LEVANTINISCHE MOLLUSKENFAUNA DER INSEL RHODUS

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LEVANTINISCHE MOLLUSKENFAUNA DER INSEL RHODUS

46 Gej&a v. Bukowski,

Von der Form dor Schale kann wohl ganzlich abgesehen wcrdcn, vvcil hierin in unserern Falle nur

Artuntcrschiedc hervortreten, Als die auffallendsten Merkmale der Fluminicola(Gillia) oricnlalis Iassen sich

anfiihren, die sehr dicke Schale, der in der Regel offene Nabel, die spitz-eiformige Miindung und dann vor

Allem folgende Eigenthlimlichkeiten. Die Mundung erscheint in ihrem oberen Theile stark verdickt. Diese

Verdickung beruht auf einer Verdoppelung bis Vervielfachung des Mundrandes und ist am starksten ausgebildet

in dem obcrsten Winkel der Mundung, betrifft aber ausserdem den grosseren Theil des Spindelrandes

und lasst sich auch am Aussenrand ctvva bis zur halben Hohe desselben verfolgen. Sic darf, wie

man deutlich erkenncn kann, auf ein plotzlich und sehr rasch nach einandcr stattflndendes Absteigcn der

oberen Theile des Mundsaumes zuruckgefuhrt wcrdcn. 1m Obrigcn ist wcdcr ein Ausguss vorhandcn, noch

sincl die Rander gclippt. Die Miindung legt sich wohl Liber cine kurze Strecke an der Stcllc der starksten

Verdickung an den vorhergehenden Umgang an, doch stcht der ganzc, aus der Vervielfachung hcrvor-

gehende, zusammenhangende letzte Rand derselben losgelost, ganz frei vor.

Was nun die Dickschaligkeit, den Umriss der Mundung und namentlich die Art der Verdickung der

Mundrander anbelangt, so begegnen wir so grossen Analogien bei Gillia ulriculosa Sanclb., dass auf

Grund derselben die Zugehorigkeit beider Formen zu der gleichen Gattung als im hochstcn Grade wahrscheinlich

angenommen wcrdcn muss. Es ist zwar richtig, dass auf der anderen Seite auch gewisse Unter-

schiede zu verzeichnen sind, doch beeintrachtigen dicse, wic ich dafurhalte, keineswegs in cincm besonders

hohen Maasse cine solche Auffassung. So weist unter Anderem die Schale von Gillia ulriculosa Sandb.

bios cine Nabelritze auf, wahrend bei unserer Form, wenn auch nicht immcr, doch haufig ein beinahe

offener Nabel auftritt. Der Umstand, dass bei letzterer die Mundungsrander mehr frei liegen, ist nicht von

Belang. Viel wichtiger erscheint dagegen der darin bestehende Untcrschicd, dass die Mundung von Gillia

ulriculosa Sandb. unten mit cincm Ausguss versehen ist und ihre unteren Rander inncn gelippt sind, von

welchcn Merkmalcn die vorliegende Form keine wahrnchmbarc Andeutung zeigt. Es darf aber dabei nicht

uberschen werden, dass diese Charaktere bei der Steinheimer Art, wic schon Sandbcrgcr angibt, mit

Riicksicht auf das Ausmaass ihrer Entwicklung variiren und ihre Ausbildung mitunter, wic ich mich selbst

iiberzeugen konnte, bis auf ein Minimum beschriinkt bleibt. in Anbetracht aller im Vorangchenden crorterten

Umstandc geht also meine Ansicht dahin, dass zwischen bciden Formen nahe Bcziehungcn that'

sachlich bestehen unci in Folge dessen auch ihre Vcrcinigung unter cincm und dcmselben gencrischen

Namcn eincr Berechtigung nicht entbehrt.

Betreffs dessen, ob wir es hier wirklich mit Reprasentanten von Gillia Stimps. zu thun haben, muss

ich mich wohl fast ausschliesslich an die IJntersuchungcn Sandberger's und Lo card's iibcr Gillia

ulriculosa anlehncn. Indem ich aber fur die vorliegende Rhodiser Form in erstcr Linic den Gattungsnamen

Fluminicola Stimps. anwende, folge ich der in P. Fischer's »Manuel de Conchyliologic« vcrtrctcnen

Anschauung, dass sowohl Gillia Stimps., als auch Somalogyrus Gill unci Cochliopa Stimps. nur Unterabthcilungen

von Fluminicola Stimps. bilden, was in unserern Falle urn so mehr bercchtigt erscheint, als

diese Subgenera bckanntlich bei fossilen Formen ohnehin kaum auseinandergehaltcn werden konnen.

Vcrglciche mit den recenten nordamerikanischen Typen anzustcllen, war ich nur wenig in der Page.

Gillia altilis Lea aus dem Delaware river, von der ich mehrcre Stiicke im k. k. naturhistorischen Hofmuseum

untersucht habe, bot wohl sehr wenig Anklangc an unsere Form. Dagegen fanden sich bei cinigen

Exemplaren der Fluminicola Nultalliana Stimps. aus Oregon cinzclnc Beziehungcn, die nicht unintcrcssant

sind. Abgesehen von dem im Allgemeinen zicmlich ahnlichcn ganzen Habitus des Gehiiuses, wobei

auch die etvvas starker hervortretende Festschaligkeit in Betracht kommt, licssen sich an dicscn Stiickcn

namentlich in Bezug auf die Verdickung des obcrsten Theilcs des Mundrandes sehr ahnliche Verhaltnissc

wahrnehmen. Dadurch gewinnt die Ansicht, dass in Fluminicola (Gillia) oricnlalis ncben Gillia ulriculosa

Sandb. ein weitcrer fossilcr Vcrtrcter dieser heutzutage auf die neotropischc und nearktische Region

beschrankten Gruppe vorliegt, gewissermaassen cine grSssereStiitze. Eine dritte fossile, jedenfalls hieher

gehorende, bisher aber noch unbeschriebene Art soil ausserdem, wic mir Herr Prof. Dr. 0. Boettger mit-

Digitised by the Harvard University, Ernst Mayr Library of the Museum of Comparative Zoology (Cambridge, MA); Original Download from The Biodiversity Heritage Library http://www.biodiversitylibrary.org/; www.biologiezentrum.at

theilt, in den Paludincnschichten von Arapatak in Sicbenburgcn vorkommen.

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