abbuchen, die Individuen selber nehmen

jedoch Kunst und Kultur offenkundig als wertvolle und damit

nützliche Bereicherung ihres Lebens wahr.

Auf eine lange Tradition greifen jene Zugänge zurück, die

den Nutzen der Künste jenseits ökonomischer Paradigmen

verorten. Rudolf Schilling, Rektor einer Vorgängerinstitution

der ZHdK, hat 1996 eine Publikation vorgelegt mit dem Titel:

„Vom Nutzen des sogenannten Schönen“. Schilling erinnert

sich darin an den am Gymnasium gelernten Satz, wonach

die Kunst da beginnt, wo der Nutzen aufhört. Verantwortlich

für diese Sichtweise ist der deutsche Idealismus, der sein

Verständnis der Künste in eine ästhetische Theorie gebracht

hat. Schilling zitiert dazu den Philosophen und Heidegger-

Schüler Gadamer: „Ohne jede Zweckbeziehung, ohne jeden zu

erwartenden Nutzen erfüllt sich das Schöne in einer Art von

Selbstbestimmung und atmet die Freude an der Selbstdarstellung.“

In dieser Sichtweise muss die Kunst vor Profanisierung

und Markt beschützt werden, deren Kommerzialisierung erscheint

als Gefahr, und wer sie betreibt, wird nicht selten der

Prostitution bezichtigt. Ansprüche, die an die Kunst gestellt

werden und über diese hinaus auf die Gesellschaft verweisen,

werden unter Instrumentalisierungsverdacht gestellt und entsprechend

beargwöhnt. L’art pour l’art, das Schlagwort aus

dem frühen 19. Jahrhundert, hat inzwischen an Wirkungskraft

eingebüsst. Viele Studierende an Kunsthochschulen beanspruchen

heute für ihre Arbeit gesellschaftliche Relevanz und

zeigen durchaus Interesse für die ökonomischen Potenziale

ihres Tuns.

Und trotzdem — auch Frey räumt ein, dass vor allem in den

ersten Jahren einer künstlerischen Karriere die intrinsische

Motivation weit stärker zu sein scheint als die extrinsischökonomische.

Wir wussten das schon immer und nehmen mit

Genugtuung zur Kenntnis, dass die Leitdisziplin Ökonomie

das nun offenbar bestätigt. Die erste Phase der künstlerischen

Produktion sei — so Frey — zudem meist die innovativste und

produktivste. Als Ausbildungsinstitution bestärkt uns das darin,

den Schwerpunkt der Arbeit nicht auf die Herstellung von

Marktgängigkeit, sondern auf die Entwicklung künstlerischer

Persönlichkeiten zu legen.

Die Extreme sind durch ein Festhalten am Paradigma, Kunst

sei allein um der Kunst willen zu produzieren, sowie durch

eine ökonomische Engführung des Blicks auf die Rendite

künstlerischer Unternehmungen geprägt. Beides führt in der

Frage des Nutzens der Künste nicht weiter. In der Bilanz ergeben

sich drei Felder, die insbesondere für die Kunsthochschulen

von Bedeutung sind,

1. Kreativität ist der Motor der Kreativwirtschaft, die erhebliche

Umsätze generiert und damit Beschäftigung und Auskommen

schafft. Weil wir wollen, dass unsere Absolvierenden

davon auch ökonomisch profitieren, haben wir ein vitales

Interesse daran, dass sie sich auf diesem Markt erfolgreich

bewegen können. Mit ihren Forschungsprojekten im Bereich

Cultural Entrepreneurship hat die ZHdK den Handlungsbedarf

erkannt. Weitere Anstrengungen und insbesondere der

verstärkte Transfer entsprechender Erkenntnisse in die Lehre

sind jedoch erforderlich.


hochschule/ zett 1–11

09

Hans Abbing spricht über den Wert der Künste, Hochschultag ZHdK, Vortragssaal. Foto: Regula Bearth

2. Über den rein ökonomischen Nutzen hinaus, und in aller

Regel vor ihm, generieren die Künste gesellschaftlich relevante

Werte. Um zu vermeiden, dass wir diese Werte weiterhin

idealistisch beschwören müssen, ist empirische Forschung

notwendig. Dabei soll es nicht darum gehen, unsere eigene

Arbeit durch Forschung zu legitimieren. Vielmehr soll eine

Bestandesaufnahme dessen, was Kunst und Kultur im Hinblick

auf die Gesellschaft zu leisten vermögen, zum Nährboden für

ihre weitere Entwicklung werden.

3. Am intrinsischen Kern künstlerischer Produktion ist festzuhalten.

Wir bilden nicht einfach Berufsleute für nachfragende

Branchen aus. Wir bilden Kunstschaffende aus, deren Persönlichkeiten

Märkte teilweise überhaupt erst schaffen. Daniel

Fueter, vormals Rektor der Hochschule Musik und Theater

Zürich, hat über sein Rollenverständnis einmal geschrieben:

„Es kann nicht meine Aufgabe sein, auf eine gesellschaftliche

Organisation hinzuwirken, die Verfügbarkeit und Austauschbarkeit

statt Einzigartigkeit als Basis des Zusammenlebens

behauptet.“ Das gilt nicht nur für die Künste, aber hier ist es

unabdingbar.

* Prof. Dr. Thomas D. Meier ist seit Herbst 2009 Rektor der Zürcher Hochschule

der Künste (thomas.meier@zhdk.ch)

from high to

new art:

on the diminishing

value of art

Auszug aus dem Referat von Hans Abbing*,

Bildender Künstler und Ökonom, am Hochschultag

der ZHdK vom 3. März 2011.

The symbolic value of art is currently diminishing. The respect

for art is now less widely shared than it was some decades ago.

The circles in which respect for art is natural are becoming

smaller. In any event, art has not always enjoyed as much respect

as it does today. (For instance, Haydn still had to take his

dinner together with the other servants.) The extraordinary

respect for art and artists is tied to what I call the period of

high art, which started around 1800 and is presently coming to

a close. Whereas before 1800 art was first and foremost functional

and serviceable, thereafter an existential relationship

with art gradually evolved. Art became sacred and the artist

became special. Since those days, art has represented beauty

for an increasing number of people. Considered to possess

depth, art is said to create profound human emotions, to be enriching

and civilizing, to be autonomous, and to have nothing

to do with money. Put differently, art is seen to be unique and

authentic. Artists, moreover, are creative, authentic, sensitive,


10

zett 1–11/ hochschule

vulnerable, involved in self-realization, and disinterested in

money. These are of course stereotypes, but as such they were

and are widely shared. The ordinary person, who did not visit

concerts or museums, also believed these stereotypes to be

true and had much respect for art. Art must be good, it was

believed, even more so since during this period the often social

democratic elites attempted to educate and civilize the

ordinary person with the help of art.

Since 1800, individualism has been taking root, initiating a profound

search for authenticity. However, becoming an authentic

human being remained an unattainable goal. Only artists

approached authenticity: they were able to realize themselves

and demonstrate their authenticity in their works, and therefore

were looked up to and envied. Over time the search for

authenticity has become ever more important and this explains

the attraction of the art profession and the willingness of artists

to work for very low incomes. (The artist is indeed special.

When I go to a party, at which all sorts of professionals from

lawyers to dentists are present, the host will introduce the

latter without mentioning their professions; when I join the

gathering, however, he explicitly introduces me as an artist.

This evidently adds to his status — and to my willingness to

work for little remuneration.)

The paying of ever higher prices for some paintings and the

building of prestigious and extremely costly “cathedrals” of

art all over the world suggests that there is still much esteem

for art. For instance, the very costly Elbe Philharmonic Hall

in Hamburg, which has been designed altogether for the

performance of symphonic music, could not have been built

without substantial public support. Further, the construction

of a magnificent and extremely expensive Abu Dhabi Louvre

rests not only on the availability of much money, but also on

considerable public support.

However, as always, developments are not unequivocal. In

some respects, and in some circles, the respect for art remains

high or is even growing, while in others it is dwindling. In

the long run, the latter development is likely to be the more

important. There are several signs of a diminishing respect

for art. Foremost among these is the waning interest in the

established arts and the success of the popular arts. At present,

of course, while few people will deny that popular art is art,

the respect for popular art and artists is local; that is to say, it

does not extend to the world of art. The goodness of classical

music testifies to the goodness of art; the same does not apply

to Reggae. When I once wrote that classical concerts are boring

for young people and that one ought to experiment with

new formats, I was ridiculed not only as an enemy of classical

music but also of art as such. I did not belong to the world of

art. Although Bob Marley is as sacred to his fans as Mahler is

to his, the celebration of the goodness of the former does not

extend to a celebration of the goodness of art. Unlike Mahler,

Marley does not belong to the world of art and the respect for

him does not naturally go hand in hand with a respect for art.

A clear sign of a diminishing value of art is the weakening of the

taboo on statements which can be interpreted as a lack of interest

in art or which ridicule the art elite or, most fundamentally,

questions the high value of art. This is even more telling than

the proposed or already effected cuts in art subsidies in many

European countries. (The latter are enabled by the abovementioned

weakened taboo, but are not always its result.) And

because respect in our society is still tied to slightly subdued

behaviour, another sign of a diminishing respect for art is the

call for less protocol and ceremony in the established performing

arts and art museums, and instead for more informal ways

of consumption. (The extreme and partly ceremonial silence

during classical concerts and the pervasive silence in museums

have not existed since time immemorial. Rather, they are tied

to the period of high art. Before this period, most audiences

were far from quiet.)

Other signs of a diminishing value of art are the commercialization

and professionalization of the arts. Nowadays, there is

less need to deny the commodity character of artworks and

performances, just as marketing activities designed to promote

the arts are no longer taboo. Moreover, prominent groups of

artists have become and are becoming more like other professionals.

They believe they are making a good product and are

eager to sell it; they organize their work better and, if necessary,

they have interesting second jobs. In short, a process of

normalization is underway in the arts.

The causes of this diminishing value are foremost de-hierarchization,

informalization, and less romantic attitudes in

society. These are interrelated and connected to technological

developments. Other phenomena like fading boundaries

within and around the arts and omnivorism follow in the wake

of these developments and also contribute to normalization.

Until recently, there existed imaginary centres of authority

within the various art worlds; these centres could tell us not

only which art is good and which is bad (abstract art is better

than realist art), but also which modes of consumption are

allowed (the audiences of classical concerts must remain still

during a performance). At present, however, although they

take advice, social groups and individuals decide for themselves.

They also decide on which combinations of art styles

are acceptable. (Without being apologetic, someone can be

omnivoric and like both classical music and hardcore.) Moreover,

although authenticity is as important as before, it is now

possible to be authentic. Paradoxical as it seems, youngsters

have to be authentic to belong to their peer group. Therefore

the romantic, lifelong search for authenticity, which was very

much connected to the consumption of sacred art, has largely

come to an end.

A prominent fading boundary is that between the established

and the popular arts. The sacred becomes diluted. This also

applies to the boundary between artworks and art-related

products. For young people, the distinction between visual

artworks and art-related products like well-designed flyers

and Youtube videos has become meaningless.

There is an ongoing shift from high to new art. Whether

one likes it or not, the period of high art is coming to a close.

Just as around 1800, a new paradigm is now emerging. With

increasing prosperity, art-like products will only become more

important in society. While we shall probably call them art, this

will not be the same art as that which we have encountered

and have been celebrating over the last two centuries. It will

be new art.

*Prof. Dr. Hans Abbing war Gastreferent am diesjährigen Hochschultag zum

Thema „Vom Nutzen der Künste. Zwischen Kultur und Ökonomie“. Hans

Abbing ist bildender Künstler und Ökonom und Professor Emeritus in Kunstsoziologie

der Universität Amsterdam. Wirtschaftsstudium an der Universität

Groningen, Studium Visual Arts an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam.

Arbeit als Künstler, Zeichner, Fotograf und Dozent. 2002 Promotion an

der Erasmus Universität in Rotterdam, von 2005 bis 2008 ausserordentlicher

Professor in Kunstsoziologie an der Universität Amsterdam. Autor mehrerer

Publikationen, u.a. „Why Are Artists Poor? The Exceptional Economy of the

Arts“ (2002).


toni-areal/ zett 1–11

11

das toni-areal zum

fliegen bringen

Beim Toni-Areal gilt es, eine vierzigjährige

gigantische Industrieanlage in ein zeitgemässes,

multifunktionales Gebäude zu transformieren.

Bruno Schulthess weiss, wovon er spricht.

Er ist Projektleiter des Hochbauamtes des Kanton

Zürich und mitverantwortlich für den Bau

des Campus Toni-Areal. Ein Interview von

Adriana Bognar *

Es war nicht einfach, mit Ihnen kurzfristig einen geeigneten

Interviewtermin zu vereinbaren. Was war los beim Hochbauamt?

Zurzeit wird das Bauprojekt des Mieterausbaus im Toni-Areal

im Umfang von über 90 Millionen Franken seitens der Nutzer

und der Projektbeteiligten des Kantons Zürich genehmigt. Da

heisst es: organisieren, koordinieren, prüfen und entscheiden.

Die Grundauslastung ist bei allen Beteiligten gross, und das

System gerät durch eine solch umfassende Prüfung unweigerlich

unter Druck und an die Grenzen. Dann gilt es, Prioritäten

zu setzen.

Vier Hauptpartner sind im Toni-Areal involviert: Allreal, die

Architekten, die Bildungs- und die Baudirektion. Was für eine

Rolle spielt das Hochbauamt?

Als zentrales Baufachorgan des Kantons Zürich nimmt das

Hochbauamt die Gesamtverantwortung für die Projektierung

und Realisierung von Bauprojekten wahr. Das Toni-Areal wird

im Auftrag der Bildungsdirektion ausgebaut. Das Projekt ist

aufgeteilt in einen Grundausbau, einen Mieterausbau und in

die Mieterausstattung mit entsprechend unterschiedlichen

Finanzierungs- und Beauftragungsmodellen. Das begründet

die wechselnden Rollen der Beteiligten innerhalb des Projekts.

Allreal tritt als Eigentümerin und Vermieterin auf und

ist gleichzeitig Bauherrin des Mieterausbaus. Sie realisiert und

finanziert diesen nach Vorgaben der künftigen Mieter, also

des Kantons und der ZHdK sowie ZHAW. Allreal ist gleichzeitig

auch Totalunternehmerin im Projekt. Die Architekten

und die Fachplaner für den Mieterausbau werden nicht von

uns, sondern von Allreal beauftragt. Sie sind deshalb in erster

Linie ihrer Auftraggeberin gegenüber verpflichtet und nicht

uns, den zukünftigen Mietern. Da Allreal jedoch die Eigentümerin

des Gebäudekomplexes ist, besteht ein spürbar grosses

Eigeninteresse und viel Engagement, das Toni-Projekt zum

„Fliegen“ zu bringen.

Was sind Ihre Aufgaben als Projektleiter?

Als Gesamtprojektleiter bin ich für die Einhaltung der definierten

Ziele verantwortlich. Grösse und Komplexität des Projekts

machten ein eigentliches Projektleitungsteam notwendig.

Zu unseren Aufgaben, beispielsweise im Mieterausstattungsprojekt,

gehört das Vertragswesen mit Unternehmern, Planern

und Fachexperten sowie die Leitung und Überwachung der

baulichen Umsetzung des Projektes. Wir sind zuständig für

das Führen des Planungs- und Realisierungsprozesses und,

damit das Ganze nicht aus dem Ruder läuft, für die Gesamtkostenkontrolle

sowie für ein konsequentes Projektänderungs-

Management.

Gibt es denn viele Änderungswünsche vonseiten der ZHdK?

Ja, sehr viele! (lacht) — Das hat auch damit zu tun, dass die

ZHdK mit fünf Departementen vertreten ist und schon rein

räumlich hohe Ansprüche an das Projekt hat. Es ist jeweils die

grosse Kunst herauszufinden, was für die spezifische Nutzung

wichtig ist und was nicht.

Projektänderungs-Management heisst, Änderungsansprüche

und allfällige Konsequenzen insbesondere bezüglich Termine

und Kosten im Griff zu haben und bei allen Beteiligten eine

Kostendisziplin und -verantwortung zu etablieren. Letztlich

geht es um einen sorgfältigen und haushälterischen Umgang

mit Steuergeldern.

Welchen beruflichen Hintergrund und was für Eigenschaften

bringen Sie für Ihre Aufgabe mit?

Während und nach meinem Architekturstudium an der ETH

war ich im Architekturbüro von Dolf Schnebli tätig und lernte

während fünf Jahren eine grosse Bandbreite dieses schönen

Berufes kennen. Es folgten drei Jahre bei Bob Gysin + Partner

BGP, wo ich bei einer Wohnüberbauung in Zürich Leutschenbach

zum ersten Mal auch Führungsaufgaben übernahm. 2007

wechselte ich auf die Bauherrenseite und wurde Projektleiter

im Baubereich 2 des Hochbauamtes, Ressort Fachhochschulen.

Ein Jahr später wurde ich Ressortleiter für Fachhochschulbauten.

Was die Eigenschaften betrifft, gibt es im Toni-Areal einen

wesentlichen Punkt: Man muss unglaublich schnell und agil

mit neu erworbenem Wissen umgehen und dieses direkt in

die Praxis umsetzen können. Selbstverständlich braucht es

Durchsetzungsvermögen, muss man Nein sagen können und

den Konflikt nicht scheuen. Aber immer wieder geht es darum,

den „dritten Weg“ zu finden und zwischen zwei bisher

als alternativlos geltenden Möglichkeiten eine gut begründete

und umsetzbare Lösung aufzuzeigen. Letztendlich spielen

Motivation und Freude aller am Projekt Beteiligten die grösste

Rolle, und die sind ohne Zweifel in hohem Mass vorhanden.

In welcher Phase befindet sich das Projekt zurzeit?

Wie bereits erwähnt, sind wir mitten im Übergang von der

Projektierung zur Realisierung. Die Planung des Mieterausbaus

ist noch nicht abgeschlossen, aber das Bauprojekt liegt

vor. Mit viel Beharrlichkeit ist es uns gelungen, einen in sich

schlüssigen, kohärenten Bauprojektstand zu erreichen, auf

dem das Projektänderungs-Management aufgebaut werden

kann. Die Überprüfung sämtlicher Unterlagen — die mehrere

Etagen in einem stattlichen Büchergestell einnehmen — ist

jetzt bei den Projektbeteiligten abgeschlossen.

Welchen Situationen oder kritischen Bauphasen sehen Sie mit

gemischten Gefühlen entgegen?

Der Einbindung des Spezialausbaus in den Mieterausbau. Die

Planung und Umsetzung dafür ist eine Naht- und Schlüsselstelle.

Bereits heute, also zweieinhalb Jahre vor Aufnahme des

Studienbetriebs, muss die Ausstattung bestimmt werden. Wir

stehen da als Nutzer und Besteller unter einem enorm hohen

Termindruck. Es ist relativ einfach, einen Ist-Zustand zu erheben,

aber die Zielformulierung für künftige Entwicklungen

vorzunehmen und die entsprechenden Bedürfnisse daraus

abzuleiten, hat Prognosecharakter. Hier sind die NutzerInnen

der insgesamt sieben Departemente von ZHdK und ZHAW

schon sehr gefordert.


12

zett 1–11/ toni-areal

Wissen die NutzerInnen ganz genau, was sie brauchen?

Es ist natürlich nicht so, dass auf der Nutzerseite nur Einigkeit

darüber besteht, was der gerechtfertigte, notwendige und

sinnvolle Bedarf für das jeweilige Departement ist. Da finden

schon Auseinandersetzungen statt, die ich aber nur am Rande

mitkriege. Es kommt darauf an, ob man das Prinzip der maximalen

Forderungen anwendet, eventuell mit versteckten

Reserven spielt oder ob die Karten offen auf den Tisch gelegt

werden. Ich habe übrigens den Artikel über das Ressourcenmodell

der ZHdK im letzten „Zett“ mit grossem Interesse

gelesen. Auch beim Toni-Areal geht es letztendlich darum,

wie man die vorhandenen Mittel gerecht und sinnvoll einsetzt.

Mieterausbau, Mieterausstattung und Spezialausbau— was

muss man sich darunter vorstellen?

Die Aufteilung in Mieterausbau und Mieterausstattung

bezieht sich wie gesagt primär auf die Art der Finanzierung.

Die Mieterausstattung ist ein separater Kredit des Kantons

über 89,5 Millionen Franken, dessen Bewirtschaftung beim

Hochbauamt liegt. In diesem Fall tritt der Kanton als Bauherr

auf und organisiert die Inhalte. Der erwähnte Spezialausbau ist

der bauliche Teil der Mieterausstattung. Dazu gehören etwa

bauliche Massnahmen im Zusammenhang mit technischen

Studioeinrichtungen, der Bühnentechnik, den Schwachstrominstallationen

oder der Informationstechnologie.

Wer ist dafür verantwortlich, dass gute Architektur, Nachhaltigkeit,

Energiebewusstsein und optimale Raumnutzung

ausbalanciert sind?

Sie müssen sich vor Augen halten, dass eine vierzigjährige

gigantische Industrieanlage in ein zeitgemässes, multifunktionales

Gebäude transformiert wird. Zudem soll man den

divergierenden Ansprüchen, die ein Leuchtturmprojekt mit

sich bringt, gerecht werden. Für alle Beteiligten ist das eine

grosse Herausforderung. Die angesprochene Balance — insbesondere

die Nachhaltigkeit und das Energiebewusstsein —

wird primär das Gebäude als Gesamtsystem leisten müssen.

Im Grundausbau wurde der Kanton als Mieter ohne Entscheidungsbefugnis

in den Planungs- und Bauprozess einbezogen.

So konnten wir z.B. erreichen, dass das Gebäude den Minergie-Standard

erfüllt.

Wird es im Gebäude Spielraum für spontane Kunst von Studierenden

geben? Dürfen wir Nägel in die Wände schlagen?

Grundsätzlich werden die Nutzungsvorgaben von der ZHdK

und ZHAW gemacht. Das gilt auch im geplanten Umgang mit

Wänden. Der spontanen Nutzung des Gebäudes wird meiner

Meinung nach im Projekt sehr viel Raum gegeben. Die Schaffung

einer kreativen Umgebung ist Teil des architektonischen

Grundkonzepts der Architekten EM2N. In einer vorhandenen

Struktur wie dem Toni-Areal zu bauen, heisst aber beispielsweise,

dass wir Gipskarton-Ständerwände verwenden. Da dies

keine gemauerten Wände sind, bringen sie weniger Feuchtigkeit

in den Bauprozess, haben eine kürzere Austrocknungszeit,

bedeuten weniger Lasten für die vorhandene Struktur und

bieten mehr Freiheit für zukünftige Veränderungen. Um einen

Nagel einzuschlagen, sind diese Wände nur bedingt geeignet.

Wie oft sind Sie auf der Baustelle, und was interessiert Sie dort

am meisten?

Meine persönlichen Toni-Baustellen sind die Besprechungsund

Verhandlungstische bei den Projektbeteiligten, deshalb

bin ich zurzeit mehrheitlich nur Zaungast auf dem Bau. Mit

den zukünftigen Bemusterungen und der fortschreitenden

Bautätigkeit wird sich meine Präsenz jedoch erhöhen. Vor

Ort bin ich jedes Mal völlig begeistert vom kathartischen Zustand

und den Dimensionen dieses Areals. Es ist wie mit einem

überdimensionierten Baukasten: Unweigerlich beginnt man,

die eigenen Bilder und Vorstellungen von dem, was dort einst

passieren wird, in diese Struktur zu übertragen.

