Psoriasis im Wandel - Psorinfo.de
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gut leben<br />
mit<br />
psoriasis<br />
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1<br />
Schuppenflechte<br />
<strong>im</strong> <strong>Wan<strong>de</strong>l</strong><br />
<strong>de</strong>r Zeit
gut leben<br />
mit<br />
psoriasis<br />
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Eine unverstan<strong>de</strong>ne Krankheit<br />
„Das ist doch nicht etwa ansteckend?“<br />
Diese Frage – fast schon eine Behauptung<br />
– wer<strong>de</strong>n viele von <strong>Psoriasis</strong> Betroffene<br />
kennen. Und auch die Konsequenz,<br />
die <strong>de</strong>r amerikanische Schriftsteller<br />
John Updike so eindrücklich formulierte:<br />
„<strong>Psoriasis</strong> hält einen in Atem, Gehe<strong>im</strong>haltungsstrategien<br />
schießen ins Kraut<br />
und die Selbstprüfung n<strong>im</strong>mt kein En<strong>de</strong><br />
… Meine Qual ist hauttief … Wir Aussätzigen<br />
leben lange und sind ironischerweise<br />
in an<strong>de</strong>rer Hinsicht gesund.“<br />
„Wir Aussätzigen“, schreibt Updike,<br />
meint damit Stigmatisierung und Ausgrenzung,<br />
und weist mit diesem Begriff<br />
gleichzeitig weit in die Geschichte <strong>de</strong>r<br />
<strong>Psoriasis</strong> zurück. Zu Vorstellungen, die<br />
sich erstmals <strong>im</strong> Alten Testament fin<strong>de</strong>n,<br />
die von griechisch-römischen Ärzten<br />
weitergetragen wur<strong>de</strong>n und die noch bis<br />
in die Neuzeit das Denken best<strong>im</strong>mten:<br />
<strong>Psoriasis</strong> und Lepra, <strong>de</strong>r Aussatz also,<br />
schienen häufig eins zu sein, gemeinsam<br />
tauchten sie unter <strong>de</strong>m Begriff <strong>de</strong>r<br />
Psora auf. Erst in <strong>de</strong>r zweiten Hälfte <strong>de</strong>s<br />
19. Jahrhun<strong>de</strong>rts wur<strong>de</strong>n die bei<strong>de</strong>n<br />
Krankheiten abgegrenzt und die Lepra<br />
als anstecken<strong>de</strong> Krankheit erkannt.<br />
Während wir <strong>de</strong>n neuen Terminus, die<br />
Ansteckung, rasch in unser Medizinkonzept<br />
übernahmen, waren zweieinhalbtausend<br />
Jahre Psora nicht ganz<br />
so einfach zu löschen! Für viele Nicht-<br />
Betroffene bleibt die <strong>Psoriasis</strong> so noch<br />
<strong>im</strong>mer eine „unverstan<strong>de</strong>ne Krankheit“.<br />
So „unverstan<strong>de</strong>n“ die Krankheit lange in<br />
ihrem Erscheinungsbild war, so unsicher<br />
war man bei <strong>de</strong>r Suche nach ihren Ursachen:<br />
sind es die falschen Körpersäfte,<br />
ist es die Unreinheit, ist es eine Prüfung<br />
für einen „echten Christenmenschen“,<br />
ist exzessive fleischliche Begier<strong>de</strong> <strong>de</strong>r<br />
Grund? Und wenn man die Ursache<br />
nicht kennt, bleibt die Therapie <strong>de</strong>m<br />
Zufall bzw. <strong>de</strong>m Zeitgeist überlassen.<br />
So zeigte sich <strong>de</strong>nn auch bei <strong>de</strong>n therapeutischen<br />
Bemühungen erst gegen<br />
En<strong>de</strong> <strong>de</strong>s 19. Jahrhun<strong>de</strong>rts ein wenig<br />
Licht am Horizont.<br />
Auf <strong>de</strong>n folgen<strong>de</strong>n Seiten wollen wir in<br />
sechs kurzen Kapiteln in die Geschichte<br />
<strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> zurückschauen und die Entwicklung<br />
bis zum heutigen „State of the<br />
Art“ skizzieren. Dabei soll auch <strong>de</strong>utlich<br />
wer<strong>de</strong>n, warum die <strong>Psoriasis</strong> auch heute<br />
noch bei vielen Nicht-Betroffenen Ängste<br />
auslöst (Unser Gedächtnis ist manchmal<br />
eben sehr viel besser als wir glauben!)<br />
Zum zweiten soll <strong>de</strong>r Vergleich „Früher –<br />
heute“ auch Hoffnung machen und<br />
zeigen, wie nah wir <strong>de</strong>m Ziel, „gut Leben<br />
mit <strong>Psoriasis</strong>“, schon gekommen sind.<br />
Anno 373:<br />
„Das gefürchteste<br />
und schl<strong>im</strong>mste<br />
Übel [ist] daß man<br />
nicht besucht<br />
und angeschaut<br />
wer<strong>de</strong>n darf, daß<br />
man geflohen und<br />
verabscheut wird“<br />
(Gregor von Nazianz,<br />
griechischer Kirchenlehrer)<br />
2 < Bibel, Manuskript, 15. Jh.<br />
3<br />
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psoriasis
Eine Krankheit mit diffusem Erscheinungsbild<br />
T. Bateman, Delineations<br />
of cutaneous diseases, 1817<br />
Aussatz, Lepra, Psora, Leuke, Lichen,<br />
Pustulae… Hinter diesen Namen fin<strong>de</strong>n<br />
sich seit <strong>de</strong>m Alten Testament und<br />
<strong>de</strong>r griechisch-römischen Antike sehr<br />
