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Motivation und telekommunikatives

Lernen


Impressum

Herausgeber

e/t/s Didaktische Medien GmbH

Kirchstraße 3

87642 Halblech

Autor

Dr. Rudolf Schröder, Paderborn

Medientechnische Realisierung

leitner.interactive, Kaufbeuren

Rechte

Copyright© 2004 e/t/s Didaktische Medien GmbH, Halblech

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner

Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren)

ohne schriftliche Genehmigung des Herausgebers reproduziert

oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet,

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tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 2


Inhalt

Motivation und telekommunikatives Lernen ............................................................................................ 1

Impressum ......................................................................................................................................... 2

Inhalt................................................................................................................................................... 3

Lernziele............................................................................................................................................. 4

Fachwissenschaftlicher Überblick .................................................................................................. 5

Zum Begriff der Motivation .............................................................................................................. 7

Trainingsaufgabe ............................................................................................................................ 7

Wichtige Motivationstheorien im Überblick ................................................................................... 8

Motivation im Kontext der Selbstbestimmungs- und Interessentheorie ....................................... 10

Mögliche Ausprägungsformen der Lernmotivation ....................................................................... 10

Motivationale Rahmenbedingungen ............................................................................................. 13

Empfindungen beim Arbeiten und Lernen .................................................................................... 17

Durchführung, Auswertung und Interpretation der Erhebung....................................................... 18

Fallstudienbearbeitung: Einsatz der Erhebungsverfahren......................................................... 20

Zusammenfassung ......................................................................................................................... 24

Wissenstest ..................................................................................................................................... 25

Interaktionsfragen........................................................................................................................... 27

Literaturhinweise ............................................................................................................................ 28

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 3


Lernziele


Im Qualifizierungsbaustein Lernen aus Sicht der Kognitionswissenschaften lernen Sie...

• den Begriff Lernmotivation zu definieren

• die Notwendigkeit der Lernmotivation für das telekommunikative Lernen zu begründen

• wichtige Kommunikationstheorien (triebgesteuerte Theorien, Theorien zur Leistungsmotivation,

Theorien zum Personen-Umwelt-Bezug) zu beschreiben

• vor dem Hintergrund der Selbstbestimmungs- und Interessentheorie

o die sechs Motivationsarten (vom amotivierten bis zum interessiert motivierten Lernen)

zu definieren

o wichtige motivationale Rahmenbedingungen zu beschreiben

o Erhebungen zur Lernmotivation durchzuführen

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 4


Fachwissenschaftlicher Überblick

Motivation und telekommunikatives Lernen

Zielgerichtetes menschliches Handeln und dessen Beweggründe

Bedeutung für telekommunikatives

Lernen

zahlreiche Theorien

zur Lernmotivation

Hohes Maß an

Eigenverantwortung

Gefährdung durch

technische Probleme

u. soziale Vereinsamung

Selbstbestimmungstheorie

Interessentheorie

Einsatz in tele-

Kommunikativen Kursen

„Selbstbestimmt motiviertes und

interessiert motiviertes Lernen“

Motivationsausprägung

• amotiviert

• extrinsisch

• introjiziert

• identifiziert

• intrinsisch

• interessiert

Rahmenbedingungen, z.B.

• inhaltliche Relevanz

• Kompetenzunterstützung

• soziale Einbindung

• Überforderung

• technische Probleme

Empfindungen beim Lernen

• emotional positiv

• emotional negativ

• Empfinden von Wichtigkeit

• Flow-Erleben

Im Mittelpunkt dieses Qualifizierungsbausteins steht die Bedeutung der Motivation der Teilnehmer

beim telekommunikativen Lernen. Der Begriff Motivation beschreibt dabei generell ein zielgerichtetes

Handeln und dessen Beweggründe. Konkret geht es darum, dass der Lernende ein Ziel hat,

sich anstrengt und ablenkungsfrei bei der Sache bleibt.

Motivation ist für das telekommunikative Lernen besonders wichtig, weil

• die Lerner ihre Lernprozesse weitgehend selbstständig organisieren

• und sich selbst disziplinieren müssen.

Andererseits kann die Motivation rasch beeinträchtigt werden, wenn den Lernenden bei technischen

Problemen nicht geholfen wird oder sie sich sozial isoliert fühlen.

Es gibt zwar zahlreiche Theorien zur Lernmotivation, die aber kein einheitliches und kohärentes

Beschreibungs- und Erklärungsmodell liefern. Deshalb erfolgt eine Konzentration auf zwei Theorien:

• Die Selbstbestimmungstheorie thematisiert, inwieweit der Lernende aus eigenem Antrieb

oder aufgrund äußerer Anstöße lernt.

• Die Interessentheorie stellt das Interesse in den Vordergrund, das sich in der wiederholten

Auseinandersetzung des Lernenden mit dem Lerngegenstand ausdrückt.

Diese beiden Theorien bildeten die Grundlagen des DFG 1 -Projektes „Selbstbestimmt und interessiert

motiviertes Lernen in der kaufmännischen Erstausbildung“.

1 DFG - Deutsche Forschungsgesellschaft

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 5


In diesem Projekt wurde ein theoretisch fundiertes Evaluationsdesign entwickelt, das in vereinfachter

Form hervorragend geeignet ist, um die Lernmotivation in eigenen telekommunikativen Kursen zu

erfassen.

Es können drei Aspekte erfasst werden:

1. Der erste Aspekt betrifft die Ausprägung der Motivation:

• Amotiviertes Lernen bezeichnet Zustände ohne Lernmotivation

• Beim extrinsisch motivierten Lernen tut der Lerner das, was unmittelbar von ihm

verlangt wird, um negative Konsequenzen zu vermeiden.

• Beim introjizierten Lernen wird das äußere Bekräftigungssystem verinnerlicht. Der

Lernende lernt, „weil es sich halt für einen guten Lerner so gehört“.

• Beim identifiziert motivierten Lernen ist sich der Lernende der Bedeutung für seine

weitere Zukunft bewusst.

• Das intrinsisch motivierte Lernen erfolgt aus eigenem Antrieb, weil der Lerner den

Lerngegenstand beherrschen will.

• Das identifiziert motivierte Lernen möchte der Lerner mehr über den Lerngegenstand

erfahren.

2. Der zweite Aspekt betrifft die wahrgenommenen Rahmenbedingungen. Die Motivation ist

kein zeitlich stabiler Zustand, sondern von den wahrgenommenen Rahmenbedingungen abhängig.