Wie sicher ist der Einzugstermin im Jahr 2013, und wer sind

wohl die Ersten, die einziehen?

Die Ersten, die einziehen? Die Mutigsten! (lacht) — Ganz

ernsthaft, mit Allreal haben wir eine Partnerin mit anerkannt

höchster Kompetenz für das zeitgerechte Umsetzen von

Gross projekten. Wir zweifeln deshalb nicht an der Einhaltung

des vertraglich festgesetzten Einzugstermins. Terminliche

Präzision ist aber nicht nur auf der Baustelle gefragt, sondern

auch in der Planung. Ist der Mieterausbau abgeschlossen,

ergibt dies noch lange keine funktionierende Schule. Das

Gelingen hängt deshalb von der rechtzeitigen Bereitstellung

der notwendigen Grundlagen für die Mieterausstattung ab. Da

der Kanton ab 1. Juli 2013 voraussichtlich die Miete für das

Toni-Areal bezahlen muss, ist es natürlich unser oberstes Ziel,

ab diesem Zeitpunkt nur noch wenige überlappende Mietverpflichtungen

zu haben.

Verraten Sie uns am Schluss Ihren Lieblingsplatz im Toni?

Ich liebe hohe und grosse Räume, vor allem mit Galerien,

und habe eine grosse Affinität zu Büchern. Deshalb freue ich

mich ganz speziell auf die Bibliothek. Dies wird zudem der Ort

sein, an dem die räumlichen und strukturellen Qualitäten des

bestehenden Baus in besonderem Masse sichtbar und deren

gänzliche Neuinterpretation erlebbar sind. Die Bibliothek hat

definitiv das Potenzial, einer meiner Lieblingsplätze im Toni-

Areal zu werden!

* Adriana Bognar ist Projektleiterin Hochschulkommunikation, Rektorat

(adriana.bognar@zhdk.ch).

Informationen zu den Projektbeteiligten der Baudirektion des Kantons

Zürich und den Begriffen der verschiedenen Projektteile:

Das Hochbauamt leitet das Projekt auf strategischer und operativer Ebene und

stellt das Projektmanagement: Werner Arnold, Abteilungsleiter Baubereich 2,

Vorsitz Projektausschuss; Beat Wüthrich, Abteilungsleiter Gebäudetechnik,

Projektausschuss; Bruno Schulthess, Ressortleiter, Gesamtprojektleiter, Vorsitz

Projektteam; Albert Bamert, Projektleiter Mieterausstattung; Silvia Beyer,

Projektleiterin Spezialthemen; Peter Fugazza, Fachprojektleiter Gebäudetechnik

Mieterausbau; Bruno Juen, Fachprojektleiter Gebäudetechnik Mieterausstattung.

Das Immobilienamt vertritt die Interessen des Kantons als Mieterin:

Peter Sibold, Adjunkt mbA, Verträge; Alain Siegenthaler, Portfoliomanager,

Projektausschuss

Der Grundausbau wird von der Eigentümerin erstellt, zur Aufnahme des Mieterausbaus

bereit gemacht und vermietet: Rohbau, Fassade, Heizung, Gebäudetechnik

bis zu den Anschlüssen auf den Etagen, Vertikalerschliessungen usw.

Der Mieterausbau wird nach Vorgabe des Mieters ausgebaut, von der Eigentümerin

finanziert und vom Mieter amortisiert und verzinst: Innenausbau mit

Raumunterteilungen, Horizontale Verteilung der Gebäudetechnik mit Lüftung,

Sanitär- und Starkstrominstallationen, Raumbeleuchtung, Bodenbeläge usw.

Die Mieteraustattung wird über einen Kredit des Kantons Zürich realisiert.

Sie gliedert sich in den Spezialausbau und in die mobile Ausstattung:

Spezialausbau: Spez. bauliche Massnahmen für Ausstattungen, Schwachstromanlagen

inkl. IT-Verkabelung, Kommunikationsverkabelungen, WLAN,

fest mit dem Gebäude verbundene Ausstattungen, fest installierte Bühnentechnik

u.w. Ausstattung: Mobile Ausstattung, Möblierung, AV-Geräte, Werkstatt-

und Ateliermaschinen, Instrumente usw.

Bruno Schulthess im Gang des Hochbaumtes. Foto: Regula Bearth


zett 1–11

13


CORPORATE DESIGN STADTTHEATER SCHAFFHAUSEN

Stefanie Beilstein Denise Bertschi Tayland Karahan Martina Schneider Sabrina Uebersax

Oktober 2010

Corporate Design für das Stadttheater Schaffhausen von

STEFANIE BEILSTEIN, DENISE BERTSCHI, TAYLAND KARAHAN, MARTINA SCHNEIDER, SABRINA UEBERSAX

18pt

18pt

18pt

18pt

11. Die Fledermaus

11. Expedition Backstage

Die Fledermaus 12.

Expedition Backstage 12.

Die Fledermaus 14.

Expedition Backstage 18.

27. Romeo und Julia

Romeo und Julia 28.

27. schön & gut

schön & gut 30.

01. Goethes Faust

Goethes Faust 02.

Anna Huber - tasten 04.

Heidi 06.

07. Heidi

09. Les Femmes Savantes

Konstantin Wecker 10.

15. Kunst aufräumen

Anna Huber - tasten 16.

17. Massimo Rocchi

Massimo Rocchi 18.

Cosi Fan Tutte 20.

23. Cosi Fan Tutte

29. Hotel Paradiso

Hotel Paradiso 30.

WWW.STADTTHEATER-SH.CH

03.

02.

Bodoni Std Roman

Bodoni Std Italic

Avenir LT Std Roman 05.

AVENIR LT STD BLACK

AVENIR LT STD BLACK

04.

11.

SE P T

OKT

04.

NOV

DEZ

JAN

FEB

MRZ

APR

MAI

06.

SEPT

OKT

NOV

DEZ

JAN

FEB

MRZ

06.

APR

MAI

11.

08.

02.

Bodoni Std Roman

Bodoni Std Italic

Avenir LT Std Roman

AVENIR LT STD BLACK

AVENIR LT STD BLACK

10.

06.

KONZEPT

03.

01.

PRINTMEDIEN

01.

01. LEITGEDANKE

Was braucht ein Theater, dass so viele Ensembles und Genres in

einem Haus zusammen bringt? Eine Linie, die sich durch das ganze

01. LEITGEDANKE

Konzept zieht. Das Stadttheater Schaffhausen ist ein Raum der

Was braucht ein Theater, dass so viele Ensembles und Genres in einem Haus

Begegnung und die Theaterbühne ist sein Zentrum. Die Mittelachse

zusammen bringt? Eine Linie, die sich durch das ganze Konzept zieht.

Das Stadttheater Schaffhausen

verbindet

ist ein Raum

die

der

Bühne

Begegnung

mit

und

den

die

Zuschauern

Theaterbühne

und

ist

dient als Orientie -

sein Zentrum. Die Mittelachse rungshilfe. verbindet die Sie Bühne ist mit die den Konstante, Zuschauern an und welcher dient als sich die Besucher und die

Orientierungshilfe. Sie ist die Konstante, Künstler an richten. welcher Um sich sie die Besucher als Leitlinie und die kann frei inszeniert, komponiert

Künstler richten. Um sie als Leitlinie und gespielt kann frei inszeniert, werden. komponiert und gespielt

werden.

02. SCHRIFTEN

02. SCHRIFTEN Für das neue Erscheinungsbild des Stadttheaters wurden zwei

Für das neue Erscheinungsbild Schriften des Stadttheaters gewählt: wurden Einerseits zwei Schriften die klassische gewählt: Bodoni Std und als Kont -

Einerseits die klassische Bodoni rast Std dazu und als die Kontrast moderne dazu die Grotesk moderne Avenir Grotesk LT Std.

Avenir LT Std.

03. LOGOSTRUKTUR

03. LOGOSTRUKTUR Der prägnante Schriftzug ‹Stadttheater› bringt die Standhaftigkeit

Der prägnante Schriftzug ‹Stadttheater› bringt die Standhaftigkeit des Theaters zum

des Theaters zum Ausdruck, während der untergeordnete Ortsname

Ausdruck, während der untergeordnete Ortsname Eleganz und Qualität ausstrahlt.

Eleganz und Qualität ausstrahlt.

04. FARBKONZEPT

04. FARBKONZEPT

Jedes Jahr werden drei neue Farben gewählt, die das Stadttheater während einer

Saison repräsentieren. So ist das Jedes Erscheinungsbild Jahr werden wandelbar drei neue und Farben belebt die gewählt, Identität die das Stadttheater

des Theaters.

während einer Saison repräsentieren. So ist das Erscheinungsbild

wandelbar und belebt die Identität des Theaters.

05. BILDSPRACHE

Neu wird mit zwei Bildebenen 05. gearbeitet. BILDSPRACHE

Von den Gastensembles zu Verfügung

gestelltes Bildmaterial wird in Neu schwarz/weiss wird mit verwendet. zwei Bildebenen Dazu kommen gearbeitet. farbige Von den Gastensembles zu

Hauptbilder die jeweils als Metapher Verfügung auf den gestelltes Inhalt einzelner Bildmaterial Stücke verweisen. wird in schwarz/weiss verwendet.

Dazu kommen farbige Hauptbilder die jeweils als Metapher auf den

Inhalt einzelner Stücke verweisen.

06. DREIMONATSPROGRAMM

07. UMSCHLAG D REIMONATSPROGRAMM

08. PLAKATE

07.

09. ABOS & TICKETS

10. BRIEFSCHAFTEN

11. DRUCKSACHEN KINDERTHEATER

12. WEBSEITE

13. IPHONE-APP

06. DREIMONATSPROGRAMM

07. PLAKATE

08. ABOS & TICKETS

09. BRIEFSCHAFTEN

10. KINDERTHEATER 07.

09.

was sind gute

auftragsprojekte?

Aufträge vom Stadttheater Schaffhausen, von der

Winterhilfe und von den Leichtathletik-Europameisterschaften

ermöglichten den Studierenden

der Vertiefung Visuelle Kommuni kation im

Herbst 2010, in Projektform Anforde rungen

der Praxis in ihr Studium zu integrieren, und

liessen ihnen dabei auch Raum für neue Ansätze.

Peter Vetter*

11.

08.

08.

07.

13.

12.

xxxx

NEUE MEDIEN

11.

12.

11. WEBSEITE

12. IPHONE-APP

10.

SEPT

Die Fledermaus 08.

OKT

NOV

Auftragsprojekte in der Lehre bedeuten einen hohen Bezug

zur Praxis, nicht aber automatisch auch die Erfüllung entsprechender

Lernziele. Vielfach sind Studienprojekte interessanter,

weil sie von konkreten Anforderungen ausgehen,

aber auch den didaktischen und experimentellen Spielraum

offen halten. Unter den vielen Anfragen, welche die Visuelle

Kommunikation jeweils erreichen, müssen einige grundsätzlich

abgelehnt werden, da sie die Anforderungen der Lehre

nicht erfüllen oder sich nicht in das Curriculum integrieren

lassen. Eher selten werden Projekte angeboten, die von ihrer

Aufgabenstellung her anspruchvoll sind und bei denen

die AuftraggeberInnen auch die spezifischen Möglichkeiten

(verschiedene Zugänge, unterschiedliche Auffassungen, experimenteller

Ansatz) einer Hochschule verstehen.

Zu dieser Kategorie gehören drei Projekte, welche die Vertiefung

im Herbstsemester 2010 erfolgreich abschliessen konnte:

Präsentationstableau der Arbeit von Stefanie Beilstein, Denise Bertschi, Tayland

Karahan, Martina Schneider und Sabrina Uebersax für das Stadttheater Schaffhausen.

Denise Bertschis Entwurf für die Werbung der Wintehilfe.

Stadttheater Schaffhausen

Im Rahmen des diesjährigen Corporate-Design-Moduls haben

die Studierenden des dritten Semesters das Erscheinungsbild

des Stadttheaters Schaffhausen neu gestaltet. Von den fünf

entstandenen Gruppenarbeiten hat sich die Jury für den Entwurf

von Stefanie Beilstein, Denise Bertschi, Tayland Karahan,

Martina Schneider und Sabrina Uebersax entschieden. Das

Projekt wurde anlässlich einer Pressekonferenz im Januar

2011 der Öffentlichkeit vorgestellt und soll diesen Sommer

umgesetzt werden.

75 Jahre Winterhilfe

Anlässlich des Jubiläums des 75-jährigen Bestehens der Winterhilfe

Schweiz wurde die Visuelle Kommunikation zum

zweiten Mal in Folge beauftragt, das Plakat für den alljährlichen

Aushang zu gestalten. Unter den rund 25 Vorschlägen

hat die Jury (Monika Weber und Regina Hunziker von der

Winterhilfe sowie Peter Kettiger, Melchior Imboden, Jacqueline

Otten und Peter Vetter) den Entwurf von Denise Bertschi

ausgewählt.

Leichtathletik-Europameisterschaft 2014

Die Organisatoren der Leichtathletik-Europameisterschaft,

die 2014 in Zürich stattfinden wird, sind mit der Anfrage an die

Vertiefung gelangt, einen Auftritt für diese wichtige Grossveranstaltung

zu entwickeln, der unkonventionell, experimentell

und frisch ist. Die Studierenden des dritten Semesters haben

im Modul „Carte blanche“ und zusätzlich in ihrer Freizeit

mit grossem Engagement an diesem Projekt gearbeitet und

den hohen Erwartungen mit acht äusserst kreativen und sehr

unterschiedlichen Vorschlägen vollumfänglich entsprochen.

In einer nächsten Phase bestimmen die Organisatoren in en-


design/ zett 1–11

15

ger Zusammenarbeit mit der ZHdK bis zum Sommer 2011 die

geeignetste Lösung für einen originellen und festlichen Auftritt

2014 im Letzigrund.

Diese Beispiele stehen exemplarisch für gute Auftragsprojekte.

Sie zeigen die Stärke eines solchen Vorgehens, nämlich

die Breite an unkonventionellen Lösungen und eine frische,

unvoreingenommene Herangehensweise. In diesem Sinne

sind es sicher gelungene Experimente, die sowohl den vorgegebenen

Lernzielen als auch einem Freiraum für Neues

gerecht werden.

* Peter Vetter ist Leiter Studienvertiefung Visuelle Kommunikation,

Departement Design (peter.vetter@zhdk.ch).

1

1

2

4

3

6

1

Plakate, Logos, Anwendungsbeispiele und Inspirationsquellen zu

den Projekten aus dem Carte-blanche-Modul.

1. Daniel Schmid, Claudia Veit

2. Stefanie Beilstein, Sabrina Uebersax

3. Coralie Wipf, Stephanie Rossi

4. Tayland Karahan

5. Marina Brugger, Johanna Kotlaris, Samuel Linder, Joshua Schenkel

6. Ivan Becerro und Severin Zaugg

1

3

2

5


design/ zett 1–11

17

offizielles Gesicht von Visilab, würde elf der insgesamt neunzehn

Brillen modeln, professionell in Szene gesetzt von Fotografiestudentin

Joëlle Lehmann (Chouchoux).

Ausgangslage jeder Brille war eine Geschichte/Idee, die den

Bezug zum Kino oder zum 3-D-Film herstellt. Die Umsetzung

der Konzepte erfolgte in unzähligen Zwischenschritten und

Vormodellen, bis schliesslich die Brille gut auf der Nase sass,

jede Linie stimmte (es ging dabei um Zehntelmillimeter) und

das finale Modell angefertigt werden konnte.

innovativ und sexy

ins kino der zukunft

Studierende der Vertiefung Industrial Design

weckten die Gattung der 3-D-Brillen aus

dem Dornröschenschlaf — mit prominenter

Unterstützung. Cyril Kennel *

Nicht immer ist ein Kinobesuch gleich entspannend: Entweder

sind es ungünstig platzierte Schuhe des Nachbarn, ewig

raschelndes Papier, tuschelnde beziehungsweise chronisch zu

spät erscheinende Besucherinnen, die dem wahren Filmfreak

die Freude an den Credits verderben, oder aber das Hilfsmittel

für die jüngste Entwicklung im Filmbereich, die 3-D-Brille,

ist schuld daran.

Die Technik an sich ist ja faszinierend, doch hinkt die Gestaltung

der Brillen der Funktion hinterher, und das Auge

des Ästheten wird unter Umständen arg strapaziert — trotz

der Dunkelheit im Kinosaal. Das Brillengestell will nicht so

recht sitzen, verursacht Kopfweh, mutet billig an und ist in

der Wertigkeit zu wenig hoch, als dass man es beim nächsten

Kinobesuch nicht doch zu Hause vergessen würde.

Nicht nur die Vorfreude auf das Fotoshooting mit Xenia

Tchoumitcheva trieb die angehenden Designerinnen und Designer

an, sondern auch die Aussicht, eventuell für die eigene

Arbeit ausgezeichnet zu werden und vom Auftraggeber ein

Preisgeld zu erhalten: Gekoppelt an den Fototermin war ein

Gestaltungswettbewerb, bei dem die Jury die GewinnerInnen

in drei verschiedenen Kategorien kürte.

Der grosse Tag löste alle Erwartungen ein: Ausgezeichnet wurden

Claudio Maestretti für die originellste, Dorothée Beerli

für die modischste und Jan Eugster für die innovativste Brille.

Die beim Shooting entstandenen Fotografien überzeugen auf

der ganzen Linie und können sich sehen lassen. So fanden

sie ihren Weg auch gleich in die Schweizer Presse. Noch nie

haben 3-D-Brillen so gut ausgeschaut, noch nie wurden sie

so stolz und mit Überzeugung getragen, und fast ertappt man

sich dabei, dass man vor lauter Freude vergisst, sie ins Kino

mitzunehmen.

* Cyril Kennel ist Lehrassistent in der Studienvertiefung Industrial Design,

Departement Design (cyril.kennel@zhdk.ch).

Bilder: Linke Spalte:

Oben: Die originellste Brille „Shade“ von Claudio Maestretti. Bild: Betty Fleck

Unten: Die innovativste Brille „Kame“ von Jan Eugster. Bild: Betty Fleck

Brillenfotoshooting mit Xenia Tchoumitcheva:

Links: Die modischste Brille „Rosa“ von Dorothée Beerli. Bild: Chouchoux

Rechts: Die originellste Brille „Shade“ von Claudio Maestretti. Bild: Chouchoux

Daniel Mori, Präsident des Schweizer Optiker-Marktführers

Visilab, hat hier Handlungsbedarf erkannt und die Vertiefung

Industrial Design auf eine Zusammenarbeit eingeladen. Er

prognostiziert der 3-D-Brille eine Zukunft als Alltagsobjekt,

an das man ganz andere Anforderungen stellt: Sie soll originell,

edel und hochwertig sein, die eigene Persönlichkeit zum

Ausdruck bringen und nach Wunsch mit Korrekturgläsern

versehen und auch als Sonnenbrille nutzbar sein.

Unter der Leitung der Industriedesigner Roland Eberle, Nicole

Kind (Vertiefungsleiterin) und Gabriela Chicherio (Mittelbau)

entwickelten die 19 Studierenden des fünften Semesters

in fünf intensiven Wochen echte Blickfänger, wissend, dass

Visilab sich zum Ende des Kurses etwas Spezielles hat einfallen

lassen: Das Schweizer Model Xenia Tchoumitcheva,


18

zett 1–11/ design

1

alpingeschichte(n)

der anderen art –

sechs perspektiven

Archäologen erforschen die frühe menschliche

Nutzung des alpinen Hochgebirges im Silvretta-

Massiv — gemeinsam mit Studierenden der

Vertiefung Scientific Visualization. Eine Wanderausstellung

und deren Begleitpublikation

eröffnen Einblicke in die spannende Kooperation.

Der Dozent (1) organisiert

Welche interessante Zusammenarbeit könnte ich in mein

nächstes Modul einfliessen lassen? Mit dieser Frage trat

ich an die Abteilung für Ur- und Frühgeschichte der Universität

Zürich und traf auf den engagierten Archäologen

Dr. Thomas Reitmaier. Sein laufendes Forschungsprojekt

„Rückwege“ im Silvretta-Gebirge zeigte bereits vielversprechende

Ergebnisse und bot die perfekte Ausgangslage,

um Darstellungsmöglichkeiten von Fundobjekten und

die Rekonstruktion von Siedlungsüberresten praxisnah zu

üben. Die Zusammenarbeit in Lehrmodulen erwies sich

als äusserst fruchtbar: Bald entstanden Praktikumsstellen

im Silvretta-Gebirge, und mittlerweile liegen zahlreiche

Illustrationen vor, die in archäologischen Berichten und

Ausstellungen die Forschungsresultate anschaulich erklären.

Für die Studierenden bedeutet dies neben der Praxiserfahrung

eine wertvolle Gelegenheit, schon während des Studiums

öffentlich aufzutreten und eine erste Anerkennung ihrer Fähigkeiten

zu bekommen, die zu weiterem Engagement anspornt.

Der Student (2) zittert vor Kälte

Bereits bei Ankunft an der Grabungsstelle (auf 2052 Meter

ü. M.) wurde uns bewusst, was es bedeutet, in dieser

unwirtlichen Gegend im Freien zu leben. Das Sommerwetter

hatte sich überraschend in einen Schneesturm verwandelt,

und wir waren innert Kürze bis auf die Knochen durchnässt.

Die Faszination war geweckt, in dieser Landschaft nach Spuren

früher menschlicher Kultur zu suchen. In einer Höhle

wurden Kohle und Silexsplitter entdeckt. Sie lassen darauf

schliessen, dass schon vor Jahrtausenden an genau dieser

2

Stelle ein Lagerfeuer brannte. Die perfekte Bildidee! Wir

stellten die Szene in der Höhle nach und fotografierten sie

als Bildvorlage. Die strengen, am eigenen Leib erfahrenen

Bedingungen des Hochgebirges wirkten bis ins hochsommerliche

Zürich nach, wo wir uns an die Computer setzten.

Wir wollten eine Bildstimmung erzeugen, welche die BetrachterInnen

direkt ins Hochgebirge versetzt: Drei Jäger

scharen sich im Schutz der Höhle um ein Feuer, während

draussen der Sturm tobt. Die Erleichterung, im Trockenen

zu sitzen, ist spürbar. Im Gegensatz zu herkömmlichen

Lebensbildern, in denen Silexpfeile geschlagen und Schmuck

geschnitzt wird, breiten sich Ruhe und Entspannung aus. Eine

Stubenszene aus einer anderen Zeit an einem besonderen Ort.

Die Grafikerin (3) staunt

Peng! Der Startschuss fürs Layout der 120-seitigen Grabungspublikation

ist gefallen, und schon befinden wir uns auf der

Zielgeraden. Texte fehlen, das Budget ist sehr knapp, die Erfahrung

der Studierenden in Sachen Buchgestaltung ebenso.

Ein halbtägiger Input zum Thema Layout, und schon werden

die Studierenden in den Entwurfsprozess geschickt. Ehrlich

gesagt war ich schon ein wenig nervös — und staunte: Während

der eine die Bilder aufbereitet und sich mit Stilvorlagen herumschlägt,

schreibt der andere einen Text und fügt Korrekturen

ein. Die Titeleien werden gesetzt und das Cover montiert, und

ehe wir’s uns versehen, sind die frisch gedruckten Handbücher

per Kurier ins Bündnerland an die Vernissage gereist. Drei

Wochen später reissen wir uns bereits um die letzten Belegexemplare

— alle Bücher sind im Nu verkauft! Und das Beste:

Die Neuauflage ist nach zwei Wochen auch wieder vergriffen.

Die Ausstellungsgestalterin (4) wünscht sich

Die in der Ausstellung präsentierten Lebensbilder ermöglichen

ein plastisches Bild der Vergangenheit und ergänzen

so fragmentierte archäologische Forschungsergebnisse.

Aufgrund des positiven Besucherfeedbacks bleibt zu wünschen,

dass den Ausstellungen über Archäologie vermehrt mit

wissenschaftlichen Illustrationen und Bildern der Vergangenheit

Leben eingehaucht wird.

Der wissenschaftliche Illustrator (5)

argumentiert

Visualisierungen sind nicht nur zentrale Medien zur

Vermittlung von Wissen. Sie wirken als Werkzeuge des

Erkenntnisgewinns im eigentlichen Forschungsprozess. Insbesondere

für das Genre der Rekonstruktion lässt sich be-


legen, dass die bildliche Form das effizienteste Mittel zur

Kommunikation neuer Ideen ist. Visualisierungen sind eine

verführerische Methode der Argumentation, die oft subtil

und unbewusst ihr Ziel erreicht. Selbst komplexe Theorien

können mit naturalistischen Bildern in einer universellen

Sprache einem breitem Publikum auf verständliche oder

gar unterhaltsame und packende Weise vermittelt werden.

Letztlich befriedigen sie unser tief sitzendes Bedürfnis, zu

wissen, wie die Vergangenheit ausgesehen haben mag und

wie sich vergangene Ereignisse abgespielt haben könnten.

Das Feuer des Archäologen (6)

Forschung ist spannender als jeder Krimi, und kleinste Entdeckungen

in der Erde verleihen unerwartete Glücksgefühle.

Doch gerade alpine Fundstellen wie in der Silvretta

sind — wenn es nicht gerade ein Jahrhunderttreffer wie Ötzi

ist — trotz ihrer hohen wissenschaftlichen Bedeutung vergleichsweise

arm an spektakulären Objekten. Zudem sind

bauliche Installationen wie Lagerplätze mit Feuerstellen oft

sehr einfach ausgeführt und spärlich erhalten. Umso wichtiger

erscheint neben der klassischen Dokumentation der Versuch,

derartige Fundstellen wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig

anschaulich, lebensnah und zeitgemäss zu visualisieren.

Der Prozess dieser künstlerischen (Re-)Konstruktion führt

drastisch vor Augen, wie wenig Information uns letztlich aus

dem Boden zur Verfügung steht. Trotzdem, nein gerade deswegen

sind die Illustrationen unentbehrlich. Für die wissenschaftliche

Diskussion ebenso wie für die Öffentlichkeitsarbeit

und als Spiegel des eigenen Weltbildes.

3

4

design/ zett 1–11

19

Das Autorenteam:

(1) Riccardo Bellettati ist Dozent für Archäologisches Zeichnen in der Vertiefung

Scientific Visualization, Departement Design, und arbeitet als Grabungsleiter

für die Kantonsarchäologie Aargau (riccardo.bellettati@zhdk.ch).

(2) Die Studierenden Esther Schönenberger und David Schürch überlebten

als Praktikantin und Praktikant für archaeologische Fundaufnahmen im Hochgebirge

(esther.schoenenberger@zhdk.ch und david.schuerch@zhdk.ch).

(3) Rahel Arnold ist Assistentin in der Vertiefung Scientific Visualization und

freischaffende Grafikerin (rahel.arnold@zhdk.ch).

(4) Margarethe Greiner wirkt als Ausstellungsgestalterin in Zürich.

(5) Niklaus Heeb leitet die Vertiefung Scientific Visualization im Departement

Design (niklaus.heeb@zhdk.ch).

(6) Thomas Reitmaier ist Archäologe an der Universität Zürich, Abteilung

Ur- und Frühgeschichte.

5

6

Abbildungen:

1: Grabungsstätte

2: Publikation „Letzte Jäger, erste Hirten“. Hg: Thomas Reitmaier.

Gestaltung: R. Arnold, D. Schürch, E. Schönenberger, 2010

3: Der Käsekeller aus dem Hochmittelalter im heutigen Bauschutt.

Rekonstruktion Th. Erdin, 2009

4: Ein Ochsenschuh aus der Neuzeit. Objektdarstellung A. Klaiber, 2008

5: Eine Pfeilspitze aus Feuerstein aus der mittleren Steinzeit. Foto D. Schürch,

E. Schönenberger, 2010

6: Pfeilspitze im Gebrauch. Jagdszene A. Gertsch, 2010

7: Die „Veltlinerhütte“ auf dem Grund des heutigen Stausees. B. Rawyler, 2010

8: (Alltags-) Betrieb im Käsekeller. Lebensbild E. Forster, 2009

9: Jäger in der Höhle. Lebensbild A. Schmoker, E. Schönenberger,

D. Schürch, 2009

7

Die Sonderausstellung „Letzte Jäger, erste Hirten — hochalpine Archäologie

in der Silvretta“ ist das Resultat einer Kooperation zwischen der

Vertiefung Scientific Visualization und der Abteilung Ur- und Frühgeschichte

der Universität Zürich (www.prehist.uzh.ch).

— Premiere im Vonzun-Turm in Ardez, 24.7.–24.10.2010

— Sonderausstellung Alpinarium Galtür (A), 5.12.2010–30.3.2011,

www.alpinarium.at

— In Vorbereitung: Rätisches Museum, Chur, 31.8–9.10.2011,

www.raetischesmuseum.gr.ch

Artikel zum Forschungsprojekt in der „ZEIT“: http://www.zeit.de/2010/

49/Alpen-Besiedelung

— Begleitpublikation: Thomas Reitmaier (Hg), Letzte Jäger, erste Hirten,

mit zahlreichen Illustrationen von Studierenden der Vertiefung Scientific

Visualisation, 148 Seiten, Broschur, Format 138 x 210 mm, Dezember 2010.

8

9


20

zett 1–11

Buchautor Christoph Merki

musikszene schweiz

Für die Publikation „Musikszene Schweiz“

befrag ten spezialisierte MusikautorIn nen eine

schillernde Figur ihrer Musikrichtung — ob Punk,

Neue Musik oder Freejazz —, und zwar da, wo

diese Musik in der Schweiz „passiert“. Hinter der

erfrischenden Buchidee steckt der ZHdK-Dozent,

Musiker, Historiker und Journalist Christoph

Merki. Daniela Huser* hat ihn interviewt.

Wie ist die Idee zu diesem 700 Seiten starken Buch entstanden,

und wie kam es zu ihrer Umsetzung?

Ich habe die Idee lange mit mir herumgetragen. Da mir

bewusst war, dass ein Projekt dieser Grössenordnung einige

Lebenszeit besetzt — Konzeption und Entwicklung nahmen

dann tatsächlich gut zweieinhalb Jahre in Anspruch —, habe

ich mir den Entscheid reiflich überlegt. Sobald ich aber mit

der Arbeit begonnen hatte und sich an die vierzig der wohl

namhaftesten Schweizer MusikautorInnen zur Mitarbeit bereit

erklärten, gab es kein Zurück mehr — die Möglichkeit zu

scheitern war schlicht keine Option mehr. Dabei funktioniert

das Buch mit seiner Fokussierung auf die Musikszene Schweiz

natürlich nicht als eine Art nationale Musikgeschichte. Die

hiesige Szene in ihrer ganzen Diversität steht vielmehr exemplarisch

dafür, wie die Musikwelt heute funktioniert — nämlich

global. Es ging im Buch vor allem darum, sehr nahe an die

Musiken heranzugehen, ihnen im gelebten Alltag zu begegnen.

Wie hast du die Auswahl der AutorInnen und der beschriebenen

Musikszenen getroffen?

Jede Musikszene hat ein enormes Eigenleben. Daran muss

teilnehmen, wer nicht als Ignorant erscheinen und darüber

berichten will. Eine meiner zentralen Aufgaben beim Buch war

es also, die richtigen AutorInnen für die jeweiligen Szenen zu

finden. Dabei konnte ich aus meiner Arbeit als Journalist und

Musiker auf ein dichtes Netzwerk von AutorInnen zurückgreifen.

Bei der Auswahl der Szenen mussten einige besonders

sprechende zwangsläufig vorkommen: Neue Musik, Oper, Hip-

Hop, Techno etc. Im Verlaufe der Arbeit aber kamen kleinere

Musikrichtungen dazu, darunter sogar Fussball-Fangesänge

oder Theatermusik. Vierzig sind es insgesamt.

Das Buch wirkt journalistisch, hat Interview- und Reportageelemente,

Porträtfotos ...

Es gibt darin eigentlich einen dichten musiksoziologischen

Unterbau; doch ist dieser für die Leserschaft nicht prima vista

sichtbar. Ich habe das methodische Instrumentarium nur

ganz knapp eingeführt, wollte die LeserInnen nicht mit einem

„akademischen“ Buch verschrecken.

Alle Beiträge ruhen auf den drei Säulen Musikrichtung,

Schlüsselperson, Ort. Inwiefern spielt der Ort eine entscheidende

Rolle bei der Porträtierung einer Musik?

Bei einer Musik sind ja nicht nur die harmonische und rhythmische

Gestaltung sowie das Handwerk entscheidend. Musiken

sind ganze Lebenswelten — deshalb spricht Musik ja

so zu uns! Gerade dieser Aspekt — die Szene, die eine Musik

umgibt, der Ort, wo eine Musik spielt — war bei unserem Buch

entscheidend, während er sonst häufig unerwähnt bleibt, da

eigentlich immer über die Musik selbst gesprochen wird. Es

war der Hauptimpetus dieses Buches, eine Art Milieustudien

zu betreiben.

In deiner Einleitung zum Buch zeigt sich noch ein anderer

als der auf die Schweizer Musikszene fokussierte Blick: Da

begegnet man einem Suchenden, getrieben vom Wunsch, das

Faszinosum Musik philosophisch zu umkreisen und psychologisch

zu ergründen. Hat dir diese Arbeit neue Erkenntnisse

zur Frage geliefert, worin die Macht liegt, die Musik auf Menschen

ausüben kann?

Eine Auflage an die AutorInnen war ja, dass sie die Musikpersönlichkeiten,

die sie porträtieren, aufsuchen und ihnen

persönlich begegnen. Bei der Durchsicht der eingegangenen

Texte ist mir dann unter anderem aufgefallen, wie viele der

Porträtierten im Zusammenhang mit Musik von einer Art

Erweckungserlebnis berichten. Seit Platon stellen sich ja

unzählige Menschen die Frage, was Musik diese Macht verleiht,

einen in ganz tiefer Dimension berühren zu können.

Schopenhauer beispielsweise hat eine Art Hierarchie der

Künste erstellt und die Musik an die Spitze gesetzt. In der

Theorie weiss man also längst um die Macht von Musik —

wer aber dabei ist, wenn Veit Stauffer vom RecRec-Laden im

Zürcher Kreis 4 liebkosend seine Vinylplatten auspackt, hat im

plastischen Leben erlebt, wovon die philosophischen Schriften

theoretisch sprechen. Und die Arbeit an diesem Buch hat mir

letztendlich eine Menge solcher Einblicke gewährt.

* Daniela Huser ist mit der Öffentlichkeitsarbeit des Departements Musik

beauftragt (daniela.huser@zhdk.ch).

Christoph Merki (Hg.), Musikszene Schweiz — Begegnungen mit Menschen

und Orten, 696 Seiten, 187 Abbildungen, ISBN 978-3-0340-0942-3, Chronos

Verlag, 2009, www.chronos-verlag.ch, 58 CHF.


musik/ zett 1–11

21

schönberg-schüler

erich schmid

in der tonhalle

zürich

Der Schweizer Komponist und Dirigent Erich

Schmid (1907–2000) ist die zentrale Figur im

kommenden Tonhalle-Konzert des Orchesters

der ZHdK sowie in einem Forschungsprojekt

am Departement Musik. Lukas Näf *

Das Konzert

Im Rahmen des Orchesterkonzerts vom 7. Mai 2011 in der

Tonhalle Zürich erklingen die „Drei Sätze für Orchester“, op. 3

(1930/36) des Schönberg-Schülers Erich Schmid. Dabei ist die

Tonhalle für Schmid richtiggehend Heimat, wirkte er doch

dort zwischen 1949 und 1958 als Chefdirigent. Dass sich das

Orchester der ZHdK den erwähnten „Drei Sätzen“ zuwendet,

ist in mehrfacher Weise ein Glücksfall. Einerseits zeigt das

Werk besonders eindrücklich den Einfluss Schönbergs auf den

jungen 23-jährigen Komponisten: Die lediglich 15 Minuten

dauernden Sätze sind in den Ecksätzen zwölftönig komponiert,

während der Mittelsatz eine freie Atonalität zeigt.

Der Forschungsansatz

Andererseits manifestiert sich in dieser Aufführung die Grundidee

einer anwendungsorientierten Forschung, wie sie an einer

Kunsthochschule betrieben werden soll, in idealer Weise.

Die provisorische Erarbeitung der Edition der „Drei Sätze“

durch die Musiktheoretikerin Juliane Brandes (im Rahmen

der Berliner Schule Edition), bei der mit wissenschaftlicher

Genauigkeit die Quellen zu diesem Werk berücksichtigt wurden,

wird kombiniert mit einer praktischen Prüfung durch

das Orchester der ZHdK. Die in der Aufführung gewonnenen

Erfahrungen fliessen anschliessend direkt in die definitive

Edition ein, die beim internationalen Verlag Boosey & Hawkes

in London erscheint.

Das Forschungsprojekt

Dass sich das Departement Musik so intensiv mit der Musik

des wohl bedeutendsten Schönberg-Schülers der Schweiz beschäftigt,

beruht auch auf dem regen Interesse der Schweizer

Musikszene. Dabei sei auf Roland Moser verwiesen, der sich

seit den 1980er-Jahren publizistisch oft über Schmid äusserte,

sowie auf Heinz Holliger, der durch zahlreiche Aufführungen

der „Drei Sätze“ das Werk überhaupt bekannt machte. Darüber

hinaus reichte er 2007 den ihm zugesprochenen Zürcher Festspielpreis

an die Erich Schmid Edition weiter und ermöglichte

so die Erforschung Schmids.

Das umfangreiche Forschungsprojekt an der ZHdK umfasst

nicht nur die Edition der Kompositionen von Schmid — be-

Bilder Oben: Erich Schmid, Berlin, um 1930, © Zentralbibliothek Zürich.

Mitte, v.l.n.r.: Wladimir Vogel, Samuel Hirschi, Klaus Huber, Erich Schmid,

Zürich, Tonhalle 1960, © Zentralbibliothek Zürich. Foto: Klaus Hennch

Unten: Erich Schmid, „Drei Sätze für Orchester“, op. 3, Autographe Reinschrift,

© Zentralbibliothek Zürich.


22

zett 1–11/ musik

reits publiziert sind die Werke „Notturno“, op. 10, und die

„Chöre“, op. 15 —, sondern auch seine Autobiografie mit dem

Titel Lebenserinnerungen, die 2011 im Verlag Peter Lang (Bern)

erscheint. Dieses historisch orientierte Editionsprojekt ist

Grundlage für die Edition von Schmids Kompositionen, ist

doch die Klärung biografischer Fragen zum Beispiel für die

chronologische Bestimmung der musikalischen Quellen unabdingbar.

Zudem bieten die Lebenserinnerungen einen tiefen

Einblick in seinen Schaffensmodus und in sein geistiges

Umfeld.

Ergänzt wird die Autobiografie durch einen Quellenanhang,

der die erhellenden brieflichen Kontakte Schmids präsentiert;

an vorderster Stelle natürlich jene mit Anton Webern und Arnold

Schönberg, weitaus interessanter jedoch diejenigen mit

gleichaltrigen Komponistenkollegen wie dem Komponisten

Erich Itor Kahn aus Frankfurt a. M., den Schweizer Kollegen

Robert Blum, Paul Müller-Zürich und Hermann Meier,

dem Musikmäzen Werner Reinhart aus Winterthur oder dem

Thomas-Mann-Sohn Michael Mann. Ein Anhang mit Konzertprogrammen

von Schmids Tätigkeit sowie zahlreiche unveröffentlichte

Bilder zu dessen Leben runden die Publikation ab.

* Lukas Näf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for Music Studies

der ZHdK (lukas.naef@zhdk.ch).

Orchesterakademie

Neben den „Drei Sätzen für Orchester“, op. 3 des Schweizers

Erich Schmid gelangen zwei bedeutende Werke der ungarischen

Orchesterliteratur zur Aufführung: Zoltán Kodálys

schwungvolle „Tänze aus Galanta“ sowie Béla Bartóks tiefgründige,

einzige Oper „Herzog Blaubarts Burg“. Als Dirigent

konnte der weltberühmte Engländer Stefan Asbury verpflichtet

werden. Die Rolle des Blaubart singt der aus Siebenbürgen

stammende ungarische Bariton Michele Kalmandi, die Sopranistin

Olga Kindler, ehemalige ZHdK-Studentin, debütiert in

der Rolle der Judith.

Samstag, 7. Mai 2011, Tonhalle Zürich

18.30 h, Kleiner Saal: Einführung mit Lukas Näf: Zwölftonmusik aus der

Schweiz: Erich Schmid — Meisterschüler von Arnold Schönberg

19.30 h, Grosser Saal: Konzert

Orchester der Zürcher Hochschule der Künste

Stefan Asbury, Leitung, Michele Kalmandi, Bariton, Olga Kindler, Sopran

Zoltán Kodály (1882–1967), „Tänze aus Galanta“ (1933)

Erich Schmid (1907–2000), „Drei Sätze für Orchester“, op. 3

Béla Bartók (1881–1945) „Herzog Blaubarts Burg“, op. 11

Ticketpreise: CHF 30/15 (Legi)

www.tonhalle.ch

„ohne musik

wäre das leben

ein irrtum “ 1)

Ein fiktives Gespräch zwischen dem Konzertbesucher

W. und dem Komponisten N. nach

der Uraufführung dessen Werkes zeitgenössischer

Musik. Von Till Löffler *

W.: Sie sind der Komponist? Das ist ja interessant.

N.: Was finden Sie interessant, mein Stück oder dass ich der

Komponist bin?

W.: (lächelt verlegen) Nun, wenn ich ehrlich sein darf, es hat ...

also ich verstehe zeitgenössische Musik nicht. Nicht nur Ihre

Komposition. Generell. Ich finde zur modernen klassischen

Musik keinen Zugang. Diese Musik hat keine verständliche

Form mehr. Keine Melodien, Harmonien oder erkennbare

Rhythmen. Mir kommt es vor, als komponiere heute jeder das,

was er gerade will.

N.: Aber ist das nicht wunderbar?! Das nenne ich einen wirklichen

musikalischen Fortschritt.

W.: Was ist denn das für ein Fortschritt, Musik, zu der die

ZuhörerInnen keinen Zugang mehr finden? Ist es den

KomponistInnen von heute egal, ob man ihre Musik versteht?

N.: Nein. Ganz sicher nicht. Das Problem ist ein anderes. Nämlich

die Suche nach dem „Verstehen“ in der Musik. Verstehen

ist ein Vorgang, der mit Sprache, Logik, Mathematik oder tech-


musik/ zett 1–11

23

W.: Können sich KomponistInnen denn die Musik nicht vorstellen,

die sie schreiben?

N.: Bedingt! Denn genau genommen komponiert man ja nicht

Musik, sondern schafft die Voraussetzung für Musik.

W.: Wo ist da der Unterschied?

N.: Der Klang entsteht erst durch die Interpretation der MusikerInnen.

Nehmen Sie ein Musikstück, und lassen Sie es von

drei InterpretInnen spielen. Obwohl jede/r der drei versuchen

wird, der Komposition möglichst nahe zu kommen, werden

Sie drei unterschiedliche Aufführungen hören.

nischen Abläufen zu tun hat. Verstehen ist immer konkret. Und

wenn Musik etwas ganz sicher nicht ist, dann konkret! Egal,

welche Musik Sie nehmen. Man kann Musik nicht verstehen.

Man kann sie „nur“ erleben.

W.: Sie wollen doch wohl nicht behaupten, dass Sie bei diesen

merkwürdig schrägen modernen Klängen etwas erleben?

N.: Selbstverständlich. Warum denn nicht?

W.: Gut. Sie vielleicht. Sie sind ja auch ein Spezialist auf diesem

Gebiet. Für Laien hingegen ist klassische Musik viel

leichter zugänglich. Einfacher zu „verstehen“, wenn Sie das

Wort erlauben. Es gibt eine solche Fülle klassischer Meisterwerke,

die so reich an Klangwelten sind. Wozu braucht

man moderne Stücke, wenn man sie nicht geniessen kann?

Sind denn für Sie heutige Musikstücke auch Meisterwerke?

N.: Nicht alle. Aber viele. Das war allerdings auch schon zu

Mozarts Zeiten so. Als er ein „zeitgenössischer“ Komponist

war, gab es etliche andere neben ihm. Die Zeit hat vieles ausgesiebt

und vergessen lassen. Aber es stimmt, das mit dem

„Meisterwerk“ ist eine echte Schwierigkeit, besonders für

junge KomponistInnen.

W.: Warum?

N.: Weil sie dadurch in eine Zwickmühle geraten. Komponist

Innen müssen für ihre musikalische Entwicklung Erfahrungen

sammeln können, vor allem dadurch, dass sie die eigene

Musik live hören. Das findet aber selten statt. Und wer für

eine grössere Besetzung komponiert, hört das Stück vielleicht

nie. Man kann jedoch nicht nur Violinstücke schreiben, bloss

weil der Freund oder die Freundin Geigerin ist.

Wird eine Komposition endlich aufgeführt, erwarten alle ein

Meisterwerk. Der/die KomponistIn muss bereits beim Komponieren

mit dieser Erwartung umgehen. Zugleich wäre diese

Aufführung immerhin eine der seltenen Möglichkeiten, endlich

etwas auszuprobieren. Durch das Hören Erfahrungen zu

sammeln. Danach würde man im Stück vielleicht vieles anders

komponieren.

W.: Interpretatorisch vielleicht. Aber ein klassisches Stück

bleibt noch immer ein klassisches Stück. Daran wird auch

die Interpretation nichts ändern. Und nichts an den schrägen

Klängen der Moderne. In der Alten Musik ist eben eines

aus dem anderen entstanden. Vom Mittelalter bis zur Romantik

bezieht sich alles aufeinander. Die KomponistInnen folgten

einer Tradition. Ihr Modernen lasst alles ausser Acht.

Keine Bezüge mehr. Den Laien fällt es da schwer, genussvoll

zuzuhören.

N.: Warum denn? Sie leben doch heute. Finden Sie nicht,

dass alles Gegenwärtige Sie betrifft? Alles, was um Sie herum

passiert, ist ja ein Teil von Ihnen. Gilt das nicht auch für die

Musik?

