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Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


MODUL 2 – MULTIPLES MYELOM

Table of Contents

Inhalt

Overview of Myelodysplastic Syndromes………….……………..……….

X

Production and Function of Blood Cells…………………………………... X

Das multiple Myelom – ein Überblick...................................................... 2

MDS Causes, Risk Factors and Epidemiology……………………………

Causes, Risk Factors and Epidemiology

Classification of MDS…………………………………………………………. X

Signs and Symptoms of MDS………………………………………………

Diagnosis………………………………………………………………………...

Determining Prognosis……………………………………………………….. X

Treatment of MDS………………………………………………………………

Future Directions……………………………………………………………….

X

Ursachen, Risikofaktoren und Epidemiologie.......................................... 5

Pathologie des multiplen Myeloms.......................................................... 6

Klinische Anzeichen und Symptome........................................................ 7

Stadieneinteilung des multiplen Myeloms............................................... 9

Kategorien des multiplen Myeloms........................................................11

Glossary of Terms………………………………………….………………….. X

Appendix: Diagnose................................................................................................ Resources………………………………………………………….X

12

X

X

X

X

X

Ermitteln der Prognose.......................................................................... 14

Therapie des multiplen Myeloms........................................................... 16

Neue Therapiemodalitäten.................................................................... 19

Glossar der Fachbegriffe....................................................................... 20

Literatur.................................................................................................. 23

Anhang: Ressourcen.............................................................................. 26


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


Das multiple MYELOM – ein Überblick

Bei dem auch als generalisiertes

Plamozytom oder Morbus

Kahler bezeichneten multiplen

Myelom handelt es sich um eine

hämatologische Malignität (Blutkrebs),

bei der sich die Plasmazellen

– ihrerseits wichtige Bestandteile des

Immunsystems – auf unkontrollierte

Art und Weise vermehren und im

Knochenmark ansammeln. Das multiple

Myelom (MM) ist in den Vereinigten

Staaten der nach dem Non-Hodgkin-

Lymphom (NHL) am zweithäufigsten

diagnostizierte Blutkrebs und weist

eine jährliche Inzidenz von 15 000

Fällen auf (Abbildung 1) 1 . Gegenwärtig

sind rund 50 000 US-Bürger an einem

MM erkrankt (Abbildung 2) und nach

Schätzungen sterben pro Jahr 11 000

Personen an dieser Erkrankung. 1, 2

MM – auf einen Blick

• Vordringlich betroffen sind ältere Erwachsene. 3

• Das mittlere Alter bei Diagnose liegt bei circa

65 Jahren. 3

• In den USA werden pro Jahr schätzungsweise 15 000

neue Fälle diagnostiziert. 1

• Gegenwärtig sind 50 000 amerikanische Bürger an

einem MM erkrankt. 2

• Jedes Jahr sterben annähernd 11 000 US-Bürger an

einem MM. 1

• Die 5-Jahres-Überlebensrate der Patienten schwankt

zwischen 10 % und 50 %. 4

• Bei circa 80 % der Patienten werden bei der

Diagnosestellung Knochenläsionen, Frakturen und/

oder Osteoporose festgestellt. 5

• Bei annähernd 40 % der Patienten kommt es zu

Nierenfunktionsstörungen. 6

Abbildung 1. Inzidenz der hämatologischen Malignitäten im Jahr 2001

60 000

50 000

40 000

30 000

20 000

10 000

0

NHL MM AML CLL HD Sonstige CML ALL

NHL = Non-Hodgkin-Lymphom; AML = akute myeloische Leukämie; CLL = chronische lymphatische oder

lymphozytäre Leukämie; HD = Morbus Hodgkin; CML = chronische myeloische Leukämie; ALL = akute

lymphatische oder lymphozytäre Leukämie

Nach Literaturangabe 1.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


Plasmazellen sind Lymphozyten (weiße Blutkörperchen),

die sich aus den B Lymphozyten (B Zellen) des

Knochenmarks entwickeln (Abbildung 3). Ihre normale

Funktion besteht darin, der Abwehr von Infektionen

dienende Antikörper zu produzieren und abzusondern.

Maligne entartete Plasmazellen entziehen sich den

normalen Kontrollmechanismen für das Zellwachstum

und generieren immer mehr sich im Knochenmark

ansammelnde Krebszellen, und in manchen Bereichen

können maligne Zellen rapide wachsen und einen als

Plasmozytom bezeichneten Tumor bilden. Gelegentlich

treten diese Tumoren nur an einer Lokalisation auf und

werden als solitäre Plasmozytome bezeichnet. Allerdings

werden in den meisten Fällen mehrere Plasmozytome

angetroffen, woraus sich die Bezeichnung „multiples

Myelom“ erklärt.

Abbildung 2. Prävalenz der hämatologischen

Malignitäten

350 000

300 000

250 000

200 000

150 000

100 000

50 000

0

NHL HD Leukämie MM

Nach Literaturangabe 2.

Abbildung 3. Ursprung der Plasmazellen

MYELOISCH

Stammzelle

LYMPHATISCH

Prolymphozyten

Proerythroblast

Promyelozyt

Megakaryozyten

Monoblast

T-Lymphozyt

B-Lymphozyt

Antigen

Erythrozyt

Granulozyt

Makrophagen

Thrombozyten

Aktivierte T

Zelle

Plasmazelle

Hämatopoetische Stammzellen können sich zu zwei Arten von Lymphozyten entwickeln: B Lymphozyten

(B Zellen) und T Lymphozyten (T Zellen). Dringen Fremdkörper (Antigene) wie z. B. Bakterien in den Körper

ein, dann entwickeln B Zellen sich zu Plasmazellen, die als Immunglobuline (Ig) oder auch als Antikörper

bezeichnete Proteine produzieren, die den Körper bei der Infektabwehr unterstützen.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


Die übermäßig hohe Anzahl von Myelomzellen im Knochenmark kann vielerlei Wirkungen auf den

Körper ausüben – einschließlich der Zerstörung von Knochensubstanz, Anämie, Niereninsuffizienz bis hin

zum Nierenversagen und erhöhter Kalziumwerte im Blut (Hyperkalzämie). Bei vielen an MM erkrankten

Menschen treten enorm belastende und zehrende Knochenschmerzen und –brüche auf, die eine

Strahlentherapie oder chirurgische Eingriffe erforderlich machen. 7, 8 Wenn sie an der Wirbelsäule auftreten

und es zu einer Kompression der Wirbelkörper kommt oder Nerven beschädigt werden, können Frakturen

besonders gefährlich sein. In einigen Fällen kann es zu Lähmungen kommen. 9

Ein MM spricht sowohl auf eine Chemotherapie als auch eine Bestrahlung an und kann folglich behandelt

werden, die Erkrankung ist allerdings bislang nicht heilbar. 10 Wichtige Forschritte in der Therapie haben

jedoch dazu geführt, dass heute höhere Raten einer Remission und längere Überlebenszeiten als früher

erreicht werden. 11 Während Wissenschaftler bei ihren Forschungsarbeiten ein besseres Verständnis der

Entstehung und des Voranschreitens eines MM gewinnen, könnten alternative Therapiemodalitäten noch

weitere Vorteile erbringen.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


URSACHEN, RISIKOFAKTOREN UND EPIDEMIOLOGIE

Die genauen Ursachen eines MM sind nicht bekannt, jedoch kann eine Reihe von Risikofaktoren die

Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich die Erkrankung bei einer Person ausbildet. Bei einigen Patienten

wurde nahe gelegt, dass berufsbedingte Risikofaktoren, beispielsweise der wiederholte Kontakt mit

Chemikalien wie Pestiziden, Benzen und Farbsprays, einen Beitrag leisten könnten. 12-23 Für eine sehr kleine

Anzahl von Fällen ist vermutlich ein Kontakt mit Radioaktivität verantwortlich zu machen. 24, 25 Eine Reihe

von Studien haben virale Infektionen, wie z. B. die Ansteckung mit dem Human Immunodeficiency Virus

(HIV), mit der Entstehung eines MM in Verbindung gebracht, und bei HIV Patienten liegt eine um das

4,5fache größere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten dieser Erkrankung als in der Allgemeinbevölkerung

vor. 26 Bei Personen mit Morbus Gaucher, einer erblichen Stoffwechselerkrankung, besteht im Vergleich zu

Personen ohne diese Erkrankung ein signifikant größeres Risiko für das Ausbilden eines MM. 27 Auch wenn

das MM keine Erbkrankheit zu sein scheint, so tritt es doch in einigen Familien gehäuft auf. 28

Das Entstehen eines MM steht mit verschiedenen chromosomalen (zytogenetischen) Aberrationen,

einschließlich von zusätzlichen oder fehlenden Kopien spezifischer Chromosome, sowie mit Deletionen

oder Umordnungen von Chromosomensegmenten im Zusammenhang. Die häufigsten Umordnungen

betreffen Gene, von denen Antikörperproteine codiert werden, sowie Gene, die für die Regulierung des

Zellwachstums verantwortlich sind (Onkogene). Eine Reihe häufiger Deletionen treten bei Genen auf, die

eine Hemmung des abnormen Zellwachstums erbringen (Tumorsuppressoren). 6

Bei den meisten an MM erkrankten Patienten bestehen keine bekannten Risikofaktoren außer ihrem

Lebensalter 29 , und der überwiegende Teil der in den USA registrierten, annährend 50 000 Fälle eines

MM betrifft Personen im Alter über 40 Jahren, wobei die Inzidenz bei Männern etwas höher liegt. Das

multiple Myelom tritt bei Afroamerikanern doppelt so häufig wie bei Kaukasiern auf. 1, 3, 11 Zum Zeitpunkt der

Diagnose liegt das mittlere Alter der Patienten bei circa 65 Jahren. 3


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PATHOLOGIE DES MULTIPLEN MYELOMS

Es wird davon ausgegangen, dass die Pathogenese des MM ihren Anfang damit nimmt, dass genetische

Abweichungen es Plasmazellen ermöglichen, sich unkontrolliert zu replizieren und im Knochenmark

anzusammeln (Abbildung 4). Die bösartig entarteten Zellen heften sich im Knochenmark an die sie

umgebenden und als Stromazellen bezeichneten Strukturen an und gehen Wechselwirkungen mit ihnen

ein, was insgesamt als das „Mikroenvironment des Knochenmarks“ bezeichnet wird. Verschiedenartige

Interaktionen mit diesen Zellen und Proteinen tragen zu einer Ausbreitung der Malignität bei:

• Myelomzellen regen Stromazellen zur Produktion von Zytokinen, wie beispielsweise Interleukin 6 (IL 6)

an, das seinerseits das Wachstum der Myelomzellen stimuliert und den als Apoptose bezeichneten,

normalen Prozess des Zelltodes hemmt. 30

• Stromazellen stimulieren Myelomzellen zur Produktion von Wachstumsfaktoren, die ihrerseits die

Ausbildung neuer Blutgefäße fördern – ein als Angiogenese bezeichneter Vorgang. Der die Neubildung

und Durchlässigkeit von Blutgefäßen regulierende „vascular endothelial growth factor“ (VEGF) scheint

bei der bei einem MM ablaufenden Angiogenese eine ausschlaggebende Rolle zu spielen. 31

Abbildung 4. Myelomzellen

Myelomzellen

Wechselwirkungen zwischen Myelomzellen und der Mikroumgebung des Knochenmarks führen außerdem

zu einer erhöhten Produktion von Zytokinen und weiteren Faktoren, wodurch die als Osteoklasten

bezeichneten und Knochensubstanz zerstörenden Zellen aktiviert werden. Normalerweise findet

die Aktivität der Osteoklasten – Resorption der Knochensubstanz genannt – ihren ausgleichenden

Gegenspieler in der Aktivität der Osteoblasten, die für die Knochenbildung verantwortlich sind. Bei einem

MM kommt es jedoch zu einer Blockade der Osteoblastenaktivität. Die Kombination aus beschleunigter

Resorption der Knochensubstanz einerseits und der eingeschränkten Knochenbildung andererseits

8, 32

resultiert in „osteolytischen“ Läsionen und Verlust an Knochensubstanz (Osteoporose).

Normale Plasmazellen produzieren Antikörper oder Immunglobuline (Ig), die bei der Bekämpfung von

Krankheiten behilflich sind. Immunglobuline sind aus vier Proteinketten aufgebaut, und zwar aus zwei langen

„schweren“ Ketten und zwei kürzeren „leichten“ Ketten. Auch Myelomzellen sondern Immunglobuline ab; da

es sich aber um monoklonale (d. h. von einer einzigen Plasmazelle abstammende) Zellen handelt, produzieren

sie alle große Mengen des gleichen Immunglobulinproteins (IgG, IgA, IgD oder IgE). Das monoklonale (M)

Protein leistet keinen Beitrag zum Schutz des Körpers. Hinzu kommt, dass eine Ansammlung von M Protein

in Organen wie z. B. der Niere auftreten kann, was im Lauf der Zeit schwerwiegende Schäden nach sich zieht.

In einigen Fällen sondern Myelomzellen Immunglobuline ab, die ausschließlich die Leichtketten 33 aufweisen

und als Bence-Jones-Eiweißkörper bezeichnet werden. Bei weniger als 5 Prozent der MM Fälle werden von

den Myelomzellen keine nachweisbaren Mengen des M Proteins abgesondert, und die Erkrankung dieser

Patienten wird als „nicht sekretorisches Myleom“ bezeichnet. 6


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


ANZEICHEN UND SYMPTOME

MM kann zahlreiche Komplikationen verursachen, einschließlich einer Erhöhung des Kalziumspiegels

(Hyperkalzämie), Niereninsuffizienz, Anämie und Knochenerkrankung. Im englischen Sprachgebrauch

werden diese Zeichen und Symptome als „CRAB“ bezeichnet 34 und sie werden zusammen mit weiteren

Komplikationen (siehe Tabelle 1) unten beschrieben.

Erhöhter Kalziumspiegel

Die Zerstörung der Knochensubstanz führt zur Freisetzung von Kalzium in das zirkulierende Blut (Hyperkalzämie),

was zu Fatigue, Schwächegefühl, Appetitverlust, Übelkeit und Verwirrtheit führen kann. Eine

Hyperkalzämie stellt einen medizinischen Notfall dar, weil sie ein Nierenversagen zur Folge haben kann.

Nierenfunktionsstörungen

Mit einem MM einhergehende übermäßige Eiweiß- und hohe Serumkalziumspiegel können die Niere

schädigen. Bei MM Patienten stellt eine Niereninsuffizienz eine häufige Komplikation dar, wobei circa 20 %

der Patienten bereits bei Diagnosestellung eine Niereninsuffizienz aufweisen, die sich bei weiteren 20 % im

6, 35

weiteren Verlauf der Erkrankung ausbildet.