Positiv sind beispielsweise zu nennen:

• die inhaltliche Relevanz

• die Unterstützung durch die Lehrenden und

• die soziale Einbindung.

Negative Beispiele sind die Überforderung und

• technische Probleme

3. Als dritter Aspekt sind die Empfindungen beim Lernen zu nennen. Wichtige Variablen sind:

• positive Empfindungen, wenn zum Beispiel das Lernen als anregend empfunden

wird;

• negative Empfindungen, wenn das Lernen beispielsweise als unangenehm empfunden

wird;

• das Empfinden von Wichtigkeit des Lernens;

• und das Flow-Erleben, ein optimaler Zustand, in dem der Lernende selbstvergessen

im Lernen aufgeht.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 6


Zum Begriff der Motivation

Motivation ist ein psychologischer Begriff zur Erklärung menschlichen Handelns und dessen Beweggründen.

Im Rahmen der pädagogischen Psychologie ist die (Lern-)motivation ein wichtiger Ansatz

zur Erklärung mehr oder weniger erfolgreichen Lernens bzw. die Motivationsförderung ein wichtiges

didaktisch-methodisches Ziel.

Die Motivation bezeichnet die Aktivierung kognitiver, emotionaler u.a. Prozesse des Lernenden, die

aus dem komplizierten Zusammenspiel zweier Faktoren entsteht:

• den Persönlichkeitsmerkmalen, Erwartungen, Wertschätzungen des Lernenden

• und den situativen Bedingungen, wie beispielsweise der Art der Tätigkeit oder der Aufgabenschwierigkeit

Zugleich kann die momentane Aktivierung stark von zeitlich überdauernden Einzelmotiven, z.B. dem

Leistungsmotiv oder dem sozialen Anschlussmotiv beeinflusst sein.


Ziel der Motivationsförderung

Es geht darum, dass der Lernende

• ein Ziel hat,

• sich anstrengt und

• ablenkungsfrei bei der Sache bleibt.

Motivation ist für das telekommunikative Lernen besonders wichtig, weil die Lerner ihre Lernprozesse

weitgehend selbstständig organisieren und sich selbst disziplinieren müssen.

Die Motivation kann andererseits besonders einfach zerstört werden, weil technische Probleme die

Teilnehmende frustrieren können. Motivationshemmend kann sich außerdem auswirken, wenn sich

die Teilnehmenden bei technischen oder inhaltlichen Problemen allein gelassen oder sich sozial isoliert

fühlen.


Trainingsaufgabe

Wie ist es eigentlich um Ihre Motivation als telekommunikativer Lerner bestellt?

• Wie motiviert nehmen Sie selbst an diesem Kurs teil?

• Welche Faktoren sind motivationsfördernd oder -hemmend gestaltet worden?

Bitte füllen Sie den Fragebogen „Meine Lernmotivation“ aus, den Sie im Anhang finden. Wir

werden - wichtig für die Auswertung und Interpretation - später darauf zurückkommen.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 7


Wichtige Motivationstheorien im Überblick

Es existieren zahlreiche Theorien zur Motivation. In der Tabelle werden wichtige Ansätze dargestellt

(ausführlich bei Rheinberg 2 ).

Theorie

Merkmal

Trieb- bzw. instinktbasierte

Theorien

Trieb- bzw. instinktbasierte Theorien erklären Verhaltensweisen auf

der Basis personengebundener Eigenschaften, insbesondere

angeborener Triebe und Instinkte.

Hier lassen sich hinsichtlich der Betrachtungsweise gegensätzliche

Positionen unterscheiden: die Beschränkung auf eine Außensicht

registrierbarer Reiz- und Reaktionsmuster im Sinne des Behaviorismus

bzw. um eine Erklärung der Verhaltensweisen bemühte Strömungen

wie beispielsweise die Freud’sche Psychoanalyse.

Theorien zum Person-

Umweltbezug

Das Verhalten stellt das Resultat des Zusammenwirkens des Individuums

mit der Umweltsituation dar.

Hier ist beispielsweise der Aptitude-Treatment-Interaction-Ansatz

(ATI) zu nennen, der sich mit der Interaktion zwischen den Merkmalen

des Lerners und des Unterrichts befasst: Danach profitieren hoch

motivierte Lerner von einem hohen Grad an Selbststeuerung beim

Lernen, schwach motivierte Lerner hingegen von einem hohen Grad

an Fremdsteuerung beim Lernen.

Theorien zur Leistungsmotivation

Ausgangspunkt dieser Theorien ist der Einsatz der eigenen Begabung

zwecks Erhöhung des Eigennutzens.

Der Einsatz des Lernenden ist unter anderem davon abhängig, ob

die Ziele für den Lernenden wichtig sind und ob er aktiv Einfluss auf

die Zielerreichung nehmen kann. Dabei können sich schwierige, aber

klare Ziele positiv auf die Motivation der Lernenden auswirken.

Bildlich gesprochen: Die Förderung der Leistungsmotivation setzt

voraus, dass die Latte hoch, aber erreichbar gelegt wird.

2 Rheinberg, F. (2002): Motivation, 4., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart: Kohlhammer [eine umfassende Übersicht

zu den zahlreichen Motivationstheorien]

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 8


Selbstbestimmungstheorie

Gemäß der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan kann das

Individuum eine Handlung als selbstbestimmt oder aufgezwungen

(entweder durch eine andere Person oder durch einen inneren

Zwang) erleben:

• Die intrinsische Motivation geht immer mit Neugier, Spontaneität

und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten

der Umwelt einher.

• Extrinsisch motivierte Handlungen werden durch eine Aufforderung

in Gang gesetzt, indem beispielsweise bei Handlungsvollzug

eine Belohnung in Aussicht gestellt wird.

Zugleich können extrinsisch motivierte Verhaltenweisen durch die

Internalisation und Integration in das Selbst zu intrinsisch motivierten

Handlungen werden. Dies erlaubt es dem Individuum, durch extrinsische

Regulationsmechanismen beeinflusste Tätigkeiten als selbstbestimmt

zu empfinden. Voraussetzung hierfür ist, dass das Individuum

die Verhaltensregeln aus der sozialen Umwelt akzeptiert und

anerkennt, d.h. in Abhängigkeit von der Akzeptanz wird das Handeln

als selbstbestimmt oder kontrolliert empfunden.

