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VORWORT

Feierlich entrückte Hymnen stellt dies Buch in allbedrohende

Kriegsjahre hinein. Aber die Hymnen selber stammen aus solchen

Jahren: grade die besten wurden damals gesungen, als unter den

Verheerungen der Normannen, der Sarazenen, derMagyaren das christliche

Abendland seinem Untergang nahe schien. Nicht flohen da die

hymnischen Dichter im Geiste aus der Gefahr; nein, sie versicherten

sich in geistiger Sammlung ihrer unzerstörbaren Krafte, ihrer inneren

Selbstbemeisterung. Und so wurden sie auch der ausseren Gefahren

Meister.

Ihr Werk, ihren dichterischen Bezirk zu erschliessen: das ist die

Aufgabe unsres Buches. So wendet es sich an die Freunde der Dichtung.

Moge es deren auch im Bezirke der Wissenschaft manchen finden:

wem aber das Schone in sich selber genug und reichlich ist, moge der

sich nicht daran storen, dass des Buches letzter Teil auch Fragen der

Forschung angreift. Denn mit diesen Hymnen steht es nun einmal so,

dass ihre langst gedruckten Texte nur von wenigen gelesen, von noch

wenigeren empfunden und von niemand nach ihrem dichterischen

Eigengesetz verstanden wurden. Da bleibt Raum für manches deutende

Wort; und sogar rein philologisch ist bis heute kaum die halbe Arbeit

geleistet. Wir nehmen demnach Dichtung und Forschung nicht als

durchaus geschiedene Sfaren, da doch schon Goethe das Vorbild gab,

wie die eine die andre bereichern kann.

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