Zur Grundlage des themenzentrierten interaktionellen Systems ...

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Zur Grundlage des themenzentrierten interaktionellen Systems ...

Zur Grundlage des

themenzentrierten

interaktionellen

Systems*

Axiome, Postulate,

Hilfsregeln

Grundlegend fü das System themenzentrierter

Interaktion (TZI) sind diese

Axiome:

1. Der Mensch ist eine psycho-biologische

Einheit. Er ist auch Teil des Universums.

Er ist darum autonom und interdependent.

Autonomie (Eigenständigkeit wächs mit

dem Bewußtsei der Interdependenz (Allverbundenheit).

Menschliche Erfahrung, Verhalten und

Kommunikation unterliegen interaktionellen

und universellen Gesetzen. Geschehnisse

sind keine isolierten Begebenheiten, sondern bedingen einander in Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft.

2. Ehrfurcht gebühr allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor

dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll;

Inhumanes ist wertbedrohend.

3. Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äuaere

Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist mÃglich

Unser Mai3 an Freiheit ist, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und

geistig gereift sind, grÃaer als wenn wir krank, beschränk oder arm sind und

unter Gewalt und mangelnder Reife leiden.'Bewußtsei unserer universellen

Interdependenz ist die Grundlage humaner Verantwortung.

Aus den Axiomen leiten sich Postulate ab; sie sind Forderungen auf der

Basis des Paradox' der Freiheit in Bedingtheit. Wir müsse sie befolgen;

mangelnde Bewufitheit und mangelnde Handlungsbereitschaft sind

Kennzeichen persÃnliche und sozialer Krankheit.

Postulate sind:

1. Sei dein eigener Chairman, der Chairman deiner selbst.

~Chairrnanà - Vorsitzender, Leiter - ist in diesem Zusammenhang nicht über

setzbar wegen seines Doppelsinns: Chairman of myself = Leiter meiner selbst;

und Chairman of a group = Vertreter der Interessen aller in einer Gruppe

(nicht nur Vorsitzender oder Moderator). Darum habe ich das Wort ~ChairmanÃ

als system-immanent auch im Deutschen eingeführt

* In frühere Schriften erscheint das System als ))WILL-Methodeà (W.I.L.L.

= Workshop Institute for Living-Learning, New York, NY; Atlanta, Ga;

Pittsburgh, Pa; USA. - Basel, Schweiz), als ~Themenzentrierte Interaktionelle

Methodeà oder auch ÈTIMà Ich vermeide jetzt das Wort Methode, weil es dazu

verleiten kann, den Aspekt der ))Einstellung und Haltungç die dem System

innewohnt, zu übersehen

Das bedeutet:

a) Sei dir deiner inneren Gegebenheiten und deiner Umwelt bewufit.

b) Nimm jede Situation als Angebot fü deine Entscheidungen. Nimm

und gib wie du es verantwortlich fü dich selbst und andere willst.

2. Beachte Hindernisse auf deinem Weg, deine eigenen und die von anderen.

StÃrunge haben Vorrang (ohne ihre LÃsun wird Wachstum

erschwert oder verhindert).

Postulate und das thernenzentrierte interaktionelle System (TZI)

1. Sei dein eigener Chairman

Als mein eigener Chairman bin ich der vorsitzende meiner inneren

Gruppeç meiner verschiedenen Bedürfniss und Bestrebungen. Ich versuche,

sie mir auch in der Gruppensitzung bewufit zu machen: die kÃr

perlichen Empfindungen, die wechselnden Gefühl und die tief verankerten

Grundstimmungen, die Wahrnehmung im Gruppengeschehen, die

gedanklichen Eingebungen, Phantasien, Intuitionen, Urteile, Wertungen,

Absichten. Ich akzeptiere mich, wie ich bin - was meine Wünsche mich

selbst zu ändern einschliefit. Ich mache mir meine Gefühl bewu§ und

wäg ab, mein ))ich soll(( gegen mein ))ich mÃchte(( und ich versuche,

meine Entscheidungen auch von kÃrperliche Fähigkeite und Begrenztheiten

abhängi zu machen, denen ich ebenso unterliege wie anderen natürliche

und sozialen Gegebenheiten: Menschen, Natur, sozialer Wirklichkeit.

