notker

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sungen, als ein Sinnbild der weltverlorenen und doch zuletzt nicht gottverlassenen

Seele.

Druck: Analecta hymnica Band 7 S. '253 Nr. 230; Erganzungen in Band 53

S. 155 Nr. 89.

Anfang: Plangant filii ploratione una. Das erste Wort ist auch als clangant

und besonders clangam iiberliefert. Ware letzteres richtig „Singen will ich,

ihr Kinder", so wurde durch die Ich-form der persönlich-lyrische Charakter

des Ganzen bedeutend verstarkt: das könnten andere absichtlich wegkorrigiert

haben. Aber die Variante geht sprachlich nicht (una fordert plangant:

zusammen klagen), und nt war leicht als m zu verlesen. (Str. 7a: statt cogitarem

lese ich cogitaret.)

GOLDBLÜTENLIED: Südfrankreich, 10. Jahrhundert.

Zur Einführung: Unausgesprochen liegt dem Gedicht das landschaftsbild

des Festmorgens Mariae Assumptio zugrunde: um den 15.

August blühn die Rosen (1), die Ernte wird eingebracht (17), auf dem

Brachland duften gelbe Blumen (3—4), die Wiesen sind am Morgen

(2) taufeucht (4). Diese Szenerie wird vorausgesezt, aber aufs geistigste

verstanden. Nur der Anfang gibt einen eigentlichen Vergleich zwischen

Maria und der aufgehenden Sonne oder dem Morgenstern (1—2); sonst

wird nicht verglichen — etwa zwischen der Rose und Maria oder zwischen

den Landleuten und jenen Predigern, die Gottes Seelenernte einbringen

—: sondern es sieht der Dichter das Himmlische von selbst,

vielleicht unbewusst, in den Bildern, die der aufgehende Spatsommertag

ihm bietet. Die Rose ist entsprungen, das heisst einfach — ohne dass

es gesagt wird —: Maria steht vor uns. Oder: die Brache wird goldblond

von Lilien und Orchideen — das soil etwa heissen: die Seelen,

bisher brach, blühen und duften nun Gott entgegen.

Denen, die sich ganz dem Geiste geweiht hatten, war was uns Allegorie

dunkt, zur Hieroglyphe geworden, die dem Kundigen von selber

das Gemeinte bezeichnet. Aber die Hieroglyphe muss, um dem Geistigen

zu entsprechen, auch in sich selber hoch und schön sein: auf das

Geistig-höchste kann im Wort nur Irdisch-höchstes deuten. Dies Wort

kann darum nüchtern sein. Indessen in Südfrankreich bestach der

prunkende Faltenwurf des spaten Imperiums noch lange die Augen,

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