VP 1-2012.indd - IG VELO im Landkreis Lörrach

igvelo.de

VP 1-2012.indd - IG VELO im Landkreis Lörrach

Zeitschrift der IG Velo im Landkreis Lörrach • www.igvelo.de

Nr. 1/2012

VeloPost

Radlerglück

Wir wünschen ein rund laufendes Fahrradjahr

2012 mit so guter Laune, wie wir‘s sehen bei

Klaus Franz aus Lörrach auf seinem Bäckerrad!

VeloPost 1/2012

1


Lörrach

Vorneweg

25

Wir rollen zügig auf ein

großes Jubiläum zu: Am

9. Juni 2012 jährt sich

zum 25. Mal die Gründung der IG

Velo! Damals trafen wir uns auf

Fahrrädern mitten im Grüttpark.

Kommenden Juni werden wir in

den Werkraum Schöpflin einladen,

in die Zukunft blicken und selbstverständlich

auch Bilanz ziehen.

Greifen wir kurz vor: Wir haben

viel erreicht in Zusammenarbeit mit

Planern, Politikern und Kommunalverwaltungen!

Jedes Jahr gewinnt

das Radfahren dazu, wird Großes

investiert - lesen Sie auf diesen Seiten

von der Velostation Velö - und

vieles Kleine verbessert:

Aktuelle

Beispiele finden

Sie unter

anderem wieder

auf unserer

Seite „bemerkt

+ notiert“. Inzwischen

ist uns Radfahrern ein recht

gut geknüpfter Teppich ausgerollt.

Den 25 Jahren Arbeit für die Radfahrer

werden weitere folgen. Denn

wir schauen weit ins Land und auch

über die Grenzen hinweg, wissen

deshalb, was anderswo möglich

ist - und sind begeistert auch, wie

da und dort Ideen geboren und zur

Wirklichkeit werden. Nehmen wir

nur einmal „Offenburg radelt“, Sie

lesen darüber auf Seite 11. Fazit: Es

ist noch Luft nach oben. (wg)

IMPRESSUM

VELOPOST: Zeitschrift der

IG Velo, erscheint vierteljährlich. Der

Preis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

HERAUSGEBER:

IG Velo im Landkreis Lörrach.

Postanschrift: Postfach 1702,

79507 Lörrach.

Telefon & Fax: 07621-44446.

E-Mail: info@igvelo.de

REDAKTION: Wolfgang Göckel

(wg/verantw./velopost@igvelo.de),

Thomas Hofmaier (th/E-Mail: thomas.

hofmaier@gmx.net). Mitarbeiter dieser

Ausgabe: Jürgen Wiechert (wie),

Wolfgang Gorenflo (lo), Bernhard Braun

(bb) , Klaus Brossok (ok), Nicole Dahms

ANZEIGEN: Wolfgang Göckel

(E-Mail: velopost@igvelo.de)

DRUCK: Südwestdruck Lörrach

auf 100% Recycling-Papier.

AUFLAGE: 3.300

Lörrachs Velostation

ist gebaut, der volle

Betrieb beginnt allerdings

erst im Frühjahr

2012. Die IG Velo hat

sich umgeschaut und

ist beeindruckt von

Bau wie Betreibern.

Der Wermutstropfen:

Das unverzichtbare

Parkhaus – eine „Einstellhalle“

– ist zwar

fertig geplant, wird

aber nicht vor 2013

dem Velö zur Seite

gestellt.

Bühne frei für Velö!

Die IG Velo hat sich gleich umgeschaut

in der neuen Velostation

Lörrach (Velö). Sie wurde mitgebaut,

als „follow me bike & snowsports“ 2011

neben dem Bahnhof ein neues Domizil

errichtet hat. Follow me und Stadt

Lörrach machen bei Velö gemeinsame

Sache; mit in den Sattel gestiegen ist

die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden.

Lange hat die Stadtverwaltung nach

dem besten Ort und dem richtigen Betreiber

einer Velostation gesucht. Die

gefundene Lösung wird von der IG

Velo als ausgezeichnet bewertet. Andy

Wochner und Axel Winterhalter, beide

Inhaber und Geschäftsführer von

follow me, haben die neue Aufgabe mit

klarem Konzept angepackt. Spielt die

Stadt als Partner nun mit ähnlichem

Schwung mit, könnte Velö tatsächlich

das erhoffte Aushängeschild einer

Fahrradstadt Lörrach werden.

„Die Räume sind fertig, der Betrieb

ist noch eingeschränkt“, erklärt Andy

Wochner. Bis Frühjahr 2012 wird eines

zum anderen kommen: so zum selbst

Pumpen eine Druckluftstation draußen

vor der Tür, eine Akku-Tankstelle, eine

Vielzahl von Werkzeugen und Ersatzteilen,

eine Flotte von rund 40 Leihrädern

(derzeit etwa ein Dutzend) mit

starkem Anteil „elektrisch“. Wichtiger

Teil von Velö ist eine fix arbeitende

Werkstatt, die manche Defekte sofort

erledigt – geht der Kunde zwischenzeitlich

nicht einen Kaffee trinken,

wird er vielleicht am Montageständer

zuschauen. „Wir wollen schnellen

Service spürbar machen“, versprechen

Wochner und Axel Winterhalter. Der

Kunde kann auch auf einem Leihrad

die Reparaturzeit überbrücken.

Geöffnet ist die Velostation von 9

bis 18.30 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr,

samstags bis 18 Uhr. Velö wird auch

ein Ort zum Blättern und Surfen; noch

sondiert das Team, was an Büchern

und Broschüren zum Kauf angeboten

wird. Für mehr Information steht am

InfoPoint ein PC. Wie sich die Adresse

www.velostation-loerrach.de mit Inhalt

füllt, kann in den nächsten Wo-

2 VeloPost 1/2012


Lörrach

Die Velostation mit der Mieträder-Flotte

(oben rechts) und mit den Betreibern

am PC des Infopoints: Andy Wochner

(rechts) und Axel Winterhalter, beide

zugleich Inhaber von follow me.

chen jeder selbst verfolgen. Eine Info-

Einbahnstraße soll das nicht werden.

Geplant ist ein Redaktionssystem, das

Nutzergruppen geöffnet wird – Car-

Sharing beispielsweise oder IG Velo,

die ihre Themen einstellen können.

Es lohnt heute schon, neugierig in

die Velostation hineinzuschauen. Und

dann nicht die richtige Eröffnung verpassen!

Termin? Stand bei Redaktionsschluss

noch nicht fest. (wg)

Noch kein sicheres Parkieren mit Chip

Von den vielen Velostationen

in deutschen Städten wird Velö

die einzige ohne gute Parkiermöglichkeit

sein – zunächst

jedenfalls, weil noch nicht

genügend Geld bereitsteht.

Die Pläne für eine Einstellhalle mit

Platz für 100 Fahrräder sind fertig. Die

Erfahrungen aus anderen Velostationen

sind eingeflossen, moderne Technik

wird installiert – so wird die elektronisch

gesicherte Tür nur mit Chipkarte

zu öffnen sein. Von den 100 Abstellplätzen

sind 10 abschließbare Boxen,

deren Miete sich für hochwertige Velos

anbietet. Spinde bzw. Schließfächer für

Helme und anderes wird es geben, außerdem

Ladestationen für E-Bikes.

So weit so gut – aber die Stadt hat

für 2012 noch keine komplette Finanzierung

geschafft. Rund 330.000 Euro

kostet die Velo-Einstellhalle allein;

etwa 200.000 Euro kommen hinzu für

CarSharing-Parkplätze, ein öffentliches

WC und eine Photovoltaik-Anlage.

Nun sieht die Stadtverwaltung die

Chance winken, in einen Touristik-

Zuschusstopf des Landes greifen zu

dürfen – Entscheidung im Frühjahr,

Erfolgsaussichten eher gering. Die

Grünen drängten im Gemeinderat vergebens,

die Stadt solle bereits 2012 das

Projekt vollständig finanzieren.

Wer als Radfahrer an Lörrachs

Hauptbahnhof in die Regio-S-Bahn

umsteigt, muss also weiterhin Daumen

drücken, dass bei der Rückkehr

das Velo noch dasteht – unbeschädigt.

Immerhin hat der Gemeinderat zugestimmt,

vorab das Baugrundstück von

der DB zu kaufen. Es liegt nur wenige

Schritte von Velö entfernt. (wg)

VeloPost 1/2012

3


Lörrach

Wieseweg

– rollt rund

Lörrach hat einen weiteren Abschnitt

des Wiese-Radwegs asphaltiert (unser

Foto): 375 Meter zwischen der Einmündung

des Steinenbachs und der Bahnbrücke

beim Stauwehr Brombach. Vor

allem bei Regenwetter ein Gewinn! Die

Stadt hat 13.500 Euro investiert. Nun

fehlt zwischen Schweizer Grenze und der

Gemeinde Steinen nur noch eine kurze

Wegstrecke in Höhe des Fußballplatzes

von Haagen: Dort gehört der Grund und

Boden einem Unternehmer, mit dem sich

die Stadt immer noch nicht über einen Wegausbau einig werden konnte. Zumindest ist für 2012 fest vorgesehen, dort

den alten Steg am Beginn des Gewerbekanals durch einen neuen, breiteren zu ersetzen. (wg)

Aus dem Abseits an die Kreuzung

Schwammige Verhältnisse in

Stetten-Süd. Und die knifflige

Frage: wie besser machen?

Holger Reichert hatte die IG Velo auf

dieses Problem aufmerksam gemacht.

Da fährt man (von der Dammstraße

her) auf dem Radweg durch die Bahnunterführung

Süd und landet – weiterhin

auf dem Radweg – in Stetten-

Süd an der Kreuzung Pestalozzistraße

/ Konrad-Adenauer-Straße: Verkehr

kommt aus bzw. geht in vier Richtungen,

geregelt ist rechts vor links – und

als Radfahrer muss man sich, aus dem

Abseits heraus, irgendwie einfädeln.

Das muss in ruhigeren Stunden des Tages

kein Problem, kann in Stoßzeiten

allerdings riskant sein.

Die IG Velo vereinbarte mit Lörrachs

Fahrrad-Beauftragtem Arne Lüers

eine Besichtigung. An Ort und Stelle

Oben: Auf dem Radweg

landet man an der Kreuzung

Pestalozzistraße /

Konrad-Adenauer-Straße.

Und muss sich irgendwie

reinschmuggeln. Im

Moment die sicherste Variante:

zunächst etwas nach

rechts orientieren und auf

der Pestalozzistraße an die

Kreuzung heranfahren.

