Nova Mentor - Fliegen-ist.de

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Nova Mentor - Fliegen-ist.de

Weit länger als angekündigt

mußten die Piloten auf

den Mamboo-Nachfolger

warten. Jetzt ist es endlich

so weit, die wichtigsten

Größen des Nova-High

Level 1-2er haben die

deutsche Zulassungshürde

genommen ...

Nova

Mentor

TESTPILOT: NORBERT APRISSNIG


Nichts Gutes hat sich Nova mit der viel

zu frühen Ankündigung des Mentor vor

etwa einem Jahr selbst angetan. Die Verkäufe

des Mamboo brachen - in Erwartung des

Nachfolgers - ein, und der Mentor ließ lange

auf sich warten. Was war geschehen? In der

Euphorie über den Leistungsflügel Ra wollte

Hannes Papesh offensichtlich das radikale 3-

Leinerkonzept auf den neuen High-Level-1-2ers

umlegen. Anscheinend wähnte sich das Nova-

Entwicklungsteam bereits in der Zielgerade,

als sich herausstellte, daß sich das Ra-

Leinenkonzept und -Profil doch nicht so ohne

weiteres auf die 1-2er-Klasse umlegen ließ.

„Zurück zum Start" hieß es dann schließlich, ein

ganz neues Konzept mußte her. Schlußendlich

wollte man das Leistungspotential des erfolgreichen

Mamboo noch toppen! Im Sommer 2007

war man dann endlich am richtigen Weg, doch

es gab noch viel im Detail zu tun, bis der Mentor

endgültig gütesiegelreif war.

Es spricht allerdings für die ungebrochene

Popularität des österreichischen Herstellers,

denn trotz der „Verspätung" von einem Jahr

schien das Interesse am Mentor ungebrochen

zu sein. Bis hin zur endgültigen Fertigstellung

des Flügels brach in der Internetcommunity

ein richtiggehender Mentor-Hype aus. Ja, es

wurden sogar Wetten auf die Gleitzahl abgegeben,

die das GLEITSCHIRM-Magazin messen

würde.

Von den vier angestrebten Größen sind nun mittlerweile

der S, M und L mit LTF 1-2 homologiert

worden, die XS-Größe soll folgen!

Wir testeten die M-Größe mit einem Startgewichtsbereich

von 95-110 kg.

Konstruktion, Verarbeitung

Nach dem Wegfall extremer Leinenkonzepte

scheint rein optisch und von den technischen

Daten her der Mentor wenig spektakulär: Der

53 Zeller verfügt über eine Streckung von

5,43. Das Leinenkonzept besteht aus relativ

kurzen Topleinen und einer Zwischengalerie

und dies auf 4 Leinenebenen, die auch auf 4

Tragegurtebenen aufgeteilt sind. 3 A-, 4 B-, 3 C-

und 2 D-Stammleinen sind für einen Fetischisten

der Leinenreduzierung wie Hannes Papesh, kurz

gesagt „stinknormal". In diesem Bereich stechen

nur die unummantelten Topleinen ins Auge!

Hannes bezeichnet dieses Leinenkonzept, das

ähnlich wie beim Vorgänger ausgefallen ist,

als „Sicherheitskonzept", sieht darin aber auch

noch großes Potential für die Zukunft.

Fotos: Norbert Aprissnig

Pflichtenheft

Test Mentor

Das Konzept mit nur 2-Stammleinen pro

Seite geht sich – laut Papesh – nur dann aus,

wenn man ungefähr die gleiche Last auf beide

Stammleinen bringt, was im Unterschied zum Ra

beim Mentor nicht funktioniert hat.

Ansonsten fallen von der Optik die trapezförmigen

Eintrittsöffnungen und der markante,

gerade Stabiloabschluß auf. Die trapezförmigen

Eintrittsöffnungen lösen die Probleme, die es

Pflichtenheft:

Gegenüber dem Vorgänger Mamboo:

• verbesserte Leistung

• besseres Handling

• einfacheres Flugverhalten

• weniger Hebeln in der Thermik

• Gewichtsreduzierung

• einfacheres Startverhalten

Eingesetzte Mittel:

• umfangreiche Computersimulationen und Praxistests

• viele Prototypen (die teilweise in andere Richtungen

gingen (mehr Streckung, mehr Zellen)

Eingesetzte Mittel und Erkenntnisse:

• nicht zuviel von einem gelungenen Konzept

abweichen

• sorgfältig Schritt für Schritt arbeiten, sonst

kommt man angesichts des Perfektionsgrades der

bestehenden Konzepte nicht mehr weiter

• am Detail feilen (Segelspannung, Außenflügel)