Pädagogische Interessentheorie

Im Rahmen der pädagogischen Interessentheorie 3 kann die Wirkungsweise

von Interesse vor allem zwei Komponenten beschrieben

werden:

• Interesse manifestiert sich in der Auseinandersetzung mit

einem Gegenstand. Das Individuum setzt sich ohne äußere

Veranlassung mit dem Gegenstand auseinander, wenngleich

es gelegentlich äußere Impulse (z.B. durch den Ausbildenden/Lehrenden)

geben kann.

• Die wiederholte, andauernde Auseinandersetzung mit einem

Gegenstand trägt zur Persönlichkeitsentwicklung und

Identitätsbildung einer Person bei.

Interesse kann auf der Basis nicht bewusster bzw. reflektierter Kriterien

oder bewusst auf der Basis explizit wertorientierter Zielsetzungen

(„ist wichtig für meine Zukunft“) aufgebaut werden.

Ein besonders hohes Maß an Interesse kann sich im Flow-Erleben

manifestieren. Beim Flow-Erleben geht der Handelnde in seiner Tätigkeit

völlig auf und ist dabei selbstvergessen 4 .

3 aus deutscher Sicht sind insbesondere Schiefele, Wild und Krapp zu nennen

4 ausführlich bei Csikszentmihalyi

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 9


Motivation im Kontext der Selbstbestimmungs- und Interessentheorie

Angesichts der zahlreichen Motivationstheorien es nicht verwunderlich, dass die Motivationspsychologie

bislang kein einheitliches, kohärentes Beschreibungs- und Erklärungsmodell anbieten kann.

Vor diesem Hintergrund konzentrieren sich die nachfolgenden Ausführungen zur Lernmotivation auf

die Selbstbestimmungstheorie sowie die Pädagogische Interessentheorie. Diese beiden theoretischen

Ansätze waren Grundlage des DFG-Forschungsprojektes „Selbstbestimmt motiviertes und interessiertes

Lernen in der kaufmännischen Erstausbildung“ des Teams um Prenzel. Im Rahmen des Forschungsprojektes

wurde ein theoretisch fundiertes Konzept zur Erfassung der Lernmotivation entwickelt,

das in adaptierter Form von Schröder auch zur Erfassung der Lernmotivation im Virtuellen Berufsbildungswerk

5 eingesetzt wurde.

Nachfolgend wird das theoretische Konzept und Evaluationsdesign vorgestellt, das auch telekommunikativen

Kursbetreuern unmittelbare Hilfe zur Identifizierung von kritischen motivationalen Faktoren

bzw. Verbesserungspotenzialen bietet.

• Die Ausprägung der Motivation lässt sich anhand von sechs Motivationsarten fein gerastert

darstellen.

• Die von den Auszubildenden wahrgenommenen Rahmenbedingungen umfassen auch für

das telekommunikative Lernen wesentliche Aspekte (z.B. technische Infrastruktur).

Mögliche Ausprägungsformen der Lernmotivation

Die sechs in der folgenden Abbildung dargestellten Motivationsarten beschreiben Zustände, die das

Lernen begleiten bzw. dem Lernen vorangehen. Die Ausprägung der Motivation steigt – gegen den

Uhrzeigersinn gelesen – vom amotivierten bis hin zum interessiert motivierten Lernen.

Selbstbestimmung

hohe

identifiziert

intrinsisch

interessiert

introjiziert

extrinsisch

keine

amotiviert

keine

hohe

Inhalts-/

Tätigkeitsanreize

Wichtig: die hier dargestellten Motivationsarten schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Moti-

vation des Lernenden ergibt sich vielmehr aus der Ausprägung der einzelnen Motivationsarten.

5 In den Berufsbildungswerken Neckargemünd und Hannover absolvieren schwerstkörperbehinderte Menschen

via Telelearning und Telearbeit die Ausbildung zum/zur Bürokaufmann/-frau vollständig virtuell von zu Hause aus.

Informationen insbesondere zur Erhebung der Motivation finden Sie unter www.Rudolf-Schroeder.de.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 10


Lernart Merkmal Statement: „Beim Lernen…“

Amotiviertes Lernen

Extrinsisch motiviertes

Lernen

Introjiziert motiviertes

Lernen

Identifiziert motiviertes

Lernen

Zustände ohne gerichtete Lernmotivation,

d.h. das Verhalten ist nicht auf eine Intention

zurückzuführen und durch gleichgültige

bis apathische, chaotische oder hilflose

Zustände des Lernenden gekennzeichnet.

Amotivierte Verhaltensweisen

können aber auch einem unkontrollierten

Handlungsimpuls, wie beispielsweise bei

einem Wutanfall, entspringen.

Der Lernende lernt nur, um eine Belohnung

zu erlangen oder einer drohenden

Strafe zu entgehen. Das Individuum lokalisiert

die Ursache seines Handelns außerhalb

seines Selbst, d.h. lernt nur aufgrund

des äußeren Drucks und demzufolge

fremdbestimmt.

Der Lernende hat das äußere Bekräftigungssystem

verinnerlicht, d.h. lernt aufgrund

von inneren Anstößen oder innerem

Druck. Der Lernende lernt, um ein

schlechtes Gewissen zu vermeiden oder

weil „es sich so gehört“. Das Verhalten

wird zwar durch innere Kräfte kontrolliert,

die Handlungsursache ist jedoch nicht in

seinem individuellen Selbst lokalisiert.

Demzufolge kann bei einer introjiziert

motivierten Handlung noch nicht von einer

selbstbestimmten Handlung gesprochen

werden.

Das Lernen ist dadurch gekennzeichnet,

dass der Lernende die Inhalte und Tätigkeiten

als persönlich wichtig bewertet,

evtl. aber zugleich auch als wenig reizvoll

bzw. als belastend empfindet. Der Lernende

lernt, um über das Lernen eigene

Ziele zu erreichen.

• …versuchte ich mich zu

drücken

• …war ich mit den Gedanken

woanders

• …war mir alles egal

• …habe ich nur das getan/gelernt,

was ausdrücklich

von mir verlangt wurde

• …habe ich mich nur angestrengt,

damit ich keinen

Ärger bekomme

• …hätte ich ohne Druck von

außen nichts getan

• …versuchte ich alles so zu

erledigen, wie es von mir

verlangt wurde

• …habe ich mich angestrengt,

wie sich das für einen

fleißigen Lerner gehört

• …habe ich mich selbst unter

Druck gesetzt, um alles

möglichst richtig/gut zu machen

• …war mir klar, dass ich das

für mein späteres Leben

können muss

• …habe ich mich eingesetzt,

um meinen eigenen Zielen

ein Stück näher zu kommen

• …habe ich mich eingesetzt,

um später einen guten Job

zu bekommen

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 11


Lernart Merkmal Statement: „Beim Lernen…“

Intrinsisch motiviertes

Lernen

Interessiert motiviertes

Lernen

Das Lernen ist unabhängig von externen

Einflüssen und damit selbstbestimmt.

Diese Motivationsart ist geprägt von Empfindungen

wie Neugier, Exploration und

Spontaneität. Der Lernende ist ohne Anstöße

von außen und ist bestrebt, eine

Sache voll und ganz zu beherrschen.

Es handelt sich um eine Steigerung der

intrinsischen Motivation. Neben den Anreizen

aus dem Gegenstand motiviert die

subjektive und allgemeine Bedeutung des

Gegenstands die Person zur Auseinandersetzung.

Der Lernende möchte über

die aktuelle Situation hinaus mehr über

den Gegenstand erfahren.

• …wollte ich selbst den Stoff

beherrschen/verstehen

• …machte das Lernen/Arbeiten

richtig Spaß

• …war ich neugierig/wissbegierig

• …hat mich die Sache so

fasziniert, dass ich mich voll

eingesetzt habe

• …befasste ich mich mit anregenden

Problemen, über

die ich mehr erfahren will

• …stieß ich auf anregende

Themen, über die ich mit

anderen sprechen will

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 12


Motivationale Rahmenbedingungen

Die dargestellten Motivationsarten beschreiben Zustände, die das Lernen begleiten bzw. dem Lernen

vorangehen. Sie beschreiben aber keine zeitlich überdauernden motivationalen Orientierungen. Somit

stellt sich die Frage, wie die Wahrnehmung der positiven und negativen Lernbedingungen die Lernmotivation

beeinflusst.

Wahrgenommene motivationale Rahmenbedingungen

Positive Rahmenbedingungen

Statements: „Beim Lernen…“

Negative Rahmenbedingungen

Inhaltliche Relevanz

z.B. Anwendungsbezug,

Realitätsnähe

• …wurde z.B. anhand

von Beispielen

und Problemen aufgezeigt,

wie wichtig

der Stoff ist

• …wurde z.B. anhand

von Beispielen

und Problemen der

Praxisbezug hergestellt

• …wurde der Stoff

anhand von praxisnahen

Aufgaben

erarbeitet

• …ging mir alles zu

schnell

• …war der Stoff zuviel

• …wusste ich nicht

mehr, wo ich mit der

Arbeit anfangen

sollte

• …konnte ich die

Arbeitsaufträge

nicht termingerecht

erledigen

Überforderung

z.B. zu schnelle Vorgehensweise,

zu viel

Lernstoff

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 13


Positive Rahmenbedingungen

Statements: „Beim Lernen…“

Negative Rahmenbedingungen

Interesse der Lehrenden

z.B. Ausdrücken von

Empfindungen, Engagement

der Lehrenden

• …haben meine

Lehrer / Ausbilder

gezeigt, dass ihnen

die Arbeit Freude

macht

• …haben die Lehrenden

/ Ausbildenden

zum Ausdruck

gebracht, dass ihnen

die Inhalte persönlich

wichtig sind

• …hatte ich mit einer

zu langsamen

Technik zu kämpfen

• …funktionierte die

Technik nicht

• …habe ich Unterstützung

bei technischen

Problemen

bzw. Fragen vermisst

Technische Probleme

z.B. langsamer Seitenaufbau,

technische

Störungen, fehlender

technischer Support

• …war meinen Lehrenden

/ Ausbildenden

anzumerken,

dass sie sich gerne

mit der Sache beschäftigen

• …hat mich die Begeisterung

der Lehrenden

/ Ausbildenden

angesteckt

Soziale Einbindung

z.B. kollegialer Umgang,

Empathie, kooperatives

Arbeiten,

freundliche Lernatmosphäre

• …habe ich mit den

anderen Lernenden

zusammengearbeitet

• …fühlte ich mich

von den Lehrenden

bzw. Ausbildenden

unterstützt

• …hatte ich den Eindruck,

ernst genommen

zu werden

• …fühlte ich mich in

die Lerngruppe integriert

• …standen nicht

ausreichend Lern-/

Arbeitsmaterialien

zur Verfügung

• …empfand ich die

Arbeit mit den Lern-

/ Arbeitsmaterialien

als eintönig

• …empfand ich die

Lern-/ Arbeitsmaterialien

als zu theoretisch

Probleme mit Contents

(= Lernmaterialien)

z.B. langweilige Lernmaterialien,

zu wenig

Lernmaterialien, nicht

zielgruppengerechte

inhaltliche Aufbereitung

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 14


Positive Rahmenbedingungen

Statements: „Beim Lernen…“

Negative Rahmenbedingungen

Kompetenzunterstützung

z.B. informierendes

Feedback, individuelle

Bezugsnorm

• …fanden meine

Leistungen Beachtung

• …wurde mir mitgeteilt,

wie ich die gestellten

Anforderungen

erfülle

• …wurde mir sachlich

mitgeteilt, was

noch zu verbessern

ist

• …wurden mir Tipps

gegeben, wie ich

meine Defizite aufarbeiten

kann

• …wurde mir bei

Fragen und Problemen

weitergeholfen

Autonomieunterstützung

z.B. Unterstützung

hinsichtlich eines

selbstständigen Lernens

• …wurde ich ermuntert,

selbstständig

vorzugehen

• …wurden mir Hilfsmittel

zur Unterstützung

eines selbstständigen

Lernens /

Arbeitens an die

Hand gegeben

• …wurden mir bei

Problemen Lösungshinweise

gegeben

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 15


Positive Rahmenbedingungen

Statements: „Beim Lernen…“

Negative Rahmenbedingungen

Nachvollziehbare

Vorgehensweise (Instruktionsqualität)

z.B. gezieltes Situieren,

klare Strukturen,

Verständlichkeit

• …wurde ich über

die Lernziele informiert

• …habe ich einen

Überblick über die

gesamte Vorgehensweise

erhalten

• …waren die Darstellungen

und Erklärungen

klar und

verständlich

• …standen ausreichend

Hilfsmittel zur

Verfügung


Es wird davon ausgegangen, dass hohe Ausprägungen dieser motivationsfördernden Bedingungen

das identifiziert, intrinsisch und interessiert motivierte Lernen unterstützen. Umgekehrt

wird ein amotiviert oder extrinsisch motiviertes Lernverhalten erwartet, wenn die

Lernenden keine entsprechenden Bedingungen vorfinden.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 16


Empfindungen beim Arbeiten und Lernen

Neben den Motivationsarten und Rahmenbedingungen und Rahmenbedingungen können auch die

Empfindungen beim Lernen erfasst werden.

