Erinnerung im Horizont der Menschenrechte - www ...

nmrz.de

Erinnerung im Horizont der Menschenrechte - www ...

www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

Erinnerung im Horizont der

Menschenrechte

Perspektiven der Erinnerungsarbeit im Rahmen der Globalisierung.

"Zukunft der Erinnerung": Aspekte eines Krisendiskurses

(Erschienen in: Jahrbuch für Pädagogik 2003: Erinnern - Bildung - Identität,

Redaktion Hans-Jochen Gamm, Wolfgang Keim, Peter Lang-Verlag: Frankfurt/M

2003, S. 247-269)

Hasko Zimmer, Mai 2004

Wenn die eher ungewöhnliche Frage nach der "Zukunft der Erinnerung" innerhalb

kurzer Zeit zum Thema von internationalen Konferenzen und einer wachsenden Zahl

von Publikationen werden kann, wie dies seit den 90er Jahren zu beobachten ist,

dann scheinen Entwicklungen eingetreten zu sein, die Gewohntes in Frage stellen,

neue Problemlagen anzeigen oder einen Wandel von Rahmenbedingungen vermuten

lassen, die bisher dem nationalen Umgang mit Vergangenheit zu Grunde gelegen

haben. Diese Debatte ist nicht einfach als eine weitere Variante des in den

Massenmedien, Feuilletons und Kulturwissenschaften grassierenden

"Erinnerungsbooms" abzutun, sondern durchaus ernst zu nehmen. Das breite

Interesse am Thema Erinnerung und Gedächtnis, das z. B. die Arbeiten von Pierre

Nora in Frankreich oder von Jan und Aleida Assmann in der Bundesrepublik ausgelöst

haben, ist, will man nicht auf die Oberflächenphänomene der fin de siècle-

Stimmungen oder der zahlreichen Jubiläumsdaten in den 90er Jahren rekurrieren,

kaum ohne die beträchtlichen Veränderungen in den Vergangenheitsverhältnissen

und den Räumen der kollektiven Gedächtnisse zu verstehen, wie sie derzeit auf

nationaler wie auf internationaler Ebene zu erkennen sind. Wo vor diesem

Hintergrund nach der "Zukunft der Erinnerung" gefragt wird, wird je nach Land oder

Weltregion Unterschiedliches zum Thema: Teils sind es die Hoffnungen auf den

Erfolg der weltweiten Kämpfe gegen das Vergessen (vgl. UNESCO-Kurier 1999,

KulturAustausch 1999), teils sind es - etwa in Ländern mit einer fest etablierten

Erinnerungskultur wie der Bundesrepublik - die Verunsicherungen über die Folgen

dieser Veränderungen.

1


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

In Deutschland, dem Land mit den international längsten Erfahrungen im Umgang

mit den Lasten nationaler Vergangenheit, hat diese Debatte daher den Charakter

eines Krisendiskurses. Er bezieht sich auf den gegenwärtigen Zustand einer

Erinnerungsarbeit, die sich trotz ihrer breit gefächerten institutionellen Verankerung

und gesellschaftlichen Akzeptanz hinsichtlich ihrer Formen, Praktiken und Wirkungen

bei der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht mehr sicher ist.

Die Krisendiagnose bezieht sich in der Regel auf drei problematische Entwicklungen.

Die eingefahrenen Formen und Praktiken einer ritualisierten Gedenkkultur, die

inzwischen bei den nachwachsenden Generationen zunehmend auf Unbehagen,

Überdruss oder Gleichgültigkeit stoßen, sind offenbar immer weniger in der Lage, die

Gegenwartsbedeutung dieser für das Selbstverständnis der Bundesrepublik

konstitutiven Vergangenheit deutlich zu machen. Mit der wachsenden biografischen

Distanz der jüngeren Generationen zum Nationalsozialismus hat sich im

Geschichtsbewusstsein eines Großteils von ihnen auch der Stellenwert dieser Epoche

gewandelt: Sie ist zur fernen Geschichte geworden und hat, relativiert zu einer

Epoche neben anderen, ihren exzeptionellen Charakter tendenziell eingebüßt. Damit

drohen auch die mit der Erinnerung an die NS-Vergangenheit verbundenen

normativen Intentionen, die Appelle des "Nie wieder!" und "dass Auschwitz nicht

noch einmal sei" (Adorno) ins Leere zu laufen. Von anderer Qualität ist das dritte

Problem in diesem Zusammenhang: das Aussterben der Generation der Opfer, Täter

und Zuschauer, die als "Zeitzeugen" noch bewusst die NS-Diktatur und den Zweiten

Weltkrieg erlebt haben. Es definiert eine erinnerungsgeschichtliche Zäsur, nach der

es keine lebensgeschichtlich-authentische Erinnerung an diese Zeit, sondern nur

noch museale und mediale Repräsentationen oder, mit den viel zitierten Begriffen

Jan Assmanns gesprochen, statt "kommunikativem" nur noch "kulturelles

Gedächtnis" geben wird (vgl. Assmann 1997).

Wie sind solche Entwicklungen zu deuten und welche Konsequenzen sind aus dieser

Lage zu ziehen? Im Feld der Gedenkstätten, zumindest dort, wo diese

Veränderungen genauer registriert werden, ist nicht ohne Dramatik bereits von

einem "Abschied von der Erinnerung" die Rede (vgl. Knigge 2001). Forderungen nach

einer Grundsatzdebatte über das Selbstverständnis und die Arbeitsformen der

Erinnerungsarbeit in der Bundesrepublik deuten die Wahrnehmung des

Krisenzustands an, doch die Experten wirken ratlos und neue Perspektiven sind nicht

in Sicht. Nach einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus

und Holocaust scheinen die Möglichkeiten der Erinnerungsarbeit in Deutschland

erschöpft und ihre Zukunft trotz aller Betriebsamkeit eher düster zu sein.

Es fragt sich allerdings, ob das von Volkhard Knigge entworfene Szenario die

problematische Lage der deutschen Erinnerungsarbeit bereits hinreichend erfasst. Es

geht ja nicht nur um die durch das untergehende "kommunikative Gedächtnis" der

Erlebnisgenerationen erzeugte Zäsur und ihre Auswirkungen auf die etablierte

Erinnerungskultur, sondern bereits um diese selbst: nämlich um den schon länger

anhaltenden tiefgreifenden Wandel jener gesellschaftlichen Voraussetzungen und

sozialen Rahmen, die ihr zu Grunde liegen. Erinnerungsarbeit in Deutschland bezog

und bezieht sich auf die Existenz und den Erhalt einer deutschen Erinnerungs- und

Haftungsgemeinschaft, die sich durch das NS- und Holocaust-Gedächtnis konstituiert.

Diese kollektive Erinnerung wurde geformt und reproduziert sich im Rahmen einer

nationalen Erinnerungskultur, die ihrerseits erheblichen Anteil an der Herausbildung

2


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

und Kontinuität nationaler Identität hat. Doch seit der Entwicklung der

Bundesrepublik zu einer multikulturellen bzw. multiethnischen Gesellschaft wird

dieser ‚natürlich' scheinende nationale Bezugsrahmen zunehmend problematisch.

Was diese Lage für die Auseinandersetzung mit den von Deutschen zu

verantwortenden Makroverbrechen in einem Land bedeutet, dessen Bürger zu einem

beträchtlichen Teil nicht aus deutschen Familien stammen oder sich auf andere

identitätsstiftende Vergangenheiten und Erinnerungskulturen beziehen, ist noch

kaum abzusehen (vgl. dazu Fechler u. a. 2000). Deutlich wird allerdings, dass unter

diesen veränderten Bedingungen das für die Nachfahren der deutschen

Tätergesellschaft entworfene Programm einer "Erziehung nach Auschwitz", wie es

Adorno 1966 unter dem Eindruck des Frankfurter Auschwitz-Prozesses skizzierte, nur

noch begrenzt tauglich ist.

Doch nicht nur im Blick auf die multikulturelle Gesellschaft erweist sich der nationale

Bezugsrahmen kollektiver Gedächtnisbildung als ein Problem. Auch der Modus der

Vergangenheitsorientierung, der die Erinnerungsarbeit in der Bundesrepublik seit den

70er Jahren bestimmt, ist zur Barriere geworden. Der auf "Aufarbeitung" der

Vergangenheit liegende Akzent, zu Zeiten starker gesellschaftlicher Verdrängungsund

Verleugnungstendenzen zweifellos geboten und gegen vielfachen Widerstand

durchgesetzt, droht heute, wo Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust zur

Staatsräson und zu einem Dauerthema in den Massenmedien geworden ist, die

Bereitschaft der jüngeren Generationen zur persönlichen Auseinandersetzung mit

dieser immer ferner rückenden Vergangenheit zu blockieren. Ihre Relevanz für

Probleme der Gegenwart ist vielen nicht mehr einsichtig, weil es der pädagogischen

Erinnerungsarbeit in Schulen und Gedenkstätten anscheinend immer weniger gelingt,

die Frage nach dem "Wozu" des Erinnerns überzeugend zu beantworten. Dieser

Befund verweist auf einen Perspektivenverlust, der sich nicht zuletzt der nationalen

Selbstbezüglichkeit im Umgang mit der NS-Vergangenheit verdankt. Sie hat auch den

Blick auf andere Länder verstellt, die sich seit den 90er Jahren mit den Verbrechen

überwundener diktatorischer Regime befassen müssen und in denen gerade diese

Frage eine zentrale Rolle spielt. Die hierzulande erst seit wenigen Jahren genauer

beachtete internationale Entwicklung soll daher im folgenden anhand jüngerer

Länderstudien näher betrachtet werden (vgl. dazu Nolte 1996, König u.a. 1998,

medico international 1998, Garton Ash 1999, Bock/Wolfrum 1999, Knigge/Frei 2002).