Anämie

Die Infiltration von Myelomzellen in das Knochenmark kann die normale Produktion gesunder Blutzellen

beeinträchtigen, was zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie), weißen Blutkörperchen

(Leukopenie) und Thrombozyten (Thrombozytopenie) führt. Diese Defizite können chronische Anämie,

erhöhte Anfälligkeit für Infektionen beziehungsweise übermäßige Blutungen zur Folge haben.

Knochenerkrankungen

Das am stärksten belastende Symptom des MM besteht in Knochenschmerzen, von denen zum

Zeitpunkt der Erstdiagnose zwei Drittel der Patienten betroffen sind. 7 Osteolytische Läsionen und die

Hemmung der Knochenneubildung machen die Knochen äußerst anfällig für Frakturen, die ihrerseits

Schmerzen verursachen können. 8, 32 Frakturen der Wirbelkörper können dazu führen, dass vermehrter

Druck auf die Rückenmarksnerven ausgeübt wird, was sich in Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen

oder Muskelschwäche in den unteren Extremitäten äußert. Gelegentlich kommt es zu einem Wachstum

von Myelomzellen innerhalb des Rückenmarkskanals, wodurch das Rückenmark zusammengepresst

wird und Kompressionssymptome wie schwere Rückenschmerzen, Muskelschwäche oder –lähmungen

vor allem in den Beinen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln sowie Inkontinenz entstehen können. Eine

Rückenmarkskompression stellt einen medizinischen Notfall dar, der eine sofortige Behandlung erfordert,

um permanente Schäden zu verhüten.

Weitere Komplikationen

Die übermäßige Eiweißproduktion durch Myelomzellen kann eine als Hyperviskositätssyndrom

bezeichnete Verdickung des Bluts hervorrufen. Zu den Symptomen können Blutungen aus Nase und

Mund, verschwommenes Sehen, schlaganfallähnliche Symptome und Stauungsinsuffizienz gehören. Das

Hyperviskositätssyndrom kann mit Hilfe der Plasmapherese behandelt werden – einem Verfahren zum

35, 36

Entfernen von überschüssigem Eiweiß aus dem Blut.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


Tabelle 1. Auswirkungen des Myeloms

Anzeichen oder Symptom

Anämie

Thrombozytopenie

Konsequenzen für den Patienten

Fatigue, Schwächegefühl, Kurzatmigkeit,

Schwindelgefühl, Kopfschmerzen

Übermäßige Blutungen

Leukozytopenie

Erhöhte Infektanfälligkeit

Hoher Eiweißspiegel im Serum und/oder Urin

Knochenschäden

Hoher Kalziumspiegel im Blut

Niereninsuffizienz

Anormale Verdickung des Bluts, Hirninfarkt,

potentielle Nierenschädigung

Knochenschmerz, Anschwellen der Knochen,

Frakturen, Kollabieren der Wirbelkörper,

Rückenmarkskompression

Verwirrtheit, Dehydration, Obstipation, Fatigue,

Schwächegefühl, Appetitverlust, Unruhe

Fatigue, Verwirrtheit, Übelkeit, Erbrechen,

Krampfanfälle, verringertes Harnvolumen


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten


STADIENEINTEILUNG DES MULTIPLEN MYELOMS

Die korrekte Stadieneinteilung des MM dient dazu, den Ausbreitungsgrad oder die Tumormasse ebenso

wie die Art der Behandlung festzulegen, die ein Patient erhalten soll. Für die Kategorisierung des MM wird

seit 1975 die Stadieneinteilung nach Durie und Salmon eingesetzt (Tabelle 2). Bei diesem System basiert

das Staging des MM auf mehreren Messwerten, einschließlich der Spiegel des M Proteins, der Anzahl der

Knochenläsionen, der Serumkalziumspiegel, der Hämoglobinspiegel und der Nierenfunktion. 37

Tabelle 2. Kriterien nach der Stadieneinteilung nach Durie und Salmon

Stadium

Konsequenzen für den Patienten

Stadium I (niedrige Tumorzellmasse)

Stadium II (mittelgradige Tumorzellmasse)

Stadium III (hohe Tumorzellmasse)

Alle der Folgenden:

• Hämoglobin >10 g/dl

• Serumkalziumwert normal oder ≤12 mg/dl

• Röntgenbefund erbringt normale

Knochenstruktur oder solitäres Plasmozytom

des Knochens

• ≤1 osteolytische Läsion

• Niedrige Raten der Produktion von M Protein

o IgG 12 g/24 h

• Tumorzellmasse: >1,2 x 10 12 Zellen/m 2

Körperoberfläche

Unterklassifikation (entweder A oder B)

• A: Relativ normale Nierenfunktion (Serumkreatinin


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 10

Angesichts seiner Komplexität und aufgrund von Problemen mit der Genauigkeit könnte es sein, dass das

Durie-Salmon-System bald durch das kürzlich eingeführte Einteilungssystem „International Staging System“

(ISS) ersetzt wird (Tabelle 3). Das ISS beruht auf nur zwei Parametern: den Serumspiegeln der Proteine

Albumin und ß2-Mikroglobulin (ß2 M). 38 Hohe Spiegel von ß2 M, einem normalerweise auf der Oberfläche

von Zellen angetroffenen Protein, sind verlässliche Indikatoren dafür, dass im Körper viele Myelomzellen

vorhanden sind. 39

Tabelle 3. Kriterien nach dem International Staging System (ISS)

Stadium Kriterien Definition

I

Niedriger ß2 M- und normaler

Albuminwert

ß2 M


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 11

KATEGORIEN DES MULTIPLEN MYELOMS

An MM erkrankte Patienten werden einer von mehreren Kategorien zugeordnet, die beim Festlegen der

Therapieoptionen behilflich sind (Tabelle 4).

Bei der monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS) handelt es sich um einen gutartigen

Zustand, der durch leicht erhöhte Spiegel des M Proteins ohne zugrunde liegendes Krankheitsgeschehen

gekennzeichnet ist. 40 MGUS tritt um das 80- bis 100-fache häufiger auf als ein MM, und circa 75 Prozent

aller Personen mit einer MGUS bleiben symptomlos und es bildet sich kein MM aus. 41

Tabelle 4. Kategorien des MM

Kategorie Charakteristika Management

MGUS

• Im Serum nachgewiesenes M Protein

30 %)

• Anämie, Nierenfunktionsstörung,

Hyperkalzämie oder osteolytische

Läsionen

Sofortiges Einleiten der Behandlung

(siehe unter „Therapie“)

Nach Literaturangabe 42


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 12

DIAGNOSE

Die Anzeichen und Symptome eines MM können zahlreiche andere Krankheiten „nachahmen“, sodass

andere Erkrankungen mit Hilfe einer Reihe von Untersuchungen ausgeschlossen werden müssen. Die

Empfehlungen für ein initiales diagnostisches Workup werden im Folgenden umrissen: 10

Blut- und Harnuntersuchungen

• Großes Blutbild (CBC) – zur Bestimmung der Zahlenwerte und jeweiligen Anteile der Blutbestandteile.