W.: Und was ist mit der Tradition?

N.: Aber es gibt doch gar keine Tradition. Was soll das denn

sein? Unreflektiertes Nachbeten alter Behauptungen aus Angst

vor der eigenen Meinung und Veränderung? Das gibt es vielleicht

in der Politik, aber nicht in der Musik. Musik ist immer

im Hier und Jetzt. Natürlich studieren MusikerInnen die

Aufführungspraxis verschiedener Zeiten, unterschiedlichste

Notationsformen der Epochen, zahlreiche Musikstile. Sie hinterfragen,

warum ein Interpret diesen Übergang so macht,

eine andere Interpretin so. In jeder Probe wird ein Stück in

Einzelteile zerlegt und unter vielen Korrekturen langsam wieder

zusammengesetzt. Im Konzert ist das dann alles weg. Es

existiert nur noch der Klang, der im Moment entsteht. Ganz

individuell. Ganz einzigartig.

W.: Und was hat das mit zeitgenössischer Musik zu tun?

N.: Genau das. Bloss weil etwas zeitgenössisch ist, meinen

wir, es sei intellektuell und zeitkritisch, muss analysiert und

verstanden werden. Aber auch in der modernen Musik gibt

es nur den Klang. Wir müssen einfach hinhören, unsere Ohren

neugierig auf feinstes Wahrnehmen einstellen. Erst wenn

wir mit offenen Ohren bereit sind, uns einzulassen, werden

wir diese neuen, reichen Klangwelten erleben. Von heutigen

KomponistInnen, die mit uns in unserer Zeit leben.

* Till Löffler ist Dozent in den Departementen Musik und Darstellende Künste

und Film (till.loeffler@zhdk.ch).

1) Friedrich Nietzsche


24

zett 1–11/ musik

kein alter hut! –

alte musik

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Alte Musik

im kleinen Gärtlein von Spezialisten gepflegt

wurde, Insider sich Informationen über die Spielweise

von Verzierungen zuspielten, sich unterhielten

über speziellste Spielpraktiken in verschiedenen

Stilen und versuchten, vor oft kleinem

Publikum ihre Erfahrung möglichst einleuchtend

zu vermitteln. Matthias Weilenmann*

„Alte Musik“ ist heute aktuelle Musik, und die früher zu beobachtende

Grenze zum sogenannt normalen Musikbetrieb

ist mehr oder weniger inexistent geworden. Es ist beinahe

eine Selbstverständlichkeit, dass bei Probespielen für Stellen

an führenden Orchestern historisch orientierte Aufführungspraxis

vorausgesetzt wird, dass beispielsweise der Gebrauch

von Vibrato oder derjenige der Bogengeschwindigkeit bei

StreicherInnen stilistisch fundiert beherrscht werden müssen.

Das Studium der Alten Musik heute

Diese Tendenz muss sich im Curriculum einer Musikhochschule

widerspiegeln und im Lehrbetrieb entsprechend auswirken.

Das heisst im konkreten Fall des Studios für Alte Musik

der ZHdK, dass neben Spezialgebieten, die für die Haupt- und

Nebenfachstudierenden im Bereich Alte Musik weiterhin zur

Verfügung stehen sollen, Grundfragen zu „Interpretation“

allgemein angegangen werden müssen, die über Mittelaltermusik

und die Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts hinausgehen,

eigentlich bis ins 20. Jahrhundert reichen sollten. In diesem

Sinne werden auf der einen Seite Basic-Kurse angeboten, die

grundsätzliche Fragen zu Klang, Rhetorik, Verzierungen usw.

behandeln. Auf der anderen Seite finden aber Kurse zu ausgewählten

Themen statt.

Meister- und andere Kurse

Mit grossem Erfolg lief auf dieser Ebene 2009 ein Kurs zur

Aufführungspraxis der Musik von Claude Debussy unter der

Leitung von Roy Howard. Zudem sind im Frühlingssemester

2011 drei Meisterkurse mit renommierten Dozenten geplant,

unter denen derjenige von Erich Höbarth symptomatisch für

diese Entwicklung steht: „Von Haydn bis Schubert“ ist die

Übertitelung des Anlasses vom 11. und 12. Mai ( jeweils 10–18

Uhr, ZHdK, Florhofgasse), an dem sich die Musikstudierenden

der ZHdK mit einem der erfahrensten Geiger im Bereich der

historisch orientierten Interpretation auseinandersetzen und

sich bewusst mit einem wichtigen Teil des Kernrepertoires

befassen.

* Matthias Weilenmann leitet das Studio für Alte Musik, Departement Musik

(matthias.weilenmann@zhdk.ch).

Weitere Meisterkurse Studio für Alte Musik im Frühlingssemester 2011:

Flöte, Marc Hantaï: 24. und 25. Mai (Hauptthema: Bach und Händel)

Konzerte zu den Meisterkursen:

Dienstag, 10. Mai, 19.30 h: Rezital Erich Höbarth, Violine / Johann Sonnleitner,

Fortepiano (Werke von C. Ph. E. Bach, W. A. Mozart und F. Schubert)

Montag, 23. Mai, 19.30 h: Rezital Marc Hantaï, Yifen Chen, Traversflöte /

Eduardo Egèuez, Laute (Werke von J. Hotteterre, F. Couperin u. a.)

wo man kunst einsperrt,

sperrt man am ende

auch menschen ein

Ein Gespräch zwischen Bea Schlingelhoff * und

Wolf Schmelter* zum Neubau der Zürcher

Kulturstrafanstalt und Kulturmassnahmenzentrum

an der Limmatstrasse.

„Die Kulturstrafanstalt möchte den EinwohnerInnen von Zürich

die Möglichkeit geben, künstlerische Arbeiten für einen Zeitraum

von mehr als einem Jahr einzusperren. Hierzu wird in der vorletzten

Novemberwoche 2010 noch zu einer Umfrage aufgerufen,

und es werden Plakate in der Stadt Zürich aufgehängt. Das Projekt

befindet sich in der Planungs- und Entwicklungsphase und

soll bis 2013 finanziert und errichtet werden. Die Abstimmung

darüber, welche künstlerischen Arbeiten eingesperrt werden sollen,

erfolgt über eine Webseite.“ (Bea Schlingelhoff, Mail vom

10. Dez. 2010)

Wolf Schmelter: Dein Projekt derZürcher Kulturstrafanstalt“

befasst sich explizit mit dem Begriff der Kultur. Im Text

auf dem Bauschild heisst es u. a.: „Rückfälle in die Kultur

verhindern und Opfer schützen.“ Was stört dich denn so an

der „Kultur“?

Bea Schlingelhoff: Zum einen hat der Begriff Kultur selbst etwas

Sloganhaftes bekommen, also etwas, das sich derselben Mechanismen

bedient wie Marketing oder Verkaufswerbung. Was

also wird mit dem Begriff Kultur verkauft beziehungsweise vermarktet?

An anderer Stelle wird Kultur als Euphemismus verwendet,

um Ausgrenzungsstrategien innerhalb künstlerischer

Produktion, aber auch innerhalb der Gesellschaft zu gewährleisten.

Die Frage ist, inwieweit sich Schnittmengen in der Analyse

der verschiedenen Institutionen in unserer Gesellschaft

bilden, zum Beispiel welches die Schnittmengen sind zwischen

einer kulturellen Institution wie dem Museum und einer juristischen

Institution wie dem Gefängnis; Kultur ist auch Teil des

Konzepts „Gefängnis“, und „Gesetz“ ist Teil des Museums.

BS: Du arbeitest mit eingeladenen KünstlerInnen für den

Kunsthof der ZHdK. Inwiefern siehst du diese Zusammenarbeit

als Teil deiner eigenen künstlerischen Produktion?


WS: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man eine

künstlerische Produktion niemals ohne ihre sozialen, ökonomischen

und kulturellen Rahmenbedingungen denken kann.

Darunter fallen natürlich auch Entscheidungsprozesse, die

zur Einladung der KünstlerInnen führen, oder Entscheidungen,

die während des Produktionsprozesses der Ausstellung

oft von verschiedenen Akteuren gemeinsam erarbeitet

werden. Ich würde speziell zwischen kuratorischem und

künstlerischem Arbeiten nicht trennen. Diese Aufspaltung,

die ja oft nach aussen hin aufrechterhalten wird, hat mit den

eigentlichen Entscheidungsprozessen überhaupt nichts zu tun.

WS: Was meinst du genau mit diesen Ausgrenzungsstrategien,

die du vorhin erwähnt hast?

BS: Damit meine ich institutionelle und individuelle Strategien,

sich (als Institution oder als Individuum) abzugrenzen,

um dadurch möglicherweise wirtschaftliche,

intellektuelle oder emotionale Vor- oder Nachteile zu

rechtfertigen. Die von dir angesprochene Abgrenzung KuratorIn

versus KünstlerIn kann ein Beispiel hierfür sein.

WS: Ich denke noch an eine andere Schnittmenge: Hochschule

und Gefängnis. Immerhin handelt es sich bei dem Ort um eine

von der ZHdK bereitgestellte Ausstellungsfläche. War das

auch ein Ansatzpunkt deines Projekts?

BS: Hochschule und Gefängnis war eine Überlegung. Die Frage

besteht, ob es möglich ist, einen kritischen Diskurs über eine

Institution unter ihrem eigenen Deckmantel zu produzieren ...

BS: Siehst du Übereinstimmungen zwischen den beiden Institutionen?

WS: Es fragt sich, inwiefern beide gesellschaftlichen

Institutionen an einer Formierung,

Normierung oder auch an einer

(gesellschaftlichen) Kontrolle arbeiten. Ich

musste sehr an Texte von Michel Foucault

über das Gefängnis als gesellschaftliches

Kontrollinstrument denken oder sogar an

die von Althusser beschriebenen ideologischen

Staatsapparate.

WS: Du hast dich auch in der Lehre eingehend

mit Fragestellungen zur Kybernetik

beschäftigt. Inwiefern ist dieses Thema in

weiteren Arbeiten von dir präsent?

BS: Mich beschäftigt, wie sich bestimmte

Argumentationen und Bedingungen der

Kybernetik, zum Beispiel Feedbacks, als

Kontrollmechanismen in unserem sozialen

Umgang etabliert haben, wie sich diese Mechanismen im

Kunstbetrieb verorten. Ist der Kurator die Feedback-Funktion

der Kulturproduktion? Weiss ich nicht.

WS: Inwiefern hat sich das Projekt im weiteren Verlauf der

Planung verändert?

BS: Die Arbeit wurde ja von euch aus meinen vier Vorschlägen

während eines Gesprächs in Zürich ausgewählt. Ein anderer

Vorschlag von mir sah vor, dass interessierte Studierende an

der ZHdK Arbeiten ihrer Dozierenden im Kunsthof kuratieren.

WS: Hattest du schon immer im Sinn, eine Plakataktion im

Stadtraum parallel zum Bauschild im Kunsthof durchzuführen?

BS: Die Entscheidung, ein Poster zu machen, kam deshalb

zustande, weil zum Zeitpunkt meiner Arbeit im Kunsthof ein

Abstimmungswochenende stattfand; es ging dabei um die Ausschaffungsinitiative.

Das war ein prekärer Kontext, um für eine

kunst & medien/ zett 1–11

25

Diskussion über Institutionen sowie institutionalisierte und

künstlich konzipierte Andersheit, im Fall der Abstimmung

über eine innerhalb eines juristischen Konzepts, zu werben.

WS: Liest man die Kommentare der Leute zu deinem Projekt,

so ist die Bandbreite recht gross. Manche beziehen das Projekt

auf „Entartete Kunst“, andere freuen sich, jetzt endlich mal

mit der Kunst richtig aufräumen zu können. Bist du zufrieden

mit den Reaktionen?

BS: Zur Reaktion „Entartete Kunst“ fällt mir eine Variation zu

Heinrich Heines Zitat „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt

man am Ende auch Menschen“ ein: „Wo man Kunst einsperrt,

sperrt man am Ende auch Menschen ein.“

BS: Bist du deinerseits mit den Reaktionen zufrieden? War das

Bauschild so, wie du es dir vorgestellt hast, als ich eingeladen

wurde?

WS: Bei der Gestaltung und Installation des Schilds hatte ich

eine ziemlich klare Vorstellung, nachdem du uns dein Projekt

in der Vorbereitung beschrieben hattest. Von den Reaktionen

bin ich positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele

Leute, sogar diejenigen, die täglich in der ZHdK arbeiten und

den Kunsthof kennen, von dem Schild derart irritiert sein würden.

Zusätzlich fand ich es sehr spannend zu verfolgen, wie

sich das Projekt durch die Begleitumstände vor Ort verändert

hat. So wurde es sehr stark mit der Ausschaffungsinitiative

assoziiert. Eine Verbindung, die eher zufällig

durch die zeitgleiche politische Abstimmung

entstanden ist, jedoch für die Wahrnehmung

des Projekts sehr wichtig war.

WS: In seinem Radiobericht auf DRS 2 am

9. Dezember 2010 stellte der Moderator

nach einiger Zeit fast erleichtert fest, dass

es sich bei dem Bauschild um eine künstlerische

Aktion handeln müsse. Wie weit

kann, muss oder soll Kunst gehen?


* Bea Schlingelhoff ist Künstlerin und lebt in New York.

Sie war im Herbstsemester 2010 Gastdozentin für

Kuratorische Praxis in der Vertiefung Bildende Kunst

und ist im Frühlingssemester 2011 Research Fellow am

Institute for Art Education der ZHdK (bschlingelhoff@

gmail.com). Wolf Schmelter ist Künstler und Unterrichtsassistent

in der Vertiefung Bildende Kunst (wolf.

schmelter@zhdk.ch). Er konzipiert in Zusammenarbeit

mit Elke Bippus und Franziska Koch den Kunsthof.

Der Kunsthof an der Limmatstrasse ist ein Ausstellungs- und Veranstaltungsort

an der Schnittstelle von Hochschule, Kunstinstitution und Aussenraum. Er wird

von der Vertiefung Bildende Kunst der ZHdK konzipiert. Von Oktober 2010 bis

Ende Januar 2011 stand dort eine Bautafel mit der Aufschrift: „Neubau Zürcher

Kulturstrafanstalt und Kulturmassnahmenzentrum (ZKAuKM)“.

www.kunsthof.ch

Pressestimmen (Stand: März 2011):

Radio DRS: http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/drs2aktuell/2643.

bt10161249.html

NZZ: http://www.nzz.ch/nachrichten/blogs/nzz_blogs/der_web-tourist/

nein_zu_kultur_1.8542850.html

Facebook NZZ: http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=16073483

3969122&id=143694099006529

Hochparterre: http://www.blogarchiv.hochparterre.ch/kultur/kulturstrafanstalt-und-kulturmassnahmenzentrum.html

Bilder: Linke Seite: Das Bauschild im Kunsthof. Bild (Ausschnitt): Philip Leutert

Oben: Plakat, www.nein-zu-kultur.ch, Bea Schlingelhoff, 89,5/128 cm.


26

zett 1–11/ kunst & medien

300 m 2 für experimente

Siebdruck-, Thermo-, Acryl- und Magnetfarbe

gespritzt, geklatscht und gemalt auf Glasund

Wandflächen: Studierende der Vertiefung

Bildende Kunst experimentierten im Auftrag

der Kindertagesstätte (Kita) keiki.

Dominique Lämmli *

Ausgangslage war eine Carte blanche von Andreas Gloor, dem

Betreiber der neuen Kita an der Förrlibuckstrasse. Deren Räume

sind mit raumhohen Glaswänden unterteilt. Die Studierenden

analysierten die situationsbezogenen Anforderungen,

technische Abklärungen folgten. Im Team wurden mehrere

Interventionsmöglichkeiten diskutiert, unter anderem digitale

Druckverfahren. Verlockend war dann aber die Option,

direkt auf den Glasflächen mit unterschiedlichen Materialien

und Techniken zu experimentieren und entsprechende Erfahrungen

zu sammeln. Ein Ziel bestand darin, Oberflächen zu

erzeugen, die visuell und haptisch verschiedene Qualitäten

aufweisen. Vor Ort wurden Muster erstellt, ihre Wirkung

überprüft, wieder beseitigt und die gewonnenen Kenntnisse

in die Umsetzung integriert. Die Kita-Kinder entdeckten das

haptische Potenzial der Farbflächen umgehend und reisen

nun mit ihren Händen den Flächen entlang. Magnetflächen,

golden bemalt, bieten zudem einen edlen Rahmen für Kinderzeichnungen.

Bemerkenswert ist auch, dass sich die Studierenden

mit ihrem Kunst-und-Bau-Projekt einen weiteren

technischen Höhepunkt verdienen konnten: Die Leistungen

für die Kita werden mit einem Lithografie-Workshop in der

Profi-Werkstatt von Thomas Wolfensberger honoriert.

Technologie-Modul der Vertiefung Bildende Kunst (VBK): Kindergartenprojekt

Leitung: Dominique Lämmli

Team: Claudia Baena Diaz, Silvio Faieta, Yvonne Gempeler, Thomas Ospelt,

Jacqueline Poloni, Nadine Wintsch, Julia Znoj

* Dominique Lämmli, bildende Künstlerin, ist Dozentin für Zeichnung /Malerei

im Departement Kunst & Medien und Forscherin am Institut für Gegenwartskunst

(ifcar). Sie leitet gemeinsam mit Annemarie Bucher das Projekt „Functions

of Art in a Global Context“ (dominique.laemmli@zhdk.ch).


kunst & medien/ zett 1–11

27

als krönung die

klangverwirbelungsmaschine

Die exemplarische Zusammenarbeit zwischen

der Vertiefung Mediale Künste des Departements

Kunst & Medien (DKM) und dem Migros-

Kulturprozent setzte den Glanzpunkt bei der

Preisverleihung des Jugendwettbewerbs

bugnplay.ch 2010 im Theater der Künste mit

der Vorführung des Rotobossophons von

Andres Bosshard *.

Es blieb an jenem 12. Juni letzten Jahres nicht bei der Vorführung

des originellen Werkes: Bereits am Vormittag hatte

der Dozent Andres Bosshard mit einer Gruppe Jugendlicher

gearbeitet. Zunächst wurden Klänge gesammelt, die aus Umgebungsgeräuschen

stammten, aber auch aus den Musiksammlungen,

welche die Jugendlichen auf ihren Computern

hatten. So entstand eine Bibliothek von Klängen, die danach

gemeinsam weiterverarbeitet, gemischt und schliesslich über

das Rotobossophon gespielt wurden: Das Rotobossophon

ist eine Art mechanische Klangverwirbelungsmaschine. Im

Zentrum steht ein etwa drei Meter langer, mit Lautsprechern

bestückter Arm aus Aluminium. Mittels starker Elektromotoren

kann nicht nur der Neigungswinkel verstellt, sondern

auch die Drehgeschwindigkeit verändert werden.

Seit rund fünf Jahren arbeitet die Vertiefung Mediale Künste

mit Dominik Landwehr zusammen, der beim Migros-Kulturprozent

unter anderem für den Jugendwettbewerb bugnplay.

ch zuständig ist. Der Wettbewerb will zu kreativem Arbeiten

mit Computermedien anregen: „Wir haben viele Berührungspunkte

und gemeinsame Anliegen, nur sind unsere Kunden

etwas jünger als die Studierenden der Hochschule“, so Landwehr.

Genau diese Altersgruppe wollte Nils Röller, Leiter der

Vertiefung Mediale Künste, vermehrt ansprechen — die ideale

Ausgangslage für eine Zusammenarbeit. Seit vier Jahren

taucht die Vertiefung deshalb auch als Partner des Jugendwettbewerbs

auf.

Im vergangenen Jahr stiess mit dem Theater der Künste ein

weiterer Partner dazu. „Räume und Infrastruktur sind für ein

solches Projekt ideal“, meint Dominik Landwehr. Spannend

war auch zu sehen, wie die technischen Mitarbeiter sofort

Feuer fingen für die ungewöhnliche Lautsprecherkonstruktion

von Andres Bosshard — es gelang ihnen nicht nur, das Gerät

innerhalb eines Tages vorführbereit und sicher zu machen,

sie engagierten sich danach auch für die Weiterentwicklung

der Klangmaschine.

Zu sehen waren an der Preisverleihung neben Bosshards Arbeit

auch diejenigen der Jugendlichen und der Studierenden

der Medialen Künste. Und hier ortet der Dozent Bosshard

Potenzial: „Es war nicht ganz einfach, die Studierenden zu

überzeugen, dass die Vorführung ihrer Arbeiten in diesem

Kontext wichtig ist und eine tolle Gelegenheit, in diesem Bereich

auch mehr Übung zu erlangen.“

Alle Partner wollen die Zusammenarbeit fortsetzen. Die

nächs te Ausgabe des Jugendwettbewerbs läuft, die Preisverleihung

findet am Samstag, 14. Mai 2011 wiederum im Theater

der Künste an der Gessnerallee 11 statt. Auch dieses Jahr soll

wieder ein Projekt aus dem Umfeld der ZHdK mitpräsentiert

werden.

* Dominik Landwehr leitet die die Abteilung Pop und Neue Medien

beim Migros-Kulturprozent. Er ist unter anderem für den Jugendwettbewerb

bungplay.ch und die Veranstaltungsreihe digital brainstorming

verantwortlich dominik.landwehr@mgb.cnh.

Andres Bosshard ist Musiker und Klangkünstler. Er ist Dozent am

Departement Kunst und Medien an der ZHdK. andres.bosshard@zhdk.ch.

Informationen unter: www.bugnplay.ch


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zett 1–11/ kultuanalysen und vermittlung

kunstpflaster,

leerklänge und

endlosfilm

John Cages 4’33” aufführen, Patrick Freys

Bücher sammlung bestaunen, über die Pflasterfunktion

der Kunstvermittlung diskutieren:

Dies und vieles mehr konnten Master-Studierende

der Studienrichtungen Art Education,

Transdiziplinarität und Schulmusik in fünf

interdisziplinären Workshops tun. Jenny Berg*

Über Bücher reden. Vier Tage lang. Kann das gut gehen? Es

kann: Weil die Workshopteilnehmenden angefressen sind vom

Bücherlesen, Bücheranfassen, Bücherkaufenwollen, seit ihrer

Kindheit schon, erzählen sie nacheinander in der Vorstellungsrunde.

Und weil es dem Workshopleiter Patrick Frey, dem

Verleger, der den Kabarettisten für einmal zu Hause gelassen

hat, ganz genauso geht.

... unkonventioneller Musik ...

„Crazy!“ hört man es auch in einem anderen Workshop rufen.

„Unreine Musik“ heisst er, und wer sich darunter etwas

Dreckiges vorstellt, liegt nicht ganz falsch: Mit der herausgeputzten

klassischen Musik hat die Konzeptmusik, die der

Komponist Urs Peter Schneider hier mit den Studierenden

erarbeitet, wenig zu tun. Er nennt es auch „Musik der Voraussetzungslosigkeit“,

und tatsächlich können die Studierenden

so verschiedener Studienrichtungen wie Schulmusik,

Transdisziplinarität und Art Education völlig gleichberechtigt

miteinander musizieren. Als Klangerzeuger ist alles erlaubt,

gebraucht wird aber vor allem der Kopf: „Man muss das alles

schon sehr konzentriert durchdenken, ehe man die Kunst in

diesen Konzepten begreifen kann“, berichtet eine Studentin.