Sie scheint mir in zweifacher Weise für die Probleme der Erinnerungsarbeit in

Deutschland relevant zu sein: Zum einen verweist sie auf neue Dimensionen und

Perspektiven, die der deutschen Diskussion wichtige Impulse geben können, und

zum anderen macht sie deutlich, dass sich Fragen nach der Zukunft der Erinnerung

heute nicht mehr nur auf nationale Rahmen und Kontexte beschränken können, weil

diese Rahmen im Zuge weltweiter Veränderungen, die auch den Umgang mit

Vergangenheit betreffen, allmählich anachronistisch zu werden beginnen.

Der hier interessierende Wandel von Rahmenbedingungen des Erinnerns steht im

Zusammenhang mit dem durch den Prozess der Globalisierung bedingten

Bedeutungsverlust des Nationalstaates, der auch die historische Figuration

nationalstaatlich geformter Kollektivgedächtnisse sukzessiv verändern wird. Was sich

in der de facto multikulturellen und multiethnischen Gesellschaft der Bundesrepublik

bereits andeutet, lässt sich daher als eine "postnationale Konstellation" (Habermas)

3


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

beschreiben: "Unsere nationalstaatlich verfassten, aber von

Denationalisierungsschüben überrollten Gesellschaften ‚öffnen' sich heute gegenüber

einer ökonomisch angebahnten Weltgesellschaft" (Habermas 1998, S. 95 f.). In den

sich verändernden nationalen Gesellschaften ist dieser Prozess mit komplizierten

politischen Anforderungen und gesellschaftlichen Lernprozessen verbunden, die auch

die Erinnerungsarbeit vor neue Herausforderungen stellen werden: "In

multikulturellen Gesellschaften wird eine ‚Politik der Anerkennung' nötig, weil die

Identität jedes einzelnen Bürgers mit kollektiven Identitäten verwoben und auf

Stabilisierung in einem Netz gegenseitiger Anerkennung angewiesen ist" (ebd., S.

113). Mehrheitskulturen, die sich weiterhin als ‚nationale' verstehen, werden

dysfunktional, weil sie aufgrund ihrer exkludierenden Effekte die neuen sozialen

Integrationserfordernisse tendenziell blockieren, und sie werden letztlich

anachronistisch, weil ihre einst identitätsstiftende Funktion die parallel zum

Bedeutungsverlust der Nationalstaaten laufende Erosion nationaler Identitäten auf

Dauer nicht aufhalten kann.

Damit geraten Erinnerungskulturen, die auf nationale Gedächtnis- und

Identitätsbildung gerichtet sind, in eine prekäre Lage. Denn unter dem Druck der

Globalisierung können zusammen mit den nationalstaatlichen Strukturen auch ihre

Rahmen brüchig werden. Was dies für die Formen kollektiver Gedächtnisse bedeuten

könnte, soll an späterer Stelle im Zusammenhang mit dem Wandel der Erinnerung im

Kontext der Globalisierung diskutiert werden. Diesen Prozess kennzeichnet eine

neue, universalistische Perspektive, die sich vor allem in der Verknüpfung von

Vergangenheitsaufarbeitung und Menschenrechten zeigt. In dieser Verknüpfung

könnte, so meine These, eine mögliche, wenn nicht die wegweisende Antwort auf die

Frage nach der Zukunft der Erinnerung liegen.

Damit sind die veränderten Rahmen und neuen Dimensionen angedeutet, auf die

sich m. E. die Debatte um die Perspektiven der Erinnerungsarbeit (nicht nur) in

Deutschland zu beziehen hätte, wenn sie auf dem Stand der gegenwärtigen Weltund

Vergangenheitsverhältnisse geführt werden soll. Gestützt auf jüngere

Länderstudien zur Problematik und zum Bedeutungswandel der

"Vergangenheitsbewältigung" in Europa, Lateinamerika und Südafrika seit dem

Ausgang der 80er Jahre werde ich im Folgenden zunächst die für meine

Fragestellung relevanten internationalen Entwicklungstendenzen und

Diskussionskontexte skizzieren und die dabei deutlich werdenden Differenzen zum

deutschen Umgang mit Vergangenheit markieren. Um die Befunde für ein

pädagogisches Konzept fruchtbar machen zu können, das der historisch neuen

Figuration der Erinnerungsproblematik reflektiert Rechnung trägt, werde ich dann in

einem zweiten Schritt das auf der Ebene der UNESCO entwickelte Programm einer

Human Rights Education aufnehmen und in der Auseinandersetzung mit diesen

Ansätzen die Möglichkeiten einer Verknüpfung von Erinnerungsarbeit und

Menschenrechtsbildung diskutieren.

4


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

Umgang mit Vergangenheit nach 1989: Der deutsche Weg im

internationalen Kontext

Schien seit dem Ende der Terrorherrschaft des NS-Regimes und des von Deutschland

entfesselten Zweiten Weltkriegs die Befassung eines Landes mit den Hypotheken

seiner jüngeren Vergangenheit im wesentlichen eine Aufgabe der Deutschen zu sein,

die sich zwingend aus ihrer Verantwortung und Haftung für die

Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus ergab, so zeigt sich am Ausgang des

20. Jahrhunderts eine erheblich veränderte Konstellation. Denn im Laufe der 80er

und frühen 90er Jahren, in denen fast zeitgleich die Militärdiktaturen in

Lateinamerika und das rassistische Apartheidregime in Südafrika zusammenbrachen

und der Zerfall der Sowjetunion die politischen Umbrüche in den realsozialistischen

Systemen Ostmitteleuropas auslöste, ist die Frage, wie nach einem Systemwechsel

mit den Staatsverbrechen diktatorischer Regimes zu verfahren sei, zu einem

gravierenden internationalen Problem geworden. Nimmt man noch die

vergangenheitspolitischen Kontroversen in einer Reihe von Ländern im letzten

Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hinzu, die z. B. in den Niederlanden oder in

Frankreich, in der Schweiz oder in Japan die Rückkehr lange verdrängter historischer

Hypotheken sichtbar machten und tief verankerte nationale Opfer-, Widerstandsoder

Unschuldsmythen in Frage stellten, so lässt die Summe dieser Vorgänge

unschwer das weltweite Ausmaß erkennen, das das einst ‚deutsche' Thema der

"Vergangenheitsbewältigung" inzwischen angenommen hat.

Vergleicht man die internationalen Tendenzen und Problemstellungen dieser Zeit mit

den in Deutschland nach der Vereinigung geführten vergangenheitspolitischen

Debatten, so fällt auf, wie wenig in der deutschen Diskussion internationale Kontexte

zur Kenntnis genommen worden sind. Die in den frühen 90er Jahren einsetzende

Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit - die "zweite Vergangenheitsbewältigung" nach

1945 - dominierte ein wie selbstverständlich auf die deutsche Geschichte gerichteter

Blick. Bemerkenswert daran ist, dass die Auseinandersetzung mit den

Hinterlassenschaften des SED-Regimes im Kontext der politischen Umbrüche seit

1989 immer auch ein europäisches Thema darstellte, das die Bundesrepublik mit den

mittel- und osteuropäischen Nationen verband, nämlich die Frage, wie mit dem

gemeinsamen Erbe kommunistischer Diktaturen in den anstehenden Übergangs- und

Transformationsprozessen umgegangen werden sollte bzw. konnte. Vergleicht man

nun den in der Bundesrepublik gewählten, von Rigidität, bürokratischer Gründlichkeit

und der Dominanz justizieller Aufarbeitung geprägten Umgang mit der ehemaligen

DDR mit den entsprechenden Verfahren in den östlichen Nachbarländern, so erweist

sich im Rahmen dieser internationalen Konstellation der ‚deutsche Weg' als ein

Sonderweg (vgl. Garton Ash 1999, Rupnik 1999/2000, Smolar 1999/2000). Dass

andere Fragestellungen und Formen in der Auseinandersetzung mit kommunistischer

Vergangenheit nicht zur Kenntnis genommen wurden bzw. nicht zum Zuge kamen,

hatte, einmal abgesehen von den besonderen deutschen Vereinigungsverhältnissen,

nicht zuletzt damit zu tun, dass die "zweite Vergangenheitsbewältigung" in

Deutschland über weite Strecken in der Tradition und unter dem Einfluss der ersten

erfolgte. So wurde das SED-Regime zunächst fast ausschließlich im Vergleichsrahmen

der NS-Diktatur, nicht aber etwa im europäischen Kontext der Nachkriegszeit und der

sowjetischen Satellitenstaaten beurteilt. Nicht die postkommunistischen Verhältnisse

in Europa nach 1989, sondern die innerdeutsche Geschichte der Teilung und

5


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

ideologischen Systemkonkurrenz vor 1989 bestimmten die vergangenheitspolitische

Debatte in der Bundesrepublik. Auf diese Weise blieb die nationale Sichtbegrenzung,

die bereits den westdeutschen Umgang mit dem Nationalsozialismus geprägt hatte,

erhalten, wenn sie nicht noch verstärkt wurde. Wie es "die anderen" machten, ob es

noch andere "Wege zur Wahrheit" gäbe, waren Fragen, die von ausländischen

Beobachtern gestellt wurden (z. B. Garton Ash 1997), in den innerdeutschen

Debatten um die frühere DDR jedoch kaum eine Rolle spielten.