unterschiedliche Krankheitsbil<strong>de</strong>r,<br />
auf <strong>de</strong>r einen Seite Formen <strong>de</strong>r Lepra,<br />
auf <strong>de</strong>r an<strong>de</strong>ren Hautkrankheiten wie<br />
die Schuppenflechte:<br />
• „Und <strong>de</strong>r Herr re<strong>de</strong>te mit Mose<br />
und Aaron und sprach: Wenn<br />
bei einem Menschen an seiner<br />
Haut eine Erhöhung o<strong>de</strong>r ein<br />
Ausschlag o<strong>de</strong>r ein weißer<br />
Flecken entsteht und zu einer<br />
aussätzigen Stelle an <strong>de</strong>r Haut<br />
wird, soll man ihn zum Priester<br />
Aaron führen…“<br />
(3. Mose 13,1f.).<br />
• In <strong>de</strong>n Hippokratischen Schriften<br />
wird von einem Mann berichtet,<br />
<strong>de</strong>r „an einem Juckreiz<br />
litt, von <strong>de</strong>m <strong>de</strong>r ganze Körper<br />
ergriffen war, vor allem aber<br />
<strong>de</strong>r Ho<strong>de</strong>n und das Gesicht.<br />
Die Krankheit war sehr heftig,<br />
überall am Körper war die Haut<br />
stark verdickt, vom Aussehen<br />
her wie Lepra … Diesem Kranken<br />
konnte niemand helfen“.<br />
Bis zum En<strong>de</strong> <strong>de</strong>s 18. Jahrhun<strong>de</strong>rts blieb<br />
das Bild <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> extrem diffus.<br />
Erst mit <strong>de</strong>r sogenannten Effloreszenzenlehre,<br />
die die Hautkrankheiten nach<br />
<strong>de</strong>m äußeren Erscheinungsbild, nach<br />
<strong>de</strong>n „Hautblüten“, ordnete, wur<strong>de</strong>n die<br />
Abgrenzungen etwas genauer. So beschrieb<br />
<strong>de</strong>r englische Arzt Robert Willan<br />
das Erscheinungsbild <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> mit<br />
„dünnen weißen Schuppen“, in „<strong>de</strong>r<br />
Größe eines Silberpfennigs“, von<br />
„scheibenrun<strong>de</strong>r o<strong>de</strong>r ovaler Gestalt“,<br />
„mit trockenen Schuppen be<strong>de</strong>ckt und<br />
mit einem roten Ran<strong>de</strong> umgeben“.<br />
Der Name, <strong>de</strong>n Willan wählte, „Lepra<br />
vulgaris“, war freilich weniger hilfreich,<br />
er beschrieb vielmehr erneut die Nähe<br />
zur Lepra!<br />
Die Krankheit hat einen Namen<br />
Anno 1860 kritisierte <strong>de</strong>nn auch <strong>de</strong>r<br />
Österreicher Ferdinand von Hebra seinen<br />
englischen Kollegen: „… wird es je<strong>de</strong>m<br />
Sachkundigen wohl klar wer<strong>de</strong>n, dass<br />
es Willan mit <strong>de</strong>r Charakteristik seiner<br />
<strong>Psoriasis</strong> nicht gar genau genommen<br />
hat“. Hebra fährt dann fort:<br />
„Die einzelnen Effloreszenzen stehen <strong>im</strong><br />
Beginne <strong>de</strong>r Erkrankung stets isoliert<br />
und treten erst <strong>im</strong> weiteren Verlauf näher<br />
aneinan<strong>de</strong>r o<strong>de</strong>r sie verschmelzen ganz<br />
miteinan<strong>de</strong>r. Bei <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> ist zwar<br />
meistens die ganze Haut an verschie<strong>de</strong>nen<br />
Punkten Sitz <strong>de</strong>r Erkrankung mit<br />
beson<strong>de</strong>rer Prädilection [Bevorzugung]<br />
<strong>de</strong>r Ellbogen und Knie, aber gewöhnlich<br />
sind die inselförmig zerstreuten Effloreszenzen<br />
durch größere o<strong>de</strong>r kleinere<br />
gesun<strong>de</strong> Hautpartien von einan<strong>de</strong>r<br />
getrennt…“.<br />
Die von Hebra vorgeschlagenen Klassifikation<br />
<strong>de</strong>r Hautkrankheiten setzte<br />
sich rasch durch. Sein Kollege E. Wilson<br />
schrieb enthusiastisch: Er „löst <strong>de</strong>n<br />
gordischen Knoten. Das Ekzem nennt<br />
er Ekzem, die Lepra, Lepra, und die sehr<br />
verbreitete Krankheit, die wir bis heute<br />
als Lepra bezeichnen, nennt er <strong>Psoriasis</strong>.<br />
Dieser Begriffswechsel ist einfach,<br />
<strong>de</strong>r Grund dafür aber be<strong>de</strong>utend.<br />
Wir können nichts besseres tun,<br />
als ihn zu akzeptieren“.<br />
Heute sprechen wir von <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong><br />
vulgaris, <strong>de</strong>r gewöhnlichen <strong>Psoriasis</strong><br />
vom Plaque-Typ o<strong>de</strong>r je nach Erscheinungsform<br />
z. B. auch von einer<br />
<strong>Psoriasis</strong> generalisata, die<br />
überall auf <strong>de</strong>r Haut aufritt.<br />
O<strong>de</strong>r einer <strong>Psoriasis</strong> nummularis,<br />
die sich durch run<strong>de</strong>,<br />
an Münzen erinnern<strong>de</strong> Plaques<br />
(Willans Silberpfennig!), zeigt.<br />
Und typische Merkmale sind<br />
das Kerzenwachsphänomen,<br />
