E&W extra - Tarifvertrag Bund und Kommunen

gew.tarifrunde.tvoed.de

E&W extra - Tarifvertrag Bund und Kommunen

Erziehung & Wissenschaft extra 01/2012 03/2012

Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft GEW

Extra

Tarifrunde 2012

6,5 Prozent mehr,

mindestens 200 Euro!

Mitglied werden zahlt sich aus!


2

TARIFRUNDE

ILSE SCHAAD

Foto: Kay Herschelmann

„Kräftiger Schluck

aus der Pulle“

// GEW-Kommentar:

Gut für die Bundesrepublik – gut für Europa:

Warum das Land ein sattes Lohnplus braucht. //

Alle reden von der Krise. Trotzdem fordern die Gewerkschaften

gerade jetzt einen „kräftigen Schluck aus der Pulle“: 6,5

Prozent, mindestens jedoch 200 Euro mehr Gehalt für die

rund zwei Millionen Tarifbeschäftigten bei Bund, Kommunen

und Sozialversicherungen. Wie passt das zusammen? Besser

als manche denken!

Geht es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), soll

Europa von Deutschland lernen.

Die Beschäftigten in der Bundesrepublik leiden jedoch seit

mehr als einem Jahrzehnt darunter, dass Löhne und Gehälter

nach Abzug der Preissteigerung immer weniger wert

sind.

In dem gleichen Zeitraum sind die Gewinneinkommen explodiert.

Das Resultat dieser Entwicklung: Die Einkommensverteilung

wird immer ungerechter.

Der zweifelhafte Erfolg dieser Strategie: weiter steigende

Exportüberschüsse – und steigende Verschuldung bei denen,

die die deutschen Waren mit deutschen Krediten gekauft

haben.

Den Ländern im Süden Europas wird vorgeworfen, sie seien

nicht mehr wettbewerbsfähig. Also verordnen Merkel, der

französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Co. den

Menschen dort eine Schrumpfkur für die Löhne, wie sie die

Welt seit den Zeiten der Weltwirtschaftskrise Anfang der

1930er-Jahre nicht mehr gesehen hat. In Griechenland, Spanien,

Italien und anderen Staaten gehen die verzweifelten

Menschen auf die Straße.

Muss Deutschland beim Kürzen vorangehen?

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nur wenn in der Bundesrepublik

endlich wieder mehr in die Lohntüte kommt,

kann Europa die Krise überwinden. Das gilt nicht nur für die

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Industrie, sondern

ebenso für die Beschäftigten beim größten Arbeitgeber:

dem Staat.

Die Politiker wollen uns weismachen, Bund und Kommunen

müssten sparen und könnten sich keine höheren Gehälter

leisten.

Dabei ist die öffentliche Armut hausgemacht: Sie ist Folge

einer falschen Steuerpolitik, die Unternehmen und Reiche

entlastet und den Steuersenkungswettlauf in Europa mit

angestachelt hat.

Dieser perversen Logik wollen sich die Beschäftigten nicht

länger beugen!

Gerade Erzieherinnen und Sozialarbeiter bekommen in ihrem

Arbeitsalltag das hässliche Gesicht steigender Armut in

Deutschland tagtäglich zu sehen.

Trotz ihrer hohen Verantwortung, ihrer gesellschaftlich

enorm wichtigen Arbeit gehören sie zu den Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmern in der Bundesrepublik, die mies

bezahlt werden.

Wenn sie jetzt für ihre eigenen Interessen auf die Straße

gehen, brauchen sie kein schlechtes Gewissen zu haben.

Sie kämpfen für eine gerechtere Verteilung des Reichtums

in Deutschland und eine fairere Krisenbewältigung in

Europa.

Ilse Schaad,

GEW-Verhandlungsführerin

E&W Extra | Februar 2012


INHALT

3

Mi tg l i ede r

werben

Mitglieder

Inhalt

Seite 15

Thema: Tarifrunde 2012

GEW-Kommentar:

Warum das Land ein sattes Lohnplus braucht:

„Kräftiger Schluck aus der Pulle“ Seite 2

Impressum Seite 3

Kita-Fachkräfte:

Mehr Geld in die Lohntüte! Seite 4

Interview mit Stefan Sell zum Arbeitsplatz Kita:

„Masse darf nicht auf Kosten der Qualität gehen“ Seite 7

Kommunale Finanzen:

Ausweg: Steuern erhöhen! Seite 9

Tarifrunde 2012:

Worum es geht und wie es funktioniert Seite 11

GEW-Kommentar:

Kitafachkräfte besser entlohnen:

„Politik reagiert mit ADHS“ Seite 14

Antrag auf Mitgliedschaft Seite 15

Mitmachen lohnt sich … Seite 16

Titel: Werbeagentur Zimmermann

I M P R E S S U M

E&W Extra: „Tarifrunde“

Herausgeber:

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Hauptvorstand

Postfach 900409

60444 Frankfurt am Main

Telefon (069) 78973-0

Telefax (069) 78973-103

www.gew.de

Verantwortlich: Helga Haas-Rietschel

Postanschrift der Redaktion: Reifenberger Straße 21, 60489 Frankfurt a. M.,

Gestaltung:

Werbeagentur Zimmermann, Heddernheimer Landstraße 144, 60439 Frankfurt

Foto: imago

Februar 2012

E&W Extra wird auf 100 Prozent chlorfrei gebleichtem Altpapier gedruckt. ISSN 0342-0671

E&W Extra | Februar 2012


4 TARIFRUNDE

Mehr Geld

in die Lohntüte!

// Die Kommunen suchen händeringend

nach Erzieherinnen.

Der Krippen-Ausbau steigert die

Nachfrage enorm. Nur mit einem

besseren Einkommen gewinnt

der Beruf an Attraktivität. //

Als Heidi H. Anfang der 1980er-Jahre

ihre Ausbildung an der Pädagogischen

Schule „Friedrich Fröbel“ im thüringischen

Weida absolvierte, hießen Erzieherinnen

noch Kindergärtnerinnen.

„Die Arbeit war damals überschaubar;

es ging vor allem um Betreuung“, erinnert

sich die 48-Jährige. Und heute?

„Heute sind wir vieles: Erzieherinnen,

Betreuerinnen, Pädagoginnen und Erziehungsberaterinnen

für die Eltern.

Wir müssen die Lernfortschritte der

Kinder in Lerntagebüchern dokumentieren

und bilden uns regelmäßig fort.“

Der Anspruch an den Beruf ist in den

vergangenen Jahren enorm gewachsen,

stellt auch Stephanie P. aus Frankfurt

am Main fest. „Mütter und Väter erwarten

nicht nur eine Betreuung ihrer Kinder,

sondern auch eine Lernförderung.“

Stephanie P. arbeitet in einer Kita, die

von behinderten und nichtbehinderten

Kindern besucht wird.

Anforderungen steigen

Keine Frage: Die Anforderungen sind

gestiegen. Ein Beispiel unter vielen:

Über ein Bundesprogramm zur Sprachförderung

an Kitas werden derzeit verstärkt

Pädagoginnen eingestellt, die Zusatzqualifikationen

mitbringen. In das

Programm, das sich an Kitas mit einem

überdurchschnittlich hohen Anteil von

Kindern mit Sprachförderbedarf richtet,

sollen bis 2014 rund 400 Millionen Euro

fließen. Bis zu 4000 Kitas werden davon

profitieren. Die GEW hat darauf gedrungen,

dass die zusätzlichen Fachkräfte

für Sprachförderung als „Erzieherinnen

mit schwierigen Tätigkeiten“ eingruppiert

werden. Die höhere Qualifikation

schlägt sich in diesem Fall in mehr Gehalt

nieder. „Die Kolleginnen und Kollegen

werden nach dem Tarifvertrag für

den öffentlichen Dienst (TVöD) in S 8

eingruppiert. Sie verdienen, wenn man

zugrunde legt, dass pro Kita eine halbe

Stelle zur Verfügung steht, je nach Gehaltsstufe

zwischen 50 und 200 Euro

mehr als andere Erzieherinnen“, erläutert

der Referent für Jugendhilfe und

Sozialarbeit beim GEW-Hauptvorstand,

Bernhard Eibeck.