Gerade weil die zweite deutsche "Vergangenheitsbewältigung" politisch und

thematisch in internationale Kontexte eingebunden war, wird um so deutlicher, in

welchem Maße die in Deutschland praktizierten Formen und Perspektiven der

Vergangenheitsaufarbeitung sich von der internationalen Entwicklung abgekoppelt

haben. Der Blick über die nationalen Grenzen hinaus zeigt nämlich, dass in einer

Reihe von Ländern auf Grund anderer Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und

Problemlagen nicht nur andere, sondern auch weit mehr Wege als in Deutschland

üblich im Umgang mit den Lasten der je eigenen Vergangenheit entwickelt worden

sind (vgl. dazu bes. Garton Ash 20002). Die Optionen und Verfahren, die etwa in

Ostmitteleuropa, Lateinamerika oder Südafrika gewählt wurden bzw. gewählt werden

mussten, repräsentieren eine Bandbreite an vergangenheitspolitischen Strategien in

der Auseinandersetzung mit den Staatsverbrechen diktatorischer Systeme, in der der

‚deutsche Weg' nicht als Regel, sondern nur als eine Variante neben vielen anderen

erscheint. Dieses Spektrum umfasst so unterschiedliche und aus deutscher Sicht

zumindest ungewöhnliche Vorgehensweisen wie z. B. die Schlussstrich-Politik in

Polen 1989, die in Argentinien und Chile von den Militärs erzwungene Amnestie oder

die vielen im Interesse an einem friedlichen Systemwechsel ausgehandelten

Kompromisslösungen wie etwa die zahlreichen, zuerst in Lateinamerika entwickelten

"Wahrheitskommissionen", unter denen besonders die südafrikanische Variante

weltweite Beachtung gefunden hat. Sie alle stellen landes- und situationsspezifische

Antworten auf das inzwischen internationale Problem des Umgangs mit

Vergangenheit dar. Timothy Garton Ash hat es im Interesse am Vergleich der

jeweiligen Problemlösungen in die vier regelmäßig auftauchende Fragen gefasst,

"ob", "wann", "wie" und "wozu" denn die Verbrechen der Vergangenheit

aufgearbeitet werden sollten (vgl. Garton Ash 1997). Es sind Fragen, die im

vereinten Deutschland, wenn sie sich überhaupt gestellt haben, meist anders als bei

den Nachbarn beantwortet worden sind, und Problemlösungsstrategien, die schon

deshalb zum Teil erheblich von den deutschen Verfahren der Aufarbeitung

abweichen, weil sie ganz andere Probleme zu bewältigen hatten. Im Ergebnis zeigt

sich, dass die internationale Entwicklung nicht nur zu einer überraschenden Fülle von

Alternativen, sondern im Vergleich zum deutschen ‚Modell' auch zu einem

bemerkenswerten Bedeutungs- und Funktionswandel der

"Vergangenheitsbewältigung" geführt hat (vgl. dazu König 1998).

Die vielen verschiedenen Ziele und Wege der Vergangenheitsaufarbeitung sind nur

zu verstehen, wenn man sie im Zusammenhang mit den jeweiligen politischen und

gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen in den postdiktatorischen

Übergangsgesellschaften betrachtet. Diese haben als Rahmenbedingungen in

unterschiedlicher Weise die Handlungsräume definiert, die Zielentscheidungen

präformiert und zu teilweise problematischen Kompromissen genötigt. Wo nämlich,

6


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

wie z. B. in Polen, Chile und Südafrika, Diktaturen nicht auf Grund von

Volksaufständen oder militärischen Niederlagen beseitigt wurden, sondern im

Rahmen "verhandelter Revolutionen" abtraten, die den alten Eliten weiterhin Einfluss

und Handlungsmöglichkeiten sicherten, musste die für den politischen und

rechtlichen Wandel erforderliche Aufarbeitung der Regimeverbrechen zu einem

brisanten politischen Problem werden. Die mit den fragilen Übergangs- und

Transformationsprozessen eng verbundene Frage der "Vergangenheitsbewältigung"

wurde somit zu einem Faktor, der mit darüber entschied, ob der Übergang zu

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gelingen oder dem Widerstand der alten Kräfte

zum Opfer fallen würde. Diese Konstellation zwang z. B. in Lateinamerika die neuen

demokratischen Regierungen dazu, die noch unter den Militärdiktaturen erlassene

(Selbst-)Amnestie für schwerste Menschenrechtsverletzungen anzuerkennen, und

führte in den postkommunistischen Staaten Ostmitteleuropa, in denen es aufgrund

der jahrzehntelangen Verschränkung von System und Gesellschaft keine klare

Trennung zwischen Opfern und Tätern ("Wir" und "Sie") geben konnte, zu teilweise

sehr moderaten Regelungen, die bis hin zu Schlussstrichvereinbarungen gingen. Das

mag aus deutscher Sicht befremdlich erscheinen. Ihr hat der britische Zeithistoriker

Timothy Garton Ash entgegen gehalten, dass es bei der Auseinandersetzung mit den

Verbrechen eines abgetretenen Regimes in der Übergangssituation nicht in erster

Linie und sofort um die Klärung historischer Wahrheit und Schuld gehe, wie es in

Deutschland nach 1989 der Fall war, sondern vor allem um die Beantwortung der

Frage: "Gefährdet diese Art der Geschichtsaufarbeitung den sozialen Frieden oder

den Aufbau der neuen Demokratie?" (Garton Ash 1997, S. 44) Das war nicht nur

britischer Pragmatismus, sondern entsprach auch ziemlich genau der veränderten

Rolle von "Vergangenheitsbewältigung" im gegenwärtigen internationalen Kontext.

Globalisierung des Erinnerns: Vom nationalen zum "Weltgedächtnis"?

Das historisch Neue der internationalen Entwicklung im Umgang mit Vergangenheit

liegt nicht allein in ihrer quantitativen Dimension, sondern mehr noch in dem

grundlegenden Wandel im Verhältnis von Erinnern und Vergessen, der dabei zum

Ausdruck kommt. Denn im Gegensatz zu der seit Jahrhunderten üblichen Praxis,

nach dem Ende von Kriegen und verbrecherischen Regimes mit einem ‚von oben'

verordneten Vergessen einen bewussten Schlussstrich unter die Gräuel der

Vergangenheit zu ziehen, um einen quasi unbelasteten Neuanfang zu ermöglichen -

eine Strategie, wie sie in Europa bekanntlich auch noch nach 1945, z. B. in

Frankreich und Spanien, angewandt worden ist (vgl. Garton Ash 1999, S. 310 ff.) -,

ist inzwischen immer mehr das Postulat des Erinnerns und Aufarbeitens an ihre Stelle

getreten. In einer sich weltweit durchsetzenden Opferkultur schwindet die Akzeptanz

für Konzepte wie das "forgive and forget, let bygones be bygones", das noch Nelson

Mandela im Nach-Apartheid-Südafrika in Sorge vor einer Fortsetzung der Gewalt

empfahl.

Der Imperativ der "negativen Erinnerung", der sich in der Bundesrepublik im Laufe

der 70er Jahre durchsetzte, ist auf dem Wege, zu einer globalen Norm zu werden.

Diese Entwicklungstendenz lässt sich auf drei Ebenen deutlich beobachten:

7


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

1. Auf der nationalen Ebene zeigt sie sich seit den 80er Jahren vor allem in jenen

Ländern, in denen im Kontext eines Systemwechsels die Auseinandersetzung

mit den Verbrechen des früheren Regimes eine zentrale Rolle spielt, wie z. B.

in Argentinien und Chile (vgl. Nolte 1996), in Südafrika (vgl. Adam 1998,

medico international 1998, Alexander 2000) und in einigen Ländern

Ostmitteleuropas (vgl. Wóycicki 1998, Garton Ash 1999, Smolar 1999/2000).

2. Auch auf der Ebene der zwischenstaatlichen Beziehungen hat der Umgang

eines Staates mit seiner Vergangenheit eine neue Rolle erhalten. Wie die sich

in den letzten Jahren häufenden Entschuldigungsrituale von Regierungen

belegen, ist er zu einem nicht unerheblichen außenpolitischen Faktor im

Verhältnis zu ehemaligen Feinden geworden. Was immer man von solchen

Gesten symbolischer Politik auch halten mag, sie werden nicht mehr nur

gefordert, sondern entgegen der bisher üblichen Ignoranz auch gegeben, weil

eine Verweigerung der Anerkennung historischer Schuld als eine Belastung der

internationalen Beziehungen bzw. als eine Missachtung von Opfergruppen

verstanden wird, die Regierungen zumindest moralisch zunehmend

international diskreditiert. Diese Entwicklung zeigt, in welchem Maße die

Erinnerung an historisches Unrecht inzwischen zu einer geschichtspolitischen

Ressource geworden ist, die es lange ignorierten Opfergruppen - von den

koreanischen "Trostfrauen" und den osteuropäischen Zwangsarbeitern bis hin

zu den einst von den europäischen Kolonialmächten unterworfenen und

ausgebeuteten Völkern Afrikas (vgl. dazu Soyinka 2001) - erlaubt, mit z. T.

großer internationaler Resonanz Druck auf Regierungen auszuüben, um

historisch begründete Forderungen nach Anerkennung und

Wiedergutmachung durchzusetzen (vgl. dazu Barkan 2002).

