Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

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PAUL: Nimm du den Fall nicht auch noch sorgenvoll.

Was das für eine Last ist, ahnst du nicht,

komm, sieh mir endlich wieder ins Gesicht.

Du kamst ganz frei und unentweiht

zu mir aus der Vergangenheit,

ich bin gebrandmalt und die

Kette

hängt mir am Bein wie eine Klette.

{Mit Schwung.) Doch glaub, in meinem wahren Innern

brauch ich wie du an nichts mich zu erinnern.

Denn als der Schreihals dort entstanden ist,

wüßt ich noch nicht, daß du auf Erden bist.

Ich ahnte dich wie einen Engel nur,

und wirklich ja, jetzt bin ich auf der Spur,

als du mich fragtest, wem es ähnlich wäre,

jetzt eben fiel mir's ein: Dir! — Dir auf Ehre!

PAULA {lächelnd) : Oh welche sonderbaren Schmeicheleien

bringt mir das kleine Bürschchen ein!

Schon darum sei er freundlich aufgenommen.

So leicht hat keine Frau ein Kind bekommen!

Und doch ich könnt es niemals überstehn,

als armen Sünder dich dabei zu sehn!

PAUL: Ach das hab ich gewußt!

Ich mach ihn kalt!

Nur mir zu schaden wird der Bengel alt.

PAULA : So bleib doch hier! Bist du nicht recht gescheit ?

Vielleicht lern ich verzeihen mit der Zeit!

Am besten freilich wär's, wir ständen gleich.

PAUL {fast wütend): Ja, warum bist du nicht so

PAULA: Das hab ich auch bei mir gedacht

Und drum hab ich's dir nachgemacht.

PAUL: Was?

PAULA: Ja, ich mocht nicht besser sein als du,

sonst gab dir dein Gewissen niemals Ruh,

und deshalb, und um deinen Knaben. . . .

Wir ähneln uns schon wie die Raben,

er hätte mich als Mutter ausgelacht,

hätt ich nicht Studien dafür gemacht!

Und kurz und gut — Gott gib mir Kraft! —

Drum hab auch ich ein Kind mir angeschafft.

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kinderreich

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