notker

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ihrem Herrn zu jubeln und zu danken, ihn zu verehren und — jedes

Glied nach seinem Maasse — ihn zu verstehn. In diesen AU-einklang

fiigten sich mit den Engeln auch Sonne und Gestirne, Erde und Meere,

Winde und Quellen, Blume und Tier. Was für Menschenohren tausendfaltig-wirr

oder auch garnicht erklingt, das tont zum Ohre des Schöpfers

mit einer einzigen Stimme, una voce, als ein ewiges Halleluja.

Diesen AU-einklang in Gedanken zu erfühlen und in würdigen

Worten zu fassen war des Menschen Werk. Die niedern Wesen der

Erde vermogen das nicht, und die höhern Kreaturen, die Engel, bedürfen

es nicht.

Schon die frühesten christlichen Gedichte, die wir besitzen, widmen

sich dieser Aufgabe. Im zweiten Jahrhundert schrieben christliche

Mystiker Hymnen auf, die der Heiland selber, bevor er gefangen ward,

im Kreise der um ihn tanzenden Jünger gesungen habe:

Ich will floten und ihr tanzet alle,

Ich will weinen und ihr klaget alle.

Mit uns singt die Eine Acht,

Tanzt aufwarts die Zwölfzahl

Und das All, dem der Tanz geziemt:

Wer nicht tanzt kennt nicht die Wahrheit...

Die Eine Acht sind die Himmel der sieben Planeten und der Fixsterne,

die Zwölfzahl meint den Tierkreis. Ahnliches sagt eine Hymne,

die ein agyptischer Papyrus des 3. Jahrhunderts uns fragmentarisch

übermittelt — es ist das alteste Stuck, das wir mit der Melodie besitzen:

Alle herrlichen Gotteswerke zugleich sollen nicht schweigen und

die schimmernden Sterne nicht ausbleiben, alle rauschenden Flüsse

sollen hymnisch singen unsern Vater und Sohn und heiligen Geist,

alle Gewalten sollen einstimmen: amen amen amen, Macht und

Preis dem Einen Geber alles Guten, amen amen.

Indessen der stolze Gedanke, betend und preisend und gar tanzend

in den Reigen des Kosmos einzugehn, trat bald in den Schatten; nur

wenig erscheint er in der abendlandischen Kirchenhymne, die mit Hila-

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