Internationales für PatientInnen und Angehörige

gnigl.info

Internationales für PatientInnen und Angehörige

Internationales

MANUSKRIPT

BAND

für PatientInnen und Angehörige

9.00 - 17.30 Uhr

www.myelom.at

Kardinal König Haus

Kardinal-König-Platz 3, 1130 Wien

THEMEN / SCHWERPUNKTE

Multiples Myelom: Erklärung für Anfänger / Behandlung von Komplikationen und

Schmerzen / Therapiestrategien / Verbesserung der Lebensqualität / Soziale und

psychosoziale Unterstützung / Kiefernekrose, Rezidivtherapie, Impfungen / Fragen

an die Experten / Christine Nöstlinger - Nachdenken, lächeln, lachen

Eine Veranstaltung der Selbsthilfe Myelom Kontakt Österreich in Kooperation

mit dem Wilhelminenspital Wien, Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig sowie der

Medizinischen Universität Wien, Univ. Prof. Dr. Johannes Drach.

APMM

Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe


www.myelom.at

INHALTSVERZEICHNIS

Verzeichnis der Referenten ....................................................................................3

Programm .................................................................................................................4

Vorstellung der Selbsthilfegruppe Myelom Kontakt Österreich ..........................6

Multiples Myelom für Anfänger – von der Klinik bis zur Ersttherapie ................7

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig, Wilhelminenspital Wien

Therapie des Rezidivs und neue Behandlungsmöglichkeiten ............................9

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach, Med. Universität Wien

Prophylaxe von Infektionen, Impfungen und Reiseapotheke ............................11

ASS Dr. Andrea Steiner, Paracelsus Universität Salzburg

Bisphosphonate, deren Nutzen und Risken und Strategien

zur Remissionsverlängerung ...............................................................................13

PD Dr. med. Christian Straka, Interne Klinik Dr. Argirov, München

Kyphoplastie bei Wirbelkörpereinbrüchen ..........................................................15

OA. Dr. Johann Kohlmann, Wilhelminenspital Wien

Rezidiv – Therapie .................................................................................................17

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig, Wilhelminenspital

Behandlung der Komplikationen des Myeloms und der..

Nebenwirkungen der Therapie .............................................................................18

OA Dr. Niklas Zojer, Wilhelminenspital

Behandlung von Kiefernekrosen .........................................................................21

Dr. Dr. Arno Wutzl, Med. Universität Wien

Behandlung von Symptomen der Erkrankung, insbesondere Schmerzen ........22

FA Dr. Kathrin Strasser-Weippl, Wilhelminenspital

Autologe Stammzelltransplantation (STZ) ..........................................................25

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach, Med. Universität Wien

Fatigue – Syndrom und Behandlungsmöglichkeiten .........................................26

OA Dr. Johann Kaufmann, Med. Universität Wien

Krankheit kennt keine Grenzen, psychosoziale Aspekte der

Hilfe für Betroffene / Angehörige .........................................................................28

Mag. Andrea Prokesch-Egger, Med. Universität Wien

Soziale Unterstützungsmöglichkeiten ..................................................................30

DSA Erika Kober, Bundessozialamt Wien

Kontrolluntersuchungen - Welche und Wie oft? ................................................35

Dr. med. Christian Taverna, Kantonsspital Münsterlingen, Schweiz

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www.myelom.at

VERZEICHNIS DER REFERENTEN

(alphabetisch)

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Dr. Johann Kaufmann

DSA Erika Kober

OA Dr. Johann Kohlmann

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig

Mag. Andrea Prokesch-Egger

ASS Dr. Andrea Steiner

PD Dr. med. Christian Straka

FA Dr. Kathrin Strasser-Weippl

Dr. med. Christian Taverna

DGKS Elke Weichenberger

Dr. Dr. Arno Wutzl

OA Dr. Niklas Zojer

Medizinische Universität Wien

Medizinische Universität Wien

Bundessozialamt

Wilhelminenspital Wien

Wilhelminenspital Wien

Medizinische Universität Wien

Paracelsus Universität Salzburg

Klinik Dr. Argirov München

Wilhelminenspital Wien

Kantonsspital Münsterlingen

Myelom Kontakt Österreich

Medizinische Universität Wien

Wilhelminenspital Wien

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www.myelom.at

PROGRAMM

Begrüßung 9.00 - 9.15

DGKS Elke Weichenberger

Myelom Kontakt Österreich

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig Wilhelminenspital

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach Med. Universität Wien

Multiples Myelom für Anfänger–von der Klinik bis zur

Ersttherapie

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig

Wilhelminenspital Wien

9.15 - 9.50

Therapie des Rezidivs und neue Behandlungsmöglichkeiten 9.50 - 10.25

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach Med. Universität Wien

Prophylaxe von Infektionen, Impfungen und Reiseapotheke 10.25-11.00

ASS Dr. Andrea Steiner

Paracelsus Universität Salzburg

Pause mit Getränken 11.00-11.20

Bisphosphonate, deren Nutzen und Risken und Strategien zur

Remissionsverlängerung

PD Dr. med. Christian Straka

Interne Klinik Dr. Argirov,

München

11.20-11.55

Kyphoplastie bei Wirbelkörpereinbrüchen 11.55-12.30

OA. Dr. Johann Kohlmann

Wilhelminenspital Wien

Mittagsbuffet 12.30-14.00

Vorträge in Kleingruppen, Fragen 14.00-15.10

Raum 1

Rezidiv – Therapie 14.00-14.30

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig Wilhelminenspital

Behandlung der Komplikationen des Myeloms und

der Nebenwirkungen der Therapie

OA Dr. Niklas Zojer

Wilhelminenspital

14.40-15.10

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www.myelom.at

Raum 2

Behandlung von Kiefernekrosen 14.00-14.30

Dr. Dr. Arno Wutzl

Med. Universität Wien

Behandlung von Symptomen der Erkrankung, insbesondere

Schmerzen

FA Dr. Kathrin Strasser-Weippl

Wilhelminenspital

14.40-15.10

Raum 3

Autologe Stammzelltransplantation (STZ) 14.00-14.30

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach Med. Universität Wien

Fatigue – Syndrom und Behandlungsmöglichkeiten 14.40-15.10

OA Dr. Johann Kaufmann

Med. Universität Wien

Raum 4

Krankheit kennt keine Grenzen,

psychosoziale Aspekte der Hilfe für Betroffene / Angehörige

Mag. Andrea Prokesch-Egger

Med. Universität Wien

14.00-14.30

Soziale Unterstützungsmöglichkeiten 14.40-15.10

DSA Erika Kober

Bundessozialamt Wien

Pause mit Getränken 15.15-15.30

Kontrolluntersuchungen - Welche und Wie oft 15.30-16.05

Dr. med. Christian Taverna

Kantonsspital Münsterlingen,

Schweiz

„Ask the Experts“ mit Podiumsdiskussion 16.10-17.00

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

DGKS Elke Weichenberger

Wilhelminenspital

Med. Universität Wien

Myelom Kontakt Österreich

Nachdenken, lächeln, lachen … 17.00-17.30

Christine Nöstlinger

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Selbsthilfegruppe

Myelom Kontakt Österreich mit

Non Hodgkin-Lymphom-Kontaktgruppe

OBFRAU ELKE WEICHENBERGER

Josef Mayburgerkai 54

5020 Salzburg

Tel.: 0664 / 42 50 161

E-Mail: selbsthilfe@myelom.at

Internet: www.myelom.at und www.lymphomhilfe.at

ZVR 847140381

Diagnose Plasmozytom / Multiples Myelom

Die Diagnose kommt für die meisten Betroffenen einem Erdbeben gleich. „Multiples

Myelom“ oder „Plasmozytom“ ist eine derzeit noch nicht heilbare, selten auftretende

Krebserkrankung von Zellen des Immunsystems.

Wie lebt man mit dieser unheilbaren Erkrankung?

Als selbst Betroffene möchten wir Ihnen Mut machen!

Ihr Wegbegleiter sollte der Arzt Ihres Vertrauens sein. Die Selbsthilfegruppe stellt eine

wichtige Ergänzung für Patienten und Angehörige dar und ist durch gegenseitige

Unterstützung gekennzeichnet. Kompetenz, Eigenverantwortung, Lebensqualität sollen

gesteigert werden. Neu ist eine Kontaktgruppe für Non Hodgkin Lymphom - Betroffene.

Wir bieten eine ständig aktualisierte Homepage sowie Erfahrungsaustausch bei

regelmäßigen Treffen in ganz Österreich und informieren Sie über medizinische und

soziale Aspekte im Rahmen von Fachvorträgen und Seminaren. Und wir legen 3x

jährlich eine eigene Zeitschrift, das „MMagazin“ auf. Zudem pflegen wir Kontakte mit

nationalen und internationalen Organisationen und vertreten dort Patienteninteressen.

Alle Leistungen wie Ihre Mitgliedschaft, die Teilnahme an Veranstaltungen,

Zusendung von Informationsmaterial und Zeitschrift etc. sind kostenlos.

Kontakt Obfrau

Kontakte Wien

DGKS Elke Weichenberger Elfi Jirsa (Obfrau-Stv.) Friedrich Richter

MM-Patientin seit 2002 MM-Patientin seit 1989 MM-Patient seit 2005

Josef Mayburgerkai 54 Hervicusgasse 2/19 Hauptstraße 91

5020 Salzburg 1120 Wien 7052 Müllendorf

0664 / 42 50 161 0664 / 38 54 161 0664 / 23 18 418

elke@myelom.at elfi@myelom.at fritz.burgenland@myelom.at

Spendenkonto: 6509152299, BLZ: 20404,

Salzburger Sparkasse

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig

Wilhelminenspital Wien

Vorstand der 1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie

Past-Präsident der Europ. Gesellschaft für med. Onkologie (ESMO)

Montleartstraße 37

1160 Wien

Multiples Myelom für Anfänger

- von der Klinik bis zur Ersttherapie -

Beim multiplen Myelom kommt es zu einer Deregulation des Zellzyklus und damit zu

unkontrolliertem Wachstum von Plasmazellen, die physiologischerweise für die

Bildung von schützenden Eiweißkörper (Antikörper) verantwortlich sind. Diese

Myelomzellen genannten veränderten Plasmazellen verbreiten sich vorwiegend im

Stammskelett, wo sie zu Osteoporose, sowie zu Knochendefekten und

Knochenbrüchen führen können. Patienten mit aktivem Myelom klagen oft über

Knochenschmerzen, Müdigkeit, sowie erhöhte Infektionsanfälligkeit. Darüber hinaus

kann es zu verschiedenen anderen Komplikationen, wie Einschränkung der

Nierenfunktion, Veränderung des Mineralhaushaltes und Ablagerung der im

Überschuss gebildeten Paraproteine (Amyloidose) kommen.