3. Eine dritte Ebene stellt schließlich die Entwicklung im Bereich des Völkerrechts

und der Menschenrechte dar. Sie deutet auf eine neue Qualität im

internationalen Umgang mit Staatsverbrechen der Vergangenheit hin. Denn

mit der Einrichtung der Internationalen (Ad hoc-)Strafgerichtshöfe zur

Ahndung der Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen im früheren Jugoslawien

(1993) und in Ruanda (1994) sowie der kürzlich erfolgten Einsetzung des

Ständigen Internationalen Strafgerichtshofes der Vereinten Nationen in Den

Haag (2003) ist es in Zukunft keine "innere Angelegenheit" bzw. keine Frage

der staatlichen Souveränität mehr, wie Regierungen mit ihren Bevölkerungen

verfahren, und es ist auch nicht mehr ohne weiteres den Gerichten und

Rechtsvorstellungen der betreffenden Länder überlassen, ob und wie sie mit

Verbrechen gegen die Menschlichkeit umgehen (vgl. dazu Hankel/Stuby 1995,

Nürnberger Menschenrechtszentrum 1996).

Fasst man die Entwicklungen des letzten Jahrzehnts auf nationaler,

zwischenstaatlicher sowie völker- und menschenrechtlicher Ebene zusammen, so

lassen sich die Strukturen einer historisch neuen Konstellation erkennen, die die

Herausbildung eines transnationalen Musters im Umgang mit

Menschenrechtsverbrechen anzeigt. Welche Qualität dieser Entwicklung insgesamt

zugemessen werden kann, ist noch unklar. Ob man sie bereits als Ausdruck einer

"neuen internationalen Moral" deuten kann (Barkan 2002), scheint angesichts der

Realpolitik vieler Staaten, die die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" (1948)

und die nachfolgenden Menschenrechtspakte unterzeichnet haben, doch recht

8


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

fraglich, ganz zu schweigen von dem gegenwärtigen Umgang der USA mit der UNO,

dem Völkerrecht oder dem Ständigen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Zwar lässt sich nicht übersehen, dass am Ausgang des 20. Jahrhunderts die

"negative" Erinnerung zu einem "normativen Bestandteil der Politik vieler Staaten"

geworden ist (Knigge/Frei 2002, S. VII), Aber diese neue Normativität im Verhältnis

von Staaten zu schweren Menschenrechtsverletzungen lässt sich zugleich auch zur

Legitimation umstrittener militärischer Aktionen nutzen, wie etwa - um nur zwei

Beispiele zu nennen - die mit dem Verweis auf Auschwitz begründete, aber

völkerrechtswidrige Beteiligung der Bundeswehr am Kosovokrieg oder Israels

selbstlegitimatorische Instrumentalisierung der Holocausterinnerung im Nahost-

Konflikt deutlich gemacht haben.

Deutungsversuche, die explizit auf "Erinnerung im Zeitalter der Globalisierung"

abheben (Levy/Sznaider 2001) setzen am wachsenden Bedeutungsverlust des

Nationalstaates an, der seit dem 19. Jahrhundert einen wesentlichen Bezugsrahmen

des kollektiven Gedächtnisses einer Gesellschaft bildete. Daniel Levy und Natan

Sznaider gehen daher, gestützt auf Maurice Halbwachs, davon aus, dass die

schwindende Orientierungsfunktion und Bindungskraft nationalstaatlicher Strukturen

auch zu einem Wandel kollektiver Gedächtnisbildung führen werde. Weil die für sie

grundlegenden "sozialen Rahmen" (Halbwachs) sich unter dem Druck der

Globalisierung aufzulösen beginnen, prognostizieren Levy und Sznaider daher einen

Wandel von der nationalen zu einer "kosmopolitischen Erinnerung", dessen

Grundmuster sie an der in den 80er Jahren einsetzenden Universalisierung bzw.

"Entortung" des Holocaust-Gedächtnisses festmachen. Sie sehen darin den Prototyp

kollektiver Erinnerung in der "Zweiten Moderne". Seine neue Qualität in der

universalistischen Dimension dieser Erinnerungsform:

"Dieser neue Kosmopolitismus der Erinnerung ermöglicht es den Menschen in der

Zweiten Moderne, aufgrund gemeinsam erinnerter Barbarei neue Solidaritätsformen

zu schaffen. Die Erinnerung an den Holocaust erlauben zu Beginn des dritten

Jahrtausends die Formierung nationenübergreifender Gedächtniskulturen, die

wiederum zur Grundlage für globale Menschenrechtspolitik werden" (Levy/Sznaider

2001, S. 10 f.).

Man muss nicht der hier durchgehend bemühten (und nicht eben kritisch

reflektierten) Theorie der "Zweiten Moderne" huldigen, um dennoch zu ähnlichen

Schlussfolgerungen zu gelangen. Ein Beispiel sind die Überlegungen, die, im Rahmen

der Politischen Philosophie, kürzlich Otfried Höffe zum Problem der "Demokratie im

Zeitalter der Globalisierung" vorgetragen hat (Höffe 2002). Sie reflektieren

Globalisierung im Kontext der entstehenden Weltgesellschaft, die als eine

"Schicksalsgemeinschaft von drei Dimensionen" verstanden wird: als globale

"Gewaltgemeinschaft", als "Kooperationsgemeinschaft" und als "Gemeinschaft von

Not und Leid". In unserem Zusammenhang ist von Bedeutung, welche Funktion

Höffe der historischen Erinnerung in dieser "Schicksalsgemeinschaft" zuweist:

"Aus der gemeinsamen Erinnerung großer Gewalttaten: der Eroberungen,

Unterdrückungen und Ausbeutungen, der Versklavungen, Kolonialisierungen und

Imperialismen, der Greuel der Nationalismen und der zahllosen Opfer im Namen

sozialer oder sozialistischer Revolutionen, könnte ein ‚kritisches Weltgedächtnis'

entstehen. Und vorausgesetzt, daß es nicht selektiv verfährt, vielmehr eine

9


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

‚anamnetische Gerechtigkeit' pflegt, überdies beim bloßen Erinnern nicht

stehenbleibt, hilft es, künftigen Gewalttaten vorzubeugen" (ebd., S. 16).

Damit ist freilich noch nicht geklärt, wie ein solches "Weltgedächtnis" entstehen,

noch wo seine ‚kosmopolitischen' Erinnerungsorte liegen und wer seine sozialen

Träger sein könnten. Allerdings zeigt die produktive Aufnahme der Thesen von Höffe

und Levy/Sznaider in der vergleichenden Politikwissenschaft (vgl. z. B. Arenhövel

2002/03, Nolte 2002/03), dass diese nicht einfach als philosophische Spekulationen

oder modernisierungstheoretische Konstrukte abgetan werden können. So lässt sich

z. B. die breite internationale Solidaritätsbewegung in den 70er und 90er Jahren für

die Opfer der Militärdiktaturen und den Kampf der Menschenrechtsorganisationen in

Lateinamerika als Vorstufe eines solchen "kritischen Weltgedächtnisses" deuten,

nämlich als eine durch schwere Menschenrechtsverletzungen mobilisierte

transnationale Erinnerungs- und Solidargemeinschaft, die für die weltweite

Durchsetzung universeller Rechts- und Wertevorstellungen, denen sie sich

verpflichtet fühlt, eintritt (vgl. dazu Nolte 2002/03).

"... im Dienst der Gegenwart": Vergangenheitsaufarbeitung und

Menschenrechte

In der neuen Funktion der Vergangenheitsaufarbeitung bei der Bewältigung der

postdiktatorischen Übergangs- und Transformationsprozesse wird eine Verschiebung

der Perspektive erkennbar: Die Frage "Erinnern wozu?" gewinnt unter dem

Handlungsdruck der Gegenwart und im Blick auf die Zukunft dieser Länder Priorität

vor dem Verlangen nach einer umfassenden historischen und juristischen

Aufarbeitung; die durchsetzbaren politischen Ziele des Systemwandels haben

Vorrang und definieren die Qualität und Reichweite der

"Vergangenheitsbewältigung". Dass solche Konzepte allerdings nicht nur Plausibilität,

sondern auch erhebliche Ambivalenzen aufweisen, lässt sich exemplarisch am

Beispiel Südafrikas zeigen.

Die nach dem Ende des Apartheidregimes vom ersten demokratisch gewählten

Parlament eingesetzte "Wahrheits- und Versöhnungskommission" hatte den Auftrag,

die auf die letzten drei Jahrzehnte begrenzte Aufarbeitung der schweren

Menschenrechtsverletzungen des Burenstaates und der Befreiungsbewegung in einer

Form zu leisten, die gemäß ihrem Titel gleichzeitig zur Versöhnung der tief

gespaltenen Gesellschaft Südafrikas beitragen sollte. Die Verklammerung von

Vergangenheitsaufarbeitung und nation building war innovativ und problematisch

zugleich. Denn sie machte es erforderlich, die historische Wahrheitsfindung mit dem

politischen Imperativ der Integration von Tätern, Opfern und Nutznießern zur

Deckung zu bringen sowie die öffentliche Anerkennung der Opfer mit der von den

alten Machthabern geforderten, allerdings an bestimmte Bedingungen geknüpften

Amnestie für die Täter zu verbinden. Die Forderungen nach Bestrafung,

Wiedergutmachung und sozialer Gerechtigkeit sollten daher im Sinne einer

versöhnenden, "aufbauenden Gerechtigkeit" (Tutu) verstanden werden. Trotz der

unbestreitbaren Verdienste der Wahrheitskommission musste ihr außerhalb

Südafrikas viel gerühmtes Programm an seiner Widersprüchlichkeit scheitern und

10


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

letztlich auch die Arbeit der Kommission diskreditieren. Die anfänglich große

Zustimmung in der schwarzen Bevölkerung ist längst der Enttäuschung und

Verbitterung über ein Projekt gewichen, das im wesentlichen der im rassistischen

Apartheidregime systematisch entrechteten, verfolgten und benachteiligten nichtweißen

Bevölkerungsmehrheit Versöhnungsbereitschaft abverlangte, ohne die bis

heute anhaltende strukturelle Ungleichheit, wenigstens ihre materiellen und

sozialenAuswirkungen, zu beseitigen (zur Kritik vgl. Adam 1998, medico international

1998, Alexander 2000).

