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downloads.dcms.kirchenserver.org

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pdfMI02S01E 03.02.2006 13:30 Uhr Seite 1

Feb./März 2/06 www.missio-muenchen.de

>> Angola: Straßenkinder –

der Asphalt ist ihr Zuhause

>> Afghanistan: Unterwegs

mit deutschen Soldaten

am Hindukusch

MENSCHEN, KIRCHE, KONTINENTEmagazin


pdfMI02S02D 02.02.2006 14:35 Uhr Seite 2

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Liebe Leserin, lieber Leser,

>> Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Diese Fußballerweisheit, nach der

aller Trainingseifer sich im konkreten Spiel bewähren muss, gilt für viele

Lebensbereiche. Nicht anders ging es uns, als wir uns an die erste Ausgabe

unseres missio magazins gemacht haben. Wir haben uns gründlich vorbereitet

und gerechnet. Dennoch gab es bei allen Beteiligten ein Kribbeln im

Bauch. Wie wird die Resonanz sein?

Insgesamt können wir sehr zufrieden sein. Natürlich gibt es auch kritische

Stimmen. Passen die Werbeanzeigen in ein Missionsmagazin? Wir meinen,

mit der Auswahl leben zu können. Und schließlich dient das nicht

unerheblich der Refinanzierung. – Ist das Papier nicht zu aufwändig? Uns

ging es darum, gerade die Bilder in guter Qualität zu bieten. Wir verwenden

dafür weiter umweltfreundliches Papier. – Manche haben das missio

magazin mit einem kostspieligen Spendenbrief verwechselt. Es ist und

bleibt unsere Mitgliederzeitschrift, mit der wir dem satzungsmäßigen

Auftrag nachkommen „über Ziele, Aufgaben und Tätigkeiten auf dem

Gebiet der katholischen Mission in den deutschen Diözesen“ zu informieren.

Dies geschieht übrigens bereits seit 1832, als erstmals die „Annalen

zur Verbreitung des Glaubens“ erschienen. Damals berichteten deutsche

Missionare hautnah über ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Heute sind es

unsere Redakteurinnen, die authentisch berichten, wie der Glaube in der

weiten Welt gelebt wird und sich entfaltet. In dieser Ausgabe können Sie

beispielsweise mit einem Militärseelsorger in Afghanistan unterwegs sein

oder lesen, was eine junge Architektin aus Bangladesch unter Zuhause versteht,

und erfahren, wie indische Christen im Tanz die Botschaft der

Evangelien verlebendigen.

Wichtig ist es uns, mit den Berichten und Themen eine Brücke zu uns zu

schlagen. Indem ich Anderes oder Neues an mich heranlasse, gewinnt

mein eigener Glaube neue Horizonte. Dass Sie durch die Lektüre des missio

magazins diese Erfahrung machen, wünsche ich Ihnen!

Herzlichst, Ihr

geeignet und sollten nur von einem spezialisier

Pater Eric Englert

Titelfoto: Fritz Stark

TITEL 2/2006

Vier angolanische

Straßenjungen beobachten

unseren Fotografen

Fritz Stark im November

2005 durch einen Zaun

hindurch bei seiner

Arbeit. Er hält die Szene

fest – aus den Augen

der Kinder sprechen

Angst und Feindseligkeit.

02 03


pdfMI02S04D 02.02.2006 14:43 Uhr Seite 4

inhalt 2/2006

34

36 18 08

36 AFGHANISTAN

06/07 BLICKFANG

Die fröhlichen,

Spiel mit Steinen: Schüler aus

leuchtenden Farben

Kathmandu schießen

auf den Märkten in

Carrom-Plättchen ins Eckloch.

Kunduz stehen in

krassem Gegensatz

08/09 STICHWORT

zur politischen

Die Architektin Anna Heringer baut

Unsicherheit und

in Bangladesch eine Schule aus

Zerstörung im Land.

Lehm. Im missio magazin erzählt sie,

was Zuhause für sie bedeutet.

18 ANGOLA

Ehemalige Straßenkinder

üben in einem

... bei Geert Multer aus München. Der

10 NACHGEFRAGT...

Heim der Steyler

Soziologe strampelt auf seiner Rikscha

Missionare die afrobrasilianische

Kampf-

so sein Studium finanziert.

Touristen durch die Stadt und hat sich

kunst Capoeira. Für

Julia Bönisch und

Fotograf Fritz Stark

kehrten sie in ihre

Vergangenheit auf der

Straße zurück.

04 05

12/15 FACETTEN

Verbrannte Seelen / Euromünzen / Von

Afrika lernen / Fehlende Frauen /

Mobil mit drei Tasten / Unsere Spender

16/17 SEHEN, HÖREN,

ERLEBEN

Aktuelle Ausstellungen / Medientipps /

Kulturkalender

18/27 ANGOLA

Straßenkinder: Der Asphalt ist ihr

Zuhause.

30/31 GLOSSE/KARIKATUR

Helmut Schleich ist froh, dass er nicht

dabei war.

32/33 GUSTO

Exotisches aus Afghanistan:

Spinat-Soja-Mantu – gefüllte

Teigtaschen, mit Chili verfeinert.

34/35 IM VORDERGRUND

Fasten verändert: Wie Christen,

Juden, Hindus und Muslime den

Verzicht üben.

36/41 AFGHANISTAN

Patrouille am Hindukusch: Ein

deutscher Militärpfarrer begleitet

Soldaten auf ihrer schwierigen Mission.

42/43 MOMENTE DER STILLE

44/45 DIALOG

GUT GEDACHT

IMPRESSUM

46 ANDERSWO ...

... tanzen: Die indische Gruppe

Kalai Kaviri interpretiert auf der

Bühne das Evangelium.

08 STICHWORT

Eine Familie in einem

Lehmhaus: In Rudrapur

wird wieder traditionell

gebaut.

Stephan Lina, Autor unserer

Afghanistan-Reportage

34 IM VORDERGRUND

In den Weltreligionen

sind die Fastenregeln

unterschiedlich:

Zuweilen ist noch

nicht einmal ein Stück

Brot erlaubt.


MI02S06D 02.02.2006 14:49 Uhr Seite 6

blickfang nepal

SPIEL

MIT STEINEN

Foto: Jörg Böthling

Konzentration und

Fingergeschick

braucht es, um eine

Partie Carrom für sich

zu entscheiden. Das

„Fingerbillard“ –

kleine Plättchen werden

mit dem Finger

in vier Ecklöcher

geschnippt – ist im

ganzen asiatischen

Raum beliebt.

Vermutlich liegen

seine Ursprünge in

Ägypten oder Äthiopien.

Am passioniertesten

spielen wohl

die Inder Carrom:

Über 200 Millionen

Menschen vertreiben

sich auf dem

Subkontinent damit

die Zeit. In Sri Lanka

fanden bereits 1935

die ersten Turniere

statt. Erst etwa

30 Jahre später fand

Carrom seinen Weg

nach Europa, wo es

mittlerweile eine

feste Spielergemeinde

gefunden hat.

Zum Zeitvertreib in

den Unterrichtspausen,

wie bei

diesen Schülern in

Kathmandu, ist es

hierzulande allerdings

noch nicht avanciert.

06 07


pdfMI02S08D 02.02.2006 14:50 Uhr Seite 8

stichwort zuhause

stichwort zuhause

ZUHAUSE

Rudrapur, 5. Oktober

>> Es regnet. Seit Tagen dringt

kein einziger wärmender Sonnenstrahl

durch die drückenden Regenwolken.

Die Zimmer sind

klamm von der hohen Luftfeuchtigkeit,

wir kauern uns in unsere

Decken, um uns zu wärmen. Die

halbfertigen Lehmwände unseres

Schulbaus sind mit Plastikplanen

abgedeckt – Baustopp, obwohl es

so viel Arbeit zu erledigen gäbe.

„Es gibt kein schlechtes Wetter, es

gibt nur schlechte Ausrüstung“ –

die alte Bergsteigerweisheit ist hier

am Ende. Was tun, wenn das einzige

Hemd durchnässt ist, wenn zu

Hause die nasse Kleidung nicht an

die Heizung zum Trocknen

gehängt werden kann, wenn zu

Hause keine heiße Dusche aufwärmt,

wenn nicht einmal genug

Reis da ist, um sich satt zu essen?

Wenn es zu Hause keinen einzigen

Raum mehr gibt, in den es nicht

hineinregnet, wenn gebangt werden

muss, dass das sorgsam gehütete

Saatgut verdirbt, wenn die

Furcht vor Krankheit und Arztkosten

bedrückt, wenn zuhause die

Angst im Nacken sitzt, dass die

feuchten Wände nachgeben und

das Dach einstürzt, wenn das Zuhause,

das Gefühl der Geborgenheit

und des Schutzes wegbricht...

Dann ist spürbar, wie sehr Architektur

dringliche Notwendigkeit

und Grundbedürfnis eines

jeden Menschen ist.

Wir sind hier, um zusammen

mit lokalen Handwerkern, Lehrern

und Schülern eine Schule zu bauen.

Die Schule soll als zukunftsfähiges

Leitbild für Bauen in ländlichen

Regionen von Bangladesch wirken:

Vorhandenes Potenzial wird genutzt

und verfeinert, regionale Baukultur

gestärkt, um somit zu einer

> bangladesch

Bangladesch ist das bevölkerungsreichste

Land der

Erde und zugleich eines der

ärmsten. Das Land, das an

Indien, Myanmar und den

Golf von Bengalen grenzt,

wird von Flüssen durchzogen.

Abholzungen im

Himalaya führen dazu, dass

die Ströme immer größere

Wassermengen führen.

Verheerende Überschwemmungen

sind die Folge. In

diesem Umfeld arbeitet

die junge Architektin Anna

Heringer, 28. Im Jahr 2004

hat sie an der Kunstuniversität

in Linz ihr Diplom

gemacht. Als Abschlussarbeit

entwarf Anna ein

Gebäude für eine Schule in

Rudrapur im Norden

Bangladeschs. Seit Herbst

2005 baut sie zusammen

mit Lehrern, Kindern und

Fachleuten diese Schule.

Daneben will sie einen

Anstoß geben, die

Wohnsituation der

Menschen verbessern.

Lehmbau statt Wellblech ist

dabei die Devise. Hier

beschreibt Anna Heringer,

was der Begriff Zuhause

für sie und die Menschen

um sie herum bedeutet.

Fotos: privat

nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Materialien und finanzielle

Mittel sind knapp. Daher greifen

wir auf lokale Ressourcen – Lehm

und Bambus – zurück. Lehm und

Bambus sind ökologisch wertvoll

– wenn nicht sogar einzig auf lange

Sicht vertretbar. Die Konstruktionen

sind einfach. Dadurch wird

allen klar, wie wichtig die menschliche

Arbeitskraft ist. In Bangladesch,

dem Land mit der weltweit

größten Bevölkerungsdichte, ist sie

im Überfluss vorhanden.

Die folgenden Nächte belegen

wir auch die Kathedrale mit

Nachtpendlern. Wir schärfen ihnen

ein, ja keine Türe zu öffnen. Wir

stellen Eimer auf für die Notdurft.

Rudrapur, 9. Oktober

Endlich, heute, am fünften Tag

haben sich die Regengüsse in ein

leichtes Nieseln verwandelt. Es

kann weitergehen. Unsere Arbeiter

kommen teils mit hängenden Köpfen

auf die Baustelle. Der Regen

hat einigen Familien das Zuhause

geraubt. „Und was macht ihr

jetzt?“ „Zum Glück ist der Stall

stehen geblieben ...“ Oma, Kinder,

Ziegen, Hühner ... Es ist unvorstellbar,

mit welch geringem Platz

die Menschen hier auskommen,

weil es kein Ausweichen gibt. 144

Millionen Einwohner auf einer

Fläche so groß wie Bayern und

Baden-Württemberg. Die Dichte

gepaart mit schlechten hygienischen

Verhältnissen bringt vor

allem gesundheitliche Probleme

mit sich. Die bauliche Situation der

Häuser ist beherrschendes Gesprächsthema

dieser Tage. Wir sind

mit unserem Bauprojekt unweigerlich

in den Mittelpunkt gerückt.

Tagsüber kommen viele Menschen

auf die Baustelle, um sich unsere

Konstruktion anzusehen. Abends

wird in der Teestube bei stark

gesüßtem Tee weiterdebattiert.

Bongkim, aus einer angesehenen

Brahmanenfamilie stammend, wettert

lautstark über den „blöden

Lehm“, der nichts aushält. Auch

sein Haus ist letzte Nacht eingestürzt,

nach nur acht Jahren. Der

„blöde Lehm“ fordert geradezu zur

Diskussion heraus ... „ Ja, Bongkim

– wenn du nicht ordentlich bauen

kannst, kann der Lehm auch nichts

dafür ...“, sage ich. Halb verärgert,

halb verdutzt über den Angriff

einer jungen Frau lässt sich der

Brahmane auf eine Diskussion ein.

Nach jedem meiner Argumente

folgt ein promptes ABER:

Die Wirtschaftlichkeit von

Lehmgebäuden interessiert den

wohlhabenden Brahmanen weniger:

„Billig ist gut, ABER noch

besser ist ein Haus, das mir nicht

alle paar Jahre auf den Kopf fällt ...

Es ist angenehmer in Lehmhäusern

zu wohnen als in Ziegelhäusern –

weniger heiß, weniger Schimmel,

die Vorräte halten länger ... ABER

was hilft mir das, wenn ich immer

wieder den Riesenaufwand eines

Neubaus habe?“ Nur ein Argument

lässt er durchgehen: Die Dörfer

würden ihre Schönheit verlieren,

wenn nur noch in Ziegel und

Wellblech gebaut würde. ABER.

So schnell lässt sich Bongkim nicht

überzeugen. „Also gut. Ich werde

mir eure Bastelei bei Licht anschauen

... ABER: Ich schau genau hin,

ob das wirklich was taugt.“

Tags darauf um halb neun steht

plötzlich Bongkim neben mir auf

der Lehmwand, nimmt mir das

Werkzeug aus der Hand und beginnt

ein bisschen mitzubauen:

Versucht das Abstechen der Lehmwände,

kontrolliert das Fundament,

die horizontale Sperrschicht, die

Strohlehmmischung. Dann steigt

er auf sein Motorrad, fährt ein paar

Meter und dreht sich schließlich

noch mal grinsend um: „Anna –

heute gibt‘s kein ABER mehr!“

Es muss weitergehen. Ein

Schulhaus zu bauen und 25 Handwerker

auszubilden ist ein Anstoß.

Wissen muss vermittelt werden,

um unabhängig zu machen von

Krediten und Materialien. Meist

wird für Bauten in Entwicklungsländern

der ästhetische Aspekt

ausgeklammert. Ist Schönheit

ein Privileg der Reichen? Schönheit

ist kostbar, aber nicht teuer.

Gerade in den Dörfern von Bangladesch

ist sie oft erlebbar in der

Schlichtheit der Formensprache, in

der Sinnlichkeit der Materialien, in

den leuchtenden Farben der bunten

Gewänder ... Es ist eine leise Schönheit,

die ein Zuhause schafft. Baukultur

zu veredeln anstatt sie zu ersetzen

ist unser Ziel, damit die

Schönheit am Leben bleibt und uns

am Leben hält.


pdfMI02S12D 02.02.2006 14:56 Uhr Seite 12

facetten international

facetten international

VERBRANNTE SEELEN

VON AFRIKA LERNEN

Am 19. März erhält Monira Rahman den Amnesty-Menschenrechtspreis

Wie Farmer aus der Not eine Tugend machen

>> Blitzschnell frisst sich die Säure

durch Gesicht und Hals, verätzt die

Haut und hinterlässt verbranntes

Fleisch – zunächst nackt, später

übersät mit Narben, die sich nie

völlig zurückbilden werden. Frauen,

die in Bangladesch Opfer so

genannter Säure-Attentate werden,

verlieren in wenigen Sekunden ihr

Monira Rahman (Mitte) Aussehen, ihre Zukunft und die

kümmert sich um Chance, jemals wieder ein normales

die Opfer von Leben führen zu können. Vielen

Säure-Attentaten in von ihnen bleibt dann nur noch

Bangladesch. eine Anlaufstelle: die Acid Survivors

Foundation (ASF) in Dhaka.

Die Organisation kümmert sich

um die Überlebenden von Säure-

Attentaten und kämpft für die

weltweite Ächtung dieses Verbrechens.

Für ihre Arbeit erhält

ASF-Gründerin Monira Rahman

12 13

am 19. März in Berlin den Menschenrechtspreis

von Amnesty

International Deutschland.

Seit 2000 wurden in Bangladesch

mehr als 1000 Frauen und Mädchen

Opfer von Säure-Attentaten.

Bei den Anschlägen handelt es sich

meist um die Rache abgewiesener

Verehrer, die die Frauen für ihr

„Nein“ bestrafen. Die ASF unterstützt

die Opfer in vielen Bereichen:

Sie versorgt die Wunden

der Frauen, klärt sie über ihre

Rechte auf und hilft ihnen, das

erlebte Grauen zu überwinden.

Langfristiges Ziel ist jedoch die

konsequente strafrechtliche Verfolgung

der Täter: 2002 wurde von

der Regierung Bangladeschs ein

Gesetz verabschiedet, das hohe

Strafen für Säure-Attentäter vor-

sieht. In der Realität wird dies aber

nur zögerlich umgesetzt: Nach wie

vor kommt nur jeder zehnte Täter

vor Gericht. Das liegt zum einen

daran, dass sich die Familien der

Opfer häufig außergerichtlich mit

den Angreifern einigen – zu tief

sitzt die Scham und zu groß ist die

Angst vor Repressalien. Zum anderen

verhindern oft auch Polizei und

Justiz einen Prozess, weil sie den

Opfern nicht glauben oder von

Angehörigen der Täter bestochen

wurden.

EU-PREMIERE

Die Slowakei lässt als erstes

Land der EU christliche Symbole

auf seine Euro-Münzen prägen.

>> Der Gouverneursrat der slowakischen

Nationalbank hat

entschieden: Die Rückseite der

Ein- und Zwei-Euro-Münzen,

die jedes Mitglied der EU selbst

gestalten darf, soll ein Doppelkreuz

zieren. Der Entscheidung

war eine landesweite Abstimmung

vorausgegangen, an der

sich mehr als 140 000 Slowaken

beteiligt hatten. Unter den zehn

Gestaltungsvorschlägen, die zur

Wahl standen, befanden sich

noch vier weitere christliche Motive,

darunter auch zwei Darstellungen

der Jungfrau Maria. Das

Doppelkreuz ist byzantinischen

Ursprungs und auch auf der

Nationalflagge der slowakischen

Republik zu sehen. > Während es in den westlichen

Industrieländern annähernd gleich

viele Frauen wie Männer gibt, ist

das Geschlechterverhältnis in Ländern

wie China, Indien oder Pakistan

sehr unausgeglichen: Nach

Schätzungen von Soziologen „fehlen“

in diesen Gesellschaften bis zu

100 Millionen Frauen. Für dieses

Ungleichgewicht wurden bisher

vor allem gesellschaftliche Faktoren

verantwortlich gemacht. In vielen

asiatischen Ländern haben Männer

einen höheren Stellenwert, was zu

einer systematischen Benachteiligung

von Mädchen und Frauen

führt: Sie sind im Vergleich zu den

Männern mit Nahrung und Medikamenten

unterversorgt und werden

häufiger abgetrieben oder unmittelbar

nach der Geburt getötet.

>> Die traditionellen Methoden

afrikanischer Farmer könnten

schon bald auch auf amerikanischen

Weiden eingesetzt werden.

Das zumindest empfiehlt der

Agrarwissenschaftler Mark Powell.

Der Amerikaner forscht seit 15

Jahren in Afrika und hat sich unter

anderem mit der Frage beschäftigt,

wie die Bauern dort die Fruchtbarkeit

ihrer Böden steigern. Seine

Antwort: Sie machen aus der Not

eine Tugend, denn klassische

Düngemittel sind meist zu teuer.

Stattdessen treiben sie ihre Kühe

Hepatitis B könnte eine Mitursache für Männerüberschuss sein

Eine Studie der Harvard-Universität

in Boston führt jetzt jedoch

eine weitere Ursache an: die Infektionskrankheit

Hepatitis B. Die

Wirtschaftswissenschaftlerin Emily

Oster hat zahlreiche Untersuchungen

ausgewertet und dabei festgestellt,

dass schwangere, mit Hepatitis

B infizierte Frauen anderthalbmal

so häufig Söhne wie Töchter

bekommen. Da die Infektionsrate

in Asien bei rund zehn bis 15

Prozent liegt, könnte dies etwa die

Hälfte der „fehlenden“ Frauen erklären,

so die Wissenschaftlerin,

deren Forschungsergebnisse jetzt

im Journal of Political Economy

veröffentlicht wurden. Weshalb die

Infektion zu einer höheren Geburtenrate

von Jungen führt, ist bislang

nicht bekannt.


pdfMI02S14D 02.02.2006 15:15 Uhr Seite 14

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Mit der Aktion „Suchen,

Sammeln, Spenden”

fördert missio München

Aus- und Weiterbildungsprojekte

für Kinder und

Jugendliche. Sie können

helfen, indem Sie uns

Briefmarken, Brillen,

Telefonkarten, Münzen

und Geldscheine aus

dem In- und Ausland

zukommen lassen. Näheres

bei missio München,

Sr. Hildegard Schmidt,

Telefon 089/5162-0

Die „Aktion Volltreffer –

Kein Krieg mit Kindern“ hat

musikalische Unterstützung

gefunden: Künstler aus

aller Welt haben sich auf

der CD „Rhythm of Peace“

zusammengeschlossen.

Mit dabei: Die Sänger

Patrice, Galliano,

Emmanuel Jal und andere.

Zu bestellen für 15 Euro

bei: missio München,

Telefon 089/5162-0, E-Mail:

verlag@missio-muenchen.de

14 15

>> Der Mobilfunkanbieter Vodafone

hat seit Anfang des Jahres spezielle

Tarife in seinem Programm:

Sie sind auf Viel- bzw. Wenigtelefonierer

abgestimmt und für

missio-Mitglieder besonders günstig.

Das Angebot an Geräten,

Verträgen und missio-Sonderkonditionen

ist vielfältig. Vodafone

bietet in seinem Sortiment dabei

auch ein telefonisches Novum an:

das so genannte Vitaphone 1100,

ein Mobiltelefon mit nur drei großen

Tasten.

Laut Hersteller eignet es sich

für Menschen, die keinen Wert auf

technische Spielereien legen, sondern

sich ein bedienungsfreundliches

und einfaches Gerät wünschen.

Die Menüführung ist unkompliziert,

ein einziger Druck auf

eine der drei großen Tasten genügt

für ein Telefonat. Durch die rote

Taste ist man mit einem Service-

Center verbunden. Auf Wunsch

können dort persönliche Daten,

Nummern von Angehörigen oder

andere Informationen hinterlegt

werden. Hat der Vertragskunde

beispielsweise seinen Schlüssel ver-

Foto: Vitaphone

loren, vergessen, ein Medikament

nachzubestellen oder ist ihm ein

Unfall zugestoßen, leitet das

durchgehend besetzte Servicecenter

diese Information sofort an die

richtige Stelle weiter. In einer Notsituation

kann so schnell geholfen

werden. Die grüne und gelbe Taste

kann man nach Belieben mit einer

Wunschnummer versehen – sei es

die Nummer des Ehepartners, des

Nachbarn oder eines Pflegedienstes.

Annehmen kann der Vitaphone-Besitzer

jedoch Anrufe

sämtlicher Nummern – sowohl

Festnetz- als auch Mobiltelefonanrufe

aus dem In- und Ausland.

Möglich ist dies über das Drücken

jeder der drei Tasten.

Für missio-Mitglieder gelten

folgende Sonderkonditionen: Das

Gerät kostet 49,90 Euro (im Handel

99.90 Euro), der einmalige Anschlusspreis

von 25 Euro entfällt,

für 15 Euro im Monat kann man

50 Minuten kostenlos telefonieren.

Mit jedem einzelnen Vertragsabschluss

spendet Vodafone missio

München 20 Euro, die an Projektpartner

in Afrika, Asien und

Ozeanien weitergegeben werden.

So will das Düsseldorfer Unternehmen

seiner gesellschaftlichen

und sozialen Verantwortung gerecht

werden.


pdfMI02S16D 02.02.2006 15:19 Uhr Seite 16

sehen, hören erleben

>

kunst

Chibinda Ilunga – Statue

aus Holz, verziert mit

Baumwollgewebe,

Haaren und Glasperlen,

19. Jahrhundert

>> Mächtig wirkt er und ein bisschen bedrohlich:

Chibinda Ilunga. Der legendäre Jäger gilt als

Gründer des Königreiches Lunda, das im heutigen

Angola liegt. Dem Mythos entsprechend wird

Chibinda Ilunga mit Gewehr, Patronentasche und

Messer dargestellt, seine auffällige Kopfbedeckung

und der lange Bart weisen ihn als

Herrscher aus. Die Holzskulptur aus dem 19.