das Phänomen <strong>de</strong>s letzten<br />
Häutchens und das Phänomen<br />
<strong>de</strong>s blutigen Taus.<br />
F. von Hebra, Briefmarke, 20. Jh.<br />
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Angst und Stigmatisierung<br />
Vor <strong>de</strong>m Hintergrund <strong>de</strong>r unklaren medizinischen<br />
Situation war <strong>de</strong>r „diagnostische<br />
Spruch“ für die Betroffenen von<br />
<strong>im</strong>menser Be<strong>de</strong>utung. Der Spruch „rein<br />
o<strong>de</strong>r unrein“ – <strong>im</strong> medizinischen Sinn<br />
also ansteckend o<strong>de</strong>r nicht – war entschei<strong>de</strong>nd<br />
für ihr weiteres Leben! Denn<br />
das Sicherheitsbedürfnis und die Angst<br />
<strong>de</strong>r Mitmenschen musste dazu führen,<br />
dass die „Unreinen“ ausgegrenzt wur<strong>de</strong>n.<br />
Wer aber traf diese Entscheidung?<br />
Im Alten Testament war die Aussatz-<br />
Diagnostik eine religiöse Angelegenheit:<br />
Man solle <strong>de</strong>n Kranken „mit aussätziger<br />
Stelle an <strong>de</strong>r Haut zum Priester Aaron<br />
führen, o<strong>de</strong>r zu einem unter seinen<br />
Söhnen, <strong>de</strong>n Priestern“, heißt es dort.<br />
Nach <strong>de</strong>m profanen Intermezzo in<br />
griechisch-römischer Zeit wur<strong>de</strong> die<br />
Zuständigkeit <strong>im</strong> Mittelalter geteilt:<br />
„Es ist nur <strong>de</strong>n Wür<strong>de</strong>nträgern <strong>de</strong>r Kirche<br />
erlaubt, diejenigen, die aufgrund <strong>de</strong>s<br />
rätselhaften Urteils Gottes mit <strong>de</strong>m Aussatz<br />
geschlagen sind, nach einer ärztlichen<br />
Prüfung aus <strong>de</strong>r Gemeinschaft <strong>de</strong>r<br />
Menschen auszugrenzen“.<br />
Entwe<strong>de</strong>r waren die Betroffenen als sogenannte<br />
Feldsiechen in die Umgebung<br />
<strong>de</strong>r Siedlungen verbannt o<strong>de</strong>r sie wur<strong>de</strong>n<br />
in Leprosorien, also Aussätzigen-<br />
Häuser, eingewiesen. Im dritten Buch<br />
Mose hatte es noch geheißen: „Wer<br />
nun aussätzig ist, soll zerrissene Klei<strong>de</strong>r<br />
tragen und das Haar lose und <strong>de</strong>n Bart<br />
verhüllt und soll rufen: unrein, unrein!<br />
Zweitausend Jahre später war <strong>de</strong>r Ruf<br />
durch die Lepra-Klapper abgelöst wor<strong>de</strong>n:<br />
Die Ausgegrenzten mussten damit<br />
ihr Kommen ankündigen!<br />
Dass die Kirche an <strong>de</strong>r Diagnostik maßgeblich<br />
beteiligt war, lag natürlich auch<br />
daran, dass man die Krankheit als von<br />
Gott gesandt interpretierte. Fleischliche<br />
Begier<strong>de</strong>, Zorn und Unmäßigkeit <strong>im</strong><br />
Essen und Trinken galten als Auslöser<br />
für die Gottesstrafe. Franz von Assisi<br />
dagegen verstand <strong>de</strong>n Aussatz als<br />
Prüfung: für die Betroffenen, aber auch<br />
für die Mitmenschen, die durch die<br />
Pflege <strong>de</strong>r Ausgegrenzten beson<strong>de</strong>rs<br />
gottgefällig han<strong>de</strong>ln konnten.<br />
Die griechisch-römischen Ärzte hatten<br />
dagegen natürliche Erklärungen herangezogen.<br />
So drohten Krankheiten<br />
<strong>im</strong>mer dann, wenn die Körpersäfte –<br />
Blut, Schle<strong>im</strong>, schwarze und gelbe Galle –<br />
aus <strong>de</strong>m Gleichgewicht geraten waren:<br />
Die Psora entstehe aus „schwarzgalligen<br />
Säften“ heißt es etwa bei Hippokrates.<br />
Das Krankheitskonzept <strong>de</strong>r sogenannten<br />
Viersäftelehre war übrigens bis ins<br />
19. Jahrhun<strong>de</strong>rt hinein weitgehend<br />
akzeptiert. Erst als man mit <strong>im</strong>mer<br />
besseren Mikroskopen die Zellen ent<strong>de</strong>ckte<br />
und Bakterien isolierte, än<strong>de</strong>rte<br />
sich das medizinische Weltbild. In<br />
<strong>de</strong>n Jahren 1873-1880 wur<strong>de</strong> die Lepra<br />
als anstecken<strong>de</strong> Krankheit erkannt<br />
und Mycobacterium leprae als Erreger<br />
nachgewiesen. Und die Entstehung<br />
<strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>? Hier tat man sich noch<br />
schwerer. Der Verlauf <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>,<br />
<strong>de</strong>r Einfluß äußerer Faktoren, die Vorgänge<br />
in <strong>de</strong>n Hautzellen selbst und<br />
Fragen <strong>de</strong>r Erblichkeit gerieten ins Zentrum<br />
<strong>de</strong>r „Ermittlungen“. Auf <strong>de</strong>r Basis<br />
neuer Erkenntnisse in <strong>de</strong>r Genforschung,<br />
<strong>de</strong>r Immunologie und <strong>de</strong>r Stoffwechselprozesse<br />
<strong>de</strong>r Zellen kristallisierte sich<br />