Damit ist jedoch die perspektivisch wichtige Verknüpfung von

Vergangenheitsaufarbeitung mit Gegenwarts- und Zukunftsfragen, die zu einem

Signum der internationalen Debatte geworden ist, nicht prinzipiell desavouiert. Sie

hat die Frage nach dem "Wozu" und den Handlungskonsequenzen des Erinnerns

wieder in den Vordergrund geschoben, die in der deutschen Diskussion allzu oft

vergessen oder abgewehrt worden ist. Es kann nicht nur um historische Aufarbeitung

und um angemessene Formen des Gedenkens gehen, wenn der Imperativ des

Erinnerns nicht zur Leerformel und die Erfahrungen der Opfer nicht zum rituellfolgenlosen

Appell des "Nie wieder!" verkommen sollen. Vergangenheit, so hat es

Tzvetan Todorow vor einigen Jahren formuliert, "muss der Gegenwart dienen, wie

die Pflicht des Erinnerns der Gerechtigkeit zu dienen hat" (Todorow 1999, S. 11).

Todorow legt im Unterschied zur deutschen Praxis den Schwerpunkt - pointiert

gesprochen - von der Vergangenheits- auf die Gegenwartsbewältigung, ohne

allerdings damit in realpolitischer Manier einem Verzicht auf die Auseinandersetzung

mit Vergangenheit das Wort zu reden. Denn seine Forderung, dass die Pflicht des

Erinnerns der Herstellung von Gerechtigkeit zu dienen habe, verweist auf den

normativen Bezugsrahmen der Menschenrechte: "Gerechtigkeit ist ein

Menschenrecht" (Lasso 1996, S. 49).

Die Bedeutung und politische Brisanz eines so verstandenen Umgangs mit den

Lasten der Vergangenheit wird besonders dort ersichtlich, wo, wie in Lateinamerika,

der Kampf gegen das Vergessen eng mit der Menschenrechtsfrage verknüpft ist. Dort

besaß der Kampf um die Durchsetzung der Menschenrechte bereits eine lange

Tradition (vgl. Huhle 2002(a)), bevor dieses Thema unter den Militärdiktaturen der

70er und 80er Jahre eine "explizit politische Frage" wurde (Garretón 1996). Wo

nationale Rechtssysteme institutionell und personell eng mit einem diktatorischen

System verbunden sind, ist die Berufung auf die universellen Menschenrechte ein

bedeutendes Mittel, gegen schwere Rechtsverletzungen im eigenen Land zu

protestieren und an die Weltöffentlichkeit zu appellieren.

Menschenrechtsorganisationen bildeten daher nicht zufällig die wichtigsten Kräfte im

Widerstand gegen die Militärjuntas und beim Übergang zur Demokratie. Sie waren es

daher auch, die in Chile die Absicht der demokratisch gewählten Regierung

attackierten, das 1978 unter Pinochet erlassene Amnestiegesetz, das die von der

Junta zu verantwortenden Menschenrechtsverbrechen der Strafverfolgung entzog, als

Bedingung für einen gewaltlosen Systemwechsel zu akzeptieren (vgl. dazu Nolte

1996 und 1998). Denn dieser aufgezwungene Preis für die Demokratie verhinderte

die volle Wiederherstellung des Rechts und blockierte eine öffentliche Debatte über

die Beurteilung der Taten des alten Regimes, so dass die nach der Diktatur dringliche

Klärung rechtlich-moralischer Normen bzw. eine breite gesellschaftliche

Verständigung über konsensfähige Werte und Beurteilungsmaßstäbe weitgehend

11


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

unterblieb. Der bis heute anhaltende Kampf gegen die Straflosigkeit (impunidad)

steht somit exemplarisch für ein Verständnis von Vergangenheitsaufarbeitung, das

diese als Auseinandersetzung mit den Menschenrechtsverbrechen des alten Regimes

begreift und mit der Forderung nach Bestrafung der Täter zugleich für die

Durchsetzung der Menschenrechte in der Gegenwart kämpft. Der Stand ihrer

Verwirklichung wird daher zum Indikator für die Qualität der politischen Kultur in der

Demokratie.

Verbindung von Erinnerungsarbeit und Menschenrechtsbildung?

Probleme und Perspektiven

Obwohl weder die beschriebenen Wandlungstendenzen eindeutig noch ihre

Deutungen einheitlich sind, scheint mir eine Auseinandersetzung mit der veränderten

Lage sowohl hinsichtlich der Bedeutung der Vergangenheitsproblematik in der Einen

Welt wie hinsichtlich der eingangs diskutierten Zukunft der Erinnerung in

Deutschland notwendig zu sein. Dafür wäre allerdings erst ein Rahmen zu entwerfen,

in dem sich die drei Ebenen der Globalisierung des Erinnerns, der Menschenrechte

und der Bildungsprozesse im Sinne pädagogischer Erinnerungsarbeit systematisch

vermitteln

lassen.

Ein solcher mehrdimensionaler Rahmen kann konzeptionell an den Ansatz der Human

Rights Education anschließen, wie er in grundlegenden Deklarationen der UNESCO

und der Vereinten Nationen (vgl. die Dokumente in: Europäisches

Universitätszentrum 1997) entwickelt worden ist und im Zusammenhang mit der

laufenden "Dekade der Menschenrechtserziehung" (1995-2004) weltweit umzusetzen

versucht wird. Darin wird die Perspektive einer globalen "Kultur des Friedens und der

Menschenrechte" formuliert, bei der die Menschenrechtserziehung bzw.

Menschenrechtsbildung eine zentrale Rolle spielt (vgl. Lohrenscheit 2002, Lenhart

2003). Dieser Ansatz, dem in der pädagogischen Theorie und Praxis der

Bundesrepublik offenbar, wie aktuelle Erhebungen zeigen, eine eher marginale

Bedeutung zukommt (vgl. Lohrenscheit/Rosemann 2003), geht auf die "Allgemeine

Erklärung der Menschenrechte" aus dem Jahre 1948 zurück, in deren Präambel unter

ausdrücklichem Bezug auf die historischen Erfahrungen der NS-Herrschaft und des

Zweiten Weltkriegs bereits der Auftrag an die Völkergemeinschaft formuliert worden

war, "durch Unterricht und Erziehung die Achtung dieser Rechte und Freiheiten zu

fördern und (...) ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Verwirklichung

(...) zu gewährleisten" (Menschenrechte 1998, S. 5). Die Erklärung der

Menschenrechte war eine Antwort auf die Gräuel der Vergangenheit, Resultat eines

historischen Lernprozesses und ein Projekt der Zivilisierung, in dem Bildung und

Erziehung eine im wörtlichen Sinne grundlegende Bedeutung zugedacht wurden. Es

dauerte bis zum Ende des Ost-West-Gegensatzes, bevor in den 90er Jahren Human

Rights Education zum Gegenstand internationaler Beratungen und Entscheidungen

werden konnte. In der Zwischenzeit waren völkerrechtlich verbindliche

Menschenrechtspakte abgeschlossen worden, die über den ursprünglichen

Kernbereich der bürgerlichen und politischen Rechte hinaus auch die wirtschaftlichen,

sozialen und kulturellen Rechte sowie die Rechte von Völkern auf Frieden,

Entwicklung und Selbstbestimmung in den Katalog der Menschenrechte

aufgenommen und als unteilbar und einander bedingend deklariert hatten (vgl. dazu

12


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

Köhne 1998). Damit hatte sich nicht nur der Gegenstandsbereich von

Menschenrechtsbildung erheblich erweitert. Auch der ihr zu Grunde liegende

Bildungsbegriff hat sich vor allem hinsichtlich seiner politisch-sozialen Dimensionen

und damit seines emanzipatorischen Gehalts in einer Weise verändert, die nur noch

wenig mit der europäischen Tradition, um so mehr aber mit einem Verständnis von

Bildung "als Praxis der Freiheit" im Rahmen einer "Pädagogik der Unterdrückten"

gemein hat (vgl. Freire 1973), auch wenn dies in den offiziellen Programmen aus z.

