Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

Kein Mensch verlangt sie, wie die Mauerblümchen,

die besten haben ein lokales Rühmehen.

Erst wenn sie tot sind, kann man sie poussieren,

dnrai rat ich jedem Maler stets:

Krepieren!

Erst wenn ein Künstler selbst sich aufgehangen,

kann man mit seinen Bildern es anfangen.

DER KUNSTHISTORIKER {stiert oben in eine Ecke;

man sieht das Bild selbst nicht; dünn schreit er auf): Ha!

JUANITA: Sie erschrecken einen!

DER KUNSTHISTORIKER: Wie das leuchtet!

Wie die Natur am Morgen, taubefeuchtet.

So hab' ich dieses Bild noch nie gesehn

dort an der Wand! Es kann ims oft geschehn,

daß plötzHch ein Stück Leinwand sich belebt

und durch Magie aus seinem Rahmen hebt,

nicht Ol und Farbe mehr, nein, Greist und Seele,

tritt es hervor und greift ims an die Kehle.

Still

geht man wochenlang daran vorbei,

auf einmal ist es fast ein lauter Schrei.

Wie schreckhaft schön! Es ist zimi Haarausraufen.

BRUNO: Wozu der Aufwand! Wollen Sie es kaufen?

DER KUNSTHISTORIKER: Das nenn* ich Fleisch gemalt!

Das Allerschwerste,

was wir vermögen, imd das denkbar Hehrste.

Das ist das Sein zur höchsten Form verdichtet.

JUAN ITA: Hat Sie der Maler irgendwie verpflichtet ?

BRUNO: Der hat den Kunstraptus, verstehst du nicht!

DER KUNSTHISTORIKER: O diese stumpfen Töne!

Und die Valeurs, wie herrlich abgetönt,

das Hell und Dunkel wundersam versöhnt,

und jene weichen lilafarbenen Schatten,

Dieses Licht!

auf dem Fleisch sich zart mit ihm begatten.

die

BRUNO: Ich bitt' Sie, bleiben Sie manierhch!

JUANITA:

Nein!

dem stets bei unsem Bildern ein?

DER KUNSTHISTORIKER: Niemand hat so das nackte

Was fällt

die frühem haben rubenshaft geprahlt.

Fleisch gemalt,

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