Jahrhundert gehört zu den bedeutendsten Werken

afrikanischer Kunst. An ihr zeigt sich das hohe

ästhetische Geschick der Chokwe, einer Volksgruppe,

deren Schnitzkunst weit über die Grenzen

Afrikas hinaus bekannt ist. Die 39 Zentimeter

hohe Figur dient den Chokwes zum Gedenken an

Chibinda Ilunga, den sie als Begründer ihrer

Kultur verehren. Die Skulptur ist Teil der Ausstellung

„Kunst aus Afrika“ im Ethnologischen

Museum Berlin. ausstellungen > veranstaltungen

Christa Holtei/Tilman Michalski

IMPERIUM ROMANUM

Der Einzug des

Christentums

Rund 500 Objekte lassen

die Spätantike am Oberrhein

lebendig werden: Die

Alemannen drängen über

den Limes, die Römer ziehen

sich schrittweise zurück und

das Christentum gewinnt an

Bedeutung. Die Ausstellung

zeichnet ein komplexes Bild

dieser Epoche, die nicht nur

von Kämpfen, sondern auch

vom friedlichen Miteinander

der Kulturen geprägt war.

Bis 26. Februar 2006,

Badisches Landesmuseum,

Karlsruhe

PLAKATE IN AFRIKA

Bunte Spiegel der

Gesellschaft

In Ländern wie Ghana oder

Nigeria boomt die Plakat-

Industrie. Die in Bayreuth

ausgestellten Beispiele zeigen

einen Querschnitt durch

die breite Themenpalette:

Es geht um Mode und Filmstars,

aber auch um religiöse

Themen oder soziale

Probleme wie AIDS.

Bis 26. Februar 2006,

IWALEWA-Haus, Bayreuth

DAS HEIL DER MITTE

Traditionelle Medizin

Die Ausstellung dokumentiert

die Geschichte der traditionellen

chinesischen Medizin

– von den Ursprüngen bis

hin zu ihrem Siegeszug durch

die westlichen Industrieländer.

Zahlreiche Texte liefern

Fakten und Hintergründe.

Darüber hinaus werden

kunstvolle Objekte gezeigt,

die zur Herstellung von Heilmitteln

verwendet werden.

Bis 30. März 2006,

Stadtmuseum Nordico, Linz

ZIRKUSTHEATER

Afrika! Afrika!

Über 120 Künstler aus Afrika

präsentieren ein Spektakel

aus Akrobatik, Musik und

Tanz. Das Programm wurde

von André Heller entwickelt

und steht unter der Schirmherrschaft

der UNESCO.

Ein Teil der Einnahmen fließt

direkt zurück nach Afrika.

Damit sollen kulturelle

Projekte gefördert werden.

27. April bis 24. Juni 2006,

Zeltpaläste auf der

Theresienwiese, München

LESUNG

Um Gottes Willen, Lea!

Lea Ackermann sagt über

sich: „Ich war von klein auf

beides – abenteuerlustig und

fromm.“ In ihrer Biographie,

aus der sie in Regensburg

lesen wird, blickt die Ordensschwester

und Gründerin

der Organisation Solwodi

(Solidarität mit Frauen in

Not) auf ein bewegtes Leben

zurück und beschreibt ihren

Kampf gegen Prostitution

und Frauenhandel.

9. März 2006, DOM

Buchhandlung, Regensburg

KONZERT

Auferstehungssinfonie

Das Sonderkonzert findet

zwar erst am Ostersonntag

statt, wer die Aufführung von

Symphonieorchester und

Chor des Bayerischen Rundfunks

erleben möchte, sollte

sich jedoch rechtzeitig um

Karten bemühen. Dirigiert

wird die 2. Symphonie

Gustav Mahlers von Gilbert

Kaplan, als Solistinnen singen

Ruth Ziesack (Sopran) und

Lioba Braun (Mezzosopran).

16. April 2006, Philharmonie

am Gasteig, München

Bernard Baudouin (Hg.)

WEISHEITEN VON

FRIEDENSNOBELPREISTRÄGERN

>> Toleranz, Gewaltlosigkeit und Solidarität mit den

Schwächeren – das sind die zentralen Botschaften der

Menschen, die seit 1910 mit dem Friedensnobelpreis

ausgezeichnet werden. Einige ihrer eindringlichsten

Texte hat Bernard Baudouin zusammengetragen und in

einem Buch veröffentlicht. Unter den Zitierten befinden

sich Persönlichkeiten wie Nelson Mandela oder Mutter

Roméo Dallaire

HANDSCHLAG

MIT DEM TEUFEL

>> Im August 1993 ging

Roméo Dallaire als Kommandeur

der UN-Blauhelme

nach Ruanda. Im

September 1994 kehrte er

zurück, unfähig das erlebte

Grauen zu verarbeiten.

Jetzt hat der kanadische

Robert B. Haas

MAGISCHES AFRIKA:

DURCH DIE AUGEN DER GÖTTER

>> Der National-Geographic-Bildband entführt

den Betrachter auf eine magische Reise: Mehr als

100 Farbfotos zeigen Afrika aus der Vogelperspektive –

Sanddünen in Namibia, Büffelherden in Botswana oder

Bergketten in Kenia. Für die ungewöhnlichen Luftauf-

DAS GROSSE FAMILIENBUCH

DER FESTE UND BRÄUCHE

>> Was haben Hasen und Eier mit Ostern zu tun? Warum

feiern die Juden Passah und die Moslems Ramadan? Das

Buch von Christa Holtei und Tilman Michalski erklärt in

spannenden Texten die wichtigsten Feste und Bräuche der

großen Weltreligionen. Durch zusätzliche Lieder und Spielideen

ist das Buch nicht nur für Familien geeignet, sondern

auch eine Fundgrube für alle, die mit Kindern arbeiten.

Verlag Patmos, 216 Seiten, 24,90 Euro.


MI02S18D 02.02.2006 16:06 Uhr Seite 18

reportage angola

Luandas vergessene

Kinder: Straßenjungen

treiben sich an ihrem

Stammplatz mitten in

der Stadt herum. Hier

geben die Älteren den

Ton an; Aggression

und Gewalt bestimmen

den Alltag.

VERDAMMT

UND

VERSTOSSEN

Pedro und Jonas wurden schon als

Kleinkinder geschlagen, misshandelt und

grausam gequält. Ihre Familien glaubten,

die Jungen seien vom Teufel besessen

und überließen sie sich selbst. Deshalb

schlossen sich die beiden den Straßenkindern

Luandas an.

EINE REPORTAGE VON JULIA BÖNISCH

UND FRITZ STARK (FOTOS)

36 37

18 19


pdfMI02S20D 02.02.2006 15:46 Uhr Seite 20

reportage angola

>> Die Avenida Brasil, eine breite

Die Beute wird

20 21

Straße in Angolas Hauptstadt Luanda,

ist asphaltiert. Das ist Luxus

hier – der einzige Luxus, den Pedro

Matias hatte. „Hier habe ich gelebt“,

sagt der 13-Jährige. „Meine

Arbeit war das Betteln und das

Stehlen. Geschlafen habe ich dort

drüben, hinter dem Geschäft in der

kleinen Nische.“ Der kleine Laden

hat blinde Fensterscheiben, der

Händler bietet Limo-Dosen aus

geteilt: Der

Straßenjunge Claudio

(o.) gibt seinen

Freunden von den

Keksen ab, die er

ergattert hat. Pater

Pablo schaut regelmäßig

bei ihnen

vorbei, um sich ihre

Ängste und Sorgen

anzuhören (u.).

lauwarmen Kühlboxen an. An der

Straßenecke geht es ins nächste

Wohnviertel hinein. Hier sieht

man keine geteerten Wege mehr.

Sobald es regnet, verwandelt das

Wasser die Lehmgassen in

Schlammbahnen voll brauner Brühe,

LUANDA

In Angolas Hauptstadt Luanda leben etwa drei

Millionen Menschen – über 80 Prozent von ihnen

ohne fließendes Trinkwasser, Abwassersystem oder

Elektrizität. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit

müssen mehr als zwei Drittel der Einwohner vom

illegalen Straßenhandel leben. Für bettelnde Kinder

hat daher kaum jemand ein paar Groschen übrig.

in der man bis zu den

Knöcheln versinkt. Eine funktionierende

Kanalisation gibt es

nicht, über der Stadt hängt permanent

der Gestank der Kloake.

Überall wirbelt der Wind, den der

Atlantik herüberweht, Müll und

Staub auf. „Wenn man hier wohnt,

dann braucht man andere, die zu

einem halten“, sagt Pedro. „Ohne

Freunde hast du verloren.“

Drei Jahre lebte Pedro auf der

Avenida Brasil, weil seine Familie

ihn verstoßen hatte. Sie glaubte,

Pedro besäße Macht über ihr

Schicksal, sie glaubte, der kleine

Junge könne über Leben oder Tod,

Glück oder Unglück entscheiden.

Sie glaubte, Pedro wäre verhext.

Wenn Pedro über seinen Vater

und seine Stiefmutter spricht, ist

seine leise Stimme monoton. Er

reiht ganz schnell Satz an Satz und

lässt dabei unruhig die Beine baumeln.

Statt sein Gegenüber anzublicken,

beobachtet er lieber andere

Kinder beim Spielen, während

er seine Geschichte erzählt: „Meine

Mutter starb bei der Geburt. Sie

sagten mir später, dass das meine

Schuld gewesen sei. Mein Vater

fand eine neue Frau, aber die

bekam Malaria. Da haben sie gesagt,

ich sei besessen.“ Sein Vater

brachte ihn zu einem Heiler, der

Pedro von dem angeblichen bösen

Zauber befreien sollte. Er hielt ihm

ein Messer an die Kehle und drohte

ihm, bis Pedro vor Angst die

Hexerei gestand. „Da hatte ich

keine Freunde, ich war verloren.“

Sie schlugen den Jungen mit

Stacheldraht. Sie tauchten seinen

Kopf so lange unter Wasser, bis er

würgen musste. „Ich dachte, ich


pdfMI02S22D 02.02.2006 15:46 Uhr Seite 22

reportage angola

Ein Kick für

zwei Minuten: Die

Straßenkinder

in einem Land, das durch fast 40

Jahre Krieg und Bürgerkrieg zerstört

ist, hat kaum jemand

Almosen für die Ausgestoßenen

übrig. „Andere Straßenkinder haben

versucht, uns auszurauben.

Fremde ließen ihre Wut an uns aus

und verprügelten uns einfach so,

ohne Grund. Wir mussten auch oft

vor der Polizei davonlaufen.“

Manchmal flüchteten sie nicht

schnell genug. Die Polizisten

pferchten Pedro und seine Freunde

in den Kofferraum ihrer Autos,

Die Jungen, um die er sich

kümmert, haben eine Gemeinsamkeit:

Ihre Verwandten haben

sie verdammt und verstoßen, weil

sie zu Hause als Hexer verschrien

sind, so wie Pedro. Im Straßenkinderdorf

hat er sich mit Jonas

Marquess zusammengetan, denn

selbst hier gilt: „Ohne Freunde

hast du verloren, auch im Heim.“

Die Geschichte des Zehnjährigen

klingt ähnlich wie die Pedros.

Auch Jonas war ein „Hexenjunge“,

wurde mit Schlägen misshandelt,

Traumatisierten zur

Seite stehen sollen

(o.l). Der Schock stand

den Opfern bei unserem

ersten Besuch ins

Gesicht geschrieben

(ganz l.).

schlugen sie und warfen sie dann in

von den eigenen Brüdern mit

Straßenjunge,

eine Zelle. „Sie zwangen uns oft,

einem Messer traktiert.

ca. 10 Jahre

für sie zu arbeiten. Wir mussten

„Alle hier haben einen ähnlichen

Hintergrund“, erklärt der

„Das Benzin zum

putzen oder ihre Autos waschen.

Schnüffeln besorge

Sie warfen uns Essensreste hin, als

Pater, der mit den Kindern schon

ich mir an

wären wir Hunde.“

fünf Jahre zusammenlebt. „Geschieht

den Familien Unheil, so

der Tankstelle.“

Nach ein paar Monaten begegnete

würde ertrinken“, erzählt Pedro.

„Außerdem durfte ich nur Verdorbenes

essen. Immer wieder, bis ich

erbrach. Sie sagten, so käme der

Teufel aus mir heraus.“

Als sich das Leben der Familie

dennoch nicht besserte, schickten

sie den Jungen einfach weg. „Am

Pedro auf der Avenida einer

Frau, die ihn mit zu sich nach

Hause nahm. „Erst habe ich mich

sehr gefreut, weil ich dachte, sie

würde vielleicht meine neue

Familie. Aber dann merkte ich,

dass sie nur einen billigen Arbeiter

brauchte. Ich musste den ganzen

Tag für sie schuften und durfte

nicht zur Schule gehen.“ Deshalb

lief Pedro wieder weg, landete wieder

auf der Straße. – Bis Pater

Pablo José Galván kam, ihn auflas

und sich um ihn kümmerte.