das heutige Verständnis heraus. Durch<br />
genetische Veranlagung und durch<br />
Umweltfaktoren (z. B. Stress) kommt<br />
es zur Entzündung <strong>de</strong>r Haut, zu einer<br />
massiven Steigerung <strong>de</strong>r Zellteilung<br />
von Oberhautzellen und zum Entstehen<br />
von schuppen<strong>de</strong>n, entzündlichen Hautverän<strong>de</strong>rungen,<br />
<strong>de</strong>n Plaques.<br />
C. Roselli, Christus heilt einen Leprakranken, 15. Jh.<br />
H. von Gersdorff, Feldtbuch <strong>de</strong>r Wundtartzney, 1517<br />
Leprakranker mit Klapper, Miniatur, 15. Jh.<br />
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Erste Behandlungsversuche<br />
Wer die Krankheit als Gottesstrafe<br />
begriff, für <strong>de</strong>n stand Buße ganz oben<br />
auf <strong>de</strong>r therapeutischen Agenda. Gebet<br />
und Wallfahrt waren die Hilfsmittel,<br />
Heilige wie Antonius <strong>de</strong>r Große o<strong>de</strong>r<br />
Quirinus von Rom aus <strong>de</strong>ren Vita Wun<strong>de</strong>rheilungen<br />
überliefert waren, konnten<br />
um Hilfe angerufen wer<strong>de</strong>n. Und in <strong>de</strong>n<br />
Wallfahrtsorten wur<strong>de</strong>n kleine „Schluckbil<strong>de</strong>r“<br />
aus Papier mit <strong>de</strong>m Bild <strong>de</strong>r<br />
Heiligen feilgeboten.<br />
Für <strong>de</strong>n, <strong>de</strong>m Buße o<strong>de</strong>r Schluckbild<br />
allein nicht halfen, gab es eine große<br />
Zahl von Angeboten, die Heilung versprachen.<br />
Die Docotores medicinae, also<br />
die Ärzte, die eine Universität besucht<br />
hatten, versuchten entsprechend <strong>de</strong>r<br />
Viersäfte-Doktrin, die „schwarzgalligen<br />
Säfte“ aus <strong>de</strong>m Körper zu schaffen.<br />
Abführ- und Brechmittel aus unterschiedlichen<br />
Pfanzenextrakten stan<strong>de</strong>n <strong>im</strong> Vor<strong>de</strong>rgrund<br />
ihrer Therapie. Da man zu<strong>de</strong>m<br />
vermutete, dass auch eine übermäßige<br />
Abkühlung <strong>de</strong>r Körpersäfte die Krankheit<br />
begünstigte, setzte man zusätzlich auf<br />
die Wärmetherapie. So empfahl z. B.<br />
Hil<strong>de</strong>gard von Bingen, christliche Mystikerin<br />
und Heilerin, folgen<strong>de</strong> Rezeptur:<br />
Zerkleinerter Schwalbenkot und Klettenkraut,<br />
das mit Storchen- und Geierfett<br />
und mit Schwefel zu einer Salbe verarbeitet<br />
wur<strong>de</strong>. Damit sollte <strong>de</strong>r Patient<br />
<strong>im</strong> Schwitzbad eingerieben wer<strong>de</strong>n.<br />
Durch die Wärme <strong>de</strong>s Schwefels, <strong>de</strong>s<br />
Schwalbenkots und <strong>de</strong>s Storchfettes<br />
sollte <strong>de</strong>r „Aussatz-Stoff“ aufgelöst,<br />
von <strong>de</strong>r kalten Materie <strong>de</strong>r Klette zerfressen<br />
und durch die Fette herausgezogen<br />
wer<strong>de</strong>n.<br />
Solche aus <strong>de</strong>r Theorie begrün<strong>de</strong>ten Rezepturen<br />
wur<strong>de</strong>n in <strong>de</strong>r Volksmedizin oft<br />
radikal vereinfacht: Gegen „die Flechten<br />
o<strong>de</strong>r Zittermähler <strong>de</strong>r Haut“, überhaupt<br />
gegen je<strong>de</strong> „schuppichte Räudigkeit“,<br />
sei „Koth aus einem Schwalbennest mit<br />
Honig zum Sälbgen gemacht“ die rechte<br />
Hilfe. Man müsse sich nur „fleißig damit<br />
schmieren“, heißt es in <strong>de</strong>r 1697 erschienenen<br />
„Dreck-Apotheke“. An<strong>de</strong>re<br />
Hausrezepte loben ein „Sälblein“ aus<br />
„Jungfrau-Milch … L<strong>im</strong>onen-Safft, Bleyweiß<br />
in Rosen-Wasser gewaschen, Goldglätt<br />
in Eßig gewaschen und Eyer-Oehl“.<br />
Die genannten Mixturen orientierten<br />
sich pr<strong>im</strong>är an <strong>de</strong>r I<strong>de</strong>e <strong>de</strong>r „Contraria<br />
contrariis“; also daran, die Krankheit<br />
mit einem Gegenmittel zur vermuteten<br />
Krankheitsursache zu bekämpfen. Ganz<br />
an<strong>de</strong>rs dagegen die I<strong>de</strong>e <strong>de</strong>s „S<strong>im</strong>ilia<br />
s<strong>im</strong>ilibus“: Gleiches mit Gleichem zu<br />
bekämpfen, war hier die Devise: Ähnelten<br />
nicht die dickhäutige Haut <strong>de</strong>s Igels,<br />
die sich häuten<strong>de</strong> Schlange, rauhblättriger<br />
Borretsch o<strong>de</strong>r auch Algen <strong>de</strong>m<br />
Erscheinungsbild <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>? Was lag<br />
da näher als die entsprechen<strong>de</strong>n Tiere<br />
und Pflanzen therapeutisch zu nutzen?<br />
„Gegen Leberflecken, Flechten, Aussatz,<br />
weiße o<strong>de</strong>r schwarze Flecken“ empfiehlt<br />