Unverkennbar ist auch der gestiegene

Personalbedarf. Vor allem im Krippenbereich

steigt die Nachfrage nach

Fachkräften. Bundesweit werden nach

Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts

(DJI) im August 2013, wenn der

Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz

für unter Dreijährige in Kraft tritt,

zusätzlich zehntausende Fachkräfte

in Kindertageseinrichtungen benötigt.

Auf annähernd 25 000 Arbeitskräfte

beziffert das Institut den zusätzlichen

Bedarf in den Folgejahren. Das sei nur

mit einem deutlichen Ausbau der Ausbildungskapazitäten

zu schaffen, erklärt

der Tarifsekretär der hessischen GEW,

Rüdiger Bröhling.

„Der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern

hat in den zurückliegenden

Jahren bereits zu einer Zunahme der

Ausbildungsangebote geführt“, berichtet

GEW-Vorstandsmitglied Norbert

Hocke. Neue Ausbildungsstätten

würden wie Pilze aus dem Boden

schießen. Oft aber handele es sich um

Bildungsträger, die bislang kaum oder

keine päda gogischen Bildungsgänge

im Angebot hatten und deren Qualität

schlecht zu überprüfen sei. „Die Ausbildungslandschaft

zerfasert“, kritisiert

der Kita-Experte. Von der Akademisierung

des Berufes werde zudem in

Zukunft möglicherweise nur ein kleiner

Teil der Kolleginnen und Kollegen

profitieren, befürchtet er. Vor allem

Leitungsstellen würden mit Bachelor

(BA)-Absolventinnen und -Absolventen

mit dem neuen Abschluss „Kindheitspä-

E&W Extra | Februar 2012


TARIFRUNDE

5

Kampagne „Profis für die

Kita“ gestartet

In Berlin ist am 14. Februar der

Startschuss für die Schülerkampagne

„Profis für die Kita“ unter

Federführung der Bundesarbeitsgemeinschaft

der Freien

Wohlfahrtspflege gefallen, die

Jugendliche für den Erzieherberuf

begeistern soll. Bereits 2011 hatte

der „Runde Tisch Gewerkschaften

und Berufsverbände“, an dem die

GEW aktiv beteiligt ist, für Erzieherinnen

mit Unterstützung des

Bundesministeriums für Familie,

Senioren, Frauen und Jugend die

Initiative „Profis für die Kita“ gestartet

(s. E&W 3/2011).

Unterbezahlt, unterbewertet: Das muss

endlich aufhören! Die Gewerkschaften ver.di,

GEW sowie die Gewerkschaft der Polizei (GdP)

fordern in den Tarifverhandlungen mit Bund

und kommunalen Arbeitgebern 6,5 Prozent,

mindestens aber 200 Euro mehr Gehalt pro

Monat. In dieser Tarifrunde geht es um das

Einkommen von mehr als zwei Millionen

Beschäftigten. Im Organisationsbereich

der GEW gehören Erzieherinnen und

Erzieher in kommunalen Einrichtungen,

Lehrkräfte an Bundeswehrfachschulen,

an kommunalen

Schulen in Bayern und

Volkshochschulen sowie

Beschäftigte an Forschungseinrichtungen

des Bundes dazu.

Foto: imago

dagoge“ besetzt. Im Gruppendienst, so

befürchtet Hocke, bestünde die Gefahr,

dass die an Fachschulen ausgebildeten

Erzieherinnen und Erzieher die normalen

Alltagstätigkeiten verrichten und für

die frühkindliche Bildung BA-Kräfte eingesetzt

werden. Hocke warnt deshalb

vor einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft im

Erzieherberuf“.

Stephanie P. verdient vergleichsweise

gut. Weil sie Zusatzqualifikationen hat,

erhält sie einen Zuschlag zum üblichen

Erzieherinnengehalt. Die Realität für das

Gros der Frühpädagogen ist jedoch eine

andere: Nach den tariflichen Regelungen

für den Sozial- und Erziehungsdienst

der Kommunen haben Erzieherinnen

und Erzieher bei einer vollen Stelle ein

Einstiegsgehalt von 2090 Euro brutto im

Monat. Das nach 15 Jahren erreichbare,

höchstmögliche Gehalt beträgt 2930

Euro. Laut der GEW-Studie „Wie geht’s

im Job“ sind lediglich knapp 20 Prozent

der Erzieherinnen und Erzieher mit der

Höhe ihres Einkommens zufrieden.

Demgegenüber stehen eine vergleichsweise

hohe Motivation und Identifikation

mit dem Beruf. So bewerten rund 77

Prozent die Arbeitsbeziehungen zu den

Kolleginnen und Kollegen positiv, drei

Viertel der Befragten sind der Ansicht,

dass sie ihr Wissen und Können im Beruf

voll einsetzen können. Der hohe Grad

an Zufriedenheit fußt auf einer sogenannten

intrinsischen Motivation, d. h.

die Beschäftigten üben die Tätigkeit in

E&W Extra | Februar 2012


6 TARIFRUNDE

erster Linie um ihrer selbst willen aus,

erläutert der Sozialwissenschaftler Falko

Trischler vom Internationalen Institut

für Empirische Sozialforschung (INIFES),

der in einer Studie die Arbeitsmotivation

von Erzieherinnen und Erziehern untersucht

hat.

Reallohnverlust: fünf Prozent

Dennoch: Mehr Geld in der Lohntüte

wäre gut, meint Heidi H. Die Inflation

habe den geringen Anstieg der Gehälter

vergangener Jahre aufgefressen.

Die Verhandlungsführerin der GEW

bei der bevorstehenden Tarifrunde für

den öffentlichen Dienst bei Bund und

Kommunen, Ilse Schaad, beziffert den

Reallohnverlust der Erzieherinnen und

Erzieher seit dem Jahr 2000 auf rund

fünf Prozent. „Die Arbeitgeber fordern

immer mehr, doch geben nicht mehr“,

kritisiert Stephanie P. Natürlich wäre ein

Gehaltsplus schön, formuliert sie ihre

Erwartung an die bevorstehende Tarifrunde.

Möglichen Arbeitskämpfen sieht

sie optimistisch entgegen – beim letzten

großen Kita-Streik 2009 wurde ihre Einrichtung

einige Wochen bestreikt.

Ihre Kolleginnen und Kollegen mit abgeschlossenem

Hochschulstudium hätten

gerne noch etwas anderes: eine ih rer

Qualifikation angemessene Entlohnung.

Doch: Einen Anspruch auf höhere Eingruppierung

aufgrund eines Diplom-

Zeugnisses oder eines Bachelor gibt

es nicht. „Da sind die kommunalen Arbeitgeber

seit jeher knallhart“, sagt Ilse

Schaad. „Für die Arbeitgeber ist die Tätigkeit

eben nicht mehr wert und auf die

Qualifikation kommt es nicht an.“ Die

Tarifexpertin fügt hinzu: „Selbst wenn

die Kultusminister beschließen würden,

alle Erzieherinnen und Erzieher müssen

einen Bachelor-Abschluss haben, hieße

das noch lange nicht, dass die Tätigkeit

besser entlohnt wird.“ Für die Zukunft

erwartet Schaad deshalb „harte Auseinandersetzungen“

mit den öffentlichen

Arbeitgebern.