T. nahe liegenden Gründen nicht ausdrücklich entfaltet wird.

Bei dem Versuch, Erinnerungsarbeit im Zusammenhang mit Menschenrechtsbildung

zu konzipieren, ist mit einigen Schwierigkeiten zu rechnen. So wirft die Frage ihrer

wechselseitigen Anschlussfähigkeit Probleme auf, die durchaus ernst zu nehmen sind

und nicht mit der vorschnellen Annahme überspielt werden sollten,

Menschenrechtsbildung sei gewissermaßen eo ipso immer schon "Erziehung nach

Auschwitz" (so Fritzsche 2000). Wenn ein solches Vorhaben plausibel und sinnvoll

sein und das Spannungsverhältnis von Menschenrechtsbildung und Erinnerungsarbeit

nicht bagatellisiert werden soll, müsste auf beiden Seiten zunächst eine kritische

Reflexion der jeweiligen Ansprüche und Revierabgrenzungen erfolgen. Der Rahmen,

in dem dies geschehen kann, ist nach wie vor die Präambel der "Allgemeinen

Erklärung der Menschenrechte", in der die historische Erfahrung von bis dahin

ungekannten Verbrechen mit der Proklamation universell geltender rechtlichhumanitärer

Standards sowie mit Erziehung und Bildung verbunden worden sind. Vor

diesem Hintergrund sind die Spannungen zwischen der normativ-universalistischen

Ebene der Menschenrechte und dem historisch-empirischen Gegenstandsbereich der

Vergangenheitsaufarbeitung jedenfalls im Rahmen von Bildungsprozessen nicht als

Gegensatz aufzufassen. Denn weder kann pädagogische Erinnerungsarbeit auf

normative Zielsetzungen verzichten, wenn sie den Umgang mit Vergangenheit nicht

der Beliebigkeit überlassen will, noch kann Menschenrechtsbildung prinzipiell einer

Auseinandersetzung mit den historischen Ursachen, die sie erforderlich machen,

ausweichen, wenn sie der Reduktion auf idealistische Rhetorik oder der Vermittlung

eines letztlich abstrakten Menschenrechtsbewusstseins entgehen will. Darüber hinaus

macht es eine reflektierte Verschränkung beider Bereiche möglich, zwei

problematische Defizite zu überwinden: nämlich den mangelnden Gegenwartsbezug

speziell in der deutschen Erinnerungsarbeit und die fast ausschließliche Orientierung

auf Probleme der Gegenwart in der Menschenrechtsbildung.

Dass bei Behandlung der Menschenrechtsfrage eine Verbindung von historischer und

universalistischer Perspektive nicht nur sinnvoll, sondern von der Sache her auch

geboten ist, lässt sich gut an dem "Didaktischen Würfel der Menschenrechte" zeigen,

den Peter Weinbrenner im Zusammenhang vergleichender Schulbuchanalysen

entwickelt hat (vgl. Weinbrenner 1997, S. 27). Er verbindet die drei "Generationen"

der Menschenrechte (individuelle und politische Rechte/soziale, wirtschaftliche und

kulturelle Rechte/internationale, regionale und globale Rechte) mit den drei Ebenen,

auf denen sie verortet und behandelt werden können: der normativen Ebene der

Menschenrechtsrhetorik, der empirischen Ebene der Menschenrechtsverletzungen

und einer Handlungsebene, auf der es um die Durchsetzung der Menschenrechte

geht. Beide Felder werden ergänzt durch die drei Zeitdimensionen der

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Auf diese Weise wird nicht nur die

13


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

Beziehung zwischen den Phasen der Menschenrechtsentwicklung und den Ebenen,

auf denen diese greifbar sind, sichtbar gemacht, sondern zusätzlich die

Notwendigkeit unterstrichen, den Gesamtzusammenhang stets im Blick auf die

historischen Voraussetzungen und Bedingungen, die gegenwärtige Lage und die

Perspektiven eines Engagements für die Menschenrechte zu reflektieren.

Die komplexe vieldimensionale Struktur macht diesen "Didaktischen Würfel" zu einem

hilfreichen analytischen Instrument, mit dem sich die jeweiligen

Schwerpunktsetzungen bzw. Leerstellen von Konzepten der Menschenrechtsbildung

erfassen lassen. So wird z. B. beim Durchgang durch die internationalen Dokumente

schnell deutlich, dass das von der UNESCO vertretene Verständnis von Human Rights

Education ( "Erziehung zu Frieden, Menschenrechten und Demokratie") die

individuellen und politischen Rechte stärker als etwa die sozialen und wirtschaftlichen

Rechte anspricht, die empirische Ebene eher vernachlässigt und die historische

Dimension fast gänzlich ausspart, obwohl zahlreiche Problemfelder benannt werden,

die sich durchaus für eine Verbindung von Menschenrechtsbildung und

Erinnerungsarbeit eignen würden, wenn nicht für ihr Verständnis sogar unverzichtbar

sind (vgl. "Integrierter Rahmenplan" der UNESCO, in: Europäisches

Universitätszentrum 1997, S. 68 ff.). Die durchgehende Fixierung auf

Gegenwartsprobleme, die sich generell in menschenrechtspädagogischen Ansätze

beobachten lässt, mag in präventiver Hinsicht berechtigt sein, erscheint jedoch

insbesondere dann als eine nicht unproblematische Verkürzung von

Menschenrechtsbildung, wenn sich diese auf die Situation in post-totalitarian

countries oder in post-conflict societies bezieht. In den auf Bewusstseins- und

Werteentwicklung, empowerment-Strategien oder Konflikttraining zielenden Modellen

scheinen im Unterschied zu philosophischen, psychologischen oder soziologischen

Fundierungen historische Kontexte und Problemstellungen auf konzeptioneller Ebene

kaum eine Rolle zu spielen (vgl. die referierten Ansätze bei Tibbits 2002). Dieser

Befund erstaunt nicht nur im Blick auf den Begründungsrahmen der "Allgemeinen

Erklärung der Menschenrechte", sondern auch hinsichtlich des grundlegenden

Sachverhalts, dass "begangene Menschenrechtsverbrechen" stets schon "vergangene

Menschenrechtsverbrechen" sind (Huhle 2003, S. 1) und daher der

Auseinandersetzung mit Vergangenheit bedürfen, wenn sowohl ihre Ursachen

erkannt wie auch ihre Nachwirkungen bearbeitet werden sollen.

Wie unverzichtbar gerade in postdiktatorischen Übergangsphasen die Verknüpfung

der Menschenrechtsfrage mit der Aufarbeitung von Vergangenheit (und umgekehrt)

ist, hat sich gerade im letzten Jahrzehnt in einer Reihe von Ländern gezeigt, und

zwar nicht nur im Kampf lateinamerikanischer Menschenrechtsorganisationen gegen

den Skandal der Straflosigkeit, der im historischen Bewusstsein des "Nie wieder"

(Nunca más) geführt wurde und noch wird. Auch in Südafrika, wo im Rahmen der

"Wahrheits- und Versöhnungskommission" die Menschenrechtsproblematik sogar

institutionell in einer Unterkommission verankert worden war, ist deutlich geworden,

dass sowohl die Durchsetzung der Menschenrechte als auch das Projekt der

nationalen Versöhnung scheitern müssen, wenn die historischen Ursachen des

Rassismus und der unter der Apartheid geschaffenen (und weiter bestehenden)

krassen sozialen Ungleichheit nicht in angemessener Form - das heißt unter

ausdrücklicher Berücksichtigung der sozialen und wirtschaftlichen Menschenrechte -

14


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

zum Thema der Aufarbeitung gemacht werden. Das südafrikanische Beispiel zeigt

obendrein, welche Bedeutung die Erinnerung im Zusammenhang mit der

Verwirklichung der Menschenrechte für die Opfer eines Regimes gewinnt, das diesen

systematisch ihre Geschichte und Identität genommen hat. Weil dafür die

öffentlichen Hearings der Wahrheitskommission keine Kompensation darstellen

konnten, versuchen inzwischen Selbsthilfegruppen durch kollektives Erzählen von

Unterdrückungs- und Leidensgeschichten, endlich die lähmende und

traumatisierende "Kultur des Schweigens" (Freire) zu durchbrechen, um auf diese

Weise die eigene Geschichte, Identität und menschliche Würde zurück zu gewinnen

(z. B. im Khulumani-Projekt; vgl. dazu medico international 2001).

Ein wieder anders gelagertes Beispiel ist die Situation in den multiethnischen und

multikulturellen Gesellschaften des früheren Jugoslawien, wo nach mehreren

(Bürger-)Kriegen bereits die Erinnerung an die Täter und ihre Taten den Prozess der

inneren Befriedung zu gefährden droht, weil nahezu alle der in den neuen staatlichen

Formationen lebenden Völker sich selbst als Opfer und die jeweils anderen als Täter

sehen. Mit welchen Problemen Ansätze von Menschenrechtsbildung im Sinne von

Friedenserziehung unter diesen Umständen z. B. im Schulbereich rechnen müssen,

wird an den nationalistischen, militaristischen oder diskriminierenden

Unterrichtsinhalten sichtbar, die in den bosniakischen, kroatischen und serbischen

Curricula Bosnien-Herzegovinas gefunden wurden (vgl. Lenhart u. a. 1999, Lenhart

2000). Die von der Heidelberger Expertengruppe u. a. vorgeschlagene

Implementierung von Elementen der Menschenrechtsbildung wird allerdings, wenn

sie zur Sicherung von Frieden, Menschenrechten und Demokratie beitragen und nicht

aufgesetzt und abstrakt bleiben soll, die historischen Ursachen der gegenseitigen

Vorurteile, Hassgefühle und Revanchebedürfnisse nicht ausklammern können. Denn

ohne eine selbstreflexive Auseinandersetzung mit der in den Menschen und ihren

Erinnerungskonstrukten fortwirkenden Vergangenheit werden die Voraussetzungen

für Verständigung und Aussöhnung kaum geschaffen werden können. Gerade weil

Menschenrechtsbildung auf einen Rahmen universeller Rechte und Werte bezogen

ist, der es ermöglicht, von einer Position ‚oberhalb' partikularistischer und

antagonistischer Interessen die politischen und kulturellen Gegensätze zum Thema

von Bildungsprozessen zu machen, könnte eine so verstandene, auf die Probleme der

Gegenwart bezogene Erinnerungsarbeit wenigstens für die heranwachsende

Generation einen wichtigen, wenn sicher auch nur begrenzten Beitrag zur

Konfliktbewältigung und Erfahrungsverarbeitung leisten.