Der 43-jährige Argentinier, der

zum Orden der Steyler Missionare

haben sie oft keine andere Erklärung

dafür als bösen Zauber.

Dann suchen die Menschen nach

einem Schuldigen. Kleine Kinder

sind da leichte Opfer. Sie können

sich nicht wehren. Und besonders

häufig trifft es Jungen, die etwas

Besonderes sind.“ Jede Abweichung

von der Normalität werde

misstrauisch beäugt und diene

schnell als Erklärung. „Krüppel

oder Albinos sind prädestiniert

dafür, als verhext zu gelten“, sagt

Pater Pablo. „Genauso gut können

Anfang wusste ich nicht, wohin.

Aber draußen waren noch mehr

gehört, kümmert sich um die

Straßenjungen Luandas. In seinem

SCHNÜFFELN

Beim „Schnüffeln“ inhaliert man Dämpfe von

mich dann angeschlossen.“

Lösungsmitteln oder Benzin, um sich zu berauschen.

Mit vier anderen Straßenkindern

lebte Pedro zusammen. ihnen Platz. – Viel zu wenig, fin-

Kinderbetreuung, haben 200 von

Die Stoffe gelangen sofort ins Gehirn, der Schnüffler

Im Schatten der kaputten Plattenbauten,

an denen in Fensterhöhlen etwa 1600 Straßenkinder, in den

det Pater Pablo. „In Luanda gibt es

wird innerhalb kurzer Zeit abhängig. Die Gifte lösen

Erbrechen und Nasenbluten aus. Beim Schnüffeln

Kinder wie ich. Denen habe ich „Centro

Crianças“,

de

einem

Acolhimento

Zentrum

de

für

graue Kleidungsstücke wie Trauerfahnen

Vororten noch einmal 3000. Sie

über längere Zeit werden Atemwege, Niere und

wehen, versuchten sie brauchen alle unsere Hilfe, aber

durch Betteln zu überleben. Doch das schaffen wir natürlich nicht.“

Leber zerstört, es kommt zu schweren Hirnschäden.

sammeln Benzin in

Plastikflaschen (o.). Sie

tropfen sich die

Flüssigkeit auf ihre

T-Shirts und stopfen

sich den Stoff in den

Mund. Der Sprit

macht sie nur für

kurze Zeit high.


pdfMI02S24D 02.02.2006 15:53 Uhr Seite 24

reportage angola

CAPOEIRA

Capoeira – so will es die Legende – ist eine Erfindung

der angolanischen Sklaven, die nach Brasilien

verschifft wurden. Sie tarnten ihr Kampftraining als

volkstümliche Tänze, weil die Sklavenhalter ihnen

Übungen zur Selbstverteidigung verboten. Daraus

entwickelte sich diese afro-brasilianische Kampfkunst,

wie sie seit einiger Zeit auch in Europa populär ist.

Nachmittagsprogramm:

Pedro ist ein begeisterter

Capoeira-Tänzer (r.),

zur Übung macht er

auch Hula-Hoop (u.l.).

ImGemeinschaftsraum

herrscht dagegen Ruhe

beim Beten (u.l.).

aber auch besonders sensible oder

intelligente Kinder beschuldigt

werden.“

Im Straßenkinderdorf dürfen

Pedro und Jonas jeden Morgen zur

Schule gehen. Sie haben ein eigenes

Bett und einen eigenen Spind

– so viel haben sie noch nie im

Leben besessen. Nachmittags vertreiben

sie sich die Zeit mit

Fußballspielen oder Capoeira,

einem Tanz-Kampfsport. Wenn sie

älter sind, können sie im Zentrum

sogar eine Lehre machen: In drei

Werkstätten können sich die

Jungen zum Schreiner, Schweißer

oder Elektriker ausbilden lassen.

Wenn Pater Pablo abends die

anderen Straßenkinder an ihren

Pedro Matias, 13

„Am Anfang wusste

ich nicht, wohin.

Aber draußen waren

noch mehr Kinder

wie ich. Denen

habe ich mich

angeschlossen.“

Schlafplätzen besucht und ihnen

etwas zu Essen vorbeibringt, begleiten

ihn Pedro und Jonas

manchmal. Für sie ist das wie ein

Ausflug in ihr altes Leben. In den

schlammigen Hinterhöfen und an

den vermüllten Straßenecken bekommt

man eine Ahnung von

dem, was die Kinder verschweigen,

weil manche Dinge einfach zu

schrecklich sind, um sie Fremden

zu erzählen. Da sind zum Beispiel

der Alkohol und die Drogen, mit

denen sich die Jungen betäuben,

um das Elend ertragen zu können.

Sie träufeln Benzin auf ihre zerrissenen

T-Shirts und stopfen sich das

stinkende Stück Stoff in ihre

Münder. Schnüffeln nennen sie

das. Der Rausch dauert nur zwei

Minuten, deshalb wiederholen die

Straßenkinder das Ritual immer

und immer wieder.

Ihre Augen sind weit aufgerissen,

die Pupillen verräterisch geweitet.

Ihr Blick ist leer, viele sind

noch nicht einmal ansprechbar.

Das Schnüffeln hat ihr Gehirn so

stark geschädigt, dass nicht mehr

viel übrig ist von ihrem Verstand.

Kleine Mädchen sieht man nie

in den wilden Horden durch die

Stadt ziehen. Sie landen nicht in

der Gosse wie die Jungen. Für sie

heißt die Endstation Prostitution.

Kümmert sich kein Zuhälter um

sie, so findet sich schnell ein alleinstehender

Mann, der sie aufnimmt.

Für ihn müssen sie kochen, putzen

und einkaufen. Und das Bett mit

ihm teilen.

Doch auch die Jungen sind

sexueller Gewalt ausgesetzt: auf

der Straße durch die Anführer der

Kindergangs oder in den Zellen

24 25


pdfMI02S26D 02.02.2006 15:57 Uhr Seite 26

reportage angola

der Polizei. Ihr täglicher Kampf ist Kleidung, die sie im Zentrum

ihnen mit Schmutz und Narben bekommen, auf der Straße. „Alles,

ins Gesicht geschrieben. Ihre Kleidung

was die Kinder in ihrem Leben bis-

ist zerrissen, einigen hängt her gelernt haben, ist, zu überle-

das T-Shirt nur noch in Fetzen von ben. Und da gehören solche Verhaltensweisen

eben dazu“, sagt

auch die Kirche in Angola schwer

Bürgerkrieg und Zerstörung haben

den Schultern.

Ist für einen von ihnen ein Pater Pablo nüchtern. Manchmal

getroffen. Das marxistische MPLA-

Platz im Straßenkinderdorf frei, so schickt der kleine Mann mit der

Regime unterdrückte christliches

besteht die größte Herausforderung

für Pater Pablo und sein gebet zum Himmel und bittet um

schon zu Beginn des blutigen

leisen Stimme spontan ein Stoß-

Engagement und konfiszierte

Team darin, dem Jungen die Regeln

der Straße abzugewöhnen. Die ihm die Straßenjungen in ihren

stationen, katholische Schulen und

Geduld. Zum Beispiel dann, wenn

Rebellenkonfliktes Missions-

ersten Wochen sind die schwierigsten:

Die Straßenkinder weigern dern um den Hals fallen. „Die

und -frauen wurden vertrieben, ihre

zerrissenen, verschmutzten Klei-

Krankenhäuser. Kirchenmänner

Jonas Marquess, 10

„Im Zentrum weine sich, am Tisch zu essen, sie benutzen

kein Geschirr, sie verkaufen die mich mögen“, sagt er und verdreht

fortan für die Soldatenausbildung.

umarmen mich nicht, weil sie

Gebäude nutzten die Parteien

ich nicht mehr.

Die großen Jungen

26 27

können mich

beschützen.“

HEXEREI die Augen. „In dem Moment ziehen

sie mir nur das Kleingeld aus Ort. An einen, an dem sie nicht ge-

deshalb kaum möglich.

in ihrer Fantasie an einen anderen

Hilfe in den Kriegsregionen war

Der Glaube an Hexerei stammt aus der Kultur der der Hosentasche.“

schlagen wurden, an dem es immer

Seitdem die Kirche nach Ende des

Bakongo: Ein Volk, das im Mündungsgebiet des Pater Pablo hat den Jungen in genug zu essen gab und sogar

Krieges wieder aktiv ist, unterstützt

missio in Luanda unter anderem

Kongo und in den angrenzenden Gebieten

vielen Gesprächen erklärt, dass sie einen Fernseher und Limonade.

keine Schuld am Unglück ihrer Die Jungen wissen zwar jetzt,

die Schwestern des Göttlichen

Angolas lebt. Der Glaube an verhexte Kinder

Familie tragen. Sie glauben nicht dass sie die Streichholzschachtel

Erlösers: Sie kümmern sich

nahm während der langen Kriegsjahre in Angola mehr daran, verhext zu sein. Früher

nicht verwandeln können. Trotz-

um geflüchtete Kinder und

sprunghaft zu, denn Tod und Unglück schlugen in

dagegen wollten sie mit ihren dem glaubt Pedro fest daran, dass

Jugendliche. Die Schwestern,

jeder Familie oft und unbarmherzig zu. angeblichen Kräften dem Elend er eines Tages fliegen wird: „Wenn

unter ihnen ausgebildete Ärztinnen

entkommen. Sie malten sich gemeinsam

ich erwachsen bin, werde ich Pilot.

und Krankenschwestern, leisten

aus, sie könnten eine Und Jonas nehme ich dann mit auf

zudem medizinische Hilfe für die

Streichholzschachtel in ein Flugzeug

meine Flüge, denn ohne Freunde,

zahlreichen Verwundeten und

verwandeln. Das brachte sie da bist du verloren.“

missio hilfe Minenopfer. Nun möchte missio

allein das Leben auf der Straße

meistern müssen. „Diese Kinder

sind die erste Generation, die frei

von Krieg erwachsen werden

kann“, sagt Pater Pablo. „Wir

müssen ihnen zeigen, wie man ein

neues Angola aufbaut.“

> angola

Im Jahr 1483 landet der portugiesische

Seefahrer Diogo Cão an der

Küste Angolas. 1576 gründen die

Portugiesen die heutige Hauptstadt

Luanda. Angola wird portugiesische

Kolonie und leidet stark unter dem

Sklavenhandel. Das Land bleibt

Jahrhunderte in der Hand der

europäischen Machthaber.

1961 beginnen die Angolaner einen

Guerillakrieg gegen die Kolonialherren.

Portugal setzt auf eine

gewaltsame Unterdrückung der

Befreiungsbewegung: Ende der 60er

Jahre stehen rund 70.000 portugiesische

Soldaten in Angola, die unter

anderem mit Napalm gegen die

Rebellen vorgehen. Trotzdem

können sie die Aufstände nicht unter

Kontrolle bringen.

Am 11.11.1975 erreicht Angola

offiziell die Unabhängigkeit.

Der Krieg ist dennoch nicht vorbei.

Rivalisierende Rebellengruppen

befehden sich nun gegenseitig,

ihr Kampf wird zum west-östlichen

Stellvertreterkrieg: Russland und

Kuba stellen sich auf die Seite der

marxistischen MPLA, USA, Namibia

und Südafrika protegieren die

UNITA. Erst als UNITA-Führer Jonas

Savimbi im Februar 2002 in einem

Gefecht mit Truppen der regieren-

den MPLA erschossen wird, gibt

seine Truppe den bewaffneten

Kampf auf. Nach nahezu 40 Jahren

Krieg unterzeichnen die verfeindeten

Gruppen im April des gleichen

Jahres endlich einen Friedensvertrag.

Traurige Bilanz der Auseinandersetzungen:

über eine Million Tote,

über zwei Millionen Flüchtlinge.

Angola verfügt über reiche

Rohstoffvorkommen: Die Weltbank

rechnet damit, dass der Küstenstaat

im Jahr 2010 der größte

Erdölproduzent südlich der Sahara

sein wird.