Jürgen Amendt,

Redakteur „Neues Deutschland“

Daten und Fakten

Weibliche Domäne

Nach wie vor ist der Anteil männlicher Beschäftigter in Kitas gering. Nur rund

drei Prozent sind Männer.*

Unterdurchschnittliche Bezahlung

Mit knapp 1400 Euro monatlich liegt das Nettoeinkommen von Erzieherinnen

und Erziehern über alle Beschäftigungsbereiche hinweg knapp 200 Euro unter

dem Einkommen der Erwerbstätigen insgesamt. Der Nettoverdienst ist damit

ähnlich niedrig wie in anderen Berufen im Bereich Soziales und Gesundheit

mit hohem Frauenanteil. Deutlich mehr verdienen dagegen die Beschäftigten

in der Banken- und Versicherungsbranche (knapp 1900 Euro). ***

Kleine Kinder, kleines Gehalt

Nach wie vor gilt: Wer kleine Kinder erzieht, betreut oder mit ihnen lernt, erhält

eine formal geringer qualifizierende Ausbildung und weniger Geld als jemand,

der mit älteren Kindern oder Jugendlichen arbeitet. Eine Erzieherin erreicht

gemäß Entgeltordnung des öffentlichen Dienstes der Kommunen (TVöD) nach

15 Jahren Berufserfahrung die höchste Entgeltstufe und verdient dann 2930

Euro im Monat (Vollzeitstelle). Zum Vergleich: Ein Studienrat an einem Gymnasium

bekommt mit abgeschlossenem Hochschulstudium und Referendariat je

nach Bundesland ein Anfangsgehalt zwischen rund 3000 und 3700 Euro.

Geringer Migrantenanteil

Obwohl an den Kitas der Anteil der Menschen aus Einwandererfamilien steigt

(2008 hatten 19 Prozent der Gesamtbevölkerung einen Migrationshintergrund**),

stammen nur 8,2 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher aus einer

Einwandererfamilie.* Unter den Kinderpflegerinnen gibt es 14 Prozent mit

ausländischen Wurzeln, bei den Erzieherinnen sind es 7,6 Prozent.**

Akademisierung des Berufs

30 Prozent der Beschäftigten haben Fachhochschulreife oder allgemeines

Abitur, bei den unter 35-jährigen Erzieherinnen und Erziehern liegt die Quote

bei 37 Prozent.***

Von den knapp 350 000 Beschäftigten in diesem Berufsfeld haben derzeit

kaum mehr als 2000 eine Hochschulausbildung. Den ersten grundständigen

Studiengang für Erzieherinnen und Erzieher gibt es seit 2004 an der Alice-

Salomon-Hochschule (ASH) in Berlin (Studiengang „Erziehung und Bildung im

Kindesalter – Bachelor of Arts“). Bundesweit existiert derzeit nur ein halbes

Dutzend ähnlicher Studiengänge. Die Suche auf einschlägigen Portalen wie

www.weiterbildungsinitiative.de fördert zwar eine Vielzahl von Hochschulen

zutage, die Studiengänge im frühpädagogischen Bereich anbieten. 80 bis

90 Prozent der Ausbildungsgänge sind jedoch Weiterbildungen.

Das Gros der Hochschulabsolventen bleibt nicht als Erzieherin in Kita, Hort oder

ähnlichen Einrichtungen tätig. Erzieherinnen mit Hochschulausbildung werden

für Führungspositionen gesucht oder sind in der Fachberatung beschäftigt. Bedarf

an akademisch geschulten Erzieherinnen herrscht laut Norbert Hocke auch

an den Hochschulen. „Derzeit wird die universitäre Ausbildung der Erzieherinnen

und Erzieher mangels Personal oft von Grundschulpädagogen mit erledigt.“

Fast die Hälfte der bereits im Beruf stehenden Erzieherinnen und Erzieher

(48 Prozent) zeigt sich bereit, ein berufsbegleitendes Studium zu beginnen, bei

den Jüngeren (unter 30 Jahre) waren es sogar 62 Prozent.****

In Modellversuchen werden an der Universität Bremen und der Pädagogischen

Hochschule Ludwigsburg (Baden-Württemberg) Erzieherinnen und

Grundschullehrkräfte gemeinsam ausgebildet. J. A.

Mitdiskutieren

www.gew.de/

EundW.html

* Mikrozensus 2010 ** Statistisches Bundesamt *** Sonderauswertung

des Mikrozensus’ der GEW 2010 **** GEW-Kita-Studie „Wie geht’s im Job?“

E&W Extra | Februar 2012


TARIFRUNDE

7

„Masse darf nicht auf

Kosten der Qualität gehen“

// Interview mit dem Sozialwissenschaftler

Stefan Sell zum Arbeitsplatz Kita //

E&W: „Herr Sell, sind Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas

die heimlichen Ingenieure Deutschlands – also jene Fachkräfte,

die händeringend gesucht, aber angeblich nicht ausreichend

vorhanden sind?

Stefan Sell: Ja und nein. Es gibt einerseits in diesem Bereich

einen ständig steigenden Bedarf an Fachkräften, der in Teilen

nicht gedeckt wird. Das betrifft vor allem Ballungsgebiete und

Großstädte. München hat schon Werbekampagnen geschaltet

und lockt mit einer besseren Bezahlung. In ländlichen Räumen

ist man hingegen froh, wenn für eine Gruppe noch 15

Kinder zusammenkommen.

E&W: Salopp gesagt, herrscht in den Städten Mangel und auf

dem Land Personalüberschuss?

Sell: Es sind vor allem die Städte, in denen die Nachfrage

steigt. Wir haben das in Rheinland-Pfalz gesehen, wo wir eine

Untersuchung zum künftigen Bedarf gemacht haben. Interessant

ist aber: Wenn man die Menschen nach ihren Wünschen

fragt, ergibt sich, dass Eltern in ländlichen Regionen

ihre Jüngsten gern in einer Krippe unterbringen würden. Aber

das Angebot ist nun mal im Wetteraukreis in Hessen geringer

als in Berlin oder Hamburg. Zahlreiche Kommunen haben sich

zurückgehalten, zusätzliche Plätze zu schaffen.

E&W: Heißt das, es gibt einen verdeckten Mangel an Plätzen

und an Personal auf dem Land?

Sell: Absolut.

E&W: Und was passiert, wenn Mütter und Väter, die auf dem

Land wohnen, ihr Recht auf einen Krippenplatz doch ab August

2013 einfordern?

Sell: Wir stehen in den westlichen Bundesländern generell vor

dem Problem, dass die auf dem Krippengipfel beschlossene

Zielgröße von 35 Prozent an Plätzen der Nachfrage nicht gerecht

wird. Ja, sie wird in vielen Regionen noch nicht einmal

erreicht (s. E&W 10/2011). Die Spitzenverbände werden versuchen,

lange Übergangszeiten durchzusetzen. Ich befürchte

zudem, dass das Krippen-Angebot qualitativ so schlecht werden

könnte, dass die Eltern ihren zwei- oder einjährigen Nachwuchs

lieber zu Hause betreuen.

E&W: Wie das?

Sell: Zweijährige brauchen einen viel höheren Betreuungsschlüssel

als Fünf- oder Sechsjährige, sie brauchen „Bezugserzieher“.

Zurzeit sind jedoch alle Kräfte darauf gerichtet,

das geforderte Quantum beim Krippenausbau zu erreichen.

Dabei besteht die Gefahr, dass bei begrenzten Mitteln Masse

auf Kosten der Qualität geht. Es ist fahrlässig, dass wir den

quantitativen Ausbau nicht abgesichert haben mit klaren, verbindlichen

Personalstandards.

E&W: Im Osten betreut eine Krippenerzieherin fast überall

mehr Kinder als in den westlichen Bundesländern, nämlich

mindestens sechs. Sind diese Relationen auch im Westen zu

erwarten?

Sell: Ja, wenn nicht durch klare Vorgaben Personalschlüssel

festgeschrieben werden, droht eine Absenkung des Standards.

E&W: Ist es bedenklich, wenn auf sechs Kinder eine Erzieherin

kommt?