so <strong>de</strong>r römische Arzt Dioscuri<strong>de</strong>s eine<br />
Algensorte „die dicht ist und von<br />
schwammigem Aussehen, dabei stinkend<br />
und schwer, mit Fischgeruch …“.<br />
Heute beginnt die äußerliche Behandlung<br />
<strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> mit <strong>de</strong>r richtigen Hautreinigung,<br />
am besten mit rückfetten<strong>de</strong>n<br />
Seifen, z. B. mit Glycerin, Vitamin E o<strong>de</strong>r<br />
Kollagen, um <strong>de</strong>n Säureschutzmantel<br />
<strong>de</strong>r Haut zu erhalten. Um ein zu starkes<br />
Entfetten und Austrocknen <strong>de</strong>r Haut<br />
zu verhin<strong>de</strong>rn, gilt be<strong>im</strong> Duschen o<strong>de</strong>r<br />
Ba<strong>de</strong>n die Devise „Weniger ist mehr“.<br />
Zu<strong>de</strong>m sind rückfetten<strong>de</strong> Dusch- und<br />
Ba<strong>de</strong>zusätze empfehlenswert. Be<strong>im</strong><br />
Abtrocknen reizt vorsichtiges Trockentupfen<br />
die Haut weniger als kräftiges<br />
Abrubbeln. Und statt <strong>de</strong>r <strong>im</strong> Mittelalter<br />
vorgeschriebenen „härenen Gewän<strong>de</strong>r“<br />
sind weiche Stoffe wie z. B. Baumwolle<br />
empfehlenswert.<br />
Hil<strong>de</strong>gard von Bingen, Briefmarke, 20. Jh.<br />
Heilige Elisabeth, Ölgemäl<strong>de</strong>, 15. Jh.<br />
8 9<br />
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Paracelsus, Lithographie, 19. Jh.<br />
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Exper<strong>im</strong>ente und Erforschung neuer Therapien<br />
Wur<strong>de</strong>n in <strong>de</strong>r Antike vor allem tierische<br />
und pflanzliche Stoffen therapeutisch<br />
genutzt, so kamen <strong>im</strong> 16. Jahrhun<strong>de</strong>rt –<br />
nicht zuletzt geför<strong>de</strong>rt durch <strong>de</strong>n medizinischen<br />
Revolutionär Paracelsus –<br />
Metalle und Mineralien hinzu. In <strong>de</strong>r<br />
Praxis <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>-Therapie sah das<br />
dann wie folgt aus: Um die Körpersäfte<br />
in Bewegung zu bringen, wur<strong>de</strong> Quecksilber-Salbe<br />
und danach Quecksilber-<br />
Chlorid-Pillen verabreicht. „Am dritten<br />
Tage traten die ersten Erscheinungen<br />
einer Quecksilbervergiftung auf, aber<br />
<strong>de</strong>r Arzt setzte die Behandlung fort und<br />
stellte zufrie<strong>de</strong>n fest, daß bald ein starker<br />
Brechreiz einsetzte. Als nach einigen<br />
weiteren Tagen die Menge <strong>de</strong>s täglich<br />
Erbrochenen nicht mehr zunahm, wur<strong>de</strong><br />
die Quecksilberbehandlung abgesetzt<br />
und die weitere Entleerung <strong>de</strong>r vermeintlich<br />
schadhaften Körpersäfte durch<br />
Abführmittel angestrebt“. Als die geschwächte<br />
Patientin auch nach einigen<br />
weiteren Versuchen nicht geheilt war,<br />
brach <strong>de</strong>r Arzt die Prozedur ab und stellte<br />
enttäuscht fest: „Die Krankheit sprießt<br />
weiterhin und zeigt ihre unnachgiebige<br />
Natur“ (nach Saalmann).<br />
Quecksilber blieb übrigens eines <strong>de</strong>r<br />
beliebtesten Arzne<strong>im</strong>ittel und behauptete<br />
bis zum En<strong>de</strong> <strong>de</strong>s 19. Jahrhun<strong>de</strong>rts<br />
einen Platz unter <strong>de</strong>n Top Ten <strong>de</strong>r Verordnungen.<br />
Diesen Platz konnten ihm<br />
auch arsenhaltige Mittel nicht streitig<br />
machen. Mit ihnen hatte man zwar häufig<br />
die Symptome <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> <strong>im</strong> Griff,<br />
allerdings um <strong>de</strong>n Preis so schwerer<br />
Nebenwirkungen, dass man Arsen in<br />
<strong>de</strong>r Regel nur als „letztes Mittel“ verwen<strong>de</strong>te.<br />
Seit <strong>de</strong>n Ent<strong>de</strong>ckungsfahrten nach Asien<br />
und nach Amerika <strong>im</strong> 15. Jahrhun<strong>de</strong>rt<br />
war <strong>de</strong>r europäische Arzneischatz um<br />
exotische Stoffe bereichert wor<strong>de</strong>n.<br />
Bei <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> dauerte es allerdings<br />
bis ins Jahr 1876 bis ein solches Exotikum<br />
Karriere machte, das „Goa-Pulver“.<br />
Es wur<strong>de</strong> aus <strong>de</strong>m ursprünglich in<br />
Brasilien he<strong>im</strong>ischen Aroroba-Baum<br />
gewonnen, <strong>de</strong>n die Portugiesen in ihre<br />
Besitzung Goa an <strong>de</strong>r indischen Westküste<br />
gebracht hatten.<br />
Als Wirkstoff konnte man Chrysarobin,<br />
einen Vorläufer <strong>de</strong>s 1916 synthetisierten<br />