Rechts: Das wäre, bei mehr

Platz, die optimale Lösung:

ein Einfädeln wie hier

gebaut in der Marie-Curie-

Straße vor der Einmündung

in die Basler Straße.

bestätigten sich zwar alle Bedenken

hinsichtlich dieser für Radfahrer nicht

geregelten Kreuzung – doch eine vollends

überzeugende Lösung des Problems

wurde an diesem Tag noch nicht

gefunden. Den Radfahrer bereits einige

Meter vor der Kreuzung auf die Straße

zu den Autofahrern führen: Das

ist die naheliegende, auch von Holger

Reichert gewünschte Maßnahme – in

optimaler Ausführung auf der Marie-

Curie-Straße anschauen, bevor sie auf

den Kreisverkehr Basler Straße / Schillerstraße

trifft. Indes ist die Fahrbahn

der Konrad-Adenauer-Straße hier recht

schmal (auch wenn der Grünstreifen

verschmälert würde) und das Einfügen

in den Verkehr möglicherweise nicht

ohne Risiko. Zudem fragt sich, ob

Radfahrer nicht überwiegend auf dem

Radweg blieben bis vor zur Kreuzung.

Arne Lüers wird im neuen Jahr aufzeichnen,

wie eine Einfädelspur aussehen

könnte. Dann wird über die Kreuzung

nochmals zu reden sein. (wg)

4 VeloPost 1/2012


Zu Ende denken

Schon Mitglied?

Radfahrverbot in Lörrachs

Fußgängerzone wäre riskant.

Im November 2011 machte die CDU-

Fraktion im Lörracher Gemeinderat –

nicht zum ersten Mal – Front gegen

das Radfahren in der Fußgängerzone:

Zwischen 10 und 18 Uhr soll sie fürs

Radeln gesperrt werden. Die IG Velo

kritisierte die Fraktion und vermutete,

dass die Fraktion da nicht weiter gedacht

habe: Wo sieht die CDU westlich

der Bahn eine alternative Route, auf

der Radfahrer sicher die Stadt durchqueren

können?

In der Innenstadt mag manch einer

Radler als lästig empfinden – aber Unfälle,

gar mit Verletzten, gibt es höchst

selten. Wirklich gefährlich würde es

nach Überzeugung der IG Velo erst

dann, wenn Radfahrer auf die Bahnhofstraße

oder die Weinbrenner-/Spitalstraße

gedrückt würden: zu dicht

dort der Autoverkehr, kein Platz für das

Markieren durchgehender Schutzstreifen.

„Das passt nicht“, kommentiert der

IG Velo-Vorsitzende Thomas Hofmaier:

„Die CDU will Familien in der Fußgängerzone

schützen und drängt sie damit

– wenn sie zum Beispiel als Schüler

radfahren – auf riskante Straßen.“

Nach Hofmaiers Überzeugung ist

ein vernünftiges Miteinander in der

Fußgängerzone möglich und ganz

überwiegend auch gegeben. Die aktuelle

Verkehrsregelung „Fussgängerzone

– Radfahren frei“ sei heute schon

eindeutig: Fußgänger haben Vorrang;

Radfahrer müssen rücksichtsvoll und

1990 warb die IG Velo mit diesem Transparent

um vernünftiges Radfahren in der

Fußgängerzone – mit spürbarem Erfolg.

langsam fahren. Bei hohem Fußgängeraufkommen

ist abzusteigen und es

muss geschoben werden. Die wenigen,

die sich nicht korrekt verhalten, fallen

auf. Die IG Velo befürwortet prinzipiell

Kontrollen, die auch bei der heutigen

Verkehrsregelung möglich sind.

Die Stadtverwaltung, sagt Thomas

Hofmaier, müsse sich des Themas annehmen

und in der Fußgängerzone für

ein Miteinander werben – gerne zusammen

mit der IG Velo.

Füllen Sie diese Beitrittserklärung aus

und unterstützen künftig auch Sie als

Mitglied die erfolgreiche Arbeit der IG

Velo für attraktive Radrouten.

Als Mitglied erhalten Sie unsere Zeitschrift

VeloPost kostenlos zugeschickt

und sind eingeladen zu unseren Treffen,

Touren – und, sehr gerne, zur Mitarbeit.

Name

Straße

PLZ

Ort

Geburtsdatum

E-Mail

Telefon

Einzelmitgliedschaft € 12,-/Jahr

Familienmitgliedschaft € 18,-/Jahr

mit den Familienmitgliedern:

Name

Geburtsdatum

Kollektivmitgliedschaft ab € 25,-/Jahr

Bitte ausschneiden + senden an:

IG Velo, Postfach 1702, 79507 Lörrach

Bankverbindung:

Volksbank Lörrach (BLZ 683 900 00)

Konto-Nummer 155 411

Die IG Velo ist gemeinnützig und als Verein

eingetragen. Ihre Anschrift wird für die

vereinsinternen Zwecke auf einem Datenträger

gespeichert, aber nicht an Dritte

weitergegeben.

Lörrach

Regelkunde

Lörrachs Fußgängerzone ist mit

dem Zusatzschild „Radfahrer frei“

markiert. Hier ist Radfahren mit

klaren Regeln erlaubt: Fußgänger

haben Vorrang, Radler dürfen nur

ganz langsam fahren; sie schieben,

wenn es eng wird – was vor allem

zwischen Karstadt und Altem

Marktplatz oft angezeigt ist.

Ein Radfahrverbot gilt für den

Abschnitt Turmstraße (von Karstadt

bis zur Straße Am Hebelpark) zwischen

9 und 19 Uhr.

Eine Faltblattserie „Entspannt

mobil“ mit Regeln fürs Radfahren

gibt es kostenlos in der Velostation,

im Rathaus und im Burghof.

Einzugsermächtigung

Ich ermächtige die IG Velo wideruflich,

den Mitgliedsbeitrag zu Lasten des

Kontos

Bank

BLZ

mittels Lastschrift einzuziehen.

Falls ich umziehe:

Ich bin einverstanden, dass die Deutsche

Post meine neue Anschrift an die IG Velo

weiterleitet.

Ort, Datum

Unterschrift

VeloPost 1/2012

5


Weil am Rhein

Sicher nach Fischingen

Zu riskant wurde das Sträßchen von Binzen nach Fischingen. Jetzt haben Rader eine alternative Route

– hier fotografiert auf dem einzigen noch nicht asphaltierten Wegstück bei Fischingens Pumphäuschen.

Knapp ein Jahr nach einem tragischen

Verkehrsunfall auf der Verbindungsstraße

zwischen Binzen und

Fischingen haben die Bürgermeister

Ulrich May und Axel Moick im November

einen Rad- und Fußweg eingeweiht.

Er beginnt westlich hinter

dem Neubaugebiet von Fischingen am

Pumphäuschen und führt der Gärtnerei

Berg entlang bis zur

Querverbindungsstraße

nach Eimeldingen / Binzen.

Schnell und unbürokratisch

hätten die beiden

Gemeinden diese

Alternative für Velofahrer

geschaffen, betonte

Ulrich May in seiner

Eröffnungsrede. Der neu

angelegte Veloweg ist

mit einer Asphaltdecke

versehen, ausgenommen

ein Teilstück von

ca. 200 Metern zwischen

Fischinger Pumphäuschen

und Anbindung

der Kreisstraße, die Fischingen mit der

Bundesstraße 3 verbindet. Axel Moick

merkte an, dieser Abschnitt solle 2012

ebenfalls asphaltiert werden.

Auch die IG Velo empfiehlt die Befestigung

dieses letzten Stücks. Jürgen

Wiechert lobt die Gemeindevertreter

für die vergleichsweise kurze Zeit

zwischen Planung und Fertigstellung,

ebenso für die optimale Ausschilderung.

Bleibt für die IG Velo zu hoffen,

dass Velofahrer die Route auch annehmen.

Vor allem Schüler sollten zu ihrer

Sicherheit diese Route nutzen und

nicht weiterhin die Verbindungsstraße

zwischen den Gemeinden befahren.

Allerdings betrachtet die IG Velo

die neue Route nur als vorübergehende

Lösung. Mittelfristig

sollte entlang der Straße

– sie ist die kürzeste Verbindung

zwischen den

Gemeinden – ein Radweg

gebaut werden. (wie)

Die neue Radroute ist

sofort ausgeschildert

worden – hier am Ortsausgang

Binzen.

Wünsche an die Schweiz

Das Agglomerationsprogramm in

der Schweiz ist ein Planungsinstrument,

das vor allem Verkehrsprojekte

koordiniert und verwirklicht. Die IG

Velo hat über ihre Schwesterorganisation

Pro Velo beider Basel angeregt,

dass im neuen Agglomerationsprogramm

auch auf diese zwei

Verbesserungen gezielt wird: Die

Züge auf Wiesental- und Hochrheinstrecke

sollen langfristig mit einem

separaten Veloabteil ausgerüstet werden

– damit gäbe es mehr Platz, auch

zu Stoßzeiten; und, zweitens, sollten

an Bahnhöfen vermehrt Veloboxen

installiert werden zum sicheren Aufbewahren

eines Fahrrads. (ok/wg)

Velo-Vignette

ist jetzt abgeschafft

Ab 2012 wird in der Schweiz von

Radfahrern nicht mehr verlangt,

eine Velo-Vignette zu kaufen. Gegen

Schäden, die er verursacht, muss

er sich anderweitig versichern. Ob

deutsche Grenzgänger bzw. Grenzradler

eine Vignette brauchen oder

nicht – erledigt dieses Thema!

6 VeloPost 1/2012


Nicht überall komplett, oft nicht ganz neu: Radwegweiser in Weil am Rhein.

Events 2012 der Ortsgruppe Weil

• Radtour für Jedermann: 6. Mai

2012. Der Sundgau ist eine Region der

Mühlen, Teiche und Flüsse, die Fahrt

durch Örtchen wie Michelbach le Haut

mit seinen schmucken Fachwerkhäusern

ein Genuss. Fahrtstrecke ca. 70

km; Treffpunkt: 10 Uhr, Realschule

Dreiländereck, Egerstraße, Weil am

Rhein. Führung: Jürgen Wiechert

• Radtour für Jedermann: 3. Juni

2012. Kreuz und quer durch das südliche

Markgräflerland sowie durchs

vordere Wiesental. Fahrtstrecke ca. 60

km; Treffpunkt: 9 Uhr Realschule Dreiländereck,

Egerstraße, Weil am Rhein.

Führung: Bernd Klar.

