Via, Reisemagazin der SBB 2/2011 - Lokremise

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Via, Reisemagazin der SBB 2/2011 - Lokremise

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Unterwegs mit Bahn, Bus und Schiff

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Lokremise St. Gallen

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via im Februarr 3

:ditorial

Titel-Geschichte

Jung und wild: Der gebürtige Argentinier Exequiel

Barreras (26) und sein deutscher Kollege

Sebastian Gibas (30) gehören zur


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ilir"le,b r r is Sct"rw*i;"

Regina Sturzenegger; Geschäftsführerin Restaurant

r ., , (WennmandaS,Lo-

' . , kal, besucht, sollie

man mit Vorteil die Bereitschaft

mitbringen,

sich auf etwas Neues

einzulassen, wie beispielsweise

auf clie fahrbaren Tische,

welche auf cien vorhandenen

Schienen montiert wurden.

Wir haben dafur extra nachträglich

die fichienen wiedrlr

aus dem Betongussboden

spitzen lassen. Wir versuchen

aber auch, den klassischen

Service etwas über den Har,-

fen zu werfen. Wir decken

zum Beispiel sehr unkonventionell

mit einem Suppenteller

auf, worauf wir das Besteck

platzieren. Damit wollen

wir die Gäste animieren, eine

Suppe zu probieren. Diese

kommt bei uns im Suppentopf

auf den Tisch, der Gast kann

sich selber bedienen. Dasselbe

gilt iür den Salat, der in

der Schüssel auf den Tisch

kommt. Am Mittag bieten wir

bereits ab 13 Franken ein

Buffei rnii Salaien und Yr'ann€n

Speisen für clie Eiligen, aber

auch A la Carte Gerichte arr

Es war eine Vorgabe der

Stiftung Lokremise, dass wir

auch günstige Teller anbieten

und die Preisie nicht zu teuer

gestalten. Schliesslich waren

es die St. Galler Steuezahler,

welche das ganze Lokremise-

Projekt I'inanziert haben. An

der Preispolitik werden wir

auch ganz klar gemessen.

Es gibt beispielsweise Leute,

die unseren Kaffeepreis von

4.40 Franken als zu teuer

kritisieren. Atler wir wollten im

Lokal den Kaffee in der gleich

hohen Qualität anbieten wie in

unseren anderen Lokalen.

lch bin selber Vegetarierin r-rnd

wir haben auch bei der Menügestaltung

darauf geachtet,

dass mindesten 50 Prozent

der Gerichte vegetarisch oder nach der Vorstellung.

und ernährungsphysiologisch Wenn im Haus Theateruorstellungen

sind, gibt es ab 22 Uhr

ausgewogen sind.

eine Nachtlokal-Karte mit kleineren

warmen Gerichten. Am

Unser Renner ist allerdings

ein Fleischglericht, das (Kondukteur-Corrlon

Bleu' für 15 Uhr einen Brunch, der sich

Sonntag bieten wir von 10 bis

43 Franken, welches unser wunderbar mit einer Kinooder

Theater- junger Appenzeller Küchen-

Matin6e-Vorstel-

chef Andreas Brüllisauer mit

Pantli-Masse und St. Galler

Klosterkäse füllt, Viele

Abendgäste kombinieren

ihren Theater- oder Kinobesuch

mit einem Essen vor

1äglich geöffnet

Tel.071 2722570

lokal@psg-gastro.ch

I www.psg-gastro.ch

Erfrischend unkonventionell: Regina Sturzeneggers uLokalu

lung verbinden lässt.,

as verbindet Basei, Zürich, Paris und

Berlin? Alie genannten Städte verfügen

über Bahnhofareale an urtlanen

Brennpunkten, welche kulturell umgenutzt

wurden (siehe Übersicht auf Seite r7). Seit vergangenem

September gehört auch St.Gallen

zu dieser Riege. Und das Konzept der kulturell

umgenutzten Lokremise braucht sich nicht

zu verstecken.

Im Gegenteil: Unübersehbar und sehenswert

ist nur schon die spektakuläre Architektur

der Lokremise St.Gallen. Nach einem kurzen

Fussmarsch gelangt man vom Bairnhof

zum charakteristischen Rundbau, welcher

ursprünglich als Depot für die Wartung von

Dampflokomotiven diente und sich Ende der

19Boer-Jahre zu einer Industriebranchentwickelte.

Heute treffen hier Architektur- und

Kunstliebhaber auf Kinofans und Gourmets

auf Theaterfreunde. Vis-ä-vis wird auf einem

geschliffenen Altbauquartier eine Fachhochschule

für 7oo Studierende hochgezogen,

und schon bald 1ässt sich in der Nachbarschaft

das Bundesvenvaltungsgericht nieder.

Pionierbau von internationaler Bedeutung

Die zwischen t9o3 und 1911 von Carl Moser

errichtete Lokremise und das dazugehörige

(wo sich die Arbeiter den Russ

vom Leib waschen konnten) sowie der Wasserturm

(der heute eine Installation des bekannten

Schweizer Künstiers Christoph Büchel beherbergt)

gili a1s ein Industriedenkmal von

nationaler Bedeutung und als historischer

Bau der Bahninfrastruktur. Aufgrund ihrer

Eisenbeton-Konstruktion zählt sie zudem

',r-e I i',r'e r t z rl ii e n Be i o n u i o n ! e li:a,.r e r

Die Lokremise ist mit ihren 2t Lokomo'

tiv-Ständen und ::und Bo Metern Durchmesser

nicht nur das grösste, sondern eines

der letzten noch existierenden Ringdepots

der Schweiz. Ihre im iugendstil gestaltete

Fassaderinnert an die Hochblüte der Ostschweizer

Textilindustrie, als es zwischen

St.Gallen und Paris noch direkte Zusverbindungen

gab.

Von der Industriebrache zum In-Place

Mit dem Aufkommen der elektrischen Eisenbahnen

nahm die betriebiiche Bedeutung der

Lokremise sukzessive ab und Ende der 19Boer-

Iahre wurde die Lokremise für den Betrieb

der SBB nicht mehr benötigt. Ihre Eignung

als Ort der Kultur wurde allerdings erst tggg

entdeckt: in den ]ahren 1999 bis zoo4 beherbergte

dle sanft umgestaltete Lokremise die

Sammlung der renommierten Kunstgalerie

Hauser & Wirth, welche inzwischen mit Ga-


13

Zwei Gehminuten vom Bahnhof

St. Gallen entfernt hat sich die Lokremise

als urbaner Treffpunkt etabliert.

erien in Loncton und New York präsent ist.

/üährend der liommermonate nutzte Hauser

k Wirth die Iläume für .A.usstellungen zeit-

3enössischer Kunst. Damit wurde die Lokrenise

St.Gallerr in der nationalen und inter-

:ationalen Kunstszene rasch ein Begriff und

land dank erfolgreichen Ausstellungen - etwa

zo03 mit dem Ostschweizer Aktionskünstler

loman Signer - auch in der lokalen Bevölkerung

Anklang.

, erklärt Werner Slgner, wel-

:her als Leiter der r dem St.Galler Dreiipartenhaus

(Musik, Tanz und Sprechthea-

:er) vorsteht und eine der treibenden Kräf:

:e des Projekts ist. Sein damaliger Tanzchef

Philippe Egli war bei der Suche nach alternativen

Aufführungsorten auf die Lokremiie

gestossen, wo er in den von der Galerie

ungenLltzt.en Räumiichkeiten verschiedene

fanzprojekte verwirklichen konnte.

Tm lahr zoo^ 7.oaer sich Hauser & Wirth

rorzeitig aus der Lokremisr: zurück, rveil der

Bau unter anderem $,egerr fehlender Isola-

;ion und Heizung nur im Sommerhalbjahr

genutzt werden konnte und Stadt und Kanton

keine Anstalten machten, I-lauser & Wirth bei

:iner Sanierung zu untersltitzen. (Manchmal

habe ich das Gefühl, dass St.Gallen den kulturellen

\\reri und die internaiionale Strahlkrafi

r,on Hauser & iVinh für den Standori

>t.üailen nlcht ricl']iig er\annr har,r. resumiert

Werner Signer.

l/om Provisorium zum Kulturbahnhof

Währenddessen arbeireie die 5BB als Elgentümerin

der Lokreniise an einem eigenen

Nutzungsilonzepr. das auf ejne "genrischie

und stark segmentierie Event- und Gerverbenutzung

mit kulturelier Äusrichtung) setzte.

Doch es sollte anders kommen: Im Frühjahr

zoo5 entwickelte der Kanton Si.Gallen

einen Vorschlag, um sich die Anlage

zu sichern' Das von der Genossenschaft Konzert

und Theater St.Gallen lancierte Projekt


Hrlebnis $chrvvci:nweiterentwickelt

werden. Von Herbst zoo6 bis

juni 2oo9 wurde die Lokremise als Provil;orium

für verrschiedenste Aktivitäten genutzt.

Mit uber 5oo Veranstaltungen aus den Bereichen

Kultur, Bildung, Politik und Wirtschaft

konnte sich die Lokremise so in breiten Kreisen

als beliebter Veranstaitungsoft etablieren.

Ietzt war St.Gallen bereit für seinen Kulturbahnhofl

Die wichtigste Hürde nahm das Projekt


Anzeige

Swisscom inforrniert

Die Kombination von Patina

und modernen Akzenten prägt

die neue Lokremise.

3andra Meie[ LeiterinProgrammkino

Knok

: .,::.." (Das Kinok steht,

',,r.lt,

',.,,. für eine in der ostschweizeinzigartige

,:,r::" Filmkultur' Als Pro'

:,::' grammkinobemühen

ruir uns, den Film nicht

1ur als Unterhaltungsmedi-

Jm, sondern auch als Kunstbrm

zu zeigen. Bei uns komnen

nicht nur aKuelle,Filme

zur Aufführung, wir stellen

:hematische Reihen zusamnen

und pflegen das filmhis-

:orische Erlce - gerade auch

Filmklassiker sind in der Lokremise

gui aufgehoben. Wie eine Chance, dem Publikum

se ist ein Quantensprung und

andere Programmkinos wurde in einem wunderbaren Umfeld

das Kinok in den l980er-Jahren

gegründet, als von jungen zubringen. Die Nachbarschaft

hochstehende Filmkuliur nahe-

Leuten eigene Kultunäume mit Kunstrnuseum und Theater

lädt zu spartenübergreifen-

eingefordert wurden. So entstanden.in

St.Gallen auch die den ProjeKen geradezu ein,

Grabenhalle und die Kunsthalle.

Das Kinok hat sich ständig Begegnungen mit Film-l

weiterentwickelt, vom mobilen schaftenden und Wissenschaftlern

aus allen Diszipli-

Wanderkino zum Vorstadtkrno

bis zum Kino in der Lokremise.

Der Einzug in die Lokemi-

Austausch mit dem Publikum,

nen ermöglichen den direKen

RetrospeKiven von Flegisseuren

und Schauspielern geben

Einblick in deren Werke, Vorträrge,

und musikalisch begleitete

Vorfrjhrungen bereichern

das Angebot. In der Lokremise

organlsierten wir bereits in

der Ara Hauser & Wirth thematisch

abgestimmte Open

Airs im wunderbaren Innenhof.

Nach dem Auszug von

Hauser & Witth haben wir rnit

der SBB den Kontakt gesucht

und waren froh; dasS der Kanton,

nicht zuletzt dank dem

Engagement des Theaters,

auf das Projekt aufgesprungen

ist. Umso schöner, dass

das Volk dem Lokremise-Projekt

zugestimmi hat. Als einziges

Programmkinc im Kanton

haben wir eine übenegionale

Bedeütung" AIs Synihese aus

den ver€chiedenstefi Künsten

isi der Film in der La{

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