Programmheft 26.01.2010 - Beethoven-Haus Bonn

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Programmheft 26.01.2010 - Beethoven-Haus Bonn

B E E T H OV E N - H AU S B O N N

Dienstag, 26. Januar 2010, 20 Uhr

KAMMERKONZERTE

Susanna Yoko Henkel, Violine

Milana Chernyavska, Klavier

Bonngasse 24-26 · 53111 Bonn

Tel 0228-98175-15 · Fax 0228-98175-24

www.beethoven-haus-bonn.de

20 JAHRE KAMMERMUSIKSAAL

Beethoven-Haus

Kammermusiksaal

Hermann J. Abs


Dienstag, 26. Januar 2010, 20 Uhr

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Sonate für Violine und Klavier Es-Dur op. 12 Nr. 1

Allegro con brio

Tema con Variazioni. Andante con moto

Rondo. Allegro

KAMMERKONZERTE

Sergej Prokofieff (1891-1953)

Violinsonate Nr. 2 D-Dur op. 94a

Moderato

Scherzo. Presto

Andante

Allegro con brio

- Pause -

Arnold Schönberg (1874-1951)

Fantasie für Violine und Klavier op. 47 (1949)

Franz Schubert (1797-1828)

Fantasie C-Dur für Violine und Klavier D 934

Andante molto

Allegretto

Andantino

Tempo primo. Allegro. Allegretto. Presto

Susanna Yoko Henkel, Violine

Milana Chernyavska, Klavier

Mit freundlicher Unterstützung der Hermann J. Abs-Stiftung


ZUM PROGRAMM

Ludwig van Beethoven

Der Originaltitel des 1799 erschienenen Druckes von Opus 12 lautet „Tre

Sonate per il Clavicembalo o Forte-Piano con un Violino”. Dieser Titel verweist

[...] auf eine bestimmte Aufführungspraxis, die nicht erst durch

Beethoven – doch durch ihn in entscheidender und auch rigoroser Weise

– zugunsten des Duo-Prinzips verwandelt wurde. D.h. der Titel und das,

was unter ihm musiziert wird, klaffen auseinander, bilden einen merkwürdigen

Widerspruch. Möglich, dass Beethoven diesen Widerspruch ob

der Erinnerung an Mozart in Kauf nahm, dessen Sonaten KV 376 bis 380

allen drei im Opus 12 zusammengefaßten die Wege bereiten. Wie dem

auch sei: Beethoven nimmt [...] Anregungen auf, um aus ihnen Eigenes

und Eigenständiges zu formen. So folgt er zwar mit jeweils dreisätzigem

Formaufbau in der fast schon archetypischen Konstellation „schnelllangsam-schnell”

sowie mit sonatischem Eröffnungs- und rondoartigem

Schlusssatz vertrautesten Vorbildern, gibt jedoch jedem Satz ein unverwechselbares,

die Vorbilder nicht selten ironisch brechendes Profil. Das

deutet sich sogleich in der Eröffnung des Kopfsatzes von Opus 12 Nr. 1

an: ein lapidar-schwungvolles Unisono, das gewissermaßen den Tonraum

absteckt für das nahtlos anschließende, zwischen beiden Instrumenten

hin- und hergeworfenen Hauptthema. Der langsame Satz enthält Variationen

über ein Andante-Thema in A-Dur, das im singenden Dialog beider

Instrumente vorgetragen wird. Hervorstechend in der Variationenfolge

[ist] das dritte Stück in Moll, das im Abstand lediglich eines Taktes einen

aggressiven dynamischen Kontrast von Piano und Fortissimo aufeinanderprallen

lässt.

Mathias Hansen, Booklet zur Einspielung der Violinsonaten von Beethoven

durch Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis

Sergej Prokofieff

Das kammermusikalischen Œuvre Sergej Prokofieffs umfasst

zwei Violonsonaten: An der Sonate Nr. 1 in f-Moll op.