Die monoklonale Gammopathie unbekannter Signifikanz (MGUS) findet sich bei etwa

3% der über 50-jährigen Bevölkerung und kann über Jahrzehnte ohne besonderen

Krankheitswert bestehen. Die Charakteristika von MGUS sind Paraproteinämie und

geringgradige Vermehrung von monoklonalen Plasmazellen. Die Betroffenen sind

symptomlos und haben auch keine Knochenläsionen. Pro Jahr kommt es bei 1% der

Betroffenen zu einem Übergang in ein multiples Myelom oder in andere

Erkrankungen des Lymphsystems.

Beim sogenannten indolenten Myelom finden sich zwar die Charakteristika eines

multiplen Myeloms, nämlich Plasmazellvermehrung, osteolytische Skelettläsionen

und monoklonale Paraproteine, die Erkrankung kann aber lange Zeit stationär

bleiben. In dieser Phase ist keine Therapie erforderlich. Bei Personen mit aktivem

Myelom, das sind jene, die die oben angeführten Organprobleme aufweisen, ist eine

Therapieeinleitung notwendig.

Bei Personen unter 65 Jahren bzw. auch älteren Personen, die körperlich in

entsprechend gutem Zustand sind, empfiehlt sich die Einleitung einer

Stammzelltransplantation. Dabei werden initial 3-4 Zyklen konventionelle

Chemotherapie durchgeführt und anschließend Stammzellen gewonnen. Danach

erfolgt die hochdosierte Chemotherapie mit Melphalan und nach einem Ruhetag die

Retransfusion von autologen Stammzellen. Damit lassen sich hohe Ansprechraten

und längere Überlebenszeiten erreichen. Bei Personen, die nach der ersten

Transplantation nicht in sehr guter partieller, oder kompletter Remission sind,

empfiehlt sich die Wiederholung der Stammzelltransplantation.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Bei Personen, die für diese Behandlung nicht geeignet erscheinen, kommen

konventionelle Medikamente, wie z.B. hochdosiertes Dexamethason, Melphalan-

Prednison, sowie Thalidomid in Kombination entweder mit Dexamethason oder in

Kombination mit Melphalan und Prednison zur Anwendung. Die neuen Substanzen

Bortezomib und Lenalidomid sind den althergebrachten Medikamenten überlegen, da

sie auch bei Personen mit ungünstigen Prognosefaktoren zu einer hohen

Ansprechrate führen. Auch diese Medikamente können als Monotherapie oder in

Kombination mit anderen Substanzen eingesetzt werden. Als Kombinationspartner

für Bortezomib und Lenalidomid empfiehlt sich in erster Linie Dexamethason. Mit der

Kombination von Bortezomib und Melphalan-Prednison, sowie von Lenalidomid und

Melphalan-Prednison konnten Ansprechraten von mehr als 90% bei nicht

vorbehandelten Personen erreicht werden.

Durch die nun routinemäßig eingesetzte Transplantation, besonders aber durch die

Einführung der neuen Substanzen Thalidomid und im Besonderen von Bortezomib

und Lenalidomid ist es zu einer wesentlichen Verbesserung der

Behandlungsmöglichkeiten beim multiplen Myelom gekommen. Gegenwärtig

befinden sich zahlreiche neue Substanzen in klinischer Erprobung. Es ist damit zu

rechnen, dass in den nächsten Jahren weitere Medikamente für die erfolgreiche

Behandlung zur Verfügung stehen werden, sodass der Wunsch, die früher schwierig

zu behandelnde Erkrankung in ein chronisches Krankheitsbild überzuführen, in

greifbare Nähe gerückt ist.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Medizinische Universität Wien

Univ. Klinik für Innere Medizin I

Klinische Abteilung für Onkologie

Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

Therapie des Rezidivs und neue Behandlungsmöglichkeiten

Durch die Verfügbarkeit von sog. „neuen“ Substanzen hat sich das Spektrum der

Behandlungsmöglichkeiten bei Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) deutlich

erweitert. Folgende Therapieoptionen stehen dabei zur Verfügung:

• Chemotherapie als Re-Induktionstherapie:

Bei gutem Ansprechen auf die Erstlinientherapie mit Erreichen einer länger

anhaltenden Remission kann eine neuerliche Therapie mit diesem Schema

unternommen werden. Dies gilt für die Chemotherapie in Standarddosierung ebenso

wie für die Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation (Voraussetzung:

genügend Stammzellen vorhanden).

• Zweitlinien-Chemotherapie:

Falls das Ansprechen auf die Erstlinientherapie nur unzureichend war bzw. nur eine

kurze Remissionsdauer vorliegt, soll die Behandlung auf ein anderes

Therapieschema umgestellt werden. Dazu stehen Rezidivprotokolle mit

Chemotherapie ebenso wie die Behandlung mit einer der „neuen“ Substanzen zur

Verfügung.

• Thalidomid:

Thalidomid kann als Einzelsubstanz bei etwa einem Drittel der Patienten mit – auch

intensiv - vorbehandelten Patienten mit MM eine Remission induzieren; bei

Kombination mit Dexamethason liegt die Remissionsrate bei 40 – 50%. Bei

Kombination mit Chemotherapie kann das Ansprechen noch weiter verbessert

werden, es steigert sich aber auch das Nebenwirkungsprofil. Venöse

Thrombembolien (Bildung von Blutgerinnseln) ist dabei eine besonders

schwerwiegende Nebenwirkung bei Thalidomid-Kombinationstherapien, weshalb die

vorbeugende Gabe eines blutverdünnenden Medikaments empfohlen wird.

• Bortezomib (Velcade®)

Bortezomib ist seit mehr als 2 Jahren für die Behandlung des rezidivierten MM

zugelassen. Es ist ein sog. Proteasomen-Inhibitor und besitzt vielfältige

Wirkungsmechanismen. Bei intensiv vorbehandelten Patienten wird ein Ansprechen

bei etwa 30% der Patienten beobachtet, zusätzlich haben ca. 20% der Patienten eine

klinische Verbesserung, wenn auch formal die objektiven Remissionskriterien nicht

erfüllt sind. Wichtige Nebenwirkungen umfassen eine periphere Neuropathie sowie

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

eine vorübergehende Thrombozytopenie (Absinken der Blutplättchen). Auch Infekte

(z. B. Gürtelrose) werden häufiger beobachtet, jedoch keine Thrombosen.

Bortezomib kann z. B. auch mit Dexamethason (oder Chemotherapeutika) kombiniert

werden, wodurch Remissionsraten von 50% und mehr erreicht werden.

• Lenalidomid (Revlimid®)

Lenalidomid zählt zu den sog. Immunmodulatorischen Substanzen und ist ein

Thalidomid-Abkömmling. Lenalidomid hat einen stäkeren anti-Myelom Effekt als

Thalidomid – es wirkt auch in vielen Fällen bei Progression nach Thalidomid-

Behandlung. Weiters liegt ein anderes Nebenwirkungsprofil vor, insbesondere keine

Polyneuropathie; eine Thrombose-Prophylaxe ist auch bei Lenalidomid-

Kombinationen indiziert; häufig sind unter Lenalidomid Blutbild-Nebenwirkungen). Im

Vergleich zu Dexamethason zeigt die Kombination von Lenalidomid + Dexamethason

ein signifikant höheres Ansprechen sowie längeres Überleben.

Lenalidomid ist in den USA bereits für die Behandlung des rezidivierten Myeloms

zugelassen; für Europa wird diese Zulassung im Laufe dieses Jahres erwartet.

• Behandlung mit noch wenig erprobten Substanzen (klinische Studien)

Eine Reihe von weiteren Substanzen wird derzeit im Rahmen von klinischen Studien

untersucht. Dabei liegen noch relativ wenige Erfahrungen vor, aber von vorklinischen

Untersuchungen besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich eine Wirksamkeit beim

MM zeigt.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

ASS Dr. Andrea Steiner

Paracelsus Univ. Salzburg

Onkologie

Müllner Hauptstraße 48

5020 Salzburg

Prophylaxe von Infektionen, Impfungen und Reiseapotheke

Patienten mit Multiplem Myelom stehen unter einer Immunsuppression, welche

einerseits durch einen krankheitsassoziierten Antikörpermangel, andererseits durch

eine Verminderung und Funktionseinschränkung der Leukozyten (z.B. nach

Chemotherapie) zu erklären ist, darüber hinaus reagieren sie auf Stimulation durch

ein Antigen(z.B. im Rahmen von Impfungen) oft nicht adäquat. Aus diesen Gründen

ist das Risiko für Infekte deutlich erhöht.

Als Sondergruppe sind hier Patienten, die mit Hochdosistherapie und nachfolgender

autologer Stammzelltransplantation behandelt wurden, zu sehen.

Vereinfacht gesagt, kommt es durch die Hochdosistherapie zu einer Schädigung des

immunologische Gedächtnisses und einer massiven Einschränkung der Fähigkeit,

auf Antigene (z.B. Krankheitserreger) adäquat zu reagieren und so den Körper vor

manifesten Infektionen zu schützen.

Als kritische Phase gelten hier besonders die ersten drei Monate nach

Stammzelltransplantation, nach dieser Zeit hat sich zumindest die

Phagozytenfunktion (=1. Abwehrfront gegen Keime) weitgehend erholt. Bis zur

vollständigen Erholung der B-und T-Lymphozytenfunktion (=Träger der gezielten

Infektabwehr) dauert es aber 12 Monate und länger.

Da ein funktionstüchtiges Immunsystem die Grundlage für das Ansprechen auf

Impfungen bildet, muss dieses sich zuerst soweit erholen, dass es wieder adäquat

auf ein appliziertes Antigen (=Impfstoff) mit Antikörperbildung reagieren kann. Aus

diesem Grund ist es erst nach etwa einem Jahr sinnvoll, den

stammzelltransplantierten Patienten erneut zu impfen. Hierbei muss aber beachtet

werden, dass grundsätzlich nur inaktivierte Impfstoffe verabreicht werden sollten, da

sogenannte Lebendimpfstoffe für einen Immunsupprimierten die Gefahr, eine

manifeste Infektion auszulösen, in sich bergen. Kann man in speziellen

Risikosituationen eine Lebendimpfung nicht umgehen, sollte dies nicht vor Ablauf

von 24 Monaten nach Stammzelltransplantation erfolgen.