Dithranols isolieren. Gegen En<strong>de</strong> <strong>de</strong>s<br />
19. Jahrhun<strong>de</strong>rts wur<strong>de</strong> das therapeutische<br />
Arsenal von <strong>de</strong>r jungen pharmazeutischen<br />
Industrie ergänzt: Ammoniak,<br />
Terpentin, Naphtol, Teer, Thymol und<br />
Salicylsäure boten neue Ansätze zur<br />
Behandlung <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>.<br />
Zusammen mit <strong>de</strong>n Erkenntnissen zur<br />
Diagnostik und zur Krankheitsentstehung<br />
führte <strong>de</strong>r Ausbau <strong>de</strong>r therapeutischen<br />
Möglichkeiten zu einer Euphorie<br />
<strong>de</strong>r Hautärzte: „Diese Krankheit [ist]<br />
nicht nur behandlungsfähig, son<strong>de</strong>rn<br />
auch heilbar“, hieß es anno 1899!<br />
40 Jahre später war allerdings wie<strong>de</strong>r<br />
Ernüchterung eingekehrt, nun meinte<br />
man, die Behandlung <strong>de</strong>r Schuppenflechte<br />
sei Gift für das Ego eines je<strong>de</strong>n<br />
Hautarztes!<br />
In <strong>de</strong>r Folge markierte vor allem die<br />
Entwicklung <strong>de</strong>r Kortison-Präparate<br />
sowie die Ent<strong>de</strong>ckung <strong>de</strong>r Vitamin D3<br />
Analoga einen wesentlichen Fortschritt<br />
in <strong>de</strong>r Therapie. Während Kortison in <strong>de</strong>r<br />
entzündlichen Phase <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> hilfreich<br />
ist, verhin<strong>de</strong>rn Vitamin D3-Analoga<br />
wie Calcipotriol die Zellteilung <strong>de</strong>r<br />
Keratozyten, also <strong>de</strong>r Zellen <strong>de</strong>r Oberhaut.<br />
Für die äußerliche Therapie stehen<br />
damit heute Salben, Cremes o<strong>de</strong>r<br />
Lotionen mit herkömmlichen Stoffen<br />
wie Teer, Dithranol o<strong>de</strong>r Salicylsäure<br />
und mit neueren Wirkstoffen wie Kortison<br />
o<strong>de</strong>r Vitamin D3 Analoga (auch als<br />
Kombinationspräparat) zur Verfügung.<br />
Für schwere Formen <strong>de</strong>r Krankheit wie<br />
die <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis wer<strong>de</strong>n Präparate<br />
zur innerlichen Anwendung eingesetzt.<br />
Auch hier wur<strong>de</strong> in <strong>de</strong>n letzten rund<br />
50 Jahren eine breite Palette an Alternativen<br />
entwickelt, von Methotrexat bis<br />
hin zu monoklonalen Antikörpern.<br />
Leprakranken, Miniatur, 15. Jh.<br />
10 11<br />
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Lichttherapie – Gestern und Heute<br />
„Eine meiner ersten Beobachtungen und<br />
zugleich eines meiner Argumente, die<br />
die Nützlichkeit <strong>de</strong>s Lichts betrafen,<br />
war folgen<strong>de</strong>: Unter meinem Fenster<br />
befand sich ein flaches Dach, das halb<br />
von <strong>de</strong>r Sonne beschienen war, auf <strong>de</strong>m<br />
Dach lag eine Katze und sonnte sich,<br />
drehte und streckte sich und schien<br />
sich sehr wohl zu befin<strong>de</strong>n. Kurz darauf<br />
erreichte sie <strong>de</strong>r Schatten und die Katze<br />
flüchtete sich in <strong>de</strong>n Sonnenschein …<br />
Dabei kam mir <strong>de</strong>r Gedanke an Sonnenund<br />
Lichtbä<strong>de</strong>r“, schrieb <strong>de</strong>r dänische<br />
Arzt Niels Finsen.<br />
Dieser Gedanke war natürlich keine<br />
dänische Ent<strong>de</strong>ckung! Die Heilwirkung<br />
<strong>de</strong>s Sonnenlichts war schon <strong>de</strong>n „alten“<br />
Ägyptern bekannt: So fin<strong>de</strong>n sich auf<br />
Papyri Rezepturen nach <strong>de</strong>nen Patienten<br />
ein Sonnenbad empfohlen wur<strong>de</strong>,<br />
nach<strong>de</strong>m sie mit speziellen harzhaltigen<br />
Salben eingecremt wor<strong>de</strong>n waren.<br />
Auch römischen Ärzten war die heilsame<br />
Wirkung <strong>de</strong>s Lichts durchaus bekannt.<br />
• 1666 ent<strong>de</strong>ckte Isaak Newton die<br />
sieben Regenbogenfarben <strong>de</strong>s Lichts<br />
• 1742 stellte Christian Winkler die erste<br />
künstliche Lichtquelle her<br />
• 1800 berichtete Wilhelm Herschel<br />
über die Infrarotstrahlen<br />
• 1801 wies Johann Ritter die ultraviolette<br />
Strahlung nach.<br />
Für die Hauttherapie war das UV-Licht<br />
damit allerdings noch nicht verfügbar.<br />
Dazu bedurfte es – siehe oben – <strong>de</strong>r<br />
Anregung durch die Katze <strong>de</strong>s Niels<br />
Finsen! Auf <strong>de</strong>r Basis <strong>de</strong>r Erkenntnisse<br />
<strong>de</strong>r Strahlenphysik und <strong>de</strong>r Erfahrungen<br />
mit <strong>de</strong>r Herstellung künstlichen Lichtsentwickelte<br />
<strong>de</strong>r dänische Arzt eine Kohlenbogenlampe<br />
mit stark ultraviolettem<br />
Licht, die sogenannte „Finsen-Lampe“.<br />
„In Anerkennung seines Beitrages an<br />
<strong>de</strong>r Behandlung von Krankheiten … mit<br />
konzentrierter Lichtstrahlung, durch die<br />
empfahl lange vor <strong>de</strong>r „Braun-ist-schön-<br />
Mo<strong>de</strong>“ – einfache Schutzmaßnahmen<br />
für die Haut!<br />
Finsen hatte seine UV-Strahlen zunächst<br />
vor allem bei Patienten mit Lupus<br />
vulgaris, <strong>de</strong>r Tuberkulose <strong>de</strong>r Haut, eingesetzt.<br />
Erst 20 Jahre später wur<strong>de</strong> die<br />
Wirksamkeit <strong>de</strong>s UV-Lichts bei <strong>de</strong>r<br />
Behandlung <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> beschrieben.<br />
In <strong>de</strong>n nächsten Jahren ging es zum<br />
einen darum, die Lichtsensibilität <strong>de</strong>r<br />
Haut vor einer UV-Bestrahlung zu<br />
erhöhen, und zum zweiten darum, das<br />
UV-Spektrum mit Hilfe neuer Bestrahlungstechniken<br />
zu variieren und besser<br />
zu nutzen. Zur Erhöhung <strong>de</strong>r Photosensibilität<br />
arbeitete man z. B. mit Steinkohlenteersalben<br />
o<strong>de</strong>r <strong>de</strong>r Einnahme<br />
<strong>de</strong>s Samens <strong>de</strong>r Knorpelmöhre.<br />
Heute hat sich die Phototherapie als<br />
wichtige Säule <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>therapie<br />
etabliert. Mit <strong>de</strong>n kurzwelligen UV-B-<br />
Strahlen erreicht man dabei die obere<br />
N. Finsen, Fotografie, 19. Jh. er <strong>de</strong>r medizinischen Forschung einen<br />
Hautschicht, mit <strong>de</strong>n langwelligen UV-<br />
Papyrus Smith, Fotografie, 19. Jh.<br />
Die neuzeitliche Lichttherapie beginnt <strong>im</strong> neuen Weg eröffnete“, erhielt Finsen<br />
A-Strahlen die mittlere Hautschicht, die<br />
18. Jahrhun<strong>de</strong>rt als die ersten Sonnenlicht-Sanatorien<br />
1903 <strong>de</strong>n Nobelpreis für Medizin.<br />
Le<strong>de</strong>rhaut. Für die Photosensibilierung<br />
eingerichtet wer<strong>de</strong>n.<br />
wird vor allem <strong>de</strong>r Pflanzenextrakt<br />
Zur mo<strong>de</strong>rnen Phototherapie mit<br />
Finsen beschäftigte sich übrigens auch<br />
Psoralen eingesetzt und unter <strong>de</strong>m Begriff<br />
künstlichen Lichtquellen war <strong>de</strong>r Weg mit <strong>de</strong>r schädigen<strong>de</strong>n Wirkung zu<br />
PUVA verbirgt sich so das heutige<br />
gut leben allerdings noch lang:<br />
intensiver Sonnenstrahlung – und<br />
Standardverfahren <strong>de</strong>r Photochemothe-<br />
mit<br />
psoriasis<br />
rapie: Psoralen plus UV-A. Daneben hat<br />
sich die Balneophototherapie entwickelt:<br />
Dabei wird die ambulante UV-B-<br />
Bestrahlung mit Salzbä<strong>de</strong>rn kombiniert.<br />
12 13<br />
www.psorinfo.<strong>de</strong><br />
gut leben<br />
mit<br />
psoriasis
Vom Pu<strong>de</strong>rn, Ba<strong>de</strong>n und <strong>de</strong>m Selbstbewusstsein<br />
Platen, Naturheilkun<strong>de</strong>, 1900<br />
gut leben<br />
mit<br />
psoriasis<br />
Wie gesehen, begann die mo<strong>de</strong>rne<br />
Therapie <strong>de</strong>r Schuppenflechte erst En<strong>de</strong><br />
<strong>de</strong>s 19. Jahrhun<strong>de</strong>rts. Weil man aber<br />
auch <strong>im</strong> 17. o<strong>de</strong>r 18. Jahrhun<strong>de</strong>rt schon<br />
gern Haut zeigte, hatten „Cosmetica<br />
medicamenta“ Hochkonjunktur:<br />
„Schminck-Artzeneyen“, heißt es in<br />
einem Lexikon <strong>de</strong>s 18. Jahrhun<strong>de</strong>rts,<br />
„sind solche Mittel, mit welchen man<br />
sich eine weisse, reine und weiche<br />
Haut machen, und die Blattern-Flecken<br />
… und an<strong>de</strong>re Unreinigkeiten an <strong>de</strong>n<br />
Hän<strong>de</strong>n und vornemlich am Gesichte<br />
wegbringen … kan“. So wur<strong>de</strong> also<br />
gesalbt und gecremt, und, weil das<br />
gängige Schönheitsi<strong>de</strong>al die weiße<br />
Haut war, wur<strong>de</strong> intensiv gepu<strong>de</strong>rt.<br />
Auf <strong>de</strong>r so vorbereiteten bzw. ver<strong>de</strong>ckten<br />
Haut setzten dann Schönheitsbzw.<br />
Schminkpflästerchen – <strong>im</strong> Gesicht,<br />
auf <strong>de</strong>n Schultern o<strong>de</strong>r <strong>de</strong>m Dekolletee –<br />
zusätzlich Akzente. Dem Selbstbewusstsein<br />
eines <strong>Psoriasis</strong>-Patienten dürfte<br />
diese Mo<strong>de</strong> und das Schönheitsi<strong>de</strong>al<br />
wohl zuträglich gewesen sein. Der Haut<br />
ganz best<strong>im</strong>mt nicht!<br />
In <strong>de</strong>r Tradition <strong>de</strong>r Ausgrenzung verwurzelt<br />
waren dagegen Anweisungen<br />
wie sie sich <strong>im</strong> Mittelalter für öffentliche<br />
Ba<strong>de</strong>häuser fan<strong>de</strong>n. Da sollten die<br />
Hautkranken „dahe<strong>im</strong> seinem Stüblein<br />
o<strong>de</strong>r aber auf wenigst sein eigenes<br />
Ba<strong>de</strong>zeug achten und zu Zeit als nit<br />
viel Leut <strong>im</strong> Bad sind, früh o<strong>de</strong>r spät,<br />
sich in <strong>de</strong>r Badstub schröpfen lassen“.<br />
Dem Rat „dahe<strong>im</strong>“ folgte <strong>de</strong>r französische<br />
Revolutionär Jean Paul Marat,<br />
hielt es aber ansonsten eher mit <strong>de</strong>n<br />
so verhassten royalen Vorfahren:<br />
Statt <strong>im</strong> Bett empfing <strong>de</strong>r radikalste<br />
Anführer <strong>de</strong>r französischen Revolution<br />
Besucher u. a. in seiner Sitzba<strong>de</strong>wanne:<br />
„Seine Haut ist flammig und gelb<br />
Weil von einem Ausschlag entstellt<br />
Das kühle Wasser in <strong>de</strong>m er sitzt<br />
Lin<strong>de</strong>rt das Fieber das ihn erhitzt“,<br />
schreibt Peter Weiss in seinem Drama<br />
„Die Verfolgung und Ermordung Jean<br />
Paul Marats“. Marats letzte Besucherin,<br />
Charlotte Corday, nutzte die Situation<br />
für die Ermordung ihres politischen<br />
Gegners.<br />
Überhaupt, Prominente und die Schuppenflechte!<br />
Die Politiker Winston<br />
Churchill und Josef Stalin, die Dichter<br />
August Strindberg und Vlad<strong>im</strong>ir<br />
Nabokow, Schauspielerinnen und<br />
Sängerinnen wie Romy Schnei<strong>de</strong>r und<br />
Zarah Lean<strong>de</strong>r, die Liste <strong>de</strong>r Berühmtheiten,<br />
die unter <strong>Psoriasis</strong> litten, ist lang.<br />
Und manche waren überzeugt, dass sie<br />
es ohne ihre Erkrankung in ihrem Beruf<br />
nie soweit gebracht hätten! Vielleicht<br />
weil sie gelernt hatten, an sich zu<br />
glauben und die Probleme zu überwin<strong>de</strong>n.<br />
Zum Beispiel die Jahrtausen<strong>de</strong><br />
alte Stigmatisierung: „Personen … bei<br />
<strong>de</strong>nen sich z. B. Schuppen … ablösen<br />
und ins Wasser übergehen ist <strong>de</strong>r Zutritt<br />
ins Schw<strong>im</strong>mbad nicht gestattet“,<br />
hieß es noch bis zum Jahr 2005 in <strong>de</strong>r<br />
Musterba<strong>de</strong>ordnung für öffentliche<br />
Schw<strong>im</strong>mbä<strong>de</strong>r!<br />
Literatur<br />
E. Jung, Kleine Kulturgeschichte <strong>de</strong>r Haut, 2007<br />
John Updike, Der Zentaur, 1966<br />
G. Saalmann, H. Schlange-Schöningen, Die <strong>Psoriasis</strong>. Geschichte<br />
und Therapie vom Altertum bis zur Gegenwart, 1991<br />
www.psorinfo.<strong>de</strong><br />
Bild<br />
Visual Language Library – The Art of Anatomy<br />
Medicina preciosa – Antiquariat für Medizin<br />
www.medicina-preciosa.<strong>de</strong>,<br />
Anticmed Imagebank – Dr. med. K. F. Gruber-Gerardy<br />
Bibliothek <strong>de</strong>s Instituts für Theorie, Ethik und Geschichte <strong>de</strong>r<br />
Medizin – Johannes Gutenberg Universität Mainz<br />
Senckenberg Bibliothek, Frankfurt<br />
www.visipix.com<br />
www.commons.wik<strong>im</strong>edia.org<br />
Wir bedanken uns bei allen Institutionen, Bibliotheken, Bildarchiven<br />
und Sammlungen für die freundliche Unterstützung.<br />
Impressum<br />
I<strong>de</strong>e und Konzept: medbrain – Die I<strong>de</strong>enfabrik, www.medbrain.<strong>de</strong><br />
fjor, creative communication | Wiesba<strong>de</strong>n<br />
„Ich weiß, es wird einmal ein Wun<strong>de</strong>r<br />
gescheh’n“, hatte Zarah Lean<strong>de</strong>r<br />
gesungen. Zugegeben, das Wun<strong>de</strong>r<br />
<strong>de</strong>r Heilung <strong>de</strong>r Schuppenflechte<br />
ist bis heute ausgeblieben! Mit <strong>de</strong>n<br />
kleinen, aber sichtbaren Fortschritten<br />
in <strong>de</strong>r öffentlichen Wahrnehmung<br />
und mit <strong>de</strong>n Siebenmeilenstiefel-Fortschritten<br />
in Diagnostik und Therapie<br />
ist für viele Betroffene <strong>de</strong>nnoch ein<br />
kleines Wun<strong>de</strong>r Wirklichkeit gewor<strong>de</strong>n,<br />
ein Wun<strong>de</strong>r in vier Worten: Gut leben<br />
mit <strong>Psoriasis</strong>!<br />
J. Muffatz, Cosmetica<br />
rariora, 1593<br />
gut leben<br />
mit<br />
psoriasis<br />
www.psorinfo.<strong>de</strong><br />
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www.psorinfo.<strong>de</strong>
gut leben<br />
mit<br />
psoriasis<br />
www.psorinfo.<strong>de</strong><br />
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mit<br />
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