"Erziehung nach Auschwitz" als Menschenrechtsbildung: Zwei Beispiele

als Resümee

In der Bundesrepublik stellt sich die Menschenrechtsfrage - und damit auch die Rolle

der Menschenrechtsbildung - anders als in den behandelten Ländern, auch wenn es

hierzulande Menschenrechtsverletzungen gibt, die in diesem Rahmen zum Thema

gemacht werden müssten: Rechtsextremistische Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und

Diskriminierung von Minderheiten oder bestimmte Formen des staatlichadministrativen

Umgangs mit Asylsuchenden, Flüchtlingen und Migranten sind die

bekannten Beispiele. Menschenrechtsbildung in Deutschland richtet sich vornehmlich

15


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

auf die Bildung von Menschenrechtsbewusstsein, will für

Menschenrechtsverletzungen sensibilisieren und Solidarität mit den Opfern nicht nur

im eigenen Lande fördern.

Auch die Verbrechen der Vergangenheit haben einen anderen Stellenwert. Sie haben

nichts mit der ungebrochenen und belastenden Gegenwärtigkeit gemein, wie sie

etwa in Südafrika, Lateinamerika oder in den Ländern des früheren Jugoslawien noch

immer greifbar ist. Die Verbrechen, auf die sich die "negative" Erinnerung in

Deutschland bezieht, liegen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück und sind in

einem Maße aufgearbeitet und zum festen Bestandteil offizieller Erinnerungskultur

geworden, das im internationalen Vergleich beispiellos sein dürfte.

Daher muss sich ein Plädoyer für Versuche, in der Bundesrepublik pädagogische

Erinnerungsarbeit stärker mit Menschenrechtsbildung zu verknüpfen, wie ich es hier

vertrete, auf andere Problemlagen und Begründungszusammenhänge stützen. Im

Blick auf die oben diskutierten Veränderungen auf nationaler und internationaler

Ebene sind vor allem zwei Gründe zu nennen: zum einen der gegenwärtige Wandel

zu einer multikulturellen und multiethnischen Gesellschaft, der eine national verfasste

Erinnerungskultur vor erhebliche Herausforderungen stellt; zum anderen der

Perspektivenverlust der Erinnerungsarbeit in Deutschland, der ein Nachdenken über

die Bedeutung der NS-Erinnerung für die Gegenwart dringend erforderlich macht. Da

mir beim derzeitigen Stand der Diskussion ein ausgearbeiteter Entwurf verfrüht

scheint, möchte ich die beiden Begründungsfiguren abschließend anhand zweier

vorliegender Versuche kennzeichnen, die sich beide mit der Problematik einer

Erziehung "nach Auschwitz" im Rahmen von menschenrechtspädagogischen

Überlegungen befassen.

Micha Brumlik geht bei seinem Konzept (vgl. Brumlik 2000) von der These aus, dass

Adornos immer wieder bemühte Forderung an die Pädagogik, dass sich "Auschwitz"

nicht wiederholen dürfe, in der multikulturellen Gesellschaft der Bundesrepublik

unzureichend geworden sei, weil die große und wachsende Zahl der Immigranten

nicht ohne weiteres mit den von Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus

begangenen Verbrechen, auf die sich Adornos Programm bezog, behaftet werden

können. Da jedoch die in Deutschland geborenen Kinder aus Migrantenfamilien

kommen, die durchaus ein Gedächtnis an Massaker und Genocide in der Geschichte

ihrer Herkunftsländer besitzen, aber als deutsche Bürger in einem Staat aufwachsen,

für den die Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust einen grundlegenden

Bestandteil seines Selbstverständnisses darstellt, ergibt sich die Frage, wie unter den

Bedingungen von Multikulturalität mit der Erinnerung an "Auschwitz" noch

umgegangen werden kann. Brumlik sieht die Antwort in einer als politische bzw.

staatsbürgerliche Bildung verstandenen Menschenrechtserziehung mit

kosmopolitischer Perspektive, die sich im Engagement für die Würde und die Rechte

jedes Menschen nicht mehr nur auf die Ermordung der europäischen Juden beziehen

kann. Vielmehr sei eine Auseinandersetzung mit den Völkermorden des vergangenen

wie wohl auch des neuen Jahrhunderts insgesamt erforderlich, die es auch den aus

nicht-deutschen Familien Stammenden auferlege, sich mit den Genociden ihrer

Herkunftsländer zu befassen, weil anders von ihnen das mit "Auschwitz" Gemeinte

nicht zu erfassen sei. So führt der menschenrechtspädagogische Ansatz als Antwort

auf die Pluralität ‚nationaler' Gedächtnisse in einer multikulturellen Gesellschaft von

16


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

einer nur auf die Nation bezogenen zu einer kosmopolitischen Erinnerung, ohne

gezwungen zu sein, den Holocaust im Sinne von Levy und Sznaider zu "entorten".

Rainer Huhle geht in seinem im Nürnberger "Dokumentationszentrum

Reichsparteitagsgelände" erprobten Entwurf nicht von einem problematisch

gewordenen Konzept der Erinnerungsarbeit aus, sondern nimmt umgekehrt einen

konkreten historischen Raum und Ereigniszusammenhang - Nürnberg während des

Nationalsozialismus und als Ort des ersten internationalen Strafgerichtshofs zur

Ahndung von Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen nach 1945 - zum Anlass, aus

der Perspektive der Menschenrechte die Relevanz der Auseinandersetzung mit der

NS-Vergangenheit für die Gegenwart deutlich zu machen (vgl. Huhle 2002). Die

historischen Vorgänge werden auf die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte"

bezogen, die als "globale menschenrechtliche Antwort" auf die NS-Barbarei

verstanden wird. Der historische Lernprozess, der zur "Allgemeinen Erklärung"

führte, wird zum methodischen Leitfaden eines Konzepts, das dazu auffordert, sich

mit den NS-Verbrechen als Menschenrechtsverbrechen auseinander zu setzen und

sich dabei die Bedeutung und Aktualität der Menschenrechte als unveräußerliche und

unteilbare Rechte jedes einzelnen zu erschließen. Da Huhle

Menschenrechtserziehung entschiedener als Brumlik auf ihren genuinen Kernbereich,

nämlich "die Menschenrechte selbst" (Weinbrenner 1997, S. 22) focussiert, hebt sich

sein Konzept auch klar von den moralpädagogischen Intentionen ab, wie sie im

Umfeld der "Holocaust Education", aber auch von Micha Brumlik in seinen nicht

unproblematischen Vorstellungen von einer "Bildung moralischer Gefühle" (Brumlik

2000, S. 55) als Kern einer Pädagogik der Menschenrechte vertreten werden. Huhle

geht es vielmehr darum, an präzis bestimmten historischen Vorgängen die

Verletzung der Menschenrechte als Rechte heraus zu arbeiten, und zwar mit der

gegenwartsbezogenen Handlungsperspektive, diese als Grundrechte jedes Menschen

zu verteidigen bzw. durchzusetzen. Erinnerungsarbeit wird in der Verbindung mit

Menschenrechtsbildung nicht von ihrem historischen Gegenstandsbereich gelöst,

aber durch den universalistischen Bezugsrahmen mit einer höchst aktuellen

Perspektive versehen, die eine so konzipierte historische Bildung zu einer

Schlüsselqualifikation für die engagierte Auseinandersetzung mit einer zentralen

Zukunftsfrage der entstehenden Weltgesellschaft machen kann. Gerade indem sie

auf die Menschenrechte als Resultat und Faktor weltumspannender Zivilisierung

bezogen wird, geht es in einer solchen Erinnerungsarbeit auch nicht vorrangig um

Moral- und Werteerziehung, sondern um Projekte einer sowohl historisch als auch

universalistisch argumentierenden politischen Bildung.

Beide referierten Konzepte, so scheint mir, sind produktive und weiterführende,

sicher auch diskussions- und ergänzungsbedürftige Versuche einer Antwort auf die

Frage nach der Zukunft der Erinnerung in Deutschland, von der dieser Beitrag

ausgegangen war. Denn sie entwerfen einen Umgang mit Vergangenheit, der die

Begrenzungen nationaler Selbstbezüglichkeit überwindet und durch die

wechselseitige Verknüpfung von Erinnerungsarbeit und Menschenrechtsbildung den

Blick für drängende Probleme der Gegenwart und Zukunft von globaler Bedeutung

öffnet. Eine solche Form der Auseinandersetzung mit Vergangenheit scheint mir

daher in der Lage zu sein, auch die kontraproduktiv gewordene Selbstabschottung

der nationalen bzw. partikularistischen gegenüber der sich abzeichnenden Figuration

17


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

einer kosmopolitischen bzw. globalen Erinnerung aufzubrechen. Mit solchen und

ähnlichen Ansätzen könnte die Erinnerungsarbeit auch in Deutschland einen

bedeutsamen Beitrag zur Entwicklung einer "Kultur des Friedens und der

Menschenrechte" leisten, die auf der Ebene der Vereinten Nationen zu einer

zentralen Perspektive von Erziehung und Bildung erklärt worden ist. Ein solches

Programm bedarf des historisch aufgeklärten Bewusstseins von den

Menschenrechtsverbrechen der Vergangenheit, wenn es nicht abstrakt oder eben ein

Thema "der anderen" bleiben soll. Dass allerdings die Verwirklichung dieses

Zukunftsprojekts einer globalen Zivilisierung durch die Anerkennung universeller

Rechte entscheidend vom Grad der kollektiven Sensibilisierung für

Menschenrechtsverletzungen, also von längerfristigen gesellschaftlichen

Lernprozessen abhängt, scheint mir ebenso evident zu sein wie die Bedeutung eines

"kritischen Weltgedächtnisses" für die Qualität der sich herausbildenden

Weltgesellschaft.