• Klinisch-chemisches Profil – zur Bestimmung der Spiegel zahlreicher Bestandteile wie Blutharnstoff/-

Stickstoff (BUN), Kalzium, Kreatinin, Laktatdehydrogenase (LDH) und ß2 M.

• C reaktives Protein – Test zum Ermitteln des Vorliegens einer akuten Inflammation.

• Elektrophorese – Bestimmung der Konzentrationen verschiedener Proteine, insbesondere des

M Proteins, im Blut und Urin.

• Immunelektrophorese (Immunfixation) – dient zum Gewinn spezifischerer Informationen über

den/die Typ(en) und die Anteile der vorliegenden normabweichenden Immunglobuline (siehe

Immunelektrophorese).

• Quantitative Immunglobuline – Messung der Quantität der im Blut vorliegenden Immunglobuline vom

Typ IgM, IgG und IgA.

Am Knochen durchgeführte

Untersuchungen

• Eine Knochenmarksbiopsie und eine

Knochenmarksaspiration – der am

stärksten ausschlaggebende Test bei einer

Untersuchung auf ein MM – weist eine

Erhöhung der Anzahl von Plasmazellen im

Knochenmark nach. 34

• Röntgenuntersuchungen und

weitere bildgebende Verfahren

(Magnetresonanztomographie,

Computertomographie, Positronen-Emissions-

Tomographie) dienen der Bewertung von

Veränderungen der Knochenstruktur sowie

der Bestimmung der Anzahl und Größe von

Knochentumoren (Abbildung 5).

• Eine Knochendichteanalyse kann bei einer

Beurteilung des Schweregrads diffuser

Knochensubstanzverluste behilflich sein.

Abbildung 5. Röntgenaufnahme osteolytischer

Läsionen und einer Humerusfraktur bei einem

Myelom Patienten

Osteolytische

Läsionen

Humerusfraktur


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 13

Diagnostische Checkliste für MM

• Anamnese und körperliche Untersuchung des Patienten

• Blutuntersuchungen

o CBC mit Differentialblutbild und Thrombozytenzählung

o BUN, Kreatinin

o Elektrolyte, Kalzium, Albumin, LDH

o Quantitative Immunglobuline

o Serumprotein-Elektrophorese (SPEP) und Immunfixation

o ß2 Mikroglobulin, C reaktives Protein (CRP)

o Bestimmung von freien Leichtketten im Serum

• Harnuntersuchungen

o Quantifizierung von Bence-Jones-Proteinen (24 Stunden-Urin)

o Urin-Proteinelektrophorese (UPEP, 24 Stunden-Urin) und Immunfixation

• Sonstiges

o Skelettstatus

o Unilaterale Knochenmarksbewertung mit zytogenetischen Untersuchungen

Nach den Feststellungen der „International

Myeloma Working Group“ müssen für die

Diagnose eines MM alle drei der folgenden

Kriterien erfüllt sein: 43

• Infiltration des Knochenmarks mit

monoklonalen Plasmazellen von ≥10 % und/

oder Vorliegen eines anhand der Biopsie

ermittelten Plasmozytoms.

• Nachweis von M Protein im Serum und/oder

Urin. Wird kein M Protein ermittelt, dann

müssen ≥30 % monoklonale Plasmazellen

das Knochenmark infiltriert haben und/oder

es muss ein durch Biopsie nachgewiesenes

Plasmozytom vorliegen.

• Anzeichen einer oder mehrerer mit einem

MM in Zusammenhang stehender(n)

Organdysfunktion(en):

o Erhöhter Kalziumspiegel = Serumkalzium

>10,5 mg/l oder obere Grenze des

institutionellen Normwertebereichs (ULN).

o Niereninsuffizienz = Serumkreatinin

>2 mg/dl.

o Anämie = Hämoglobin


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 14

ERMITTELN DER PROGNOSE

Die Prognose eines an einem MM erkrankten Patienten ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, wie

seinem Alter und dem Stadium der Krankheit.

Eine Reihe von Laboruntersuchungen besitzt prognostischen Wert und ist bei der Feststellung behilflich,

mit welcher Geschwindigkeit die Myelomzellen wachsen und welche spezifischen Eigenschaften sie besitzen

(Tabelle 5). So gehen beispielsweise verschiedene genetische Anomalien mit einem MM mit hohem oder

niedrigem Risiko einher. Typischerweise ist eine aggressive Behandlung bei Patienten erforderlich, bei

denen eine Deletion eines Teils des Chromosoms 13 oder der Verlust einer Kopie dieses Chromosoms

44, 45

vorliegt.

Tabelle 5. Prognostische Indikatoren

Untersuchung

ß2 Mikroglubulin

Plasmazell-Labelling Index (PCLI)

C reaktives Protein (CRP)

Laktatdehydrogenase (LHH)

Beschreibung

Serumspiegel verweisen auf das Ausmaß der Erkrankung

Relativer Prozentsatz der aktiv wachsenden Plasmazellen; ein

niedriger PCLI kann möglicherweise auf längeres Überleben

hinweisen

Erhöhte CRP Spiegel können auf eine schlechtere Prognose

verweisen

LDH-Serumspiegel kann die Tumormasse widerspiegeln

Albumin

Chromosomenanalyse einschließlich

Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung

(zytogenetische Untersuchung)

Serumspiegel verweisen häufig auf den allgemeinen

Gesundheitszustand; höhere Werte könnten eine bessere

Prognose bedeuten

Bewertung der Anzahl und Zusammensetzung der

Chromosomen; einige Anomalien, wie eine Chromosom-13

Deletion, gehen mit einer schlechten Prognose einher

Nach Literaturangabe 44-49

Ansprechen auf die Behandlung

Auch das Ansprechen auf die Behandlung kann zum Ermitteln der Prognose herangezogen werden

(Tabelle 6). So können z. B. Patienten, bei denen es zuvor unter der chemotherapeutischen Therapie zu

einer Remission kam, im Fall eines erneuten Auftretens der Erkrankung auch auf die Behandlung mit der

gleichen oder einer anderen Chemotherapie ansprechen. 50 Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass

eine vollständige Remission erreichende Individuen und jene, die zwischen Behandlungszyklen eine längere

51, 52, 53

Remissionsdauer zeigen, eine bessere Prognose haben.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 15

Tabelle 6. EBMT- (European Group for Blood and Marrow Transplant) oder Blade Kriterien zur Feststellung

des Ansprechens auf die Therapie*

Ansprechen M Protein im Serum % Plasmazellen

im Knochenmark

Röntgen-

Skelettstatus

Komplette

Remission

100%iger Rückgang

und Immunfixation wie

Elektrophorese negativ

25%iger Anstieg >25%iger Anstieg Zunahme der Anzahl

neuer Knochenläsionen

oder Zunahme der Größe

bestehender Läsionen

* Umfasst zwei im Abstand von sechs Wochen durchgeführte Untersuchungen. Remissionen müssen sechs Wochen lang aufrechterhalten worden sein.

Nach Literaturangabe 54

Überlebensraten

Da ein MM unheilbar ist, wird bei Diskussionen häufig auf die Überlebensraten Bezug genommen, die auf

dem Prozentsatz der Patienten beruhen, die nach der Erstdiagnose eine spezifische Zeitspanne überlebt

haben. Generell wird dies als Fünf-Jahres-Überlebensrate angegeben, in die keine Fälle eingehen, bei

denen der Tod durch eine andere Ursache, wie beispielsweise eine Herzkrankheit, verursacht wurde.

Die Fünf-Jahres-Überlebensrate von an MM erkrankten Patienten reicht von 10 bis 50 %, und zwar

in Abhängigkeit vom Krankheitsstadium bei Diagnose und dem Ansprechen des Patienten auf die

Behandlung. 4 In einem individuellen Fall haben diese Raten keinen Vorhersagewert, sie repräsentieren

vielmehr die an einer generellen Population erhobenen statistischen Werte.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 16

BEHANDLUNG DES MULTIPLEN MYELOMS

Bei einem MM gibt es keine für alle Patienten verbindliche Standardtherapie, da die gewählte Strategie

von vielen Faktoren abhängt: den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung und der Labortests,

dem spezifischen Stadium oder der Klassifikation der Erkrankung, dem Lebensalter und generellen

Gesundheitszustand, den Symptomen, dem Auftreten von Komplikationen und der vorherigen Behandlung. 10

Zu den wichtigsten Zielsetzungen einer MM Therapie gehören:

• Abtöten der Myelomzellen und Kontrolle der Erkrankung, um so die Schädigung verschiedener Organe

zu verhindern.

• Kontrolle des Tumorwachstums, Verlängerung der erkrankungsfreien Überlebenszeit und Verlängerung

der Lebensdauer.

• Kontrolle von Schmerzen und weiteren mit der Erkrankung zusammenhängenden Symptomen.

• Es Patienten zu ermöglichen, ein aktives Leben mit guter Lebensqualität zu führen.

Neu diagnostizierte Patienten

Das Management eines neu diagnostizierten MM basiert auf den klinischen Merkmalen der Erkrankung.

So erhalten Patenten mit einem solitären Plasmozytom beispielsweise in der Regel eine Strahlentherapie

und/oder einen operativen Eingriff. Nach der US-amerikanischen Assoziation zur Erarbeitung von

Therapieleitlinien (National Comprehensive Care Network, NCCN) sollte bei Patienten mit einem nicht

aktiven (d. h. asymptomatischen) MM ein „kontrolliertes Abwarten“ erfolgen und sie sollten außerhalb einer

klinischen Studie keine initiale Behandlung erhalten, weil es Monate wenn nicht gar Jahre dauern kann,

ohne dass die Erkrankung voranschreitet. 10

Typischerweise werden bei Patienten mit einem symptomatischen MM eine Erstbehandlung mit

Bisphosphonaten (Wirkstoffe, die den negativen Auswirkungen des MM auf die Knochen entgegenwirken)

sowie weitere supportive Therapien durchgeführt (siehe unten). Das Hauptziel der First-Line-Therapie

besteht darin, eine Remission des Karzinoms zu erreichen. Häufig genutzte Regimes für die Erstbehandlung

schließen herkömmlichen Substanzen wie Corticosteroide (z. B. Dexamethason), Kombinationsschemata

wie VAD (Vincristin, Adriamycin und Dexamethason) und alkylierende Substanzen wie Melphalan mit ein.

Unterdessen entwickelt sich die Auswahl der Initialtherapien vielgestaltiger, nachdem neuartige Wirkstoffe

mit immunmodulatorischer Wirkung zugelassen wurden, die in manchen Fällen zusammen mit traditionellen

Substanzen eingesetzt werden. 10

Welche Behandlung als erste angewendet wird hängt davon ab, ob der Patient und sein Arzt eine

Hochdosischemotherapie und eine autologe Stammzelltransplantation (SCT) durchführen möchten, für die

als konsolidierende Behandlung Stammzellen aus dem Eigenblut des Patienten (siehe unten) entnommen

und transplantiert werden. Vor einer Hochdosischemotherapie und einer SCT durchgeführte Behandlungen

werden auch als Induktionstherapien bezeichnet. Für eine Induktionstherapie werden Therapeutika

bevorzugt, die weniger toxisch für das Knochenmark sind, da hiermit eine größere „Ernte“ an Stammzellen

gewonnen werden kann, die vor der Durchführung einer hoch dosierten Chemotherapie tiefgekühlt werden. 55


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 17

Stammzelltransplantation

Eine Stammzelltransplantation wird nach Abschluss einer Hochdosischemotherapie durchgeführt, mit der

die Krebszellen wirksamer als unter einer konventionellen Behandlung abgetötet werden, die allerdings

auch die normal entwickelten Vorläufer neuer Blutzellen vernichtet. Diese blutbildenden Zellen werden

durch eine SCT ersetzt, und das Verfahren wird häufiger bei Patienten unter 65 Jahren und gutem

Gesundheitszustand sowie bei älteren Personen in sehr guter körperlicher Verfassung angewendet. 10

Im Vergleich zu einer standardmäßigen Behandlung geht eine hoch dosierte Chemotherapie, gefolgt von

einer autologen, die Blutzellen des Patienten nutzenden SCT, mit höheren Ansprechenraten, längeren

Zeitspannen bis zur Progression der Erkrankung, längerem erkrankungsfreiem Überleben und einem

längeren Gesamtüberleben einher. 10, 56 Nebenwirkungen der Behandlungsstrategie beziehen sich auf die

Toxizitäten der hoch dosierten Chemotherapie und umfassen Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Geschwüre

im Mund, Hautausschlag und Haarausfall. Angesichts der Zerstörung blutbildender Zellen sind Patienten

außerdem empfänglich für Infekte, Anämie und Blutungen. Die mit der Behandlung in Zusammenhang

stehende Mortalität beträgt circa 15 %. 56 Die Erholungszeit nach einer autologen SCT dauert im

Durchschnitt zwei bis drei Monate, Patienten werden jedoch möglicherweise erst nach bis zu einem Jahr

ihre normalen Tätigkeiten wieder aufnehmen können. 57

Die allogene SCT, bei der Stammzellen einem gesunden Spender entnommen werden, repräsentiert

eine andere Form der Transplantation, die zum Regenerieren der Blutzellen im Anschluss an eine

Hochdosischemotherapie eingesetzt werden kann. Im Vergleich zu einer autologen SCT variiert die

Erfolgsrate einer allogenenen SCT jedoch aufgrund einer höheren Rate an Komplikationen, einer höheren

Inzidenz therapiebezogener Sterblichkeit (30 bis 50 %) und einer längeren Erholungszeit. 56, 57 Aus diesen

Gründen wird diese Behandlungsart in der Regel nur im Rahmen klinischer Studien durchgeführt. Um der

hohen, mit einer allogenen SCT einhergehenden Mortalitätsrate zu begegnen, nutzen Prüfarzte niedriger

dosierte Chemotherapeutika, die das Knochenmark nicht vollständig zerstören. Dies wird als „nicht

myeloablative“ oder allogene „Mini“-Transplantation bezeichnet. 57

Erhaltungstherapie

Eine Erhaltungstherapie zielt darauf ab, die Remission ebenso wie die Lebensqualität des Patienten

aufrechtzuerhalten. Die Zeitspanne der initialen Remission kann durch verschiedene Arzneimittel in

unterschiedlichem Ausmaß verlängert werden, auch wenn die für Vorteile hinsichtlich des Überlebens

vorgelegten Nachweise voneinander abweichen. 10 Die Präparate, für die Studien zum Einsatz als

Erhaltungstherapie abgeschlossen wurden oder gegenwärtig laufen, umfassen Corticosteroide

(Dexamethason und Prednison), immunmodulatorische Medikamente und Alpha-Interferon. 58

Refraktäres oder rezidivierendes MM

Ungefähr 10 bis 30 % der Patienten mit einem neu diagnostizierten MM sprechen nicht auf die Chemotherapie

an (d. h. sie sind therapierefraktär – definiert als ein weniger als 50%iger Rückgang des M Proteins

im Serum und/oder neuer Knochenbefall oder Hyperkalzämie). Zudem wird es bei fast allen MM Patienten,

die zunächst ein Ansprechen zeigen, zu einem Rückfall kommen. 6, 10 Bei diesen Patienten besteht die

Zielsetzung darin, die Malignität über eine längere Zeitspanne und ohne Progression der Erkrankung unter

Kontrolle zu bringen.