80 arbeitete er acht Jahre, von 1938 bis 1946. In diesem

Zeitraum entstanden neben bedeutenden Werken für die

Oper, für das Ballett und den Film der Zyklus der drei Klaviersonaten

Nr. 6 bis 8 und die 5. Symphonie. Die zweite

Violinsonate D-Dur op 94a, laut Prokofieff „in hellem und

durchsichtigem klassischem Ton“ gehalten, wurde zwar

zwei Jahre vor der ersten vollendet, da Prokofieff die Violinsonate

op. 80 aber bereits 1938 begonnen hatte, erhielt

diese die Nummer 1. Prokofieff schrieb die 2. Violinsonate

Sergej Prokofieff

auf Anregung des Geigers David Oistrach, dem der Komponist

später auch die legendäre Moskauer Uraufführung der ersten Violinsonate

verdanken sollte, als Transkription seiner Flötensonate aus dem

Jahr 1943.

Arnold Schönberg

Auf Anregung des Geigers Adolph Koldofsky komponierte Arnold Schönberg,

der 1933 in die USA emigriert war, im März 1949 parallel zu den

Chorwerken „Dreimal tausend Jahre“ und „Israel Exists Again“ ein „Stück

für Violin-Solo mit Begleitung des Klaviers“. Dass der solistische Anteil

der Violine durchaus auch konzeptionell und seiner im Titel angedeuteten

hierarchischen Stellung wörtlich zu nehmen ist, wird durch die den autographen

Quellen ablesbaren Kompositionsweise des Werks belegt: Schönberg

schrieb zunächst die Violinstimme komplett aus (Enddatum: 22. März

1949), ehe erst eine Woche später der begleitende Klavierpart vollendet

wurde. [...]. Die Werkgattung Fantasie rangierte in Schönbergs Lehrbuch

„Formbildende Tendenzen der Harmonie“ unter den „sogenannten freien

Formen“, bestimmt durch opulentes Figurenwerk, instrumentale Improvisation

und spontanen Ausdruck. Mit den klassischen und nachklassischen

Genreusancen hat Schönbergs dodekaphone Fantasie insoviel gemein, als

die Virtuosität der spielerischen Anlage durchaus mit Schuberts Violinfantasie

C-Dur und die formale Disposition mit Mozarts Fantasie c-Moll KV

475 verglichen werden kann. [...] Die Fantasie ist grobschematisch in vier

Teile gegliedert: ein motivbildender Bereich mit Überleitung (der Hauptgedanke

des Werks ist sechstaktig), ein mit dem langsamen Satz einer Sonate

vergleichbaren Lento-Abschnitt, Scherzando und Coda (jeweils mit

Überleitung). Einen klassischen Wienerischen Ton kann die Fantasie keinesfalls

verleugnen, wird doch die Ausdrucksästhetik des Werks stellenweise

etwa durch tänzerische Dreierrythmik genährt, wie sie im Geigenklang

vergleichbarer Satzpartien von Schubert bis Mahler aufscheint. Die

spieltechnische Vielfalt [...] reicht von Doppelgriffen in äußerst weitem

Ambitus, Glissando-, Pizzicato-, Flageolett- bis zu diffizilen Tremolo-Effekten

und dynamisch differenzierten Akkord-Arpeggien.

Therese Muxeneder, Arnold Schönberg Center

Franz Schubert

Am 20. Jänner 1828 wurde Schuberts Fantasie für Violine und Klavier, sein

letztes Kammermusikwerk, uraufgeführt – zehn Monate vor Schuberts

Tod. Und die Kritik und die Publikumsreaktionen waren eindeutig. Ein

Chronist schreibt: „Es leerte sich an diesem 20. Januar 1828 der Konzertsaal

allmählich, und der Autor dieser Zeilen muß gestehen, daß er selbst

außerstande ist, etwas über das Ende des Stückes zu sagen.“ Zugegeben:

das Stück ist mit seinen knapp 30 Minuten als Kammermusikwerk für Violine

und Klavier nicht gerade kurz. Aber es bietet eine solche Vielfalt an

Ideen, an Ungewohntem, Originellem, dass die Reaktion aus heutiger Sicht

verwundert. Vielleicht lag die Langeweile mancher Hörer [damals] ja gerade

an der ungewohnten Form, denn das hatte es in diesem Ausmaß

noch kaum gegeben: eine Fantasie, eine gewissermaßen unverbindliche

Aneinanderreihung von Themen, Melodien und Variationen. Also keine Sonate,

kein Rondo, keine gewohnte Satzaufteilung in schnell-langsamschnell.