In Phasen stärkerer Immunsuppression ist es sinnvoll einige generelle Regeln zur

Infektprophylaxe zu beachten (z.B.: besonders sorgfältige Händehygiene, Meiden

großer Menschenansammlungen zum Schutz vor respiratorische Infekten, Meiden

von Baustellen und Orten starker Staubentwicklung (Pilzinfektionen!)).

Grundsätzlich wird auch eine „keimarme Ernährung“ in den ersten 3 Monaten nach

Stammzelltransplantation empfohlen (nur gut gekochte Speisen, Früchte und rohes

Gemüse nur, wenn es gut schälbar ist, vakuumverpackte Produkte kaufen, auf die

hygienischen Standards im Lebensmittelgeschäft achten, besonders sauberes

Arbeiten mit rohem Fisch und Fleisch, täglicher Wechsel von Abwaschschwämmen

etc....)

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Reisen in Entwicklungsländer sollten nicht vor Ablauf der schweren

Immunsuppression angetreten werden. Grundsätzlich sollte die Vigilanz bzgl.

Infektprophylaxe noch höher sein, als in der Heimat (z.B. nur gut abgekochtes

Wasser trinken, Prinzip „cook it, peel it or leave it“ beachten,...)

Die Reiseapotheke sollte neben der unten aufgeführten Artikel natürlich auch die

individuelle Dauermedikation in ausreichender Menge enthalten, daneben ist auch

ein kurzer Arztbrief sinnvoll (am besten in Englisch) falls doch ein Arztbesuch bzw.

Krankenhausaufenthalt notwendig wird, um den Kollegen im Ausland einen kurzen

Überblick über bisherigen Krankheitsverlauf und Therapien zu geben.

Tipps für die Reiseapotheke:

•Sonnenschutz

•Mückenschutz

•Antihistaminikum

•Schmerzmittel (CAVE: Niere!)

•fiebersenkendes Mittel

•Antiemetikum

•Antibiotikum

•Mittel gegen Reisekrankheit

•Desinfektionsmittel

•Verbandszeug

•Wasserdesinfektionstabletten

•evtl. Thromboseprophylaxe

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

PD Dr. med. Christian Straka

Chefarzt Abt. Hämatologie/Onkologie

Interne Klinik Dr. Argirov Kermpfenhausen GmbH & Co.KG

Münchner Straße 23 - 29

82335 Berg

Bisphosphonate, deren Nutzen und Risken

und Strategien zur Remissionsverlängerung

Bisphosphonate können nachweislich die Häufigkeit von Osteolysen,

Wirbelkörperbrüchen und Knochenschmerzen bei Patienten mit multiplem Myelom im

Verlauf der Erkrankung vermindern. Das hat positive Auswirkungen auf Aktivität,

Mobilität und die Lebensqualität. Bevorzugt wird heute die intravenöse Gabe von

Pamidronat oder Zoledronat alle 4 Wochen. Normalerweise wird eine

Bisphosphonat-Therapie begonnen, wenn Osteolysen aufgetreten sind und / oder

eine Chemotherapie begonnen werden muss. Unklarheit herrscht darüber, wie lange

eine optimale Bisphosphonat-Therapie dauert und wann eine Bisphosphonat-

Therapie in größeren Zeitintervallen durchgeführt oder beendet werden kann.

Neben dem nachgewiesenen Nutzen gibt es auch Risiken, die zu bedenken sind und

die deutlicher zu Tage treten, je mehr Patienten langjährig behandelt wurden.

Dennoch sind die Bisphosphonate im Allgemeinen gut verträglich und für die meisten

Patienten geeignet.

Unter einer Bisphosphonat-Therapie kann es zu einer Verschlechterung der

Nierenfunktion kommen. Deswegen sollten regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte

des Patienten durchgeführt werden.

Ein weiteres Problem ist das Auftreten von Osteonekrosen am Kieferknochen. Diese

Defekte sind nur sehr schwer zu behandeln. Häufig bestehen Begleitinfektionen.

Chirurgische Maßnahmen können die Beschwerden und Defekte sogar noch

verstärken und müssen äußerst zurückhaltend zum Einsatz kommen. Wichtig ist vor

einer Bisphosphonat-Therapie den Zustand der Zähne überprüfen zu lassen und im

weiteren Verlauf auf gute Zahnpflege zu achten sowie regelmäßige Kontrollen beim

Zahnarzt durchzuführen. Chirurgische Eingriffe am Kieferknochen u.a. auch

Implantate sollten möglichst vermieden werden.

Das Hauptproblem einer erfolgreichen remissionsinduzierenden konventionellen

Chemotherapie oder Hochdosischemotherapie mit autologer Blutstammzelltransplantation

ist das regelhafte Auftreten von Myelomrezidiven nach unterschiedlich

langen Zeitintervallen. Dies ist der Hintergrund der Suche nach effektiven

Erhaltungstherapien.

Langjährig wurde versucht, eine Interferon-Erhaltungstherapie zu etablieren. Sie hat

sich jedoch letztendlich nicht auf breiter Basis durchgesetzt. Die Gründe hierfür

waren, dass der Effekt auf die Remissionsverlängerung nur moderat ausgeprägt war,

der Effekt auf das Überleben fraglich und die Nebenwirkungen für den Patienten

belastend.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Mit der Verfügbarkeit von neuen Substanzen wurde die Frage der Erhaltungstherapie

neu belebt. Thalidomid wurde für die Erhaltungstherapie wegen seines neuartigen

Wirkungsprofils, der geringen Beeinträchtigungen der Blutbildung und der oralen

Applikationsform als aussichtsreicher Kandidat angesehen. In der Tat gibt es nun

Ergebnisse aus der französischen Studiengruppe, die erstmals einen positiven

Therapieeffekt hinsichtlich Remissionsrate, ereignisfreiem Überleben und

Gesamtüberleben klar nachweisen.

In Subgruppenanalysen ließen sich die positiven Effekte der Thalidomid-

Erhaltungstherapie nur bei solchen Patienten zeigen, die keine Deletion 13 hatten

bzw. keine kompletten oder sehr guten partiellen Remissionen erreicht hatten.

Weitere Studien müssen diese Ergebnisse bestätigen. Darüber hinaus gibt es

weitere aussichtsreiche Kandidaten für Erhaltungstherapie in Form des

Thalidomidabkömmlings Lenalidomid oder in Form des Proteasomeninhibitors

Bortezomib.

Seite 14


Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

OA Dr. Johann Kohlmann

Wilhelminenspital Wien

Abteilung Unfallchirurgie

Montleartstraße 37

1160 Wien

Kyphoplastie bei Wirbelkörpereinbrüchen

In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts begann man in Frankreich zunächst bei

Hämangiomen der Wirbelkörper in dieselben Knochenzement einzuspritzen.

Dies wurde mit Nadeln über den Weg der Wirbelpedikel durchgeführt. Das Verfahren

heißt Vertebroplastie und wurde in der Folge auch bei anderen Tumoraffektionen der

Wirbelkörper sowie bei Osteoporose durchgeführt.

Mit diesem Verfahren war es allerdings nicht möglich eingebrochene Wirbelkörper

wieder anzuheben und es kam häufig zu Zementaustritten aus dem Wirbelkörper,

zum Teil mit schweren Komplikationen.

Daher wurde das Verfahren weiterentwickelt zur sogenannten Ballonkyphoplastie.

Hierbei wird auf dem gleichen Weg ein aufblasbarer Ballon in den Wirbelkörper

eingeführt und soweit aufgeblasen, dass ein eingebrochener Wirbelkörper teilweise

wieder angehoben werden kann und dass sich die Knochenbäkchen um den

Hohlraum, der durch den Ballon entsteht, verdichten. Auf diese Weise können

Knochenzementaustritte weitgehend vermieden werden und die Form des

Wirbelkörpers in vielen Fällen wieder verbessert werden.

In den entstandenen Hohlraum wird nun mit speziellen Applikatoren Knochenzement

eingebracht. Dieser härtet in wenigen Minuten aus und der Patient kann im Prinzip

sofort wieder die Wirbelsäule belasten. Wir führen diesen Eingriff in Vollnarkose und

Bauchlage des Patienten durch.

Während einer Operation können auch mehrere Wirbelkörper zementiert werden.

Heute wird die Ballonkyphoplastie nicht nur bei Wirbeltumoren, Metastasen,

osteoporotischen Wirbeleinbrüchen, sondern auch bei traumatologischen

Wirbelfrakturen, ev. in Kombination mit Metallfixation von dorsal durchgeführt.

In der Onkologie stehen vor allem die Schmerzbekämpfung, die mit der Kyphoplastie

oft sehr gut gelingt und die Erhaltung bzw. Wiedererlangung der Mobilität im

Vordergrund.

Für die präop. Diagnostik benötigen wir konventionelle Röntgenbilder und in aller

Regel eine Magnetresonanzuntersuchung, auch um festzustellen, welche

Wirbelabschnitte insgesamt betroffen sind, was man mit einem konventionellen

Röntgen oft nicht sagen kann.

Die gravierendste Komplikation ist der Zementaustritt in den Rückenmarkskanal und

damit verbunden eine Querschnittsläsion. Eine solche Komplikation ist jedoch

äußerst selten und in unserem Krankengut bis jetzt noch nicht aufgetreten.

Seite 15


Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Insgesamt ist die Kyphoplastie ein minimalinvasives, schonendes und sicheres

Verfahren, das dem Patienten große Vorteile verschafft und eine wichtige

Unterstützung im onkologischen Gesamtbehandlungskonzept darstellt.

