Ernste Schwänke; vier Einakter

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Ernste Schwänke; vier Einakter

in der du einst vor uns floriert,

wenn du ein Mädchen karessiert.

Du triebst es einst mit Leidenschaft,

in dem Fach warst du niemals mangelhaft.

Laß die toten Liebchen ruhn!

MÜLLER MAIER: Still!

Sie sind durchaus nicht opportun,

Gott ja, man war auch einmal jung

und machte manchmal einen Seitensprung,

als man noch fröhhch springen konnte,

noch nicht die Gicht sich aus den Beinen sonnte.

Da war ein Mädchen einst bei meiner Frau,

zart wie ein Schmaltier, sag' ich dir.

DOKTOR STROPHANTUS:

Wie lange, Freund, ist das wohl her?

MÜLLER MAIER :

Gewiß, es war mein letzter

Ich ging mit ihr

Schau, schau!

Zwölf oder dreizehn J ährchen ungefä

Sündenfall.

auf den Strohwitwerball.

Ganz recht, es war ein Samstag vor Silvester,

ich stellte sie Bekannten vor als Schwester.

Sie war glatt wie aus Elfenbein gedrechselt,

es khngt so köstlich, wenn ein Mädchen sächselt.

Mein Weib war damals flink noch wie ein Wiesel,

sie sprang frisch wie ein Bächlein über Kiesel.

Der Herr erlöse uns vom Bösen!

Ach, war sie damals weniger schnell gewesen.

Sie hatte ihre Augen überall.

DOKTOR STROPHANTUS: Ich fürchte fast, auch ai

dem Witwerball.

MÜLLER MAIER: Gewiß! Sie kam voll Wut nach Haus.

Das Mädchen flog per Schub hinaus,

dann warf sie wütend und im Nu

mir — bauz dich! — alle Türen zu.

DOKTOR STROPHANTUS: Ja!

MÜLLER MAIER :

Jetzt war' mir ihre Rührigkeit

Paroxysmus feminae!

Seit der Zeit krankt sie, still und weh'.

viel lieber als zu jener Zeit.

Das Bücken will mich arg verdrießen,

ich kann mir kaum die Schuhe schließen.

Wenn sie jetzt wieder rüstig war',

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