notker

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Die Handschrift hat ridfnulus im Nominativ. Die andre mögliche Emenda

tion modis widerlegt sich aus dem Folgenden.

Beide Verse sagen etwas über das Verhaltnis des Musikalischen

(modus, vox harmonica) zum Wort. Modus ist zugleich die Sangesweise

und die Bauform des Gedichts: beides deckt sich in den Sequenzen,

da auf jede Tonsilbe eine Wortsilbe kommt. „Rhythmus" ist ganz

allgemein der Name fur einen Vers, der nicht der antiken Metrik folgt;

spater wird es zum Namen fur das sichtbarste Kennzeichen dieses Verses,

den Reim, der etymologisch über französisch rime von Rhythmus

herstammt. Ich wage die Annahme, dass diese Bedeutung hier schon

zugrunde liegt, und er klare von daher das Beiwort britannisch: man

wusste, dass grade die Kelten den Reim pflegten.

Also: der Bau der Hymne soil sich auf den Reim einstellen, und

ihr gesungener Vortrag auf die „daktylischen Füsse". Da solche metrisch

im Gedicht nur zufallig vorkommen, so wird gemeint sein der

fast regelmassige, allerdings daktylische Versausgang, der sich im lateinischen

Einsilbenreim von selber vordrangt (sogenannte steigende

Verse):

O Musae Sicélides

Seu praestat Piérides,

Nunc ad vota faciles

Advenite céleres, usw.

So zeigt die letzte strofe deutlich das Bewusstsein eines neu eingeschlagenen

Weges.

Druck: Hans Spanke in den Abhandlungen der Gesellschaft der Wissenschaften

zu Göttingen, phil.-hist. Klasse, 3. Folge Nr. 18 (Berlin 1936) S. 79.

Auch Anal. hymn. 2 S. 99 Nr. 140.

Anfang: O Musae Cicilides.

MARIENPREIS: Oesterreich, Ende des elften Jahrhunderts.

Dies Schlussstück zeigt den spateren Sequenzenstil, der die Strofe

auf dem klingenden Reim aufbaut; es ist eines der ersten in sich vollkommenen

Reimgedichte der abendlandischen Literatur — und führt

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