Bei Patienten, die für eine Chemotherapie refraktär sind, werden verschiedene konventionelle Therapien

eingesetzt, um ein Ansprechen herbeizuführen. Bei Patienten mit einem refraktären MM haben sich

neuartige Wirkstoffe, einschließlich von Proteasominhibitoren (Bortezomib) und immunmodulatorischen

10, 58

Substanzen, den konventionellen Therapien als überlegen erwiesen.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 18

Unter den Patienten, bei denen ein Rezidiv auftrat, werden bis zu 60 % auf das gleiche Therapieregime

ansprechen, das die erste Remission hervorrief. 6 Für den verleibenden Teil der Patienten kommen häufig

zum Hervorrufen einer weiteren Remission konventionelle und/oder neuartige Präparate zum Einsatz. Nach

einer autologen SCT rezidivierende Patienten können eine allogene SCT, eine zweite autologe SCT oder

neuartige Therapiemodalitäten erhalten. 10

Supportivbehandlung

In der Behandlung des MM kommt den Strategien einer supportiven Versorgung großer Stellenwert zu, da

sie auf die Symptome und Komplikationen der Erkrankung abzielen – wie z. B. Knochenschmerzen, Anämie

und vermehrte Infekte.

• Bisphosphonate, eine Klasse von Arzneimitteln zum Hemmen der Osteoklastenaktivität, reduzieren bei

MM Patienten in signifikantem Umfang die mit dem Skelett zusammenhängenden Ereignisse, wie die

Bildung neuer osteolytischer Läsionen, Frakturen, Knochenschmerzen und Hyperkalzämie.

• Von einem solitären Plasmozytom an der Wirbelsäule ausgeübter Druck lässt sich durch eine Operation

entlasten, und Knochenzement kann in die Wirbel injiziert werden, um hierdurch Schmerzen zu lindern

und die Wirbelsäule zu festigen.

• Einige MM Patienten erhalten als palliative Maßnahme eine Strahlentherapie, um nicht kontrollierbare

Schmerzen zu lindern und dazu beizutragen, Knochenfrakturen oder Rückenmarkkompression zu

verhindern. 10

• Die Gabe von Erythropoietin, einem die Produktion und Reifung der roten Blutkörperchen

stimulierendem Hormon, kann bei Patienten mit chronischer Anämie die Anzahl der Erythrozyten

heraufsetzen, 59 während Patienten mit schwerer Anämie Bluttransfusionen erhalten können.

• Als Kolonie-stimulierende Faktoren (CSF) bezeichnete, hormonartige Wirkstoffe können dazu eingesetzt

werden, die Produktion und Reifung weiterer Blutbestandteile wie der Neutrophilen und Monozyten

anzuregen.

• Weitere wichtige unterstützende Maßnahmen sind die Gabe von Antibiotika, Vorkehrungen zur

Schmerzkontrolle und orthopädische Interventionen.

Schlussfolgerung

Auch wenn der Einsatz der Hochdosischemotherapie zusammen mit einer SCT die Dauer des Ansprechens

auf die Behandlung verlängert hat, werden nur 5 bis 10 % aller an MM erkrankten Patienten mehr

als 10 Jahre überleben. Hinzu kommt, dass bis zu 30 % der neu diagnostizierten Patienten nicht

auf die Chemotherapie ansprechen und dass fast alle auf jedwede Therapieform ansprechenden

Patienten letztendlich ein Rezidiv erleiden werden. 6 Folglich besteht ein großer Bedarf für neue

Therapien und Kombinationen von Behandlungen, die auf einem Verständnis des zu Grunde liegenden

Erkrankungsprozesses basieren.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 19

NEUE THERAPIEMODALITÄTEN

Ein besseres Verständnis der Pathogenese und Progression des MM hat zur Entwicklung neuer Therapien

geführt, die sowohl auf die Myelomzelle als auch auf das Mikroenvironment des Knochenmarks abzielen.

Ebenfalls viel versprechend sind Kombinationstherapien, bei denen etablierte Medikamente zusammen mit

in der Prüfung befindlichen Medikamenten eingesetzt werden. Im Folgenden findet sich ein Überblick über

60, 61

MM Therapien, zu denen gegenwärtig klinische Prüfungen durchgeführt werden.

• Lenalidomid – Der Wirkmechanismus dieses Arzneimittels ist nicht vollkommen geklärt. Es moduliert

die Produktion von Zytokinen, die eine Inflammation inhibieren und die Immunantwort fördern; weiterhin

leitet es die Proliferation von T Lymphozyten ein, steigert die Aktivität der natürlichen Killerzellen, hemmt

die Proliferation hämatopoetischer Zell-Linien (Zellen, die sich unter Laborbedingungen unbegrenzt

reproduzieren) und es hemmt das Wachstum neuer Blutgefäße.

• Bevacizumab – Bevacizumab hemmt ein als VEGF bezeichnetes Protein, dem vermutlich eine Rolle beim

Wachstum neuer Blutgefäße und bei der Proliferation von Blutzellen zukommt.

• Tipifarnib – Tipifarnib inhibiert die Aktivität der Farnesyltransferase, was seinerseits die Aktivierung des

wachstumsfördernden ras-Gens verhindert.

• Thalidomid – Der Wirkmechanismus von Thalidomid wird nicht vollkommen verstanden, könnte

jedoch mit der Suppression einer übermäßigen Produktion von TNF alpha und der „down-Modulation“

ausgewählter, an der Zelloberfläche exprimierter Adhäsionsmoleküle, die an der Migration weißer

Blutkörperchen beteiligt sind, in Zusammenhang stehen.

• PTK787/ZK222582 – Dieser Wirkstoff hemmt die VEGF-Rezeptorkinase sowie weitere an der

Angiogenese beteiligte Tyrosinkinasen.

• Depsipeptid, SAHA, PXD101 – Diese Wirkstoffe inhibieren die Histondeacetylasen, die beim

Assemblieren der DNA behilflich sind und die Genexpression regulieren.

• Doxil – Durch seine Bindung an DNA und das Inhibieren der Nukleinsäuresynthese beeinträchtigt Doxil

das Wachstum von Tumorzellen.

• Aplidin – Von diesem Präparat wird angenommen, dass es VEGF hemmt und die Apoptose induziert.

• Arsentrioxid – Arsentrioxid hemmt direkt das Wachstum von Tumorzellen und führt den Zelltod herbei;

es blockiert die Fähigkeit der Myelomzellen, sich an den Stromazellen des Knochenmarks „anzuheften“,

indem es die Produktion von Adhäsionsmolekülen auf den Oberflächen beider Zelltypen inhibiert, und es

blockiert die Absonderung von IL 6 und die Produktion von VEGF.