Etwa bei La Monte Youngs Composition No. 7: zwei Töne, „to

be held for a long time“. Doch die Energie, mit der Schneider

von diesen einst bahnbrechenden Ideen berichtet, überträgt

sich auf die Studierenden, stachelt sie an zu diskutieren, auszuprobieren,

die zwei Noten so oder ganz anders zu halten.

Und nach dem Konzertabend sagt selbst diejenige Studentin,

der in der Gedankenarbeit zunächst das Sinnliche fehlte: „Da

geschah etwas Tolles — es war poetisch und schön!“

... poetischer Filmsequenzen und vielem mehr

Auch über die anderen Workshops gäbe es noch vieles zu

berichten. Von den hitzigen Diskussionen der Studierenden

mit der in New York tätigen Kunstvermittlerin Beate Schlingelhoff,

ob Kunst Vermittlung brauche oder ob Vermittlung

vielmehr Ersatz ist für alles, was in den pädagogischen Einbahnstrassen

zu kurz kommt. Von den vielfältigen Möglichkeiten,

Architektur in Architektur auszustellen, die die ehemalige

Direktorin des Schweizerischen Architekturmuseums

Francesca Ferguson den Studierenden aufzeigte. Von der Poesie

eines Staubwedels in den Händen einer alten Dame aus

dem Videomaterial „24 Stunden Berlin“, das Peter Paul Kubitz,

Programmdirektor Fernsehen der Deutschen Kinemathek

Berlin, seinen Workshopteilnehmenden zum Experimentieren

mitbrachte.

Was bleibt? Die Erfahrung von vier intensiven Tagen, in denen

Neuland betreten und Grenzbereiche ausgelotet wurden. Und

die Bestätigung der Annahme, dass diese thematischen Fäden

weitergesponnen werden können — zum Beispiel im April

diesen Jahres mit der Studienreise des Master Art Education

nach Berlin und einem Wiedersehen mit Peter Paul Kubitz

oder im September mit einer möglichen öffentlichen Wiederaufführung

konzept-musikalischer Stücke im Rahmen der

Veranstaltung „Das begehbare Buch“ von Orell Füssli.

* Jenny Berg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Master of Arts in Art Education,

Vertiefung publizieren & vermitteln ( jenny.berg@zhdk.ch).

Von der Anziehungskraft spezieller Bücher ...

Frey hat etliche Bücher mitgebracht, in allerhand Formen

und Farben. Ein Palmenblatt aus Bali ist dabei, handbeschrieben

mit einer alten Sage, hochglänzende Coffee Table Books,

fleddrige Telefonbücher, leere Poesiealben, gewichtige Literaturausgaben,

Teppichmustersammlungen. Fast jedes von

ihnen nimmt er in die Hand, befühlt es, erklärt. Auch „seine“

Bücher, die er als Verleger erst hat entstehen lassen. Und er

bringt Autoren-Gestalter-Teams mit, lässt sie berichten von

ihren Projekten. „Total crazy!“ findet eine Studentin das, all

die Ideen, die hinter diesen Büchern stecken, all die kreativen

Buchmacher, die man sonst wohl kaum kennengelernt hätte.

Interdisziplinäre Workshops mit Master-Studierenden der Studienrichtungen

Art Education, Transdiziplinarität und Schulmusik: Der Verleger und Kabarettist

Patrick Frey stellt im Workshop „Über Bücher reden“ seinen Büchersammlung

vor (links oben); der Komponist Urs Peter Schneider probt mit den

Studierenden im Workshop „Unreine Musik“ den zweiten Satz aus John Cages

4’33’’ (unten). Bilder: Jenny Berg.


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Ausstellung „Think Art – Act Science“ in Arts Santa Monica, Barcelona.

Bild: artists-in-labs

think art –

act science

Was zwitschernde Pipetten, eine Quanten-Skulptur

und BesucherInnen auf einem Tanzteppich

mit Wissenschaft zu tun haben, zeigen die

künstlerischen Arbeiten, die von 2007 bis 2009

im Rahmen des Swiss artists-in-labs Program 1

entstanden sind, in der Wanderausstellung

„Think Art — Act Science“. Nach Barcelona ist

die Ausstellung ab 26. Mai 2011 in der

Kunsthalle Luzern zu sehen. Irène Hediger*

„Durch die Erweiterung meines Wissens hat sich meine

Wahrnehmung der Umwelt radikal verändert“, reflektiert der

Künstler Christian Gonzenbach, der während seines neunmonatigen

Stipendiums mit WissenschaftlerInnen am CERN und

an der Universität Genf zusammengearbeitet hat. Er experimentierte,

beobachtete und erforschte Materie und unvorhersehbare

Systeme mit künstlerischen Mitteln. In der Form

eines Kunstwerks ist die Quantum Art Cloud, kurz QUARC,

der materialisierte Ausdruck seiner künstlerischen Forschung

im Labor.

Dienstag, 6.31 Uhr, Beginn der Gruppensitzung: Wie jeden

Dienstag präsentieren der Soundkünstler Pe Lang und seine

Teamkollegen der Gruppe Sensors and Systems am Centre

Electronique et Microtechnique CSEM in Alpnach den aktuellen

Stand ihrer Arbeiten. Sie tauschen sich aus, versuchen,

einander gegenseitig bei Fragestellungen in ihren Projekten

zu unterstützen. Das Bewusstsein der Ingenieure, dass Innovation

oftmals durch das Zusammenbringen verschiedener

Sichtweisen entsteht, erlaubt einen konstruktiven Austausch

zwischen Experten.

Pe Langs „Kinetic Speakers“ verbinden nicht nur höchsten

technischen Anspruch und Klangqualität mit kühl-präziser

Ästhetik, sondern laden die BesucherInnen auch ein, sich

dem räumlichen Prozess des Hörens zu öffnen und die eigene

Position im Raum in Relation zur Bewegungen der Lautsprecher

wahrzunehmen.

Ästhetisch-reflexive Übersetzungsprozesse

Dies sind nur zwei Beispiele aus einer Reihe von Werken und

dokumentarischen Einblicken in die inhaltlich vielschichtigen

Begegnungen von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen.

Die ästhetisch-reflexiven Übersetzungsprozesse, aus denen

die individuellen Werke entstanden sind, ermöglichen einen

sinnlichen Zugang zu komplexen Themen wie Biodiversität,

Künstliche Intelligenz, Teilchenphysik und Mikrotechnologie.

Damit versucht die Ausstellung, vorgefasste Wahrnehmungen

und verschiedene Wissensformen zur Disposition zu stellen

und so eine Plattform für den interdisziplinären Diskurs zwischen

Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft zu bieten.

Globale Themen, lokaler Bezug

Das Konzept der Wanderausstellung „Think Art — Act Science“

beinhaltet die synergetische Nutzung der räumlichen Besonderheiten

und lokalen Bezüge am jeweiligen Ausstellungsort.

In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Kunsträumen und

Netzwerken werden neue Kollaborationen erprobt und thematische

Schwerpunkte verhandelt. So ist es möglich, weitere

Begegnungsräume kontinuierlich und über disziplinäre und

kulturelle Grenzen hinweg zu schaffen und zu vertiefen. Dabei

steht die Begegnung der künstlerischen Prozesse und Produktionsweisen

mit globalen Forschungsthemen im Zentrum.

Die Ausstellung wird später Gegenstand weiterer Erkundungen

sein, unter anderem in San Francisco und Dublin, die

sich über die Webseite www.thinkartactscience.com interaktiv

verfolgen lassen.

1 Swiss artists-in-labs ist ein Programm des Institute for Cultural Studies in

the Arts (ICS) und wird vom Bundesamt für Kultur im Rahmen seiner Medienkunstförderung

Sitemapping unterstützt.

* Irène Hediger ist Co-Leiterin des Swiss artists-in-labs Program am ICS und

Kuratorin der Ausstellung Think Art — Act Science (irene.hediger@zhdk.ch)

Ausstellung „Think Art — Act Science“:

27. Mai–10. Juni 2011, Kunsthalle Luzern, Bourbaki, Löwenplatz 11, 6004 Luzern,

Mi und Fr 16–19 h, Sa und So 14–17 h

und nach Vereinbarung (Tel 041 412 08 09)

Vernissage: Donnerstag, 26. Mai 2011, 19 h

Filme, Ausstellungsgespräche, Führungen: siehe www.kunsthalleluzern.ch

Publikationen: „Think Art — Act Science“, Swiss artists-in-labs, Actar Barcelona

New York, part of ActarBirkhäuser (www.actar.com)

ARTISTS-IN-LABS. networking in the margins, Springer Wien New York

(www.springer.at)

SHANSHUI — BOTH WAYS: when art meets science (www.artistsinlabs.ch)


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zett 1–11/ museum

Rechts: „The New Nation of Indonesia“,

Titelseite „LIFE“-Magazin, 1950,

Museum für Gestaltung Zürich,

Grafiksammlung.

Rechte Seite: Henri Cartier-Bresson,

„L ’ Aquila“, Abruzzen, Italien, 1951,

© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos.

das auge des

jahrhunderts

Henri Cartier-Bresson ist einer der bedeutends

ten Fotografen der Geschichte. Das

Museum für Gestaltung Zürich würdigt ihn

nun in einer umfassenden Retrospektive,

wie sie in der Schweiz noch nie zu sehen war.

Christian Brändle*

Er nährte seinen künstlerischen Kosmos aus verschiedenen

Disziplinen: Er zeichnete und malte fürs Leben gerne, liebte

die Musik von Ravel oder J. S. Bach und war eng verbunden

mit bildenden Künstlern wie Giacometti, Braque oder Matisse.

Dennoch ist sein Werk für eine andere Kunstform von grosser

Bedeutung: Der Franzose Henri Cartier-Bresson (1908–2004)

gilt als einer der einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

In einem Augenblick die Ewigkeit festhalten

Mit seiner Arbeit hat Cartier-Bresson nicht nur die Fotografie

wesentlich geprägt, sondern dem ganzen Berufsstand zu

neuem Ansehen verholfen. Dabei führte sein Weg keineswegs

direkt zum damals jungen Medium Fotografie. Cartier-Bresson

wurde künstlerisch im Umfeld der Surrealisten um den

Literaten André Breton sozialisiert, interessierte sich für die

Malerei und besuchte als Abkömmling einer wohlhabenden

Industriellenfamilie mehrere Künstlerateliers. Bis er 1930

eine Aufnahme des deutschen Fotografen Martin Munkásci

(1896–1963) sah und dazu Folgendes notierte:

„Plötzlich hatte ich verstanden, dass die Fotografie

in einem Augenblick Ewigkeit festhalten kann.

Es ist das einzige Foto, das mich beeinflusst hat.

In diesem Bild liegt eine solche Intensität, eine

solche Spontaneität, eine solche Lebensfreude, ein

solches Wunder, dass ich noch heute wie geblendet

davon bin. Die formale Vollkommenheit,

das Gespür für das Leben, ein Schauder ohnegleichen

... Mein Gott, habe ich gedacht, das kann

man mit einem Foto apparat erreichen ... Es war

für mich wie ein Tritt in den Hintern: Jetzt mach

mal!“ Henri Cartier-Bresson

Daraufhin begann Cartier-Bresson zu fotografieren, und wie.

Keinem anderen gelang es so gut, den entscheidenden Augenblick

festzuhalten. Oft verdichten sich in seinen Arbeiten

ganze Geschichten zu einem einzigen Bild. Zusammen mit

befreundeten Fotografen wie Robert Capa gründete er 1947 die

Agentur Magnum, die erfolgreich die Rechte der Fotografen an

ihren Bildern vertritt. Als Fotoreporter und -künstler prägte

Cartier-Bresson in den folgenden Jahrzehnten Magazine wie

„Du“ oder „Life“. Einzigartige, historische Reportagen führten

ihn in die Sowjetunion, nach Indien, Indonesien und China.

Sein Werk hat Referenzcharakter für den Bildjournalismus

des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus für die Ästhetik und

Ethik der Fotografie überhaupt.

Die Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich gibt mit

Cartier-Bressons Fotografien, seinen Filmen und seinen wichtigsten

Veröffentlichungen einen vertieften Einblick in das

Werk eines Fotografen, von dem Richard Avedon 2000 sagte:

„Er ist der kompletteste, wichtigste von uns allen — in allen

Gesichtspunkten. Ob sozial oder politisch — er deckte alles

ab. Er ist schlicht der beste Fotograf des 20. Jahrhunderts.“


zett 1–11

31


zett 1–11

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Zeitlose Relevanz

Es mag nostalgisch wirken, diesem „historischen“ Fotografen

heute an unserem Haus eine grosse Ausstellung zu widmen.

Und doch gibt es gute Gründe dafür: Denn um zu wissen, wo

es langgeht, lohnt manchmal ein Blick zurück. Die Fotografie

dominiert unseren visuellen Alltag wie kein anderes Medium.

Täglich sehen wir Hunderte, wenn nicht Tausende Fotografien,

ob wir das wollen oder nicht. Und Cartier-Bresson ist

nicht nur einer der Begründer der zeitgenössischen Fotografie,

sondern er entdeckte Prinzipien der Bildgestaltung, der Komposition

und der Dramaturgie, die gestern so gültig waren, wie

sie es morgen sein werden.

Ausserdem: Gegenwärtig scheint immer alles sofort greifbar,

Zeit zum Betrachten und zur Reflexion gönnen wir uns selten.

Etwas Polemik sei an dieser Stelle erlaubt: Von Studierenden

der visuellen Künste wird — gerade hier in Zürich — verlangt,

dass sie schon mit Aufnahme des Studiums eine eigene

künstlerische Handschrift haben oder mindestens umgehend

entwickeln. Dabei lohnt es sich manchmal innezuhalten, die

Geschichte des eigenen Mediums zu entdecken und über die

Ränder der Disziplinen hinauszuschauen. Auch deshalb zeigt

das Museum Cartier-Bressons Arbeiten. Und begleitet diese

Ausstellung — in Zusammenarbeit mit dem Departement

Musik und Z+ — mit einem Vermittlungsprogramm rund um

das zentrale Thema der Komposition: mit Pianokonzerten

und Ausstellungsgesprächen mit Persönlichkeiten aus den

Bereichen Schauspiel, Kochkunst, Musik und Fotografie.

* Christian Brändle ist Direktor des Museum für Gestaltung Zürich und Kurator

dieser Ausstellung (christian.brändle@zhdk.ch).

Ausstellung „Henri Cartier-Bresson“:

bis 24. Juli 2011, Museum für Gestaltung Zürich, Ausstellungsstrasse 60,

Di–So 10–17 h, Mi 10–20 h

Ausstellungsgespräche: Christian Brändle spricht mit Gästen zum Thema

„Komposition“:

— Mittwoch, 27. April 2011, 18 h

Text, Figur, Dreidimensionalität

Barbara Frey, Künstlerische Direktorin Schauspielhaus Zürich

— Mittwoch, 11. Mai 2011, 18 h

Jahreszeit, Bauchgefühl, Gaumenfreude

Horst Petermann, Spitzenkoch, Rico’s Kunststuben, Küsnacht

— Mittwoch, 1. Juni 2011, 18 h

Licht, Rhythmus, Geometrie

Peter Pfrunder, Direktor Fotostiftung Schweiz

— Mittwoch, 15. Juni 2011, 18 h

Klang, Zeitraum, Erzählung

Daniel Fueter, Musiker

Konzerte in der Ausstellung:

— Jeden Sonntag, 12.30–13.30 h

Pianokonzerte mit Henri Cartier-Bressons Lieblingsmusik

J. S. Bach, M. Ravel u.a. gespielt von Studierenden der ZHdK

— 28. Mai 2011, 20–22 h, im Rahmen der 1. Zürcher Fotonacht

— 17. und 18. Juni 2011, 16–22 h, im Rahmen des

Festivals der Künste der ZHdK

Piano Jazz Trios — In Zusammenarbeit mit dem Musikklub Mehrspur

und dem Departement Musik der ZHdK

Oben: Henri Cartier-Bresson, „Ein Leninporträt an der Fassade des Winterpalastes

anlässlich der Mai-Feierlichkeiten und in Gedenken an den Sieg

über die Nazis“, Sowjetunion, Leningrad, 1973, © Henri Cartier-Bresson /

Magnum Photos.

Linke Seite oben: Henri Cartier-Bresson, „New York City“, USA, 1947,

© Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos.

Linke Seite unten: Henri Cartier-Bresson, „Calle Cuauhtemoctzin“, Mexiko

Stadt, 1934, © Henri Cartier-Bresson / Magnum Photos.


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Links: Sebastian Schönheit, 300, 2008, Polyamidseil, handgestrickt mit 1,60m langen

selbst angefertigten Stricknadeln. Foto: Mathias Schmitt, © Sebastian Schönheit

neue masche

Handarbeitstechniken wie Stricken oder Häkeln

sind wieder aktuell, doch werden heute neue

Wirkungsfelder beschritten. Die Ausstellung

im Museum Bellerive unternimmt ein Crossover

durch Kunst, Mode und Produktdesign.

Mònica Gaspar und Tanja Trampe*

Der besonders in den Nadeltechniken in Erscheinung tretende

Diskurs um die Verbindung der Künste mit dem Alltäglichen

bildet den Kern der Ausstellung. Strick- und Häkelzeug schafft

zwischen KünstlerIn und KunstbetrachterIn eine natürliche

Verbindung, und die Wärme des Materials entkräftet die

Autorität des Kunstwerks. Der Faden — an sich weder Material

noch Werkzeug — liefert die Metapher für das Ausstellungskonzept

abseits chronologischer und narrativer Auffädelung.

Die verschiedenen Ebenen der Ausstellungsobjekte

Die Heterogenität der rund sechzig Positionen eint sich in der

Vorliebe für Techniken, die zugleich perfekt und unprofessionell,

intellektuell und populär, verstaubt und neu erscheinen.

Lustvolle Kritik an kulturellen Setzungen, die Masche

im Untextilen sowie die Entstehung des Werks durch das

partizipierende Publikum bilden den Boden. Solchem Esprit

liegen Konzepte aus den 1990er-Jahren zugrunde wie etwa die

humorvollen, unter dem Label DROOG versammelten Alltagsobjekte

oder Rosemarie Trockels Wiederaneignung typisch

weiblicher Techniken. Auf anderem Parkett bewegen sich die

Objekte der Kunstgewerbesammlung von 1910 bis 1920 — ein

perlengehäkelter Pompadour Sophie Taeuber-Arps oder voluminös

umstickte Dosen von Eugen Hasenfratz.

Strick ist chic

Tagesmedien verhelfen heute auch der Handarbeit zu Popularität:

Sie richten den Fokus auf ein Strickkleid Michelle

Obamas, auf den Wunsch eines unter Tage eingeschlossenen

chilenischen Bergarbeiters nach Strickzeug oder auf den Wettbewerb

des FCZ um den kreativsten Fanschal. Gleichzeitig ist

der Sprung von der Heimarbeit in den akademischen Diskurs

geschafft. Davon zeugt das progressive Programm der Design

Academy Eindhoven (NL) oder die Senior Design Factory aus

Zürich. Gleichsam als Nachlese William Morris’ versteht der

europäische Craft-Aktivismus handwerkliches Tun wieder

als politisches Statement. Jung und Alt versammelt sich zu

Strickzirkeln.

Der Faden, der alles zusammenhält

Komplizenschaft, Divergenz und Re-Lektüre werden in der

Ausstellung lesbar anhand von Hella Jongerius’ Nike Special

Edition, Karim Rashids Lichtmaschen für Swarovski, Agata

Oleks umhäkelten öffentlichen Orten, Knitting-Guerrilla-

Kollektiven und Onlineplattformen. Die Szenografie bildet

einen Hypertext aus Faden und Schlüsselbegriffen, der einen

offenen Dialog zwischen Exponat und Rezipient erlaubt und

dazu animiert, die Laufmasche stets von Neuem aufzunehmen.

* Mònica Gaspar und Tanja Trampe sind Kuratorinnen der Ausstellung.

Mònica Gaspar arbeitet als freie Kuratorin, Autorin und Dozentin für Design.

Tanja Trampe ist wissenschaftliche Mitarbeitern am Museum Bellerive

(monica.gaspar@zhdk.ch, tanja.trampe@zhdk.ch).

Ausstellung „Neue Masche — Gestrickt, gestickt und anders“: 29. April bis

24. Juli 2011, Museum Bellerive, Höschgasse 3, Di–So 10–17 h, Do 10–20 h

Vernissage: Donnerstag, 28. April 2011, 19h

Vermittlungsprogramm: Führungen, Workshops, Vorträge und Symposium:

siehe unter www.museum-bellerive.ch


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Erleben Sie die sinnlichen Seiten

der Literatur.

Im Literaturhaus Zürich am Limmatquai 62 können Sie die sinnlichen Seiten der Literatur erleben und spüren – bei

spannenden Lesungen und inspirierenden Begegnungen mit Autorinnen und Autoren. Die ZKB machts möglich und

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36

zett 1–11

die besten filme

entstehen

aus gelebten

geschichten

Die schwedische Filmemacherin

und Dozentin am Dramatiska

Institutet in Stockholm,

Hanna Andersson, war im Herbst 2010

erste Filmmaker-in-Residence

an der Fachrichtung Film.

Im Interview mit Claudia Ramseier*

zieht sie Bilanz. Bild: Regula Bearth


film/ zett 1–11

37

Hanna Andersson, was haben Sie in Zürich gelehrt, gelernt

und gemacht?

Ich leitete an der ZHdK mehrere Workshops zu den Themen

„Visuelles Erzählen“ und „Schauspielführung“. Daneben

wollte ich unbedingt mein Drehbuch beenden. Als ich

nach Zürich kam, war ich ehrlich gesagt verzweifelt, denn der

Schreibprozess war ins Stocken geraten. Hier fand ich dann

endlich die nötige Konzentration und brachte das Skript zu

Ende.

Sie haben in Zürich unter anderem an einem Langspielfilm,

einer auf wahren Begebenheiten beruhenden Liebes- und Spionagegeschichte,

gearbeitet. Wo finden Sie Ihre Geschichten?

Meiner Erfahrung nach sollte man sich mit dem befassen,

was einen umgibt und worüber man etwas zu sagen hat. Der

„Improvisationsguru“ Keith Johnstone hat einmal AutorInnen

befragt, welche Geschichten für sie einfach zu schreiben seien,

und sie nannten zahlreiche Beispiele. Er fragte weiter, ob sie

diese aufschreiben würden, und die AutorInnen verneinten.

Sie arbeiteten alle an anderen Themen in der Meinung, ihre

eigenen Erfahrungen seien nicht interessant genug, um erzählt

zu werden.

Und über welche Erfahrungen schreiben Sie?

Johnstone ermutigte darauf die AutorInnen, Geschichten zu

erzählen, die sie kennen. Daraus entstehen meistens auch

die besten Filme, weil man spürt, dass der Regisseur oder die

Regisseurin weiss, wovon er oder sie spricht. Das habe ich

aus dieser Anekdote gelernt: den Mut zu finden, zu meinen

Erfahrungen zu stehen und damit zu arbeiten. Eines meiner

aktuellen Projekte ist in diesem Sinne sehr persönlich. Ich

fühlte mich schon immer angezogen von Geschichten über

Menschen, die Angst davor haben, ihr inneres Selbst zu zeigen,

zurückgestossen zu werden, die einen Anstoss brauchen, um

sich ihrem Leben zu stellen. Angst vor der Zurückweisung

geliebter Menschen ist ein wiederkehrendes Thema für mich.