Sell: Aus fachwissenschaftlicher Sicht sind solche Zustände

für die Kleinsten eindeutig zu schlecht.

E&W: Sie plädieren aber für einen pragmatischen Umgang

mit dem absehbaren Fachkräftemangel. Was heißt in diesem

Zusammenhang pragmatisch?

Sell: Die Personalschlüssel in den meisten Krippen sind nicht

akzeptabel, wir brauchen deutlich mehr Personal. Aber: Bereits

der Ausbau zu den bestehenden Bedingungen wird zu einem

Fachkräftemangel führen. Pragmatisch zu sein bedeutet,

zu überlegen, wie der Ausbau quantitativ gelingt, ohne dass

die Bedingungen sich verschlechtern.

E&W: Wie bekommt man das hin?

Sell: Man muss nicht nur mehr Menschen für die Erzieherausbildung

gewinnen, sondern ausgebildete Erzieherinnen im

Job halten. In unserer Studie sind wir auf etwas gestoßen, das

Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik

und Sozialwissenschaften an der FH Koblenz, Campus Remagen.

Er leitet das Institut für Bildungs- und Sozialpolitik.

Foto: privat

E&W Extra | Februar 2012


8 TARIFRUNDE

Foto: imago

In den ersten zwei bis drei Berufsjahren steigen bis zu 20 Prozent der Erzieherinnen und Erzieher aus dem Beruf aus.

Der Grund: unsichere und prekäre Arbeitsverhältnisse.

uns schockiert hat: Wir haben festgestellt, dass von jenen, die

eine Erzieherausbildung machen, in den ersten zwei bis drei

Berufsjahren bis zu 20 Prozent aus dem Beruf aussteigen.

E&W: Weshalb?

Sell: Viele sind weggegangen, weil sie am Anfang ihrer Berufstätigkeit

mit unsicheren prekären Arbeitsverhältnissen konfrontiert

waren: befristeten Teilzeitverträgen etwa (s. E&W

2/2011). Junge Kolleginnen werden häufig als zeitweiser Ersatz

für etwas ältere Kolleginnen eingestellt.

E&W: Auf den Anfang kommt es also an?

Sell: Genau. Allein durch einen besseren Einstieg könnten wir

vielleicht 15 Prozent mehr Erzieherinnen im Beruf halten. Wir

konnten nachweisen, dass die, die einen guten Start hatten,

langfristig in den Einrichtungen geblieben sind.

E&W: Heißt das auch, mehr Vollzeitstellen zu schaffen?

Sind Erzieherinnen arm?

Viele Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, die nur

eine Teilzeitbeschäftigung haben, erzielen ein so geringes

Einkommen, dass sie ihren Lebensunterhalt damit

nicht bestreiten können. Nur 65 Prozent der Beschäftigten,

die weniger als 21 Stunden arbeiten, reicht das Einkommen

zur Existenzsicherung. Bei denjenigen, die bis

zu 34 Stunden arbeiten, sind es 82 Prozent. Davon sind

besonders alleinerziehende Erzieherinnen betroffen.

Quelle: Bernhard Eibeck/Jennifer Kronz: Kein Auskommen mit

dem Einkommen, in: TPS-Theorie und Praxis der Sozialpädagogik,

Heft 10/2011, herausgegeben von der Bundesvereinigung Evangelischer

Tageseinrichtungen für Kinder, Friedrich Verlag, Velber

Sell: Viele Erzieherinnen arbeiten freiwillig Teilzeit. Aber eine

gar nicht kleine Gruppe würde gern die Arbeitszeit aufstocken.

Man könnte zusätzliche Kapazitäten gewinnen, wenn

man Stunden erhöht.

E&W: Viele Länder stocken die Zahl der Ausbildungsplätze

auf. Reicht das, um künftig genug Fachkräfte zu gewinnen?

Sell: Da man Erzieherinnen und Erzieher nicht auf Knopfdruck

produzieren kann, sondern die Ausbildung bis zu fünf Jahre

dauert, wird es zu einem mehrjährigen Übergangskorridor kommen.

Deshalb muss man alle geeigneten Möglichkeiten nutzen.

E&W: Was meinen Sie damit?

Sell: Wir bräuchten in starkem Maße mehr Quereinsteiger

aus anderen Berufen.

E&W: Heißt das, mehr Hilfskräfte in die Kitas?

Sell: Eine Öffnung nach unten bedeutet, auch un- und angelernten

Kräften die Chance zu geben, in den Beruf einzusteigen

und sich in multiprofessionelle Teams einzufügen. Es gibt auch

in Kitas Tätigkeiten, für die muss man nicht studiert haben. In

Schweden oder Frankreich sind in den Einrichtungen neben akademisch

qualifizierten Frühpädagogen viele Hilfskräfte tätig, die

noch nicht einmal die Qualifikation einer Kinderpflegerin haben.

E&W: Das ist ein sehr gefährlicher Vorschlag. Wahrscheinlich

würden die Kommunen und freien Träger hier mit Kusshand

auf Hilfskräfte zurückgreifen, diese im regulären Betrieb einsetzen,

aber schlechter bezahlen.

Sell: Das stimmt, wir dürfen keine Verschlechterung durch die

Hintertür zulassen. Ich plädiere für eine Öffnung nach unten

ausschließlich nur dann, wenn sie eingebettet ist in eine verbindliche

Qualifizierungsstrategie und gleichzeitig die Personalschlüssel

erhöht werden.

Interview: Anna Lehmann,

taz-Redakteurin

E&W Extra | Februar 2012


TARIFRUNDE

9

Ausweg: Steuern erhöhen

// Die Kommunen klagen über

große Finanzierungslücken und

wachsende Schuldenberge. Steuersenkungsprogramme

des Bundes

bescheren ihnen zusätzliche

Einbußen. Was tun? Der Beitrag

zur Finanzlage der Kommunen

zeigt, warum diese in der Tarifrunde

trotz guter Konjunktur und

sprudelnder Steuerquellen ein

hartleibiger Gegner sein werden.

Doch die vielfach unzureichende

Kassenlage ist politisch

verursacht und gewollt. Die

hieraus erwachsenden Probleme

dürfen nicht auf dem Rücken

der Beschäftigten ausgetragen

werden. //

Was kann ein Lehrer, der es zum Schulrat

und schließlich zum Schulamtsdirektor

gebracht hat, noch werden?

Beispielsweise Oberbürgermeister von

Offenbach am Main, wie Horst Schneider.

Der SPD-Politiker hatte einst

Deutsch und Sozialkunde studiert. Für

die Funktion an der Spitze der Stadtverwaltung

sind aber vor allem auch

seine Rechenkünste gefragt. Schließlich

befindet sich Offenbach „in einer miserablen

finanziellen Lage“, wie Schneider

Anfang des Jahres zum Start in seine

zweite Amtszeit freimütig bekannte.

Die mit rund 120 000 Einwohnern

fünftgrößte Kommune Hessens steht

beispielhaft für die Situation in zahlreichen

deutschen Städten und Gemeinden.

Vielerorts klaffen in den Haushalten

große Finanzierungslücken, die

Schuldenberge wachsen. Doch in den

allermeisten Fällen ist dies nicht Folge

fehlender Disziplin bei den Ausgaben.

Die wesentliche Ursache besteht darin,

dass die Politik in Bund und Ländern

den Kommunen immer mehr Aufgaben

aufhalst, ohne ihnen entsprechende

Einnahmen zuzubilligen. Stattdessen

bescheren ihnen Berliner Steuersenkungsprogramme

zusätzliche Einbußen.

Offenbach steckt schon seit Jahren in

der Klemme. Die einstige Industrieund

Arbeiterstadt im Osten Frankfurts

wurde durch die wirtschaftlichen und

sozialen Umbrüche der vergangenen

Jahrzehnte besonders gebeutelt. Großbetriebe

aus den Branchen Chemie oder

Metall machten dicht, tausende Arbeitsplätze

gingen verloren. Die Folge:

Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer

schrumpften, während die Transferleistungen

an bedürftige Menschen stiegen.