• 17-AAG – 17-AAG [17-(Allylamino)-17-demethoxygeldanamycin] hemmt das Hitzeschockprotein HSP90,

welches das Wachstum der Myelomzellen und ihr Überleben fördert.

• CHIR-258 – CHIR-258 ist ein Inhibitor des FGF Rezeptors 3 (fibroblast growth factor), der das

Zellwachstum und die Angiogenese reguliert.

• Atiprimod – Atiprimod inhibiert IL 6, das für das Wachstum maligner Zellen ausschlaggebend ist, und

hemmt außerdem die Knochenerosion.

• SCIO-469 – SCIO-469 hemmt das Protein p38 MAP Kinase, das wiederum an der Produktion von IL 6

und VEGF beteiligt ist.

• CCI-779 – Die Substanz inhibiert den mTOR Signalweg (mammalian target of rapamycin), der das

Zellwachstum erleichtert.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 20

GLOSSAR

Albumin – Das im Blutplasma in der größten Menge

vorliegende Protein.

Anämie – Ein Zustand, bei dem ein Mangel an

Erythrozyten (roten Blutkörperchen) im Blut dazu

führt, dass Organe und Gewebe nicht ausreichend mit

Sauerstoff versorgt werden. Zu den Symptomen gehören

Fatigue, Kurzatmigkeit und Schwächegefühl; eine nicht

behandelte, schwere Anämie kann zu Organversagen und

Tod führen.

Angiogenese – Das Entstehen neuer Blutgefäße.

Bestimmte, im Körper vorliegende Substanzen leiten

diesen Prozess ein, der für die normale Hämatopoese

(Blutbildung) erforderlich ist.

Angiogenesefaktor VEGF (vascular-endothelial growth

factor) – Natürlich vorkommende Substanz, welche die

Produktion neuer Blutgefäße und die Reproduktion von

Stammzellen fördert.

Antigen – Eine Substanz (z. B. Protein auf der Außenhülle

eines Virus), die dazu fähig ist, eine Immunantwort

hervorzurufen.

Antikörper – Siehe Immunglobulin.

Apoptose – Programmierter Zelltod. In bestimmten

Geweben kommt es zu einer kontinuierlichen

Reproduktion und einem „erneuten Aufstocken“ von

Zellen, sodass ein programmiertes Absterben dafür

erforderlich ist, das Vorhandensein einer übermäßigen

Anzahl von Zellen zu verhindern.

B-Lymphozyten – Auch als B-Zellen bezeichnet; dies

ist einer von zwei Haupttypen der Lymphozyten.

Als Plasmazellen bezeichnete, reife B-Lymphozyten

bestimmen die humorale Immunantwort, indem sie

spezifische Antikörper produzieren und absondern, die ein

spezifisches Antigen zerstören.

Bence-Jones-Protein – Ein im Urin vieler an

MM erkrankter Patienten nachgewiesenes und

charakteristisches Protein. Dieses Eiweiß ist ein Fragment

eines größeren, durch Myelomzellen abgesonderten

Immunglobulinmoleküls.

Beta 2-Mikroglobulin (ß2-Mikroglobulin) – Ein auf

der Oberfläche vieler Zellen vorliegendes Protein. Bei

einem aktiven MM führt die verstärkte Produktion

von Myelomzellen zu einem Anstieg der ß2

Mikroglobulinspiegel im Blut.

Bisphosphonat – Ein Wirkstoff, durch den die Adhäsion

der Myelomzellen am Knochenmarkstroma blockiert und

die Aktivität der Osteoklasten inhibiert wird, sodass bei

Patienten mit einem MM die Anzahl der Frakturen und

Läsionen herabgesetzt wird.

Blutharnstoff/-Stickstoff (BUN) – Diagnostische

Blutuntersuchung zur Bewertung der Nierenfunktion, mit

dem der Plasmaspiegel an Harnstoff bestimmt wird – dem

hauptsächlichen Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels,

das normalerweise durch die Nieren eliminiert wird. Bei

einer Niereninsuffizienz kommt es zu einer Ansammlung

von Harnstoff im Blut.

Blutplättchen – Auch als Thrombozyt bezeichneter

Blutbestandteil, wobei diese kleine Zelle eine

ausschlaggebende Rolle bei der Blutgerinnung spielt.

C reaktives Protein – Ein von der Leber produziertes,

spezifisches Protein, das während der Phasen einer akuten

Inflammation oder bei Erkrankungen vorliegt.

Chemotherapie – Der Einsatz von Arzneimitteln zum

Abtöten von Krebszellen.

Chromosome – In den Kernen von Zellen enthaltene

Strukturen, die aus Strängen von Desoxiribonucleinsäure

(DNA) und den hierin codierten Genen bestehen.

Creatinin – Eine normalerweise durch die Niere

ausgeschiedene chemische Substanz. Im Fall einer

Nierenschädigung steigt der Creatinin Plasmaspiegel an.

Elektophorese – Ein Verfahren zum Abtrennen elektrisch

geladener Partikel, insbesondere von Proteinen,

in einer Lösung, durch die Strom geleitet wird. Die

Wanderungsgeschwindigkeit der unterschiedlichen

Bestandteile ist von ihrer Ladung abhängig, so dass

sie sich nach und nach in Banden unterteilen. Die

Elektrophorese findet weit verbreiteten Einsatz in der

Analyse unterschiedlicher, im Blutserum enthaltener

Proteine.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 21

Erythropoetin– Ein natürlich vorkommendes Hormon,

durch das die Bildung von Erythroblasten und die

Freisetzung reifender Erythrozyten aus dem Knochenmark

in das Blut stimuliert wird.

Farnesyltransferase-Inhibitoren – Eine neuartige

und in der klinischen Prüfung befindliche Klasse von

Arzneimitteln, die auf eine Genmutation abzielen (ras

Proto-Onkogen), deren Expression bei verschiedenen

Arten von Karzinomen erfolgt. Es wird außerdem davon

ausgegangen, dass Farnesyltransferase-Inhibitoren auch

auf andere bislang noch nicht identifizierte pathologische

Mechanismen einwirken.

Großes Blutbild (CBC) – Klinisch chemischer Labortest,

der Aufschluss über die Arten und die jeweilige Anzahl der

im Blut enthaltenen Zellen gibt.

Hämoglobin – In den Erythrozyten vorliegende Eisen-

Protein-Verbindung, die für den Transport des Sauerstoffs

von der Lunge in die Gewebe verantwortlich ist.

Hyperkalzämie – Normabweichend hohe Konzentration

von Kalzium im Blut. Die Hauptursache der hohen

Kalziumspiegel im Blut und Urin liegt bei einem MM in der

Zersetzung der an diesem Mineral reichen Knochen.

Hyperviskosität – Verdickung des Bluts, die aufgrund

einer übermäßig hohen Proteinkonzentrationen im Blut

entstehen kann.

Immunelektrophorese – Eine Art der Elektrophorese,

für die zum Identifizieren spezifischer Immunglobulin-

Typen spezielle Techniken des Anfärbens von Antikörpern

eingesetzt werden.

Immunglobulin – Auch als Antikörper bezeichnet.

Immunglobulinen (Ig) sind durch Plasmazellen produzierte

Proteine, die bei der Abwehr von Infektionen dadurch

behilflich sind, dass sie auf spezifische Antigene auf

Bakterien, Viren, Toxinen oder Tumoren abzielen. Sie

bestehen aus schweren und leichten Ketten und werden

je nach ihrer Struktur in fünf Klassen unterteilt – IgA, IgD,

IgE, IgG, IgM.