Neben Ihrer Tätigkeit als Regisseurin und Drehbuchautorin

unterrichten Sie. Welches sind Ihre Spezialgebiete?

Am meisten interessiere ich mich für die Zusammenarbeit mit

Schauspielerinnen und Schauspielern. Ich habe an der ZHdK

einen Schauspielworkshop mit Regiestudierenden durchgeführt.

Anhand von Übungen konnten sie erfahren, was es

heisst, „im Moment zu sein“, sich mit anderen SchauspielerInnen

„zu verbinden“ und Regieanweisungen anzunehmen.

Durch diese Übungen lernen Studierende, mit Schauspielern

zu arbeiten. Zudem habe ich die Teilnehmenden bei den

Skripts ihrer Abschlussfilme gecoacht. Wir haben dafür zusammen

mit Studierenden der Fachrichtung Theater Szenen

erarbeitet.

Sie haben in Schweden und Asien unterrichtet. Wie erlebten

Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden an der ZHdK?

Ich finde die Studierenden überall ziemlich ähnlich. Die Unterrichtssysteme

sind jedoch anders. Im Gegensatz zur ZHdK

entscheiden sich die Studierenden in Stockholm bereits zu

Beginn des Studiums für einen Fachbereich, sie wissen also

von Anfang an, dass sie zum Beispiel Cutter werden. So sind

ihre Rollen in den Produktionsteams von Anfang an klar, und

sie müssen diese Entscheidung nicht während des Studiums

fällen. Aber es war wunderbar, mit den Zürcher Studierenden

zu arbeiten. Ich erlebte sie als neugierig und als sehr erfahren.

Ich habe in den Workshops nur ganz grundlegende Übungen

mit ihnen gemacht, aber sie waren sehr motiviert.

Inwiefern hat sich der Umstand, dass Sie kein Deutsch sprechen,

auf den Unterricht und beim Coaching ausgewirkt?

Interessant war diesbezüglich das Coaching mit den Regiestudierenden

des Master-Studiengangs, die mit den Schauspielerinnen

auf Schweizerdeutsch arbeiteten, während ich

mit ihnen auf Englisch kommunizierte. Da ich die Sprache

nicht verstand, konzentrierte ich mich ganz auf den Subtext.

Ich hatte den Eindruck, dass ich auf diese Art sogar besser

sehen konnte, ob eine Szene funktioniert. Ich beobachtete

die Handlungen der Figuren und versuchte zu erkennen, ob

die Schauspieler einander zuhören und eine Verbindung zueinander

herstellen. Denn erst wenn dies geschieht, wird eine

Szene zum Leben erweckt. Ich bereite gerade eine deutschschwedische

Koproduktion vor, und diese Erfahrung bestätigt

mir, dass ich eine Sprache nicht perfekt beherrschen muss, um

mit Schauspielerinnen arbeiten zu können.

Was ist zentral in der Zusammenarbeit mit Schauspielerinnen

und Schauspielern?

Ich denke, das Wichtigste ist, einen Raum zu schaffen, in dem

sie sich sicher fühlen, in welchem sie ihre Erfahrungen einbringen

und sich ausdrücken können und in dem sie einander

zuhören. Regie zu führen, bedeutet nicht, den Leuten zu sagen,

was sie tun sollen, sondern sie dazu zu ermutigen, sich zu

öffnen, Gefühle zu zeigen und sich von anderen beeinflussen

zu lassen.

Und wie schaffen Sie diesen Raum?

Im Wesentlichen geht es darum, Vertrauen zwischen den

Spielenden, zwischen diesen und der Regie sowie zwischen

Schauspielern, Regie und dem Stoff herzustellen – und nicht

alles gleichzeitig zu machen, sondern sich schichtweise vorzuarbeiten.

Wenn Sie nun auf Ihren Aufenthalt an der ZHdK zurückblicken,

was konnten Sie davon mitnehmen?

Die Gabe, „die Augen aufzumachen“: Ich war eine intensive

Beobachterin in Zürich. Da ich die Sprache nicht verstand,

konzentrierte ich mich auf das Verhalten der Leute. Handlungen

lügen nie, vielmehr offenbaren sich die Menschen dadurch.

Das tägliche Tramfahren war eines der inspirierendsten

Dinge für mich. Ich schrieb tonnenweise Notizen und Ideen

auf, während ich die Leute beobachtete!

* Claudia Ramseier ist wissenschaftliche Unterrichtsassistentin an der Fachrichtung

Film (claudia.ramseier@zhdk.ch).

Das Filmmaker-in-residence-Programm wird seit dem Herbstemester 2010 für

drei Jahre von der Ernst-Göhner-Stiftung finanziell unterstützt. Ziel des Programms

ist die Förderung der interkulturellen und internationalen Zusammenarbeit

mit Filmschaffenden aus anderen Filmkulturen. Dazu werden Filmschaffende

aus dem Ausland für drei bis sechs Monate an die ZHdK eingeladen und

in den Lehrbetrieb eingebunden.


38

zett 1–11 / hochschule

Zwei Karten aus der Bülacher Bekleidungsrecherche der Kostümbildnerin

Eva Geiser. Oben: Haarreif, starkes Make-up, Kastenjacke mit Tiermuster,

schwarzer Pulli mit bunten Applikationen, schwarze Leggins, schwarze

Ballerinas, geflochtene Ledertasche, Glasperlenhalskette. Unten: Pony, Brille,

rotes Daunengilet, Strickjacke mit 3/4-Ärmel, Windjacke, braune Jeans mit

Gürtel, graue Bügelfaltenhose, Lederhalbschuhe.

was zeichnet bülach

aus?

Ihr 1200-Jahr-Jubiläum begeht die Stadt Bülach

unter anderem mit einem Theaterspektakel.

Die Fachrichtung Theater der ZHdK steht als

treibende Kraft dahinter. Von Daniela Fichte

und Jochen Kiefer*

Bülach feiert in diesem Jahr — mit gutem Grund. Vor 1200

Jahren ist die Stadt erstmals urkundlich erwähnt worden. Das

Jubiläum bildet den Anlass für ein ganz besonderes Fest; die

Verantwortlichen der Stadt Bülach suchten deshalb Ideen für

etwas Neues, etwas Unkonventionelles — und klopften mit

diesem Wunsch an die Türe des Departements Darstellende

Künste und Film.

Zwischen Vertiefungen und zwischen Städten

Dort stiessen sie auf offene Ohren: Das Theaterspektakel

sollte gemeinsam entwickelt werden. Dazu ermöglichte der

Departementsdirektor Hartmut Wickert sogar eine bisher

einmalige Projektform im Bachelor Theater, welche die Vertiefungen

Dramaturgie, Theaterpädagogik, Regie und Szenografie

gleichzeitig am Vorhaben beteiligte. Vernetzte Module

im Curriculum entstanden, ein künstlerisches Leitungsteam,

bestehend aus Dozierenden des Departements, formierte sich,

und ein intensiver Annäherungs- und Austauschprozess mit

dem Organisationskomitee der Stadt Bülach wurde in Gang

gesetzt. Rund 30 Studierende und Dozierende sowie über

300 BülacherInnen sind im Projekt involviert. Für viele der

Studierenden stellt ihr Beitrag zum Theaterspektakel gleichzeitig

die Bachelor-Abschlussarbeit dar.

Das Projekt ist Neuland für alle Beteiligten. Strukturelle,

finanzielle und ästhetische Dimensionen mussten bewältigt,

Ideen geprüft, verworfen, überarbeitet und wieder vorgestellt

werden, bis schliesslich beide Seiten mit dem Zwischenstand

einverstanden waren. Das wichtigste Anliegen der ZHdK war,

herauszufinden, wer und was die Stadt Bülach im Zürcher Unterland

eigentlich ausmacht. Was bedeutet den BülacherInnen

die Stadt? Was den Alteingesessenen, was den Neuhinzugezogenen?

Welche Gefühle, Erinnerungen, Nöte und Hoffnungen

verbinden sie mit ihr? Welche kontroversen Standpunkte rund

um Bülach existieren? Das Theaterspektakel wurde also als

„site-specific project“, als ortsspezifisches Projekt, konzipiert,

wie es ausschliesslich im Kontext von Bülach entstehen konnte.

Seldwyla oder Bülach

Die Bülacher Bevölkerung mit ihren (Lebens-)Geschichten

beteiligte sich in der Folge aktiv und darstellerisch am Projekt.

Sie nahm an einer Stadtführung teil, traf LadenbesitzerInnen

aus der Altstadt, besuchte ein Jugendzentrum, einen Frauenstammtisch,

das Migrationsamt und las Gottfried Kellers Novelle

„Die Leute von Seldwyla“, die angeblich auf die Bewoh-


nerInnen Bülachs anspielt. Sie besichtigte auch die ehemalige

Glashütte, aus der das bekannte Bülacher Einmachglas stammt.

Studierende der Dramaturgie entwickelten schliesslich ein

Szenario, das ein Freilicht- und Volkstheaterspektakel mit

dem Format der theatralen Stadtführung verbindet: In einer

inszenierten Landsgemeinde scheitert die örtliche Politik

daran, ein neues Stadtentwicklungskonzept durchzusetzen,

das die Gemeinde vor dem Untergang retten würde. Als auch

die skurrilen Versuche, den heiligen Laurentius als Stadtpatron

Bülachs wiederzubeleben, scheitern, beschliesst die Versammlung,

die Landsgemeinde zu unterbrechen und zieht

gemeinsam mit den ZuschauerInnen in die Altstadt, um den

wahren Reichtum der Stadt zu finden. In zwölf teils geführten

Stationen erzählen, spielen und thematisieren die Bülacher

EinwohnerInnen und Vereine Geschichten aus und in der

Stadt. Dass hinterher alles Teil der neuen Fernsehshow „Wir

retten ihre Kommune!“ gewesen sein könnte, mag da noch

niemand ahnen.

Identität und Image

Eine Stadt existiert nicht nur als Bild, das sie von sich selbst

hat. Was sie auszeichnet und ihren Reichtum ausmacht, ist

vielmehr die Heterogenität der Lebensentwürfe und der

Ansprüche an das Zusammenleben ihrer BewohnerInnen.

Insofern war die Arbeit der Studierenden nicht nur auf das

theatrale Produkt ausgerichtet, sondern sie initiierte einen

Prozess, in dem BülacherInnen sich und ihre Stadt aus neuen

Perspektiven erleben, hinterfragen und feiern können. Neben

allen unterhaltenden und festlichen Aspekten des Spektakels

eröffnet das Stadtjubiläum den BewohnerInnen somit auch

die Möglichkeit, ihr Verhältnis zu und ihre Verortung in der

Stadt zu hinterfragen.

* Daniela Fichte ist Dozentin im Fachbereich Theater (daniela.fichte@zhdk.ch).

Jochen Kiefer ist Vertiefungsleiter Dramaturgie des Bachelor of Arts in Theater

( jochen.kiefer@zhdk.ch).

Die Vorstellungen des Bülacher Freilichtspektakels finden vom 16. bis 19. und

vom 22. bis 26. Juni 2011, jeweils ab 19.30 h statt. Um ca. 22 h beginnt an diesen

Abenden die Feier auf dem Lindenhof.

Weitere Informationen unter: www.buelach1200.ch/freilichtspektakel

transfer zwischen

beruf und ausbildung

Alumni begleiten den Wandel des Theaterstudiums,

und im Gegenzug erhalten Studierende

Praxiserfahrungen aus erster Hand — ein

Tauschgeschäft mit Potenzial, vorgestellt von

Judith Hunger *.

Freudige, erstaunte und staunende Gesichter waren beim ersten

Ehemaligentreffen der Fachrichtung Theater an einem

Sonntag im Januar 2011 zu sehen. Geladen waren Ehemalige

der Theaterausbildung der ZHdK und ihrer Vorgängerinstitution,

Dozierende der Fachrichtung und Mitglieder des Vereins

der Freunde der Theaterausbildung. Ralph Müller stellte dabei

Letzteren vor, und Mirjam Neidhart informierte über die

ZHdK-Alumni-Organisation netzhdk.

theater/ zett 1–11

39

Mentorin, Götti oder Beraterin?

Das Treffen war das Initial für eine regelmässige Zusammenarbeit

des Departements Darstellende Künste und Film

mit seinen ehemaligen Studierenden. Beide Seiten können

von diesem Austausch profitieren. Die Alumni erhalten den

Kontakt zueinander und zu ihrer Ausbildungsstätte aufrecht

und bekommen Inputs zu den neuesten Entwicklungen der

Studiengänge. Die jetzigen Studierenden werden durch den

Austausch bereits früh mit den Berufsfeldern und der Berufspraxis

konfrontiert.

Dieser Schritt ins Berufsleben findet allerdings bereits jetzt

ohne Probleme statt. Erstengagements im direkten Anschluss

an das Studium sind im Departement der Normalfall. Die Zahlen

sprechen für sich: Rund 85 Prozent der AbgängerInnen

finden direkt eine Anstellung. Dennoch will man nicht auf den

Lorbeeren ausruhen. Der Verein der Freunde der Theaterausbildung

unterstützt nicht nur einzelne Studierende, sondern

prüft derzeit verschiedene Modelle von Mentoraten, Patenschaften

oder Beratungen, die einen intensiven Transfer von

Praxiserfahrungen in die Ausbildung bezwecken. Die Ideen für

einen solchen Wissens-Transfer sind vorhanden — ausgereift

ist der Gedanke noch nicht ganz.

Rezepte für Studierende bei Durststrecken

im Beruf

Die sorgfältige mittel- bis langfristige Karriereplanung ist also

noch ausbaufähig und kommt gegenwärtig zu wenig zum Zug —

man lebt auf der Bühne allzu gern von der Hand in den Mund.

Umfragen zeigen indes, dass genau dort Handlungsbedarf besteht.

Wie lassen sich berufliche Durststrecken, die auch zur

Realität in der Theaterszene gehören, sinnvoll überbrücken?

Bei solchen und ähnlichen Fragen helfen die Inputs von Menschen,

die in der Praxis stehen und aus ihrer eigenen Erfahrung

schöpfen können.

Informationen für Alumni

Auch die Alumni gingen an der Veranstaltung nicht leer aus.

Sie wurden über aktuelle Projekte und Perspektiven der Ausbildung

informiert, zum Beispiel über die Bühne A und die

Chancen dieser disziplinenübergreifenden Initiative (durch

Hartmut Wickert) oder über die Zukunftsperspektiven der

ZHdK im Toni-Areal (durch Marco Castellano).

Beim anschliessenden gemütlichen Apéro blieb

noch genug Zeit für einen Austausch.

Den künstlerischen Höhepunkt dieses Anlasses bildete ein

Beitrag aus „Theater in allen Räumen“. Schauspiel- und Theaterpädagogikstudierende

liessen es sich nicht nehmen, auf

spielerische Art und Weise die Anwesenden — Profis notabene

— zu einem Feedback aufzufordern. Es brauchte einige Zeit,

dann gab es erste Rückmeldungen von Ehemaligen, schmunzeln,

kritische Einschübe, Gelächter — geht doch!

* Judith Hunger ist Assistentin des Direktors Departement Darstellende Künste

und Film und neu in der Kommission Kommunikation der ZHdK

( judith.hunger@zhdk.ch).

Das nächste Treffen der Ehemaligen findet im Juni 2011 anlässlich der Generalprobe

der Diplominszenierung von Bachelor-Schaupielstudierenden statt.


40

zett 1–11/ alumni

Dave Leuthold (links) mit Band „Joslin’s Smile“, Alessandra Murer (Mitte),

Benjamin Conçalves (rechts).

wer übernimmt

die verantwortung

für unsere

illusionen?

Der Musiker Dave Leuthold hat an der ZHdK

im Bachelor Musik, Vertiefung Jazz und Pop,

bei Bernhard Bamert Posaune studiert und

2010 abgeschlossen. Er ist nicht nur Posaunist,

sondern auch Produzent, Arrangeur und

Komponist seiner eigenen Band. Mit ihm sprach

Christian Ledermann*

War es für dich schon als Kind klar, dass du Musiker werden

willst?

Der Begriff Musiker hat sich in meinem Verständnis stets

gewandelt. Als ich ein Teenager war, galt er für mich als

unerreichbares Ziel. Später rückte die Idee und Hoffnung, als

Musiklehrer leben zu können, in den Vordergrund. Während

des Musikstudiums an der ZHdK lernte ich verschiedenste

Arbeitsfelder des Musikers kennen. Heute weiss ich, dass ich

Musiker sein will.

Kommst du aus einer musikalischen Familie? Oder fanden

deine Eltern deinen Studienwunsch eher eigenartig?

Bis ich zu musizieren begonnen habe, wurde in meiner Familie

kein Instrument gespielt. Trotzdem unterstützten mich meine

Eltern mit viel Engagement. Sie ermöglichten mir den Unterricht

an der öffentlichen Musikschule. Ich konnte spielen,

so viel ich wollte, und hatte immer ein gutes Instrument zur

Verfügung. Dazu kommt, dass mein Vater über eine Plattensammlung

verfügt, die für mich heute noch interessant ist.

Was ist denn aus deiner Sicht das Wichtigste, was du während

deines Studiums gelernt hast? Und was hast du vermisst?

Das Studium an der ZHdK war eine einzige Bereicherung. Es

wurde mir bewusst, dass hinter jedem Begriff ein Ozean von

Möglichkeiten steht. Jedes Blatt Papier kann einen für ein Jahr

im Keller verschwinden lassen. Ich merkte, dass ich mir etwas

herausgreifen und da richtig reingehen muss. Hingegen habe

ich damals oft gedacht: Wer übernimmt die Verantwortung für

unsere Illusionen? Von den Dozierenden hat uns niemand an

die Realität erinnert. Während des Studiums machte mir das

manchmal Angst, habe ich das vermisst. Doch heute glaube ich,

dass es gut war so. Die Realität ist für die Kunst nicht gesund.

Nur wenn wir als Studierende hart, fokussiert und konzentriert

arbeiten, kommt am Ende das Beste heraus.

Hast du im Studienalltag gespürt, dass die ZHdK viele Kunststudien

unter einem Dach vereint? Gab es einen Austausch

mit Studierenden anderer Fachrichtungen, oder hattest du vor

allem mit anderen Musikstudierenden Kontakt?

Ich denke, allein schon durch die verschiedensten Studienrichtungen

im Departement Musik bestehen vielfältigste Mög-


alumni/ zett 1–11

41

lichkeiten. Da ist ein grosses Potenzial vorhanden. Die Jazz-

Abteilung pflegt zwar noch immer ihren familiären Charakter.

Trotzdem konnte ich das breite Angebot der ZHdK sehr gut

nutzen. Es bringt nichts, kleine Stars an kleinen Abteilungen

zu kreieren. Ich denke global, nicht familiär. Allerdings ist die

Zusammenarbeit der verschiedenen Departemente bestimmt

noch ausbaubar. Sobald die Infrastruktur angepasst, das heisst

vor allem, wenn die ZHdK ins Toni-Areal umgezogen ist, wird

sich da sicher noch einiges tun. Ich hoffe und glaube, dass

sich die Schulleitung und die Dozierenden darauf einlassen

werden.

Wie sieht dein Alltag jetzt aus? Und womit verdienst du genau

deinen Lebensunterhalt?

Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit dem Reparieren von

Blasinstrumenten. Mein Tag sieht so aus: um 6 Uhr aufstehen,

eine Stunde üben, Zug fahren, arbeiten, Zug fahren. Den Abend

verbringe ich mit meiner Partnerin in unserer Wohnung in

Zürich. Die restliche Zeit bin ich in meinem Proberaum im

Dynamo. Hier kann ich meine Ideen umsetzen. Zurzeit arbeite

ich am neuen Programm für „Joslin’s Smile“. Dies ist das

stimmige Produkt aus der Zusammenarbeit mit der Sängerin

Alessandra Murer und dem Bassisten Benjamin Conçalves.

Synthesizer-Elektropop mit vielen selbst gebauten Klängen.

Bei der neuesten Arbeit verwende ich Klänge, die ich in Venedig

und in Zürich aufgenommen habe. Ich bin fasziniert vom

vielfältigen Umgang mit Audiomaterial. Ich verwende alles

Mögliche, vom iPhone bis zu hochauflösenden Geräuschen,

bearbeite diese mit Filtern, schneide, verdrehen und bringe

alles in die Form des Songs.

Du bist — wie alle ZHdK-AbsolventInnen seit 2008 — automatisch

netzhdk-Mitglied geworden. Was versprichst du dir

von der Alumni-Organisation?

Sie ist für mich ein Baustein im persönlichen Netzwerk. In

unserer Branche ist es wichtig, auffindbar und präsent zu sein.

Sich zu organisieren, ist allerdings für MusikerInnen nicht

selbstverständlich. Wäre die Kultur ähnlich gut organisiert

und als Lobby so präsent wie zum Beispiel der Sport, hätten

vielleicht Theateraufführungen die gesellschaftliche Breitenwirkung,

wie sie heute etwa Fussballspiele haben.

Mehr Informationen unter: www.joslinssmile.ch

* Christian Ledermann leitet die Geschäftsstelle von netzhdk, der Alumni-

Organisation der ZHdK (christian.leder@zhdk.ch).

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42

zett 1–11

publikationen / impressum

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

who is who

Wer sind die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der ZHdK?

Diesmal stellt sich die neu

organisierte Hochschulkommunikation

vor, die im Rektorat

angesiedelt ist. Eva Brüllmann,

Bild: Matthias Bünzli

1 Stefan Schöbi

Stv. Leiter Hochschulkommunikation,

Leiter Hochschulmarketing und Veranstaltungen.

Ausbildung/Beruf: Germanist,

Theaterwissenschaftler und Marketing

Executive. An der ZHdK seit: 8. März 2008.

Ausserberufliche Interessen: Fels, Schnee und

Gipfel. Was mir an der ZHdK gefällt: der Ehrgeiz

und die Vehemenz, mit denen hier

Positionen vertreten werden. Was ich verändern

würde: die Veränderungsbereitschaft.

Was ich mir für das Toni-Areal wünsche: Es gibt

nur einmal ein Toni für die ZHdK — man

kann diese Chance nutzen oder verpassen

...

2 Samuel Marty

Visueller Gestalter / Dozent. Beruf/Ausbildung:

Typografischer Gestalter / Dozent.

An der ZHdK seit 1994. Ausserberufliche

Interessen: Familie, Gitarre. Was mir gefällt an

der ZHdK: die mannigfaltigen Persönlichkeiten,

denen ich hier im Zusammenhang

mit der Kommunikations- und

Dozententätigkeit begegne. Die gute

IT-Infrastruktur ganz generell, und als

typografischer Gestalter im Besonderen

die ZHdK-Schriftbibliothek. Was ich verändern

würde: mehr Sinniges als Irrsinniges

(beispielsweise irrsinniger Abbau der

Weiterbildungskurse, zehnstelliger Kostenstellenstempel,

umständliche Zeiterfassung

als Mac-User usw.). Was ich mir fürs

Toni-Areal wünsche: dass die verschiedenen

Bereiche der ZHdK gut zusammenfinden;

ZHdK-Angehörige, insbesondere

Leitungspersonen, die über die „eigenen

Bedürfnisse“ und Budgetgrenzen

hinaus ans Gesamte denken und entsprechend

handeln; in der Kommunikation

wünsche ich mir als gestalterisch

Tätiger mehr Auslagefläche an unseren

Arbeitsplätzen, eine gestalterische Haltung

hinsichtlich der ZHdK-Kommunikationsmedien

sowie die notwendigen

Ressourcen für verständliche, überraschende,

zielgerichtete und für die

Öffentlichkeit gesichtsgebende Kommunikation

in hoher und ansprechender

Qualität.