Konstruktion

Tragegurtebenen: ❑ 3 ❑ 4

Leinenebenen: ❑ 3 ❑ 4 ❑ 5

Leinengalerien: ❑ 1 ❑ 2 ❑ 3

Ohrenanlegehilfen: ❑ ja (geteilte A-Gurte)

❑ nein

Schmutzauslaßöffnungen: ❑ ja ❑ nein

Sonstiges: –

Herstellerinfos

Hersteller und NOVA International

Vertrieb A: 6020 Innsbruck

Tel. +43 (0)512/361340

www.nova-wings.com

Importeur D: Charly Produkte

D-87637 Seeg

Tel. +49 (0)8364/1286

www.charly-produke.de

Importeur CH: High Adventure

CH-6383 Dallenwil

Tel. +41 (0)628 01 30

www.high-adventure.ch

Produktion:

Konstrukteur:

Testpiloten:

Mecsekballon/Ungarn

Hannes Papesh

Toni Bender, Mario Eder, Walter

Holzmüller

gleitschirm-magazin.com 3/08

55


Technische Daten (Herstellerangaben)

Größe: XS S M L

Zellen: 53 53 53 53

Startgewicht kg: 65-85 80-100 95-110 105-130

Spannweite ausgelegt m: 11,42 11,96 12,48 12,97

Spannweite projiziert m: 9,06 9,48 9,89 10,28

Fläche ausgelegt m 2 : 24,00 26,33 28,65 30,96

Fläche projiziert m 2 : 20,59 22,59 24,58 26,56

Streckung ausgelegt: 5,43 5,43 5,43 5,43

Streckung projiziert: 3,98 3,98 3,98 3,98

Gewicht kg: 5,4 5,9 6,4 6,9

Gesamtleinenlänge (m): 311 326 340 354

Leinenlänge (m): 6,97 7,3 7,61 7,91

Gütesiegel LTF: – 1-2 (PA) 1-2 (DHV) 1-2 (PA)

Gütesiegel EN: – EN B EN B EN B

Preis € (ohne USt): 2.890,– 2.890,– 2.890,– 2.890,–

Vmin km/h: – – – –

Vtrimm km/h: – – – –

Vmax km/h: – – – –

Testprotokoll

Fluggeschwindigkeit

Meßinstrument: Bräuniger IQ Basis II, GPS

Meßhöhe (m MSL): 700

Vmin (km/h): –

Vtrimm (km/h): 38

Vmax (km/h): 51

VOhren angelegt (km/h): –

Startgewicht Testpilot (kg): 97

Flächenbelastung (kg/m 2 ): 3,99

Gewicht Schirm (kg): 6,45

Startgewichtsbereich/

Startgewicht Testpilot 95 97

Gurtzeug Testpilot: Airwave Ram Race

Steuerkraftdiagramm

12

9

6

3

0

Steuerkraft [daN (≈kg)]

10

GLEITSCHIRM

110

Steuerweg [cm]

20 30 40 50

Gleitzahl: 8,8

Die Gleitzahl wird vom GLEITSCHIRM-Testteam mit einem sehr aufwendigen

Testverfahren ermittelt. Wie bei den Segelfliegern werden bei absolut

ruhigen Bedingungen (vor Sonnenaufgang) mehrere Vergleichsflüge mit

einem ausgesuchten Referenzgleitschirm vorgenommen (dabei wechseln

die Piloten mehrfach zwischen Referenz- und Testschirm). Die verwendeten

Gurtzeuge sind ident, ebenso das Startgewicht. Nach jedem Flug

wird mit hochgenauen Fluginstrumenten die Höhendifferenz der beiden

Gleitschirme ermittelt. Abschließend wird aus diesen Einzelwerten der

Mittelwert berechnet und daraus die Gleitzahl des Testgerätes errechnet.

Mit dieser Methode wird eine Meßtoleranz von +/- 0,1 erreicht (in bezug

auf das Referenzgerät).

Meßinstrumente: 2 x Aircotec XC-Trainer

Vergleichsgurtzeuge: Airwave Ram Race

(ohne aerodynamisches Heckteil)

Beschleunigungsweg: 40 cm

(Benötigter Weg für volles Beschleunigen)

Materialien/Vernähung

Sauber verarbeiteter,

schmaler Tragegurt

von der Spannung her im Eintrittskantenbereich

immer gibt.

Was im Flug noch aufgefallen ist: Die Hinterkante

neigt schon bei leichtem Bremseinsatz zu

Ausbildung von tunnelförmigen Wölbungen. Dies

passiert durch die relativ starke Leinenreduktion

im Bremsleinenbereich. Da dies nicht leistungsmindernd

ist, habe man, so verlautet der

Konstrukteur, diesen kleinen Schönheitsfehler in

Kauf genommen.

