1-010 Leistung 4

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1-010 Leistung 4

Effizienzkontrollen „Orchideenregion Jena – Muschelkalkhänge im Mittleren Saaletal“ 2004-2006

2.4.3.3 Sukzessions-Flächen (Probeflächen 4g, 4h und 4i)

Das Transekt der Probeflächen 4g, 4h und 4i erstreckt sich in west-östlicher Richtung am

Muschelkalk-Steilhang der Zietschkuppe. Folgende Kurzcharakteristik kennzeichnet die Abfolge:

4g: Zietschkuppe - Steilhang

Oberhang, MTB 5036/13; R 4479278 / H 5648491.

Geologischer Untergrund: Nach ANONYMUS (1962): Wellenkalk (mu1)

Hangneigung: 30° S

Unterhalb des nach oben führenden Pfades

4h: Zietschkuppe - Steilhang

Oberhang, MTB 5036/13; R 4479317 / H 5648496.

Geologischer Untergrund: Nach ANONYMUS (1962): Wellenkalk (mu1)

Hangneigung: 30°-35° S

Östlich des nach oben führenden Pfades, links der Fläche ein Weißdorn

4i: Zietschkuppe - Steilhang

Oberhang, MTB 5036/13; R 4479342 / H 5648498.

Geologischer Untergrund: Nach ANONYMUS (1962): Wellenkalk (mu1)

Hangneigung: 30° S

Westlich 4h, unterhalb eines sehr schmalen Pfades.

Veranschaulicht wird die Situation durch die Bilder 11 bis 13. Flachgründige Böden (Kalk-Syrosem

und Kalkfels-Rendzina) mit geringem Wasserspeichervermögen, hoher Austrocknungsgefahr

kennzeichnen die extreme Standortsituation. Die Krautschicht deckt den Boden überwiegend nur zu

einem geringen Teil. Sträucher erreichen meist keine großen Wuchshöhen, so daß eine eigentliche

Strauchschicht kaum ausgebildet wird.

2.4.3.3.1 Artenbestand

Sesleria albicans, Carex humilis und Brachypodium pinnatum bestimmen zusammen mit Anthericum

ramosum, Teucrium chamaedrys und Thymus praecox das Bestandesbild. In diesen Blaugras-

Trockenrasen (Teucrio-Seslerietum) kommen aber auch Cirsium acaule, Euphorbia cyparissias,

Hippocrepis comosa, Inula conyzae, Inula hirta, Sanguisorba minor und Viola hirta sowie Lotus

corniculatus und Pimpinella saxifraga regelmäßig vor. Stachys recta, Thalictrum minus und

Vincetoxicum hirundinaria fehlen gleichfalls nicht. Als weitere Saumarten erscheinen Geranium

sanguineum (4g), Polygonatum officinale und Thesium bavarum (4h, 4i), Tanacetum corymbosum (4h)

und Solidago virgaurea (4i).

Außerhalb der Probeflächen kommen Arabis hirsuta, Bromus erectus, Inula hirta, Polygonatum

officinale, Scabiosa columbaria und Thesium bavarum sowie Ligustrum vulgare und Pinus sylvestris

vor.

Unterschiede zwischen den drei Flächen werden insbesondere durch das Auftreten wärmeliebender

Stauden angezeigt. Am extremen Hang mit Fläche 4g bestimmt Geranium sanguineum zeitweilig das

Bild. In Fläche 4g tritt Tanacetum corymbosum reichlicher auf.

Mit insgesamt etwa 35 (4g) bis 50 Gefäßpflanzenarten (4h, 4i) bleiben die Bestände ärmer als die

gemähten und beweideten Flächen an den unteren Hangpartien. Im dreijährigen Beobachtungszeitraum

zeigen sich keine strukturellen Wandlungen. Das ist auch nicht zu erwarten. Die mehrjährigen

Dauerflächenbeobachtungen im NSG „Leutratal“ belegen, daß diese Blaugrasrasen recht stabil sind.

Abgesehen von Wandlungen in den Gehölzanteilen gibt es kaum strukturelle Veränderungen

(HEINRICH et al. 1999, HEINRICH 2005b).


Effizienzkontrollen „Orchideenregion Jena – Muschelkalkhänge im Mittleren Saaletal“ 2004-2006

2.4.3.3.2 Orchideen

Der Orchideenbestand am steileren Hang wird in erster Linie von der Spinnen-Ragwurz (Ophrys

sphegodes) bestimmt. Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Purpur-Knabenkraut (Orchis

purpurea) treten nur stellenweise, dort aber durchaus mit größeren Individuenzahlen hinzu.

Auf Fläche 4g erschien nur 2004 und 2005 eine blühende Gymnadenia conopsea. Von Ophrys

sphegodes wurden 2004 nur vier, im Jahre 2005 aber sechs blühende und 2006 nur eine sterile Pflanze

registriert.

Fläche 4h wies 2004 insgesamt 23 Exemplare von Ophrys sphegodes auf, 2005 konnten immerhin 20

blühende und sechs sterile Exemplare der Spinnen-Ragwurz gefunden werden, 2006 waren aber nur

neun blühende und sieben sterile Pflanzen vorhanden. Die Blüher waren indes recht klein, sie

erreichten nur Wuchshöhen zwischen 12,5 cm und 22,5 cm (12,5/13/14/14,5/16/19/22,5 cm; Ø 15,9

cm), die sterilen waren zum Aufnahmetermin bereits gelb. Zwei Individuen fielen später durch

Fruchtansatz (drei Kapseln bzw. eine Kapsel) auf.

Fläche 4i fiel 2004 durch einen Besatz mit 25 Spinnen-Ragwurz-Exemplaren auf, sterile Pflanzen

wurden nicht entdeckt. 2005 kamen nur 19 blühende und zwei sterile Exemplare vor. In diesem Jahr

konnten nur zwei blühende Exemplare mit einer Größe von 13 cm entdeckt werden. Die 12 nicht

blühenden Rosetten waren bereits gelb.

Auffällig war in 4i das Auftreten von Orchis purpurea. Im Jahre 2004 wurden sechs kräftige blühende

sowie vier sterile Exemplare gefunden. 2005 kamen sieben Pflanzen zur Blüte, acht Rosetten wurden

darüber hinaus gezählt. Nur vier blühende und 15 sterile Pflanzen erschienen 2006.

Auch diese Wandlungen sind als witterungsbedingt einzuschätzen.

Außerhalb der Probeflächen ist der Orchideenbesatz teilweise dichter und gleichmäßiger. Aus diesem

Bereich stammen Beobachtungsergebnisse von BOCKHACKER (1998, 2000).

Bilddokumentation

Bild 11: Vegetationskundliche DBF 4g an der Zietschkuppe (Foto: W. Heinrich; 2006)


Effizienzkontrollen „Orchideenregion Jena – Muschelkalkhänge im Mittleren Saaletal“ 2004-2006

Bild 12: Vegetationskundliche DBF 4h an der Zietschkuppe (Foto: W. Heinrich; 2006)

Bild 13: Vegetationskundliche DBF 4i an der Zietschkuppe (Foto: W. Heinrich; 2006)

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