Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

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Der Vorhang teilt sich. Bei beleuchtetem Hause tritt der Stirn

mungtnacher in der Person eines Überlegenen Schauspielers

mit Frack und weißer Nelke an die Rampe und spricht:

Man hat mir eine furchtbar schwere Rolle

für diesen heutigen Abend zuerkannt.

Einst war es leicht. Ich trat in bunter Wolle

verkleidet auf und ward „Prolog" benannt,

und sprach hochtrabender mit jedem Zolle

ein Dutzend stelziger Strophen an die Wand.

Heut jagt man mich im nackten Frack hinaus,

ich seh' nicht anders wie Sie selber aus.

Ich soll auf alle Fälle Stimmtmg machen,

„Conferencier" nennt man mich in Berlin.

War' ich ein Instrument, ich würde lachen,

ich wüßte schon die richtigen Melodien.

Doch Sie mit bloßen Worten anzufachen

will heutzutage scheußlich wenig ziehn.

Und manche sind schon jetzt mich überdrüssig,

auch die Kritik meint, ich sei überflüssig.

Ich geb' es zu, die Angst hat mich geboren,

Die Angst, die im Theater heut grassiert,

ja manche halten es für glatt verloren,

nachdem man alles

an ihm ausprobiert.

Es gibt nur noch Zuschauer ohne Ohren,

man will, daß alles fliegend schnell geschieht.

Der Kino ist die fürchterliche Pest,

die kein Theater mehr am Leben läßt.

Der Film liegt wie ein Drehwurm ims im Magen,

der dem die Galle, dem die Gage drückt.

Er kann stets seine stmnme Rolle sagen

und wird nicht leicht wie unsereins verrückt,

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