Die Aussage ))sei dein eigener Chairmanà in interaktionellen Gruppen

bedeutet: ube dich, dich selbst und andere wahrzunehmen, schenke dir

und anderen die gleiche menschliche Achtung, respektiere alle Tatsachen

so, da du den Freiheitsraum deiner Entscheidungen vergrÃfierst Nimm

dich selbst, deine Umgebung und deine Aufgabe ernst. Mein eigener

Chairman zu sein bedeutet, da ich mich als einzigartiges psycho-biologisches

autonomes Wesen anerkenne - begrenzt in KÃrpe und Seele, in

Raum und Zeit und lebendig im lernenden, schaffenden Prozefi. Ich bin

verantwortlich fü meine Anteilnahme und meine Handlungen, nicht

aber fü die des anderen. Ich kann anbieten und biete an, so gut ich

kann.

Mein eigener Chairman zu sein bedeutet also, meine MÃglichkeite und

Grenzen als menschliches Wesen zu begreifen und zu verfolgen: Ich bin

nicht allmächtig ich bin nicht ohnmächtig Meine Macht ist begrenzt.

Ich bin immer nur mein eigener Chairman und nie der des anderen, aufier

wenn dieser seine Bewufitheit verliert oder noch nicht erreicht hat.

Beispiele: 1. Mein Nachbar liegt im Koma. Ich entscheide durch Tun oder


Nichttun, ob ein Arzt zu Hilfe kommt. 2. Ein Kind entwickelt erst langsam seine

MÃglichkeite zur Realitätsübersic (Erkennen von Gefahren auf der Landstra§e

Nahrungsvorsorge, Zeitperspektive). Der Erwachsene entscheidet anhand

seiner Realitätsperspektive inwieweit er Entscheidungen fü das Kind

oder mit dem Kind zusammen trifft.

Schon vor der Geburt bestehen Autonomie und Interdependenz. Das Kind

wächs selbst im Mutterschofl. Nach der Geburt kann ihm die Mutter

Nahrung anbieten, aber das Kind nimmt selbst an oder verweigert.

(Selbst wenn es mechanisch gefütter wird, kann sein Organismus annehmen

oder verwerfen.)

2. StÃrunge haben Vorrang

StÃrunge haben de facto den Vorrang, ob Direktiven gegeben werden

oder nicht. StÃrunge fragen nicht nach Erlaubnis, sie sind da: als

Schmerz, als Freude, als Angst, als Zerstreutheit; die Frage ist nur, wie

man sie bewältigt Antipathien und VerstÃrtheite kÃnne den einzelnen

versteinern und die Gruppe unterminieren; unausgesprochen und unterdrück

bestimmen sie Vorgäng in Schulklassen, in Vorständen in Regierungen.

Verhandlungen und Unterricht kommen auf falsche Bahnen

oder drehen sich irn Kreis. Leute sitzen am Pult und am grüne Tisch in

kÃrperliche Gegenwart und innerer Abwesenheit. Entscheidungen entstehen

dann nicht auf der Basis von realen 'überlegungen sondern unterliegen

der Diktatur der StÃrunge - Antipathien zwischen den Teilnehmern,

unausgesprochenen Interessen und persÃnliche depressiven

und angstvollen Gemütsverfassungen Die Resultate sind dementsprechend

geist- und sinnlos und oft destruktiv. Die unpersÃnliche ~stÃ

rungsfreien~ Klassenzimmer, HÃrsäl Fabrikräume Konferenzzirnrner

sind dann angefüll mit apathischen und unterwürfige oder mit verzweifelten

und rebellierenden Menschen, deren Frustration zur ZerstÃ

rung ihrer selbst oder ihrer Institutionen führt

Das Postulat, da StÃrunge und leidenschaftliche Gefühl den Vorrang

haben, bedeutet, da wir die Wirklichkeit des Menschen anerkennen;

und diese enthäl die Tatsache, da unsere lebendigen, gefühlsbewegte

KÃrpe und Seelen Träge unserer Gedanken und Handlungen sind.

Wenn diese Träge wanken, sind unsere Handlungen und Gedanken so

unsicher wie ihre Grundlagen.

Es gibt jedoch auch Teilnehmer mit ))dauernden StÃrungenà die durch kurze

Interaktionen nicht zur Ruhe kommen kÃnnen Wenn ein Mensch zutiefst voller

Angste ist oder von chronischen Problemen beschwert, kann er sich oft nicht auf

andere Aufgaben als auf seine eigene Existenznot beziehen. Dann ist es besser,

eine therapeutische Behandlung vorzuschlagen, oder eine Gruppe mit seinem

speziellen Thema zu finden - wie z. B. ich und Du in unserer Ehe - wie sollen

wir leben?(( oder wie befreie ich mich von meinen ArbeitsstÃrungen?