Und nicht zuletzt geht die Integration

der Ausländer und eingebürgerten

Migranten, die zusammen mehr als 40

Prozent der Einwohner stellen, ins Geld.

An Sparanstrengungen in der Verwaltung

mangelt es nicht. „Wir haben die

niedrigsten Personalkosten pro Einwohner

unter den hessischen Kommunen

und die niedrigsten Sachkosten gemessen

an der Bevölkerungsgröße“, sagt der

Oberbürgermeister. Gleichwohl kommt

die Stadt auf keinen grünen Zweig.

Mehr als 600 Millionen Euro Schulden

sind bereits aufgelaufen. Demnächst

dürften sie, auch wegen des kostspieligen

Umbaus der Städtischen Klinik, auf

eine Milliarde steigen. Für dieses Jahr

wird mit einem Defizit von 86 Millionen

Euro gerechnet, bei Ausgaben von 385

Millionen. „Rund 97 Prozent der Gelder

aus dem Stadtsäckel fließen in Pflichtleistungen,

die der Gesetzgeber in Bund

und Land der Art und Höhe nach festgelegt

hat“, betont Kämmerer Michael Beseler.

Schneiders Fazit lautet denn auch:

„Offenbach kann sich nicht weiter aus

seiner Strukturkrise heraussparen – wir

müssen in einer Generationenaufgabe

aus der Krise herauswachsen.“

Einnahmeausfälle der Gemeinden durch Steueränderungen seit 1998

0

–2

–4

–6

–8

–10

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

–0,6 Mrd.

Euro

–3,1 Mrd.

Euro

–1,4 Mrd.

Euro

–2,7 Mrd.

Euro

–1,6 Mrd.

Euro

–2,6 Mrd.

Euro

–1,6 Mrd.

Euro

–2,3 Mrd.

Euro

Senkung der Einkommen- und Unternehmensteuer

(letzte Stufe 2005), rot-grüne Bundesregierung

–3,6 Mrd.

Euro

Konjunkturpakete, Große Koalition (2009 und 2010),

„Wachstumsbeschleunigungsgesetz“, schwarz-gelbe Bundesregierung (2010)

Quelle: BMF, Berechnungen Eicker-Wolf/Truger

–5,7 Mrd.

Euro

–8,1 Mrd.

Euro

–8,6 Mrd.

Euro

–7,7 Mrd.

Euro

–6,5 Mrd.

Euro

E&W Extra | Februar 2012


10 TARIFRUNDE

Foto: imago

Ähnlich mies oder noch schlechter geht

es Kommunen wie Oberhausen, Magdeburg

oder Wuppertal. Die Stadt mit

der berühmten Schwebebahn steht

mit 1,6 Milliarden Euro in der Kreide.

„Dabei kann man uns nicht vorwerfen,

dass wir nicht eisern gespart haben“,

sagt Kämmerer Johannes Slawig. Schulen

und Bäder wurden geschlossen, das

Schauspielhaus musste den Betrieb einstellen.

So trübe sieht es aber keineswegs überall

aus. Gemeinden, die sich auf zahlungskräftige

Betriebe und Einwohner

stützen können, kommen ohne größere

Probleme über die Runden. Düsseldorf

und Dresden etwa konnten durch den

allerdings höchst umstrittenen Verkauf

von Vermögenswerten wie Energiebeteiligungen

oder Wohnungen ihre

Schulden weitgehend abbauen. Insgesamt

hat sich die Kassenlage im Zuge

des Konjunkturaufschwungs zuletzt

erheblich günstiger entwickelt als zunächst

befürchtet. Im vergangenen

Jahr dürfte das Defizit aller Kommunen

bei drei Milliarden Euro gelegen haben.

2010 waren noch 7,7 Milliarden „Miese“

verbucht worden. Der kräftig geschrumpfte

Saldo zwischen Einnahmen

und Ausgaben ist vor allem auf stärkere

Zuflüsse aus der Gewerbe- und Einkommensteuer

zurückzuführen.

Doch von Entwarnung kann keine Rede

sein. „Die Finanzlage vieler Städte ist

immer noch sehr angespannt“, meint

der Präsident des Deutschen Städtetags,

der Münchner Oberbürgermeister

Christian Ude (SPD). Sein Hauptgeschäftsführer

Stephan Articus stellt

fest: „Die Schere zwischen armen und

reichen Städten geht weiter auf.“ Der

Grad der Schieflage lässt sich an der

Entwicklung der Kassenkredite ablesen.

Ihr Volumen kletterte im vergangenen

Jahr auf die Rekordhöhe von mehr als

44 Milliarden Euro. Eigentlich sollen diese

Bankdarlehen nur helfen, kurzfristige

Engpässe zu überbrücken. Vor allem

strukturschwache Kommunen nutzen

sie inzwischen jedoch notgedrungen als

ständiges Finanzierungsinstrument.

Keine verlässlichen Einnahmen

Nicht zuletzt die Explosion der Kassenkredite

weist auf das grundlegende

Problem hin: Den Kommunen mangelt

es an ausreichenden, verlässlichen

Einnahmequellen. Sie sind schlicht

„unterfinanziert“ und „dem Spiel von

Bund und Ländern ausgesetzt“, sagt

Kai Eicker-Wolf, Wirtschaftsexperte

beim DGB Hessen. Durch die diversen

Steuersenkungen seit 1998 seien allen

Gebietskörperschaften allein im vergangenen

Jahr rund 50 Milliarden Euro

Einnahmen entgangen.

Diese politischen Entscheidungen trafen

die Kommunen besonders hart.

Denn gleichzeitig sahen sich die Kämmerer

einem dramatischen Anstieg der

Sozialausgaben gegenüber. Mit rund

45 Milliarden Euro lagen sie zuletzt

um mehr als 70 Prozent über dem Niveau

des Jahres 2000. Demgegenüber

nahmen die Personal- und Sachausgaben

nur mäßig zu, zumal in vielen

Städten und Gemeinden bereits seit

langem der Rotstift regiert. Er traf vor

allem auch die Investitionen in die Infrastruktur

wie etwa Schulen. Sie erreichten

2011 noch nicht einmal das

Klamme Kommunen – arme Erzieherinnen und Erzieher: Beides muss sich ändern.

ohnehin schon niedrige Volumen von

2001. Dieses Bremsmanöver ist fatal.

Denn die Kommunen stehen für rund

60 Prozent aller öffentlichen Investitionen,

die wiederum entscheidende

Voraussetzungen für das Wirtschaftswachstum

sind.

Was tun? Einige Bundesländer haben

inzwischen sogenannte Entschuldungsfonds

eingerichtet. Sie sollen mit Geldspritzen

helfen, die ärmsten Kommunen

vor dem Kollaps zu bewahren. Nordrhein-Westfalen

will dafür insgesamt

5,8 Milliarden Euro locker machen. Im

Gegenzug müssen die Empfänger einen

„klaren Sanierungskurs einschlagen“.

In Rheinland-Pfalz gibt es wegen des

Fonds schon mächtig Ärger: Er soll zum

Teil aus dem kommunalen Finanzausgleich

gespeist werden, geht also auf

Kosten der weniger armen Kommunen.

Diktat der Schuldenbremse

Die Fonds mögen die Probleme lindern,

lösen können sie sie nicht. Für

Achim Truger, den Finanzexperten des

gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie

und Konjunkturforschung

(IMK), führt denn auch kein Weg an

Steuererhöhungen vorbei: „Der Staat

braucht zusätzliche Einnahmen.“ Wenn

nichts geschehe, müssten die Länder

unter dem Diktat der Schuldenbremse

ihre Ausgaben bis 2020 um 13 bis 14

Prozent kappen. Dabei könnten sie versucht

sein, die Last der Anpassung teilweise

auf die Kommunen zu schieben.