3 Johannes Dietschi

Fotograf. Ausbildung/ Beruf: Fotograf. An

der ZHdK seit: 1. September 2009. Ausserberufliche

Interessen: Feuerwehr, Jassen,

Freunde, Tischtennis, Theater, Fussball,

Videos machen und schneiden. Was mir

gefällt an der ZHdK: guter Arbeitsplatz, gutes

Team. Was ich verändern würde: Vieles und

doch nichts. Was ich mir fürs Toni-Areal wünsche:

ein Tischfussballkasten.

4 Tobias Markus Strebel

Visueller Gestalter. Ausbildung/Beruf: Visueller

Gestalter HFG, MAS Cultural Studies,

Architekt HTL (meinen alten Beruf

reanimiere ich gerade mit einem Bauprojekt).

An der ZHdK seit: 1999. Ausserberufliche

Interessen: Brutpflege und die Entwicklungspartnerschaft

zu meinen Töchtern;

unser kulturelles Archiv mit Klimperkabinett

und Schattensammlung; Trommeln.

Was mir an der ZHdK gefällt: das schlafende

und das immer wieder erwachende

Potenzial, die Menschen, die Arbeit. Was

ich verändern würde: 1: Das administrative


ubrik

zett 3–10

43

11 12

und technische Personal sollte in den

geistigen Körper der ZHdK re integriert

werden 2. Nonverbale Diskursformen

sollten besser gefördert und in die institutionellen

Diskurse integriert werden

(das „Zett“ sollte sich eine experimentelle

Beilage zulegen — als Plattform für

Bildarbeiten, nonlineare Textarbeiten

oder „queere“ Forschungsarbeiten).

3. Das Selbstverständnis der ZHdK sollte

weniger bei der Eliteschmiede als bei der

Kraft zur Erneuerung sein. Dazu wünsche

ich mir offensivere künstlerische

Irritationen der Öffentlichkeit — je nach

dem —, gefolgt von den kulturwissenschaftlichen

Hintergrunderklärungen

aus unseren Wissenschaftsabteilungen.

Was ich mir für das Toni-Areal wünsche: : Eine

ratternde ZHdK, als dünkelfreie Zone —

als Ort der Zusammenarbeit.

5 Heike Pohl

Leiterin Hochschulkommunikation.

Ausbildung / Beruf: Romanistin, Anglistin,

Kunsthistorikerin (Uni ZH), Executive

Master of Science in Communications

Management (Uni Lugano). An der ZHdK

seit: 2. September 2002. Ausserberufliche

Interessen: mit Freundinnen und Freunden

das Leben leben, frische Luft und Natur,

Kunst, Kultur, Europa, Balkonien, malen.

Was mir an der ZHdK gefällt: die abwechslungsreiche

Tätigkeit, der Austausch mit

Menschen, die Künste, das Büro an der

Limmat, der Blick aus der Mensa auf die

Graureiher. Was ich verändern würde: mehr

telefonieren, weniger e-mailen. Was ich mir

für das Toni-Areal wünsche: dass dort durch

neue Nachbarschaften viel Anregendes

und Gutes entsteht — Beziehungen, Projekte

und Kunstwerke, die wir uns heute

noch gar nicht vorstellen können.

6 Stefan Kreysler

Projektleiter Veranstaltungen. Ausbildung /

Beruf: Lehre als Gold- und Silberschmied,

Studium der Bildenden Kunst an der

Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam.

An der ZHdK seit: 1. August 2003. Ausserberufliche

Interessen: meine Patchworkfamilie,

Telemarkskifahren, auf Touren gehen

und Bergsteigen. Was mir an der ZHdK gefällt:

die Möglichkeit, mit so vielen Kulturschaffenden

im täglichen Kontakt zu

sein, und der „Spirit“ der Studierenden

und Kolleginnen und Kollegen. Was ich

verändern würde: den Austausch zwischen

den Departementen vereinfachen. Ich

wünsche mir den Willen der ZHdK, gelegentlich

als eine Hochschule zu sprechen,

trotz und wegen der Vielfalt. Was

ich mir für das Toni-Areal wünsche: dass der

Traum von einem gemeinsamen Campus

wahr wird und ich viele anregende,

aufregende und sinnvolle Begegnungen

haben werde.

7 Moritz Wolf

Grafiker. Ausbildung / Beruf: Typograf / Webprogrammer

PHP/MySQL. An der ZHdK

seit: 2. Juli 2001. Ausserberufliche Interessen:

die Welt, das Leben, die Liebe und Radiomoderationen.

Was mir an der ZHdK gefällt:

... ist sicher mit ein Grund, warum

ich seit zehn Jahren hier arbeite. Was ich

verändern würde: ... hätte bestimmt einige

Konsequenzen. Was ich mir für das Toni-Areal

wünsche: dass es ein angenehmer Arbeitsort

sein wird.

8 Betty Fleck-Peer

Fotografin. Ausbildung / Beruf: Fotografie an der

HGKZ, MAS Cultural/Gender Studies. An der

ZHdK seit: 2007 (seit es die ZHdK gibt und

davor schon an der HGKZ). Ausserberufliche

Interessen: die jeweilige Jahreszeit kulinarisch

und bewegungsmässig geniessen, Freunde

+ Familie, viel Film- + Lesefutter wie auch

Hör- + Kostproben konsumieren. Was mir an

der ZHdK gefällt: die Menschen, mein Job, die

Zusammenarbeit und der Dialog, Möglichkeiten

der steten Entwicklung und Inspiration

(mental + fachbezogen). Was ich verändern

würde: sowieso ist alles in Veränderung.

9 Regula Bearth

Fotografin. Ausbildung / Beruf: Fotografie

an der HGKZ, MAS in Design/Art + Innovation

an der FHNW Basel, eigenes

Portraitstudio in Zürich. An der ZHdK seit:

1998. Ausserberufliche Interessen: Berge, Tai-

Chi, Kunst, Film. Was mir an der ZHdK gefällt:

die Vielfalt an Ausbildungen, die Menschen,

insbesondere der Morgengruss

des Putzpersonals. Was ich verändern würde:

mehr fördern und stärken und in Weiterbildungen

investieren. Was ich mir für

das Toni-Areal wünsche: einen lebendigen,

kreativen Ort.

10 Adriana Bognar

Projektleiterin interne Kommunikation.

Ausbildung / Beruf: Tänzerin / diplomierte

Ballettpädagogin. An der ZHdK seit: 1998

(damals Schweizerische Ballettberufsschule).

Ausserberufliche Interessen: zurzeit

mein zweijähriges Enkelkind, mit dem

ich die Welt nochmals im Winzigkleinen

entdecken kann. Was mir an der ZHdK gefällt:

Studierende, die mit Leidenschaft und

Kreativität ihre Ausbildung betreiben.

Was ich verändern würde: mehr Musik an der

Ausstellungsstrasse, mehr Film im Florhof,

mehr Tanz an der Hafnerstrasse,

mehr Design an der Gessnerallee, mehr

Kunst im Media-Campus. Was ich mir für

das Toni-Areal wünsche: eine Kaskade voller

Pflanzen und einen Yoga-Raum fürs tägliche

Kopfstehen.

11 Tommy De Monaco

Projektleiter PR / Web/Medien/ Veranstaltungen.

Ausbildung/Beruf: kaufmännischer

Angestellter, Flight Attendant,

PR-Fachmann. An der ZHdK seit: 15. Juni

2002. Ausserberufliche Interessen: Thriller

und Romane lesen; Gäste bekochen;

beim Yoga zu Boden kommen; Stadtflucht

und Naturgenuss beim Wandern;

den Beat beim Tanzen und an Konzerten

finden; unterhaltende und inspirierende

Museums- und Kinobesuche; Kontakte

zu Freunden und Familie pflegen. Was

mir an der ZHdK gefällt: die Dynamik, mein

Aufgabengebiet, das freundliche Umfeld,

der freie, kreative Geist. Was ich verändern

würde: Abbau der „Gartenzäune“; neben

der Innen- auch die Aussenperspektive

betrachten. Was ich mir für das Toni-Areal

wünsche: ein lebhaftes Haus mit guter,

kreativer Energie und die Benützungsmöglichkeiten

von Orten und Räumen


44

zett 3–10

leute

für Ausstellungen usw., ohne aufwendige

Auflagen. Ich wünsche mir auch, dass

das Quartier um das Toni-Areal mit dem

Einzug der ZHdK belebt wird.

12 Chandra Brandenberger

Assistentin Hochschulkommunikation.

Ausbildung/Beruf: KV-Angestellte, Gesangslehrerin.

An der ZHdK seit: 1. Februar 2001.

Ausserberufliche Interessen: neben meiner

Tätigkeit als Gesangslehrerin und Sängerin

v. a. Bewegung in der Natur; meine

(zugelaufene) Katze; Flamenco-Tanz, Qigong;

Kultur und Kulturen im weitesten

Sinne; Spiritualität, Reisen. Was mir an der

ZHdK gefällt: die Vielfalt der Menschen,

der Arbeit und der ZHdK selbst sowie

deren Kulturangebot; relativ viele persönliche

Freiheiten; die Zusatzangebote

(z. B. ASVZ) und die zentrale Lage. Was ich

verändern würde: weniger Bürokratie — so

manche Regelung erschwert effizientes

Arbeiten. Das Miteinander und Vertrauen

auch zwischen den Hierarchien mehr

fördern. Was ich mir für das Toni-Areal wünsche:

dass sich die Vision Toni-Areal für die

ZHdK und für alle mit ihr verbundenen

Personen erfüllt.

Abschied von

Thomas Kaspar

Thomas Kaspar, Leiter Business Applications

in den Services der ZHdK, ist am

20. Januar 2011 nach kurzer, schwerer

Krankheit gestorben. Auf seinen Wunsch

wurde im engsten Familien- und Kollegenkreis

von ihm Abschied genommen.

Der 1958 geborene Informatiker kam aus

der Privatwirtschaft und arbeitete seit

März 2008 an unserer Hochschule. Wie

er selber immer wieder sagte – so auch

in einem Porträt in Zett 4/2008 – haben

ihm das künstlerische Umfeld und die

Arbeitsatmosphäre an der ZHdK sehr

zugesagt. Privat spielte er Rockmusik in

einer Band und war auch gestalterisch

tätig. Wir verlieren mit Thomas einen

zuverlässigen, engagierten und ausgleichenden

Kollegen, dem wir ein ehrendes

Andenken bewahren werden. Seinen Angehörigen

entbieten wir unser herzliches

Beileid. (hpo)

Neue Kuratorin: Karin Gimmi

Neue Kuratorin

am Museum

Seit Februar 2011 ist Karin Gimmi als Kuratorin

für das Museum für Gestaltung Zürich

tätig. Ihr erstes Projekt ist eine Ausstellung

über Schweizer Grafik, die sie zusammen mit

Barbara Junod von der Grafiksammlung des

Museums kuratiert.

Karin Gimmi hat nach dem Studium der

Kunstgeschichte und italienischer Literaturund

Sprachwissenschaften in Zürich und

Rom sowie einem Forschungsaufenthalt an

der Columbia University New York zunächst

als Assistentin an der ETH Zürich und am

Kunsthistorischen Institut der Universität

Zürich gearbeitet. Parallel dazu war sie dort

und später an der Hochschule Luzern —

Design & Kunst Dozentin für Kunst- und

Architekturgeschichte. Anschliessend wirkte

sie als freiberufliche Autorin und Kuratorin

und war an Forschungsprojekten des Schweizerischen

Nationalfonds (SNF) der ETH

Zürich sowie der ZHdK beteiligt.

Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der

jüngeren Architektur und im Design sowie

in der Kunst seit den 1950er-Jahren. Max

Bill ist eine der Künstlerfiguren, die sie

immer wieder beschäftigte und mit dem

sie sich in verschiedenen Publikationen

auseinandergesetzt hat. Nachdem Karin

Gimmi sich während der letzten Jahre

schwerpunktmässig in der (angewandten)

wissenschaftlichen Forschung engagierte,

reizt sie nun der Schritt in die Ausstellungspraxis:

„Das Museum für Gestaltung Zürich

hat sich mir als eine Institution mit einer

inhaltlich einzigartigen Kultur eingeprägt,

die mitzugestalten ich als ein grosses Privileg

empfinde. Die gesellschaftliche Relevanz der

ästhetischen Themenfelder wie letztlich

auch der Wert, der auf die Kraft und die

Aura der Ausstellungsobjekte gelegt wird,

sind mir auch für meine eigene Arbeit als

Kuratorin am Museum ein grosses Anliegen.

Ich betrachte es als eine spannende

Herausforderung, zeitgenössische Themen

der Alltagskultur aus einem Blick heraus

aufzubereiten, der die geschichtlichen

Abläufe mitreflektiert und für wichtig hält.“

(Angeli Sachs)

Masters of Pop (v.o. n. u.):

Stefan Aegerter

Dave Demuth

Dominique Destraz

Mara Miccichè

Omar Fra

Violoncellist An Dongkyun


auszeichnungen

zett 3–10

45

Master of Pop: Fünf

Jahre Pop studieren

in Zürich

Fünf Jahre vergehen, fünf

Lebensträume werden wahr,

und eine Vision erfüllt sich:

Im Mai 2011 beenden die

ersten Pop-Studierenden der

Schweiz ihr Studium als

BerufsmusikerInnen mit dem

Diplom zum Master of Arts

an der Zürcher Hochschule

der Künste.

Eine Vision, die im Herbst 2004 mit den

ersten Planungen begann, ein Lebensweg,

der im Herbst 2006 von einer Musikerin

und vier Musikern beschritten wurde. Und

nun, fünf intensive Jahre, 300 ECTS Credits

und ungezählte Stunden später ist es so

weit: Mara Miccichè, Stefan Aegerter, Dave

Demuth, Dominique Destraz und Omar Fra

schliessen als erste Pop-MusikerInnen der

Schweiz ihr Studium mit einem Master-

Diplom ab.

Nicht als Popstars, doch sicher als eigenständige

Pop-Persönlichkeiten, die trotz der

sich ständig wandelnden Anforderungen

und Bedingungen der globalisierten digitalen

Musikszene in der Kreativwirtschaft

sowohl „kreativ“ als auch „wirtschaftlich“

agieren können.

Ihr zukünftiges Tätigkeitsprofil ist dabei

sehr vielfältig und zeichnet sich durch

mehrere Standbeine in den Berufsfeldern

Performance, Kreation, Produktion und

Business aus. Um auch im professionellen

musikpädagogischen Umfeld tätig sein zu

können, erhalten sie das Diplom als „Master

of Arts in Musikpädagogik in der Vertiefung

Instrument/Gesang im Schwerpunkt Pop“:

welch ein Titel! (Heiko Freund)

Zu hören im Moods, 24.–26. Mai:

Die Präsentation der Master-Projekte finden nebst

den dazugehörenden After-Show-Partys in unserem

langjährigen Partnerclub Moods im Schiffbau statt,

und zwar von Dienstag, 24. Mai, bis Donnerstag,

26. Mai 2011.

Kurzbeschriebe der Masterprojekte auf

www.zhdk.ch/?dmunews

Wettbewerbsgewinne

Musik

Corpus Christi ehrt Spiridonov:

Der Pianist Viacheslau Spiridonov, Student

von Homero Francesch, erhielt an der 19th

International Chopin Piano Competition

im texanischen Corpus Christi den 1. Preis.

Zweimal Gold für einen

Musiker:

Der Querflötist Rafal Zolkos, Student von

Philippe Racine, hat an der 22. European

Music Competition in Moncalieri (I) den

1. Preis in der Kategorie „Solo“ und den

1. Preis ex aequo in der Kategorie „Kammermusik“

gewonnen.

Winterspiel in Montreal:

Der Violoncellist An Dongkyun, Student von

Raphael Wallfisch, wurde am Concours des

Orchestre Symphonique de Montreal für

sein Spiel gleich zweimal ausgezeichnet,

nämlich mit dem Premier Prix und dem Prix

Domaine Forget.

Gold und Silber:

Den Kontrabassisten Wies de Boevé, Student

von Duncan McTier, kennt man bereits in

dieser Rubrik. Erneut darf er sich über einen

1. Preis freuen, erspielt am Internationalen

Kontrabasswettbewerb in Berlin. Violonistin

Soyoung Yoon, Studentin von Zakhar

Bron, gewinnt an der International Violin

Competition of Indianapolis den 2. Preis.

1. Preis in Chieri

Die Querflötistin Mingzhu Wang, Studentin

von Philippe Racine, hat am Internationalen

Wettbewerb Città di Chieri (I) den

1. Preis entgegennehmen können. Sie trat

anschliessend als Solistin mit dem Orchestra

Filarmonica di Torino auf.

Violine solo und im Trio:

Der Violonist Benedikt Wiedmann, Alumnus

der Klasse Ulrich Gröners, hat kurz nach

seinem erfolgreichen Probespiel für eine

Stelle am Opernhaus in Oslo mit seinem

Klaviertrio die Trio-Wertung des 17. Internationalen

Johannes Brahms Wettbewerbs

in Pörtschach (A) gewonnen.

Heidelberger

Künstlerinnenpreis für

Isabel Mundry

Die Komponistin und ZHdK-Dozentin Isabel

Mundry, deren Werke weltweit von den

bedeutendsten Orchestern und Ensembles

aufgeführt werden, erhält den Heidelberger

Künstlerinnenpreis 2011. Dieser wird bereits

zum 20. Mal verliehen. Heuer entschied

sich die Jury dafür, die Komponistin Isabel

Mundry aufgrund ihrer Verdienste um die

Weiterentwicklung der zeitgenössischen

Musik im 20. und 21. Jahrhundert auszuzeichnen.

Diese Weiterentwicklung ist Mundrys

individueller Klangsprache zu verdanken.

Zu den zentralen Themen der Komponistin

zählt die musikalische Auseinandersetzung

mit Zeit und Raum. Der Heidelberger

Künstlerinnenpreis, der 1987 von Roswitha

Sperber im Rahmen des Festivals für Neue

Musik in Heidelberg ins Leben gerufen

wurde, zählt heute zu einem der wichtigsten

Kulturpreise Deutschlands. Er ist weltweit

der einzige Preis, der ausschliesslich an

Komponistinnen vergeben wird. Bisherige

prominente Preisträgerinnen sind unter

anderem Sofia Gubaidulina, Olga Neuwirth

und Misato Mochizuki. (dhu)


46

Erste MA-Design-

AbsolventInnen und

zwei herausragende

Arbeiten

Scherwin Amini (links) ist einer der Stationspiraten in Michael Schaerers Film.

Orchesterstellen Musik

Schlagzeugerfolg hoch 3:

Aus der Klasse von Klaus Schwärzler haben

gleich drei Studierende ein bedeutendes Probespiel

für sich entscheiden können: Michael

Juen, Mike Sutter und Edzard Locher spielen

künftig im Gustav Mahler Jugendorchester,

das als DIE Talentschmiede für europäische

OrchestermusikerInnen gilt.

Qatars Ruf aus der Wüste:

Die in den Vereinigten Arabischen Emiraten

liegende Stadt Qatar ist am Aufbau einer

„Education City“, zu welcher auch eine

Musikakademie und das neu gegründete

Qatar Philharmonic Orchestra gehört. Darin

wird Querflötistin Andrea Lötscher (Klasse

Philippe Racine), welche im Sommer 2010

ihr Solistendiplom abgeschlossen hat, die

Position Solo Piccolo mit Verpflichtung zur

2. Flöte besetzen. Die Probespiele fanden

weltweit statt mit dem Ziel, die Besten der

Besten im ambitiösen Orchester zu vereinen.

Weitere Probespielerfolge:

Der Oboist Samuel Bastos, Student von

Thomas Indermühle, hat das Probespiel

für die zweijährige Orchesterakademie

des Opernhauses Zürich gewonnen. Der

Hornist Claudio Flückiger, Student von

Radovan Vlatkovic, wird das 1. Solohorn

am Theater Innsbruck übernehmen.

Der Oboist Davide Jäger, Student von Simon

Fuchs, qualifizierte sich im Sinfonieorchester

St. Gallen für die 2. Oboe / das Englischhorn.

Die erste Geige spielt künftig Seraina

Pfenninger, Studentin von Zakhar Bron,

im Orchester des Opernhauses Zürich —

sie ist die Siegerin des Probespiels für die

1. Violine tutti. Der Kontrabassist Wies de

Boevé, Student von Duncan McTier, wird

in Zukunft in der Karajan-Akademie der

Berliner Philharmoniker zu hören sein. (dhu)

Schweizer Filmpreis

an Scherwin Amini

Scherwin Amini wurde an der Preisverleihung

des Schweizer Filmpreises „Quartz

2011“ am 12. März 2011 im KKL Luzern zum

besten Darsteller gekürt für seine erste grosse

Kinorolle als Kevin im Film „Stationspiraten“.

Amini ist Student im Bachelor Theater/

Schauspiel an der ZHdK. „Stationspiraten“

(Regie: Michael Schaerer) ist ein Film über

fünf krebskranke Teenager. Demnächst soll

er auf DVD erscheinen.

Weitere Informationen: www.schweizerfilmpreis.

ch, www.stationspiraten.ch

Werkjahr für

Felix Profos

Dem Dozenten für Komposition und Musiktheorie

/ Hörtraining im Profil Klassik und

Theorie, Felix Profos, wurde vom Präsidialdepartement

der Stadt Zürich das

Werkjahr für Komposition zugesprochen.

Die Vergabe erfolgt einmal jährlich durch

die städtische Musikkommission, einem

Gremium von sieben ExpertInnen aus dem

Zürcher Musikleben.

Im Juni 2010 haben die ersten AbsolventInnen

des Studiengangs Master of Arts in

Design ihre Master-Thesis erfolgreich abgeschlossen.

Kurz nach der Diplomausstellung

wurden zwei Arbeiten aus dem Kompetenzfeld

Kommunikation, Programm Editorial

Design, an zwei Design-Wettbewerben

honoriert:

Die Master-Arbeit von Julia Köberlein,

„Kontext — die Entwicklung eines Publizistikformats

für politische Themen“, gewann

den European Newspaper Design Award in

der Kategorie „European Student Award“.

Die Preisverleihung erfolgt anlässlich des

European Newspaper Congress 2011, der vom

1. bis 3. Mai 2011 in Wien stattfindet (http://

master.design.zhdk.ch/projekte/kontext).

Ferner wurde diese Arbeit zusammen mit

der Master-Arbeit „allez — die Champions-

League-Saison 2009 des FC Zürich aus

Fansicht“ von Johannes Bissinger für den

Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner

2010 nominiert und im Neuen Museum,

Staatliches Museum für Kunst und Design in

Nürnberg, vom 5. November bis 5. Dezember

2010 ausgestellt (http://master.design.zhdk.

ch/projekte/allez). (Karin Zindel)

Links: Felix Profos


auszeichnungen

zett 1–11

47

Wirklich nur Blech?

