Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

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MÜLLER MAIER: Sie bleibt steif, wie vom Schlag

Was hat das mich für Geld gekostet!

Kein Taler ist bei uns verrostet.

Mit Tee, mit Salben und Arznein

ward sie gepäppelt, ohne zu gedeihn.

Sogar mit Lehm hat man's versucht.

gerührt.

Sie hat geweint, ich hab' geflucht,

und alles ist, wie's war gebUeben.

Es gibt nichts, das man ihr noch nicht verschrieben.

Zwei starke Männer so wie du und ich

massierten sie gegen und mit dem Strich.

Ich hab' mich Tag und Nacht geplackt,

in heiße Tücher sie

mit warmen Brausen sie

gepackt,

in braune Sole sie gekuscht,

geduscht,

in eisiges Wasser sie getaucht,

sie bleibt vom Gürtel an verstaucht.

DOKTOR STROPHANTUS: Der Fall scheint allerdings

sehr zäh.

MÜLLER MAIER: Und sie wahrhaftig auch.

jemine!

Wer nur den lieben Gott läßt walten!

Was hat das arme Weib schon ausgehalten I

Die Wissenschaft hat sich an ihr bereichert,

und Stoff für tausend Ärzte aufgespeichert.

Der heß sie fasten, der nahm sie in Mast

und stopfte sie, bis sie mir platzte fast.

Ein dritter gab ihr Obst nur und Salat,

sie wurde schUeßlich dünn mir wie ein Draht,

und sprach nur leise mehr, wie Ziegen meckern.

Dann nährte man mit Nüssen sie, Bucheckern.

Der gab ihr Fett und Rahm und reichhch Butter,

ein andrer sagte: „Nichts als Trockenfutter!"

Ein fünfter Arzt schrie: „Milch", ein zehnter: „Trauben!"

DOKTOR STROPHANTUS: Der Kranke muß an seinen

Du selbst,

mein Freund, um dich zu fragen,

scheinst über dein Gesundsein nicht zu klagen?

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Doktor glauben.

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