Eicker-Wolf spricht sich unter anderem

dafür aus, die den Ländern zustehende

Vermögensteuer wiederzubeleben. Zudem

solle die Gewerbesteuer durch den

Einbezug von Freiberuflern und Selbständigen

„verstetigt“ werden.

Auch bei den Sozialausgaben ist Handeln

erforderlich. Zwar springt der Bund

jetzt bei der Grundsicherung im Alter

ein und entlastet damit die Kommunen.

Roland Schäfer, dem Präsidenten des

Deutschen Städte- und Gemeindebundes,

reicht dies aber nicht: „Wir müssen

eine neue Art der Finanzierung der

Sozialausgaben finden.“ Das wäre wohl

ganz im Sinne von Oberbürgermeister

Schneider und seinen Kollegen.

Mario R. Müller,

freier Journalist

E&W Extra | Februar 2012


TARIFRUNDE

11

Tarifrunde 2012: Worum es

geht und wie sie funktioniert

// In der Tarifrunde 2012 für die

im öffentlichen Dienst bei Bund

und Kommunen Beschäftigten

fordern die Gewerkschaften

6,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens

aber 200 Euro. Sie stehen

damit in einer Reihe mit den

Industriegewerkschaften, die

ihren Schwerpunkt auch auf

eine spürbare Lohnerhöhung

legen. //

Nach mehr als einem Jahrzehnt der

„Lohnzurückhaltung“, also Tarifabschlüssen,

die hinter Inflation und Produktivitätsfortschritt

zurückgeblieben

sind, ist das für die Beschäftigten überfällig

und volkswirtschaftlich sinnvoll.

Die Arbeitgeber, Bund und Kommunen,

haben die Forderung der Gewerkschaften

im Vorfeld der Tarifrunde als überzogen

zurückgewiesen. Es sei kein Geld

da, man müsse sparen. Das Tarifergebnis

wird nun mal nicht durch Gewerkschaftsbeschlüsse

bestimmt, sondern

in freien Verhandlungen mit dem Arbeitgeber

erzielt. Deshalb ist die Dramaturgie

der Verhandlungen von hoher

Bedeutung. Gute Argumente zählen am

Verhandlungstisch oft weniger als der

Druck der Öffentlichkeit und der Beschäftigten.

Am 1. März trafen Gewerkschaften und

Arbeitgeber in Potsdam das erste Mal

aufeinander.

Bei den Arbeitgebern

sitzen

dort für den

Bund Vertreter Tarifrunde

des Innen- und

2012

Finanzministeriums

unter

Leitung von Bundesinnenminister

Hans-Peter Friedrich (CSU). Die Gemeinden

einschließlich der Krankenhäuser,

Versorgungsbetriebe und Sparkassen

werden durch die Vereinigung

Kommunaler Arbeitgeberverbände

(VKA) vertreten. Für die Arbeitnehmer

führt ver.di die Verhandlungen.

Die kleineren DGB-Gewerkschaften,

TVöD-Tariferhöhung 2011: Reallohn nicht gehalten

Einmalzahlung 240 Euro im Januar, Tabellenerhöhung 0,6 Prozent ab Januar, 0,5 Prozent ab August

Prozent

3

2

Wirkung

Einmalzahlung

max.

1,6 Prozent

min.

0,6 Prozent*

+ 2,3 Prozent

1

Tabellenerhöhung

+ 0,82 Prozent

+ 1,1 Prozent

* je nach individueller Einkommenshöhe

„volle Jahreswirkung“ 2011:

1,42 – 2,42 Prozent

Erhöhung Dez. 2010

zu Dez. 2011: 1,1 Prozent

Anstieg der Verbraucherpreise

2011: 2,3 Prozent

Grafik: zplusz

Der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst vom März 2010 mit Bund und Kommunen hatte eine Laufzeit von zwei Jahren.

Für 2011 vereinbarten Arbeitgeber und Gewerkschaften eine Einmalzahlung von 240 Euro sowie zwei kleine Entgelttabellenerhöhungen

von 0,6 Prozent ab Januar 2011 und weiteren 0,5 Prozent ab August 2011. Die sogenannte volle Jahreswirkung, die den

gesamten Abschluss (Einmalzahlung plus Tabellenerhöhung) ins Verhältnis zum Jahresentgelt setzt, liegt bei 1,8 Prozent. Diese

Berechnung trifft exakt bei einem durchschnittlichen Einkommen von 2500 Euro (entspricht in etwa Entgeltgruppe 9 Stufe 3) zu.

Bei besseren Einkommen ergibt sich wegen der Einmalzahlung ein niedrigerer Prozentsatz, bei geringeren Einkommen ein höherer.

Das Pro blem: In der nächsten Tarifrunde ist die Einmalzahlung „weg“, sie schlägt sich nicht strukturell in der Entgelttabelle

nieder. Die nächste Erhöhung setzt wieder auf den Tabellenentgelten auf, die gegenüber dem Vorjahr um insgesamt gut

1,1 Prozent angehoben wurden. Das ist nicht einmal halb so hoch wie die Inflationsrate im Jahr 2011!

E&W Extra | Februar 2012


12 TARIFRUNDE

Für wen gilt der TVöD?

Die Tarifrunde im öffentlichen

Dienst bei Bund und Kommunen

hat im laufenden Jahr nach Metall

und Elektro (knapp 3,3 Mio. Betroffene)

die größte Reichweite.

Neben den rund zwei Millionen

Menschen, die beim Bund, bei den

Kommunen sowie der Bundesanstalt

für Arbeit und anderen Sozialversicherungsträgern

arbeiten,

werden viele weitere Beschäftigte

in Anlehnung nach dem Tarifvertrag

für den öffentlichen Dienst

(TVöD) bezahlt. Außerdem folgt

die Besoldung der rund 350 000

Beamtinnen und Beamten beim

Bund und den Sozialversicherungsträgern,

der Bundesrichter

und Soldaten traditionell dem Tarifabschluss

mit dem Bund. Nicht

betroffen sind dagegen kommunale

Beamte, sie werden wie Landesbeamte

besoldet.

Von den GEW-Mitgliedern sind

also vor allem Beschäftigte in

kommunalen Kitas sowie im weiteren

Sozial- und Erziehungsdienst

betroffen. Das Ergebnis der

Tarifrunde gilt aber auch für angestellte

Lehrkräfte an Volkshochund

Bundeswehrfachschulen sowie

den kommunalen Schulen in

Bayern. Darüber hinaus wird der

TVöD zum Beispiel an einigen Forschungseinrichtungen

oder beim

Goethe-Institut angewendet.

Foto: imago

die Mitglieder im öffentlichen Dienst

haben, sind – wie die GEW und die Gewerkschaft

der Polizei (GdP) – an den

Verhandlungen beteiligt. Seit einigen

Jahren wird auch die Tarifunion im

Deutschen Beamtenbund eingebunden.

Mitte und Ende März sind zwei weitere

Verhandlungsrunden angesetzt. Zur

letzten Verhandlungsrunde werden

auch die Tarifkommissionen der beteiligten

Gewerkschaften eingeladen, die

Verhandlungsergebnisse zu bewerten

und einem möglichen Abschluss zuzustimmen

– oder ihn abzulehnen. Die

Tarifkommission der GEW besteht aus

über 60 Delegierten. Die vom TVöD betroffenen

Kolleginnen und Kollegen, die

ehrenamtlich für die GEW tätig sind, haben

die Mehrheit der Stimmen.

Signal für Arbeitgeber

Empfehlen die Gewerkschaftsgremien,

das Ergebnis anzunehmen, werden

alle GEW-Mitglieder befragt, für die

der TVöD gilt. Zwischen den Verhandlungsrunden

beobachten die Arbeitgeber

ganz genau, wie viele Menschen für

die Forderungen der Gewerkschaften

auf die Straße gehen. Wenn sich die

Gewerkschaftsmitglieder nicht an den

Aktionen beteiligen, ist dies für die Arbeitgeber

immer das Signal, dass die

Beschäftigten nicht hinter den Forderungen

stehen.

Sollten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber

nach der dritten Verhandlungsrunde

nicht einigen, gibt es die

Möglichkeit einer Schlichtung. Dabei

sitzt eine dafür gebildete Schlichtungskommission

mehrere Tage unter Leitung

von zwei neutralen Schlichtern

an einem geheimen Ort zusammen.

Sie soll den Tarifparteien eine Lösung

vorschlagen.

Sind die Gewerkschaften mit diesem

Kompromiss nicht zufrieden, rufen sie

ihre vom Tarifvertrag betroffenen Mitglieder

zur Urabstimmung auf: Wer das

Schlichtungsergebnis ablehnt, erklärt

zugleich seine Bereitschaft zu einem

unbefristeten Erzwingungsstreik. Ein

erfolgreicher Streik verbessert die Position

der Gewerkschaften für die Verhandlungen,

die dann wieder aufgenommen

werden. Ein schwacher Streik

stärkt die Position der Arbeitgeber.

Gerade Pädagoginnen und Pädagogen

machen ihren Job aus Überzeugung

und wissen, wie wichtig ihre Arbeit ist.

Deshalb haben sie oft ein schlechtes

Gewissen, wenn sie ihre gesellschaftlich

relevante Tätigkeit aus scheinbar

egoistischen Gründen verweigern und

Kinder, Jugendliche sowie Eltern „hängen

lassen“. Oft kommen Vorwürfe

der Eltern oder Bekannten hinzu, ihr

Streik würde sich gegen „die Falschen“

richten: Lernende und deren Eltern

seien doch nicht für Bezahlung und

Arbeitsbedingungen der Beschäftigten

verantwortlich. Das ist jedoch zu kurz

gedacht.

Natürlich belastet es die Kinder und ihre

Eltern, wenn Erzieherinnen streiken.

Die Bürger leiden aber auch, wenn die

U-Bahn nicht fährt, die Mülltonne nicht

geleert, der Bauantrag nicht bearbeitet

wird, wenn ... ja, wenn man das zu Ende

E&W Extra | Februar 2012


TARIFRUNDE

13

In so lockerer Runde finden Tarifverhandlungen

nicht statt. Tarifgespräche zwischen

Arbeitgebern und Gewerkschaften sind

harte, zähe, oft bis in die Nächte dauernde

Auseinandersetzungen.

Die Gewerkschaften im öffentlichen

Dienst gehen seit jeher verantwortungsvoll

mit dem Streik als Ultima

Ratio um. Notdienstvereinbarungen

zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern

stellen in jedem Fall eine

Grundversorgung sicher. Wenn die öffentlichen

Arbeitgeber ihren Beschäftigten

freiwillig mehr Geld zahlten,

brauchten diese nicht zu streiken. Aber

so sieht die Welt nun einmal nicht aus.

Nur unter dem Druck gewerkschaftlicher

Aktionen und Streiks sind sie dazu

bereit. Das zu erreichen, liegt in der

Hand der Beschäftigten.

denkt, dürfte der öffentliche Dienst eigentlich

gar nicht streiken?!

In der Tat waren solche Vorstellungen

in Deutschland bis in die 1970er-Jahre

weit verbreitet. Heutzutage ist es politisch

wie juristisch unstrittig, dass Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer im

öffentlichen Dienst das gleiche Recht

auf Streik haben wie Beschäftigte in der

Privatwirtschaft.

Oliver Brüchert,

GEW-Tarifkoordinator,

Gesa Bruno-Latocha,

Referentin im GEW-Arbeitsbereich

Angestellten- und Beamtenpolitik

www.gew.de/Tarifrunde_2012.html

Nicht genug Geld,

nicht wertgeschätzt

„Ich bin im Kinderhort als Erzieherin

bei der Stadt Frankfurt am Main angestellt,

eingruppiert nach Entgeltgruppe

8 des Sozial- und Erziehungsdienstes

(SuE). Allerdings arbeite ich

Teilzeit (34 Stunden) und verdiene

2200 Euro brutto im Monat. Davon

bleiben 1500 netto, um mich und

meinen 15-jährigen Sohn über ,Wasser

zu halten‘. Mehr als eine Sozialwohnung

kann ich mir nicht leisten.

Für den verantwortungsvollen Job,

den ich mache, fühle ich mich nicht

wertgeschätzt. Das spiegelt sich im

Verdienst wider. Belastend kommt

hinzu: die knappe Personalsituation

im Hort. Vier Erzieherinnen, außer

der Leitung nur Teilzeitkräfte, betreuen

45 Kinder im Alter von sechs bis

elf. Aber: Fast nie sind alle im Einsatz.

Es ist schon passiert, dass eine Erzieherin

alleine für 45 Kinder zuständig

war. Die Chance, dass man mit diesen

An- und Überforderungen als Erzieherin

bis 67 durchhält, ist relativ gering.

Die Meisten gehen mit Ende 50

in den Ruhestand, weil sie die Arbeit

kör perlich und psychisch nicht mehr

schaffen – mit der Perspektive Altersarmut.“

hari

Foto: Sarah Holze

Karin Röder, 47 Jahre,

gelernte Erzieherin mit Bachelor-

Abschluss in Sozialpädagogik.

E&W Extra | Februar 2012


14 TARIFRUNDE

NORBERT HOCKE

Foto: Kay Herschelmann

„Politik reagiert mit ADHS“

// GEW-Kommentar:

Kita-Fachkräfte besser entlohnen! //

Mütter und Väter, Politik und Gesellschaft, Arbeitergeber und

Wirtschaftsverbände – sie alle haben große Erwartungen und

stellen immense Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher

in Kindertagesstätten.

Die Öffnungszeiten der Einrichtungen sollen flexibel an die

Bedürfnisse der Unternehmen und an die Arbeitszeiten der

Eltern angepasst, die Kinder gut auf die Grundschule vorbereitet

werden, die Pädagogik anregungsreich und das Essen

gesund sein.

Mit ständig neuen Modellprojekten werden Fachkräfte in

den Kitas von einem Thema zum nächsten gehetzt. Mal

geht es um Bewegung und Gesundheit, mal um soziales

Lernen und Werte, mal um Integration und Inklusion, mal

um naturwissenschaftliches Lernen oder um Sprachförderung.

Die Leiterinnen sollen zugleich Mangerinnen und Personalentwickler

sein. Sie sollen Eltern beraten und den Übergang

in die Grundschule gut gestalten.

Von der Politik wird der Ausbau der Krippenplätze für unter

Dreijährige vorangetrieben. Aber die Frage, wo die notwendigen

Fachkräfte herkommen sollen, die sie betreuen, ist nicht

gelöst.

Zunehmend sehen sich Kommunen und Arbeitgeber nicht

mehr in der Lage, mehr Plätze in Tageseinrichtungen zu

schaffen, weil es an Personal mangelt.

Die Politik reagiert mit einem Kinderärzten wohlbekannten

Phänomen: dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS. Die

Fähigkeit, Probleme aufmerksam wahrzunehmen, zu analysieren

und die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist Politikern wohl

abhanden gekommen.

Stattdessen greift Hyperaktivität um sich. Nervös und hektisch

betreibt Politik immer mehr Aktionismus, statt den

notwendigen quantitativen und qualitativen Krippenausbau

in Ruhe vorzubereiten und einen Schritt nach dem anderen

zu gehen.

Der Erste: die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen und

Erzieher zu verbessern und den Beruf attraktiver zu gestalten.

Wer eine immer anspruchsvollere pädagogische

Arbeit verlangt, muss dafür sorgen, dass der Fachkraft-

Kind-Schlüssel auch gute Bildung, Erziehung und Betreuung

erlaubt.