Was die Verarbeitung gerade bei Nova-Gleitschirmen

betrifft, gibt es immer wieder sehr

gegensätzliche Meinungen. Uns haben die sauber

verarbeiteten, schmalen Tragegurte, die nicht

immer ganz sauber aussehenden, aber sehr

Obersegel: NCV 9092 E85A 45 g/m 2

Untersegel: NCV 9017 E112A 40 g/m 2

Rippen: NCV 9092 E29A 40 g/m 2

Galerieleinen: Liros DC 60 nicht ummantelt

Zwischengalerie: Liros Dyneema PPSL 160

Stammleinen: Liros Technora TSL 190

Zubehör:

Innenpacks., Kompr.-band, Packsack,

Beschleuniger, Windsack, Handbuch

Rollenmaterial: ❑ Kunststoff/Metall

❑ Vollkunststoff

Bremsgriffbefestigung: ❑ Magnetclip

❑ Druckknopf

Steuergriff

Weiche Schlaufe mit hartem Griffsteg

Leinenfixierung in den ❑ Gummiring

Schäkeln: ❑ Kunststoffclip

Nähte:

❑ außenliegend

❑ innenliegend

Vernähung der weich abgelängt, unummantelte

Leinenenden: Topleinen sauber vernäht

Leinenaufhängungs- Mit weiterführender Zugentlastung

punkte:

auf Mylar vernäht

Trapezförmige

Eintrittsöffnungen

weich abgelängten Leinenenden sowie die zugentlastende

Weiterführung der Vernähung der

Leinenschlaufen gefallen. Der Materialeinsatz

ist hochwertig (unummantelte Topleinen, Bremswirbel).

Startverhalten

Die Startvorbereitungen sind schnell abgeschlossen,

da die Leinen gut auseinanderfallen und

nicht zur Ausbildung von Schlaufen neigen. Die

unummantelten Topleinen benötigen aufgrund

ihrer Kürze keine besondere Aufmerksamkeit.

Die Auslegung erfolgt leicht mittenbetont,

ansonsten sind keine speziellen Tricks notwendig.

Die Kappe steigt leichtgängig und ohne

Verzögerung. Das Feedback in dieser Phase

ist bereits weich und angenehm, eine Tendenz

zum Hängenbleiben oder Vorschießen konnten

wir nicht feststellen.

Von allerfeinster Sahne sind auch die Rückwärtsstarteigenschaften

des Mentor. Einfach und

überschaubar läßt sich die Kappe kontrollieren

und über dem Piloten halten. Bereits bei wenig

Wind steigt der Mentor leicht, bleibt nicht hängen

und verlangt nicht nach ständigem Nachziehen

an den A-Gurten. Auch ein Ausbrechen oder gar

eine unangenehme Giertendenz beim Spiel im

Starkwind ist nicht gegeben.

Hinweis für Piloten, die den Gleitschirm im

Starkwind mit den D-Tragegurten dirigieren: Die

Wirkung des D-Tragegurts beim notwendigen

Zerstören des Auftriebs ist gering, wir empfehlen

die gleichzeitige Verwendung des C- und

D-Tragegurts.

Flugverhalten

Der Mentor ist ein Flügel der auf Anhieb begeistert!

Die Kappencharakteristik scheint ein für

diese Klasse perfekter Kompromiß zu sein, wirkt

weder knallhart noch zu weich, verbunden mit

einem hohen „Wohlfühlfaktor". Das Handling ist

ganz hervorragend, die Wendigkeit hoch ohne

durch unangenehme Dynamik zu überfordern.

Sicher und exakt folgt die Kappe den Befehlen

des Piloten, das Feedback von der Kappe

ist dabei schlüssig und immer präsent. Trotz

der Agilität und Wendigkeit steht die Kappe

immer zentral über dem Piloten, die Nick- und

Rolldämpfung ist hervorragend.

56 3/08 gleitschirm-magazin.com


Test Mentor

Mit diesen Attributen, die begeistern, ist das

Fliegen in der Thermik ein Genuß. Ohne große

Bewegungen oder Verzögerungen sticht der

Mentor in den Aufwind und dreht sicher nach

oben. Unsicherheiten kommen so gar nicht

auf, und der Flügel sucht sich förmlich das

beste Steigen. Hebelbewegungen, Schieben,

Unwilligkeit, Flachstellen ... alles Fehlanzeige!

Über diese unangenehmen Erscheinungen in turbulenten

Aufwinden braucht man sich mit dem

Mentor keine Gedanken machen, sie kommen

einfach nicht vor. Aufwindkern verändert sich,

engerer Kurvenradius ist gefordert ... bitte sehr.

Nachdrücken mit der Bremse und ein bißchen

mehr Gewicht verlagern ... und schon folgt der

Flügel willig. Superbes Verhalten, so kann man

sich ausschließlich um den Flugspaß „kümmern"

und muß sich nicht mit diversen „Spielchen" der

Kappe beschäftigen. Fast schon zu einfach, wie

ein gutmütiger Basisintermediate ist der Mentor

zu fliegen.

Obwohl wir am unteren Ende des Gewichtsbereichs

unterwegs waren, hat auch kein Testpilot

den Wunsch nach mehr Flächenbelastung oder

satterem Fluggefühl - selbst in Turbulenzen -

geäußert. Aber keine Frage, wer noch mehr

Wendigkeit und Dynamik sucht (uns hat sie nicht

gefehlt), der findet diese Charakteristik sicherlich

mit der S-Größe und ähnlichem Startgewicht.

Bei seitlichen Einklappern ist dann doch die

Zugehörigkeit zur High-Level 1-2er-Klasse feststellbar.

Aktiv geflogen und auf Einklapper reagierend

gibt's überhaupt kein Problem, aber

bei völliger Passivität können größere, seitliche

Einklapper (> 60 %) schon mal mit einem kleinen

Gegenklapper enden. Die Öffnung erfolgt meist

nach etwas mehr als 180°.

Gute Nachricht auch für schnellfliegende

XC-Piloten: Das Fußgas ist leichtgängig und

weich zu betätigen. Der Mentor ist auch voll

beschleunigt sehr stabil und ruhig! Die leichte

Frontstallanfälligkeit des Mamboo konnte beim

Beschleunigen des Mentors nicht festgestellt

werden.

Die gute Dämpfung erlaubt trotzdem das

Fliegen von hohen Wing Over, selbst im unteren

Gewichtsbereich zeigt der Mentor Freestyle-

Eigenschaften und macht vor allem viel Spaß.

Abstiegshilfen

Ohrenanlegen:

Das Anlegen der Ohren ist mit dem geteilten

äußeren Tragegurt sehr einfach. Gab es bei den

Vorgängern noch teilweise Beschwerden über

ein unruhiges Schlagen der Ohren, ist dieses

Problem beim Mentor nicht mehr vorhanden.

Allerdings klappen die Ohren nicht ganz sauber

weg, und auch die Effizienz ist nur mäßig. Die

Öffnung erfolgt selbständig, leicht verzögert.

B-Stall:

Der Einleitewiderstand zum B-Stall ist relativ hoch.

Dann schiebt sich die Kappe sauber zusammen,

der eigentliche B-Stall ist gut kontrollierbar und

zeigt keine Tendenz zum Verwinden oder zu

einer Rosettenbildung. Die Ausleitung erfolgt mit

sicherem Anfahren ohne Sackflugtendenz.

Steilspirale:

Parademanöver mit dem Mentor! Die Einleitung

erfolgt schnell, aber ohne den Piloten zu überfordern.

In der Steilspirale bleibt der Mentor gut

dosierbar. Die Ausleitung erfolgt ohne Tendenz

zum Nachdrehen, sehr ruhig und überschaubar.

Resümee

Das lange Warten hat sich gelohnt! Mit dem

Mentor ist dem Team um Hannes Papesh

ein herausragendes Fluggerät gelungen, das

durch seine sehr gute Abstimmung begeistert:

Wendig und sehr agil und trotzdem verblüffend

gut gedämpft: Der Mentor vermittelt Spaß und

promptes Vertrauen zugleich!

Gegenüber dem beliebten Vorgänger Mamboo

konnte nicht nur die von Nova erwartete

Leistungsverbesserung erreicht werden, sondern

der Mentor ist auch in allen Belangen

wie Handling, Thermikflugeigenschaften und

Abstiegshilfen markant verbessert.

Mit diesem neuen High-Level 1-2er setzt Nova

neue Akzente in der 1-2er-Klasse!

Die Zielgruppe des Mentors sind erfahrene

Thermikflieger und Streckenflieger, die einen leistungsstarken

1-2er suchen, der trotzdem relativ

einfach zu fliegen ist!

Kurzbewertung

Verarbeitung/Material: Nova-typische Verarbeitung,

guter Materialeinsatz

Starten: In allen Situationen überaus einfach und

sicher

Fliegen: Feinfühlig und exakt, trotzdem perfekt

gedämpft

Ohren anlegen: Einfach aber wenig effizient, kein

Schlagen der Ohren

B-Stall: Sicher, aber hoher Widerstand bei der

Einleitung

Steilspirale: Exakt dosierbar, schnelle Einleitung

ohne den Piloten zu überfordern, sichere

Ausleitung

Die Wertung:

Eignung

Einsteiger

Gelegenheitspilot

mangelhaft

durchschnittlich

gut

sehr gut

ausgezeichnet

Erfahrener Pilot

Leistungsorientierter

Pilot, Streckenflieger

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