• Viertägige Velotour: 16.-19. Juni

2012 (Information siehe Seite 19)

• Sportliche Radtour: 15. Juli 2012.

Durchs Kandertal führt der Weg über

Sitzenkirch zur St. Johannes-Breite

und weiter nach Badenweiler. Über

Müllheim geht es nach Schliengen, teilweise

über die alte Römerstraße. Fahrtstrecke

ca. 85 km; Treffpunkt: 9 Uhr,

Realschule Dreiländereck, Egerstraße,

Weil. Führung: Jürgen Wiechert.

• Wanderung: 26. August 2012. Fahrt

mit der S-Bahn nach Zell, Wanderung

rund um den Zeller Blauen. Wanderzeit

ca. 5 Stunden, Rucksackverpflegung

sollte mitgeführt werden. Der Abschlusshock

findet im Hotel „Löwen“

in Zell statt. Treffpunkt: Bahnhof Weil

am Rhein-Ost um 9.15 Uhr. Führung:

Dieter Höferlin.

• Radtour für Jedermann: 30. August

2012. Die Dreiländertour über Allschwil

führt nach Bettlach/CH am Südfuß

des Juras und weiter nach Lutter

sowie in das elsässische Ferrette, ein

Ort, der von Fachwerkhäusern geprägt

ist. Fahrtstrecke ca. 75 km. Treffpunkt:

9 Uhr, Realschule Dreiländereck, Egerstraße,

Weil. Führung: Willy Brüsch.

Anmeldungen für die Touren:

Bernd Klar, Tel.: 07621/71634, E-

Mail: beroklar@web.de oder: Jürgen

Wiechert, Tel.: 07621/77419, E-Mail:

JB.Wiechert@t-online.de

Update

vorbereitet

IG Velo nahm in Weil am Rhein die

Ausschilderung unter die Lupe.

Schon seit geraumer Zeit steht die

Verbesserung der innerstädtischen

Radwegebeschilderung auf der Agenda

der Weiler IG Velo. Das Ziel ist eine

durchgängige Beschilderung der Radwege

innerhalb der Stadt, damit nahe

und ferne Ziele sicher erreicht und

Fahrradtouristen durch die Stadt gelenkt

werden. Dafür müssten die alten

Wegweisungen entfernt und Lücken

innerhalb des Stadtgebietes sowie in

den Ortsteilen geschlossen werden.

An der bestehenden Ausschilderung

müssten zusätzlich Zwischenwegweiser

und Pfeilwegweiser mit Ortsangaben

angebracht werden.

So machten sich die Aktiven der

Ortsgruppe auf den Weg und nahmen

die Radwegweiser unter die Lupe. Lücken

in der Beschilderung wurden im

Stadtteil Otterbach, im Dreiländergarten

sowie am Laguna, entlang des

Bahnweges wie auch in Altweil am

Schlipf und in Haltingen zwischen

der Markgrafen- und Burgunderstraße

festgestellt.

Wenn man aufmerksam den Straßen

im Stadtgebiet entlang radelt, wird

man sehr oft noch die alten Wegweiser

finden, die für den nicht einheimischen

Radler verwirrend sein können,

da die Radrouten teilweise bereits seit

längerem geändert wurden. Auch an

den bereits bestehenden ausgeschilderten

Radwegen wurden Lücken bei der

Ausschilderung erkannt.

Auf Grund der Arbeiten fürs Tram

in Friedlingen verzichtete die IG Velo

dort ebenso auf eine Überprüfung der

Radwegweiser wie in Haltingen nach

der Festhalle (4-spuriger Ausbau der

Rheintalbahn). Das wird aber nach

der Abschluss aller Bauarbeiten sofort

nachgeholt.

Was zu machen wäre, hat die IG

Velo dokumentiert und bereits der

Stadtverwaltung übergeben. Nach der

Umsetzung könnten sich auch auswärtige

Radler im Raum Weil besser orientieren

und wissen, wo’s lang geht.

Es wäre noch anzumerken, dass alle

Bemühungen vergebens sind, wenn die

Hinweisschilder durch groben Unfug

beschädigt, in der Richtung gedreht

oder besprüht werden. Manche Schilder

sind auch durch wildes Plakatieren

nicht mehr lesbar. (wie)

Weil am Rhein

VeloPost 1/2012

7


Rheinfelden

Chance

ist futsch

Rheinfelden hat sich nicht für

eine sichere Querung der B 34

entscheiden können.

Keine Überführung, auch keine Unterführung: Die B 34-Querung bleibt riskant.

Der Gemeinderat hat sich nach starkem

Druck der Riedmatter Bevölkerung

und des Karsauers Ortschaftsrats gegen

eine Überquerung der B 34 (nahe Blauer

Bock) ausgesprochen, wie sie das

Straßenbauamt geplant hatte. Dabei

spielten wohl notwendige Enteignungen

von Land die entscheidende Rolle.

Die IG Velo bedauert, dass mit dieser

Entscheidung gegen die Überführung

nicht gleichzeitig eine Entscheidung

für eine andere Variante gezielt in

Angriff genommen wurde. Eine gute

Lösung scheint somit in weite Ferne

gerückt zu sein.

In den Überlegungen, die der IG Velo

vom Straßenbauamt schon 2008 vorgelegt

worden waren, gab es durchaus

eine Abwägung zwischen Unter- und

Überführung. Dabei schienen der IG

Velo die Argumente für die Überführung

einleuchtend: geringere Steigung

und Gefälle, wesentlich geringere Baukosten

und Bauzeit, ungeklärter Wasserabfluss

bei der Unterführung, mit

Ängsten verbundene Unterführung etc.

Die mit einer Überführung verknüpfte

Enteignung von Land und der Widerstand

der BI haben das Projekt nun

zum Scheitern gebracht.

Wie es nun weitergehen wird, ist

ungewiss, da sich das Straßenbauamt

weigert, eine neue Planung auszuarbeiten.

Zunächst sollen ordnungsrechtliche

Maßnahmen vor Ort überdacht

werden und die Verwaltung soll nun

neue Vorschläge überprüfen.

Jedenfalls wurde eine große Chance

vertan. Die IG Velo weist nachdrücklich

daraufhin, dass diese Querung der

B 34 sehr gefährlich ist und wünscht,

dass mit Hochdruck nach einer neuen

Lösung gesucht wird, die ein hohes

Maß an Sicherheit bringt. Das Radverkehrsaufkommen

ist an dieser Stelle

recht groß und wird noch steigen: zum

Beispiel durch stärkere Nutzung des

Fernradwegs südlicher Schwarzwald

sowie durch die verbesserten Radwegübergänge

bei den Kraftwerken

Schwörstadt und Rheinfelden. (lo)

Breiter Radweg an der B 34. Verbesserte Route nach Schloss Beuggen. Neuer Weg am Rhein.

Der Herbst brachte drei Verbesserungen

Der Herbst war Rheinfeldens Radfahrern

günstig, drei Radrouten wurden

verbessert. Erstens wurde die

große Baumaßnahme in Beuggen an

der B 34 fertiggestellt: Sie brachte

Verbesserung für den motorisierten

Verkehr, und der Radweg daneben ist

verbreitert, der Belag neu – es ist eine

Freude, darauf zu fahren. Die Route

von und nach Riedmatt wird für Radler

immer attraktiver.

Zweitens: Fertig ist auch eine

zweite Umfahrung beim Rhein zwischen

Herten und Wyhlen. Entlang

des Rheinuferwegs waren bei

der Kiesgrube Weberalten und beim

Wassersportverein zwei Treppenabgänge,

nicht sehr fahrradfreundlich.

Es wurden nun in zwei Teilstücken

Umfahrungen angelegt. Damit ist

der Radweg entlang des Rheins viel

radfahrfreundlicher geworden. Die

„7-Brückentour“ ist damit fast vollkommen

und wartet noch auf eine

bessere Vermarktung: Nirgendwo

sonst kann man auf wenigen Kilometern

so oft problemlos die Grenzen

wechseln, ist man auf sehr naturnahen

Wegen unterwegs und erlebt abwechslungsreiche

Übergänge.

Drittens: Durch den Neubau der

Energiedienst-Zentrale an der Schildgasse

war der Geheimtipp von und

nach Schloss Beuggen entlang des

Asylbewerberheimes gesperrt. Nun

ist er wieder frei; viele Radler freuen

sich, dass er als Verbindung überhaupt

erhalten geblieben ist. Es gibt

nun etwas weniger Schlaglöcher.

Man fragt sich aber doch, warum für

die restlichen hundert Meter das Geld

für Asphalt nicht gereicht hat. (lo)

8 VeloPost 1/2012


emerkt + notiert

Weil am Rhein. Auf dem Verbindungsstück

des Fuß- und Radweges auf Höhe

des Vitra-Hauses, zwischen Römerstraße

und der Freiburger

Straße in

Weil, wurden im

Herbst Lampen

angebracht. Somit

verringert

sich die Unfallgefahr

bei Dunkelheit

für Fußgänger und Velofahrer

deutlich – sie sehen sich rechtzeitig.

Zudem werden Hindernisse erkennbar

und die Sturzgefahr ist nahezu gebannt.

(wie)

Lörrach. Nach dem Umbau der Grabenstraße ist es Radfahrern

erlaubt, gegen die Fahrtrichtung zu radeln: Eine Errungenschaft,

die als Umfahrung des tagsüber gesperrten Fußgängerzone-Abschnitts

Turmstraße sehr hilfreich ist und von

der IG Velo seit Jahren gefordert worden war. Aber kaum

jemand scheint davon zu wissen! Das „Radfahren frei“ Schild

vor der Fassade entdecken nur wenige. Es wäre eine kleine

Velo-Markierung auf dem Weg zu erprobieren. Womit auch

klar gemacht wäre, dass fürs Radfahren nicht die asphaltierte Fahrbahn, sondern

der Plattenbelag zu nutzen ist. (wg)

Grenzach-Wyhlen. Die IG Velo hatte

angeregt, an der sehr dunklen Straßenecke

Lettenweg/

Südstraße, in der

Verlängerung der

jetzigen Straßenbeleuchtung,

noch

eine zusätzliche

Lampe anzubringen.

Daraufhin wurde jetzt eine Solar-

Lampe an der Südstraße aufgestellt.

Leider ist diese Lampe etwas zu weit

vom Einmündungsbereich

des Lettenweges

aufgestellt, er ist nicht

optimal ausgeleuchtet.

Die IG Velo hofft, dass

hier noch eine Verbesserung

möglich ist und

dass die Ein- und Ausschaltzeiten

an die Bedürfnisse der

Schulkinder und Berufspendler angepasst

werden. (bb)

Grenzach-Wyhlen. Beim Fuß-/Radweg

von Herten her wurden beim Kreisverkehr

ein Breitstrich und ein Fahrradsymbol

am Boden

markiert. Jetzt ist

für die Radfahrer

von weitem

schon die Radwegführung

am

Kreisverkehr vorbei

gut sichtbar.

Dafür ein Lob an die Mitarbeiter des

Werkhofes der Gemeinde Grenzach-

Wyhlen. (bb)

Grenzach-Wyhlen. Die IG Velo hat

angeregt, den schmalen Fußweg „Riehener

Weg“ von

der Straße „Im

Rippel“ bis an

die Landesgrenze

zum Beispiel mit

Press-Splitt zu

verbreitern, damit

er als kombinierter

Fuss- und

Radweg ausgewiesen werden kann. Der

Weg wird von vielen Berufspendlern

und Schülern von und nach Lörrach

benutzt; deshalb kommt es hier zu sehr

viel Begegnungsverkehr. (bb)

VeloPost 1/2012

9


Visionen

Fahrradschnellwege & mehr

Mit dem IBA-Projekt „Velo

trinational“ will Lörrach rascher

zur Fahrradstadt werden.

Die Stadt Lörrach hat zur Internationalen

Bauausstellung IBA Basel 2020

auch ein Fahrradprojekt angemeldet.

Es wird auf drei Beine gestellt: die Velostation

Velö, grenzüberschreitender

Kulturtourismus auf zwei Rädern sowie

Fahrradschnellwege.

„Man könnte vom Pariser E-Bike-

Verleihsystem lernen!“ – „Der Strom

für die Ladestationen sollte ökologisch

gewonnen werden!“ Solche Anregungen

hat die Stadt Lörrach während des

IBA-Forums im November für ihren

Projektvorschlag zur Verbesserung

und Vernetzung des Fahrradverkehrs

erhalten.

„Insgesamt waren die Rückmeldungen

ermutigend“, bilanziert Oberbürgermeisterin

Gudrun Heute-Bluhm.

„Unser IBA-Projektvorschlag ,VelöTrinational’

nähert sich dem Thema Fahrradverkehr

aus verschiedenen Richtungen

und ist hinsichtlich Konzeption

und Umsetzung auch unterschiedlich

weit gediehen.“ Die Velostation Velö

am Lörracher Bahnhof – mit Radverleih

und Reparaturangebot – ist (eingeschränkt)

schon in Betrieb, und im

Dezember hat der Gemeinderat dem Erwerb

eines Grundstücks neben Velö für

eine Fahrradeinstellhalle zugestimmt.

Bei Velö ist auch eine Infostation für

Fahrradtourismus

im Aufbau.

„Spannend wird

die Frage, inwieweit

wir es

schaffen, das Angebot von Velö mit

ähnlichen Velostationen grenzüberschreitend

zu verknüpfen“, sagt Gudrun

Heute-Bluhm.

Das Angebot von Freizeittouren ist

eine Projektkomponente, von der sich

die Stadt Lörrach eine Weiterentwicklung

des umweltfreundlichen, grenzüberschreitenden

Kulturtourismus

verspricht. Das Pilotprojekt zu den

Mythischen Orten am Oberrhein zeigt,

wie GPS-gestützte Touren grenzüberschreitend

angeboten werden können.

Bei „Fahrradschnellwegen“ richtet

sich das Augenmerk auf Berufspendler,

die längere Strecken möglichst

störungsfrei auf gut ausgebauten Radwegen

zurücklegen möchten. Eine Untersuchung

des Trinationalen Eurodistricts

Basel (TEB) hat ergeben, dass der

Grenzverkehr nach wie vor zum Großteil

mit dem eigenen Auto abgewickelt

wird. Ziel der Stadt Lörrach ist es, die

Bedingungen für Fahrradfahrer so zu

verbessern, dass

mehr Berufspendler

auf das

Rad umsteigen.

Eine große Herausforderung

wird sein, mit den Nachbarländern

einen gemeinsamen Standard

für diese Schnellrouten zu finden

und die auf allen Seiten vorhandenen

Planungsaktivitäten sinnvoll zu einem

regionalen Konzept zu verbinden.

„In der Tat erfinden wir, wenn es

um Fahrradhauptrouten geht, das Rad

nicht neu, auch das Schweizer Agglo-

Programm hat hier schon über die

Grenzen hinweg gedacht“, erklärt die

Oberbürgermeisterin. „Ich könnte mir

jedoch vorstellen, dass es im Rahmen

der IBA gelingt, dem Ausbau grenzüberschreitender

Radwege einen deutlichen

Impuls zu geben“.

Der Superradweg

Gäbe es schnellere Routen, könnte das Fahrrad eine noch

größere Rolle im Alltagsverkehr spielen. Lörrach macht Fahrradschnellwege

jetzt zum Thema und zu einem IBA Basel-Projekt

(siehe oben). Vorbilder gibt es.

Vier bis sechs Meter breit sollten

Fahrradschnellwege sein, passend

auch für Geschwindigkeiten von

etwa 35 km/h, weitestgehend kreuzungsfrei,

am bestens eingefärbt und

jedenfalls getrennt von Fußgängern.

London hat sich den Bau von gleich

zwölf Cycle-Superhighways vorgenommen

und einige verwirklicht. Die

Nase vorn haben jedoch, wieder einmal,

Holland und Dänemark.

In der Region Twente (Holland)

sind bereits heute 32 Prozent aller

Bewohner auf Velos unterwegs. Ein

Hochqualitäts-Fahrradnetz soll das

Radfahrern noch attraktiver machen.

Dessen Rückgrat wird der F35-Fahrradschnellweg

sein, ein „roter Teppich“,

der zu einem kleineren Teil

inzwischen gelegt ist und für dessen

Bau mehr als 80 Millionen Euro bereitgestellt

werden.

In Dänemark schärft Kopenhagen

weiter sein Profil als Fahrradstadt.

Weil die Hauptverkehrsader Norrebrogade

mit 36.000 Radfahrern am

Tag völlig überlastet ist, bereiten die

Stadtplaner einen „grünen Boulevard“

vor, auf dem Autos verbannt sind. Die

ersten beiden Fahrradschnellwege ins

Umland von Kopenhagen sollten bis

Ende 2011 fertig sein, ein dritter wird

2012 folgen. Weitere solcher „Cycelsuperstier“

werden in Arhus, Odense

und Aalborg angelegt.

In Deutschland tatet sich die Metropolregion

Hannover ans Thema

heran, es liegt eine Machbarkeitsstudie

für sechs Strecken vor. Auch

das Ruhrgebiet hat sich ernsthaft

Fahrradschnellweg in London:

der Cycle-Superhighway CS3.

ans Planen und Bauen gemacht: Ein

„Rad-Schnellweg-Ruhr“, sechs Meter

breit, soll auf 85 Kilometern Länge

die Städte Duisburg, Mülheim, Essen,

Gelsenkirchen, Dortmund, Hamm und

den Kreis Unna verbinden. (wg)

10 VeloPost 1/2012


Begrüßungspaket

Mit wieviel Pfiff sich Offenburg zur

Fahrradstadt aufgeschwungen hat,

zeigt beispielhaft das „Begrüßungspaket

für Neubürger“. Zunächst einmal:

Jeder Neubürger darf zwei Monate

lang gratis öffentliche Verkehrsmittel

benutzen. Lust aufs Radfahren macht

Offenburg ihren Neuen unter anderem

mit Gutscheinen für Fahrradstadtplan

und für Tourenblätter, Infos

über den Verleih von Fahrrädern

und Rikschas, über kostenlose Akku-

Ladestationen, Scherbentelefon und

Mängelbogen. Flickzeug fehlt auch

nicht im Begrüßungspaket.

Bekommt ein Neubürger gratis – Offenburg macht Lust aufs Radfahren.

Vorbilder

Offenburg radelt

Ein durchaus neidischer Blick aus dem Landkreis Lörrach hinunter in die Ortenau.

Es lohnt immer, etwas weiter zu

schauen als bis zum nächsten Kirchturm

– auch und gerade in Sachen

Radverkehr. Man muss sich gar nicht

mal auf die Reise machen: In Lörrach

hat Gerd Wernthaler namens der Grünen

die Stadtverwaltung aufgefordert,

einen Blick auf die Internetseiten der

Stadt Offenburg zu richten.

Und genau das machen wir hier in

der VeloPost – staunend, schließlich

sind wir im Landkreis Lörrach nicht

gerade verwöhnt: Lörrach hat gerade

eben seine Homepage in der Rubrik

„Verkehr“ ergänzt mit „Fahrradfreundliche

Innenstadt“ – ein zarter Beginn,

noch nicht mehr; in Rheinfeldens und

Weils Internetauftritten spielt das Velo

überhaupt keine Rolle. Bei Rheinfelden

wähnt man sich als Radfahrer

knapp vor dem Ernstgenommenwerden,

schließlich steht da unter „Leben

in Rheinfelden“ ein Kapital „Unterwegs

mit…“ – aber da kommt nur: „... mit

Auto, Bus und Bahn“.

Durchatmen und nach Offenburg

surfen. Offenburg zählt 59.000 Einwohner

und hat im November 2011

die Auszeichnung „Fahrradfreundliche

Kommune“ erhalten (ebenso wie Freiburg

und Karlsruhe). Mit dem Slogan

„Offenburg radelt“ wirbt die Stadt fürs

Velofahren. Was sie zu bieten hat, erfährt

der Bürger auf www.offenburg.de.

Da gibt es kostenlosen Fahrradverleih

an drei Stationen und das öffentliche

Fahrradvermietungssystem „next bike“

mit 85 Leihvelos an 13 Stationen; eine

Ladestation für Pedelecs, die Radwegekarte

fürs Stadtgebiet sowie Karten mit

verschiedenen Touren in und um Offenburg.

Gleich am PC kann der Offenburger

einen Mängelbogen ausfüllen

und an die zuständigen Leute im Rathaus

schicken: Vom Schlagloch bis zu

zugeparkten Radwegen – jeden Mangel

kann der Radler hier benennen. Greifen

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Organisierte Radtouren

INFOS UNTER WWW.VELOZIPED.COM

wir noch heraus das „Scherbentelefon“:

Das ist eine Telefonverbindung zu den

Technischen Betrieben Offenburg, denen

Scherben gemeldet werden sollen

oder in Radwege ragende Äste – geht

ein Anruf vor 14 Uhr ein, wird’s noch

am selben Tag erledigt.

www.veloziped.com

VeloPost 1/2012

11


Unfälle

Risiko

fährt mit

In den letzten Jahren sank die

Zahl der Verkehrsunfälle, auch

bei Radfahrern. Schutzstreifen

& Co. könnten gewirkt haben.

Wertet Hauptkommissar Johann

Albrecht Unfallberichte aus, schaut

er aufmerksam auf Radfahrer – ohne

Knautschzone kann jeder Zwischenfall

gravierende Folgen haben. Die letzten

Jahre ließen ihn aufatmen: Seine Statistiken

zeigen einen Trend zu weniger

Unfällen mit Radlern.

Verkehrsunfälle im Landkreis Lörrach

sind zum ersten Mal 2003 am PC ins

Feinste aufgeschlüsselt worden – so

weit zurück reichen Johann Albrechts

Vergleichszahlen. Die Höchstzahl der

Unfälle findet sich fürs Jahr 2004: 330

Mal nahm die Polizei damals Zusammenstöße

und Stürze mit Radfahrern

auf. Seither verringerte sich die Zahl

und erreichte 2010 einen Tiefststand:

Im gesamten Landkreis Lörrach registrierte

die Polizei 248 Unfälle mit Beteiligung

von Radfahrern

– das

war rund ein

Viertel weniger

als 2004.

Man schaue

sich diese 248

Unfälle genauer

an: Bei 62 Unfällen

wurden

Radler schwer,

bei 161 leicht

verletzt, kein

Radfahrer starb.

134 Unfälle hat

der Radfahrer

selbst verschuldet

(und davon

48 Mal war niemand

anders beteiligt); in 35 Fällen

fuhr er offenbar zu schnell, um eine

gefährliche Situation zu meistern; 21

Mal missachtete er Vorfahrt anderer,

22 Mal nutzte er die Fahrbahn falsch

(auch auf Gehwegen); in 20 Fällen waren

verunglückte Radfahrer betrunken;

nur 1 Mal dürfte fehlendes Licht die

Unfallursache gewesen sein. Bei 114

der 248 Unfälle traf nicht den Radfahrer

die Schuld – so nahmen ihm Autofahrer

in 37 Fällen die Vorfahrt, in

13 Fällen kollidierte er mit unachtsam

12 VeloPost 1/2012

Johann Albrecht wertet Unfälle aus und

schaut auf Risiken für Radfahrer.

Bei Dunkelheit begeben sich viele Radfahrer leichtfertig selbst in Gefahr: Sie sind

ohne Licht unterwegs und werden zu spät gesehen.

abbiegenden Autolenkern; in sechs

Fällen waren überholende Autos die

Ursache.

Auch wenn – was bei Redaktionsschluss

im Dezember zu vermuten war

– die Unfallzahlen 2011 ingesamt und

auch jene mit

Radfahrern

etwas zugenommen

haben

könnten:

Johann Albrecht

ist überzeugt,

dass

Unfallverhütung

Wirkung

zeigt.

Wichtig ist

nach wie vor

die Verkehrserziehung

der

Polizei an

Grundschulen,

die mit

einer Fahrradprüfung

endet. Immer wieder kontrolliert

die Polizei Radfahrer, vor allem

auf Schulwegen: Das reduziert Mängel

an Bremsen und Licht. Auch zunehmende

Geschwindigkeitskontrollen

innerhalb der Städte und Gemeinden

seien nützlich gewesen, mutmaßt Albrecht:

Sie könnten das Tempo auf den

Straßen tendenziell gedämpft haben.

Und unübersehbar ist: Städte, Gemeinden

und Landkreis haben das Radfahren

sicherer gemacht mit Radwegen

außerorts, mit Schutzstreifen innerorts,

sorgsamer Führung an Kreuzungen

und mit anderen Vorkehrungen mehr.

„Wir können mit unseren Unfallstatistiken

nicht zweifelsfrei nachweisen,

das solche Maßnahmen etwas gebracht

haben. Aber ich selbst zweifle nicht

daran“, sagt Johann Albrecht.

Er ist froh, dass Kommunen dem

Radfahren größere Aufmerksamkeit

widmen als früher; und er bestärkt die

Verantwortlichen bei den Verkehrsschauen,

zu denen er stets mit eingeladen

wird. Der Schutzstreifen – die

unterbrochene Linie am Fahrbahnrand

– ist die am häufigsten beschlossene

Hilfe. „Sicher eine gute Sache, er wirkt,

die Autofahrer orientieren sich daran.“

Und Albrecht fügt gleich hinzu: „Klar

wäre mir am allerliebsten, wir hätten

Platz genug, damit alle ihre je eigenen

Bereiche bekommen könnten: die Autofahrer,

die Fußgänger und eben auch

die Radfahrer.“ (wg)

Helm und Vernunft!

Zwei Appelle richtet Hauptkommissar

Johann Albrecht an Radfahrer.

Zum Ersten: Helm anziehen!

„Verhindert oder verringert Kopfverletzungen,

eindeutig. Auch ich

selbst habe schon vom Helm profitiert.“

Zum Zweiten: „Radler müssen

unbedingt vernünftig und vorausschauend

fahren, sie müssen nächste

Situationen vorausdenken!“


Auf dem Velo durch Basel

Seit Sommer 2011 hat Basel einen

überarbeiteten Velostadtplan. Jetzt ist

er auch im Internet verfügbar – die

Gelegenheit, eine Tour nach Basel auf

einigermaßen sicherer und attraktiver

Route vorzubereiten.

Der Velostadtplan ist im digitalen

Basler Stadtplan (GeoViewer) als eigene

Kartenebene unter „Stadtplan – Informationen“

einsehbar. Den Nutzern

stehen auch für den Velostadtplan alle

Möglichkeiten des digitalen Stadtplans

zur Verfügung, zum Beispiel der Ausdruck

von Ausschnitten für den Eigengebrauch.

Die Adresse www.stadtplan.

bs/geoviewer.

Der gedruckte Velostadtplan von Basel

und Umgebung trifft auf rege Nachfrage:

Besonders die englische Version

wird von internationalen Firmen zur

Information ihrer Mitarbeitenden gerne

genutzt. Auch der Verkauf der deutschen

Version läuft so gut, dass bereits

ein erstes Mal nachgedruckt wurde.

Der Velostadtplan Basel und Umgebung

(empfohlener Abgabepreis in

der Schweiz: zwei Franken) ist in der

Velostation Lörrach erhältlich sowie in

Basel beim Kundenzentrum BVD und

GVA am Münsterplatz 11, bei Basel

Tourismus an der Schifflände und im

Buchhandel. (wg)

BaWü macht

mehr Tempo

Die grün-rote Landesregierung will

den Radverkehrsanteil in den kommenden

Jahren deutlich steigern auf

20 Prozent. Dafür soll ein Landesradverkehrsplan

entwickelt. Schon 2012

wird das Verkehrsministerium insgesamt

mehr Mittel zur Verfügung stellen.

Zur Verbesserung der Sicherheit

im Straßenverkehr ist ein umfassendes

Konzept in Arbeit, das auch konkrete

Maßnahmen für den Radverkehr beinhaltet:

Radwege, Fahrbahnmarkierungen,

Abstellanlagen, Beschilderungen

und anderes mehr.

Das Land startet 2012 gemeinsam

mit Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft

fahrradfreundlicher Kommunen

in Baden-Württemberg (AGFK-BW)

eine landesweite Fahrradkampagne.

„Die Steigerung des Radverkehrsanteils

auf 20 Prozent wird nur gelingen,

wenn neben dem verstärkten Ausbau

der Fahrradinfrastruktur die Menschen

auch motiviert werden, das Fahrrad

häufiger zu nutzen“, so Verkehrsminister

Winfried Hermann.

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VeloPost 1/2012

13


Hintergrund

Sicher geht’s noch sicherer

Immer mehr Radfahrer sind unterwegs. Aber für ihre Sicherheit ist

auf den Straßen noch nicht überall genug getan – obwohl heute

Vorschriften und planerisches Regelwerk den Kommunen erfreulicherweise

mehr Spielraum bieten, den Radverkehr weiterzuentwickeln.

Nicole Dahms gibt in der VeloPost eine Übersicht.

Schulkinder, Berufspendler, Eltern

mit Kleinkindern, Senioren, Pedelecund

Alltags-Fahrer: Alle sollen sich

möglichst oft aufs Rad schwingen. Dabei

soll niemand sein Leben riskieren

müssen. Was der Deutsche Verkehrssicherheitsrat

als „Keiner kommt um.

Alle kommen an“ ausdrückt, ist ein

konkretes Ziel: null Verkehrstote (Vision

Zero).

Die Kommune spielt in Sachen Verkehrssicherheit

eine nicht unerhebliche

Rolle: Als Gestalterin der Infrastruktur

und der Mobilitätskultur kann sie in

gewissem Maß die Verkehrssicherheit

und das Verhalten im Verkehr beeinflussen.

Vielerorts hinkt jedoch die

Fahrrad- und auch Fußgänger-Infrastruktur

der politischen Willensbekundung,

die sanfte Mobilität zu fördern,

hinterher. Die althergebrachte Organisation

des Verkehrs signalisiert vielerorts

immer noch: Priorität fürs Auto.

Denn wenn eine stark von KFZ befahrene

Straße oder Kreuzung keine

Wegführung für Fahrräder bietet, Radwege

abrupt enden und die Grünphase

für Fußgänger und Radfahrer gar

nicht kommen will, erleben dies die

Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern

oder zu Fuß als benachteiligend oder

gefährlich. Unter Umständen setzt sich

die Eine oder der Andere aus Sicherheits-

und Zeitgründen samt der Kinder

doch lieber ins Auto. Die menschliche

Mobilität lässt sich durchaus als eine

Reaktion auf die Umweltbedingungen

begreifen.

Unnützes Fahren verboten

Dass das Autofahren für Kinder wiederum

objektiv (1) genauso gefährlich

wie das Radfahren und Zufußgehen ist,

sollte kein Geheimnis mehr sein. Außerdem

ist es schlecht für die Gesundheit

und schlecht für die Sicherheit

derjenigen, die sich ohne Auto fortbewegen.

Wer das geltende Recht ernst

nimmt, dürfte ohnehin nicht „unnütz“

durch die Gegend fahren. „Unnützes

Hin- und Herfahren ist innerhalb

geschlossener Ortschaften verboten,

wenn andere dadurch belästigt werden.“

(§ 30 Straßenverkehrsordnung)

Kommunen dürfen mehr

Kommunalen Fachstellen und Fachleuten

aus der Verkehrsplanung stehen

heute zahlreiche Lösungen zur Verfügung,

wie der Radverkehr mit begrenzten

öffentlichen Finanzmitteln

sicher gestaltet werden kann und dabei

auch die Ansprüche des Autoverkehrs

berücksichtigt werden können.

Der Rechtsrahmen, an dem sich Kommunen

und Planungsfachleute dabei

orientieren, sind u.a. die Straßenverkehrsordnung

(StVO) bzw. die Verwaltungsvorschrift

(VwV) zur StVO sowie

das Regelwerk „Empfehlungen für

Radverkehrsanlagen“ (ERA). Kurioserweise

hatte der Bundesverkehrsminister

im April 2010 die Novelle der StVO

aus formellen Gründen für ungültig erklärt.

Die dazugehörige Verwaltungsvorschrift

ist davon nicht betroffen; die

Neufassung vom 1. September 2009 ist

also vorerst gültig. Es war vorgesehen,

die Rechtsunklarheiten bis Ende 2011

zu beseitigen.

Sicherheit vor Flüssigkeit

Nichtsdestotrotz legt die StVO-Novelle

2009/2011 einen wichtigen Grundstein:

Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden

steht laut Gesetzestext

vor der Flüssigkeit des Verkehrs. Eine

kleine Revolution, galt doch zuvor die

Maxime, den Autoverkehr am Laufen

zu halten, komme was wolle.

Auszüge aus der StVO-Novelle:

Fahrradstraßen: können leichter

eingerichtet werden, Höchstgeschwindigkeit

30 km/h; Radfahrer dürfen nebeneinander

fahren.

Radfahrstreifen: Die bisherige Vorgabe,

dass Radfahrstreifen oberhalb

einer KFZ-Stärke von 18.000 PKW/Tag

nicht eingerichtet werden dürfen, ist

weggefallen.

Bauliche Radwege und Radfahrstreifen

sind gleichrangig.

Einbahnstraßen: Die Anforderungen,

eine Einbahnstraße für den Veloverkehr

zu öffnen, sind herabgesetzt.

Benutzungspflicht für Radverkehrsanlagen:

ist eingeschränkt worden.

Radverkehr gehört prinzipiell auf die

Straße. Benutzungspflicht für einen

Radweg kann nur dann angeordnet

werden, wenn andernfalls eine erhebliche

Gefahrenlage bestünde.

Rat für Planer

In den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“

ERA 2010 (Forschungsgesellschaft

für Straßen und Verkehrswesen)

sind die neuesten Erkenntnisse

aus der Forschung und Praxis eingeflossen:

so zum Beispiel die Erkenntnis,

dass Radwege konzeptionell im Netz

geplant werden sollten. Die Führung

des Veloverkehrs auf Straßen und Wegen

wird thematisiert, insbesondere an

innerörtlichen Hauptstraßen und Knotenpunkten.

Schutzstreifen haben sich

beispielsweise als sinnvoll erwiesen; sie

bieten auch bei engen Straßenverhältnissen

mit hohem KFZ-Aufkommen

eine gute Sicherheitswirkung.

Die ERA stellen Entscheidungshilfen

bereit, welche Standard-Radfahrführung

gewählt werden sollte: Je nach

den Bedingungen kommen alternativ

drei Führungsformen in Frage: Mischverkehr

auf der Straße, Mischverkehr

mit teilweiser Trennung oder eine vom

KFZ-Verkehr abgetrennte Führung.

In den ERA werden auch handfeste

Sicherheits- und Qualitätsstandards

formuliert wie Mindest- und Regelbreiten

von Radwegen. Besonderer Augenmerk

wird auf Sichtbeziehungen gelegt:

Wenn Rad- und Autofahrer sich

gegenseitig sehen können, trägt dies

dazu bei, vermeintliche Gefahrensituationen

zu entschärfen.

Fehler müssen möglich sein

Ausreichende Breiten für den Radverkehr

sind genauso essentiell: Unter

dem Stichwort „fehlertolerante Infrastruktur“

plädieren Radverkehrsfachleute

für einen ausreichenden Schutzraum.

Schließlich hat das Fahrrad

keinen Airbag: Ein älterer Herr oder

eine betagte Dame auf dem Velo kann

mal einen unvorhergesehenen Schlenker

machen; ebenso das noch nicht so

verkehrserprobte Schulkind.

(1) Als Pkw-Mitfahrer sind im Jahr 2010 mehr

Kinder tödlich verunglückt (49) als mit dem

Fahrrad (20) und als Fußgänger (28) zusammen.

Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V.,

Bonn, 5.10.2011

QUELLEN: Vision Zero: Im Zweifel für Verkehrssicherheit,

Deutscher Verkehrssicherheitsrat,

Bonn, Januar 2010. Workshop am 26. September

2011 in Offenburg „Sicherer Radverkehr

in Klein- und Mittelstädten, StVO und VwV-

StVO in der kommunalen Praxis.“ Gleichnamige

Veröffentlichung, Deutsches Institut für Urbanistik,

Fahrradakademie, Berlin, 2011.

14 VeloPost 1/2012


Kunst am Schild

brachte Jürgen

Wiechert für uns

aus der Toskana

mit, Titel: „Herzenssache“

&

„Men at Work“.

kurz notiert

Mitbringsel

Wir freuen uns über aufmerksame Radfahrer, die durch die nahe

Region oder ferne Länder streifen – und uns für die VeloPost

mitbringen, was als bemerkenswert ins Auge fällt.

Also Kamera zücken und einfach mailen an velopost@igvelo.de

Es muss stimmen rund ums Fahrrad – sagen sich immer mehr Ferienregionen. Gerd

Wernthaler brachte von Usedom diese Fotos mit („Bett & Bike“ in Wolgast aufgenommen).

Das „UsedomRad“ lässt sich telefonisch reservieren und nach der Fahrt bei

jedem Partner eines Netzwerks abgeben. Tägliche Wartung, Pannenservice kostenlos.

Auch Veloboxen für sicheres Aufbewahren finden sich an der Ostsee.

Nicht mal Hunde dürfen mit dem Velo

fahren! Bei einer Tour am Bodensee in

Wasserburg gesehen und fotografiert

von Willi Geßner.

Der Lauf der Zeit: von Konrad Grund in einem Hinterhof gefunden und fotografiert.

Der Bau einer VeloStation macht dafür

sensibel, wie anderswo ein sicheres

Abstellen der Fahrräder am Bahnhof

ermöglicht wird. Klaus Brossok hat diese

(überdachte) Kombination von offenen

Abstellern und von Boxen in Köln-Spich

gesehen – sein Kommentar: vernünftig

gelöst.

VeloPost 1/2012

15


Unterwegs

Am Eisernen Vorhang

Unterwegs auf dem „Grünen Band“ entlang der ehemaligen Zonengrenze – hier beim Dreiländerblick

von Frankenheim, in der Ferne DDR-Wachturm und Kreuz. Doris Nienborg und Ulla Siering waren

zehn Tage und 550 Kilometer entlang des Eisernen Vorhands auf Fahrt. Doris Nienborg erzählt.

Der „Eiserne Vorhang“ trennte Europa

in Ost und West, über 7.000 Kilometer

hinweg von der Barentsee bis

zum Schwarzen Meer. Einen Abschnitt

hatten wir zwei uns vorgenommen. Der

Radweg führt durch mehrere Mittelgebirge

– Rhön, Frankenwald, zuletzt

Bayrischer Wald – alle selbstverständlich

niedriger als unser Schwarzwald,

trotzdem reich an Steigungen.

Fulda – zwischen Nord und Süd -

hielten wir für einen guten Ausgangspunkt,

mussten allerdings feststellen,

dass die Deutsche Bahn mit einem

durchgehenden IC aus Hamburg (der

Fahrräder transportiert) den Norden

gegenüber dem Süden deutlich bevorzugt:

Die durchgehende Strecke Basel-

Fulda ist eine ausschließliche ICE-Strecke,

das heißt einen durchgehenden

Fahrrad-Transport gibt es nicht – ich

musste zweimal umsteigen, einmal davon

in Frankfurt-Süd ohne Aufzug.

Häufig bergauf und bergab

Unverständlicherweise nennt der

Bikeline-Führer Fulda und Fladungen

in einem Atemzug als möglichen Start

der Tour, obwohl die Entfernung zwischen

den beiden Orten 34 km beträgt.

Die offizielle bikeline-Etappe beginnt

jedenfalls in Fladungen und damit in

der Rhön mit häufigem Bergauf und

Bergab bis auf über 800 Meter, wechselt

später mehrmals zwischen Thüringen

und Bayern. Der Weg ist fast

überall gut ausgebaut, mitunter wie

bei uns auf aufgeschütteter Bahnlinie,

meistens befestigt, zum Teil noch als

alter Grenzweg mit Betonplatten; auch

die unbefestigten Strecken sind gut zu

befahren. Seinem Namen entsprechend

führt er an der ehemaligen Zonengrenze

vorbei. Dieser Streifen wird als

Naturschutzgebiet erhalten: Es ist das

Grüne Band mit buntblühenden Wiesen,

Vögeln und Schmetterlingen. Die

Unesco hat die Landschaft von Hessen

über Thüringen bis Bayern als Biosphärenreservat,

also schützenswerte

Kulturlandschaft eingestuft.

Führt der Radweg über Wiesen und

nicht durch Wald, erlaubt er fast immer

einen freien Blick in große Ferne.

Die vielen Seen an der Wegstrecke haben

uns nicht gelockt, es war zu kalt.

Entlang des Radwegs stehen zahlreiche

Erinnerungen an die über 40 Jahre

dauernde Teilung Deutschlands: Wachtürme,

Gedenkstätten (auch an Menschen,

die beim Versuch, die Grenze zu

übertreten, getötet wurden; an andere,

Tour mit Erinnern: Hier ein alter Grenzpfahl

und Reste des Grenzzauns.

denen die Flucht glückte), Grenzzaunreste,

ein geschleiftes, das heißt ausgelöschtes

Dorf. Entsprechend werden

manche Strecken und Orte bezeichnet:

Friedensweg, Brücke der Einheit, Weltfriedenskreuz,

„Museum für Grenzgänger“

in Bad Königshofen, „Erlebnisstraße

der deutschen Einheit“.

Zeugen deutscher Historie

Auch die vorangegangene Phase

deutscher Geschichte wird von Zeit zu

Zeit bedacht, zum Beispiel in Berkach

mit seinem jüdischen Friedhof, seinem

jüdischen Zentrum mit Synagoge –

oder in Flossenbürg, wo sich direkt an

der Ortsgrenze ein KZ befunden hatte.

In den verstreuten Ortschaften stehen

häufig Kirchen mit barocken Zwiebeltürmen,

Schlössern und Burgen.

Wir orientierten uns am bikeline-

Radführer, der uns nicht immer zuverlässig

führte. Auch die Kennzeichnung

der Radwege wies einige Lücken auf.

Gut beschreibt der bikeline-Führer die

Sehenswürdigkeiten. Und die Einheimischen

wiesen uns des öfteren unterschiedliche

Wege. Obwohl der Radweg

gut ausgebaut ist, trafen wir außer

einem Vater mit seinem Sohn und einem

Ehepaar keine Radtouristen – sehr

schön für uns, aber enttäuschend für

Gastronomie und Hotellerie dort.

Unsere Strecke: von Fulda über Fladungen,

Frankenheim (8 km bergauf,

die uns zu unserem Glück eine Physiotherapeutin

in ihrem VW-Bus mitnahm;

so hatten wir genügend Zeit für

eine Einkehr im „Rhön-Haus“ mit einheimischen

Gerichten und eine Wanderung

durch das Schwarze Moor).

Von den weiteren Stationen ist Bad

Königshofen herauszugreifen und Ipt-

16 VeloPost 1/2012


Gut 550 Kilometer nterwegs: Ulla Siering

(Foto) und Doris Nienborg.

hausen mit seiner kleinen üppig-barocken

Wallfahrtskirche. Ummerstadt

war die kleinste Stadt der DDR. In Coburg

übernachteten wir im Münchner

Hofbräuhaus und aßen im Lokal eines

Sammlers von Pendeluhren: Die etwa

15 Exemplare schlagen in unterschiedlicher

Tonhöhe – bemerkenswert. Vor

Erschöpfung ersparten wir uns den

Weg auf die hochgelegene Veste Coburg.

Aber durch die Stadt mit ihren

herrschaftlichen Renaissance-Häusern

und ihrem Schloss gingen wir.

Abgekürzt nach Osten

Wir waren im Frankenwald angekommen,

und manche Abschnitte der

Tour strengten uns so an, dass wir

einiges Sehenswürdige links (oder

rechts) liegen ließen. Als dann der

Radweg statt nach Süden auch noch

nach Norden führte, entschlossen wir

uns, ab Knellendorf einen Weg nach

Osten ohne bikeline-Führung zu suchen.

Damit verzichteten wir auf einige

Grenzsehenswürdigkeiten, unter anderem

Hirschberg (früher wirtschaftlich

bedeutsam wegen seiner Lederindustrie,

deren Produktionsstätten wenige

Jahre nach der Wiedervereinigung

abgerissen wurden) und das geteilte

Dorf Mädlareuth (dessen einer Teil

dem amerikanischen Sektor, der andere

dem sowjetischen zugehörte – und

dessen 50 Einwohner noch heute von

zwei Bürgermeistern „regiert“ werden,

zwei unterschiedliche Telefonvorwahlnummern

und Postleitzahlen hat) und

fuhren über Schwarzenbach und Neila

nach Hof und Rehau.

Wir übernachteten nahe der tschechischen

Grenze und wurden in unserem

Quartier erstmals mit grenzbedingten

Vorurteilen konfrontiert: Nach dem

Ausweisen der Sudetendeutschen seien

Roma und Sinti in Tschechien (damals

Tschechslowakei) angesiedelt worden,

die ließen Dörfer zerfallen... Als wir

tatsächlich die Grenze nach Tschechien

überquerten, fanden wir mit As (gesprochen

Asch) einen schmucken Ort

vor mit schön renovierten Häusern und

freundlichen Menschen. In Tschechien

besichtigten wir Cheb (Eger) auf hohem

Berg, und hatten Mühe, den Radweg

aus der Stadt zu finden. Radwege

in Tschechien tragen Nummern, so ist

die Orientierung einfach. Das Problem:

Auf deutschen Karten sind diese Radwegnummern

nicht eingetragen. Die

Radwege sind schlaglochreicher als bei

uns, aber ausreichend befahrbar.

Unsere Übernachtung in Tschechien

war gut. Als wir zurück in Deutschland

waren, hatten inzwischen den Oberpfälzer

Wald erreicht und fuhren von

Bärnau (früher gab es hier 70! Knopffabriken)

über Eslarn nach Süden, machten

zuvor Halt an der Gedenkstätte des

ehemaligen KZ Flossenbürg. Dann kam

das anstrengendste Stück unserer Reise:

Wir mussten über mehrere Kilometer

unsere Räder einen Waldweg, der

nur für Mountainbiker befahrbar ist,

bergauf schieben, kamen zur Wald-

Naab-Quelle und schließlich an ein

Gasthaus (Silberquelle) am Waldrand,

in dem wir erschöpft übernachteten.

Danach wurde unsere Zeit knapp.

Wir brauchten für unsere Rückfahrt

eine Bahnstation und strengten uns

noch einmal an, fuhren den zum Glück

für Touristen recht gut ausgebauten

Bockl-Radweg nach Eslarn und dann

– um kein Verfahr-Risiko mehr einzugehen

– auf der Autostraße nach

Waldmünchen, wo wir den Bayrischen

Wald erreicht hatten und eine schöne,

preiswerte Unterkunft fanden.

Am nächsten Tag benötigte die Reisebüro-Mitarbeiterin

ca. eineinhalb

Stunden, um unsere Zugverbindungen

nach Nord (für meine Freundin) und

Süd herauszufinden, so dass sich unsere

Eile vom Vortag auszahlte. Dann

hatten wir Zeit für einen nochmaligen

Besuch in Tschechien. Direkt hinter der

Grenze in Tschechien erstaunte uns

das Massenangebot an Gartenzwergen,

Vogelhäuschen, Windmühlen – verkauft

von Vietnamesen, die zum Teil

bereits seit 50 Jahren, das heißt noch

vor der Wiedervereinigung Vietnams

1976, in Tschechien leben.

Ein Fazit

Der gut ausgebaute, sehr wenig befahrene

Radweg führt durch sehr schöne

Landschaft. Wer zügig und ohne

Verfahren oder Suchen oder Fragen

vorankommen will und keinen ganz

sicheren Orientierungssinn hat, sollte

einen Navigator benutzen. Der Radweg

ist anstrengend; sportliche Velofahrer

Ein alter Grenzweg der DDR.

schaffen ihn vielleicht ohne Absteigen.

Gruppen sollten vorher Quartiere buchen.

Für die Übernachtungen zahlten

wir zwischen 22 und 42 Euro pro Person.

Preisgünstig fanden wir die Mahlzeiten:

Für fünf bis sechs Euro konnten

wir ein gutes Essen bekommen,

Getränke waren ebenfalls günstig. Wir

erlebten die Tschechen als freundlich,

sahen nie einen Grund für irgendwelche

Besorgnis, obwohl wir in der Einsamkeit

fuhren.

LITERATUR

Bikeline-Führer: Europa-Radweg Eiserner

Vorhang 2 (von der Ostsee bis zur

tschechischen Grenze) und Eiserner

Vorhang 3 (weiter bis Schwarzes Meer).

Europa-Radweg

„Eiserner Vorhang“

Der geplante Europa-Radweg entlang

der Westgrenze der ehemaligen

Warschauer-Pakt-Staaten wird konkreter.

Spätestens 2020 soll der „Iron

Curtain Trail“ den Verlauf und die

Geschichte des „Eisernen Vorhangs“

auf über 6.800 Kilometern erfahrbar

machen. Ideengeber des Radwegs ist

der Europa-Abgeordnete Michael

Cramer (Die Grünen/EFA-Fraktion).

Für ihn wächst Europa über den

Fahrradtourismus zusammen. Der

Radweg von der norwegisch-russischen

Grenze an der Barentssee bis

zum Schwarzen Meer an der bulgarisch-türkischen

Küste führt durch

20 Länder, davon 14 EU-Staaten.

Der Iron Curtain Trail ist ein Beispiel

für sanften Tourismus in Europa

und ein Symbol der europäischen

Wiedervereinigung.

www.ironcurtaintrail.com

Unterwegs

VeloPost 1/2012

17


Unterwegs

Alpen-Kletterer

Die VeloPost ist immer wieder Plattform für Radfahrer mit Unternehmungslust – Leute wie Ulrich

Oehrlein aus Efringen-Kirchen, der seine Saison auf dem Rennvelo imponierend abgeschlossen hat.

Hier sein (leicht) gekürzter Bericht über zwei Tage mit steilen Anstiegen und rasanten Abfahrten.

Meine Abschlusstour im Oktober

führte mich über Amsteg, Laggo Maggiore,

Centovalli, Domodossola und

Brig zum Furka und wieder zurück

nach Amsteg. Insgesamt radelte ich

ca. 360 Kilometer und überwand 7.200

Höhenmeter.

Ich checkte am Vortag nochmals

meinen alten „Eddy Merckx“ Drahtesel,

packte die notwendigen Sachen

für die Tour sowie für

eine Übernachtung in meine

Ortlieb-Backroller-Tasche

und machte mich am Morgen

gegen 6 Uhr Uhr mit

dem Auto auf den Weg in

die Schweiz nach Amsteg.

Amsteg liegt auf der Nordseite

des Gotthard auf 471

Metern Höhe. Hier beginnt

der Anstieg zum Gotthard-

Pass. Gegen 8 Uhr war das

Rad fertig bepackt und die

erste Steigung konnte in

Angriff genommen werden

– es war zwar keine Wolke

am Himmel, aber aufgrund

der frühen Tageszeit noch

empfindlich kalt.

Auf der Nationalstraße

fahre ich über Wassen nach

Göschenen – bei so gut wie

keinem Verkehr wegen der

parallel verlaufenden Autobahn.

In Göschenen stellt sich die

Schöllenenschlucht in den Weg. An ihrem

Ausgang vor Andermatt empfangen

mich erste Sonnenstrahlen und es

wird merklich wärmer. Es geht weiter

bergauf dem Gotthardpass entgegen.

Die letzten drei Kilometer lege ich auf

der alten gepflasterten Straße zurück.

Rasant abwärts nach Airolo

Vom Gotthard geht es dann in rasender

Fahrt zunächst nach Airolo.

Die nächsten 40 Kilometer bis Biasca

sind auch mehr oder weniger abfallend,

ich komme gut voran. Nun folgt

ein welliges Stück auf der Nationalstraße

in Richtung Bellinzona. Windjacke,

Knie- und Ärmlinge habe ich

längst ausgezogen. Der Lago Maggiore

kommt in Sicht und bald ist Locarno

erreicht. Wegen des starken Verkehrs

bin ich froh, die Stadt wieder verlassen

zu können: Die Fahrt führt zunächst in

Richtung Norden an den Eingang des

Maggiatales.

Bei Ponte Brolla biegt die Straße in

Richtung Centovalli ab und führt immer

entlang der sehenswerten Centovalli-

Schmalspurbahn. Nach 15 Kilometern

ist die italienische Grenze bei Camedo

geschafft; der Scheitelpunkt der Straße

auf knapp 900 Metern Höhe wird

Erste Station Gotthard: Ulrich Oehrlein ist warm geworden.

bei Santa Maria Maggiore erreicht. Die

Fahrt gestaltet sich aufgrund der schönen

Ausblicke in die „100 Täler“ sehr

kurzweilig.

Auf dem höchsten Punkt habe ich

bereits die Walliser Hochalpen mit

Weissmies und Fletschhorn im Blick.

Im Tal liegt Domodossola, die nächste

Zwischenstation. Von Domodossola

aus führt der Weg in Richtung Simplon.

Das Tal wird immer enger. Es geht

bergan, am Südportal des Simplon-

Tunnels in Iselle vorbei, in Richtung

Schweizer Grenze. Hier in Gondo ragen

die Felswände 400 Meter in die Höhe.

Es hat längst keine Sonne mehr. Noch

habe ich die letzten zehn Kilometer

und 600 Höhenmeter bis zum Tagesziel

in Simplon Dorf auf 1.472 Metern

vor mir. Gegen 18.30 Uhr ist der Tag

geschafft, nach dem Abendessen falle

ich todmüde ins Bett.

Der neue Tag beginnt mit einem

Top-Frühstück und noch besserem

Wetter. Gegen 08.30 Uhr geht es los,

am alt-ehrwürdigen Hotel Post vorbei

in Richtung Simplon-Pass. Hier oben

hat man, neben den historischen Gebäuden

aus der Zeit Napoleons, einen

wunderbaren Blick auf die Schneeberge

des Oberwallis und einen direkten

Blick nach Brig, ca. 1.400 Meter tiefer

gelegen. Dorthin führt die

rasante Fahrt über die 100

Meter hohe Ganterbrücke.

In Brig geht die Fahrt

nun in östliche Richtung

durch das gesamte Oberwallis;

im oberen Teil wird

dieses Tal auch Goms genannt.

Am Ortsausgang

von Brig ist der letzte Walliser

Ort – Gletsch – bereits

ausgeschildert. Dorthin

sind es noch 54 Kilometer,

ständig bergauf. Die einzelnen

Rampen werden immer

wieder von Flachpassagen

unterbrochen. Nach Fiesch

sieht man im Rückblick

die Pyramide des Walliser

Weisshorn. Im Vorblick hat

man ständig den Galenstock

mit seiner Firnkuppe

über dem Furkapass im

Blick.

Endspiel vor dem Furka

In Oberwald, am Ende des breiten

Trogtales des Goms, wird es wieder

ernst und die Straße führt steil bergauf,

entlang der historischen Strecke

der Furka-Dampfbahn nach Gletsch.

Hier an der Abzweigung zum Grimselpass

sammle ich nochmals Kräfte

für die letzten 700 Höhenmeter zum

Furkapass hinauf. Mit dem Blick zum

Rhonegletscher mit dem Hotel Belvedere

hoch über dem Talboden geht es

steil bergauf.

Am Rhonegletscher genieße ich bei

einem Kaffee den Blick ins Wallis und

zu den Berner Alpen mit dem Finsteraarhorn.

Bald ist dann auch der Furkapass

erreicht und der Rest der Tour

ist schnell erzählt: Über Andermatt

und Göschenen geht es 50 Kilometer

mehr oder weniger nur noch bergab –

und die Radsaison in den Alpen ist für

dieses Jahr beendet.

18 VeloPost 1/2012


Mit IG Velo

vier Tage

in die Pfalz

IG Velo wieder auf Fahrt, bitte

anmelden: vom 16. bis 19. Juni

2012 unterwegs mit Bernd Klar,

der hier die Radreise erläutert.

Unterwegs

Die viertägige Velotour 2012 führt an

die südliche Weinstraße. Das Weinbaugebiet

Pfalz hat eine lange Tradition,

die bis zu den Römern zurückreicht,

eine einmalige Geschlossenheit (85 Kilometer

lang, wenige Kilometer breit),

eine überragende Marktbedeutung

(jede dritte Flasche des in Deutschland

gekauften deutschen Weines kommt

aus der Pfalz) und ein besonders mildes

Klima. Die Pfalz ist mit 23.400 Hektar

zweitgrößtes deutsche Weinbaugebiet.

1. Tag: Mit dem Busunternehmen

Stiefvater geht es von Weil am Rhein

nach Iffezheim zum Ausgangspunkt

der Velotour. Am Rhein entlang geht

die Fahrt bis zur Jugendherberge Bad

Bergzabern, der Unterkunft. Check-in

nach 65 km und Führung durch den

Ersten Beigeordneten Martin Engelhard,

Weinprobe.

2. Tag: Rundtour durch den Pfälzer

Wald, von Bad Bergzabern zur Einkehr

im Wanderheim Dicke Eiche und zurück:

ca. 75 km.

3. Tag: Rundtour, zu zwei Dritteln im

Weingebiet und einem Drittel im Pfälzer

Wald. Mit Besichtigung des Weinguts

Hitziger und Weinprobe: 80 km.

4. Tag: Von Bad Bergzabern auf neuem

Kurs zurück zum Rhein und nach

Iffezheim, wo der Bus wartet: 65 km.

Kosten (einschließlich Unterkunft,

Vollpension mit Lunchpaket für unterwegs,

mit Bustransport, Führungen,

Weinprobe): pro Person im Doppelzimmer

210 Euro (Mitglieder der IG Velo)

bzw. 230 Euro; pro Person im Einzelzimmer

225 (Mitglieder der IG Velo)

bzw. 245 Euro.

Ausführlichere Tourenbeschreibung

zu erhalten bei E-Mail: bernd.klar@

googlemail.com.

Die Teilnehmerzahl ist auf 23 Radler-/innen

begrenzt. Bei Anmeldung

zur Velotour sind als Anzahlung 100

Euro pro Person zu überweisen.

Anmelden: Bitte den Vordruck auf

dieser Seite ausfüllen, ausschneiden

und einsenden.

Das Schloss in Bad Bergzabern: eines der Ziele in der Pfalz.

ANMELDUNG zur Velotour der IG Velo vom 16. bis 19. Juni 2012

Name: __________________________ Vorname:_____________________

Straße: _________________________ Wohnort:______________________

Telefon-Nr. _______________________ E-Mail:_______________________

(bitte in Druckschrift)

Unterschrift: ___________________________________________________

Die Anzahlung von € 100,- pro Person habe ich am _____________ mit dem

Vermerk „Velotour Pfalz südliche Weinstraße“ auf das Konto Bernd Klar,

Nr. 100 131 660 bei Sparda Bank Baden Württemberg, BLZ 600 90 800,

überwiesen. Den Restbetrag werde ich bis 10. Mai 2012 überweisen.

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15.00-18.30 Uhr

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VeloPost 1/2012

19


IG Velo im Landkreis Lörrach | Postfach 1702 | 79507 Lörrach

Vermischtes

Wie geht’s zur IG Velo?

• www.igvelo.de

• E-Mail: info@igvelo.de

• Telefon und Fax:

07621-44446

• Postadresse:

IG Velo

Postfach 1702

79507 Lörrach

Sollte die

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NICHT stimmen,

bitte Nachricht an die

IG Velo mit diesen Infos

• Unbekannt verzogen

• Neue Adresse:

Versandanschrift

Augenblicke. „Der Deutsche

Fahrradpreis – best for bike“ lädt

fahrradbegeisterte Hobby- und Profi-

Fotografen zur Teilnahme am Fotowettbewerb

2012 ein. Unter dem Motto

„Mein schönstes Fahrrad-Foto“ werden

die besten, witzigsten, schönsten,

künstlerischsten und interessantesten

Fahrrad-Bilder der Republik gesucht

(www.der-deutsche-fahrradpreis.de).

Teilnahmeschluss: 31. Januar 2012.

Für die besten Fotos gibt es attraktive

Sachpreise: Ein Faltrad „birdy“

aus dem Hause riese und müller oder

hochwertige Fahrradtaschen von Ortlieb.

Die Fotos können auch online

bewertet werden. Dem Fahrradbild mit

den meisten Stimmen gebührt der Publikumspreis.

Ganz schön

schwer: Die

Insel Ven war’s

Ein Foto mit unglaublich vielen gelben

Tandems zeigten wir in der vorherigen

VeloPost an dieser Stelle – und

fragten unsere Leser, wo das denn

wohl aufgenommen sei? Niemand hat

es gewusst (wenn doch, meldete sich

der Kundige nicht und ging denn auch

ohne den ausgeschriebenen Preis aus).

Thomas Hofmaier war an diesem geheimnisvollen

Ort, hatte fotografiert

und löst das Rätsel auf: Die Tandems

und insgesamt 1.200 (!) Leihräder stehen

auf der kleinen schwedischen Insel

Ven für Tagestouristen bereit. Ven liegt

Balkan Orient – Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Musik: So überschreibt

Bruno Maul seine Dia-Audio-Vision, die am Dienstag, 10. Januar, um

20 Uhr in der Schopfheimer Stadthalle zu sehen ist – eine Veranstaltung in der

Vortragsreihe VISION ERDE. Ein Jahr lang und 12.000 Kilometer war Bruno

Maul mit seiner Partnerin und dem Fahrrad unterwegs nach Ägypten: entlang

der Donau ans Schwarze Meer, aus dem Winter Istanbuls nach Zypern geflüchtet,

im Frühjahr entlang der Mittelmeerküste in den Orient geradelt, durch

Syrien und Jordanien über den Sinai schließlich Ägypten erreicht. In Ägypten

ließen sie die Fahrräder endlich stehen und machten sich per Anhalter übers

Meer auf den Rückweg. Entstanden ist eine Fotoreportage über die Länder und

Kulturen des Balkans und des Orients.

Insel Ven: drei mal mehr Leihvelos als Bewohner.

im Öresund, zwischen Dänemark und

Schweden, ist knapp acht Quadratkilometer

groß und von gerade mal 370

Menschen in vier Dörfern bewohnt.

20 VeloPost 1/2012

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