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Kostbare Steine, in Gold gefasst, dienen den Leuten als Kopf- und

Halsschmuck. Gold ziert ihre Gürtel, Gold fesselt ihre Hände und

Füsse [21]. Und Johannes Chrysostomus fragt im 5. Jahrhundert:

[22] ~ Aus verschiedenen Gründen steigt in der Spätantike

der private und kirchliche Gebrauch des Goldes an.

Im frühen 3. Jahrhundert gewinnen die Goldgläser, deren

Blütezeit im späten 3. und im 4. Jahrhundert liegt, eine grosse Verbreitung.

Ihre Verzierung' erfolgt mit Blattgold, das wie Farbe aufgetragen

oder zwischen zwei GlasGchichten eingeklemmt sein kann.

Aus eben dieser Zeit stammen einige Porträtminiaturen auf Glas,

die mit Goldfarbe gemalt sind [24] und als Halsanhänger getragen

wurden.

Als Farbe ist Gold jedoch vorwiegend in Mosaiken und Tafelgemälden

verwendet worden. Die Technik des Goldmosaiks, die sich

im Laufe der Spätantike verbreitet hat, gehört zu den eindrücklichsten

Kunstmitteln der Spätantike und des Mittelalters.

In Fresken wird an Stelle von Gold Gelb verwendet. In der

Malerei tritt es auf als Hintergrundfarbe, als Höhung, als Farbe für

Nimben und sporadisch auch als Materialfarbe von Schmuckstücken.

Auf einem ägyptischen Mumienbildnis des 3. Jahrhunderts

finden wir drei verschiedene Verwendungsarten des Goldes (Abb.1).

Hinter dem Haupt des bärtigen Verstorbenen breitet sich ein Goldgrund

aus, seine Lippen sind vergoldet, und in den Haaren steckt ein

goldener Blattkranz. Der Goldgrund bezeichnet Licht, denn der Verstorbene

wünscht, im Reiche des Lichts Aufnahme zu finden [25] .

Die Lippen sind vermutlich vergoldet, damit kein Unheil in ihm

Wohnsitz nehme. Das Gold am Blattkranz bezeichnet zunächst die

Gegenstandsfarbe. Die Goldkrone ist ein Symbol der Unsterblichkeit,

sie kann aber auch Ehrenkranz sein [26]. Die schwarzen Haare

und die beigebraunen Halskonturen sind mit Gold überdeckt, das

demnach zuletzt aufgetragen worden ist, und zwar in Form von

Blattgold. Dieses Mumienporträt in Dumbarton Oaks steht offensichtlich

in einer ägyptischen Tradition, kennen wir doch schon aus

ptolemäischer Zeit vergoldete Stuckporträts an Mumien [27].

Es ist heute nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, von wo die

Goldmalerei ihren Ausgang genommen hat; vor dem 3. Jahrhundert

hat sie jedenfalls keine bedeutende Rolle gespielt. Einige Forscher

vertreten die Ansicht, dass die Goldmosaiken im Gefolge der Goldgläser

des 3. und 4. Jahrhunderts in Mode kamen und von diesen

auch technisch abhängig sind [28]. Gewiss hat man Statuen seit

ältester Zeit vergoldet [29], doch als Farbe der Malerei und der

illusionistisch bemalten Plastik erscheint das Gold erst vom 3. Jahrhundert

an häufiger. So kennen wir aus dieser Zeit polychrome Sarkophage

mit Goldspuren, wie beispielsweise den bukolischen Sarkophag

im Vatikan [30], an dem neben rostroten, dunkelbraunen,

grünen und blaugrünen Farbspuren auch Schafe mit goldenen

Fellen und ein Hirt mit goldfarbenen Haaren und ebensolcher Tunika

zu sehen sind.

Schon auf römischen Bodenmosaiken taucht Gold sporadisch

auf, aus naheliegenden Gründen aber nie als Flächenfarbe. Im

4

SW-Apsis

(Mailand, S.Aquilino).

5

SE-Apsis

(Mailand, S.Aquilino)

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