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AUSSTRAHLUNGEN

DIE OSTERSEQUENZ: um 1025/50 von Wipo gedichtet. Der Verfasser,

wohl in der nordwestlichen Schweiz zuhause, ist bekannt als

Hofkaplan und Biograph Kaiser Konrads II., Lehrer Heinrichs III.

Seine Sequenz ist die alteste unter den fiinf, die die Kirche heute noch

singt. Der Form nach bietet sie das Schulbeispiel für den Übergang zum

spateren Stil, der seiner Poetik den klingenden Zweisilbenreimzugrunde

legt. In den ersten Strofen begnügt sich Wipo noch mit der Assonanz

(Ostern-opfern, lat.: paschali-christiani, usw.). Aber auch der innere

Stil der Sequenz zeigt einen von der früheren Epoche wegführenden

Übergang: Gedanke und Bild, bei Notker einander durchdringend,

treten hier in Spannung zu einander. Der erste Teil gibt den Gedanken:

allerdings in bildgewaltiger Sprache, aber doch auch in fast über-spannter

Gedrungenheit. Indessen mit einem Schlage springt nun die Hymne

um: dramatischer Vorgang, lebendige Anschauung, frei stromende

Satze; wie wenn der Pfeil von der Sehne abschnellte. Und im selben

Augenblick beginnt höchst wirksam, unübersetzbar, der klingende

Reim:

Die nobis, Maria,

Quid vidisti in via ?

Hier sieht man den romanischen Rundbogen ganz leise zur Brechung

der Gotik ansetzen. Dichten und Denken bleiben wie die Halften des

Spitzbogens gesetzlich verbunden und streben zur gleichen Höhe; aber

sie fliessen nicht unsichtbar ineinander.

Wissenschaftliche Ausgabe: Analecta hymnica 54 S. 12 Nr. 7.

Anfang: Victimae paschali.

PYTHAGORAS: lm ersten Drittel des elften Jahrhunderts wohl am

Mittel- oder Niederrhein gedichtet. Pythagoras war aus der lateinischen

Schulüberlieferung bekannt (Ovid, Boetius, Martianus Capella). Da-

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