notker

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Gesangsstil in seiner erhabenen Schlichtheit, seiner linienklaren Entriicktheit.

Die Sequenzendichter fügten das besondere Gesetz hinzu, es

solle jeder Wortsilbe nur Eine Note entsprechen. Wie der erste Anlass

zu diesem Gesetz in dem Wunsche lag, die Melodie möglichst leicht einpragsam

zu machen, so starkte es seiner Natur gemass das Gewicht des

Wortes. Der Gesang sollte das Wort heben, aber nicht auflösen — das

Gedicht sollte die allzu flüchtigen Töne binden.

ANTISTROFIK Aus der lebendigen Liturgie schöpfte sodann der

Geist der Dichter ein Gesetz, das von jener an sich nicht befbhlen war:

das Gesetz der Antistronk. Gern sang man in den Klöstern das Halleluja

in Halbchören: der dunkleren Einstimmigkeit der Brüder respondierte

die hellere der Knaben. So gliederte sich nun die Sequenz in

Strofe und Gegenstrofe, beide von gleicher Melodie, damit auch von

gleicher Silbenzahl und gleichem innern Bau. Zeige das ein einfaches

sanktgallisches Beispiel:

STROFE

GEGENSTROFE

In laudibus aeterni regis

Haec plebs resultet

Alleluia!

Hoc denique caelestes chori

Cantant in altum

Alleluia!

Hoc beatorum

Per prata paradisiaca

Psallat concentus

Alleluia!

Quin et astrorum

Micantia luminaria

Jubilant altum

Alleluia!

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