Die StÃrun des Wir in nichttherapeutischen Gruppen hat manchmal Vorrang

vor unlÃsbare Problemen des Ich. Dies trifft auch zu, wenn eine Gruppe rasch

entscheiden mu§ z. B. bei konkreten Gefahren oder Termindruck. Die Maxime

)>Realitä hat den Vorrangà hilft, Entscheidungen übe Vorrangigkeit zu treffen;

es braucht Ubung, diese ~Gefahrenregelà nicht zu miflbrauchen.

Ich glaube, da die überraschend Wirksamkeit der methodischen Anweisungen

der TZ1 in der Tatsache wurzelt, da ihre Postulate Klarstel-

Zungen existentieller Phänomen sind und nicht auswechselbare Spielregeln.

Die Postulate sprechen in ihrer Forderung aus, die Realitä und

nicht Dogmen als Autoritä anzuerkennen. Unbewufitheit der eigenen

Chairman-Position verführ zur Autoritätsanbetun und zur Ablehnung

echter Autorität (Ich bin Autorität solange ich die Wirklichkeit reprä

sentiere - z. B. die Wirklichkeit des Wissens, da Feuer brennt und ich

die Hand des Säugling schütze mu§ aber auch, da Kinder mit StreichhÃlzer

umzugehen lernen kÃnne und müssen Die Autoritä des Erwachsenen

begleitet und hilft Kindern zu wachsen: wer weniger gibt

als nÃtig ist ein Dieb; wer mehr gibt, ein MÃrder.~

Themenzentrierte Interaktion wird durch Hilfsregeln unterstütz

Wichtig sind Rücksich auf Gràund Zusammensetzung der Gruppe,

die Zeit, die zur Verfügun steht, Räume die benutzt werden kÃnnen

die antizipierte und wirkliche Kombination der Teilnehmer (ihre Motivationen,

Berufe, Schicht, Alter etc.), adäquat Themenfindung und

-formulierung etc.

Je geübte die Gruppe im Handwerk der TZ1 ist, um so gleichmäaige

verteilen sich strukturelle und organisatorische Leitungsfunktionen. Die

interaktionelle Diskussion bedarf eines Gruppenleiters, der zugleich Partizipant

ist und Verantwortung fü die Funktion der dynamischen Balance

Ÿbernimmt er leitet als Person, als Ich, unter Einsatz seiner Ge-

danken und Gefühle die er wie jeder andere Teilnehmer hat - das heij't

als sein eigener Chairman. Er ist zugleich auch Chairman der Gruppe;

der die Funktion der Gleichgewichtsfuhrung übernimmt

Wenn niemand diese Arbeitsaufgabe hat, übernehme alle Gruppenmitglieder

die Leitungsfunktion, was die Aufgabe jedes einzelnen dem Thema

und andern gegenüberschwert und die Konzentration verringert;

oder, wenn die Gruppe nicht leitend einspringt, geht die dynamische Balance

verloren. Wenn der Leiter ~neutralà als Beobachter und Dirigent


und nicht als Partizipant leitet, entstehen vermehrte Ubertragungs- und

Herrschaftssituationen. Gruppenleiten ist eine wichtige Arbeitsfunktion,

die gelernt werden kann, und nicht ein hierarchisches Statussymbol.

Es gibt TZI-Hilfsregeln, die fast immer nützlich andere, die situationsspezifisch

sind. Wichtig ist, da Hilfsregeln taktvoll und nicht diktatorisch

angewandt werden. Jede Regel kann ad absurdum geführ werden.

Die folgenden Regeln sind im Prinzip universell anwendbar fü die meisten

Gruppenarten.