Auch der Diamantenhandel ist

schwunghaft. Dennoch kommt bei

der Bevölkerung von diesem

Reichtum nichts an: Jährlich

verschwinden umgerechnet mehr

als acht Millionen Euro aus dem

Staatshaushalt. Parlamentarier

erhalten jedes Jahr ein neues Auto,

während auf dem Land Eselskarren

auf noch nicht geräumten Minen

in die Luft fliegen. In den bis 2002

von der Außenwelt abgeschnittenen

Gebieten der UNITA gehen

70 Prozent der Kinder nicht zur

Schule. Jedes vierte Baby stirbt,

bevor es fünf Jahre alt wird.

Arbeit am Schaltkreis:

Im Zentrum können die

älteren Straßenjungen

eine Ausbildung zum

Elektriker machen (l.).

Beim gemeinsamen

Essen sind wieder alle

an einer langen Tafel

versammelt (u.).

Karte: Infochart Diehl

26 27


pdfMI02S28D 03.02.2006 9:19 Uhr Seite 28

Leserreise Spezial

Leserreise

Spezial

Leserreise Spezial

Lykien

Die Türkei ist eines der

abwechslungsreichsten Länder

der Welt. Großartige Landschaften,

bedeutende Kulturdenkmäler,

herrliche Strände, farbenfrohe

Basare und die schon sprichwörtliche

Gastfreundschaft machen das Land

zu einem Reiseziel der Extraklasse.

Eine der schönsten Regionen möchten

wir Ihnen mit unserer Reise vorstellen:

Lykien glänzt mit Ephesos, einer der

faszinierendsten Ausgrabungsstätten

der Antike, dem Naturweltwunder der

Sinterterrassen von Pamukkale und

den berühmten Felsengräbern. Nicht

zu vergessen die herrliche Küste mit

traumhaften Stränden.

Linienflüge bringen Sie direkt von

verschiedenen deutschen Flughäfen

nach Antalya und zurück.

1 x zahlen –

zu zweit reisen!

Reisepreis 1. Person:

€ 648.-

Reisepreis 2. Person:

€ 0.-

Ihr Reiseverlauf

1. Tag: Anreise nach Antalya

Ankunft in Antalya. Empfang am Flughafen

durch Ihren Reiseleiter. Transfer

zum Hotel. Willkommenscocktail und

weitere Informationen durch Ihren Reiseleiter.

Abendessen/Übernachtung in Antalya.

2. Tag: Antalya – Fethiye

Fahrt entlang der wunderschönen

Mittelmeerküste über Kemer und Finike

nach Demre/Myra. Hier besuchen Sie

die Kirche des Hl. Nikolaus, das sehr

schön erhaltene römische Theater und

die typischen lykischen Felsengräber

der antiken Stadt Myra.

Abendessen/Übernachtung in Fethiye.

3. Tag: Fethiye – Kaunos – Kusadasi

Heute unternehmen Sie eine erlebnisreiche

Bootsfahrt durch das Schilfgebiet

zum Iztuzu-Strand. Je nach Wetterlage

besteht hier Gelegenheit zum Baden.

Die Bootsfahrt führt Sie auch zur antiken

Stadt Kaunos, wo Sie weitere lyki-

Antikes Kleinod –

Wunder der Natur

sche Felsengräber bewundern werden.

Weiterfahrt nach Kusadasi.

Abendessen/Übernachtung in Kusadasi.

4. Tag: Ephesos – Sirince

Nach dem Frühstück Abfahrt zu der

schönsten und bedeutendsten türkischen

Ausgrabungsstätte der Antike,

nach Ephesos. Die Besichtigung der

Marmorstraße, des riesigen Theaters,

der wunderschönen Celsus-Bibliothek

und der gigantischen Agora läßt die

Antike lebendig werden.

Ephesos war auch eine der wichtigsten

Wirkungsstätten des Apostels Paulus,

der hier 3 Jahre mit großem Erfolg

missionierte. Anschließend Fahrt zum

idyllischen Bergdorf Sirince, in dem

früher viele Christen lebten.

Abendessen/Übernachtung in Kusadasi.

5. Tag: Kusadasi – Pamukkale

Abfahrt von Kusadasi ins Landesinnere

durch das Mäandertal und vorbei an

Bergdörfern nach Pamukkale. Die Kalksinterterrassen

dieses Naturweltwunders

haben sich durch die Kalkablagerung

des Quellwassers in mehreren Jahrtausenden

aufgebaut. Besichtigung des

antiken Kurortes Hierapolis mit seiner

einzigartigen Nekropole. Am Nachmittag

genießen Sie die Thermalquellen Ihres

Hotels.

Abendessen/Übernachtung in Pamukkale.

6. Tag: Pamukkale – Antalya

Fahrt nach Tavas und Besuch einer Teppichknüpferei,

wo Sie Informationen von

der Fadengewinnung bis zur Knüpftechnik

erhalten. Anschließend Abfahrt nach

Antalya. Nach der Ankunft unternehmen

Sie eine Panorama-Stadtrundfahrt.

Abendessen/Übernachtung in Antalya.

7. Tag: Besichtigung von Antalya

Besichtigung der malerischen Hafenstadt

Antalya mit Freizeit auf dem

Volksbasar und Gelegenheit zum Einkaufsbummel.

Abendessen/Übernachtung in Antalya.

8. Tag: Rückflug

Transfer zum Flughafen von Antalya und

Rückflug nach Deutschland.

LEISTUNGEN

Sie reisen in einer Gruppe zu einem festen

Abreisetermin. Garantierte Durchführung ab

30 Teilnehmern. Die Reiseleitung erfolgt

durch lokale, Deutsch sprechende Reisebegleiter.

Beste Reisezeit

Ihre Reisetermine

02.05. – 09.05.06 23.05. – 30.05.06

09.05. – 16.05.06 30.05. – 06.06.06

16.05. – 23.05.06 06.06. – 13.06.06

Unsere Leistungen

● Linienflug mit Sun Express von

verschiedenen deutschen Flughäfen

nach Antalya und zurück

● Transfers Flughafen – Hotel – Flughafen

● Willkommens-Cocktail

● 1 Übernachtung in Antalya im 5*Hotel

IC Airport oder Adonis

● 1 Übernachtung in Fethiye im 4*Hotel

Aries oder gleichwertig

● 2 Übernachtungen in Kusadasi im

4*Hotel Tusan oder gleichwertig

● 1 Übernachtung in Pamukkale im

4*Hotel Hierapolis oder Lycus River

● 2 Übernachtungen in Antalya im 5*Hotel

IC Airport oder Adonis

● 7 x Halbpension (Buffet)

● Fachkundiger, deutschsprechender

Reiseleiter

● Moderner klimatisierter Reisebus

(maximal 3 Jahre alt)

● Trinkwasser im Reisebus

● Kofferservice

● 3 Überraschungsgeschenke

● Reisekrankenversicherung

● Reisepreissicherungsschein

Nicht im Preis enthalten

● 6 Mittagessen und Eintrittsgelder,

buchbar vor Ort: € 99 pro Person.

● Flughafensteuer, Sicherheitsgebühren,

Treibstoffzuschlag: € 68 pro Person.

(Stand 1.1.2006)

Buchungshotline: 089-54809-0

Veranstalter: Euro International Touristik GmbH, Postfach 810247, 81902 München

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Veranstalter: Euro International Touristik GmbH, Postfach 810247, 81902 München


pdfMI02S30D 03.02.2006 9:20 Uhr Seite 30

glosse helmut schleich

BIN ICH FROH, DASS

ICH NICHT DABEI WAR, ALS ...

karikatur zahl

>

103.500.000.000

30 31

glosse

Helmut Schleich

wurde 1967 im oberbayerischen

Schongau

geboren und wuchs in

München auf. Bereits als

16-Jähriger gründete er

mit Freunden das

Kabarett „Fernrohr”.

1999 gewann er den

bayerischen Kabarettpreis.

Er gehört zur

Haustruppe des

Münchner Lustspielhauses.

Seit 2001 hat er

eine eigene Sendung im

Bayerischen Fernsehen,

die „Spezlwirtschaft”.

... Herr Beiß von

seinem Weihnachtsurlaub

schwärmte:

>> Herr Beiß (lehnt lässig am

Pfosten seiner Wohnungstür):

„Also, wir waren jetzt drei Mal

drüben in Südamerika und ich

muss ja sagen, das ist einfach ein

Paradies, wahrscheinlich eines der

letzten.

Wir sind drüben immer bei so

einer Familie in den Anden – ‚los

andos’, wie der Südamerikaner

sagt – und die sind ja so was von

gastfreundlich, das kann man

sich bei uns gar nicht vorstellen.

Sie müssen sich vorstellen, die

schlafen von dem Tag an, wo wir

ankommen, schlafen die auf dem

Boden, nur damit wir ein Bett

haben!

Das ist eine Gastfreundschaft,

da haben wir auch erst einmal

reinwachsen müssen.

Gerade auch mit der Armut.

Die sind ja da drüben auch so was

von arm, das is der Wahnsinn.

Die haben ja… nix.

Das ist eine Armut, die ist in

unserem europäischen Reichtum

gar nicht möglich… toll.

Foto: Jan Frommel

Die sparen das ganze Jahr, nur dass

der Hühnerstall voll ist, wenn wir

kommen!

Und wenn wir fahren, dann ist der

Hühnerstall natürlich wieder leer.

Sie, wo wir das erste Mal drüben

waren und es diese Hendl gegeben

hat, fragt unser Kleinster, wo der

Ketchup steht.

Ich sage ihnen, ich habe Tränen

gelacht, meine Frau auch.

Denen ihre Familie hat des

natürlich nicht verstanden, wir

sprechen ja kaum spanisch. Mal

ein „Graçias“ oder ein „Hasta

la vista“, nicht, und Gespräche

von so direkt inhaltlicher Art, die

sind ja sowieso nicht möglich,

jetzt einmal rein intellektuell.

Drum soll man ja auch Geschenke

in dem Sinn nicht machen,

außer vielleicht mal eine

Sonderbriefmarke oder einen

Plastikkugelschreiber, weil die

Zivilisation macht diese Menschen

ja kaputt. Da wollen’s dann ein

Blechdach auf ihre Hütte und ein

Warmwasser in die Hütte und

irgendwann ist es so weit, dann

steht der Fernseher da. Des habens

ja erst neulich im Fernsehen

gebracht.

Mir ham uns beim Abflug in Porto

Alfonso extra erkundigt, also Strom

kriegens sobald noch nicht, da

kann vorerst nix aus dem Ruder

laufen.

Da in Porto Alfonso, da haben wir

dann auch beim Sohn vorbeigeschaut,

der spricht etwas deutsch.

Der sitzt da im Gefängnis.

Mei, der is irgendwie mit so

Verbrecher zusammengeraten,

oder politisch irgendwie, wir

wollten nicht viel fragen.

Er hat immer was von MIR*

g’sagt oder so, und Asyl, aber das

unterschätzen die.

Ich hab zu ihm gesagt, Juan

Antonio, hier in Deutschland, da

gehst du ein.

Schau, sag ich, dein Südamerika,

das ist so ein wunderschönes Land,

viel Sonne, in Germania nix

Sonne, viel kalt, sag ich, Schnee!

Juan Antonio, ich gebe dir hier 10

Pesos. Wenn du hier rauskommst,

fährst du mit diesem Geld rauf zu

deiner Familie in die Anden

und schaust’s dir an. Arm, aber

glücklich. Was willst du mehr?

Aber das kapieren die nicht.

Das kriegen sie in so einen südamerikanischen

Indianerschädel

absolut nicht rein.“


pdfMI02S32D 03.02.2006 13:06 Uhr Seite 32

gusto afghanistan

SPINAT-SOJA-MANTU

1. Teigblätter abgedeckt mit

einem feuchten Tuch auftauen.

Sojaschnetzel in Gemüsebrühe

einweichen. Zwiebel und Knoblauch

fein hacken. Entkernte

Paprika und Chilischote fein

schneiden. Die küchenfertigen

ZUBEREITUNG

Spinatblätter in Streifen schneiden.

Die ausgedrückten Sojaschnetzel

(1) in einer beschichteten

Pfanne mit 2 EL Öl kräftig

anbraten, auf einen Teller füllen.

2. Zwiebel in 1 EL Öl glasig

braten. Paprika, Knoblauch und

Chilischote kurz mitbraten.

1 Knoblauchzehe Spinat hinzufügen, kurz rühren

1

/2 rote Paprikaschote und Sojaschnetzel dazugeben.

1 grüne Chilischote Mit 1 EL Zitronensaft, Salz und

100 g Blattspinat Pfeffer abschmecken.

3 EL Öl

3. Je ein Blatt mit 1 EL Füllung

belegen. Ränder mit Wasser

bestreichen. Teigblätter zur Mitte

3 TL Zucker einklappen und zusammendrücken

(2). 1 /2 TL Currypulver

/2 l Wasser im Wok

1

1 TL Paprikapulver aufkochen. Ein Kuchengitter

1

/2 TL Chilipulver einsetzen, die Teigtaschen darauf

3 EL rote Linsen verteilen (3) und zugedeckt

5 EL Tomatenmark 30 Min. leicht dämpfen. Nach

20 Min. Wasser nachfüllen.

4. Tomatensauce: Brühe mit

Zucker und Gewürzen aufkochen.

Rote Linsen hineingeben und

15 Min. köcheln. Tomatenmark,

Salz und Pfeffer dazugeben.

Rezept und Fotos entnommen aus:

Martin Kintrup

Vegetarisch aus aller Welt

Reihe: GU EINFACH CLEVER

128 Seiten, etwa 100 Rezepte

Format 20 x 17 cm, Hardcover

9,90 € (D), ISBN 3-7742-6897-5

32 33

1 Stunde 30 Minuten

PRO PORTION ca. 365 kcal

ZUTATEN (für 4 Personen)

24 TK-Wan-Tan-Teigblätter

100 ml Gemüsebrühe

Salz, Chilipulver, Pfeffer

50 g feine Sojaschnetzel

1 Zwiebel

1 EL Zitronensaft

Für die Tomatensauce

500 ml Gemüsebrühe

Salz, Pfeffer

Für die Joghurtsauce

1 Knoblauchzehe

100 g Sahne

100 g Naturjoghurt

2 TL getrocknete Minze

Salz, Pfeffer

5. Joghurtsauce: Knoblauch

fein hacken. Mit Sahne, Joghurt

und Minze mischen, salzen und

pfeffern. Die fertigen Teigtaschen

auf die Tomatensauce setzen und

mit der Joghurtsauce übergießen.

Ein typisches Gericht

aus Afghanistan: Der

Chili gibt ihm seinen

besonderen Pfiff.

>> Die Ureinwohner Südamerikas

nutzen Chili bereits seit Tausenden

von Jahren zum Kochen und für

medizinische Zwecke. Hierzulande

bekannt wurde die scharfe Schote

erst durch den Entdecker Christoph

Kolumbus, der sie – vermeintlich

in Indien angekommen und auf der

Suche nach wertvollen Gewürzen –

prompt für eine Verwandte des

Pfeffers hielt. Ein paar Jahre später

tauften Botaniker sie auf den

Namen Capsicum und räumten ihr

einen Platz als eigenständige Gattung

unter den Nachtschattengewächsen

ein.

Spanier und Portugiesen verbreiteten

die Schote in ihren alten

Kolonien und in der damals „neuen

Welt“, in Afrika und Asien. Besonders

aus der südlichen Küche ist

Chili heute nicht mehr wegzudenken.

Den höchsten Pro-Kopf-

Verbrauch an Chili haben die Inder.

Aber auch in den USA überrundeten

Chili-Soßen Mitte der 90er

Jahre sogar Tomatenketchup als beliebteste

Würzsoße.

Was aber macht die Chilischote

so scharf? Der Wirkstoff Capsicain.

Er kommt in ganz unterschiedlicher

Menge in den vielen verschiedenen

Chilisorten vor. Mit den so

genannten Scoville-Einheiten kann

man messen, wie er ein Gericht

beeinflusst: Die Skala reicht von

mild bis „gnadenlos scharf“.

Chili wirkt anregend auf den

Stoffwechsel, beschleunigt die Produktion

von Magensaft und soll

antibakterielle Wirkung haben. In

der Medizin kommt Chili in unterschiedlichster

Art und Weise zum

Zug: etwa als Bestandteil von Heftpflastern

und Wundcremes, aber

auch als Mittel gegen Gürtelrose,

Hexenschuss, Migräne und Kreislaufbeschwerden.

Wer sich als ungeübter Chiliesser

beim feurigen Genuss „den

Mund verbrennt“, dem hilft am

besten ein fetthaltiges und kühlendes

Getränk. Bewährt hat sich eine

Mischung aus Joghurt und Eiswasser.

Vorsicht allerdings bei

anderen „normalen“ Getränken: Sie

verteilen den Wirkstoff nur und

vervielfachen dadurch die unter

Umständen „höllische Schärfe“.

Fotos: Harry Bischof/Tanja Major (4); Jörg Böthling (5)

chili

Chi li, ‹Indian. Spr.-span.›

/(t)schili/ der; -s; -s

1 a) o. Pl. sehr scharfe

mittelamerikanische

Paprikaart, die den

Cayennepfeffer liefert

b) Schote, Frucht des

Chili (1a) »Diese Sauce

würze ich mit Chili.«

2 [ugs. auch] das; -s; -s

mit Chilis gewürzter,

mittelamerikanischer

Fleisch-Gemüse-Eintopf

32 33


pdfMI02S34D 02.02.2006 16:19 Uhr Seite 34

im vordergrund fasten

FASTEN

VERANDERT

Kluge Mönche machten aus Fleisch Fisch. Für Moslems gilt ein böses Wort als Fastenverstoß.

Hungern war Gandhis Waffe. Fasten: eine Herausforderung üb erall und zu allen Zeiten.

Foto: gettyimages

>> „Wer stark, gesund und

jung bleiben will, sei mäßig, übe

den Körper, atme reine Luft und

heile sein Weh eher durch Fasten

als durch Medikamente.“ Dieser

Ratschlag stammt vom griechischen

Arzt Hippokrates. Ob die

Patienten so von ihren Leiden

befreit wurden, ist nicht bekannt.

Aber dass Fasten den

Körper entschlackt, reinigt,

heilt, und dem Geist zur Klarheit

verhilft – das wusste man

schon immer. In allen Völkern

und Kulturen.

Das Fasten mit spirituellem

Hintergrund hat seine Wurzeln

in den verschiedenen Weltreligionen:

Buddha übte sich

unter dem Bodhi-Baum in Askese,

ehe ihm die Erleuchtung

zuteil wurde. Mohammed fastete

auf dem Berg Hira, bis ihm

der Koran offenbart wurde. Und

Mose enthielt sich 40 Tage jeglicher

Speise, um sich auf die Begegnung

mit Gott vorzubereiten.

Auch Jesus fastete in der

Wüste, bevor er zum ersten Mal

öffentlich auftrat.

Katholische Mönche:

Aus Fleisch wird Fisch

Die meisten Religionsstifter

gaben keine festen Fastenregeln

weiter. Dennoch entwickelte

sich im Laufe der Zeit eine Fastenpraxis.

Im Christentum erreichte

sie ihren Höhepunkt im

Mittelalter. Während der gesamten

vorösterlichen 40 Tage

durften sich die Menschen nur

einmal täglich satt essen. Mit

Gemüse und Salat, aber ohne

Fleisch. Vor allem die katholischen

Ordensbrüder sollen die

Gebote recht großzügig ausgelegt

haben: Um den Fleischverzicht

zu umgehen, machten

manche Klöster aus Gänsen und

Bibern kurzerhand „Wassertiere“,

also Fische. Damit zählten

sie zu den kaltblütigen

Tieren und konnten ohne

schlechtes Gewissen als „fleischloser

Braten“ verzehrt werden.

Besonders schlau waren die

schwäbischen Mönche: Frei nach

dem Motto „Fleisch, das man

nicht sieht, existiert auch nicht“

brachten sie als Fastenspeise mit

Fleisch gefüllte Maultaschen auf

den Tisch.

Nachdenken, innehalten,

sich verändern

Weil das Regelwerk der

Kirche allzu streng war, überstand

es den Lauf der Zeit nicht.

Seit dem Zweiten Vatikanum

gelten nur noch der Aschermittwoch

und Karfreitag als

strenge Fast- und Abstinenztage.

An diesen beiden Tagen

soll man sich nur einmal satt

essen und auf Fleisch ganz verzichten,

während für die restliche

Fastenzeit vor allem ein

„Konsumfasten“ empfohlen wird.

Denn nicht nur das „körperliche

Leersein“, sondern auch der

Verzicht auf die kleinen Annehmlichkeiten

des Alltags

macht offen für tiefere geistliche

Erfahrungen. Ohne dieses Ziel

vor Augen hat religiöses Fasten

aus christlicher Sicht keinen

Sinn. So geht es also in der

Fastenzeit darum, sich Gott

zuzuwenden und das Leben neu

auf ihn auszurichten.

Keine Fernsehprogramme

an Jom Kippur

Auch im Judentum zählt die

innere Veränderung. Orientierungsloses

Fasten ohne ein spirituelles

Ziel schätzen jüdische

Fastende sogar gering. Gut 700

Jahre vor Jesus kritisierte der

Prophet Jesaja die grantigen

Gesichter derjenigen, die mit

leerem Magen herumliefen und

ihr Frömmlertum zur Schau

stellten. Das richtige Fasten

lobte er: „Das ist ein Fasten wie

ich es liebe: die Fesseln des

Unrechts zu lösen, die Versklavten

freizulassen, an die Hungrigen

dein Brot auszuteilen, die

Obdachlosen ins Haus aufzunehmen.“

Der jüdische Fasttag Jom

Kippur geht auf die schwerste

Verfehlung der Israeliten zurück:

Während Mose auf dem

Berg Sinai die Zehn Gebote von

Gott entgegennahm, baute sein

Volk ein Goldenes Kalb und

verehrte den „Gott zum Anfassen“.

Gott verzieh den Juden

und erneuerte den Bund. Seither

ist Jom Kippur der Tag der

Versöhnung – und des Fastens.

Das gesamte öffentliche Leben

in Israel steht praktisch still:

Radio- und Fernsehprogramme

werden eingestellt, Restaurants

und Vergnügungsstätten haben

geschlossen, der Verkehr ruht.

Keine Ablenkung. Nur Gebet

und Synagogenbesuch.

Profisport und Ramadan

vertragen sich nicht

Die strengste Fastenzeit

haben aber weder Juden noch

Christen, sondern Muslime. 30

Tage ist im Fastenmonat Ramadan

von Sonnenaufgang bis

Sonnenuntergang weder essen,

trinken noch rauchen erlaubt.

Das Fasten wirkt sich in den islamischen

Ländern auf den Alltag

aus: Viele Geschäfte sind tagsüber

oder sogar während des

ganzen Monats geschlossen.

Aber für den gläubigen Moslem

reicht es nicht, nur die Finger

von verlockenden Speisen zu lassen:

Üble Nachrede, Klatsch

und Streit sind ebenso Übertretungen

des Fastengebots. Und

im Koran steht, dass Fasten den

Gläubigen gut tut, wenn sie es

richtig begreifen.

Vor allem die im Ausland

lebenden Moslems haben es

schwer im Fastenmonat Ramadan

das strenge Gebot einzuhalten.

Auf sie wird im Arbeitsleben

nur selten Rücksicht genommen.

Die Leistung muss,

wie immer und überall, stimmen,

ob am Fließband oder im

Profisport. So geriet zum Beispiel

auch der Fußballer Mamadou

Diabang vom VfL Bochum

in eine moralische Zwickmühle:

Der Senegalese hielt sich anfangs

an die Gebote des Ramadan.

Doch Profisport und Fasten vertragen

sich nicht. „Durst und

Hunger haben mir schwer zugesetzt.

Ich fühlte mich schlapp

und kraftlos. Mir war manches

Mal beim Training richtig

schwindlig“, so Diabang in

einem Interview mit der

Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Er konnte einfach

nicht mehr. Der gläubige Moslem

holt die Fastenzeit zu einem

späteren Zeitpunkt in seinem

Urlaub nach. Dafür hat er bei

einem Imam eine Sondererlaubnis

bekommen.

Fasten als Waffe

In den östlichen Religionen

wird das Fasten nicht ganz so

streng gesehen. Für Hindus ist

es ein Weg, der Erlösung näher

zu kommen. Mahatma Gandhi,

der große indische Freiheitskämpfer,

sagte: „Meine Religion

lehrt mich, dass wir immer

dann, wenn wir eine Notlage

nicht beheben können, fasten

und beten müssen.“ Seine wichtigste

Waffe war das Fasten.

Immer wieder hungerte er auf

unbegrenzte Zeit und brachte

damit seine Gegner zum Einlenken.

Seine Willensstärke

beeindruckte sie jedes Mal. Mit

Fasten brach er das Selbstbewusstsein

der britischen Kolonialherren,

setzte er die Aufhebung

rassistischer Sondersteuern

durch. Fünf Tage hat

sein letztes Fasten gegen die

Gewalttaten der rivalisierenden

Hindus und Moslems gedauert.

Es brachte ihn bis an den Rand

des Todes. Unter diesem Druck

kam es schließlich zur Verbrüderung.

Gandhi brach daraufhin

am sechsten Tag sein Fasten ab.

Fasten verändert.


pdfMI02S36D 02.02.2006 16:19 Uhr Seite 36

PATROUILLE

Seit mehr als vier Jahren sind Soldaten

der Bundeswehr in Afghanistan stationiert.

Sie begleiten den Wiederaufbau und

sollen für Sicherheit sorgen. Für viele der

Deutschen ist der Einsatz am Hindukusch

ein Abenteuer, doch die lange Zeit

im Ausland ist auch eine Belastung.

reportage afghanistan

AM

EINE REPORTAGE VON STEPHAN LINA (TEXT UND FOTOS)

HINDUKUSCH

Der Bazar der Provinzstadt

Kunduz ist ein

Gewühl aus Fußgängern,

Pferdekarren und Autos.

Nach den harten Jahren

des Krieges gehen die

Menschen wieder gerne

auf die Straße.

36 37


pdfMI02S38D 02.02.2006 16:20 Uhr Seite 38

reportage afghanistan

Militärpfarrer als wichtiger

Gesprächspartner

Pater Andreas Meyer weiß,

welche Probleme viele der Soldaten

mit sich herumschleppen. Der

Benediktiner aus Stetten am Kalten

Markt ist katholischer Militärpfarrer

in der Hauptstadt Kabul.

In der festungsartig gesicherten

Kaserne „Camp Warehouse“ lädt

er an jedem Wochenende zum

Die afghanischen

Arbeiter der

Bundeswehr werden

genau durchsucht. Die

Patrouillen über den

Bazar führen durch

eine lebhafte Welt aus

Farben und Gerüchen.

In Kabul (mitte) sind

noch viele Spuren des

Krieges zu sehen.

Es ist heiß, laut, staubig, und es

riecht nach nicht vorhandener Kanalisation.

Auf dem großen Bazar

von Kunduz wuseln Händler, Kunden,

Träger und Pferdekarren

durcheinander, ein Taxifahrer

macht seiner Verzweiflung über das

Gewühl und den Stau mit einem

Hupkonzert Luft. Für Christoph

Huber ist das scheinbare Chaos

inzwischen Routine. Der Hauptmann

aus Baden-Württemberg ist

seit fast vier Monaten für die

Bundeswehr in Kunduz. Huber ist

Chef der Sicherungskompanie in

der nordafghanischen Stadt und

damit verantwortlich für die

Patrouillen in und um Kunduz.

Heute leitet er eine Gruppe Soldaten,

die zu Fuß auf dem Bazar

unterwegs sind: „Wir zeigen Präsenz

und machen Gesprächsaufklärung.

Noch ist nicht bekannt,

wie die Parlamentswahlen ausgegangen

sind, deshalb interessiert

uns, was die Bevölkerung über die

derzeitige Lage denkt.“

Huber und seine Soldaten

haben keine Probleme, mit den

Afghanen auf dem Markt ins Gespräch

zu kommen. Die Patrouille

wird von einem Dolmetscher begleitet,

außerdem sprechen die

Deutschen ein paar Sätze der Landessprache

Dari: „Das gehört dazu,

wenn man als Gast hier im Land

ist“, sagt Huber und ist mitten in

einer Diskussion mit einem Tuchhändler.

Doch bevor der Hauptmann

an wertvolle Informationen

kommt, müssen nach afghanischer

Sitte Höflichkeiten ausgetauscht

werden. Die Deutschen fragen nach

der Familie des Gesprächspartners,

nach der Gesundheit, diskutieren

das Wetter und den Gang der Geschäfte

auf dem Bazar. Der Staub

und der Gestank stören niemanden.

Für viele Afghanen grenzt es schon

an ein Wunder, dass sie sich nach

Jahren der sowjetischen Besatzung,

des Bürgerkriegs und der lebensfeindlichen

Taliban-Herrschaft in

Kunduz überhaupt wieder frei bewegen

und mehr als das absolut Lebensnotwendige

einkaufen können.

Gäste statt Besatzer

Die Sicherungskompanie Kunduz

ist Teil der internationalen Afghanistan-Schutztruppe

ISAF, in

der die Bundeswehr eine führende

Rolle spielt. Die deutschen Soldaten

stellen mit rund 300

Männern und Frauen auch das Gros

der Truppenpräsenz in Kunduz.

Dort versucht die Bundeswehr eine

Gratwanderung. Auf der einen

Seite versucht sie, Stärke zu zeigen

und so für Sicherheit zu sorgen, auf

der anderen Seite will sie unbedingt

vermeiden, wie eine Besatzungsmacht

aufzutreten. „Wir sind

hier um zu helfen. Wir sind Gäste

des afghanischen Staates und wollen

uns auch so benehmen“, erklärt

Oberst Bernd-Otto Iben, der Kommandeur

des ISAF-Kontingentes

in Kunduz.

Deshalb respektieren die Soldaten

die afghanischen Bräuche. So

hält sich die Bundeswehr in der

Öffentlichkeit an den islamischen

Fastenmonat Ramadan: Wenn die

Soldaten auf Patrouille sind, trinken,

essen und rauchen sie nicht.

Hohes Ansehen der Bundeswehr

Dieses Fingerspitzengefühl

kommt an, meint Sabur Afsali.

Der gebürtige Afghane lebt seit

rund 30 Jahren in Bayern, hat dort

studiert und als Ingenieur gearbeitet

und ist mit einer Deutschen

verheiratet. Als die Bundeswehr

2002 nach Afghanistan ging,

erhielt er das Angebot, sich zum

Offizier ausbilden zu lassen. Heute

ist Sabur Afsali Oberstleutnant

und landeskundlicher Berater. Er

sorgt für enge Kontakte zwischen

deutschen und afghanischen

Stellen und begleitet andere Offiziere

zu offiziellen Treffen, übersetzt

bei Verhandlungen und vermittelt

zwischen den unterschiedlichen

Kulturen. Dabei hört Afsali

immer wieder viel Lob für seine

Kameraden: „Die Deutschen genießen

in Afghanistan allgemein

sehr großes Ansehen. Sie gelten bei

den Einheimischen als korrekt,

unbestechlich und ehrlich. Sie leisten

beim schwierigen Wiederaufbau

enorme Hilfe und gehen bei

Verhandlungen respektvoll mit

den Afghanen um.“

Der Friede, das wissen Afsali

und Huber nur allzu gut, ist noch

mehr als zerbrechlich. Denn nach

wie vor gibt es Gruppen im Land,

die auf Gewalt setzen: Drogenschmuggler

und islamistische

Terroreinheiten bekämpfen die

internationale Schutztruppe. Immer

wieder kommt es zu Anschlägen,

denen auch schon Bundeswehrsoldaten

zum Opfer gefallen

sind. Deswegen sind die

Deutschen auch in ihren Kasernen

immer bewaffnet. Wenn sie auf

Patrouille gehen, tragen sie bei

jedem Wetter, selbst bei glühender

Hitze, eine 18 Kilo schwere kugelsichere

Weste. Und nicht zuletzt

ist der Einsatz in Afghanistan auch

eine seelische Belastung.

Gottesdienst ein. In einem Raum

der „Oase“, einer so genannten Betreuungseinrichtung

der Bundeswehr,

zelebriert er gut besuchte

Messen. Außerdem steht die Tür

von Pater Andreas immer offen für

Soldaten, die das Gespräch suchen:

„Dabei geht es nicht immer um

Probleme, viele wollen sich einfach

nur einmal aussprechen, über Dinge,

die ihnen am Herzen liegen,

und von denen sie glauben, dass

die Kameraden dafür wenig Verständnis

hätten. Meine Aufgabe ist

es, für genau das da zu sein.“ Doch

ein Großteil der Gespräche dreht

sich um echte Probleme. So ist die

lange Trennung von der Familie

eine schwere Belastung für so

manche Familie, dazu kommt die

ständig lauernde Gefahr durch

Angriffe, Selbstmordanschläge

und Unfälle. Hier ist Pater Meyer

besonders wichtig, denn gerade

wenn die Soldaten Kameraden ver-

Sabur Afsali

„Die Deutschen

genießen in

Afghanistan sehr

großes Ansehen.

Sie gelten als korrekt,

unbestechlich

und ehrlich.“

38 39


pdfMI02S40D 02.02.2006 16:22 Uhr Seite 40

reportage afghanistan

loren haben, brauchen sie einen

Menschen, der sie seelsorgerisch

begleitet. Auch der Kulturschock

macht vielen zu schaffen: „Es ist oft

nicht einfach damit umzugehen,

welche Armut und welches Leid

hier herrschen“, so der Pater.

Familie als Mittelpunkt des

Lebens

Pater Andreas bewundert den

Lebensmut und die Zuversicht der

Pater Andreas

Meyer

„Ein echter

Austausch über

Glaubensfragen

scheitert oft

schon an der

Sprachbarriere.“

Bevölkerung: „Die Menschen hier

sind vielleicht nach unserem Verständnis

sehr arm, aber sie ruhen in

sich und in ihrer Familie. Die

Familie ist nach wie vor der Lebensmittelpunkt

für die meisten

Afghanen, in Deutschland ist das

ja leider nicht mehr der Fall.“

Gerade die große Anzahl der

Kinder in Afghanistan fasziniert

den Militärpfarrer. Die traditionelle

Großfamilie habe dort nach wie

vor eine enorme Bedeutung, Kinder

würden als Glück und Segen

verstanden und nicht als Last.

Pater Andreas wirkt nicht wie

ein Soldat, trotz seiner Uniform.

Der Benediktiner strahlt eine

große Ruhe aus und ist deshalb ein

sehr beliebter Gesprächspartner.

Dort, wo die Soldaten ihr Dienstgradabzeichen

tragen, hat er eine

Schulterklappe mit einem großen

Kreuz, die ihn als einen der weni-

40 41

gen christlichen Priester in einem

streng islamischen Land ausweist.

Die meisten Afghanen wissen

nur sehr wenig über den christlichen

Glauben. „Ein echter Austausch

über Glaubensfragen scheitert

oft schon an der Sprachbarriere“,

sagt Meyer, der in der

Erinnerung an manches Gespräch

noch heute den Kopf schüttelt. So

erzählte ihm ein muslimischer

Geistlicher, er wisse durchaus, dass

auch die Christen eine Fastenzeit

haben. „Doch der Mullah war

überzeugt, dass wir Katholiken

von Gott offenbar besonders bestraft

sein müssten, denn unsere

Fastenzeit dauert ja mit 40 Tagen

deutlich länger als der islamische

Ramadan.“

Mittelalter und High-Tech

Die unterschiedlichen Kulturen

treffen auch direkt in den Kasernen

aufeinander. So arbeiten in

den ISAF-Lagern in Kunduz und

Kabul hunderte von Afghanen für

die Bundeswehr. Die Einheimischen

sind als Bauarbeiter, Reinigungskräfte

und Dolmetscher

beschäftigt. Jeden Morgen wechseln

sie aus einer Welt in eine völlig

andere. Während nur ein

Bruchteil der afghanischen Bevölkerung

über Strom, Kanalisation

und fließendes Wasser verfügt,

sind die Kasernen nach westlichem

Standard ausgerüstet. Zwar müssen

die Soldaten etwa in Kunduz

in Containern duschen, aber immerhin

haben sie heißes Wasser –

für den durchschnittlichen Afghanen

ein unerhörter Luxus. Frischfleisch

wird aus der Heimat eingeflogen,

denn in ganz Afghanistan

gibt es keinen Schlachthof, der

ausreichend Steaks unter garantiert

hygienischen Bedingungen liefern

könnte. Das frische Trinkwasser

kommt aus Dubai, der Diesel für

den riesigen Fuhrpark der mehr als

2200 Bundeswehrsoldaten wird

aus dem benachbarten Pakistan

angeliefert. Die Versorgung klappt

reibungslos, und das trotz der

extrem schwierigen Verkehrsbedingungen.

So gibt es im ganzen Land nur

wenige geteerte Straßen. Wenn

die Soldaten im Hinterland auf

Patrouille fahren, wird jeder Meter

zur Strapaze. Die Straßen sind

Holperpisten, die in einem wesentlich

schlechteren Zustand sind

als mancher deutsche Feldweg.

Schlaglöcher gleichen Kratern und

verwandeln Reifen und Stoßdämpfer

unerbittlich in Schrott,

dazu kommt der allgegenwärtige

Staub, der den Fahrern gerade im

Konvoi die Sicht nimmt. Dennoch

sind die Patrouillen in den

Hindukusch für viele Soldaten ein

Höhepunkt ihres Einsatzes in Afghanistan.

Hauptmann Christoph

Huber war mit seinen Männern

schon in Regionen, in die sich seit

den Zeiten der sowjetischen Besatzung

kein Ausländer mehr verirrt

hatte: „Das ist teilweise sehr

abenteuerlich, diese völlig abgelegenen

Dörfer zu sehen, in denen

die Menschen unter einfachsten

Bedingungen leben müssen.“

> afghanistan

Zu Beginn des 20. Jhd. befreit

sich das Land aus mehr als 60

Jahren britischer Vorherrschaft.

1973 Nach einem Staatsstreich

geht König Zahir Schah ins Exil,

aus dem er 2002 zurückkehrt.

1978 übernimmt eine kommunistische

Regierung nach einem

Militärputsch die Macht.

1979 ruft sie die Sowjetunion

nach Volksaufständen zu Hilfe.

Die Rote Armee marschiert ein.

Der Bürgerkrieg beginnt.

Gegen die Rote Armee kämpfen

Gruppen muslimischer

Mujahedinkrieger, die von den

USA unterstützt werden.

1989 zieht sich die Rote Armee

zurück. In den Folgejahren

bekämpfen sich unterschiedliche

Mujahedin-Gruppen in

einem blutigen Bürgerkrieg.

Das Land zerfällt in Chaos.

1995 übernehmen die Taliban

die Macht. Sie einen zunächst

das Land, errichten dann

jedoch eine islamistische

Schreckensherrschaft. Es

entstehen Camps, in denen

Terroristen ausgebildet werden.

11. 9. 2001 Absolventen afghanischer

Terrorcamps entführen

in den USA vier Flugzeuge. Sie

steuern sie in die Türme des

World Trade Centers und ins

Pentagon. Eine Maschine stürzt

ab. Mehr als 3000 Menschen

sterben. Wenige Wochen

danach marschieren internationale

Truppen ein und

vertreiben die Taliban.

2004 wird erstmals eine

Regierung demokratisch

gewählt.

Die Narben des Krieges

Vor allem die motorisierten

Patrouillen von Kabul aus in die

Bergregionen im Grenzgebiet zu

Pakistan sind trotz der anstrengenden

Fahrt eine beliebte Abwechslung

zum Kasernenalltag.

Hinter einem ausgetrockneten

Stausee ragen die majestätischen

Berge des Hindukusch in den wolkenlos

blauen Himmel. Doch die

Idylle trügt. Einer der Soldaten

deutet auf einen besonders beeindruckenden

Gipfel: „Das Gelände

ist komplett vermint und wird es

wohl lange Zeit bleiben, weil die

Gegend so unzugänglich ist.“ Das

ganze Land leidet noch auf Jahre

unter dem tödlichen Erbe der jahrzehntelangen

Kriege. Noch immer

können hunderte von Quadratkilometern

nicht betreten werden,

weil dort Millionen von Landminen

vergraben und verschüttet

sind. Über ganz Afghanistan verstreut

liegen tausende von Panzerwracks

und abgeschossenen

Hubschraubern am Straßenrand.

Doch der Oberstleutnant Sabur

Afsali ist zuversichtlich: „Irgendwann

wird das Land wieder sicher

sein. Dann können auch wieder

Touristen aus dem Ausland kommen

und unsere Gastfreundschaft

und die wunderschöne Landschaft

Afghanistans genießen.“


pdfMI02S42D 02.02.2006 16:22 Uhr Seite 42

momente der Stille

Du lässt gelingen

Foto: Günter Lüttich (Baumrinde)

Du, Herr, gibst mir immer wieder

Augenblicke der Stille,

eine Atempause,

in der ich zu mir komme.

Du stellst mir Bilder vor die Seele,

die mich sammeln

und mir Gelassenheit geben.

Oft lässt du mir mühelos

irgendetwas gelingen,

und es überrascht mich selbst,

wie zuversichtlich ich sein kann.

Ich merke,

wenn man sich dir

anvertraut,

bleibt das Herz ruhig.

aus Japan

42 43


pdfMI02S44D 03.02.2006 10:00 Uhr Seite 44

im dialog

gut gemacht

gut gedacht

Die Lösung aus missio aktuell 6/05

lautet HERBERGSSUCHE

1. Preis: Gertrud Pintz-Böhler,

Bad Nauheim

2. Preis: Maria Kreimeyer,

Osnabrück

3. Preis: Herta Joachim,

Geldersheim

4.–23. Preis: Die Gewinner

wurden direkt benachrichtigt

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leserbriefe

IMPRESSUM

missio magazin München

Das Magazin des Internationalen

Katholischen Missionswerks

Körperschaft Öffentl. Rechts,

Pettenkoferstraße 26-28,

80336 München

Redaktion: Barbara Brustlein

(Chefredaktion), Julia Bönisch,

Elisabeth Tyroller, Bettina

Klubach (Redaktionsassistenz)

Art Direktion/Layout:

Petra Kuchenbecker

Druck: u.e.sebald, Nürnberg

Redaktionsschluss: 17.1.2006

Anschrift der Redaktion:

missio magazin,

Pettenkoferstraße 26,

80336 München,

Telefon 089-51 62 0,

Fax 089-51 62 618,

E-Mail: missiomagazin@missiomuenchen.de

Anzeigenverwaltung:

sv corporate media GmbH,

Emmy-Noether-Straße 2/E,

80992 München,

Telefon 089-548 52-132,

Fax 089-548 52-192

Anzeigenleitung: Lutz Boden,

sv corporate media GmbH

Erscheinungsweise:

sechsmal jährlich

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag

von € 10,- enthalten.

Das missio magazin München

wird auf umweltfreundlichem,

chlorfrei gebleichtem Papier

gedruckt.

>> Vor ein paar Tagen erhielt ich

das neue missio magazin. Ich war

überrascht und erfreut zugleich. Es

ist Ihnen geglückt, ein grafisch

griffiges und übersichtliches Heft

zu erstellen – mit aktuellen Themen

und hervorragenden Fotos.

Ferner freut mich das handliche

Magazinformat, das gute Papier

und die für das Auge so wohltuende

Anordnung und Verteilung von

Texten und Bildern. Was die Häufigkeit

der Anzeigenwerbung betrifft,

war ich zunächst ein wenig

betroffen, gebe aber zu, dass diese

durchaus geschmackvoll gehalten

und platziert wurden. Wahrscheinlich

geht es heute auch in

kirchlich orientierten Blättern

nicht mehr ganz ohne Werbung –

aus finanziellen Gründen. Pater

Adalbert L. Balling CMM, Köln

Beim ersten Durchblättern des

neuen Magazins war ich zunächst

wegen des gekonnten Layouts positiv

gestimmt. Doch dann drängten

sich mir diese Fragen auf: Passen

Anzeigen wie „Exklusive Kreuzfahrten“

oder „SZ-sophisticated“

tatsächlich zur spendenden Leserschaft?

Und wie umweltfreundlich

ist das verwendete Papier?

Peter Friebe, Germering

Anm. d. Red.

Die Anzeigen tragen zur Refinanzierung

unseres missio magazins

bei. Wir prüfen in jedem einzelnen

Fall, ob der Anzeigenkunde

für uns vertretbar ist. Die Entscheidung

ist und bleibt allerdings

immer eine Frage der Einschätzung.

Das missio magazin wird selbstverständlich

auf umweltfreundlichem

und chlorfrei gebleichtem Papier

gedruckt.

Wir lesen Ihr Magazin seit längerem

und haben schon immer gern

darin geschmökert. Das neue Heft

gibt dem wichtigen Anliegen missios

ein zeitgemäßes und frisches

Aussehen. Wir freuen uns darüber

und lesen gerne weiter! Thomas u.

MargotWienhardt, Neuburg

Danke für das neue Magazin. Es ist

sehr interessant. Ich wünsche euch

viel Erfolg damit im neuen Jahr.

Pater Frans Voss, Koisjärvi

(Finnland)

Ich möchte mich für die wirklich

schöne und gute missio Zeitschrift

bedanken. An das neue Außen-

Outfit muss ich mich zwar erst

gewöhnen, aber vom Innenleben

bin ich schon jetzt sehr überzeugt.

Anna Leitermann,

Mallersdorf-Pfaffenberg

Stichwort „Sicherheit“, 1/06

Als ich Pater Gerners Brief aus

Uganda las, war ich sehr beeindruckt.

Ich fühle mich nur in meinen

eigenen vier Wänden wohl

und sicher. Hier lebe ich seit 36

Jahren, habe alle meine Sachen um

mich. Jedes Möbelstück birgt für

mich eine Erinnerung. Dass Pater

Gerner in einem fremden Land

unter solch furchtbaren Umständen

so gute Arbeit tun kann, bewundere

ich sehr. Solche Menschen muss

missio weiterhin unterstützen.

Gerlinde Hartmann, München

Die Redaktion freut sich über

Anregungen, Kritik und Beiträge,

behält sich jedoch vor, die Zuschriften

und Leserbriefe zu kürzen.

missio magazin, Pettenkoferstraße 26,

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MI02S46D 03.02.2006 9:22 Uhr Seite 46

anderswo tanzen

>> Wenn Jesty Varghese zornig ist,

steht sie mit durchgedrücktem

Rücken kerzengerade, presst ihre

Lippen aufeinander und ballt die

rechte Hand vor der Brust zur Faust

zusammen, bis ihre Knöchel weiß

hervortreten.

Wenn Jesty Liebe ausdrückt, beugt

sie ihren Körper nach vorn, lächelt

und führt die Fingerspitzen vor

dem Bauchnabel zusammen.

Die 24-jährige Inderin zeigt

Gefühle ohne Worte, nur mit

Gesten, Mimik und Bewegungen –

mit klassischem indischen Tanz.

Manche der Figuren sind schon

fast 2000 Jahre alt und gehen auf

die Natya Shastra, älteste bekannten

Schrift über Dramaturgie,

zurück. Diese Regeln wurden ursprünglich

in den indischen Tempeln

von Devadasis, den Tempeltänzerinnen,

entwickelt. Sie verbanden

in ihren Tänzen Mythen,

Philosophie und Hinduismus,

später integrierten sie sogar alte

Traditionen des Islam.

46 47

Zorn und Abscheu

drücken die Tänzerinnen

von Kalai Kaviri mit Hilfe

der traditionellen indischen

Regeln des Natya Shastra

aus (rechts). Figuren der

Liturgie (unten) erschaffen

die Künstler jedoch neu.

Jedem Tanzstil ist der Ausdruck

von neun Stimmungen und

Gefühle eigen. „Liebe, Hass, Trauer,

Ärger, Angst, Mut, Ekel, Staunen

und Frieden werden immer durch

gleiche Bewegungen der Augen,

GETANZTES EVANGELIUM

der Brauen, von Hals, Händen und

Körper dargestellt“, erzählt Jesty.

Außerdem gibt es noch zwei Haltungen‘

die alle Tänzer – gleich, ob

Mann oder Frau – beherrschen müssen:

„Führe ich das kraftvolle ‚Tandava’

aus, so verkörpere ich einen

Mann. Lasya dagegen steht für das

Anmutige, Weibliche. So kann ich

als Frau auf der Bühne auch schon

mal einen Jungen spielen.“ Anstatt

der langen Gewänder trägt sie dann

einen Dhoti, die traditionelle indische

Männerkleidung. Ihre Finger

und Zehen bleiben immer mit

Ornamenten aus Henna geschminkt.

„So können Zuschauer

in den hinteren Reihen meine Bewegungen

besser verfolgen.“

Jesty tourt mit ihrer Gruppe ‚Kalai

Kaviri‘ durch die ganze Welt. Sogar

vor Papst Johannes Paul II. durften

die Künstler zwei Mal auftreten,

denn ihre Dramaturgien sind etwas

ganz Besonderes: Sie stellen nicht

Mythen aus dem Hinduismus dar,

sondern Gleichnisse aus dem Neuen

Testament. „So verbinden wir indische

Tradition mit dem christlichen

Glauben“, erklärt Jesty. „Dazu

mussten wir natürlich die Sprache

des Tanzes erweitern.“ Die Figur

„Auferstehung“ etwa stammt nicht

aus dem traditionellen Repertoire:

Dazu dreht Jesty den rechten Fuß

nach außen und winkelt das linke

Bein seitlich ab. Zeige- und Mittelfinger

streckt sie über dem Kopf

aus, die linke Faust hält sie vor ihre

Brust – nur der Daumen ist wie zu

einem OK-Zeichen ausgestreckt.

„In Indien ziehen wir mit unserem

Programm durch die Dörfer“, erzählt

sie. „So bringen wir Menschen,

die nicht lesen können oder

nie auf die Idee kommen würden,

eine Bibel zur Hand zu nehmen, das

Evangelium nahe.“


MI02S48E 02.02.2006 16:26 Uhr Seite 48

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