Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

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Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

Die Rolle der Europäischen Union in der Welt - unsere

transatlantische Verantwortung

Rede an der Harvard University, Cambridge (USA), 10. Oktober 2006

Prioritäten haben. Wir werden uns vielleicht nicht auf viele Interpretationen und auch

Wahrnehmungen voneinander einigen. Aber wir müssen uns auf den Dialog zwischen den

Kulturen einlassen, wenn wir unsere Verpflichtungen als Bürger der Welt erfüllen wollen.

Die Beziehungen zwischen der jüdisch-christlichen Welt und der Welt des Islam sind

der wichtigste Tagesordnungspunkt des Dialogs der Kulturen. Wir werden keinen Erfolg

haben, wenn wir uns nur auf den Grundsatz der Toleranz berufen, so wichtig er auch ist.

Wir werden mit Toleranz nur Erfolg haben, wenn wir achten, was jedem von uns teuer

ist, wenn wir besser verstehen, was im Zentrum einer jeder unserer Kulturen steht, und

wenn wir bereit sind, uns auf ein vernünftiges Gespräch über die Prinzipien und Vorurteile

einzulassen, die uns leiten. Dies ist ein großes Projekt, daher dürfen wir keinen Augenblick

zögern, es zu beginnen.

Nichts in der Welt kann ohne Einigkeit zwischen den USA und der EU wirklich langfristig

gelingen. Vieles – und viel mehr als bisher – kann durch ein abgestimmtes Vorgehen der

atlantischen Gemeinschaft bei der Verbesserung der Lebensbedingungen des Menschen

und der Weltordnungspolitik dauerhaft gelingen. Wir müssen neu beginnen und damit

anfangen, unsere Prinzipien und die Art ihrer Umsetzung zu überdenken.

Die Zeit ist gekommen, so glaube ich, die Europäische Union und die Vereinigten Staaten

durch eine neue atlantische Partnerschaft zu verbinden. Wir stehen nicht länger im

Mittelpunkt unserer gegenseitigen Anliegen und Sorgen. Wir haben die Herausforderung

der Sicherheit im 20. Jahrhundert gemeistert, und es ist uns gelungen, starke Demokratien

zu werden. Wir sind die Stützpfeiler der freien Welt und der wohlhabenden Welt. Als

solche können wir nicht auf zwei Inseln der Glückseligkeit leben, die von Elend, Armut

und Radikalismus umgeben sind. Wir müssen die Mechanismen unserer transatlantischen

Gemeinschaft stärken, um einen besseren Beitrag zu den Herausforderungen der

Krisenbewältigung und Verwaltung in der ganzen Welt leisten zu können. Das ist unsere

Bestimmung im 21. Jahrhundert.

Die Agenda der Weltordnungspolitik ist lang. Sie kennen die meisten Themen besser als ich.

Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Ort, sie zu untersuchen und theoretische Antworten

für ihre Lösung zu finden als die John F. Kennedy School of Government. Um Ihre Ideen

jedoch in die Wirklichkeit umzusetzen, müssen sie mit der Welt des politischen Handels

verbunden werden. Die transatlantische Gemeinschaft braucht frische Ideen und einen

starken Willen für einen Neuanfang. Je stärker wir uns über unsere Grundsätze einigen und

sie praktizieren, desto weniger geben wir Anlass zu Vorurteilen gegen uns. Und je stärker

wir uns auf Grundsätze einigen, desto mehr werden wir uns bewusst, dass es zu unserem

Schaden wäre, zu glauben, die transatlantischen Beziehungen hätten lediglich theoretischen

Wert. Sie sind die absolut wichtigste Voraussetzung für den Erfolg eines jeden von uns.

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