Literaturverzeichnis

Adam, Heribert: Widersprüche der Befreiung. Wahrheit, Gerechtigkeit und

Versöhnung in Südafrika. In: König, Helmut u. a. (Hrsg.) 1998, S. 350-369.

Adorno, Theodor W.: Erziehung zur Mündigkeit. Frankfurt/M. 1970.

Alexander, Neville: Südafrika. der Weg von der Apartheid zur Demokratie. München

2001

Arenhövel, Mark: Tendenzen der Erinnerung an Diktatur und Bürgerkrieg - auf dem

Weg zu einem Weltgedächtnis? In: WeltTrends Nr. 37 (2002/03), S. 11-26.

Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. 2. Aufl. München 1997.

Barkan, Elazar: Völker klagen an. Eine neue internationale Moral. Düsseldorf 2002.

Bock, Petra/Edgar Wolfrum (Hrsg.): Umkämpfte Vergangenheit. Geschichtsbilder,

Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen Vergleich. Göttingen 1999.

Brumlik, Micha: Erziehung nach "Auschwitz" und Pädagogik der Menschenrechte. In:

Fechler, Bernd u. a. (Hrsg.) 2000, S. 47-58.

Die Zukunft der Erinnerung. Zeitschrift für KulturAustausch 49 (1999), H. 4.

Education and Human Rights. International Review of Education 48 (2002), Nos. 3-4.

Europäisches Universitätszentrum für Friedensstudien/Deutsche UNESCO-

Kommission/Österreichische UNESCO-Kommission (Hrs.): Erziehung für Frieden,

Menschenrechte und Demokratie im UESCO-Kontext. Sammelband ausgewählter

Dokumente und Materialien. Stadtschlaining 1997.

18


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

Fechler, Bernd u. a. (Hrsg.): "Erziehung nach Auschwitz" in der multikulturellen

Gesellschaft. Weinheim und München 2000.

Freire, Paolo: Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit. Reinbek

b. Hamburg 1973.

Fritzsche, Peter: Eine Professur zur Festigung von Toleranz. Der erste Unesco-

Lehrstuhl für Menschenrechtserziehung in Deutschland. In: Frankfurter Rundschau,

25. 5. 2001.

Garretón, Manuel Antonio: Menschenrechte im Übergangsprozess zur Demokratie.

In: Nolte, Detlef (Hrsg.) 1996, S. 29-32.

Garton Ash, Timothy: Vier Wege zur Wahrheit. In: DIE ZEIT Nr. 41, 3. 10. 1997, S.

44. Garton Ash, Timothy: Zeit der Freiheit. Aus den Zentren Mitteleuropas. München

1999.

Garton Ash, Timothy: Mesomnesie. In: Transit 22 (2001/02), S. 32-48.

Habermas, Jürgen: Die postnationale Konstellation. Politische Essays. Frankfurt/M.

1998.

Hankel, Gerd/Gerhard Stuby (Hrsg.): Strafgerichte gegen Menschheitsverbrechen.

Zum Völkerstrafrecht 50 Jahre nach den Nürnberger Prozessen. Hamburg 1995.

Hankel, Gerd/Gerhard Stuby: Die Aufarbeitung von Verbrechen durch internationale

Strafgerichte. In: Bock/Wolfrum (Hrsg.) 1999, S. 247-268.

Höffe, Otfried: Demokratie im Zeitalter der Globalisierung. 2. Aufl. München 2002.

Huhle, Rainer: Menschenrechtspädagogik an einem Erinnerungsort des

Nationalsozialismus. Ein Beispiel aus Nürnberg. In: GedenkstättenRundbrief Nr. 109,

10/2002, S. 3-10.

Huhle, Rainer: Menschenrechte in Lateinamerika. In: Hasse, Jana u. a. (Hrsg.):

Menschenrechte. Bilanz und Perspektiven. Baden-Baden 2002(a), S. 197-220.

Huhle, Rainer: Internationale Strafgerichtshöfe: Chancen und Grenzen bei der

Ahndung und Prävention von Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen. Unveröff.

Manuskript 2003

Knigge, Volkhard: Abschied von der Erinnerung. Zum notwendigen Wandel der Arbeit

der KZ-Gedenkstätten in Deutschland. In: GedenkstättenRundbrief Nr. 100, 4/2001,

S. 136-143.

Knigge, Volkhard/Norbert Frei (Hrsg.): Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung

mit Holocaust und Völkermord. München 2002.

Köhne, Gunnar (Hrsg.): Die Zukunft der Menschenrechte. 50 Jahre UN-Erklärung:

Bilanz eines Aufbruchs. Reinbek b. Hamburg 1998.

19


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

König, Helmut: Von der Diktatur zur Demokratie oder Was ist

Vergangenheitsbewältigung. In: König u. a. (Hrsg.) 1998, S. 371-392.

König, Helmut u. a. (Hrsg.): Vergangenheitsbewältigung am Ende des 20.

Jahrhunderts. Opladen 1998.

Lasso, José Ayala: Gerechtigkeit ist ein Menschenrecht. In: Nürnberger

Menschenrechtszentrum (Hrsg.) 1996, S. 49-51.

Lenhart, Volker u. a.: The curricula of the "national subjects" in Bosnia and

Herzegovina. A Report to UNESCO. Heidelberg 1999.

Lenhart, Volker: Peace Building Curriculum Reform Activities in Bosnia and

Herzegovina. In: Overwien, Bernd (Hrsg.): Lernen und Handeln im globalen Kontext.

Frankfurt/M. 2000, S. 51-57.

Lenhart, Volker: Pädagogik der Menschenrechte. Opladen 2003.

Lohrenscheit, Claudia: "Human Rights Education": Internationale Ansätze zur

Menschenrechtsbildung und ihre aktuelle Entwicklungslinien in Südafrika. Diss.

Oldenburg 2002.

Lohrenscheit, Claudia/Nils Rosemann: Perspektiven entwickeln -

Menschenrechtsbildung in Deutschland. Zusammenfassung der Ergebnisse zur

Bestandsaufnahme und Positionsbestimmung des Deutschen Instituts für

Menschenrechte. Februar 2003.

Levy, Daniel/Natan Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust.

Frankfurt/M. 2001.

medico international (Hrsg.): Der Preis der Versöhnung. Südafrikas

Auseinandersetzung mit der Wahrheitskommission. Frankfurt/M. 1998 (= medico-

Report 21).

medico international: medico-Projektinformation: Khulumani Support Group

(Südafrika). http://www.medico-international.de/projekte/saproj.htm (abgerufen am

31. 3. 2001)

Menschenrechte. 4. Aufl. München 1998 (= Beck-Texte im dtv).

Nolte, Detlef (Hrsg.): Vergangenheitsbewältigung in Lateinamerika. Frankfurt/M.

1996.

Nolte, Detlef: Demokratisierung durch Aufarbeitung? Lehren aus dem Fall Pinochet.

In: Nord-Süd Aktuell 12 (1998), S. 702-709.

Nolte, Detlef: Das Bild der Menschenrechtsverbrechen in Europa und seine

Rückwirkungen auf die Länder des Cono Sur. In: WeltTrends Nr. 37 (2002/03), S.

39-53.

20


www.menschenrechte.org ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

Nürnberger Menschenrechtszentrum (Hrsg.): Von Nürnberg nach Den Haag.

Menschenrechtsverbrechen vor Gericht. Hamburg 1996.

Rupnik, Jaques: Landschaft nach der Schlacht. Zu einer Typologie der

postkommunistischen Übergänge. In Transit 18 (1999/2000), S. 54-66.

Schwan, Gesine: Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens.

Frankfurt/M. 1997.

Smolar, Aleksander: Vergangenheitspolitik nach 1989. Eine vergleichende

Zwischenbilanz. In: Transit 18 (1999/2000), S. 81-101.

Soyinka, Wole: Die Last des Erinnerns. Was Europa Afrika schuldet - uns was Afrika

sich selbst schuldet. Düsseldorf 2001.

Tibbits, Felisa: Understandig What We Do: Emerging Models for Human Rights

Education. In: Intern. Rev. of Education 48 (2002), Nos. 3-4, S. 159-171.

Todorow, Tzvetan: Erinnerung im Dienst der Gegenwart. In: UNESCO-Kurier 40

(1999), Nr. 12, S. 10-11.

UNESCO-Kurier Nr. 12/1999: Die Schreckenstaten von gestern: Erinnern oder

Vergessen?

Weinbrenner, Peter (unter Mitarbeit von K. Peter Fritzsche):

Menschenrechtserziehung - ein Leitfaden zur Darstellung des Themas

"Menschenrechte" in Schulbüchern und im Unterricht. Bielefeld 1997 (= Schriften zur

Didaktik der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nr. 70)

Wóycicki, Kasimierz: Opfer und Täter - Die polnische Abrechnung mit der Geschichte

nach 1989. In: König u. a. (Hrsg.) 1998, S. 291-308.

Zimmer, Hasko: Zwischen nationalen Gedächtnissen und veränderten

Vergangenheitsverhältnissen - Zur Situation deutsch-polnischer Erinnerungsarbeit

nach 1989. In: Keim, Wolfgang (Hrsg.): Vom Erinnern zum Verstehen. Pädagogische

Perspektiven deutsch-polnischer Verständigung. Frankfurt/M 2003, S. 275-301.

21

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine