Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

Im Kunstsalon von Bruno. Viele Bilder warten an den

Wänden geduldig und mit dem blinden Fatalismus, der die

Objekte beseelt, auf ihre Käufer. Nicht so Bruno, der hinter

einem oben gläsernen Ladentisch mißvergnügt die heutige Post

durchliest. Neben ihm sitzt Juanita, seine Frau, die ihm die

eingelaufenen Briefe öffnet und anreicht ; zuweilen nascht sie

aus der Schublade Pralines. Vor ihnen beiden und dem Ladentisch

hockt wie gewöhnlich am Morgen der Kunsthistoriker und

sucht sich beliebt oder nützlich zu machen.

Hinten rechts sitzt

ein Engländer mit seiner Frau stumm vor einem Bild, das auf

einer Staffelei steht. — Die Türe rechts führt hinaus, die in

der Mitte in die inneren Gemächer und die Türe links in das

Kabinett, wo „der Rembrandt" hängt.

BRUNO: Gott! Welche faule Post! Welch trister Morgen!

JUANITA: Bruno! Du machst dir wieder zu viel Sorgen.

Nu Warum darf ich mir nicht Sorgen machen ?

BRUNO : !

DER KUNSTHISTORIKER: Sie werden uns doch heut

BRUNO :

nicht gleich verkrachen!

Geschmus ! Da steht man auf und zieht sich an,

wäscht, kämmt und tut an sich, was man nur kann,

und macht sich all die vielen Knöpfe zu

mit schwerer Müh' am Hemd, am Rock, am Schuh.

Wozu? frag ich, wozu? Um solche Briefe!

Es war' mir Heber, wenn ich jetzt noch schhefe.

JUANITA: Bruno! Das Glück macht sich bei uns nicht

selten.

DER KUNSTHISTORIKER: Man soll den Tag nicht vor

dem Abend — schelten.

Da habt ihr's

BRUNO {einen neuen Brief überlesend) :

wieder!

Nein, es ist zum Schreien.

Man hat nur Bilder, um sie zu verleihen.

Verleihn! Als ob man seine Frau verleiht!

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