Empfinden Merkmal Statements

Emotional

positives

Empfinden

Emotional

negatives

Empfinden

Empfinden

von Wichtigkeit

Flow-Erleben

Beim emotional positiven Empfinden wird das

Lernen als reizvoll, anregend, angenehm usw.

empfunden.

Beim emotional negativen Empfinden wird das

Lernen beispielsweise als unangenehm, frustrierend

oder langweilig empfunden.

Beim Empfinden von Wichtigkeit nimmt der

Lernende das Lernen als bedeutsam beispielsweise

für Prüfungen oder sein späteres

Leben wahr.

Das Flow-Erleben bezeichnet das Verschmelzen

von Handlung und Bewusstsein, d.h. der

Handelnde geht in seiner Tätigkeit völlig auf

und ist dabei selbstvergessen.

• reizvoll

• anregend

• spannend

• herausfordernd

• faszinierend

• interessant

• unangenehm

• frustrierend

• langweilig

• anstrengend

• schwierig

• belastend

• wichtig für die Prüfung

• wichtig für meinen späteren

Beruf bzw. späteres

Studium

• wichtig für mich persönlich

/ mein zukünftiges Leben

• verging die Zeit wie im

Flug

• habe ich meine Sorgen

vergessen

• schien alles wie von selbst

zu laufen


Die Empfindungen stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zu den Motivationsarten und

Rahmenbedingungen:

• Einerseits ist davon auszugehen, dass das emotional positive Empfinden, das Empfinden von

Wichtigkeit und das Flow-Erleben sich positiv auf die Motivation und die wahrgenommen

Rahmenbedingungen auswirken.

• Umgekehrt ist zu erwarten, dass sich eine hohe Motivation und eine als positive Wahrnehmung

sich förderlich auf die genannten Empfindungen auswirken.

PS: In der Qualifizierungseinheit „Telekommunikative Lernprozesse asynchron unterstützen“ finden

Sie Hinweise, um die Selbstmotivation der Lernenden zu fördern.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 17


Durchführung, Auswertung und Interpretation der Erhebung

Nun erfahren Sie, wie man sich die theoretischen Grundlagen zur Erfassung der Lernmotivation in

eigenen Kursen nutzen kann.

Fragebogen gestalten

Die Motivation der Lernenden wird durch die Befragung derselben erhoben. Wenn Sie Trainingsaufgabe

zum Beginn dieses Kapitels (Erfassung Ihrer eigenen Lernmotivation) bearbeitet haben, ahnen

Sie vermutlich schon, wie der Fragebogen konstruiert wird:

Die Motivation der Lernenden wird durch die Befragung derselben erhoben. Wenn Sie die Trainingsaufgabe

zum Beginn dieses Qualifizierungsbausteins (Erfassung Ihrer eigenen Lernmotivation)

bearbeitet haben, ahnen Sie vermutlich schon, wie der Fragebogen konstruiert wird:

• Die Statements (statistisch kann man auch von Items 6 sprechen) können auf einer Skala von „0

– nie“ bis „5 – sehr oft“ in Schritten von einem Zähler beurteilt werden.

• Die Statements sind unsortiert anzuordnen

• Sollte der Fragebogen in dem gleichen Kurs mehrfach eingesetzt werden (um die Entwicklung

der Motivation im Zeitverlauf identifizieren zu können), sind die Statements erneut umzusortieren.

Fragebogen auswerten

Hinsichtlich der statistischen Auswertung ist folgendes zu beachten:

• Hinsichtlich der statistischen Auswertung reicht zumeist der Mittelwert (= Durchschnittswert)

aus. Gegebenenfalls kann noch die Standardabweichung berechnet werden, die angibt, wie

weit die einzelnen Werte im Durchschnitt vom Mittelwert abweichen.

• Die Mittelwerte und ggf. Standardabweichungen sind im ersten Schritt zu den einzelnen Items

zu ermittelt. Im zweiten Schritt bietet sich eine weitere Zusammenfassung der Mittelwerte entsprechend

der Konstrukte an, um beispielsweise den Mittelwert zum amotivierten Lernen oder

zur wahrgenommen sozialen Einbindung zu ermitteln.

Die Auswertung kann mit der Hilfe von Microsoft Excel vorgenommen werden, das zahlreiche statistische

Funktionen bereitstellt.

Weitere Auswertungsmöglichkeiten

Darüber hinaus sind weitere statistische Berechnungen möglich, z.B.:

• Die Korrelation beschreibt Zusammenhänge (nicht aber Abhängigkeiten) zwischen zwei Variablen,

z.B. ob ein Anstieg der Population von Störchen mit einem Geburtenanstieg der Menschen

einhergeht. Insbesondere bietet sich an, die Korrelation zwischen den motivationalen

Rahmenbedingungen und Motivationsarten zu berechnen.

• Der Signifikanztest dient zum Vergleich von Mittelwerten verschiedener Stichproben (z.B.

Motivationsergebnisse mehrerer Kurse). Dabei soll die Frage geklärt werden, ob sich die auftretenden

Mittelwertunterschiede mit zufälligen Schwankungen erklären lassen oder nicht.

Diese Tests erfordern ein nicht unbeträchtliches statistisches Know-how (betrifft insbesondere die

Wahl des korrekten statistischen Auswertungsverfahrens) und die Verwendung einer speziellen Statistiksoftware

wie beispielsweise SPSS (http://www.spss.com).

6 Der Begriff „Item“ bezeichnet eine Frage oder Statement in einem Fragebogen.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 18


Abbildung: Auswertung des Fragebogens mittels Microsoft Excel

Damit ist aber noch nicht die Frage geklärt, wie die Mittelwerte zu interpretieren sind.

Bei welchen der folgenden Konstrukte sind hohe Mittelwerte positiv zu beurteilen?

Interessiert motiviertes Lernen

Das interessiert motivierte Lernen stellt die höchste Motivationsstufe

dar und ist positiv zu bewerten.