1. Vertritt dich selbst in deinen Aussagen; sprich per ~Ichw und nicht per ~WirÃ

oder per ~Manç

Begründung Die verallgemeinernden Wendungen von à Wir Ç wie

z. B. in wir glauben((, ))man tutç ~jederman denkt((, ))niemand sollte~,

sind fast immer persÃnlich Versteckspiele. Der Sprechende über

nimmt nicht volle Verantwortung fü das, was er sagt. Er versteckt sich

hinter der Ãffentliche Meinung oder einer nicht kritisch überprüft

Majoritätsentscheidung um sich selbst und seine ZuhÃre zu überzeugen

Wenn ich an meine eigene Aussage glaube, brauche ich keine fiktive,

quantitative Unterstützun des andern. Wenn ich dennoch Bestätigun

brauche oder wünsche muf3 ich überprüfe ob die anderen mir wirklich

zustimmen. Aussagen einzelner Gruppenmitglieder wie die Gruppe

denktç à Wir langweilen uns alle((, ))Alle sind anderer Meinung als duç

)Wir alle wollen eine Kaffeepauseà sind oft nicht wahr. Die Regel, per

Ich zu sprechen und nur per Ich, dient dazu, verantwortliche Aussagen

zu machen, Projektionen zu vermeiden und weder eigene Kreativitä

noch Irrtüme zu vertuschen. ))Wir(( als Träge von Aussagen ist nur

authentisch, wenn die Gemeinsamkeitsfaktoren der Ichs überprü worden

sind. ))Man(( bedeutet eine Aussage übe alle Menschen oder eine

definitiv bestimmte Gruppe grçer Ausmafies.

2. Wenn du eine Frage stellst, sage, warum du fragst und was deine Frage

fü dich bedeutet. Sage dich selbst aus und vermeide das Interview.

Begründung Echte Fragen verlangen Informationen, die nÃti sind, um

etwas zu verstehen oder Prozesse weiterzuführen Authentische Informationsfragen

werden durch die Gründ fü die Informationswünsch

persÃnliche und klarer.

Fragen, die kein Verlangen nach Information ausdrücken sind unecht.

Sie kÃnne Vermeidungsspiele sein, um eigene Erfahrungen zu ververschweigen

oder dienen als Werkzeug inquisitorischer Machtkämpfe

Die befragten Personen, die solche Tendenzen mehr oder minder klar

empfinden, nehmen sie nicht ernster, als sie gemeint sind. Unechte Antworten

und Gegenfragen folgen unechten Fragen. Interview ersetzt Dialog.

Wenn Teilnehmer dagegen Aussagen machen - anstelle von Fragen -,

inspirieren sie zu weiteren Interaktionen, denn immer dann, wenn eigene

Erfahrungen und Gedanken ausgesprochen werden, werden andere mit

grÖf3te Wahrscheinlichkeit eigene Erfahrung und Ideen mitteilen wollen.

Echte Kommunikation ist ebenso ansteckend wie Abwehr (Cave: Regeln

sind nur brauchbar wenn sie Echtheit fÃrdern)

3. Sei authentisch und selektiv in deinen Kommunikationen. Mache dir bewußt

was du denkst und fühlst und wähle was du sagst und tust.

Begründung Wenn ich etwas nur sage oder tue, weil ich soll, dann fehlt

dieser Handlung meine eigene bewährt uberprüfung und ich handle

nicht eigenständig Ich spreche dann entweder auf der Basis einer unreflektierten

Gruppennorm oder gehorche einem internalisierten (elterlichen)

Soll; oder ich falle Entscheidungen, ohne wirklich zu entscheiden,

))weil mir gerade so zumute istç ohne Rücksich auf mein eigenes Wert-

System oder mein Urteil übe Gegebenheiten, und entziehe mich so gleicherweise

autonomer Wahl.

Wenn ich alles ungefiltert sage, beachte ich nicht meine und des andern

Vertrauensbereitschaft und Verständnisfähigkei Wenn ich lüg oder

manipuliere, verhindere ich Annäherun und Kooperation. Wenn ich

selektiv und authentisch (~selective authenticityç bin, ermÃglich ich

Vertrauen und Verständnis Wenn Vertrauen geschaffen ist, wird Filterung

zwischen meiner Erfahrung und meiner Aussage weitgehend über

flüssig Je weniger solches Filtern nÃti geworden ist, desto einfacher,

produktiver und froher ist die Kooperation der Teilnehmer. Solches Vertrauen

kommt nicht durch Konformitätsdruc und in ubereilung zustande.

4. Halte dich mit Interpretationen von anderen so lange wie mÃglic zurück

Sprich statt dessen deine persÃnliche Reaktionen aus.