Fest steht: Frühpädagogen brauchen ausreichende Vor- und

Nachbereitungszeiten. Leitungskräfte müssen für ihre anspruchsvolle

Tätigkeit freigestellt werden.

Die Arbeit der Fachkräfte in Krippen und Kitas muss so

entlohnt werden, dass der Beruf in Konkurrenz mit anderen

pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern mithalten

kann.

Die Tätigkeit von Erzieherinnen und Erziehern ist eine wichtige

professionelle pädagogische Arbeit. Sie muss deshalb

deutlich besser bezahlt werden.

Dringend erforderlich: die Ausbildung von Erzieherinnen und

Erziehern an das europäische Niveau des Bachelor-Studiums

anzupassen.

Die GEW, die Bildungsgewerkschaft im DGB, engagiert sich für

die Interessen pädagogischer Fachkräfte in Tageseinrichtungen,

der Jugendhilfe und in Schulen.

Für Erzieherinnen und Erzieher geht es vor allem um eins:

bessere Arbeitsbedingungen und eine dem hohen Stellenwert

ihrer gesellschaftlichen Aufgabe angemessene Bezahlung.

Klar ist aber auch: Eine Gewerkschaft kann nur dann erfolgreich

sein, wenn die Beschäftigten sich engagieren.

Deshalb: Jetzt in die GEW eintreten!

Norbert Hocke

Leiter des GEW-Organisationsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit

E&W Extra | Februar 2012


ANTRAG AUF MITGLIEDSCHAFT

15

Leistungen für GEW-Mitlieder im Überblick

Rechtsschutz

Eine unfaire dienstliche Beurteilung, falsche Eingruppierung oder sogar Kündigung?

Als GEW-Mitglied genießt du umfassenden Rechtsschutz in allen beruflichen

Angelegenheiten, wenn nötig bis in die letzte Instanz.

Interessenvertretung

Die tun was, wenn’s brennt. Wie gut eine Personalrätin oder ein Betriebsrat arbeitet,

merkt man erst dann, wenn ein Problem auftaucht. Mit Schulungen und

Vernetzungstreffen unterstützen wir schon vorher Personal- und Betriebsräte,

damit sie für ihre Aufgabe bestens qualifiziert sind. Nur so können sie auch deine

Interessen optimal vertreten.

Tarifpolitik

Tarifverträge sichern unsere Arbeits- und Lebensqualität. Die GEW verhandelt mit

den Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes und des privaten Bildungsmarktes die

Tarifverträge. Die Ergebnisse kommen auch den Beamtinnen und Beamten zugute.

Damit GEW-Mitglieder auch für ihre Interessen streiten können, sind sie bei allen

Arbeitskämpfen geschützt – in rechtlicher und finanzieller Hinsicht.

Berufshaftpflicht

Im beruflichen Alltag ist schnell etwas passiert. Ein Schüler verletzt sich und du

trägst die Verantwortung. Oder im Labor geht etwas zu Bruch. In diesen Fällen

ist es gut, einen starken Partner zu haben. Für GEW-Mitglieder hat das berufliche

Risiko Grenzen. Sie sind bei Personen- und Sachschäden, bei Vermögensschäden

und bei „Schlüsselschäden“ versichert.

Fortbildung

Auch wenn du dich fort- und weiterbilden möchtest, bietet die GEW viele Möglichkeiten.

Für GEW-Mitglieder sehr günstig oder sogar kostenlos.

Informationsvorsprung

Wenn es um didaktische Konzepte oder Hilfen für den Berufsalltag geht, sind

GEW-Mitglieder bestens informiert: Wir bieten Seminare, Fachpublikationen und

natürlich die bundesweite Zeitschrift „Erziehung & Wissenschaft“. Hinzu kommen

die Magazine der GEW-Landesverbände. Das Abonnement der Zeitschriften ist im

GEW-Mitgliedsbeitrag enthalten.

Unterstützung von Projekten

Moderne Gewerkschaftsarbeit bedeutet auch: Projekte zu unterstützten, die bildungspolitische

Debatten anstoßen oder Zeichen für praktische Solidarität setzen.

Die Max-Traeger-Stiftung fördert die Erforschung von Erziehung,frühkindlicher Bildung,

Schule, Hochschule und Weiterbildung. Die finanzielle und ideelle Hilfe für

politisch verfolgte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter hat sich der Heinrich-Rodenstein-Fonds

auf die Fahnen geschrieben.

Weil Arbeit nicht alles ist

Urlaub zum Sonderpreis oder attraktive Angebote zur Altersvorsorge? Die GEW

hat mit ihren Kooperationspartnern für Mitglieder exklusive Serviceangebote zusammengestellt.

Informiere dich über die Leistungen und Rabatte im Internet oder

bestell das GEW-Service-Scheckheft bei deinem Landesverband.

Antrag auf Mitgliedschaft

Bitte in Druckschrift ausfüllen

Persönliches

Berufliches

Online Mitglied werden

www.gew.de/

Mitgliedsantrag.html

Nachname (Titel)

Vorname

Berufsbezeichnung (für Studierende: Berufsziel), Fachgruppe

Straße, Nr.

Diensteintritt / Berufsanfang

Postleitzahl, Ort

Tarif- / Besoldungsgebiet

Telefon / Fax

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Tarif- / Besoldungsgruppe Stufe seit

Geburtsdatum

Nationalität

Bruttoeinkommen EUR monatlich (falls nicht öffentlicher Dienst)

gewünschtes Eintrittsdatum

Betrieb / Dienststelle / Schule

bisher gewerkschaftlich organisiert bei / von/bis (Monat/Jahr)

Träger des Betriebs / der Dienststelle / der Schule

Name / Ort der Bank

Straße, Nr. des Betriebs / der Dienststelle / der Schule

Kontonummer

Bankleitzahl

Postleitzahl, Ort des Betriebs / der Dienststelle / der Schule

Ihr Mitgliedsbeitrag:

- BeamtInnen zahlen 0,75 Prozent der Besoldungsgruppe und -stufe, nach der sie besoldet werden.

- Angestellte zahlen 0,7 Prozent der Entgeltgruppe und -stufe, nach der vergütet wird.

- Der Mindestbeitrag beträgt immer 0,6 Prozent der untersten Stufe der Entgeltgruppe 1 des TVöD.

- Arbeitslose zahlen ein Drittel des Mindestbeitrages.

- Studierende zahlen einen Festbetrag von 2,50 Euro.

- Mitglieder im Referendariat oder Praktikum zahlen einen Festbetrag von 4 Euro.

- Mitglieder im Ruhestand zahlen 0,66 Prozent ihrer Ruhestandsbezüge.

Weitere Informationen sind der Beitragsordnung zu entnehmen.

Jedes Mitglied der GEW ist verpflichtet, den satzungsgemäßen Beitrag zu entrichten. Der Austritt ist mit

einer Frist von drei Monaten schriftlich dem Landesverband zu erklären und nur zum Ende eines Kalendervierteljahres

möglich.

Mit meiner Unterschrift auf diesem Antrag ermächtige ich die GEW zugleich widerruflich, den von mir zu

leistenden Mitgliedsbeitrag vierteljährlich von meinem Konto abzubuchen.

Beschäftigungsverhältnis:

Honorarkraft angestellt beamtet

teilzeitbeschäftigt mit Std./Woche teilzeitbeschäftigt mit Prozent

beurlaubt ohne Bezüge in Rente/ pensioniert im Studium

Altersteilzeit in Elternzeit befristet bis

Referendariat/Berufspraktikum arbeitslos Sonstiges

Bitte senden Sie den ausgefüllten Antrag an folgende Adresse:

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt a. M., Fax 069 / 78973-102

Vielen Dank! Ihre GEW

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Mitmachen lohnt sich ...

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