Kalzium – Hauptsächlich in den harten Teilen der Kochen

angetroffener Mineralstoff.

Knochenmark – Ein weiches schwammartiges Gewebe in

der Mitte der Knochen, das hämatopoetische Stammzellen

produziert, die sich differenzieren und zu weißen und

roten Blutkörperchen sowie Thrombozyten (Blutplättchen)

heranreifen.

Knochenmarksaspiration – Mit Hilfe einer Nadel

gewonnene Flüssigkeits- und Zellprobe aus dem

Knochenmark, die dann mikroskopisch untersucht wird.

Knochenmarksbiopsie – Mit einer Nadel gewonnene

Probe des Knochenmarksgewebes. Eine Biopsie

wird häufig zum gleichen Zeitpunkt wie eine

Knochenmarksaspiration durchgeführt und erweist sich

als besonders nützlich, wenn mit der Aspiration keine

ausreichende Probe gewonnen werden konnte. Biopsien

erbringen die verlässlichsten Informationen über das

Knochenmark und können aufzeigen, ob es innerhalb des

Knochenmarks zu einer Schädigung oder Narbenbildung

gekommen ist.

Laktatdehydrogenase – Ein Enzym, das bei hohen

Spiegeln auf das Vorliegen einer Gewebeschädigung

verweist.

Leukopenie – Herabgesetzte Anzahl weißer

Blutkörperchen im zirkulierenden Blut.

Lymphozyten – Weiße Blutkörperchen, welche die

Immunantwort des Körpers regulieren. Es gibt zwei

Haupttypen: T Lymphozyten und B Lymphozyten.

Monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz

(MGUS) – Eine mit einem MM im Zusammenhang

stehende Erkrankung, bei der die Spiegel des M Proteins

etwas erhöht sind, aber keine zugrunde liegende

Erkrankung festgestellt werden kann. Die meisten

Personen mit einer MGUS bleiben gesund und zeigen

niemals Symptome.

Monoklonales (M) Protein – Ein durch Myelomzellen

produziertes Immunglobulin.

Morphologie – Lehre von den Zellen und Zellstrukturen

von Körpergeweben.

Myelosuppression – Abnahme der Produktion von

Erythrozyten, Thrombozyten und einigen Leukozyten im

Knochenmark.


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 22

Neutropenie – Mangel an Neutrophilen im zirkulierenden

Blut, sodass Patienten für multiple Infekte anfällig werden.

Resorption – Der Prozess des Zersetzens alter oder

abgenutzter Knochensubstanz.

Onkogene – Gene, die das Wachstum und die Replikation

von Zellen fördern. Diese Gene liegen normalerweise

in allen Zellen vor. Onkogene können sie aktivierende

Veränderungen (Mutationen) erfahren, was zu

unkontrolliertem Zellwachstum und zur Entstehung von

Tumoren führt.

Osteoblast – Eine Zelle, die Gewebe und Mineralien

produziert, die dem Knochen seine Festigkeit verleihen.

Osteoklast – Eine Zelle, die alte oder abgenutzte

Knochensubstanz resorbiert und entfernt.

Stammzellen – Hämatopoetische Stammzellen im

Knochenmark differenzieren sich aus und maturieren

zu reifen und funktionstüchtigen Erythrozyten und

Leukozyten.

Strahlentherapie – Der Einsatz ionisierender

hochenergetischer Strahlen wie Röntgenbremsstrahlung,

Gammastrahlung, Neutronen oder anderer

Strahlenquellen zum Zweck des Abtöten von malignen

Zellen und zum Verkleinern von Tumoren.

Thrombozyt – Siehe Blutplättchen.

Osteoporose – Eine Knochenerkrankung, gekennzeichnet

durch eine Abnahme der Knochensubstanz und eine

Verschlechterung der Knochenstruktur, die beide

zusammen zu Brüchigkeit der Knochen führen.

Plasmapherese – Reinigung von Plasma zum Entfernen

bestimmter Proteine, wie z. B. von überschüssigem M

Protein, aus dem Blut.

Plasmazell-Labeling Index – Prognostisches

Testverfahren, mit dem der relative Prozentsatz der aktiv

wachsenden Plasmazellen bestimmt wird.

Plasmazelle – Sich aus der B Zellreihe

ausdifferenzierender Lymphozyt, der Antikörper zur

Unterstützung der Bekämpfung von Krankheiten und

Infektionen produziert.

Plasmozytom – Ansammlung maligne entarteter

Plasmazellen, die an einer einzigen Lokation angetroffen

wird, und nicht diffus über Knochenmark, Weichteile

oder Knochen verteilt ist. Wenn nur ein Knochenareal

hiervon betroffen ist, wird die Bezeichnung „solitäres

Plasmozytom des Knochens“ verwendet. Ein außerhalb

des Knochens gelegener betroffener Bereich wird als

„extramedulläres Plasmozytom“ bezeichnet.

Proliferation – Reproduktion und zahlenmäßige Zunahme

von Zellen.

Thrombozytopenie – Mangeln an Thrombozyten im

zirkulierenden Blut, der mit einem erhöhten Blutungsrisiko

einhergeht.

Tumornekrosefaktor (TNF)-alpha – Ein Protein, das durch

bestimmte Blutzellen (Monozyten und Makrophagen) als

Antwort auf eine Infektion und weitere Stimuli (Zytokine)

produziert wird. TNF-alpha aktiviert Leukozyten und

besitzt eine gegen den Tumor gerichtete Aktivität.

Tumorsuppressorgene – Gene des Körpers, welche die

Ausbildung eines Karzinoms unterdrücken oder blockieren

können.

Wachstumsfaktoren – Substanzen, die das Knochenmark

zur Produktion reifer Blutzellen anregen. Diese werden

natürlich im Körper produziert, und synthetische Versionen

hiervon wurden dafür entwickelt, die Zellproduktion bei

Menschen zu fördern, bei denen wegen einer Erkrankung

oder als Resultat einer Chemotherapie/Strahlenaussetzung

keine ausreichende Anzahl von Blutzellen vorhanden ist.

Zytogenetik – Bewertung und Beurteilung der

chromosomalen und genetischen Charakteristika

menschlicher Zellen.

Zytokine – Hormonähnliche Proteine, durch die

Immunreaktionen reguliert und die Produktion wie auch

Funktion von Zellen vermittelt werden.

Proteasom – Eine spezialisierte Struktur (Organelle) der

Zelle, durch die Proteine abgebaut oder zersetzt werden.


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61. Thalomid [package insert]. Morris, NJ: Celgene Corporation; 2005


Multiples Myelom – Broschüre der Wissenschaftsjournalisten 26

ANHANG: RESSOURCEN

Weiterbildung und Informationen für Patienten und medizinisches Fachpersonal

American Cancer Society (www.cancer.gov)

American Society of Clinical Oncology (www.asco.org)

American Society of Hematology (www.hematology.org)

National Comprehensive Cancer Network (www.nccn.org)

National Cancer Institute (www.nci.nih.gov)

International Myeloma Foundation (www.myeloma.org)

Multiple Myeloma Research Foundation (www.multiplemyeloma.org)

Multiple Myeloma Association (www.webspawner.com/users/myelomaexchange)

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