Begründung Interpretationen kÃnne korrekt und zeitlich angebracht

sein. Bestenfalls schaden sie nicht. Wenn sie richtig und taktvoll sind

(zeitadäquat) zementieren sie das, was der Interpetierte wei§ wenn sie

richtig, jedoch nicht zeitgerecht sind, erregen sie Abwehr und verlangsamen

den Prozefi. Häufi sind sie nichts anderes als Selbstbewunderungs-


spiele. Nicht-interpretative, direkte persÃnlich Reaktionen zum Verhalten

anderer führe zu spontaner Interaktion. ())Du redest, weil du immer

im Mittelpunkt stehen willstà versus bitte rede jetzt nicht, ich mÃcht

nachdenkenà oder ich mÃcht selbst reden.(()

5. Sei zurückhalten mit Verallgemeinerungen.

Begründung Verallgemeinerungen haben die Eigenart, den Gruppenprozei3

zu unterbrechen. Sie sind am Platz, wenn ein Unterthema ausreichend

diskutiert worden und der Wechsel des Gegenstandes angezeigt

ist (z. B. als Hilfe, dynamische Balance herzustellen oder zu einem anderen

Unterthema überzuleiten)

6. Wenn du etwas uber das Benehmen oder die Charakteristik eines anderen

Teilnehmers aussagst, sage auch, was es dir bedeutet, da er so ist, wie er ist

(d. h. wie du ihn siehst).

Begründung Diese Regel, zusammen mit der frage-Regelà ())Frage

nicht ohne Zufügun deiner Motivationç) verhindert das Phänome

des Prügelknaben ~Interviewà und ))Feedback(( kÃnne Geheimwaffen

fü AblenkungsmanÃve und fü Angriffe sein. Die Aussage darüber wie

ich einen anderen sehe, ist immer meine persÃnlich Meinung. Ich kann

nur meine Ansicht übe den anderen aussprechen, nicht aber mit dem

Anspruch auf allgemeine Gültigkeit Wenn der Sprecher hinzufügt was

ihm seine Fragen und sein Feedback bedeuten, werden echte Dialoge begün

tigt.

7. Seitengespräch haben Vorrang. Sie stÃre und sind meist wichtig.'Sie

würde nicht geschehen, wenn sie nicht wichtig wäre (Vielleicht wollt ihr

uns erzählen was ihr miteinander sprecht?).

Begründung Wenn ein Gruppenmitglied Aussagen an seinen Nachbarn

richtet, so ist er mit gro5er Wahrscheinlichkeit stark beteiligt. Es kann

sein, da er etwas sagen will, was ihm wichtig ist, aber er scheut sich, es

zu tun; oder er kommt nicht gegen schnellere Sprecher auf und braucht

Hilfe, sich in der Gruppe zu exponieren. Er kann auch aus dem GruppenprozeÂ

herausgefallen sein und versucht nun, auf einem Privatweg wieder

hineinzukommen. (Es ist wichtig, da diese Regel als eine Aufforderung

erlebt wird und nicht als Zwang. Die Angesprochenen werden

aufgefordert und nicht erpreat.)

8. Nur einer zur gleichen Zeit bitte-

Begründung Niemand kann mehr als einer Äußeru zur gleichen Zeit

zuhÃren Um sich auf verbale Interaktionen konzentrieren zu kÃnnen

müsse sie nacheinander erfolgen. Der Gruppenzusammenhalt ergibt sich

aus konzentriertem Interesse füreinande und fü die Aussagen oder Aktionen

jedes Teilnehmers.

Diese Regel bezieht sich primä auf verbale Aussagen. Manchmal kÃn

nen jedoch nichtverbale Kommunikationen wie Gesten, Paarbildungen

usw. ebenso ablenkend sein wie verbale Äufierungen sie werden deshalb

am besten aufgegriffen und in den Gesamtstrom eingebracht. (Es gibt

viele Situationen, fü die diese Regel nicht gilt. Gleichzeitige Interaktionen

sind erforderlich, wenn die Gruppe in Paare oder kleinere Arbeitsgruppen

aufgeteilt ist oder bei Rollenspielen und Begegnungsübungen

die andersartige Spielregeln erfordern.)

9. Wenn mehr als einer gleichzeitig sprechen will, verständig euch in Stichwerten,

uber was ihr zu sprechen beabsichtigt.

Begründung Alle Anliegen derer, die gerne sprechen mÃchten werden

auf diese Weise kurz erÃrtert bevor die volle Gruppenaktion weitergeht.

