Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

arc.eppgroup.eu

Hans-Gert POETTERING - Group of the European People's Party ...

Die Krise als Chance begreifen: Probleme, Herausforderungen,

Grenzen und Perspektiven der Europäischen Union

Adenauer Lecture 2006 - St Antony’s College, Oxford,

25. Januar 2006

Einleitung

Die Krise als Chance begreifen:

Probleme, Herausforderungen,

Grenzen und Perspektiven

der Europäischen Union

Adenauer Lecture 2006

St Antony’s College, Oxford University,

25. Januar 2006

Keine Einladung aus britischen Hochschulkreisen könnte für mich verlockender sein als

diese Gelegenheit, hier im Zentrum für Europastudien des St Antony’s College, Oxford, die

jährliche Adenauer Lecture zu halten. Es ist nicht nur eine große Ehre, in die Fußstapfen

so vieler illustrer Vorgänger aus vergangenen Jahren zu treten. Was mich persönlich in

besonderem Maße beflügelt, ist die Möglichkeit, in meiner Vorlesung an Konrad Adenauer

zu erinnern, an einen der Gründungsväter des heutigen Europas, dem mein Land so viel

verdankt, und dazu noch hier im Zentrum für Europastudien einer der renommiertesten

Universitäten überhaupt.

Der ehemalige Rektor der Universität Oxford, Roy Jenkins, wurde einmal gefragt: „Was

ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Rede und einer Vorlesung?“ Er erwiderte:

„Eine Vorlesung ist ihrem Wesen nach etwas länger als eine Rede, aber nicht unbedingt

interessanter!“ Da ich wie Lord Jenkins Politiker bin, weiß ich um die Gefahren, die mit

diesem Unterschied verbunden sind, und werde mich bemühen, meine Ausführungen so

knapp und interessant wie möglich zu halten, zugleich aber den Anforderungen an eine

„Vorlesung“ zu entsprechen.

Adenauer und Oxford

Als Konrad Adenauer im Dezember 1951 von Winston Churchill zu seinem ersten Besuch

Großbritanniens in seiner Eigenschaft als deutscher Bundeskanzler eingeladen wurde,

stand auch Oxford auf dem Programm. Seit Heinrich Brüning, der zwanzig Jahre zuvor

nach England gereist war, hatte kein deutscher Kanzler mehr das Land besucht. Adenauer

wusste nur zu gut, was sich in diesen beiden Jahrzehnten abgespielt hatte. Er war bereit, den

Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien zu einem Neubeginn zu verhelfen

und entscheidend zu dem beizutragen, was unser Gastgeber Timothy Garton Ash später als

„nichthegemoniale Ordnung für ganz Europa“ bezeichnete.

Adenauer wollte ein Europa, in dem nie wieder ein Staat die Vorherrschaft anstreben

würde. Er hatte Fantasie und Mut bewiesen, als er die supranationale Zusammenlegung

der Kohle- und Stahlindustrie in der im April desselben Jahres gegründeten Montanunion

befürwortete. Auch den Gedanken einer europäischen Armee war er bereit zu akzeptieren

– wie übrigens eine Zeit lang auch Churchill.

Ausgewählte Reden 19

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine