Wolfram Hackel / Christine Zimmermann / Peter Härtel <strong>Silbermann</strong> <strong>–</strong> <strong>Hildebrandt</strong> <strong>–</strong> <strong>Silbermann</strong>: <strong>Die</strong> <strong>Orgel</strong> <strong>aus</strong> <strong>Hilbersdorf</strong> im Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig Seit 1926 befindet sich im Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig eine kleine <strong>Orgel</strong>, die 1907 Wilhelm Heyer, Köln, durch Vermittlung von Paul de Wit, Leipzig, <strong>aus</strong> der Dorfkirche in <strong>Hilbersdorf</strong> bei Freiberg für seine Sammlung erwerben konnte. Vermutlich Paul de Wit selbst widmete dem Instrument einen (nicht autorisierten oder gezeichneten) Beitrag in der von ihm her<strong>aus</strong>gegebenen Zeitschrift für Instrumentenbau. 1 <strong>Die</strong>ses Instrument mit fünf Registern galt wegen fehlender Akten nach den Überlieferungen in der Literatur als Werk Gottfried <strong>Silbermann</strong>s. <strong>Die</strong> älteste Notiz dazu findet sich im Jahr 1800 in einem Beitrag von Johann Friedrich Fischer 2 zu Gottfried <strong>Silbermann</strong> und seinen <strong>Orgel</strong>n. 3 Auch in der Kirchgemeinde selbst galt <strong>Silbermann</strong> als Erbauer, wie Angaben von 1838 4 und 1901 5 belegen. Folgerichtig fand die <strong>Orgel</strong> Eingang in die <strong>Silbermann</strong>-Literatur, so auch in die Monographien von Ernst Flade und Ulrich Dähnert. 6 1943 wurde das Instrument bei einem Bombenangriff erheblich beschädigt. Dabei gingen der Windkanal, die Spiel- und Registertraktur, die Pfeifenbretter, die Klaviatur und die Holz- und Metallpfeifen verloren. Lediglich Gehäuseteile, die Bälge, die Windlade, das Notenpult und 32 Pfeifen <strong>aus</strong> unterschiedlichen Registern blieben erhalten. Unter Bezugnahme auf andere Instrumente von Gottfried <strong>Silbermann</strong> wurde das Instrument durch die Firmen Alexander Schuke, Potsdam, und Hermann Eule, Bautzen, 1952<strong>–</strong>53 wieder hergestellt. 7 2005 erfolgte eine Restaurierung durch Wieland Rühle, Moritzburg. 1 Ein kleines <strong>Silbermann</strong>sches <strong>Orgel</strong>werk <strong>aus</strong> dem Jahre 1724, in: Zeitschrift für Instrumentenbau 28, 1907/08, S. 3 f. 2 Fischer war 1799<strong>–</strong>1821 Domkantor in Freiberg. (Reinhard Vollhardt, Geschichte der Cantoren und Organisten von den Städten im Königreich Sachsen. Berlin 1899, Reprint Leipzig 1978) 3 Joh. Fr. Fischer, Einige Nachrichten von dem berühmten <strong>Orgel</strong>bauer Gottfried <strong>Silbermann</strong>. In: Freyberger gemeinnützige Nachrichten für das Chursächsische Erzgebirge 1, 1800, S. 79<strong>–</strong>83; 101<strong>–</strong>105; 125<strong>–</strong>130. <strong>Hilbersdorf</strong> s. S. 129. 4 Sachsens Kirchen-Galerie Bd. 2: <strong>Die</strong> Inspection Freiberg. Dresden 1838, S. 171. 5 Neue Sächsische Kirchengalerie, <strong>Die</strong> Ephorie Freiberg, Teilwerk Freiberg I. Leipzig 1901, Sp. 263. 6 Ernst Flade, Der <strong>Orgel</strong>bauer Gottfried <strong>Silbermann</strong>. Leipzig 1926. Ders., Gottfried <strong>Silbermann</strong>, Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen <strong>Orgel</strong>- und Klavierb<strong>aus</strong> im Zeitalter Bachs. Leipzig 1953. Ulrich Dähnert, <strong>Die</strong> <strong>Orgel</strong>n Gottfried <strong>Silbermann</strong>s in Mitteldeutschland. Leipzig 1953. (Das Bild auf dem Schutzumschlag zeigt die <strong>Hilbersdorf</strong>er <strong>Orgel</strong>.) 7 Archiv des Musikinstrumentenmuseums Leipzig: Paul Rubardt, Bemerkungen zur Wiederherstellung des <strong>Silbermann</strong>-Positivs im Instrumentenmuseums der Universität Leipzig, Typoskript v. 7. August 1952; Herrn Kl<strong>aus</strong> Gernhardt, Restaurator i. R., Bad L<strong>aus</strong>ick, wird hiermit für die Möglichkeit der Einsichtnahme in dieses Schreiben und den Briefwechsel von Paul de Wit mit der Gemeinde <strong>Hilbersdorf</strong> herzlich gedankt. Paul Rubardt, Führer durch das Musikinstrumenten Museum der Karl-Marx-Universität Leipzig, Musikinstrumentenmuseum Leipzig, <strong>Silbermann</strong>-<strong>Orgel</strong> <strong>aus</strong> <strong>Hilbersdorf</strong>, 1724. Foto: Wolfram Hackel Zweifel an der Urheberschaft <strong>Silbermann</strong>s meldete Ulrich Dähnert 1964 mit seinem Artikel „Ist das <strong>Hilbersdorf</strong>er Brüstungspositiv im Leipziger Musikinstrumenten- Museum ein Werk Gottfried <strong>Silbermann</strong>s?“ an. 8 In seiner Beweisführung geht Dähnert auf verschiedene abweichende bauliche Details (u.a. die Mensurierung) im Vergleich mit den anderen vergleichbar kleinen <strong>Orgel</strong>n <strong>Silbermann</strong>s ein und wertet die erreichbaren schriftlichen Quellen <strong>aus</strong>, wobei er auf die teilweise Unzuverlässigkeit der gedruckten Quellen hinweist. Ein bis dahin unbekannter Brief Zacharias <strong>Hildebrandt</strong>s vom 27. August 1724 mit der Textpassage: Gleich wie da Ichs ihm gemeldet habe Vom <strong>Orgel</strong>werck- Leipzig 1953, ²1964. Kl<strong>aus</strong> Gernhardt / Hubert Henkel / Winfried Schrammek, <strong>Orgel</strong>instrumente, Harmoniums. Leipzig 1983, S. 35<strong>–</strong>39. 8 In: Instrumentenbau-Zeitschrift 18, 1964, H. 12, S. 406<strong>–</strong>408, 410. 18 Ars Organi · 58. Jhg. · Heft 1 · März 2010