Seite 16


Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig

Wilhelminenspital Wien

Vorstand der 1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie

Past-Präsident der Europ. Gesellschaft für med. Onkologie (ESMO)

Montleartstraße 37

1160 Wien

Rezidiv – Therapie

Bei Patienten mit Rezidiv oder primär resistenter Erkrankung hängt die

Therapieempfehlung wesentlich von den Patientencharakteristika und den

vorangegangenen Therapien, sowie dem erzielten Therapieergebnis ab. Prinzipiell

kann eine erfolgreiche Behandlung bei Patienten, die nach längerer Zeit (mehr als 6

Monate) wieder rezidivieren, neuerlich zum Einsatz kommen. Bei Patienten mit

kurzer Remissionsdauer sollte allerdings ein Therapiewechsel erfolgen. Eine

Stammzelltransplantation kann bei Patienten, die fit für diese Prozedur sind, und

entweder noch nicht oder vor längerer Zeit (mehr als 6 Monate) transplantiert

wurden, erwogen werden. Vergleichsstudien zeigen sogar, dass eine bei Rezidiv

durchgeführte Transplantation vergleichbare Ergebnisse wie eine primäre

Transplantation erbringt. Patienten die unter Erstlinientherapie keine Remission, aber

auch keine Progression gezeigt haben, sind ideale Kandidaten für eine

Transplantation, während bei Patienten mit Progression unter Ersttherapie ein

wirksames Zweittherapieprotokoll, wie z.B. ein Velcade- oder Lenalidomid-basiertes

Protokoll zur Anwendung kommen soll.

Neben den neuen Substanzen Bortezomib, Lenalidomid und Thalidomid zeigen auch

kontinuierliche Infusionstherapien, wie z.B. DCEP oder DT-PACE beachtliche

Wirksamkeit, die allerdings auch mit beträchtlichen Nebenwirkungen

vergesellschaftet sein können. Schließlich ist bei Personen, bei denen die

Chemotherapie weitgehend ausgeschöpft ist, noch an den Einsatz einer

Halbkörpertherapie zu denken, die bei 2/3 der Personen zu einer

Symptomverbesserung führen kann.

Aufgrund der zahlreichen in klinischer Erprobung befindlichen Substanzen ist in

Zukunft mit der Einführung, neuer, wirksamer Medikamente zu rechnen, sodass sich

die Therapieoption bei vorbehandelten Patienten weiter verbessern werden.

Seite 17


Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

OA Dr. Niklas Zojer

Wilhelminenspital Wien

1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie

Montleartstraße 37

1160 Wien

Übelkeit/Erbrechen

Behandlung der Komplikationen des Myeloms und

der Nebenwirkungen der Therapie

Chemotherapie-induzierte Übelkeit wird in bestimmten Arealen des Gehirns

ausgelöst. Man spricht auch von der Chemorezeptor Trigger Zone. Von dort werden

Signale zum Brechzentrum geleitet. Ebenfalls eine Rolle bei Chemotherapieinduziertem

Erbrechen spielt die Freisetzung bestimmter Botenstoffe im

Magen/Darmtrakt.

Prinzipiell unterscheidet man:

• Antizipatorische Erbrechen (vor Applikation der Chemotherapie)

• Akute Chemotherapie-induzierte Erbrechen (innerhalb 24 Stunden nach Gabe

von Chemotherapie)

• Verzögerte Erbrechen (nach 24 Stunden)

Durch Blockierung bestimmter Botenstoffe (Serotonin, Neurokinin und Dopamin) in

der Chemorezeptor Trigger Zone kann akutes Chemotherapie-induziertes Erbrechen

oft wirksam verhindert werden. Wichtig ist die Prophylaxe, also Gabe von

Antiemetika bevor es zur Übelkeit kommt. Dieses Vorgehen ist wesentlich wirksamer,

als wenn Antiemetika erst bei Auftreten von Übelkeit eingesetzt werden.

Wichtige Medikament zur Behandlung von Übelkeit/Erbrechen sind auch

Kortisonpräparate. Diese sind vor allem bei verzögertem Erbrechen wirksam.

Unterstützend bei Bekämpfung von Erbrechen können auch bestimmte

Beruhigungsmittel und Antihistaminika wirken.

Anämie

In 30-50% der onkologischen Patienten findet sich bereits zum Diagnosezeitpunkt

eine Anämie milder bis moderater Ausprägung. Es kann allerdings damit gerechnet

werden, dass bei der überwiegenden Mehrzahl der Krebspatienten im Verlauf der

Erkrankung zumindest zeitweilig eine Anämie besteht. Ähnlich wie

Knochenschmerzen hat eine Anämie schwerwiegende Auswirkungen auf die

Lebensqualität der Patienten. Müdigkeit ist bei anämischen Patienten praktisch

immer zu erheben, oft auch Depressionen, Leistungs- und Konzentrationsschwäche.

Durch Sauerstoffmangel der Gewebe kann es bei bestehender Herzerkrankung zu

Angina pectoris und/oder Herzversagen kommen.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Bei erfolgreicher Behandlung der Anämie kann mit einer Verbesserung der

Lebensqualität der Patienten gerechnet werden. Bluttransfusionen führen zwar zu

einer vorübergehenden Besserung des Zustandsbildes, mit einem erneuten

Blutmangel muss jedoch gerechnet werden.

Mittels rekombinantem humanem Erythropoietin (rhEPO) lassen sich in 60-80% der

Myelom Patienten längerfristige Besserungen erzielen. Auch die

Transfusionshäufigkeit lässt sich durch rhEPO senken.

Infektionen

Fieber ist immer ein wichtiges Warnsymptom bei Patienten nach Chemotherapie.

Durch den vorübergehenden Abfall der Abwehrzellen im Blut besteht nach

Chemotherapie eine erhöhte Infektionsneigung. Warnsymptome einer Infektion

sollten nicht missachtet werden, da es sonst zu einer Verschleppung der Diagnose

und möglicherweise bedrohlichen Komplikationen kommen kann. Eine fieberhafte

Infektion bei vorliegender Abwehrschwäche erfordert immer eine breit wirksame

antibiotische Therapie. Es können auch Wachstumsfaktoren für Abwehrzellen zum

Einsatz kommen, die zu einer rascheren Regeneration der Immunabwehr führen.

Diese werden mitunter auch prophylaktisch nach einer Chemotherapie eingesetzt,

um die Nebenwirkung auf das weiße Blutbild abzufangen.

Bei wiederholten Infekten kann die intravenöse Gabe von Immunglobulinen zum

Einsatz kommen. Mittels monatlicher Gabe von Immunglobulin-Infusionen (0.4g/kg)

über ein Jahr konnte in der stabilen Phase des Myeloms eine Verringerung der

Häufigkeit und Schwere von Infektionen erzielt werden. Bei Patienten ohne

Infektneigung ist diese Form der Infektionsprophylaxe allerdings nicht indiziert.

Bei wiederholt auftretendem Herpes simplex oder Herpes zoster kann eine

Prophylaxe mit bestimmten antiviralen Substanzen sinnvoll sein. Die tägliche

Einnahme dieser Medikamente kann die Reaktivierung dieser Infektionen verhindern.

Konsequenzen der Mukositis:

Schleimhautentzündungen (Mukositis)

• Schmerzen beim Kauen und Schlucken

• Verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme

• Gewichtsverlust

• Durchfall

• Infektionen

• Blutungen

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Prophylaxe und Therapie der Mukositis:

• Gute Mundhygiene!

• Mundspülungen

• (auch prophylaktisch)

Schmerztherapie bei Mukositis

Rekombinanter Keratinozyten-Wachstumsfaktor (Palifermin®)

wird in klinischen Studien erprobt.

Durchfall

Stuhlkultur zum Ausschluss einer infektiösen Genese

Symptomatische Therapie

ev. Gabe von Infusionen zum Flüssigkeitsausgleich

Gabe von verschiedenen Hemmern der Darmtätigkeit wie etwa Loperamid

(Enterobene®, Imodium®) – 2 Tbl nach jedem flüssigem Stuhlgang

u.a.

Nervenschädigung (Neuropathie)

Manifestation meist mit Taubheitsgefühl, unangenehmen Brennen im Bereich der

Finger und Zehen

Meist langsame Besserung nach Absetzen auslösender Medikamente.

ev. Therapieversuch mit

• Gabapentin (Neurontin®)

• Pregabalin (Lyrica®)

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Dr. Dr. Arno Wutzl

Medizinische Universität Wien

Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

Behandlung von Kiefernekrosen

Osteonekrosen der Kieferknochen werden als intraorale Komplikation unter der Gabe

von stickstoffhaltigen Bisphosphonaten beschrieben. Wir berichten von Patienten mit

Osteonekrosen der Kieferknochen nach Bisphosphonattherapie und diskutieren das

diagnostische und therapeutische Management.

Wir berichten von 70 Patienten nach Therapie mit Bisphosphonaten, die seit Juli

2004 an unsere Abteilung überwiesen wurden. Computertomographie,

Magnetresonanztomographie, Szintigraphie, Bakteriologie und Biopsie wurden als

Untersuchungsmethoden zur Diagnostik der Osteonekrose durchgeführt. Alle

Patienten wurden chirurgisch therapiert.

Resultate:

Die Therapie mit Bisphosphonaten wurde aufgrund einer malignen

Knochenerkrankung durchgeführt, 60% der Patienten hatten ein multiples Myelom.

Die Patienten erhielten Pamidronat, und Zoledronat. Im Durchschnitt wurde

Pamidronat 36-mal in 38 Monaten verabreicht und Zoledronat 23,5-mal in 26

Monaten. Bei 2/3 der Patienten war die Läsion im Unterkiefer lokalisiert, bei 1/3 der

Patienten im Oberkiefer. Klinische Symptome waren freiliegender Kieferknochen,

Kieferschmerzen und eine lokale Entzündung der Mundschleimhaut.

Sequestrektomie und Dekortikation mit anschließender Weichteildeckung zeigte sich

als adäquate Therapieform.

Der Einsatz von stickstoffhaltigen Bisphosphonaten erhöht das Risiko Kiefernekrosen

zu entwickeln. Um das Risiko einer Kiefernekrose zu reduzieren sollte aus

prophylaktischen Gründen eine Kontrolle beim Zahnarzt vor dem Beginn einer

intravenösen Therapie mit Bisphosphonaten erfolgen.

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FA Dr. Kathrin Strasser-Weippl

Wilhelminenspital Wien

1. Med. Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie

Montleartstraße 37

1160 Wien

Behandlung von Symptomen der Erkrankung,

insbesondere Schmerzen

Im Verlauf der Erkrankung können Patienten mit Multiplem Myelom eine Vielzahl von

Symptomen erleiden. Diese reichen von Symptomen der Erkankung selbst über

Nebenwirkungen der Chemotherapie bis zu Nebenwirkungen von supportiven

Therapien, wie zum Beispiel der Schmerztherapie. In meinem Beitrag werde ich mich

auf die zwei häufigsten Symptome der Erkrankung selbst, Schmerzen und Müdigkeit,

konzentrieren.