Für damalige Ohren ging hier alles drunter und drüber. In die

Mitte setzt Schubert die Melodie seines Liedes „Sei mir gegrüßt“ und lässt

es von Violine und Klavier mehrfach variieren.

Hans-Georg Nicklaus, oe1.orf.at

ZUM PROGRAMM


VERONIKA EB ERLE

Susanna Yoko Henkel, Violine

Susanna Yoko Henkel gehört zu den führenden Geigerinnen der

jungen Generation. Aus einer deutsch-japanischen Musikerfamilie

entstammend, erhielt sie bereits im Alter von zwei Jahren den

ersten Violinunterricht von ihrer Mutter. Anschließend bekam sie

Unterricht von Conrad von der Goltz und wurde im Alter von 12 Jahren

an der Musikhochschule in Freiburg als Jungstudentin von Rainer

Kussmaul aufgenommen. Später wechselte sie an die

Musikhochschule nach München, wo sie bis zum Ende ihres Studiums

bei Ana Chumachenco studierte. Weitere wichtige Impulse erhielt

Susanna Yoko Henkel von Gerhard Schulz, Joseph Silverstein,

Györgi Sebok und Lorand Fenyves.

Bereits in ihrer Studienzeit gewann sie zahlreiche Preise bei internationalen

Wettbewerben. 1998 errang Susanna Yoko Henkel den

ersten Preis beim Deutschen Musikwettbewerb in Berlin und war

Stipendiatin der Mozart Gesellschaft Dortmund und der Deutschen

Stiftung Musikleben. Ihren Wettbewerbserfolgen folgte eine intensive

Konzerttätigkeit mit zahlreichen führenden Orchestern. Neben

ihrer Tätigkeit als Solistin ist Susanna Yoko Henkel eine leidenschaftliche

Kammermusikerin. 2006 gründete sie ein Kammermusikfestival

in Zagreb/Kroatien, welches sich bereits zu einem festen

Bestandteil des dortigen Kulturlebens etabliert hat. Sie wird regelmäßig

als Gast zu führenden internationalen Musikfestivals wie der

Ansbacher Bachwoche, den Ludwigsburger Schlossfestspielen,

dem Rheingau-Musik-Festival und den Konzerten im Chatelet Paris

eingeladen.

2009/2010 ist Susanna Yoko Henkel „Artist in Residence“ der Duisburger

Philharmoniker und wird in dieser Funktion verschiedene

Projekte, darunter das Violinkonzert von Tschaikowsky, mehrere

Kammermusik- und Jugendprojekte realisieren.

Milana Chernyavska, Klavier

Die Pianistin Milana Chernyavska wurde in Kiew geboren. Bereits

siebenjährig wurde sie als Studentin am Tschaikowsky Konservatorium

Kiew aufgenommen. Nach dem Studium folgten Meisterkurse

sowie ein Meisterklasse-Studium bei Prof. Margarita Höhenrieder

und Prof. Gerhard Oppitz an der Musikhochschule München. Als

Preisträgerin internationaler Klavier- und Kammermusikwettbewerbe

gastierte sie auf vielen international bedeutenden Podien,

u.a. beim Lucerne Festival, dem Rheingau-Musik-Festival, dem

Schleswig-Holstein Festival, in der Londoner Wigmore Hall, dem

Concertgebouw in Amsterdam und dem Herkulessaal der Münchner

Residenz. Zu ihren Kammermusikpartnern zählen Julia Fischer,

Elisabeth Batiashvili, Daniel Müller-Schott und das

Vogler-Quartett. Einspielungen liegen bei Labels wie EMI, Naxos

und Ars Musici vor.

Milana Chernyavska unterrichtet an der Hochschule für Musik und

Theater in München und ist Professorin am Konservatorium Feldkirch

(Österreich).

OLIVER SCHNYDER

Susanna Yoko Henkel spielt die „Ex Leslie Tate“ Stradivarius von

1710, eine großzügige Leihgabe aus privatem Besitz.

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