Vetrotime 02-2006

vetropack.inettools.ch

Vetrotime 02-2006

VETROTIME

Kundenmagazin der Vetropack

Oktober 2006

www.vetropack.com

GO EAST

Vetropack in

der Ukraine

Beilage:

Sonderteil

Österreich

MARKT | Auffallen mit Bewährtem

RECYCLING | Glas bleibt Glas


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VETROTIME 2/06

03 | DESIGN | Auffallen mit Bewährtem

05 | INNOVATIONEN | Premium? Das sieht man!

06 | INSIDE | Go East!

I–IV | SONDERTEIL | Informationen für den österreichischen Markt

09 | ÖKOLOGIE | Vetropack – Pionier des Glasrecyclings

12 | WERKSTOFF GLAS | Eine kurze Geschichte des Glases

14 | LEUTE | Jean-Franck Haspel, Designer

15 | GLASKUNST | Restauration im Zürcher Fraumünster

Glas im Trend – überall

LIEBE KUNDIN, LIEBER KUNDE Seit Jahresbeginn sind die Kapazitäten der

europäischen Glasindustrie voll ausgelastet. Bereits machen sich erste Engpässe

bemerkbar – selbst in Westeuropa, wo die Märkte weitgehend gesättigt sind.

Das ist vor allem auf einen gesellschaftlichen Stimmungsumschwung zurückzuführen:

Lebensfreude und Genuss kommen wieder vor der Schnäppchenjagd,

man gönnt sich etwas und ist bereit, dafür auch ein bisschen mehr zu bezahlen.

Viele Anbieter setzen darum auf Glas – es steht für Hochwertigkeit, Natur pur

und unverfälschte Qualität.

Wir von Vetropack freuen uns natürlich sehr über diesen Trend. Etwas Bauchweh

bereitet uns hingegen eine andere Entwicklung: Die Energiekosten steigen und

steigen. Weil die Glasproduktion sehr energieintensiv ist, können wir die Mehrkosten

nicht einmal durch innovatives Verhalten – etwa durch vermehrten Einsatz von

Altglas oder den Bau neuer, sparsamerer Wannen – vollumfänglich kompensieren.

Auch in Osteuropa erlebt Glas momentan einen Boom – zusätzlich angeheizt

durch einen generellen, teilweise sehr kräftigen Nachholbedarf. In der Ukraine

zum Beispiel nimmt die Nachfrage der Getränkeindustrie nach Glasflaschen um

zehn und mehr Prozent pro Jahr zu. Viele unserer international tätigen Grosskunden

fordern, dass die Glasindustrie in Osteuropa zusätzliche Schmelzkapazitäten

aufbaut. Vetropack hat daher im Frühjahr 2006 die Mehrheit des ukrainischen

Glasherstellers Gostomel Glass Factory – neu Vetropack Gostomel –

übernommen. Die Integration des Werks in unsere Unternehmensgruppe und der

Ausbau seiner Produktionskapazitäten sind in vollem Gange, wie Sie dem Beitrag

ab Seite 6 entnehmen können.

Ich wünsche Ihnen eine unterhaltsame und anregende Lektüre!

Claude R. Cornaz, CEO

IMPRESSUM

Herausgeber:

Vetropack Holding AG, CH-Bülach

corporate.communication@vetropack.ch

www.vetropack.com


DESIGN

Auffallen mit Bewährtem

Die Coca-Cola-Flasche ist die bekannteste Verpackung

der Welt. Sie wird deshalb gezielt in Marketing-Massnahmen

eingesetzt – und fällt im Markt mit

Sondereditionen auf, die auch von Vetropack produziert

werden.

«Hässlichkeit verkauft sich schlecht!» Das sagte Raymond

Loewy, der wohl bekannteste Produktdesigner des letzten

Jahrhunderts. Loewy gab dem «American Way of Life» ein

Gesicht, entwarf das Shell- und das Lucky-Strike-Logo,

kreierte unzählige Autos, Flugzeuge, Kühlschränke und

Möbel. Gern erweckte er in Interviews auch den Eindruck, zu

seinen Werken gehöre die Coca-Cola-Flasche. Zwar arbeitete

er tatsächlich für Coca-Cola – die berühmte Flasche war aber

bereits auf dem Markt, als der Franzose Raymond Loewy

1919 nach New York übersiedelte.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Dass sich der grosse Designer mit fremden Federn schmücken

wollte, hat gute Gründe: Die Coca-Cola-Flasche ist das bekannteste

amerikanische Konsumsymbol und ein Meisterwerk

des modernen Designs. Loewy selbst nannte sie «die perfekt

gestaltete Verpackung». Tatsächlich erkennt man die Coca-

Cola-Flasche auf der ganzen Welt sofort. Der Wiedererkennungseffekt

war auch das Hauptziel des Designs. Vor einem

Jahrhundert wurden die meisten Getränke noch in einheitliche

Flaschen abgefüllt und mit Papieretiketten versehen. Da

es noch keine richtigen Kühlschränke gab, kühlten die Händler

die Getränke in Kübeln voller Eis. Durch die Feuchtigkeit

lösten sich die Etiketten – und die identischen Flaschen konnten

kaum noch voneinander unterschieden werden. Coca-

Cola sollte aber sofort erkennbar sein; seine Produzenten

schrieben deshalb einen nationalen Wettbewerb für eine

neue, möglichst auffällige Flasche aus.

Kolanuss? Kakaonuss?

Eine der Glashütten, die Vorschläge einreichten, war Root

Glass Works in Terre Haute, Indiana. Die Designer des Unternehmens

versuchten, ihrer Cola-Flasche die Anmut einer

Kolanuss zu geben, eines damals wichtigen Bestandteils des

Getränks. Der Legende nach soll den Designern bei ihrer

Recherche aber ein Fehler unterlaufen sein – sie nahmen statt

einer Kola- eine Kakaonuss als Vorlage. Den Coca-Cola-

Leuten war das egal, sie fanden den Entwurf toll und liessen

ihr Getränk ab 1916 in der neuen Flasche von Root Glass

Works ausliefern. Ende der Geschichte?


4 VETROTIME 1/06 2/06 DESIGN

Aussergewöhnliche Auftritte

Man könnte das auf den ersten Blick meinen

– schliesslich hat sich die Silhouette

der Flasche, welche die meisten Konsumenten

wohl eher an einen Frauenkörper

als an eine Nuss erinnert, bis heute

erhalten. Auf den zweiten Blick wird

einem klar, dass Coca-Cola nicht einfach

sein Erbe verwaltet. Die Flasche ist ständig

weiterentwickelt worden, man passte

ihre Silhouette dem Zeitgeist an – aus der

üppigen Marilyn Monroe wurde sozusagen

die stromlinienförmige Barbie. Weiter

lanciert Coca-Cola immer wieder neue

Marketing-Massnahmen, bei denen die

ruhmreiche Verpackung adaptiert wird.