Schmerzen sind leider für viele Patienten mit Multiplem Myelom ein Teil der

Erkrankung. Sie können sich beim Auftreten eines neuen Herdes im Knochen

allmählich entwickeln, oder, wie im Falle von Knochenbrüchen, plötzlich auftreten.

Die Ursache der Schmerzen ist eine Irritation der Nerven im Knochenmark durch

Botenstoffe, die von den Myelomzellen ausgesandt werden. Zusätzlich kann es

durch Knochenbrüche oder die zunehmende Myelom-Zellmasse zur Verdrängung

oder Kompression von Nerven kommen.

Die Therapie von Schmerzen sollte in erster Linie kausal sein, also die Ursache

beheben. Dies kann sehr effizient und nebenwirkungsarm mit einer gezielten

Bestrahlung erreicht werden. Hierdurch wird nicht nur die Schmerzsymptomatik

rasch gebessert, sondern die Myelomzellen werden auch zerstört, so dass es

gewöhnlich zu einer lang anhaltenden Besserung der Symptomatik kommt. Auch

jede Art der medikamentösen Myelomtherapie, z.B. Chemotherapie, kann, wenn sie

erfolgreich ist, Schmerzen reduzieren.

Zusätzlich zur kausalen Therapie ist bei sehr vielen Myelompatienten mit Schmerzen

zumindest vorübergehend eine Schmerztherapie mit Tabletten oder Pflastern

notwendig. Diese Therapie besteht üblicherweise aus einer Dauertherapie nach dem

WHO-Stufenplan, die durch schnell wirksame Medikamente für den Fall von

Schmerzspitzen oder „Durchbruchschmerzen“ ergänzt wird. Mit Hilfe visueller

Analogskalen und eines Schmerztagebuchs kann der Therapieerfolg meist gut

dokumentiert werden.

Die Stufe 1 des WHO-Schemas sieht die Verwendung von Nicht-Opiaten vor. Dies

können einerseits nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder reine Schmerzmittel

sein. NSAR sind hochwirksam und bei ausreichender Dosierung oft bereits alleine

ausreichend. An Nebenwirkungen sind das Risiko eines Magengeschwürs und eine

Nierenschädigung bei längerer Einnahme zu erwähnen. Bei Patienten mit einem

Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür in der Vorgeschichte sollten NSAR daher nur

in Kombination mit einem Magenschutz verwendet werden. Gerade bei

Myelompatienten muss auf die Nierenfunktion unter Einnahme von NSAR besonders

geachtet werden. Bei Patienten mit vorgeschädigter Niere sollte auf die Gabe von

NSAR ganz verzichtet werden. Alternativ können die reinen Schmerzmittel

Parazetamol (Mexalen) oder Metamizol (Novalgin) verwendet werden, die aber oft

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

alleine nicht zu ausreichender Schmerzkontrolle führen. Bei manchen Patienten

muss daher direkt mit der Stufe 2 des WHO-Stufenplans begonnen werden.

Die Stufen 2 und 3 der WHO-Skala bestehen aus schwach bzw. stark wirksamen

Opiaten. Opiate sind sehr wirksame Schmerzmittel. Da sie den körpereigenen

Morphinen nachempfunden sind, ist ihre langfristige Einnahme ohne die Gefahr einer

Organschädigung möglich. Alle Opioide können auch bei Myelompatienten mit

vorgeschädigter Niere eingesetzt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen von

Morphinen sind Übelkeit und Erbrechen, die besonders zu Beginn der Therapie

auftreten können, Verstopfung und Mundtrockenheit. Auch Appetitlosigkeit und

Müdigkeit werden oft von Patienten unter Morphintherapie beschrieben.

In der 2. Stufe des WHO-Schemas werden schwach wirksame Opioide, z.B. Codein

oder Tramadol, angeführt. Die schwach wirksamen Opioide erzeugen deutlich

weniger Müdigkeit als die stark wirksamen Präparate, allerdings führt gerade

Tramadol am Beginn der Behandlung oft zu Übelkeit und Schwindel. Die Übelkeit

lässt sich gut mit Metoclopramid bekämpfen. Wenn die Maximaldosis eines schwach

wirksamen Opioids ohne ausreichende Schmerzkontrolle erreicht wurde, sollte auf

ein stark wirksames Präparat gewechselt werden.

Stark wirksame Opioide (Stufe 3 nach dem WHO-Schema) stehen als Tabletten,

Kapseln oder als Pflaster zur Verfügung. Bei entsprechender Dosierung kann bei

praktisch jedem Patienten eine ausreichende Schmerzkontrolle erreicht werden, oft

allerdings zum Preis von Nebenwirkungen. Die Pflaster (Buprenorphin und Fentanyl)

zeichnen sich durch eine geringere Rate an Übelkeit und Verstopfung aus,

außerdem ist die Handhabung einfach, da das Pflaster nur alle 3 Tage gewechselt

werden muss. Bei Bedarf wird die Kombination eines stark wirksamen Opioids mit

einem NSAR oder Parazetamol empfohlen, auch die Kombination mit einem

schwach wirksamen Opioid ist möglich.

Neben den Medikamenten des WHO-Stufenplans können noch andere Substanzen,

insbesondere Neuroleptika, Antidepressiva und Ketamin zur Schmerztherapie

verwendet werden. Diese Präparate werden meist mit Substanzen des WHO-

Stufenplans kombiniert. In besonderen Situationen, wie z.B. bei Nervenschmerzen,

können damit sehr gute Erfolge erzielt werden.

In manchen Fällen von Wirbelkörperkompression kann eine Ballon-Kyphoplastie oder

Vertebroplastie zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik durch Stabilisierung

bzw. Aufrichten des Wirbelkörpers führen. Diese beiden Verfahren sind allerdings

nicht risikolos, denn es kann bei ausgedehntem Befall der Wirbelsäule zu einem

Einbruch von Nachbarwirbeln kommen.

Ein zweites sehr häufiges Symptom bei Myelompatienten ist Müdigkeit, die im

medizinischen Sprachgebrauch oft als „Fatigue“ (franz. Müdigkeit, Erschöpfung)

bezeichnet wird. Die klassische Fatigue bei Patienten mit Multiplem Myelom ist oft

mehr als bloße Müdigkeit, nämlich die Kombination aus körperlicher

Leistungseinschränkung, geistiger Erschöpfung und emotionaler

Niedergeschlagenheit. Als „Chronic Fatigue Syndrom“ bezeichnet man eine

anhaltende körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung, die durch Schlaf nicht

behoben werden kann und über eine längere Zeitspanne (mehr als sechs Monate)

andauert. Bei Patienten mit Tumorerkrankungen tritt Fatigue bei ca. 30 % der

Patienten täglich auf, wobei praktisch alle Patienten unter Chemotherapie im Lauf

der Behandlung irgendwann unter Fatigue leiden.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Die Ursachen einer Fatigue können sehr verschiedenartig sein. Als einer der

Hauptrisikofaktoren gilt Blutarmut, die bei Patienten mit Multiplem Myelom sowohl

durch die Erkrankung selbst als auch durch die notwendige Therapie ausgelöst

werden kann.

Mögliche (weitere) Ursachen der Fatigue sind:

• Das Myelom selbst

• Die notwendige Therapie (Chemotherapie, Strahlentherapie)

• Blutarmut

• Infektionen

• Schmerzen

• Medikamente (auch jene gegen Schmerzen - Morphine)

• Hormonmangel

• Schlechter Allgemeinzustand

• Verlust des Körpergewichts

• Depressionen

• Schlafstörungen

Leider ist eine wirksame Therapie der Fatigue schwierig. Der Grund dafür ist

einerseits, dass viele Patienten mit diesem Symptom das Problem nicht ansprechen,

da sie es für eine notwendige Folge der Behandlung halten. Andererseits ist die

Hauptursache der Fatigue, nämlich die Myleomerkrankung selbst, in manchen Fällen

nur schwer behandelbar. Wichtig ist in jedem Fall, mögliche reversible Ursachen der

Fatigue zu identifizieren und zu behandeln. Dazu gehören in erster Linie chronische

Infekte, Blutarmut, Depression, Schlafstörungen und metabolische Störungen. Bei

Patienten mit Blutarmut kann die Gabe von Eisenpräparaten zusammen mit einem

Erythropoietin (Hormon, das für die Blutbildung verantwortlich ist) zu einer

Verbesserung der Hämoglobin-Werte und damit der Fatigue führen.

Ultima ratio für chronische Erschöpfung sind Aufputschmittel, die nicht die Ursache

bekämpfen sondern eine Symptomtherapie darstellen. Die verwendeten Mittel sind

schulmedizinisch allerdings weniger etabliert und nicht in allen Fällen wirksam.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Univ. Prof. Dr. Johannes Drach

Medizinische Universität Wien

Univ. Klinik für Innere Medizin I

Klinische Abteilung für Onkologie

Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

Autologe Stammzelltransplantation (STZ)

Für Patienten im Alter unter 65-70 Jahren (ohne schwere Begleiterkrankungen) wird

primär eine Hochdosistherapie empfohlen. Diese Behandlung besteht aus der

hochdosierten Chemotherapie mit Melphalan, welches zwar besonders wirksam

gegen Myelomzellen ist, jedoch auch die normalen Blutzellen zerstört. Daher wird

diese Chemotherapie von der sogenannten Stammzelltransplantation gefolgt, um die

normale Blutbildung wieder aufzubauen. Beim Myelom kommt dabei vor allem die

autologe Transplantation zur Anwendung, d.h. die Verwendung von körpereigenen

Stammzellen.

Es besteht auch die Möglichkeit, die Behandlung mit einem zweiten Zyklus Hochdosistherapie

(so genannte Doppeltransplantation) fortzusetzen. Dies wird insbesondere

in diesen Fällen empfohlen, wenn durch die erste autologe Transplantation

keine komplette Remission erreicht wurde.

Wie wir heute wissen, kann durch die autologe Transplantation eine komplette

Remissionsrate von zumindest 40% erzielt werden. Dies ist die wichtigste Voraussetzung

für eine möglichst lange Überlebenszeit. Daher werden heute vermehrt Anstrengungen

unternommen, um die Behandlungsergebnisse der autologen Transplantation

weiter zu verbessern Dazu zählt beispielsweise die Verwendung der

neuen Substanzen in der Induktionsbehandlung vor der hochdosierten Melphalan-

Chemotherapie. Das Ziel ist es, bereits vor Hochdosistherapie einen möglichst guten

Remissions-Status zu erreichen. Klinische Studien zu diesem Thema werden gerade

durchgeführt, um diese wichtige Fragestellung zu beantworten.

Die sog. Erhaltungstherapie nach Hochdosistherapie ist ebenfalls ein wichtiges

Thema der klinischen Forschung. Eine französische Studie hat kürzlich gezeigt, dass

die Erhaltungstherapie mit niedrig dosiertem Thalidomid die progressionsfreie Zeit

signifikant verlängern kann. Diese Therapie war aber nur dann von Nutzen, wenn

nach autologer Transplantation noch keine komplette Remission vorlag. Andere

Substanzen wie Lenalidomid oder Bortezomib werden in dieser Fragestellung noch

untersucht.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

OA Dr. Johann Kaufmann

Medizinische Universität Wien

Univ. Klinik für Innere Medizin I

Klinische Abteilung für Onkologie

Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

Fatigue – Syndrom und Behandlungsmöglichkeiten

Unter dem Begriff „Fatigue“ versteht man in der Medizin einen Zustand der „

Chronischen Erschöpfung“ eines Menschen, wobei dessen Ursache mannigfaltig ist.

Speziell in der Onkologie beschreibt es die geistige wie auch körperliche

Erschöpfung und Ermüdung des krebskranken Patienten, welche durch

entsprechende Erholungsphasen nicht mehr kompensiert werden können.

Erschöpfungszustände sind grundsätzlich normale Reaktionen des Organismus auf

Situationen übermäßiger Belastung, die beim Gesunden durch ausreichenden Schlaf

und Ruhephasen wieder ausgeglichen werden, damit die ursprüngliche

Leistungsfähigkeit wieder hergestellt wird. Bei Tumorpatienten versagen diese

Kompensationsmechanismen.

Die Differenzierung zu anderen Beschwerdebildern und Erkrankungen speziell aus

dem Bereich der Psychoonkologie erfordert viel Wissen und Erfahrung des

behandelnden Arztes und bereitet oft Schwierigkeiten.

Nach neuesten Erkenntnissen leiden zwischen 70 und 99% der Patienten im

Rahmen ihrer Krebserkrankung und speziell unter einer Chemotherapie an einem

Fatigue-Syndrom. Die Symptome sind vielfältig und äußern sich durch starkes

Ruhebedürfnis sowie Müdigkeit trotz – objektiv betrachtet - ausreichendem Schlaf,

mangelndem Antrieb und Lustlosigkeit, dem Gefühl des „überfordert sein“ in der

Bewältigung des Alltags, Frustration und Rückzug aus dem sozialen Umfeld,

reduzierte Merkfähigkeit und Konzentrationsschwäche. Weitere häufig angegebene

Beschwerden sind Appetitverlust mit verminderter Nahrungsaufnahme und

Gewichtsabnahme, sowie verringerte Libido. Allein im Empfinden der Patienten

werden diese Symptome oft als gegebene Nebenwirkung der Therapie angesehen

und häufig nicht thematisiert, sodaß nur ein Drittel der Patienten einer gezielten

Behandlung zugeführt werden kann. In großen Umfragen wird Fatigue noch vor

Schmerzen als häufigstes und am meisten die Lebensqualität beeinträchtigendes

Krankheitsbild angegeben.

Der Zeitpunkt des Auftretens der chronischen Fatigue-Erkrankung ist variabel. Oft

manifestiert sie sich als „Erstsymptom“ einer Tumorerkrankung noch vor

Diagnosestellung, kann aber auch während und auch noch Wochen bis Monate nach

Abschluss einer Chemo-, Strahlen-, oder Hormontherapie bemerkbar bleiben.

Die genaue Ursache des chronischen Erschöpfungszustandes bei Tumorpatienten

ist noch nicht geklärt. Es dürfte sich um ein multifaktorielles Geschehen handeln,

welches einerseits durch die Krebserkrankung selbst, als auch durch die meist nötige

Therapie verursacht wird.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Wenn der Verdacht eines Fatigue-Syndroms besteht, werden eine Reihe von

Faktoren, die mitverantwortlich sein können, abgeklärt. Dabei sollte ein besonderes

Augenmerk auf die Schmerzsymptomatik, Schlafstörungen, emotionaler/psychischer

Stress, Blutarmut (Anämie) und Zeichen einer Mangelernährung gelegt werden.

Zusätzlich sollte das Vorliegen einer Infektion oder Entzündung sowie weitere

Organdysfunktionen (z.B. Schilddrüse) ausgeschlossen werden, um eine

Behandlungsstrategie die all diese Parameter erfasst, entwickeln zu können.

Speziell bei Patienten mit Multiplem Myelom kann es auf Grund des Wesens der

Erkrankung zu einer ausgeprägten Fatigue-Symptomatik kommen. Oft steht eine

schwere Anämie, einerseits durch den Mangel an Wachstumsfakoren der roten

Blutzellen (Erythropoetin) bedingt, andererseits durch Verdrängung von

blutbildenden Zellen im Knochenmark im Vordergrund. Durch den gesteigerten

Knochenabbau, meist kompliziert durch Frakturen wird schmerzbedingt und durch

Immobilisation der Muskelabbau gefördert, was zu einer allgemeinen Schwäche

führt. Insbesondere hierfür stehen diverse Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

In dem Bewusstsein eine, die Lebensqualität der Krebspatienten am meisten

belastende Begleiterscheinung und Nebenwirkung des Tumors respektive der

Behandlung erkannt zu haben, wurden in den letzten Jahren vermehrt Studien

induziert, die sich dieser Thematik widmen. Nach einer kürzlich erschienenen

wissenschaftlichen Arbeit laufen derzeit in den USA 76 Studien die sich mit Fatigue

bei Tumorerkrankungen beschäftigen und deren Abschluss uns weitere Richtlinien

und Therapieoptionen bezüglich effizienter Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen

werden.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Mag. Andrea Prokesch-Egger

Klinische- und Gesundheitspsychologin, Psychoonkologin

Universitätsklinik I der Medizinischen Universität Wien

Stationen 16i/j, 18K und onkologische und hämatologische Ambulanz

Währinger Gürtel 18-20

1090 Wien

Krankheit kennt keine Grenzen…

…Psychosoziale Aspekte der Hilfe für Betroffene und Angehörige

Bei der Behandlung von Krebserkrankungen gab es in den letzten 30 Jahren enorme

(wissenschaftliche) Fortschritte. Gerade auch im Bereich der Erforschung des

Multiplen Myeloms hat es großartige medizinische Weiterentwicklungen gegeben.

Diese haben zur Folge, dass das Multiple Myelom heute nicht nur besser

verstanden, sondern auch immer effektiver behandelt werden kann. Daraus ergibt

sich ein Gewinn an Lebensqualität. Neben der medizinischen Versorgung besteht

heute mehr denn je auch ein breites Spektrum an psychosozialen Hilfen, die darauf

abzielen, die Lebensqualität und das Befinden der Betroffenen zu verbessern. Vor

dem Hintergrund dieser positiven Entwicklungen wurde die Psychoonkologie zu

einem wesentlichen Bestandteil in der Behandlung und Betreuung von

KrebspatientInnen. Der Begriff „Psychoonkologie“ umschreibt eine interdisziplinäre

Form der Psychotherapie bzw. klinischen Psychologie, welche alle Aspekte der

Prävention, Entstehung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von

Krebserkrankungen umfasst. Dabei wird zum einen der Einfluss einer

Krebserkrankung im Hinblick auf psychische Veränderungen der PatientInnen, der

Angehörigen sowie des behandelnden Personals untersucht und zum anderen der

Frage nach dem Einfluss psychischer Variablen auf das Erkrankungsrisiko und den

Verlauf der Erkrankung nachgegangen. Diese Definition streicht auch den wichtigen

Beitrag dieser Disziplin in der Unterstützung der Angehörigen hervor, denn eine

Krebserkrankung bedeutet nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für

sein gesamtes Umfeld eine immense Veränderung und Belastung. Es müssen nicht

nur neue Anforderungen im Alltag bewältigt werden, sondern auch der Umgang mit

oft „neuen“ Gefühlen wie Ohnmacht, Verzweiflung oder Kontrollverlusterleben erlernt

werden. Flexibilität und Neuorientierung sind damit nicht nur von Betroffenen,

sondern vor allem auch von Angehörigen gefordert. Es gilt hervorzuheben, dass

nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige einerseits unter Ängsten leiden,

andererseits aber auch eigene Bedürfnisse haben. Diese zu leben wird jedoch oft

durch Schuldgefühle verhindert. Hier wird ein emotionales Spannungsfeld sichtbar,

welches zu bewältigen eine große Herausforderung darstellen kann. In

wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass je mehr Angehörige ihre

eigenen Bedürfnisse ernst nehmen, umso positiver wirkt sich dies auch auf die

Ressourcen der Betroffenen aus. Damit einhergehen die Ergebnisse einer

Metaanalyse von Rehse und Purkop (2003), welche ergaben, dass die familiäre

Unterstützung neben der genauen medizinischen Aufklärung die wichtigste

Interventionsform darstellt, um Lebensqualität und Befinden zu fördern.

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

Diese Ergebnisse verdeutlichen einerseits den immens wichtigen Stellenwert der

Unterstützung von Betroffenen durch die Angehörigen, andererseits aber auch die

dringliche Notwendigkeit, Angehörige in ihrer schwierigen Situation zu unterstützen.

Im Vortrag soll auf die unterschiedlichen Phasen eines möglichen Krankheitsverlaufs

eingegangen und die jeweiligen psychosozialen Mechanismen vorgestellt werden,

durch die es für Betroffene und Angehörige leichter wird, mit der Erkrankung

umzugehen.

Ein Fokus liegt dabei auf der Tatsache, dass nicht nur die kranken Anteile eines

solchen Schicksals, sondern auch die gesunden mit Hilfe psychosozialer

Maßnahmen betrachtet werden und so eine wichtige Ressource für das Leben von

Betroffenen und Angehörigen geschaffen werden soll.

Literatur

Broeckmann, S.: Plötzlich ist alles ganz anders – wenn Eltern an Krebs erkranken. Klett-Cotta,

Stuttgart, 2002.

Jellouschek, H.: Bis zuletzt die Liebe. Als Paar im Schatten einer tödlichen Krankheit. Herder,

Freiburg, 2002.

Krebs trifft auch die Nächsten. Ratgeber für Angehörige und Freunde. Hrsg. Krebsliga Schweiz. Bern,

2000.

