Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

Du hast dich gut herausgemacht,

du nahmst dich früher schlecht in acht,

du lebtest in den Tag hinein

und heßt die zwei gern — ungrad sein

MÜLLER MAIER : Ich bin nur alt, nicht krank geworden.

DOKTOR STROPHANTUS: Hm! Du verdienst wohl

einen Orden.

Es ist ein Kreuz. Man sieht's aufs neue,

Das Leben lohnt nicht stets die Treue.

Da muß ein echter Kerl wie du,

mit einem Herzen voller Seelenruh

am Abend noch solch Unglück haben

und jahrelang sein hebes Weib begraben,

dem er noch nie die Treue brach.

Es geht nicht nach Verdienst. Das ist die Schmach!

(anzüglich.) Du bist goldtreu und ohne Tücke,

und doch geht dir die Frau in Stücke.

MÜLLER MAIER : Du bist doch wohl zu meinem Frommen,

mein Schulfreund, nicht hierhergekommen?

Ich bin nicht krank, mich brauchst du nicht zu heilen.

DOKTOR STROPHANTUS : Ich weiß. Doch solche FäUe

muß man teilen.

Wenn von zwei Gatten einer nicht gesund,

so hat es meist im andern seinen Grund.

Hab' ich

MÜLLER MAIER (gekränkt): Was heißt das?

Bin ich ein Gift, an dem ein Mensch verreckt?

Ich wein' um sie die Stirn mir aus,

schleich'

auf den Zehen durch mein Haus,

zahl' Arzt und Pillen ohne Murren,

denn draußen hört sie mich nicht knurren,

und fluch' ich wirldich jemals noch,

die Mühle überlärmt es doch.

Ich wispre nur in ihrer Nähe

und seufze tief und lang, wenn ich sie sehe.

sie gar angesteckt ?

Sie hat mich ganz weckweich gemacht.

DOKTOR STROPHANTUS: Man ahnt kaum mehr die

alte

Pracht,

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