notker

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an der Gottheit Anteil gewinnen. Vor diesem hohen Wunsch verliert

sich die Scheidung von Vater und Sohn: die Schlussstrofe ruft gleich'

laufig Gott selber und das einzige Kind Gottes an.

Neue oder eigentümliche Gedanken waren das alles nicht; Notkers

Meisterhand ist darum nicht weniger zu erkennen. Dem tiefst Geistigen

gibt er Worte, und danach lasst er doch gern wie unwillkürlich das

Geistige in Bildern sinnlich erscheinen. Was die Bilder bedeuten mogen

— der Dichter braucht es nicht jedesmal zu sagen; denn in der Schwingung,

die er vom ersten Verse an mitteilt, fühlt jeder durch das Sinnliche

ein Atherlicht durchschimmern. Der erschreckende Stern, die

himmlischen Ritter bei den Hirten: offenbar sind es nicht bloss schone

Geschichten. Aber es sind auch nicht bloss schone Allegorien, deren

Wert allein im Gedanken lage. Vielmehr ist dies das Kostbare, dass in

solch einer Hymne der Gedanke als Geschichte und die Geschichte als

geistig erscheint. Und dies ist ja das Weihnachtswunder selbst, dass in

dem heute Geborenen Göttliches und Irdisches einander begegnen.

Notker der Dichter schafft eben das nach, was er feiert. Das ist sein

Mysterium.

Der lateinische Text der Weihnachtshymne ist oft gedruckt; Hauptausgabe

Anal. hymn. 53 S. 20 Nr. 15. Die Melodie bei Schubiger, 2. Teil S. 6.

Anfang: Natus ante saecula.

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