Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

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Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

Die Krise als Chance begreifen: Probleme, Herausforderungen,

Grenzen und Perspektiven der Europäischen Union

Adenauer Lecture 2006 - St Antony’s College, Oxford,

25. Januar 2006

sie Präsident Bush eine Visite ab. Diese Besuche waren Ausdruck ihres tief empfundenen

Wunsches, das Vertrauen in Deutschlands Europa- und Außenpolitik zurückzugewinnen,

soweit in den letzten Jahren Zweifel aufgekommen waren. Sie machte deutlich, dass sie in

europäischen und transatlantischen Fragen Führungsstärke zu beweisen gedenkt.

Deutschland verfolgt dabei natürlich seine eigenen legitimen Interessen, aber es will und

kann dies nur, wenn auch die Belange aller anderen Partner, namentlich der kleineren,

Berücksichtigung finden. Über viele Jahre hinweg war dies die erfolgreiche Philosophie von

Bundeskanzler Helmut Kohl, und ich sehe keinen Grund, warum Bundeskanzlerin Merkel

nicht ähnlich erfolgreich sein soll. Die ersten Wochen ihrer Amtszeit haben die Richtigkeit

und den Erfolg der traditionellen deutschen Haltung gegenüber Europa untermauert.

Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden Jahren noch mehr Belege für diesen

neuen Stil sehen werden, vor allem aber für den Sinngehalt eines vermittelnden, aber

zielbewussten Deutschlands. Zudem bin ich davon überzeugt, dass die Europäische Union

– so bedeutsam die deutsch-französischen Beziehungen auch sein mögen – nur Erfolg haben

kann, wenn Deutschland, Frankreich und Großbritannien gemeinsam mit allen anderen

EU-Partnern an einem Strang ziehen. Nur ein derart konstruktiver Geist kann nachhaltige

europäische Interessen und eine erfolgreiche europäische Politik hervorbringen.

Es ist mein aufrechter Wunsch, dass wir alle in den kommenden Jahren und Jahrzehnten

in diesem Geist der Rückbesinnung auf das Wesentliche zusammenarbeiten können. Der

Themenkatalog ist länger denn je zuvor. Ihn abzuarbeiten erfordert Engagement und

Realismus, Fleiß und Beständigkeit. Im Rahmen dieses Prozesses ist in Europa eine möglichst

dynamische deutsch-britische Zusammenarbeit vonnöten. Dies läge nicht nur im Interesse

unserer beiden Länder, sondern wäre das Anerkenntnis unserer gemeinsamen Verpflichtung

– und der gemeinsamen Möglichkeit –, Europa besser zum Laufen zu bringen.

Die Europäische Union ist kein abgeschlossenes Projekt. Es handelt sich dabei um eine

gewaltige Unternehmung von vielleicht unschätzbarem Wert. Wenn wir alles richtig

machen, können unseren Bürgern daraus enorme Vorteile erwachsen. Durch die

Herausforderungen unserer globalisierten Welt nimmt die Bedeutung Europas nicht etwa

ab, vielmehr steigt sie noch. Deshalb lege ich so großen Wert darauf, dass wir alle – die

Akademiker, die Geschäftsleute, die Zivilgesellschaft, ja auch die Politiker – zum Wohle

Europas zusammenarbeiten, um unserer gemeinsamen Zukunft willen.

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