Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

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Meinungsfreiheit und Respekt gegenüber Glaubensbekenntnissen

Rede im Plenum des Europäischen Parlaments, Straßburg,

15. Februar 2006

ist eine Anregung zum Nachdenken – zwei sehr konkrete Vorschläge machen: Erstens

sollten wir – weil wir bei den jungen Menschen anfangen müssen – eine Kommission

von Schulbuchexperten einsetzen und die Schulbücher in Europa und in der islamischen

Welt darauf untersuchen, welche Worte und Werte dort übereinander verbreitet werden.

Eine solche Kommission sollte von der Europäischen Union und der Organisation der

islamischen Konferenzen gemeinsam getragen werden, am wirkungsvollsten unter

Beteiligung des UNO-Generalsekretärs bei der Auswahl der Experten.

Wir bzw. die islamische Welt haben uns über einige Karikaturen in einer europäischen

– dänischen – und in einigen anderen Zeitungen erregt. Dies ist nur eine Dokumentation

von Hunderten – um nicht zu sagen von Tausenden – von Karikaturen, in denen auch

unsere Werte, die christlichen Werte, und unsere Überzeugungen in der islamischen Welt

karikierend dargestellt werden. Damit muss Schluss sein – bei uns, aber auch in den Ländern

der islamischen Welt!

Toleranz ist wichtig. Aber sie geht nicht nur in eine Richtung, sondern sie geht in beide

Richtungen. Toleranz, Versöhnung, Verständigung muss sich auf die Wahrheit gründen,

und dafür treten wir ein. Ich begrüße nachdrücklich, was der Präsident der Kommission

gesagt hat. Wer ein Land der Europäischen Union angreift, der greift uns alle an. In einem

solchen Sinne sind wir selbstverständlich mit Dänemark solidarisch, und wir sollten von

dieser Debatte ein Signal der Toleranz, der Verständigung, allerdings auf der Grundlage der

Gegenseitigkeit und der Akzeptierung der Wahrheit senden. Nur dann werden wir in eine

gute Zukunft des Dialogs der Kulturen gehen können.

(Beifall von rechts und aus des Mitte)

(Beifall)

Zweitens: Wir waren mit anderen Kollegen in Barcelona bei der Euromediterranen

Konferenz. Wir sollten die Euromediterrane Parlamentarische Versammlung nutzen, um

Vertreter der gewählten Politik und Vertreter der Zivilgesellschaften aus Europa und aus

unseren Partnerländern im Rahmen des Barcelona-Prozesses zu regelmäßigen Gesprächen

und zielorientierten Beratungen zusammenzuführen. So könnte die Euromediterrane

Versammlung ein entscheidender Ort der Begegnung für den Dialog der Kulturen sein.

Gestatten Sie mir eine persönliche Bemerkung: Ich habe seit 1999 bis in dieses Jahr 2006,

16 arabische und islamische Länder besucht. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem

sehr engagierten, glaubwürdigen hohen Vertreter der Geistlichkeit in Saudi-Arabien. Es war

alles in allem ein wunderbares Gespräch. Diese Persönlichkeit hat mich dann gefragt, wie

werden Moslems in Europa behandelt. Ich habe geantwortet, wir würden uns oftmals eine

bessere Integration der Menschen wünschen, aber sie könnten ihren Glauben leben. Ich

habe dann die Gegenfrage gestellt: Ist es wahr, dass nach dem Gesetz in Saudi-Arabien eine

Moslemin, ein Moslem, wenn er oder sie Christin oder Christ werden möchte, nach dem

Gesetz mit dem Tode bestraft wird? Eine Antwort darauf habe ich nicht bekommen.

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