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waren, um dem Rundbild eines Königs, eines Toten oder einer Gottheit

die farbliche Erscheinung, und damit Sein und Wesen, zu geben,

Freilich soll mit dieser (teilweise von P. Reuterswärd ausgesprochenen

[4]) im Prinzip unbestreitbaren Farbensymbolkraft das vielschichtige

Phänomen nicht eingeebnet werden. So bleibt z. B. die

auffallende Vorliebe gewisser Epochen für bestimmte Farbgesteine,

etwa einer Spanne des Alten Reichs und der klassizistischen Spätzeit

für grünliches Hartgestein, davon unberührt und in ihrem eigenen

Recht bestehen. Auch ist anzunehmen, die Farbensymbolik sei

in Geltung und Substanz Wandlungen unterworfen gewesen, so

dass Bemalung der Farbgesteine in einer bestimmten Phase der Geschichte

ägyptischer Kunst nachher oder vorher nicht, oder doch

nicht auf diese Weise, geübt worden ist.

Mag bei alledem die Plastik im vorliegenden Fragenkreis nur

eine begrenzte Rolle spielen, so schaut sie doch - ganz buchstäblich

- mit ihren Augen eindrucksvoll und frei ins Bild. Denn die aus

der Vorzeit stammende Sitte, die Augen der Rundbilder durch Einlagen

aus verschiedenfarbigem Material einzusetzen, zeigt sich in

Ägypten zu höchster Vollkommenheit ausgebildet. Einem der kostbarsten

ägyptischen Meisterwerke überhaupt, dem < Schreiber des

Louvre> (Abb.3), sind seine faszinierenden Augen aus Alabaster,

schwarzem Stein, Silber, Bergkristall und Kupfer eingefügt. Die überzeugende

Kombination stellt das Weisse durch Alabaster, die Iris

durch schwarzen Stein, die Pupille mit einem Silberstift und die

Hornhaut mit einem Blättchen Bergkristall dar. Die Lidränder sind

von einem kupfernen Stift eingefasst. Das grossartige Beispiel mag

genügen, um mit dem Brauch zugleich seine künstlerische Mächtigkeit

zu vergegenwärtigen. -

Auch die Reliefkunst hat sich das Prinzi,p der Einlage farbiger

Werkstoffe zunutze gemacht. Die berühmtesten Beispiele stamnlan

aus der Amarnazeit. Der Kopf Echnatons (diese eingebürgerte Unform

sei anstelle des anzusetzenden Achanjäti gestattet) mit dem

schwärmerischen Ausdruck des ganz vom Oberlid beherrschten,

nach der Backenpartie hin verschwimmenden Auges ist aus rotbraunem

Quarzitstein gemeisselt und war, einem Brauch der Zeit

folgend, im Sinne des Farbkanons als wesensgerecht - zusammen

mit anderen farbigen oder gefärbten Steinen - in die vielleicht gröbere

Fläche des Reliefgrundes eingelegt (Abb.1). Hier mag angemerkt

werden, dass die Praktik später in der römischen Kunst mit

Marmoreinlagen seit der Zeit des Claudius wieder erscheint [5).

In der Amarnazeit wurde für Echnatons Schwiegersohn Tutanchamun

(damals noch nach dem Bekenntnis seines Schwiegervaters

genannt) der berühmt gewordene Thronsessel angefertigt.

Seine Rückenlehne aus vergoldetem Holz zeigt das lässigintime

Bild des jungen Mannes mit seiner Frau Anches-en-pa-Aton,

dessen Farbenpracht durch Einlagen aus den Naturstoffen Gold,

Silber, Karneol und Alabaster, vor allem aber aus Kunstprodukten,

wie roter Glaspaste und türkisähnlicher Fayence, erzielt wird

(Abb.4).

Damit sind wir schon inmitten der Wirkungen, die farbige

Stoffe mit Hilfe der Intarsientechnik hervorgebracht haben. Die bedeutendsten,

mindestens aber bekanntesten Zeugnisse liefern wiederum

die Schätze des Tutanchamun-Grabes, die uns ja einen umfassenden,

wenn auch historisch auf seine spätbarocke Epoche be-

6

Steingefässe

Alabaster, Schiefer, Diorit

1. und 2. Dynastie

Leipzig, ÄgVPtisches Museum

7

Armband

Silber, Edelsteine

(einige moderne Ergänzungen)

11 . Dynastie

Ber/in, Staatliche Museen

grenzten Querschnitt durch ( as ägyptische Kunsthandwerk bieten.

Wenn wir, sachgerecht, das schwarze Ebenholz und das weisse

Elfenbein in die Farbskala einbeziehen, so sind Kästen und Truhen,

aber auch das grosse Brettspiel aus dem für unsere Kenntnis einzigartigen

königlichen Grabschatz heranzuziehen, die von diesen Ma ­

terialien geprägt werden. Auf Stein übertragen und insofern den

Reliefeinlagen verwandt zeigt sich diese Intarsientechnik u. a. an

einem Salbgefäss des gleichen jungen Königs, dessen zylindrischer,

von Säulen flankierter Körper aus einem teils durchscheinenden,

teils undurchsichtigen Alabaster gearbeitet ist (Abb, 5) . Die Köpfe

der Gefangenen am Fuss des Gefässes (ein altes, beliebtes Motiv)

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