(Zu beziehen über die Krebsliga Schweiz, Effingerstraße 40, Postfach 819, 3100 Bern, Tel. 0041 31 3899100)

Jores in Meyer, A.-E.; Freyberger, H.; von Kerekjarto, M.; Liedtke, R. und Speidel, H. (Hrsg.) (1996).

Praktische Psychosomatik. Einführung in die Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin.

Göttingen: Hans Huber Verlag.

Larbig, W. und Tschuschke, V. (Hrsg.) (2000). Psychoonkologische Interventionen. Therapeutisches

Vorgehen und Ergebnisse. München: Ernst Reinhardt Verlag.

Meerwein, F. (1991). Einführung in die Psychoonkologie. Göttingen: Hans Huber Verlag.

Reinecker, H. (Hrsg.) (1999). Fallbuch der Klinischen Psychologie. Modelle psychischer Störungen.

Einzelfallstudien zum Lehrbuch der Klinischen Psychologie. Göttingen: Hogrefe.

Schnurre, M.: Die Melodie des Lebens finden. Eine Krebstherapeutin erzählt, worauf es ankommt.

Herder, Freiburg, 2002.

Tanneberger, S. et al.: Jemand in meiner Familie hat Krebs. Was kann ich tun? Zuckerschwerdt,

München, 1995.

Verres, R.: Die Kunst zu leben. Krebs und Psyche. Herder, Freiburg, 2003.

Wie kann ich helfen? Leben mit einem an Krebs erkrankten Menschen. Hrsg. Hoffmann-La-Roche

AG, 42003 Grenzach-Whylen.

(Zu beziehen über: Hoffmann – La-Roche AG, 79630 Grenzach-Whylen, Deutschland)

Wilber, K.: Mut und Gnade. In einer Krankheit zum Tode bewährt sich eine große Liebe. Goldmann,

München, 1996 (Goldmann Tb 42740).

Zettl, S.; Hartlapp, J.: Krebs und Sexualität. Ein Ratgeber für Krebspatienten und ihre Partner.

Weingärtner, Berlin, 2002

Seite 29


Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

DSA Erika Kober

Bundessozialamt Wien

Babenbergerstraße 5

1010 Wien

Soziale Unterstützungsmöglichkeiten

Das Bundessozialamt wurde nach dem 1. Weltkrieg als Landesinvalidenamt errichtet,

damals in der Hauptabsicht Kriegsopfer zu versorgen. Heute versteht sich

das Bundessozialamt mit seinen 9 Landesstellen als Drehscheibe für Anliegen der

Menschen mit Behinderungen, besonders im Hinblick auf die berufliche

Integration. In jeder Landeshauptstadt gibt es eine Landesstelle des Bundessozialamts.

Das Bundessozialamt bietet diverse Informationsbroschüren zum Thema Behinderung

an.

(Einblick 1-8, werden derzeit überarbeitet sind teilweise vergriffen) Zusätzlich gibt es

noch Folder zu verschiedenen Begünstigungen. Die Leistungen sind aber auch auf

der Homepage www.basb.bmsg.gv.at ersichtlich.

Leistungsbereiche des Bundessozialamtes:

• Beruf/Arbeitswelt

• Entschädigungen

• Familie

• Soziales /Gesellschaft

BERUF/ ARBEITSWELT:

FESTSTELLUNGSBESCHEID - BEGÜNSTIGTE/R BEHINDERTE/R

Beantragt man einen Feststellungsbescheid - ab 50% Behinderung -, gilt man als

"begünstigte/r Behinderte/r".

Die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten bringt Vor- und Nachteile

im Berufsleben.

Vorteile:

- Erhöhter Kündigungsschutz:

Arbeitgeber/innen müssen vor Ausspruch einer Kündigung die Zustimmung

des Behindertenausschusses bei der jeweiligen Landesstelle des

Bundessozialamtes einholen.

Bei einvernehmlicher Auflösung des Arbeitsverhältnisses, Enden eines

befristeten Arbeitsverhältnisses durch Zeitablauf oder berechtigter fristloser

Entlastung besteht der Schutz nicht.

Während der ersten sechs Monate eines neu begründeten Arbeitsverhältnisses

gilt der Kündigungsschutz nicht!

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

- Entgeltschutz:

Das Entgelt darf wegen der Behinderung nicht gemindert werden.

- Zusatzurlaub

sofern dies im Kollektivvertrag, Dienstrecht oder Betriebsvereinbarung

vorgesehen ist.

- Förderungen:

DienstgeberInnen: verschiedene Beiihilfen zur Erlangung und Erhaltung des

Abreitsplatzes

DienstnehmerInnen: Beihilfen und Zuschüsse zur Erlangung und Erhaltung

des Arbeitsplatzes

Der Feststellungsbescheid kann nicht rückgängig gemacht werden - außer der

Gesundheitszustand bessert sich so weit, dass der Grad der Behinderung unter 50%

fällt.

Dies betrifft Personen, die bis zur Pensionierung in ihrer Firma arbeiten wollten und

daher den Kündigungsschutz (Feststellungsbescheid) beantragt hatten.

Der Antrag für einen Feststellungsbescheid ist eine individuelle Entscheidung, bei

der man Vor- und Nachteile gut abwägen muss.

Nur der Feststellungsbescheid hat Auswirkungen auf den Arbeitsplatz, nicht

der Behindertenpass!

Führerschein:

Das Bundessozialamt gibt dem Verkehrsamt keine Daten über die Behinderung

weiter

Nachteile können bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz eintreten, denn

wenn man einmal zum Kreis der begünstigten Behinderten zählt, muss man dies

dem Arbeitgeber vorweisen.

Größere Firmen sind verpflichtet, bei 25 Arbeitnehmern eine/n Behinderte/n

anzustellen. Leider zahlen viele Firmen lieber eine Ausgleichstaxe und verzichten auf

die steuerlichen Vergünstigungen bei Einstellung eines begünstigten Behinderten,

weil sie meist unbegründet Nachteile befürchten...

Entschädigungen für:

• Kriegsopfer

• Kriegsgefangene

• Heeresbeschädigte

• Impfgeschädigte

• Verbrechensopfer

FAMILIE

• Beratung und Diagnostik (Kinder und Jugendliche, nicht in allen

Bundesländern, Wien nur 11.Bezirk und angrenzende Bezirke)

• Familieninfostelle:

Anlaufstelle für Familien mit behinderten Kindern ( Bezug (erhöhte)

Familienbeihilfe)

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Internationales MM-Symposium - 5.Mai 2007 in Wien

SOZIALES /GESELLSCHAFT

• Behindertenpass

Beim Bundessozialamt kann (Formular und einem Passfoto und Befunden) beantragt

werden. Der Grad der Behinderung wird vom ärztlichen Dienst nach einer

Untersuchung oder bei Vorliegen aklueller Befunde durch ein aktenmäßiges

Gutachten festgestellt - mit einem Bescheid eingestuft, gegen den man auch

Berufung einlegen kann. Alle Eingaben und die Ausstellung des Behindertenpasses

sind gebührenfrei.

Ab 50% Behinderung erhält man den Behindertenpass (amtlicher Lichtbildausweis),

womit man

- in der Steuererklärung beim Finanzamt die Freibetragspauschale (ab 25%

Behinderung) und unter ‚außergewöhnlichen Belastungen aufgrund von

Behinderungen die Krankheitskosten (Rezeptgebühren, Arzt-, Kurkosten u.a.)

geltend machen kann und dadurch weniger Lohn- / Einkommenssteuer

bezahlt.

Pensionisten, die keine Lohnsteuer bezahlen, können keine ‚Negativsteuer‘

geltend machen

- Preisermäßigungen / Sondertarife in Museen, bei manchen

Veranstaltungen, Konzerten und Kinos, Bädern, Liften, Seilbahnen,

Mitgliedsbeitrag bei Autofahrerclubs nach deren Richtlinien, Grundgebührenermäßigung

bei einer Mobiltelefongesellschaft u.a. erhält

- Ermäßigung der ÖBB-Vorteilscard für begünstigte behinderte Menschen bei

mindestens 70% Behinderung erhält

- Lohnsteuerfreibetrag (kann ab einem GdB von 25 vH) beim Finanzamt

beantragt werden

- Zusatzeintragung:

Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel‘ gibt es weitere

Begünstigungen (Befreiung motorbezogene Versicherungssteuer, kostenlose

Jahresvignette, Voraussetzung für NOVA- Refundierung bei Neuwagenkauf).

Hat man nur den Behindertenpass, muss man seine Behinderung dem

Dienstgeber NICHT mitteilen.

Bei Veränderung des Gesundheitszustands kann man die Neufestsetzung des Grads

der Behinderung beantragen.

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UNTERSTÜTZUNGSFONDS

Förderung für behinderungsbedingt unbedingt erforderliche Maßnahmen:

- Antrag wird beim Bundessozialamt gestellt. Unterlagen werden an mögliche

weitere Kostenträger weitergeleitet.

- Personenkreis: vorrangig Kinder und Pensionisten

- Bei baulichen Maßnahmen ( Wien ) gleichzeitig bei MA 50 Antrag stellen.

Abgeltung der Normverbrauchsabgabe

Bei erstmaliger Zulassung eines KFZ in Österreich ist die Normverbrauchsabgabe an

das Finanzamt abzuführen.

Das Bundessozialamt refundiert die NOVA unter bestimmten Voraussetzungen

(Eintragung „Benützung öffentliche Verkehrsmittel unzumutbar“ oder Ausweis gem §

29 b –StvO , Rechnung und Zulassung lauten auf den Behinderten) bis zu einem

Bruttohöchstkaufpreis von € 20.000,-- zuzüglich behinderungsbedingter Kosten

(Automatik etc.)

Bei Kredit bzw. Leasing kann die NOVA erst nach Übergang des KFZ ins Eigentum

refundiert werden.

Es besteht ein Rechtsanspruch, die Abgeltung der NOVA ist alle 5 Jahre (Datum der

Zulassung) möglich.

Pensionshärteausgleich

Für Pensionisten, mit Pensionsantritt zwischen dem 1.1.2004 und 1.12.2006 erfolgt

unter bestimmten Voraussetzungen eine einmalig Geldleistung

Zuwendung für pflegende Angehörige

Zuwendungen aus dem Unterstützungsfonds für Menschen mit Behinderung können

bei Vorliegen einer sozialen Härte an nahe Angehörige einer pflegebedürftigen

Person, der zumindest Pflegegeld der Stufe 4 nach dem Bundespflegegeldgesetz

gebührt, gewährt werden, wenn sie diese seit mindestens einem Jahr überwiegend

pflegen und an der Erbringung der Pflege wegen Krankheit, Urlaub oder aus

sonstigen wichtigen Gründen verhindert sind.

Pilotprojekt „Unterstützung für pflegebedürftige Menschen mit demenziellen Erkrankungen

und deren pflegende Angehörige

Die Durchführung dieses Pilotprojektes erfolgt im Zeitraum 1. Februar 2007 bis

31. Jänner 2008.

Investive Maßnahmen:

Förderung für Gesundheitseinrichtungen – barrierefreier Zugang

Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen:

Schlichtung, Barrierefreiheit

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Sozialservice

Abhaltung von Sprechtagen, Vorträgen etc.)

Beratung / qualifizierte Weiterverweisung über sonstige Leistungen

Erhöhte Familienbeihilfe:

Antragstellung erfolgt beim zuständigen Finanzamt, dieses leitet die Grunddaten an

die zust. Landesstelle des Bundessozialamt weiter, das die Untersuchung durchführt

und das Sachverständigengutachten an das Finanzamt zurückschickt. Bescheiderteilung

erfolgt durch das Finanzamt.

Erhöhte Familienbeihilfe kann unter bestimmten Voraussetzungen lebenslang

bezogen werden.

Pflegegeld

Das Pflegegeld stellt eine zweckgebundene Leistung zur teilweisen Abdeckung der

pflegebedingten Mehraufwendungen und daher keine Einkommenserhöhung dar. Da

die tatsächlichen Kosten für die Pflege das gebührende Pflegegeld in den meisten

Fällen übersteigen, kann das Pflegegeld nur als pauschalierter Beitrag zu den

Kosten der erforderlichen Pflege verstanden werden. Es ermöglicht den

pflegebedürftigen Menschen eine gewisse Unabhängigkeit und einen (längeren)

Verbleib in der gewohnten Umgebung (zu Hause). Antragstellung erfolgt bei der

Pensionsauszahlenden Stelle bzw. beim Land.

Sozialhilfe

Zuständigkeit beim Land – Sicherung des Lebensunterhaltes

Beihilfen: Wohnen

Wien: Wohnbeihilfe, Mietbeihilfe, Mietzinsbeihilfe (einkommensabhängige

Leistungen)

Befreiungen

Rezeptgebühr, Rundfunkgebühr, Zuschuss zum Fernsprechentgelt einkommensabhängig

bzw. an öffentliche Leistung – z.B. Pflegegeld, Arbeitslosengeld etc. -

gebunden

Das Bundessozialamt steht Ihnen jederzeit gerne für Auskünfte

unter Tel: 059988 zur Verfügung.

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Dr. med. Christian Taverna

Kantonsspital Münsterlingen

Leitender Arzt Onkologie

CH-8596 Münsterlingen

Kontrolluntersuchungen - Welche und Wie oft?

Kontrolluntersuchungen: Weshalb?

• Um festzustellen, wie die Krankheit auf die Therapie angesprochen hat. Ansprechen

(Remission)

• Um festzustellen, ob die Remission anhält resp. ob ein Rückfall vorliegt. Rückfall

Psychische Belastung

• Den Kontrolluntersuchungen gehen oft Tage mit grossen Ängsten voraus.

• Ein Rückfall kann vorhanden sein, ohne dass der Betroffene etwas davon bemerkt.

Wissenschaftliche Grundlagen

• Fehlen für die Durchführung der Kontrolluntersuchungen weitgehend.

• Wir sind auf Empfehlungen, auf Expertenmeinungen angewiesen.

• Diese Empfehlungen können sich deutlich unterscheiden.

Offene Fragen

• Können wir mit der früheren Erfassung eines Rückfalls die Prognose verbessern?

• Möglicherweise nicht, aber wir können drohende Komplikationen unter Umständen früher erfassen.

Behandlungsmöglichkeiten

• Dank der zunehmenden Behandlungsmöglichkeiten können wir Patienten mit einem Rückfall auch

weitere Behandlungen anbieten.

Kontrolluntersuchungen: Wann?

• Kontrolle des Ansprechens während der Induktionstherapie

nach Therapieabschluss

• Erfassung des Rückfalls während der Erhaltungstherapie

während der Nachsorge

Ansprechkriterien

• Sollten einheitlich sein, um die verschiedenen Studien vergleichen zu können.

• „International uniform response criteria for multiple myeloma“

• Durie BGM et al., on behalf of the International Myeloma Working Group, Leukemia 2006

Was messen wir?

• M-Protein mittels Serum- und 24-Stunden-Urin-Eiweiss-Elektrophorese

• Immunfixation im Serum und im Urin

• Freie Leichtketten im Serum

• quantitatives Immunglobulin (IgG, IgA, IgM)

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Knochenmarkuntersuchung

• Zur Bestätigung einer kompletten Remission: ≤ 5% Plasmazellen

• Für Patienten mit asekretorischem Myelom

• Immunhistochemie im Knochenmark

• Durchflusszytometrie aus dem Knochenmark

Messbare Krankheit

• Serum M-Protein ≥ 10 g/l (1 g/dl)

• Urin M-Protein ≥ 200 mg/24 h

• Freie Leichtketten im Serum ≥ 100 mg/l (10 mg/dl)

Ansprechkategorien

Komplettes Ansprechen (CR)

• Negative Immunfixation im Urin und im Serum

• Verschwinden jeglicher Weichteilplasmazytome

• ≤ 5% Plasmazellen im Knochenmark

Stringent komplettes Ansprechen (sCR)

• Wie komplettes Ansprechen plus

• normales Verhältnis der freien Leichtketten im Serum

• Fehlen von klonalen Plasmazellen im Knochenmark bei der Untersuchung mittels

Immunhistochemie oder Durchflusszytometrie

Sehr gutes partielles Ansprechen (VGPR)

• M-Protein im Serum oder Urin mittels Immunfixation nachweisbar und

• Kein Nachweis eines M-Proteins mittels Elektrophorese oder

• ≥ 90% Reduktion des M-Proteins im Serum und M-Protein im Urin < 100 mg/24 h

Partielles Ansprechen (PR)

• ≥ 50% Reduktion des M-Proteins im Serum und Reduktion des M-Proteins im Urin um ≥ 90% oder

auf < 200 mg/24 h

Stabile Krankheit (SD)

• Wenn die Kriterien für CR, VGPR, PR und PD nicht zutreffen.

Fortschreiten der Krankheit (PD)

• ≥ 25% Zunahme des M-Proteins im Serum (absolut ≥ 0,5 g/dl)

– ≥ 25% Zunahme des M-Proteins im Urin (absolut ≥ 200 mg/24 h)

• Absolute Zunahme der freien Leichtketten um > 10 mg/dl

• Knochenmarksinfiltration ≥ 10%

• Neue Knochenveränderungen oder neue Weichteilplasmazytome oder definitve Grössenzunahme

bestehender Knochen- oder Weichteilveränderungen

• Erhöhter Calcium-Spiegel im Blut (Hypercalcämie) ≥ 2,65 mmol/l

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Rückfall nach komplettem Ansprechen

• Erneuter Nachweis eines M-Proteins mittels Immunfixation oder Eiweiss-Elektrophorese

• ≥ 5% Plasmazellen im Knochenmark

• Neue Knochenveränderungen, neue Weichteilplasmazytome, neu Hypercalcämie

Klinischer Rückfall

• Direkte Anzeichen einer zunehmenden Krankheitsaktivität und/oder von sogenannten Endorgan-

Schädigungen (CRAB)

• Neue Weichteilplasmazytome oder neue Knochenveränderungen

• Definitive Grössenzunahme bestehender Weichteilplasmazytome oder Knochenveränderungen

• Hypercalcämie ≥ 2,65 mmol/l

• Hämoglobin-Abfall ≥ 2 g/dl

• Kreatinin-Anstieg auf 177 μmol/l oder höher

Häufigkeit der Untersuchungen

• Patienten unter Therapie

• Frage: Liegt ein partielles Ansprechen oder eine stabile Krankheitssituation vor?

• 1- bis 2-monatliche Untersuchungen

Untersuchungen nach Therapieabschluss

• European Society for Medical Oncology (ESMO): „Minimum Clinical Recommendations for

diagnosis, treatment and follow up of multiple myeloma“, Annals of Oncology, 2005

• Vollständiges Blutbild, Kreatinin, Calcium, Beta-2-Mikroglobulin

• Eiweiss-Elektrophorese im Serum und im 24-h-Urin

• Freie Leichtketten im Serum

• Knochenschmerzen müssen abgeklärt werden

Wann welche Röntgenuntersuchung?

Computertomogramm (CT)

• ohne sogenanntes Kontrastmittel, nur sogenannte Knochenfenster

• ist empfindlicher als eine normale Röntgenuntersuchung bei der Erfassung von Osteolysen

• die Stabilität der Knochen kann besser beurteilt werden

• mit modernen Geräten nur gering höhere Strahlenbelastung

Magnetresonanz-Untersuchung (MRI)

• Wichtig zur Beurteilung von Strukturen des Nervensystems

z.B. Druckschädigung des Rückenmarks (Myelonkompression)

• Knochenmarksinfiltration erkennbar

FDG-PET

• Stellenwert noch nicht geklärt.

• Bedeutung am ehesten zur Klärung, ob ein isoliertes Plasmazytom vorliegt.

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Empfehlungen

1. Gründliche Abklärung bei Diagnosestellung.

2. Unter Therapie korrektes Erfassen des besten Ansprechens (komplettes Ansprechen?)

- monatliche Untersuchungen

3. Nach Therapieabschluss unter intravenöser Bisphosphonat-Behandlung

- monatlich Blutbild, Kreatinin, Calcium

4. Alle 3 Monate M-Protein-Diagnostik (Serum und/oder Urin)

- bei Patienten mit komplettem Ansprechen Immunfixation

- bei Patienten mit partiellem Ansprechen Eiweiss-Elektrophorese

5. Bei ausgedehntem Knochenbefall 1x jährlich Computertomogramm

Immer sofortige Abklärung von

oder

- zunehmenden Schmerzen oder

- einer neu aufgetretenen Schwäche in einer Extremität

- einer neu aufgetretenen Lähmung

6. Knochenmarksuntersuchung bei asekretorischem multiplem Myelom

bei Frage nach Knochenmarksfunktion

Zum Schluss

• Wie die Behandlung sollen auch die Nachkontrolluntersuchungen auf den einzelnen Patienten

abgestimmt sein.

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