Identifiziert motiviertes Lernen

Flow-Erleben

Die Lernenden sind sich der Bedeutung des Lerninhalts

bewusst. Das ist ein wichtige Voraussetzung für den Lernerfolg

und ein hoher Durchschnitte positiv zu bewerten

Kompetenzunterstützung

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 19


Fallstudienbearbeitung: Einsatz der Erhebungsverfahren

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

Münsterberg:

Dietz:

„Hallo, Herr Münsterberg. Was machen Ihre virtuellen Umschüler?“

„Die methodischen Maßnahmen scheinen zu greifen. Die Teilnehmenden kommunizieren

intensiver miteinander. Auch habe ich das Gefühl, dass sich die Motivation

deutlich verbessert hat.“

„Die Motivation ist in der Tat sehr wichtig, weil die Teilnehmenden viel selbstständiger

als in der Präsenzausbildung arbeiten müssen. Nur: ‚Ein Gefühl’, das ist mir etwas

allgemein.“

„Da haben Sie Recht. Aber die zahlreichen und teilweise widersprüchlichen Theorien

zur Lernmotivation machen es mir nicht gerade einfacher, die Motivation meiner

Teilnehmenden und deren Ursachen zu erfassen und als Folge präzise auszudrücken.

Ich suche auch derzeit nach einem Erhebungsverfahren, das für Praktiker

anwendbar ist.“

„Da kann ich Ihnen helfen. Vor einigen Jahren gab es ein DFG-Projekt mit dem Titel

‚Selbstbestimmt motiviertes und interessiert motiviertes Lernen in der beruflichen

Ausbildung’.“

„DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft? Die fördern doch eher Grundlagenforschung.

„Ich kann Ihre Bedenken verstehen. Aber glauben Sie mir: In dem besagten Projekt

ist ein Erhebungsverfahren entwickelt worden, das es auch Ihnen als Nicht-

Wissenschaftler erlaubt, die Motivation Ihrer Teilnehmer und deren Wahrnehmung

der motivationalen Rahmenbedingungen zu erfassen.“

„Interessant. Da frage ich doch gleich mal nach: wie funktioniert denn die Erhebung?“

„Nun, die Teilnehmenden beurteilen Statements auf einer Skala von 0=nie bis

5=sehr häufig. So können Sie zunächst einmal erfassen, wie stark welche motivationalen

Zustände bei den Teilnehmern ausgeprägt sind.“

„Können Sie das bitte näher erläutern?“

„Die diversen Statements können sechs Motivationsarten vom amotivierten bis hin

zum interessiert motivierten Lernen zugeordnet werden. Beispielsweise lautet eine

Statement zum amotivierten Lernen: ‚Beim Lernen war mir alles egal’.“

„Ich verstehe: ich muss nur die Durchschnittswerte berechnen, um die Ausprägung

der Motivation beschreiben zu können.“

„So ist es, das reicht zumeist für den Hausgebrauch. Sie können aber auch diverse

andere statistische Berechnungen vornehmen.“

„Na ja, Mittelwert und Standardabweichung sollten mir einstweilen reichen. Was ist

denn mit den Rahmenbedingungen?“

„Da gibt es weitere Statements, um zum Beispiel zu erfassen, ob sich die Auszubildenden

sozial isoliert oder von den Lehrkräften gut unterstützt fühlen. Und natürlich

auch Statements zu technischen Problemen, um einige Beispiele genannt zu haben.“

„Lassen Sie mich raten: in den unendlichen Weiten Ihrer Festplatte findet sich bestimmt

ein entsprechender Fragebogen.“

„So ist es. Und eine vorbereitete Excel-Tabelle zur Auswertung gibt es auch.“

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 20


Nun können Sie die Ergebnisse zur Erhebung der Lernmotivation interpretieren:

• Herr Münsterberg hat in seinem Kurs in den letzten drei Monaten jeweils einmal monatlich

die Erhebung durchgeführt und die Ergebnisse grafisch aufbereitet (s.u.). Die Interpretation

der Ergebnisse bereitet im allerdings Probleme. Bitte helfen Sie Herrn Münsterberg!

Ausprägungen der Motivation

5

4

1. Erhebung

2. Erhebung

3. Erhebung

3

2

1

0

amotiviert

extrinsisch

introjiziert

identifiziert

intrinsisch

interessiert

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 21


Wahrgenommene Rahmenbedingungen

positiv

negativ

5

4

5

4

1. Erhebung

2. Erhebung

3. Erhebung

Mittelwerte

3

2

3

2

1

1

0

Autonomieunterstützung

Kompetenzunterstützung

Soziale

Einbindung

Interesse der

Ausbildenden

Nachvollziehbare

Vorgehensweise

Inhaltliche

Relevanz

0

Probleme mit

Contents

Technische

Probleme

Überforderung

Empfindungen beim Lernen

5

4

1. Erhebung

2. Erhebung

3. Erhebung

Mittelwerte

3

2

1

0

Wichtigkeit

Flow-Erleben

Emotional

positiv

Emotional

negativ

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 22


• Werfen Sie nun einen Blick auf Ihren selbst ausgefüllten Fragebogen: Wie motiviert nehmen

Sie an diesem Kurs teil? Wo sehen Sie motivationsgefährende Rahmenbedingungen? Die

Ergebnisse sollten Sie bitte mit Ihrem MasterCoach diskutieren. Sie können auch Ihren Fragebogen

an den MasterCoach senden, der dann die Auswertung für den gesamten Kurs ü-

bernimmt. Die Ergebnisse sollten Sie unbedingt diskutieren.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 23


Zusammenfassung

Lernmotivation

Bedeutung für

telekommunikatives

Lernen

2. Motivationstheorien

Trieb- bzw.

instinktbasierte

Theorien

Theorien zur

Leistungsmotivation

Selbstbestimmungstheorie

Pädagogische

Interessentheorie

Theorien

zum Person-

Umwelt-Bezug

Motivation beschreiben

und erfassen

Motivationsausprägung

Motivationale

Rahmenbedingungen

Empfindungen

beim Lernen

Thema dieses Qualifizierungsbausteins war die Lernmotivation

Zunächst wurde die Bedeutung der Motivation für das telekommunikative Lernen erarbeitet, danach

wichtige Motivationstheorien vorgestellt:

• Trieb- bzw. instinktbasierte Theorien

• die Selbstbestimmungstheorie

• die pädagogische Interessentheorie

• Theorien zur Person-Umwelt-Bezug

• Theorien zur Leistungsmotivation

Im Hinblick auf die Beschreibung und Erfassung der Lernmotivation erfolgte eine Konzentration auf

die Selbstbestimmungs- und Interessentheorie. Auf der Basis dieser beiden Theorien wurden mögliche

Ausprägungen der Lernmotivation dargestellt. Darüber hinaus wurde dargestellt, wie neben der

Motivationsausprägung

• die motivationalen Rahmenbedingungen

• und die Empfindungen beim Lernen erfasst werden können.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 24


Wissenstest

Welche der folgenden Aussagen zu den verschiedenen Motivationstheorien sind korrekt?

