notker

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die ovidischen sorores jocosae, mit Kamönen übersetzt): man nahm das

doch mit andern Sinnen auf als die humanistische Schule. Im vorliegenden

Gedicht sind ersichtlich die Musen als Schutzherrinnen der Musik

gemeint.

Die kurzen, reimverknüpften Halbstrofen, die hier im Gegensang

zu singen waren, stellen viermal eine hohe und eine tiefe Tonlage einander

gegeniiber: erst in der Menschenstimme, dann im Saitenspiel

(Lyra-Cithara), dann im Schlagzeug (Barbiton-Tympanum), zuletzt im

Blasinstrument. Diesen acht Klangen folgt als neunter der ganze Chor;

jedem Klang scheint je eine Muse zugedacht. Man hat vermutet, es

seien beim Vortrag des Liedes die Melodien der Halbstrofen nach dem

rein vokalen Gesang jedesmal ohne Wort wiederholt worden, und zwar

jedesmal durch die in der Strofe genannte Stimme: also erst durch den

Knaben- und Mannerhalbchor (auf dem Reimvokal), dann durch Leier

und Zither usw. Schliesslich hatten sich „mit Getöse — mit Geprange"

die Instrumente vereint und zuletzt seien als „der ganze Chor" Vokalund

Instrumentalstimmen unisono erklungen. Die Sequenz, die ohnedies

der Liturgie nicht zugehört, würde dann ein Festlied geistlicher

Musiker sein.

Die letzte Strofe gibt eine Art dichterischen Epilog. Zu ihrem

genauern Verstandnis ist zu beachten, dass das Gedicht den Reim nicht

nur sucht, sondern regelhaft gebraucht, nicht als Zier sondern als Eckstein

der Verse. Allerdings ist es überall der im Lateinischen leicht sich

einstellende, meist einsilbige Endungsreim; der klingende Zweisilbenreim

gilt noch nicht als Aufgabe (z.B. jocosis'Otnnis genügen als Reim:

vergl. dagegen das folgende Gedicht). Den Reim als Ornament hatte

man seit dem dritten Jahrhundert; jetzt findet man den Reim als dichterisches

Formgesetz. Das war etwas Neues, wenn auch seit Jahrhunderten,

besonders von den Iren, vorbereitet.

Die Schlussstrofe lateinisch (in der uns gelaufigen Orthographie):

Assolescat modus rhythmulis Britannicis

Pedibusque vox harmonica dactylicis.

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