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Vorbei mit Glanz und Gloria - Gemeinde Gutenborn

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<strong>Vorbei</strong> <strong>mit</strong> <strong>Glanz</strong> <strong>und</strong> <strong>Gloria</strong><br />

VON UTA KUNICK, 05.08.10, 19:21h, aktualisiert 05.08.10, 23:02h<br />

Carina Ostendorf-Köpnick «kitzelt» die Skulptur am Bauch. Um herauszufinden, wie die<br />

Putte aussah, werden die Farbschichten freigelegt. (FOTO: C. WUJTSCHIK)<br />

HEUCKEWALDE/MZ. "Ich finde das Schloss traumhaft," schwärmt Carina Ostendorf-Köpnick<br />

<strong>und</strong> der Einheimische w<strong>und</strong>ert sich über so viel Euphorie. Denn das Objekt befindet sich in<br />

einem katastrophalen baulichen Zustand. Vom <strong>Glanz</strong> der Erbauerjahre ist nichts mehr übrig<br />

geblieben. Dach <strong>und</strong> Dachstuhl sind marode <strong>und</strong> überall bröckelt der Putz von den Wänden.<br />

Was findet also eine junge Frau an dem Schloss Heuckewalde so beeindruckend? Traumhaft<br />

ist für Carina Ostendorf-Köpnick vor allem der Festsaal, auch Galerie genannt. Denn hier hat<br />

die freiberufliche Restauratorin ein echtes Betätigungsfeld gef<strong>und</strong>en.<br />

Vor anderthalb Jahren verschlug es die 28-Jährige zum ersten Mal hierher. "Damals war ich<br />

Studentin für Restaurierung <strong>und</strong> Wandmalerei <strong>und</strong> auf der Suche nach einem geeigneten<br />

Objekt für meine Diplomarbeit, die ich unbedingt dem Thema Stuck widmen wollte", erzählt<br />

sie. Carina Ostendorf-Köpnick sprach beim Landesamt für Denkmalpflege <strong>und</strong> Archäologie<br />

Sachsen-Anhalt vor <strong>und</strong> erhielt eine Liste <strong>mit</strong> verschiedenen Objekten. Das Schloss<br />

Heuckewalde hat sie bei ihrer R<strong>und</strong>tour sofort fasziniert. Vor allem die kleinen Details an der<br />

Stuckdecke in der Galerie lassen das Restauratorenherz höher schlagen. Dass die Putten<br />

eigentlich ein fein ausgemaltes Gesicht haben, war zuletzt wegen der vielen Übertünchungen<br />

gar nicht mehr ersichtlich. Das fand die Studentin aus Potsdam im Rahmen ihrer Diplomarbeit<br />

heraus, in dem sie eine der kindlichen Figuren bis zu deren Erstfassung, die aus dem 18.<br />

Jahrh<strong>und</strong>ert datiert, freilegte. "Die Skulpturen sind alle <strong>mit</strong> landwirtschaftlichen Geräten<br />

ausgestattet. Das habe ich bisher auch noch nicht gesehen", macht die Restauratorin auf eine<br />

Besonderheit dieser Engelsfiguren aufmerksam. Sichel, Blumenkörbe, Beil <strong>und</strong> anderes mehr,<br />

lassen darauf schließen, dass das Schloss einst als Gutshof fungierte. Ursprünglich sollte<br />

Carina Ostendorf-Köpnick für ihre Diplomarbeit auch noch eine Musterachse anfertigen.<br />

Dazu werden auf einem Teil der Wand die vielen Farbschichten, die im Laufe der Zeit auf die<br />

Wände kamen, abgetragen <strong>und</strong> die unterste Schicht gesichert. Doch dann machte der Winter<br />

einen Strich durch die Rechnung. "Es war zu nass <strong>und</strong> zu kalt, so dass die Arbeiten<br />

verschoben werden mussten", erzählt die Freiberuflerin.


Aus diesem Gr<strong>und</strong> ist sie nun wieder vor Ort. Ihre Hauptaufgabe ist es herauszufinden, wie<br />

die Galerie um 1720 / 1730 ausgemalt war <strong>und</strong> das auf einer Fläche zu rekonstruieren.<br />

Carina Ostendorf-Köpnick arbeitet sich Stück für Stück vor. Zu erkennen ist bereits eine<br />

ockerfarbene Wandfassung, die aus dem 18. Jahrh<strong>und</strong>ert stammt. Der Sockel wurde damals<br />

rosa gehalten <strong>und</strong> die Fensterleibung hellblau. Die Rekonstruktion der Erstfassung soll als<br />

Orientierung bei der künftigen farblichen Gestaltung des Raumes dienen. Eigentümer des<br />

Schlosses ist die <strong>Gemeinde</strong> <strong>Gutenborn</strong>. Doch die Kommune will das Objekt wegen des<br />

schlechten baulichen Zustands abstoßen. Für eine Sanierung hat sie kein Geld. Zwei<br />

potenzielle Käufer haben sich vor drei Jahren für das denkmalgeschützte Objekt interessiert:<br />

einer aus Bayern <strong>und</strong> der zweite aus Australien. Doch beide zogen sich wieder zurück. Der<br />

erste, nachdem er erkannt hatte, dass man das Schloss nicht als Ruhesitz nutzen kann. Es sei<br />

denn, man hat locker über eine Million Euro zur Sanierung in der Hinterhand. Der zweite<br />

wollte hinter den historischen Mauern eine Wohnanlage integrieren. Doch dann kam die<br />

Wirtschaftskrise <strong>und</strong> die Investoren sprangen ab. So scheiterte es wieder am Geld.

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