Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

Soviel ward nie für deine Hand bezahlt

wie für ein Bild heut, das du nie gemalt.

BRUNO {kommt mit dem Geheimrat von rechts her) :

DER GEHEIMRAT: Das ist

BRUNO:

Darf

ich Sie bitten, hier hindurchzuschreiten.

Ihr Laden wohl?

Jawohl, zuzeiten!

Mein Kunstsalon auch, Herr Geheimrat!

DER GEHEIMRAT:

So!

{Herumblickend.)

Ganz hübsch, wenn auch ganz neu! Da scheint mir? Oh!

Sie sammeln auch Modernes?

BRUNO (gewunden): Ja! Je mm,

das muß man heutzutage leider tun.

DER GEHEIMRAT: Das kann ich gut verstehn. Die

Welt wird bunter,

es gibt wohl schon Vernünftiges darunter?

BRUNO : Oh ! In der Tat ! Man ist nicht stehn gebheben.

Ich kenne neue Büder, zum Verlieben!

So hell und farbig, nein, ich kann nicht lügen,

sie bloß schon anzuschau'n ist ein Vergnügen,

und vollends, wenn man sie erst teils besitzt.

DER GEHEIMRAT : Schau ! Sie begeistern sich, Ihr Auge

bhtzt.

Es fragt sich, ob, wer so für Neues schwärmt,

sich für die alte Kunst noch recht erwärmt?

BRUNO: Oh, keine Sorge, Herr Geheimrat, nein!

Das schleicht sich wohl durch unser Auge ein,

dies Neue, Ungewohnte. Doch hier drinnen,

wo unsre höchsten Werte erst beginnen,

kann ich nur für die Klassik mich begeistern.

Die Seele hier gehört den alten Meistern.

Dem Großen dien ich und dem wahren Guten,

und sollt ich auch mein Herz dafür verbluten.

DER GEHEIMRAT: Sehr gut! Das freut mich. Nun, wir

werden sehn!

Man hegte Zweifel, wie Sie wissen werden. —

BRUNO: Heut zweifelt man ja selbst an Gott auf Erden.

Mein Geist ist für das Schöne nur empfänglich,

und darin sind die Neuem imzulänglich.

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