Hat die altbekannte Flasche einen aussergewöhnlichen

Auftritt, ist natürlich für

Aufsehen gesorgt.

Coca-Cola-Flasche

mit Santa Claus:

produziert von

Vetropack Austria.

Sondereditionen als Sammelobjekte

Vetropack ist an verschiedenen Standorten

für Coca-Cola tätig – und hat das

Unternehmen deshalb bei vielen solchen

Marketing-Massnahmen unterstützt. Vetropack

Austria realisierte zum Beispiel in

den letzten Jahren sechs Sondereditionen

von Coca-Cola-Flaschen mit Auflagen

zwischen 10 000 und 500 000 Stück,

die auch zu Sammelobjekten wurden. Für

den norwegischen und den österreichischen

Markt produzierte Vetropack

Austria insgesamt drei Weihnachtsmotive

mit dem bekannten «Coca-Cola Santa

Claus», zum Jahreswechsel 1999/2000

kam eine Cola-Flasche mit goldfarbenem

Millenniumsmotiv auf den Markt. Auch

anlässlich von sportlichen Grossereignissen

hat Coca-Cola Sondereditionen herstellen

lassen – Vetropack Austria produzierte

in Zusammenarbeit mit ihrem

österreichischen Partner Printglass, Kurt

Mayer KG, ein Olympia-Motiv für Österreich

und ein Fussballmotiv für die

Schweiz.

Wertvollste Marke – wertvollste Flasche

Mit den Sondereditionen gelingt es Coca-

Cola, seine Traditionen gleichzeitig zu

bewahren und zu beleben. Die Strategie

geht auf. Laut einer aktuellen Untersuchung

ist Coca-Cola die wertvollste

Marke der Welt – ihr Marktwert wird auf

über 50 Milliarden Euro geschätzt. Dass

die Flasche ein wichtiger Teil der Marke

ist, nutzt Coca-Cola auf eindrückliche

Weise. Der Erfolg der Sondereditionen

könnte andere Getränkeproduzenten anregen,

ebenfalls mit Adaptionen ihrer

Verpackung für Aufsehen zu sorgen;

Vetropack unterstützt sie dabei gern mit

massgeschneiderten Dienstleistungen von

der Beratung über das Design bis zur

Produktion.


INNOVATIONEN

2/06 VETROTIME

5

Premium? Das sieht man!

Hochwertiges Mineralwasser gehört in eine Glasflasche.

Aber nicht in irgendeine – wie das aktuelle Beispiel der österreichischen

Mineralwasserbrunnen Römerquelle zeigt.

KÖNIGLICH!

Neun Monate dauerte die Entwicklung der neuen Flaschenlinie, mit der die

Mineralwasserbrunnen Römerquelle ihre Position als Nummer 1 in der

österreichischen Gastronomie ausbauen will. Das elegante, an eine Karaffe

erinnernde Design der Flasche stammt vom Atelier «labvert». Mit ihrer

Arbeit wollten sie Klarheit schaffen, sagen die Designer. Die helle Farbe der

Flasche macht das Wasser sichtbar, der grosse Verschluss das Ausgiessen

zum Erlebnis. Die Form ermöglicht ein angenehmes Hantieren, das schlichte

Banderolenetikett hebt die Flasche von anderen deutlich ab. Die glastechnische

Umsetzung dieser zeitlos modernen Flasche besorgte Vetropack

Austria, produziert wird sie von Vetropack Straža – denn das Werk in

Kroatien kann dank Feederfärbung Glasverpackungen in kundenspezifischen

Farbtönen herstellen. Also genau so, wie es den Designern vorschwebte.

Auch mit dieser Flasche kann sich Mineralwasser

im oberen Segment positionieren.

«Klástorná» gilt seit zehn Jahren in der Slowakei

als besonders hochwertiger Genuss.

Im Gastrosegment wird das Mineralwasser

unter der Handelsbezeichnung «Premium»

angeboten – und dies neu in dieser 33-cl-

Glasflasche, deren innovatives Design von

Vetropack Nemšová entwickelt wurde.

«Klástorná – Königin der Mineralwasser»

heisst es in der slowakischen TV-Werbung –

die neue Flasche ist das richtige Kleid für

ein so fürstliches Getränk.


6

VETROTIME 2/06

UKRAINE

Go East!

Mit der Akquisition eines Werks in der Nähe von Kiew ist Vetropack in der Ukraine auf einen Schlag die Nummer

1 unter den Glasherstellern des Landes geworden. Damit Vetropack Gostomel die Nase langfristig vorn behalten

kann, müssen die Kapazitäten des Werks aber ausgebaut werden – denn der Markt in der Ukraine wächst enorm.

«Go West» hiess früher die Parole weitsichtiger Unternehmer

– geh nach Westen und profitiere dort vom wirtschaftlichen

Aufschwung. Die Zeiten haben sich geändert. Heute

sind die Märkte im Westen Europas weitgehend gesättigt,

Entwicklungschancen bieten sich dafür im Osten: Jene Staaten,

die noch vor 20 Jahren zur Sowjetunion gehörten oder in

ihrem Einflussgebiet lagen, weisen gegenwärtig ein besonders

grosses Wachstumspotenzial auf.

Zweistelliges Marktwachstum

Ein solcher Staat ist die Ukraine. Seit der «Orangen Revolution»

im Jahr 2004 hat sich das Land – neben Russland das

flächenmässig grösste in Europa – dem Westen geöffnet und

eine Entwicklung erlebt, die es für westliche Unternehmen attraktiv

macht. Besonders auch für Unternehmen der Verpackungsglasindustrie

– denn deren Markt wächst in der

Ukraine enorm. Allein die Produktion von Bier ist hier in den

vergangenen zwei Jahren um fast einen Viertel angestiegen,

jene von Wodka sogar um fast die Hälfte. 2005 wurden in

der Ukraine insgesamt 2,7 Milliarden Glasverpackungen abgesetzt;

gegenwärtig benötigt die ukrainische Getränkeindustrie

derart viele Flaschen, dass die inländischen Produzenten

die Nachfrage nicht mehr abdecken können und Glas importiert

werden muss. Und die Wachstumsdynamik wird noch einige

Jahre anhalten. Beim Bier geht man zum Beispiel davon

aus, dass der Inlandbedarf in den nächsten drei Jahren von

750 Millionen auf eine Milliarde Stück ansteigt.

Gostomel war Vetropack-Kunde

2002 kaufte die ukrainische Gostomel Glass Factory von

Vetropack zwei Produktionslinien. Diese waren frei geworden,

nachdem Vetropack sein Werk im schweizerischen Bülach geschlossen

hatte. Durch den Handel kam es zu intensiven

Kontakten zwischen Gostomel und Vetropack. Sie führten

schliesslich dazu, dass Vetropack in diesem Frühjahr eine 75-

prozentige Aktienmehrheit von Gostomel übernahm; der Rest

des Aktienkapitals bleibt breit gestreut. Seit März 2006 firmiert

das in der Agglomeration der Metropole Kiew angesiedelte

Unternehmen nun unter dem Namen Vetropack Gostomel. Die

Akquisition passt hervorragend zur Strategie von Vetropack:

Der Konzern will in Regionen mit überdurchschnittlichem

Wachstumspotenzial expandieren – und dort von Beginn weg

solide verankert sein. Tatsächlich wurde Vetropack durch die

Übernahme von Gostomel auf einen Schlag Marktführer in der

Ukraine, denn Vetropack Gostomel ist mit einem Marktanteil

von rund 22 Prozent der grösste Glashersteller des Landes.


INSIDE

2/06 VETROTIME 7

VETROPACK GOSTOMEL

Mit der Akquisition von Gostomel ist Vetropack um fast einen Fünftel gewachsen. Die vier Schmelzwannen im ukrainischen Werk

produzierten im vergangenen Jahr 175 000 Tonnen Verpackungsglas und generierten dabei einen Nettoumsatz von 56 Millionen

Schweizer Franken. Zwei Drittel des Verkaufs von rund 550 Millionen Glasflaschen entfielen auf das Segment Bier, daneben wurden

vor allem Wodka- und Softdrinkflaschen produziert. Ein Kunde mit grossem Wachstumspotenzial ist Coca-Cola.

Gegenwärtig verfügt Vetropack Gostomel über vier Schmelzwannen. Die beiden Braunglaswannen sind veraltet und werden Anfang

2007 ausser Betrieb genommen; die Weissglaswanne ist in diesem Jahr revidiert und die Grünglaswanne auf Braunglas umgestellt

worden. 2007 wird eine neue Grünglaswanne in Betrieb genommen. Künftig wird Vetropack Gostomel also noch über drei

Schmelzwannen verfügen, die zusammen rund 840 Tonnen Glas pro Tag produzieren – 2005 belief sich die Kapazität noch auf

590 Tagestonnen. Vetropack Gostomel wird durch den Ausbau zum Werk mit der grössten Kapazität innerhalb der Vetropack-

Gruppe. Bereits heute verfügt es über den grössten Personalbestand – denn mit Gostomel stiessen rund 900 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter zur Vetropack-Gruppe.

Wachstum fordert Ausbau

Den Vorsprung auf die Mitbewerber kann Vetropack Gostomel

angesichts des Marktwachstums aber nur behalten, wenn das

Werk mit der Nachfragedynamik Schritt hält – und die Kapazität

ausbaut, solange die Nachfrage das Angebot noch übersteigt.

Vetropack hat die Vergrösserung des Werkes deshalb

sofort an die Hand genommen. Die bereits unter den alten Eigentümern

geplante Revision der Weissglaswanne wurde bereits

durchgeführt; zwei kleinere, veraltete Grünglaswannen

werden bis nächsten Sommer durch

eine grosse neue Wanne ersetzt. Danach

wird Vetropack Gostomel 40 Prozent

mehr Kapazität aufweisen als zum

Zeitpunkt der Übernahme – und damit

seine Position im Markt halten können.

kau und Kiew geführt hat. Die neuen oder erneuerten Anlagen

im Werk Vetropack Gostomel werden wesentlich energieeffizienter

arbeiten als die alten. Das senkt die Energiekosten und

erhöht die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Konkurrenten,

die in der Regel noch über ältere Infrastrukturen verfügen.

Auch wenn die Expansion in die Ukraine in diesem und im

nächsten Jahr die Investitionen von Vetropack wesentlich prägen

werden – langfristig ist sie für den Konzern ein bedeutender

Schritt.

Langfristige Planung

Keine Frage: Die Investitionen, die bei

Vetropack Gostomel getätigt werden,

stellen für den Konzern ein grosses Engagement

dar – vor allem auch, weil

sie unmittelbar auf die Akquisition erfolgen.

Das rasche Handeln ist aber

nötig – nicht nur, weil man damit adäquat

auf den Nachfrageüberhang reagiert,

sondern auch angesichts der

Energiesituation in der Ukraine. Das

Land hängt weitgehend von Gas aus

Russland ab; dessen Preise sind in

jüngster Zeit massiv gestiegen, was

auch zu Verstimmungen zwischen Mos-

Aus dem Archiv des Glaswerks Gostomel: Aufrichtefeier 1985.


8 VETROTIME 2/06

INSIDE

Die Ukraine – Grenzland auf Identitätssuche

«Ukraine» bedeutet auf ukrainisch Grenzland – und das ist

der riesige Staat, der mit 48 Millionen über mehr Einwohner

verfügt als die Schweiz, Österreich, Tschechien, die Slowakei

und Kroatien zusammen, tatsächlich. Über natürliche Grenzen

verfügt das Land kaum, es ist Teil der offenen osteuropäischen

Tiefebene. In ihrer Geschichte sind daher immer

wieder fremde Mächte in die Ukraine eingefallen und haben

sie annektiert, hier herrschten schon Litauer, Polen, Habsburger

oder Russen. Ein unabhängiger Nationalstaat ist die

Ukraine erst seit 1991, als die Sowjetunion auseinanderfiel.

Im Unterschied zu anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verfügte

die Ukraine über ein gutes Startkapital – denn schon zu

Sowjetzeiten war das «Grenzland» Kornkammer und wichtiger

Industriestandort. So schnell, wie sich die Bevölkerung

den Aufschwung erhofft hatte, kam er allerdings nicht. Reformen

und Privatisierungen wurden zu wenig schnell vorangetrieben,

viele Köpfe der kommunistischen Nomenklatur blieben

an der Macht. Das führte 2004 zur so genannten

«Orangen Revolution», bei der die Bürgerrechte gestärkt, bisherige

Machthaber abgesetzt und durch prowestliche Politiker

ersetzt wurden. Doch noch immer ist in der Ukraine die Suche

nach einer eigenen Identität als Nationalstaat nicht abgeschlossen

– wie sollte sie das auch sein nach einer derart komplexen

Geschichte, die immer wieder von fremden Mächten

geprägt wurde.

Vetropack Holding

1 | Werk St-Prex, Schweiz

gegründet 1911

2 | Werk Pöchlarn, Österreich

Übernahme 1986

3 | Werk Kijov, Tschechien

Übernahme 1991

4 | Werk Kremsmünster, Österreich

Übernahme 1993

5 | Werk Hum na Sutli, Kroatien

Übernahme 1996

1

4

3

2

6

7

6 | Vetropack Nemšová, Slowakei

Übernahme 2002

5

7 | Vetropack Gostomel, Ukraine

Übernahme 2006

EXPANSION SEIT 20 JAHREN

In den vergangenen 20 Jahren tätigte

Vetropack zahlreiche Akquisitionen,

welche die Gruppe zur Nummer 5 unter

den europäischen Glasherstellern machte.

Heute ist Vetropack Marktführer in der

Schweiz, in Österreich, Kroatien, in der

Slowakei und der Ukraine – und der zweitgrösste

Produzent in Tschechien.


SONDERTEIL

VETROTIME 2/06 I

INFORMATIONEN FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN MARKT

Weltweiter Trend:

Gesund und gut verpackt!

Welche weltweiten Trends gibt es bei

neuen Getränken und Nahrungsmitteln?

Was fordern Konsumenten – und

was bieten Produzenten? Dank der

«Global New Product Database» kann

Vetropack Austria ihre Kunden jetzt

exakt über neu lancierte Produkte

informieren. Die Datenbank bietet

einen umfassenden Überblick über Getränke

und Nahrungsmittel.

In 49 Ländern sind Einkäufer für die

«Global New Product Database» (GNPD)

unterwegs. Sie besuchen Messen, beobachten

den Handel und pflegen Kontakte

zu Spezialgeschäften. Begegnet ihnen ein

neues Produkt aus den Kategorien

Getränke, Food und Non Food, fotografieren

sie es und speisen Informationen

darüber in die Datenbank ein. Die umfassenden

Angaben machen die GNPD zu

einem stets topaktuellen und globalen

Führer durch die Welt des Konsums.

Gesünder leben

Weltweite Trends beim Essen und Trinken

– kann man davon überhaupt sprechen?

Trotz vieler regionaler Besonderheiten

lassen sich einige Entwicklungen erkennen,

die globale Ausstrahlung haben.

Diese Haupttendenzen im Bereich

Getränke und Nahrungsmittel hängen

natürlich eng mit den gesellschaftlichen

Trends zusammen. In einer Zeit, in der

Rauchen verpönt, Marathonlaufen aber

schon fast ein Volkssport ist, setzen auch

die Lebensmittelproduzenten auf mehr

Wellness und Gesundheit. Dabei folgen

sie oft der Lösung «Weniger ist mehr» –

weniger Fett, Kalorien oder Zucker bringen

mehr Lebensqualität und eröffnen

riesige Märkte.

Natürlich – oder designt!

Generell lässt sich eine Tendenz zu möglichst

natürlichen Produkten feststellen. In

allen Segmenten gibt es Neueinführungen,

die als biologisch oder zumindest

«all natural» bezeichnet werden. Auffallend

oft begegnet einem die Botschaft

«ohne Konservierungsmittel». Produkte

dürfen jedoch auch designt sein, wenn

sich die Konsumentinnen und Konsumenten

davon einen gesundheitlichen

Zusatznutzen versprechen. Viele Anbieter

ergänzen ihre Produkte um Vitamine,

Mineral- oder Ballaststoffe. Und in allen

Segmenten findet man auch so genannte


II

VETROTIME 2/06

INFORMATIONEN FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN MARKT

Anti-Aging-Produkte. Sich jünger essen?

Lebensmittel, die einen Zusatznutzen

haben, liegen generell weiterhin im

Trend. «Functional food» begegnet einem

vor allem in den Segmenten Joghurt,

Fruchtsäfte und Softdrinks. Viele Produkte

sollen die Herz-Kreislauffunktionen, die

Verdauung und den Knochenaufbau

unterstützen, andere weisen einen ausgesprochen

niedrigen glykämischen Index

auf – das heisst, ihr Konsum erhöht den

Blutzuckerspiegel nicht so schnell.

Unkompliziertes für unterwegs und zu

Hause

Immer mehr Lebensmittel werden fern

von Küchen verzehrt. Menschen sitzen

während der Arbeitspause in Parks, an

Flussufern oder auf Bänken am Strassenrand

und essen nicht einfach Sandwiches,

sondern können aus einem immer grösseren

Angebot einfach zu konsumierender

Lebensmittel für unterwegs auswählen.

Mehr «Convenience» gibt es aber

auch für daheim – viele Neuheiten lassen

sich schnell und einfach zubereiten.

Getränken und Nahrungsmitteln. In der

Regel werden heute weiterhin die für das

jeweilige Segment bewährten Verpakkungsmaterialien

eingesetzt. Das eröffnet

Anbietern die Chance, ihre Produkte

durch aussergewöhnliche Verpackungen

von jenen der Konkurrenz abzuheben.

Dabei sollten sie Materialien einsetzen,

die im Segment untypisch sind. Bei Produkten

im Premiumbereich betonen hochwertige

Verpackungen aus Glas den Anspruch,

erstklassige Qualität zu bieten.

Glas entspricht aber auch den anderen

Haupttendenzen, welche die GNPD auflistet

– es ist ein natürliches, bewährtes

Verpackungsmaterial, das sich gut auf

die Zielgruppe abstimmen lässt.

Die wichtigsten Trends

Wellness: Produkte sind fett- oder kalorienarm,

naturbelassen, mit erwünschten

Zusätzen angereichert – oder haben einen

positiven gesundheitlichen Nebeneffekt.

Unkompliziert: Produkte lassen sich

unterwegs konsumieren – oder ihre Zubereitung

daheim erfordert nur einen

Minimalaufwand.

Segmentierung: Produkte werden auf

bestimmte Zielgruppen – Frauen, Kinder,

Senioren und so weiter – zugeschnitten.

Verpackungen: Die Produkte werden in

kleineren Mengen angeboten – und die

Verpackungen werden zunehmend hochwertiger.

Zukunft bei zielgruppenspezifischen

Produkten

Zunehmend interessanter wird der Markt

für zielgruppenspezifische Produkte.

Bereits heute gibt es in den Segmenten

Joghurt, Fruchtsäfte, Desserts oder Öle

Neuheiten, die sich explizit an spezielle

Zielgruppen richten – in der Regel an

Frauen und Kinder, bei Desserts zum Beispiel

auch an Männer oder bei den süssen

Brotaufstrichen an Senioren. Generell

werden Produkte heute auch in kleineren

Mengen angeboten – damit entspricht die

Branche dem Trend zum Einpersonenoder

Kleinhaushalt, aber auch jener zu

zurückhaltenderem Konsum.

Glas im Trend

Ein weiteres Potenzial orten die Analysten

von GNPD bei der Verpackung von


SONDERTEIL

VETROTIME 2/06 III

INFORMATIONEN FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN MARKT

Bier: Authentisch und speziell

Global New Product Database: Category Review Bier

Glas bleibt mit riesigem Vorsprung die Nummer 1

bei der Verpackung von neuen Bierprodukten.

Die Trends beim Bier sind:

Wellness.

Die positiven Auswirkungen des Biers für

die mentale und physische Gesundheit

werden betont, Vitamine durch Fruchtsaftergänzungen

und Beigaben von

Vitamin C zugesetzt und die Kohlehydrate

reduziert.

Energy-Bier.

Bier wird ergänzt mit energiespendenden

Inhaltsstoffen wie Koffein oder

Guarana. Dieser Trend verstärkt sich in

den USA und flaut in Europa bereits wieder

ab.

Authentizität.

Traditionelle Braumethoden werden von

den Konsumenten mit Premium-Qualität

assoziiert.

Limited Editions.

Vorwiegend kleinere Brauereien bieten

saisonale Geschmacksvarianten an.

Als Verpackungstrends wurden

ausgemacht:

Grösse.

Kleinere Gebindegrössen (0,25 Liter,

0,33 Liter)

Design.

Gehobenes, attraktives Flaschendesign.

Ausstattung.

Leicht zu öffnende Verschlüsse (Drehkronenkork,

Ringpull)

UV-Schutz.

Weissglasbierflaschen mit UV-Schutz vor

allem in Deutschland; grosses Potenzial

für andere Länder.

Informationen.

Hinweise für einen verantwortungsbewussten

Konsum von Alkohol auf dem

Etikett.

Zukunft des Segments Bier:

Die Gesundheitspositionierung wird

zunehmend wichtiger, ebenso die

Authentizität der Braumethode und

Verpackung.

Die Herkunft und Sorten der Zutaten

werden künftig genannt.

Mögliches Potenzial liegt bei zielgruppenspezifischen

Spezialbieren,

Bieren mit weniger Alkohol oder bei

den Verpackungen

De Leckere:

Biologisches Bier aus den

Niederlanden

Qualität.

Bei der Herstellung von Bier wird reines

Quellwasser verwendet, um den Premium-Anspruch

zu erfüllen.

Geschmack.

Vorwiegend für die weiblichen Zielgruppen

werden Biere mit süssem, fruchtigem

Geschmack entwickelt. Auch Bier mit

Kaffeearoma wird angeboten.

Meantime:

Champagner-

Design für Bier

Brahma:

exklusives Design

aus Portugal

Diebels:

Premium Bier mit

Apfel und Lemon

Geschmack

Beck’s:

Weissglas

mit UV-Schutz


IV

VETROTIME 2/06

SONDERTEIL

INFORMATIONEN FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN MARKT

Fruchtsäfte: Trinkbare Salate

Global New Product Database: Category Review Fruchtsäfte

Die Trends bei Fruchtsäften sind:

Zusatzfunktion.

Fruchtsäfte mit Gesundheits- und

Beauty-Claims. Im Vordergrund: Herz,

Augen, Knochen, Verdauung, Vitalität –

und das Abnehmen.

Gemüse.

»Trinkbare Salate« sollen Kinder stärker

für Gemüse begeistern.

Kinder.

Sechs Prozent aller Neueinführungen

richten sich explizit an Kinder.

Orange- und Apfel-Geschmack

machen 30 Prozent aller Neueinführungen

aus. Aussergewöhnlichere Geschmackskombinationen

sind würzige

Fruchtsäfte oder solche mit Schokolade.

Natürlichkeit.

Fruchtsäfte enthalten Fruchtfleisch oder

sogar Schalen und werden als Äquivalent

zu frischen Früchten positioniert.

Biologische Fruchtsäfte erleben einen

Auftrieb, ebenso Soja-/Milch-Fruchtsaft-

Mischungen.

Verpackungstrends wurden nur wenige

ausgemacht:

Neue Beutel vermeiden das Verschütten.

Zukunft des Segments Fruchtsäfte:

Fruchtsäfte mit besonderen Funktionen:

etwa für Herz und bessere Verdauung.

Biologische Fruchtsäfte bleiben stabil,

«ohne Zusatzstoffe / Konservierungsmittel»

bleibt häufigster

Claim.

Wachstumspotenzial liegt auch bei

Produkten, die dazu beitragen, den

Tagesbedarf an Früchten und Gemüse

abzudecken.

Transparenz.

Verpackungen werden generell transparenter

und attraktiver.

Aloe Organics:

Biologischer Aloe

Vera Juice

Coca-Cola Rich

mit Sleeve-Etikette

für den russischen

Markt.

Feel Good:

»All natural«

Fruchtsaft im

No Label Look

Triple Jim:

Biologischer

Fruchtsaft für

Canada

Tropicana:

Functional

Drink plus

Calzium

Vetropack Austria GmbH

A-3380 Pöchlarn

Telefon +43-2757-7541-0

Fax +43-2757-7691


ÖKOLOGIE 2/06 VETROTIME 9

Vetropack – Pionier des Glasrecyclings

Glasrecycling ist sinnvoll – deshalb hat Vetropack schon vor 30 Jahren das Einsammeln und Wiederverwenden

von Altglas vorangetrieben. Mit grossem Erfolg: Schweizerinnen und Schweizer bringen 95

Prozent des Verpackungsglases in die Sammelstellen und sind damit Weltmeister im Glassammeln. Das Beispiel

macht Schule – auch dank Vetropack. Denn das Unternehmen fördert in allen Ländern, in denen es Glas herstellt,

das Recycling mit viel Engagement.

Schon die alten Römer wussten: Im Unterschied zu allen anderen

Verpackungsstoffen lässt sich Glas ohne Qualitätseinbusse rezyklieren.

Glas bleibt Glas, gleichgültig, wie häufig man es wieder

einschmelzt und neu formt. Will man zum Beispiel hochwertiges

Grünglas produzieren, kann man dafür bis zu 100 Prozent Altglas

einsetzen, bei Braunglas 80 Prozent, bei Weissglas noch 60

Prozent. Altglas schont aber nicht nur die Rohstoffressourcen,

das Einschmelzen von Glasscherben verbraucht auch deutlich

weniger Energie als die Herstellung von neuem Glas. Das spricht

aus ökologischen Gründen fürs Glasrecycling, aber auch aus

ökonomischen – denn Energie ist teuer.

Unternehmerische Chance

Bereits in den frühen 1970er-Jahren erkannte Vetropack, welche

gewaltigen Möglichkeiten das Glasrecycling eröffnete. Gern

hätte man in den Vetropack-Glashütten vermehrt Altglas eingesetzt,

nur stand das wertvolle Material nicht zur Verfügung – es

landete nämlich einfach im Müll. Die Brüder Raymond und Jean-

Daniel Cornaz, Hauptaktionäre der Vetropack, erkannten darin

eine unternehmerische Chance, kauften 1976 ein kleines Recyclingunternehmen,

bauten es zur «Vetro-Recycling AG» um und

sukzessive aus. Fortan schloss Vetro-Recycling mit Hunderten

von Schweizer Gemeinden Verträge ab, liess durch diese Sammelcontainer

aufstellen und propagierte Glasrecycling als wichtigen

Beitrag zum Umweltschutz. Damit stiess man bei der

Schweizer Bevölkerung auf offene Ohren; ökologische Themen

waren aktuell, die grüne Bewegung erlebte gerade einen gewaltigen

Aufschwung. Die Initiative der Gebrüder Cornaz kam aber

nicht nur in umweltschützerischen Kreisen gut an. Weil sie mit

Vetro-Recycling gezeigt hatten, dass sich Umweltschutz für ein

privatwirtschaftliches Unternehmen lohnen kann, wurden Raymond

und Jean-Daniel Cornaz 1985 von der liberalen Max-

Schmidheiny-Stiftung mit dem Freiheitspreis ausgezeichnet.

Damals betrug die Rücklaufquote von Glas übrigens bereits über

50 Prozent, das heisst: Schon wenige Jahre nach Beginn der

Initiative wurde jede zweite Flasche nach Gebrauch rezykliert.


10

VETROTIME 2/06

Sammeln:

In der Schweiz stehen über

12 000 Sammelcontainer – in

ihnen landet fast das ganze

Verpackungsglas, das im Land

im Umlauf ist.

Staat folgte Vetropack-Beispiel

Das Beispiel von Vetropack machte Schule, Recycling wurde zur

Selbstverständlichkeit. Zur Finanzierung des Rohstoffkreislaufs

entwickelte man neue Modelle. In den 1990er-Jahren führte die

Schweiz so genannte «vorgezogene Entsorgungsbeiträge» ein.

Bereits beim Kauf eines bestimmten Artikels – zum Beispiel einer

Alu-Dose oder PET-Flasche – bezahlt man seither einen Betrag

zur Deckung der später anfallenden Entsorgungskosten. Auch für

Glasflaschen gibt es seit 2002 eine vorgezogene Entsorgungsgebühr.

In der Schweiz müssen Getränkeabfüller für jede Glasflasche,

die sie einkaufen, je nach Grösse zwei bis sechs Rappen

entrichten. Diese Kosten können sie auf die Konsumentinnen

und Konsumenten abwälzen. Die Gebühr geht an VetroSwiss,

die das Geld für das Einsammeln des Altglases einsetzt.

Sortieren und Einschmelzen:

In der Aufbereitungsanlage

werden Fremdkörper wie

Porzellan oder Fensterglas

entfernt und die Scherben

zerkleinert. Im bis zu 1580

Grad heissen Schmelzofen

zerfliesst das Altglas zu einer

rot glühenden, flüssigen Masse.

Einsparungen kommen Kunden zugute

Noch immer hält Vetro-Recycling den Glaskreislauf in

Schwung – und noch immer spielt Altglas für Vetropack im soeben

erneuerten Werk St-Prex eine wichtige Rolle. Von den im

vergangenen Jahr gesammelten 308000 Tonnen Altglas wurden

81'000 Tonnen zu neuen Glasverpackungen verarbeitet; der Altglasanteil

in St-Prex liegt damit bei 77 Prozent. Dies bedeutet

eine grosse Schonung der Rohstoffe und senkt den Energieverbrauch,

wodurch die massiven Preissteigerungen bei der Energie

abgefedert werden können.

Altglasverarbeitung – längst nicht mehr nur in der Schweiz

Die positiven Erfahrungen, die Vetropack mit dem Glasrecycling

in der Schweiz sammeln konnte, kommen längst auch an anderen

Standorten zum Tragen. Gerade jetzt wird im neu zur

Gruppe gestossenen Werk in der Ukraine der Produktionsprozess

für die Wiederverwendung von Altglas optimiert. Vetropack

macht sich auch in Osteuropa dafür stark, dass Altglas vermehrt

gesammelt wird – aus ökologischer, aber eben auch aus ökonomischer

Vernunft.

Formen:

Die Schmelze fliesst in die

Vorform und dann in die

Fertigform, wo sie mit Druckluft

zu gebrauchsfertigen Verpackungsgläsern

ausgeblasen

wird. Nach der Abkühlung ist

das Glas bereit für die nächste

Recyclingrunde!


ÖKOLOGIE 2/06 VETROTIME 11

GLASRECYCLING

Die Situation in anderen Ländern

Österreich

Auch im vergangenen Jahr erwiesen sich die Österreicherinnen

und Österreicher als vorbildliche und fleissige Altglassammler:

Die Recyclingquote lag bei 83 Prozent, was

206 590 Tonnen Altglas entspricht. Verantwortlich für die

Sammlung und Verwertung gebrauchter Glasverpackungen

ist die Austria Glas Recycling (AGR). Sie hat in Österreich ein

Sammelnetz aufgebaut, das mit über 90 000 Sammelbehältern

das dichteste Europas ist. Die Behälterinfrastruktur wird

laufend verbessert und zum Beispiel mit Massnahmen zur

Lärmdämmung versehen.

Tschechien

In Tschechien sind Importeure, Abfüller, Distributoren und

Kleinhändler, die Verpackungen oder verpackte Erzeugnisse

in Umlauf bringen, zur Rücknahme und Nutzung der Verpackungsabfälle

verpflichtet. Die Gemeinden und Städte müssen

den Kommunalabfall sortieren und nutzen. Der Gesetzgeber

gibt Recyclingquoten vor – für Glas belief sie sich im vergangenen

Jahr auf 80 Prozent, 2005 waren es erst 68 Prozent.

2005 hat Vetropack Moravia Glass Kyjov insgesamt 72 538

Tonnen Glasscherben verarbeitet; der Bedarf nach Gemengeeinlagen

zur Produktion von Braun- und Grünglas wurde

gänzlich abgedeckt.

Produkt in einer entsprechenden Verpackung kauft, bezahlt

eine Depotgebühr von 0,50 Kuna, die bei der Rückgabe der

leeren Verpackung wieder zurückerstattet wird. Dies wird die

Recyclingquote deutlich erhöhen; im vergangenen Jahr betrug

sie noch 19 Prozent, was 26 600 Tonnen Altglas entspricht.

Vetropack Straža hat vom Umweltschutzministerium

eine Konzession für die Altglasverarbeitung für die nächsten

zehn Jahre erhalten. Die Recyclinganlage von Vetropack

Straža ist heute rund um die Uhr in Betrieb und wird noch ausgebaut.

Ukraine

Subventionen für das Sammeln oder Entsorgen von Altglas

gibt es in der Ukraine nicht; das Glasrecycling ist ausschliesslich

kommerziell geregelt und wird direkt zwischen Glashütten

und Glasscherbenlieferanten ausgehandelt. Solche Lieferanten

sammeln Altglas meist nur lokal. Sie sind sehr

zahlreich, die Mengen, die sie bereitstellen, bleiben daher

unbedeutend. Im vergangenen Jahr arbeitete Vetropack

Gostomel zum Beispiel mit insgesamt 135 Lieferanten zusammen.

Gegenwärtig erstellt der ukrainische Glasverband ein

Konzept für die landesweite Altglassammlung. Die Recyclingquote

von Glas betrug in der Ukraine im vergangenen Jahr

etwas weniger als 25 Prozent.

Slowakei

Die Recyclingquote für Verpackungsglas liegt in der

Slowakei gegenwärtig bei etwa 40 Prozent. Die Regierung

hat festgelegt, welcher Anteil der Verpakkungen

wieder verwendet werden muss; für den Bereich

Glas wird dieser Anteil bis ins Jahr 2011

schrittweise auf 50 Prozent erhöht. Der nicht staatliche

Recyclingfonds zieht von den Verpackungsproduzenten

Gebühren ein; mit diesen Einnahmen

werden jene Unternehmen und Organisationen

unterstützt, die sich an der Wiederverwertung und

am Recycling beteiligen. Vetropack Nemšová bezahlt

für jede Tonne geschmolzenes Glas einen

Betrag in den Recyclingfonds, erhält dann aber wieder

Geld für die Wiederverwertung der Scherben.

Recyclingquoten

Gesammeltes Altglas 2005 in % Neuglasverbrauch

95 %

83 %

68 %

40 %

19 %

25 %

Schweiz

Österreich

Tschechien

Slowakei

Kroatien

Ukraine

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Scherbenanteil an Neuglasproduktion

Werte 2005 Vetropack Werke

Kroatien

Seit 1. Januar 2006 gilt in Kroatien für Getränkeflaschen

aus Glas und PET sowie Dosen: Wer ein

77 %

64 %

44 %

54 %

23 %

33 %

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Vetropack Schweiz (CH)

Vetropack Austria (A)

Vetropack Moravia Glass (CZ)

Vetropack Nemšová (SK)

Vetropack Straža (HR)

Vetropack Gostomel (UK)


12 VETROTIME 2/06

WERKSTOFF GLAS

VON DEN ANFÄNGEN BIS ZU DEN RÖMERN

Eine kurze Geschichte des Glases (Teil 1)

Glas hat die Menschen von jeher fasziniert. Es gehörte zu den ersten Handelsgütern – und galt einst als

Statussymbol von Pharaonen und Kaisern.

Was meinen Sie: Wie lange gibt es auf der Erde Glas? Seit

den alten Ägyptern? Oder schon seit der Mensch sesshaft

wurde? Beide Antworten sind kreuzfalsch. Glas ist so alt wie

unser Planet. Es kann nämlich auf natürliche Weise entstehen

– wenn Gestein sehr stark erhitzt wird, zum Beispiel bei

einem Blitzeinschlag oder einem Vulkanausbruch. Dann bildet

sich unter Umständen «Vulkanglas» oder Obsidian. Diese

glasige Gesteinsform wurde schon in der Steinzeit genutzt;

unsere Ahnen stellten daraus Waffen, Schmuck und Amulette

her. Obsidian war bei den Jägern und Sammlern äusserst

beliebt und wurde vermutlich bereits sehr früh gehandelt.

Entdeckung am Lagerfeuer?

Wie der Mensch dazu kam, die Herstellung des Glases selber

in die Hand zu nehmen, liegt im Dunkeln. Der römische

Historiker Plinius, der 79 nach Chr. beim Vulkanausbruch in

Pompeji ums Leben kam, überlieferte uns dazu aber eine Geschichte:

Phönizische Kaufleute landeten ums Jahr 5000 v.

Chr. an einem Strand in Syrien und bauten dort eine Feuerstelle

aus nitrathaltigen Steinen. Nachdem die Kaufleute ein

Feuer entfacht hatten, schmolzen die Steine mit dem Sand des

Strandes zu einer glasartigen Substanz zusammen. Die Phönizier

waren hinter das Geheimnis des Glases gekommen!

Allerdings: So attraktiv diese Erzählung auch klingt, sie ist

vermutlich Fiktion, denn die Hitze eines Lagerfeuers ist zu gering,

um den beschriebenen Schmelzprozess einleiten zu können.

Die Geschichte von Plinius hat aber wohl einen wahren

Kern: Wie man Glas herstellt, entdeckte der Mensch vermutlich

tatsächlich durch Zufall – vielleicht beim Brennen von

Tongefässen, bei dem unter gewissen Voraussetzungen glasartige

Schichten entstehen können.

Ältestes Glasgefäss der Welt:

ein Kelch aus dem Grab von

Pharao Thutmosis III.,

der 1425 v. Chr. starb.

Rezept aus Assyrien

Die ältesten Objekte aus Glas, die wir kennen, sind Glasperlen

aus Ägypten und Mesopotamien; sie stammen aus der Zeit

um 3500 v. Chr. Spätestens 1500 v. Chr. entwickelten Handwerker

in Ägypten eine Methode, um auch Hohlgefässe aus

Glas herzustellen, denn aus dieser Zeit sind drei Vasen erhalten,

die man im Grab von Pharao Thutmosis III. fand. Vielleicht

tauchten die Glaspioniere eine Sandform in eine Glasschmelze,

um ein Hohlgefäss herzustellen, vielleicht wurde

diese Form auch mit erhitzten Glasfäden umwickelt. Genaueres

über die antike Glasmacherkunst wissen wir erst für die

Zeit ab 650 v. Chr.; aus dieser Epoche stammen die ältesten

überlieferten Beschreibungen des Glasmachens. Sie sind auf


2/06 VETROTIME 13

einer Tafel aus der Bibliothek

des assyrischen Königs Ashurbanipal

festgehalten, der von

669 bis 626 v. Chr. lebte.

«Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile

Asche aus Meerespflanzen, 5

Teile Kreide – und du erhältst

Glas», heisst es da. Seither hat

sich die Rezeptur von Glas nicht

grundlegend verändert; der Anteil

Sand war zu Zeiten Ashurbanipals

verglichen mit der heutigen

Mischung allerdings noch

klein. Das lässt darauf schliessen,

dass in den antiken Glashütten

noch keine hohen

Schmelztemperaturen erreicht

wurden und man damals ein

eher weiches Glas produzierte.

Fensterglases war zwar jämmerlich, dennoch galten verglaste

Fenster als absolutes Statussymbol.

Geheimnisse gingen vergessen

Der Niedergang des Römischen Reiches führte dann auch

zum Niedergang der Glasmacherkunst; Innovationen gab es

für lange Zeit keine mehr, zuvor berühmte Glashütten zerfielen,

denn für wertvolle Vasen aus Glas, gläserne Kelche oder

verglaste Fenster fehlten dem Menschen des frühen Mittelalters

die finanziellen Mittel. 900 n. Chr. waren die Geheimnisse

des Glasmachens in Europa fast vergessen – dann

erlebte das Glas seine nächste Blütezeit. Aber das ist eine

andere Geschichte!

Glas wird endlich durchsichtig:

formgeblasene rheinischrömische

Kanne aus dem

3. oder 4. Jahrhundert n. Chr.

Ein Zeitgenosse Cäsars:

Sandkernglas-Amphoriskos,

2. bis 1. Jahrhundert v. Chr.

Die glasverliebten Römer

Während der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus –

also zu Beginn unserer Zeitrechnung – wurde schliesslich

auch das Glasblasen erfunden, vermutlich von syrischen

Handwerkern in der Region Sidon-Babylon. Das Glasblasen

machte es möglich, dünnwandigere und damit viel schönere

Glasgefässe als bisher herzustellen. Wer etwas auf sich hielt,

trank seinen Wein fortan aus einem Glaskelch. Die luxusverliebten

Römer verbreiteten wertvolle Gegenstände aus Glas

im ganzen Reich – und trugen das Wissen, wie man Glas herstellt,

in viele Länder. Sie fanden auch neue Anwendungsmöglichkeiten

für das durchsichtige Material und führten Glas

in der Architektur ein. Die optische Qualität des römischen


14 VETROTIME 2/06

LEUTE

JEAN-FRANCK HASPEL

«Ich liebe sie alle!»

Jean-Franck Haspel ist Designer und Leiter Produktentwicklung bei Vetropack Schweiz in Bülach. Er hat schon unzählige

Flaschen gestaltet und überarbeitet – obwohl er zu Beginn befürchtete, die Arbeit eines Flaschendesigners könnte eintönig werden.

Jean-Franck Haspel, 42, hat das Arbeiten

mit Glas im Blut. Zum Beweis legt er

einen Zeitungsausschnitt aus den 1940er-

Jahren auf den Tisch. Die vergilbte Fotografie

zeigt Haspels Grossvater – ein

Glasbläser. «In der Gegend, aus der ich

herkomme, gab es zu Beginn des

20. Jahrhunderts noch etwa 40 Glashütten»,

sagt der Franzose. «Mein Grossvater

war auch ein Flaschendesigner,

aber im Unterschied zu mir hat er das

Glas noch selbst bearbeitet.»

Jean-Franck Haspel stammt aus der

Nähe von St. Etienne, einer Stadt, die

von Kohle und Schwerindustrie geprägt

war. Sein Vater arbeitete als Schlosser,

die Mutter als Schneiderin. «Ich bin in

der Welt der Handwerker aufgewachsen

– und arbeite darum selber gern mit

den Händen», sagt er. Als er noch ein

Kind war, nutzte er das Nähatelier der

Mutter als Spielwiese – «wir hatten

kaum Komfort, keinen Fernseher, aber

ich habe sehr viel gezeichnet, mit Stoff

gearbeitet, war kreativ». Dass er einen

gestalterischen Beruf ergreifen würde,

war für ihn schon früh klar; nach einem

Designstudium in Paris und einigen Jahren

Berufspraxis arbeitete er vorübergehend

für ein Studio im Fürstentum Liechtenstein.

Dabei lernte er seine spätere

Frau kennen und blieb in der Region

hängen. «Liebe macht eben blind – zum

Glück!», lacht er. Der Designer aus Paris

eröffnete in Chur, der Schweizer Kleinstadt

mitten in den Bergen, ein Designstudio

und «begann mit nichts, ich hatte

keine Beziehungen, nur einen Stift,

einen Stapel Papier und ein Faxgerät».

Obwohl sich der Erfolg langsam, aber

sicher einstellte, entschied sich Haspel

im Jahr 2000, die Selbstständigkeit aufzugeben

– inzwischen war er zweifacher

Familienvater geworden und

«wollte etwas mehr Stabilität ins Leben

bringen». Als er ein Inserat sah, mit dem

Vetropack einen Glasdesigner suchte,

dachte er: «Flaschen? Das könnte eintönig

werden!» Dennoch bewarb er sich,

erhielt die Stelle – und arbeitet jetzt seit

über fünf Jahren bei Vetropack in Bülach.

Mittlerweile ist er nicht nur Designer,

sondern auch Leiter der Produktentwicklung

in Bülach. Auch wenn er schon

unzählige Flaschen gestaltet und überarbeitet

hat, ist ihm die Arbeit offenbar

nicht langweilig geworden. «Meine Aufgaben

sind äusserst vielseitig. Ich muss

herausfinden, wen die Kunden erreichen

wollen, welche Botschaft die Flasche ausdrücken

soll. Natürlich sind die meisten

Flaschen industrielle Massenprodukte,

aber ein gewisser Gestaltungsspielraum

bleibt. Mir liegt diese Arbeit, weil ich

Dinge machen will, die funktionieren und

aufs Wesentliche reduziert sind.» Eine

gute Flasche, sagt Jean-Franck Haspel,

sei eine, die ihren Zweck erfülle. «Aber

natürlich ist alles subjektiv. Ich suche einfache

Lösungen.»

Es gibt heute viele tausend verschiedene

Flaschen – warum werden überhaupt

noch neue Modelle entwickelt? «Das

habe ich mich auch schon gefragt. Aber

dennoch ist jede Flasche neu. Oft sieht

man die Unterschiede nicht – vielleicht ist

ein Durchmesser einfach ein Millimeter

kleiner, weil ein Kunde eine andere

Abfüllmaschine hat.» Welche seiner

Flaschen gefällt ihm am besten? Jean-

Franck Haspel muss nicht lange überlegen.

«Das kann ich wirklich nicht sagen.

Sie sind alle meine Kinder, ich liebe sie

alle! Einfach alle!»


GLASKUNST

2/06 VETROTIME 15

Glas verbindet

Augusto Giacometti (1877 bis 1947) zählt zu den bedeutendsten

Künstlern der Schweiz und als einer der Erneuerer der Glasmalerei.

1945 schuf er für die Zürcher Fraumünster-

Kirche das spektakuläre Nordfenster «Das himmlische Paradies».

Gegenwärtig wird das Fraumünster umfassend renoviert;

der international renommierte Zürcher Glaskünstler Fritz J. Dold

und der Spezialist Urs Wohlgemuth restaurieren dabei das

mittlerweile mehr als 60 Jahre alte Fenster von Giacometti.

Dold und Wohlgemuth müssen nicht nur die Farbscheiben

glätten und reinigen, sondern auch Sprünge sichern, ein

Randbleiprofil einbauen und dafür sorgen, dass die Scheiben

künftig genug Spiel haben, um kleine Bewegungen schadlos

aufzunehmen. Glas verbindet Künstlergenerationen – die

Glasmaler von heute sorgen dafür, dass das Werk des Glasmalers

von gestern wieder seine ganze eindrückliche Kraft

entfalten kann.


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