Der ATI-Ansatz stellt eine instinktbasierte Motivationstheorie dar, d.h. versucht menschliches

Handeln auf der Basis von Instinkten und Trieben zu erklären.

Theorien zur Leistungsmotivation gehen davon aus, dass die Motivation davon abhängig ist,

wie wichtig das Individuum das mit der Handlung verbundene Ziel für sich selbst einschätzt.

Gemäß der Interessentheorie bestimmt das Interesse einer Person an einem Gegenstand,

das sich in der wiederholten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand manifestiert, die Motivation.

Gemäß der Selbstbestimmungstheorie können extern bestimmte Handlungen internalisiert,

d.h. als selbstbestimmt empfunden werden, wenn das Individuum die Verhaltensregeln akzeptiert.

Welche der folgenden Motivationsarten sind korrekt beschrieben?

Amotivierte Zustände sind durch apathische bis cholerische Verhaltensweisen gekennzeichnet.

Die interessierte Motivation stellt eine Steigerung der intrinsischen Motivation dar.

Beim identifiziert motivierten Lernen hat der Lernende die extern aufgestellten Verhaltensregeln

verinnerlicht.

Beim introjiziert motivierten Lernen strengt sich der Lernende mit Blick auf ein zu erreichendes

Ziel an.

Intrinsisch motiviertes Lernen erfolgt aus eigenem Antrieb mit dem Ziel, den Lerngegenstand

zu beherrschen.

Welche der folgenden Items beschreiben das introjiziert motivierte Lernen?

„Beim Lernen hat mich die Sache so fasziniert, dass ich mich voll eingesetzt habe.“

„Beim Lernen versuchte ich alles so zu erledigen, wie es von mir verlangt wurde.“

„Beim Lernen habe ich mich eingesetzt, um meinen eigenen Zielen ein Stück näher zu kommen.“

„Beim Lernen habe ich mich angestrengt, wie sich das für einen fleißigen Lerner gehört.“

„Beim Lernen befasste ich mich mit anregenden Problemen, über die ich mehr erfahren will.“

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 25


Welche der folgenden Items beschreiben das identifiziert motivierte Lernen?

„Beim Lernen war mir klar, dass ich das für mein späteres Leben können muss.“

„Beim Lernen hätte ich ohne Druck von außen nichts getan.“

„Beim Lernen habe ich mich eingesetzt, um später einen guten Job zu bekommen.“

„Beim Lernen habe ich mich eingesetzt, um meinen eigenen Zielen ein Stück näher zu kommen.“

„Beim Lernen war ich neugierig/wissbegierig.“

Welche der folgenden Items beschreiben das interessiert motivierte Lernen?

„Beim Lernen hat mich die Sache so fasziniert, dass ich mich voll eingesetzt habe.“

„Beim Lernen wollte ich selbst den Stoff beherrschen/verstehen.“

„Beim Lernen habe ich mich angestrengt, wie sich das für einen fleißigen Lerner gehört.“

„Beim Lernen befasste ich mich mit anregenden Problemen, über die ich mehr erfahren will.“

„Beim Lernen stieß ich auf anregende Themen, über die ich mit anderen sprechen will.“

Welche der folgenden Aussagen zu den motivationalen Rahmenbedingungen und Empfindungen

beim Lernen sind korrekt?

Lernmotivation stellt keinen zeitlich stabilen Zustand dar, sondern wird maßgeblich von den

wahrgenommenen Rahmenbedingungen beeinflusst.

Eine positive Wahrnehmung der motivationsfördernden Bedingungen unterstützt das identifiziert,

intrinsisch und interessiert motivierte Lernen.

Wenn die Lernenden keine positiven Rahmenbedingungen vorfinden, ist ein amotiviertes oder

introjiziert motiviertes Lernen zu erwarten.

Positive Empfinden beim Lernen stellen das Resultat positiv wahrgenommener Rahmenbedingungen

dar.

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 26


Interaktionsfragen

• Inwieweit stellt Motivation einen zeitlich überdauernden Zustand dar bzw. kann sich kurzfristig

ändern?

• Stellen Sie die Relevanz der Motivationstheorien für das telekommunikative Lernen heraus.

• Welche weiteren Informationen kann man bei entsprechender statistischer Auswertung gewinnen?

(Anm.: Frage ist nur relevant, wenn Sie über Erfahrung mit empirischen Erhebungen verfügen)

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 27


Literaturhinweise

Csikszentmihalyi, M. (1985): Das Flow-Erlebnis: Jenseits von Angst und Langeweile: Im Tun aufgehen,

Stuttgart: Klett-Cotta

Deci, E. L.; Ryan, R. M. (1985): Intrinsic motivation and self-determination in human behavior, 1. Aufl.,

New York: Plenum Press

Deci, E. L.; Ryan, R. M. (1993): Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation, in: Zeitschrift für Pädagogik,

39. Jg. Nr. 2, S. 223-238

Krapp, A. (1992): Das Interessenkonstrukt: Bestimmungsmerkmale der Interessenhandlung und des

individuellen Interesses aus der Sicht einer Person-Gegenstands-Konzeption, in: Krapp, A.; Prenzel,

M. (Hrsg.): Interesse, Lernen, Leistung: Neuere Ansätze der pädagogisch-psychologischen Interessenforschung,

Münster: Aschendorff, S. 297-329

Schiefele, H. (1986): Interesse – Neue Antworten auf ein altes Problem, in: Zeitschrift für Pädagogik,

Heft 2/1986, S. 153-162

Schiefele, U.; Wild, K.-P. (Hrsg.) (2000): Interesse und Lernmotivation, Untersuchungen zur Entwicklung,

Förderung und Wirkung, Münster: Waxmann

Prenzel, M.; Krapp, A.; Schiefele, H. (1986): Grundzüge der pädagogischen Interessentheorie, in:

Zeitschrift für Pädagogik, Heft 2/1986, S. 163-173

Prenzel, M.; Kristen, A.; Dengler, P.; Ettle, R.; Beer, T. (1996): Selbstbestimmt motiviertes und interessiertes

Lernen in der kaufmännischen Erstausbildung, in: Beiheft 13 zur Zeitschrift für Berufs- und

Wirtschaftspädagogik, S. 108-127

Rheinberg, F. (2002): Motivation, 4., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart: Kohlhammer [eine umfassende

Übersicht zu den zahlreichen Motivationstheorien]

Schröder, R. (2004): Abschlussbericht zum Modellprojekt „Aufbau eines virtuellen Berufsbildungswerkes

zur Erstausbildung von schwerstkörperbehinderten Menschen“ (erscheint Ende 2004)

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 28


Anhang

Fragebogen „Meine Lernmotivation“


Wie ist es eigentlich um Ihre Motivation als telekommunikativer Lerner bestellt?

• Wie motiviert nehmen Sie an diesem Kurs teil?

• Was empfinden Sie beim Lernen?

• Welche Faktoren sind motivationsfördernd oder -hemmend gestaltet worden?

Bitte füllen Sie die den folgenden Fragenbogen aus. Bitte geben Sie an, wie oft die Aussagen auf Ihre

Teilnahme an diesem Kurs zutreffen. Bitte kreuzen Sie hierzu auf der Skala von „0 = nie“ bis „5 = sehr

oft“ jeweils nur eine Zahl an.

nie

sehr oft

Beim Lernen/Arbeiten ... 0 1 2 3 4 5

... habe ich mit den anderen Teilnehmenden zusammengearbeitet

...hat mich die Begeisterung der Teilnehmenden angesteckt

...fühlte ich mich von den MasterCoaches unterstützt

...haben meine MasterCoaches gezeigt, dass ihnen die Arbeit Freude

macht

...hatte ich den Eindruck, ernst genommen zu werden

...fühlte ich mich in die Lerngruppe integriert

...wurde ich über die Lernziele (= das, was ich können soll) informiert

...waren die Darstellungen und Erklärungen klar und verständlich

...standen ausreichend Hilfsmittel zur Verfügung (z.B. weiterführende

Hinweise usw.)

...wurde z.B. anhand von Beispielen und Problemen aufgezeigt, wie

wichtig der Stoff ist

...wollte ich selbst den Stoff beherrschen/verstehen

...wurde z.B. anhand von Beispielen und Problemen der Praxisbezug

hergestellt

...habe ich einen Überblick über die gesamte Vorgehensweise erhalten

...wurde der Stoff anhand von praxisnahen Aufgaben erarbeitet

...haben die Ausbildenden zum Ausdruck gebracht, dass ihnen die Inhalte

persönlich wichtig sind

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 29


nie

sehr oft

Beim Lernen/Arbeiten ... 0 1 2 3 4 5

…war meinen Ausbildern anzumerken, dass sie sich gerne mit der Sache

beschäftigen

...wurde mir bei Fragen und Problemen weitergeholfen

...konnte ich die Arbeitsaufträge nicht termingerecht erledigen

...hatte ich Spaß

...war ich neugierig/wissbegierig

...war der Stoff zuviel

...wurden mir bei Problemen Lösungshinweise gegeben

... stieß ich auf anregende Themen, über die ich mit anderen sprechen

will

...wurden mir Tipps gegeben, wie ich meine Defizite aufarbeiten kann

...wusste ich nicht mehr, wo ich mit der Arbeit anfangen sollte

…habe ich mich eingesetzt, um später einen guten

Job zu bekommen

...verging die Zeit wie im Flug

...empfand ich die Arbeit mit den Lern-/Arbeitsmaterialien als eintönig

...befasste ich mich mit anregenden Problemen, über die ich mehr erfahren

will

...wurde ich ermuntert, selbstständig vorzugehen

...empfand ich die Lern-/Arbeitsmaterialien als zu theoretisch

...war ich mit den Gedanken woanders

...habe ich mich nur angestrengt, damit ich keinen Ärger bekomme

...habe ich meine Sorgen vergessen

...habe ich mich angestrengt, wie sich das für einen fleißigen Auszubildenden

gehört

...wurden mir Hilfsmittel zur Unterstützung eines selbstständigen Arbeitens

an die Hand gegeben (Arbeitsanleitungen, Hinweise auf weiterführende

Informationen usw.)

...schien alles wie von selbst zu laufen

...versuchte ich mich zu drücken

...war mir alles egal

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 30


nie

sehr oft

Beim Lernen/Arbeiten ... 0 1 2 3 4 5

...habe ich nur das getan/gelernt, was ausdrücklich von mir verlangt wurde

...hätte ich ohne Druck von außen nichts getan

...versuchte ich, alles so zu erledigen, wie es von mir verlangt wurde

...habe ich mich selbst unter Druck gesetzt, um alles möglichst richtig/gut

zu machen

...funktionierte die Technik nicht

...habe ich Unterstützung bei technischen Problemen bzw. Fragen vermisst

…fanden meine Leistungen Beachtung

...wurde mir mitgeteilt, wie ich die gestellten Anforderungen erfülle

...wurde mir sachlich mitgeteilt, was noch zu verbessern ist

...standen nicht ausreichend Lern-/Arbeitsmaterialien zur Verfügung (zugekaufte

Materialien, von den Ausbildenden erstellte Materialien, weiterführende

Links)

...war mir klar, dass ich das für mein späteres Leben können muss

...ging mir alles zu schnell

…habe ich mich eingesetzt, um meinen eigenen

Zielen ein Stück näher zu kommen

...hatte ich mit einer zu langsamen Technik zu kämpfen (z.B. langsamer

Computer, langsames Internet, langsames DLS)

…hat mich die Sache so fasziniert, dass ich mich voll eingesetzt habe

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 31


nie

sehr oft

Das Lernen/Arbeiten empfand ich als ... 0 1 2 3 4 5

...reizvoll

…unangenehm

...wichtig für mich persönlich/mein zukünftiges Leben

...anstrengend

...anregend

...spannend

...wichtig für die Prüfung

...herausfordernd

…langweilig

...faszinierend

...wichtig für meinen späteren Beruf

...belastend

...interessant

...frustrierend

...schwierig

tcte01q02-5 Motivation und telekommunikatives Lernen Seite 32

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