Eine kurze Kommunikation mindert explosive Bedürfnisse sich mitzuteilen,

und befahigt die Gruppe zu wählen Durch dieses Vorgehen wird

die Entscheidung, wer sprechen soll, nicht allein vom Gruppenleiter

übernommen sondern kommt durch autonome Entscheidungen aller

Teilnehmer zustande. Sprechordnung kann dann auf verschiedene Arten

bestimmt werden, z. B.

a) durch das offenbar starke Bedürfni eines der Teilnehmer,

b) durch das grÃße Interesse der Gruppenmitglieder fü die eine oder

andere Äufierung

C) durch Identitä zweier Aussagen,

d) durch ergänzend Aussagen.

Die rasche Stichwortkommunikation zwischen den Sprechenden vermittelt

der ganzen Gruppe einen uberblick uber die Vielfalt der Gesprächs

faden, die auch späte wieder aufgenommen werden kÃnnen So fühl

sich niemand übergangen Rivalisieren um des Rivalisierens willen wird

weitgehend verhindert.

Wenn diese Regel nicht aufgestellt wird, zeigt sich oft verstärkte Rollenverhalten:

Der Scheue geht noch weniger aus sich heraus, der Dominante

dominiert noch mehr und beherrscht das Sprechfeld. Oder der

Gruppenleiter und temperamentvolle Mitglieder entscheiden uber andere

ohne Notwendigkeit (d. h. sie übe Autoritä aus, wo sie unnÃti und

daher infantilisierend ist).

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Regeln sind Hilfestellungen, die der Verwirklichung der Postulate dienen

und erfahrungsgemäf in interaktionellen Gruppen nützlic sind. Sie

sind jedoch keine absoluten GrÃfien Ihre Verabsolutierung ist Mifibrauch

und dient dem Geist, den sie bekampfen mÃchten

Literaturhinweise

Cohn, R. C. (1971): Living-Learning Encounters. In: G. U. M. Gottsegen und

L. Blank, Confrontations. New York (MacMillan).

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(Kindler).

Gordon, M., Libermann, N. (1972): Theme-Centered-Interaction in Counseling.

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Heigl-Evers, A.; Heigl, K (1973): Die Themenzentrierte Interaktionelle Methode.

Erfahrungen, Uberlegungen, Modifikationen. Neue Sammlung. GÃttin

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KrÃger M. (1973): Themenzentrierte Seelsorge (nach Carl Rogers und Ruth

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Schramm, T.; Vopel, K. W. (1973): Ruth C. Cohns Methode der Gruppenarbeit.

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Vopel, K. W. (1972): Zur Theorie der themenzentrierten interaktionellen Methode.

In: Genser, Vopel U. a.: Lernen in der Gruppe. Blickpunkt Hochschuldidaktik,

25.


ie Bänd dieses Programms beschreiben und

begründe Veränderunge in der Behandlung von

durch Menschen. Wir haben an solchen

gen teil; wir bewirken sie, wir sind ihnen

ausgesetzt.

Entscheidungen darüber ob sich der Spielraum menschlichenverhaltens

unter dem Druck technologischer

Neuerungen einschränk oder erweitert, fallen jedenTag

besonders in der Praxis der Sozial- und Erziehungsberufe.

Die Büche unseres Programms sind Mittel, Erfahrungen aus

dieser Praxis zu prŸfe zu verallgemeinern und nachzuvollziehen.

Drei Gesichtspunkte bestimmen die Auswahl:

- Die Orientierung an neueren Entwicklungen in Forschung

und Theorie der Humanwissenschaften.

- Das Interesse an einer experimentellen Erweiterung des

vorhandenen Methodenrepertoires und am Erkunden neuer

Praxisbereiche.

- Die Bevorzugung von Darstellungsweisen, die Verständni

und Nachvollzug erleichtern.

U wissen, da ich zähle Zu wissen, da du

zähls Zu wissen, da jeder Mensch zählt ob

schwarz, weiß rot oder braun. Die Erde zähl

Das Universum zähl Mein Leid zähl Dein

hlt (Wenn du dich nicht um mein Leid

scherst und mir dein Kummer gleichgültist,

werden wir beide von Hunger, Krankheit und Massenmord

ausgelÃsch werden.)"

e vorliegende Sammlung von bisher verstreut

und fast ausschließlic in englischer Sprache

erschienenen Arbeiten läà den Leser daran

teilhaben, wie sich aus den persÃnliche

Erfahrungen der Autorin

eine psychotherapeutisch

und pädagogisch

Methode entwickelt hat:

das ,,themenzentrierte

interaktionelle

System".

ISBN 3 - 12 -901500 - 0

Konzepte der Humanwissenschaften

Angewandte Wissenschaft

Klett-Cotta

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