Lista Office kürt seit 2008 alle zwei Jahre

junge DesignerInnen. Der Wettbewerb

„Alles Blech“ soll jungen Talenten den

Weg in die Praxis erleichtern und sie einer

breiteren Öffentlichkeit bekannt machen.

Dabei gilt es, die jeweiligen Produkte zur

Marktreife weiterzuentwickeln und so den

Eingang in das Sortiment Plug von Lista

Office zu finden. Im Rahmen des zweiten

Wettbewerbs wurden im November 2010

gleich mehrere Studierende und ehemalige

Teammitglieder der Vertiefung Industrial

Design ausgezeichnet.

Gefährlich nahe an den 1. Platz schaffte es

Gian-Andri Bezzola, Student im 6. Semester,

mit seiner Arbeit „Ordo“, die den 2. Rang

erlangte. Ebenfalls sehr gut platzierten sich

Pablo Lunin und Reto Togni, Studenten im

4. Semester, mit ihrem Projekt „Trayble“.

Sie konnten den 3. Preis entgegennehmen.

Je eine Anerkennung erhielten das Projekt

„Paperboy“ von Karin Meier, Absolventin

2008 und ehemalige Assistentin in der Vertiefung

Industrial Design, sowie die Arbeit

„Punk Poet“ von Dimitri Gerber, Student im

6. Semester. „Punk Poet“ wurde zusätzlich

mit dem Publikumspreis geehrt, der im Rahmen

des Designers’ Saturday in Langenthal

verliehen wurde.

(Cyril Kennel)

Produkt „Ordo“ von „Alles Blech“-Preisträger

Gian-Andri Bezzola

Made in Asia, Andreas Saxer, 2010, in der

Ausstellung Designpreise der Schweizerischen

Eidgenossenschaft 2010. Foto: Regula Bearth

Eidgenössischer

Preis für Design an

Andreas Saxer

Der Designer Andreas Saxer beschäftigt

sich in der Kollektion „Made in Asia“ mit

seinen Eindrücken, die er im ostasiatischen

Raum gesammelt hat. So bilden Fotografien

von Artefakten, Bauten und Menschen die

Inspirationsquelle für vier Entwürfe in den

Bereichen Möbel, Leuchten und Accessoires.

Die Entwürfe ehren die in ihnen enthaltenen

Handwerkskünste. Die Objekte wurden unter

Verwendung moderner Fertigungstechniken

für traditionelle Gegenstände und im engen

Austausch mit Handwerkern aus Taiwan

entwickelt. Sie wecken Assoziationen, ohne

aufdringlich zu sein, und lassen Freiraum

für eigene Interpretationen.

Dieser Ansatz hat die Jury des Eidgenössischen

Preises für Design überzeugt, und

so erhielt Andreas Saxer (HGKZ-Absolvent

2003) eine der wichtigsten Auszeichnungen

der Schweizer Designförderung. Die Vertiefung

Industrial Design freut sich über den

Erfolg ihres ehemaligen Teammitglieds und

gratuliert herzlich!

(Cyril Kennel)

Glanzvolle Leistungen

der Fachrichtung

Film und Theater

Der 1998 ins Leben gerufene Schweizer Filmpreis

„Quartz“ ehrt herausragende schauspielerische

wie auch filmische Leistungen.

Dieses Jahr fand die Preisvergabe am

12. März im KKL Luzern unter dem Patronat

der SRG SSR in Zusammenarbeit mit dem

Bundesamt für Kultur und SWISS FILMS

statt. In der „Nacht der Nominationen“

an den Solothurner Filmtagen im Januar

werden jeweils die von einer neunköpfigen

Nominationskommission ernannten Filme

und Personen bekannt gegeben. Ein Preisgeld

von insgesamt 425 000 Franken steht

zur Verfügung.

Gleich drei Studierende der ZHdK befanden

sich unter den Nominierten: in der Kategorie

„Bester Kurzfilm“ Ivana Lalovic mit „Little

Fighters“ und Géraldine Zosso mit „MAK“ —

beide belegen die Fachrichtung Film — und

in der Kategorie „Bester Darsteller“ Scherwin

Amini, Fachrichtung Theater (siehe Artikel

linke Seite).

Der mit 15 000 Franken dotierte Nachwuchspreis

„Bester Kurzfilm“, der bereits in

Solothurn vergeben wurde, ging ebenfalls

an einen ZHdK-Studenten: Jan Mettlers

„Ronaldo“ erhielt den von SUISSIMAGE

und SSA gestifteten Preis.


48

zett 3–10

auszeichnungen, veranstaltungen, hinweise

Wettbewerbserfolge

der taZ

Internationaler Tanzwettbewerb

Tanzolymp Berlin 2011:

Caitlin Stawaruk, Andrei Cozlac und Daisuke

Sogawa, drei Studierende des Hauptstudiums

6 an der Tanz Akademie Zürich (taZ),

wurden am Tanzolymp Berlin mit zwei Goldund

zwei Silbermedaillen ausgezeichnet. An

den diesjährigen Wettbewerbsaustragungen

unter dem Motto „Tanz als Weltsprache“ nahmen

950 KandidatInnen aus 28 Ländern teil.

Internationaler Ballettwettbewerb

Prix de Lausanne 2011:

Benoît Favre ist im Finale des 39. internationalen

Ballettwettbewerbs für junge Tänzerinnen

und Tänzer als „bester Schweizer“

geehrt worden. Der 17-Jährige, der seit vier

Jahren an der taZ studiert, gewann den mit

2500 Franken dotierten Preis der Fondation

Leenaards. Ausserdem schaffte der britischaustralische

Doppelbürger Jack Bertinshaw,

ebenfalls Student an der taZ, den Sprung

ins Finale.

Herzliche Gratulation allen

Ausgezeichneten!

Tramhaltestelle am Milchbuck

Visuelle Kommunikation

am Milchbuck

Seit 10. Februar 2011 sind in der neuen Zürcher

Tramstation Milchbuck vier Plakate zu

sehen. Sie zeigen Projekte der Studierenden

des dritten Semesters der Vertiefung Visuelle

Kommunikation aus dem Modul „Informations-Design“.

Die wichtige neue Haltestelle

(rund 36 000 Personen steigen hier täglich

ein und aus) wird in den nächsten fünf Jahren

von der Vertiefung mit Plakatausstellungen

unterschiedlicher Themen bespielt, die dreibis

viermal pro Jahr wechseln. Das Ganze

ist zustande gekommen, weil die VBZ eine

Anzahl Plakatpositionen für nicht kommerzielle

Themen zur Verfügung stellt.

(Peter Vetter)

Auf Tournee

mit Pippo Pollina

Er hat den Sprung in die Kinos geschafft:

Der Dokumentarfilm „Zwischen Inseln“, ein

Projekt des Studiengangs Bachelor of Arts in

Film, begleitete den Musiker Pippo Pollina

und das Zürcher Jugend Sinfonieorchester

auf ihrer Italientournee im Oktober 2009.

Maurizius Staerkle-Drux (Regie) zeichnet

die Konzertreise ebenso nach wie die Konflikte,

die in der Zusammenarbeit engagierter

KünstlerInnen von unterschiedlichem

Temperament und Alter vorkommen. Dabei

widersteht er der Versuchung, sich rein auf

die Musik zu verlassen, und eröffnet den

ZuschauerInnen überraschende Momente

jenseits des Konzertbetriebs. Maurizius

Staerkle-Drux konnte sich auf seinen Mitstudenten

Sebastian Weber (Kamera) und

die Filmemacherin Christina Pollina-Roos

verlassen. (ssc)

Weitere Infos: www.zwischeninseln.com/

Kafkas Strafkolonie –

Schweizer Erstaufführung

von Zürcher-

Kammerorchester

und ZHdK

Das Zürcher Kammerorchester bringt in

Kooperation mit der Zürcher Hochschule

der Künste im Mai zum ersten Mal die

Kammeroper „In the Penal Colony“ des USamerikanischen

Musikers und Komponisten

Philip Glass zu einer Schweizer Aufführung.

Sie basiert auf Kafkas Kurzgeschichte „In

der Strafkolonie“ aus dem Jahre 1914. An

der Produktion beteiligt sind Studierende

und Dozierende der ZHdK aus den Studiengängen

Medien & Kunst (Vertiefung Mediale

Künste) und Theater (Vertiefungen Regie

und Szenografie). Die Aufführung wird vom

italienischen Komponisten und Dirigenten

Andrea Molino realisiert.

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs nimmt

Kafka in seiner Erzählung die Mechanisierung

des Tötens vorweg, wie sie am Beginn

des 20. Jahrhunderts durch den technischen

Fortschritt erstmals Wirklichkeit wurde. Der

Stoff des Werkes ist allegorisch; Kafka nutzt

ihn als Ausgangspunkt, um — tiefgründig

und poetisch zugleich — humanistische

und idealistische Wertvorstellungen zu

ergründen. Das Resultat ist eine Parabel auf

Schuld und Unschuld, Recht und Unrecht

des Tötens, die in Zeiten, in denen nach wie

vor über die Todesstrafe diskutiert wird,

hochaktuell ist. (ssc)

„In the Penal Colony“ wird am Freitag, 20. Mai,

um 19.30 h, am Samstag, 21.5., um 19.30 h (Benefiz-

Konzert für Amnesty International) und am

Sonntag, 22. Mai, um 14.00 h und um 19.30 h am

Theater der Künste aufgeführt. Tickets sind

zum regulären Preis über den Vorverkauf erhältlich

(www.zko.ch/).

Zuflucht und Sehnsucht

– fremde Dichter

in Zürich

Zentralbibliothek Zürich

7. April bis 3. September 2011

Vier Beiträge von Studierenden der Medialen

Künste erkunden Gedichte fremder

Dichter in Zürich. Anlass ist die Ausstellung

„Zuflucht und Sehnsucht – Fremde Dichter

in Zürich“ (vom 7. April bis 3. September in

der Schatzkammer der Zürcher Zentralbibliothek,

kuratiert von Raffael Keller).

Die Installationen von Jann Clavedetscher,

Patrick Kull, Matthias Moos und Andreas

Selg thematisieren individuelle Lebensläufe,

die Dichter wie Ferdinand Hardekopf,

Albert Ehrenstein, Friedrich Hölderdin und

Paul Celan nach Zürich geführt haben, und

untersuchen die Bedingungen dichterischen

Ausdrucks. Jan Hofer (Vertiefung Visuelle

Kommunikation) hat die Ausstellung und die

begleitende Publikation grafisch gestaltet.

Ihm und Peter Vetter sei gedankt für die

motivierende Zusammenarbeit. (bdr)

Weitere Informationen unter:

www.zb.uzh.ch.“


publikationen

zett 3–10

49

Neue Publikationen

des Instituts für

Theorie (ith)

Die Figur der Zwei —

The Figure of Two

Magazin 31, Nr. 14/15 des Instituts für Theorie,

Herausgeber und Verlag: Institut für Theorie (ith)

der ZHdK, Dezember 2010, Gestaltung: Bonbon,

Zürich, 167 Seiten, deutsch, Abbildungen farbig

und schwarzweiss, CHF 31 / € 23. Auch erhältlich

unter: www.museum-gestaltung.ch/E-Shop

Bestimmten spiegelsymmetrischen Figuren

wie dem gleichschenkeligen Dreieck kommt

in der Bildtheorie eine interessante Sonderstellung

zu: Sie scheinen in sich geschlossen,

Musterbeispiele einer „guten Gestalt“ zu

sein, bilden eine starke visuelle Einheit, und

doch ist ebenso evident, dass sie aus zwei

Hälften bestehen, wobei die eine die andere

in umgekehrter räumlicher Orientierung

wiederholt. In dieser Ambiguität stellen

spiegelsymmetrische Figuren die simple

kunsttheoretische Entegegensetzung vom

klassischen Bild als unteilbare, organische

Einheit und der Serie als beliebig erweiterbare

Reihe sich wiederholender Elemente

infrage. Diese paradoxe Verschränkung

von Repetition und Ganzheit, von Vielheit

und Einheit hat die Zahlentheorie und eine

ebenfalls hier ansetzende philosophische

Diskussion der Zahl Zwei zugeschrieben.

Der Begriff der Figur der Zwei verkoppelt

diese beiden zahlen- und bildtheoretischen

Modelle und dient als Ausgangspunkt einer

Diskussion, in der Kunstwissenschaft, Philosophie

und Psychoanalyse in Dialog treten

werden.

Das Heft nimmt die Vorträge aus der

gleichnamigen Vortragsreihe des ith in

Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für

moderne & zeitgenössische Kunst des

Kunsthistorischen Instituts der Universität

Zürich auf und ergänzt sie mit weiteren

künstlerischen und literarischen Beiträgen

zum Thema.

Mit Beiträgen von Bettina Carl, Mladen Dolar,

Zsuzsanna Gahse, Antke Engel, Richard Heinrich,

Barbara Köhler, Ewa Lajer-Burcharth, Jürgen Link,

Wolfram Pichler, Pamela Rosenkranz, Dieter Roth,

Vittorio Santoro, Ruth Sonderegger, Gertrude Stein,

Christian Steinbacher, Victor I. Stoichita, Ralph Ubl,

Alenka Zupančič u. a.

A New Thoughtfulness in

Contemporary China —Critical

Voices in Art and Aesthetics

Jörg Huber, Zhao Chuan (Hg.), ca. 250 Seiten, englisch,

kartoniert, zahlreiche farbige Abbildungen,

ca. CHF 43.50/€ 29.80, transcript Verlag, März 2011.

Globalisierungseuphorie und West-Begeisterung

sind im heutigen China am Abklingen.

In Kultur-und Kunstkreisen werden kritische

Stimmen laut, die sich dem persönlichen

Alltag zuwenden und Bilanz ziehen. Gefragt

wird nach den konkreten Erfahrungen im

radikalen Umbruch der Lebenswelten, nach

der Bedeutung der Traditionen angesichts

der Entwurzelung vieler und nach den

Paradoxien, die der vorherrschende Neoliberalismus

produziert. Die hier versammelten

17 Positionen vermitteln auf anschauliche

Weise diese „neue Nachdenklichkeit“ im

vielfältigen Spektrum von Ästhetik, Kunst,

Theater und Fotografie.

Mit Beiträgen von Lu Dadong, Gao Shiming, Chan

Tsong-zung, Qiu Zhijie, Wang Chunchen u. a.

T:G 08 >Mit-Sein< — Gemeinschaft

— ontologische und politische

Perspektivierungen

Elke Bippus, Jörg Huber, Dorothee Richter (Hg.),

ca. 232 Seiten, deutsch, 23 Abbildungen, franz.

Broschur, Fadenheftung, CHF 43 / € 32, Edition

Voldemeer Zürich / Springer Wien New York,

Dezember 2010.

Gemeinschaft ist ein Begriff, der, im Unterschied

zu dem der Gesellschaft, bei Debatten

der Moderne immer wieder thematisiert und

in Frage gestellt wird. Die Publikation setzt

sich zum Ziel, die Politik der Gemeinschaft

zu exponieren: wie >Mit-Sein< überhaupt

denkbar und darstellbar ist, ob und wie

Gemeinschaft gegeben ist, wie sie sich

ereignet, wie sie sich zeigt.

Mit Beiträgen von Thomas Bedorf, Elke Bippus,

Sabeth Buchmann, Jean-Luc Nancy, Valérie Döring,

Jörn Etzold, Lars Gertenbach, Tom Holert, Jörg

Huber, Jens Kastner, Oliver Marchart, Marie-Eve

Morin, Roberto Nigro, Michaela Ott, Dorothee

Richter, Klaus Schönberger, Philipp Stoellger u. a.

Inventionen 1

Zur Aktualisierung poststrukturalistischer

Theorie

Isabell Lorey / Roberto Nigro / Gerald Raunig (Hg.),

256 Seiten, Broschur, CHF 40 / € 26.90, diaphanes

Zürich/Berlin, März 2011.

Das einflussreichste Theoriegefüge des

ausgehenden 20. Jahrhunderts ist in die

Jahre gekommen: Entstanden im politischen

Kontext der 1960er- und 1970er-Jahre, war

der „Poststrukturalismus“ keine Schule, und

seine ProtagonistInnen arbeiteten nicht notwendigerweise

zu denselben theoretischen

Fragen. Er war vielmehr eine intellektuelle

Hochkonjunktur, die mit tiefgehenden

Umformungen der Lebensstile und Wissensformen,

mit neuen diskursiven Ordnungen

und sozialen Praxen einherging.

Viele seiner bedeutenden AutorInnen, unter

ihnen die Theorie-Stars Foucault, Deleuze

und Derrida, sind heute nicht mehr am Leben.

Umso leichter gelingt es in unterschiedlichen

Zusammenhängen, ihre Theoriebildung zu

vereinnahmen, zu dekontextualisieren, zu

entpolitisieren.

Der erste Band der neuen Reihe Inventionen

betreibt die Präsentation aktueller Positionen

poststrukturalistischer Theorie wie auch den

Versuch einer Neuzusammensetzung ihrer

Ströme. Deren Basis ist die Wiederaneignung

zentraler Begriffe der zeitgenössischen

politischen Philosophie. Damit soll auch ein

erster Schritt getan werden, um ein neues


50

zett 1–11

begriffliches Gefüge zu entwickeln, das über

das Label „Poststrukturalismus“ hinausgeht.

Mit Beiträgen von Christoph Brunner, Antke Engel,

Katja Diefenbach, Jörg Huber, Maurizio Lazzarato,

Isabell Lorey, Boyan Manchev, Erin Manning, Brian

Massumi, Angela Mitropoulos, Antonio Negri,

Roberto Nigro, Stefan Nowotny, Jasbir Puar, Gerald

Raunig, Judith Revel, Encarnación Gutiérrez Rodríguez

und Thomas Seibert.

Katrin Stowasser, Assistentin am Institut für Theorie

ith (katrin.stowasser@zhdk.ch).

China @ ZHdK

Die Zürcher Hochschule der Künste blickt

auf zehn Jahre Kulturaustausch mit China

zurück. Studierende und Dozierende aus

sämtlichen Disziplinen haben die jeweils

andere Kultur in Projekten und Workshops

kennengelernt. Wie sie die Zusammenarbeit

erlebt und welches Fazit sie daraus gezogen

haben, kann jetzt im Booklet „China @

ZHdK“ (mit integrierter DVD) nachgelesen

werden.

Bevor die eigentlichen Projekte vorgestellt

werden, führen Beiträgen ans Thema heran,

die sich mit der Zusammenarbeit in einem

grösseren Kontext befassen: Was bedeutet

Kulturaustausch mit China, und welche

Chancen bietet diese Zusammenarbeit

mit der ZHdK? Ausserdem erzählen ProjektleiterInnen

von den Erfahrungen und

Erkenntnissen, die sie persönlich aus der

Begegnung mit der chinesischen Kunst und

Kultur mitgenommen haben.

Die DVD zeigt in Making-of-Manier, wie die

Projekte entstehen, und bringt Interviews

mit Studierenden und ProjektleiterInnen

aus beiden Nationen. Die Aussagen sind

ungeschönt und direkt und veranschaulichen,

dass auch auf der gemeinsamen Kunstbühne

Kulturunterschiede die Zusammenarbeit zu

einer herausfordernden Aufgabe machen.

(Tim Luternauer)

Abschied von

Eva Afuhs

Kurz vor Drucklegung dieses Zett kam die

traurige Nachricht, dass Eva Afuhs, die

leitende Kuratorin des Museum Bellerive,

am Freitag 8. April am Limmatplatz tödlich

verunfallt ist.

Die aus Wien stammende Eva Afuhs leitete

ab Januar 2004 das Museum Bellerive,

welches zum Museum für Gestaltung Zürich

gehört. Museum und Hochschule verlieren

mit ihr eine engagierte und begeisterungsfähige

Frau und Persönlichkeit, die mit

ihrer integrierenden und herzlichen Art ihr

Arbeitsumfeld bereichert und das Zürcher

Kulturleben mitgeprägt hat. Wir vermissen

Eva sehr und bleiben ihr mit vielen guten

Gedanken verbunden.

Zürcher Hochschule der Künste

Museum für Gestaltung Zürich

Ein ausführlicher Nachruf erscheint im

nächsten Zett.

Korrigenda „zett“

3–10

Im Porträt von Karolina Öhman, der ersten

Gewinnerin des netzhdk-Kunstpreises, Seite

48, blieb leider unerwähnt, dass die junge

Musikerin während ihres Studiums an der

ZHdK von der Pierino Ambrosoli Foundation

grosszügig mit zwei Stipendien unterstützt

wurde.

Unter dem Titel „Schönste Bücher aus aller

Welt 2010“, Stiftung Buchkunst Leipzig, Seite

54, hat sich ein Fehler eingeschlichen. Die

Publikationen „Textarbeiten 1986–2008“,

„Gefühle zeigen“ und „The Great Unreal“

haben in Leipzig keine Goldmedaillen

erhalten. Richtig ist, dass sie vom Bundesamt

für Kultur mit der Auszeichnung „Die

schönsten Schweizer Bücher 2009“ prämiert

worden sind.

Die „Zett“-Redaktion entschuldigt sich.

Impressum

„Zett“: Das Magazin der Zürcher Hochschule

der Künste. Erscheint dreimal jährlich.

Herausgeberin: Zürcher Hochschule der Künste,

Zürcher Fachhochschule. Redaktion: Heike Pohl

(hpo) (Leitung), Adriana Bognar (abo). Externe redaktionelle

Mitarbeit: Chantal Frey, Textredaktion,

Lektorat, Dela Hüttner, Korrektorat.

Redaktionsteam: Eva Brüllmann (ebr), Services,

Barbara Draeyer (bdr), Kunst & Medien, Elisa

Forster (SturZ), Judith Hunger ( jhu), Darstellende

Künste und Film, Daniela Huser (dhu), Musik,

Elisabeth Krüsi (ekr), Design, Bernadette Mock

(bmo), Museum, Janine Schiller ( jsc), Kulturanalysen

und Vermittlung, Stefan Schöbi (ssc), Hochschulkommunikation.

Die von den Autorinnen und Autoren in diesem

Heft geäusserten Ansichten decken sich nicht unbedingt

mit der Meinung der Redaktion.

Gestaltung und Produktion: Tobias Markus Strebel,

Regula Bearth, Hochschulkommunikation.

Druck: Ropress Genossenschaft Zürich.

Papier: Reprint FSC 90 g/m2, Plano Art 170 g/m2;

Schriften: Neue Helvetica LT Com, Mercury Text,

Bernard MT Condensed

Auflage: 5000

Copyright: Der Nachdruck von Artikeln ist unter

Quellenangabe gestattet. Belegexemplare erwünscht.

„Zett“ ist auch digital als PDF-Datei erhältlich:

http://cc.zhdk.ch

Redaktionsschluss Zett 2-11: 24. Juni 2011

Feedback und

Anregungen zu „zett“:

heike.pohl@zhdk.ch

adriana.bognar@zhdk.ch

Rechte Seite: Carte blanche für Studierende,

Maria-Cecilia Quadri (Mediale Künste,

Departement Kunst & Medien)


ubrik

zett 3–10

51


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