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Ronald Doeswijk, Stratege bei IRIS

Der Aktienmarkt ist immer einen

Schritt voraus

Aufgrund der Auswirkungen der Korrektur am Immobilienmarkt und der höheren Kreditaufnahmekosten ist zu

erwarten, dass diese Rezession länger andauern wird als die zwei früheren Rezessionen in den 90er Jahren und

zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Außerdem zeigt die Immobilienmarktkorrektur weit größere

Konsequenzen für den Wohlstand, als eine Korrektur am Aktienmarkt. Das

von einem Verbraucher in die eigene Immobilie investierte Aktienkapital

ist oft ein Mehrfaches von dem, was er in Aktien angelegt hat. Wir

rechnen mit einer längerfristigeren Rezession als die Anfang der 80er

Jahre, bei der die Konjunktur eine zweijährige Flaute erlebte.

In der zweiten Hälfte 2008 gaben die Rohstoffpreise erheblich nach.

Diese Preiskorrektur war das Ergebnis des rückläufigen Wirtschaftswachstums

und der Positionsumkehrung der Anleger aufgrund der

Kreditkrise. Wir glauben, dass die Rohstoffpreise bereits einen Großteil

ihrer Korrektur durchlaufen haben, da die Bergbauunternehmen ihre

Produktion jetzt zurückschrauben und die OPEC eine Drosselung der

Produktion umsetzt. Derzeit prognostizieren wir beim Ölpreis eine

Spanne von ca. 40 bis 80 US-Dollar pro Barrel.

Der niedrigere Erdölpreis ist eine gute Nachricht für die Konjunktur. Je

geringer der Erdölpreis, desto mehr Geld haben die Verbraucher für

Ausgaben. Ein Amerikaner verbraucht gut 25 Barrel Öl pro Jahr, wogegen

eine Person in anderen entwickelten Ländern pro Jahr durchschnittlich

15 Barrel Öl verbraucht. Nachdem der Ölpreis jetzt um ungefähr 100

US-Dollar pro Barrel von seinem höchsten Stand gesunken ist, lässt sich

daraus einfach schlussfolgern, dass dies eine starke Ankurbelung für

die Wirtschaft darstellt. Derartige Wirkungen lassen sich in schwierigen

wirtschaftlichen Zeiten leicht mit denen eines Konjunkturpakets einer

Regierung vergleichen.

Aufgrund der sich verschlechternden Bedingungen am Arbeitsmarkt

haben sich die Risiken einer Lohnkosteninflation verringert. Darüber

hinaus haben die Korrekturen bei den Rohstoffpreisen den (Preis-)Druck

deutlich gesenkt. Aufgrund dieser Entwicklungen hat sich kurzfristig das

Inflationsrisiko deutlich verringert. Sobald sich die Wirtschaft wieder

erholt, werden die Inflationsrisiken vermutlich wieder ansteigen, da

im Moment Investitionen in die zusätzliche Bergbau- und Ölproduktion

verschoben werden, die Nachfrage in Schwellenmärkten, wie China und

Indien, allerdings weiter steigt. Zudem pumpen die Zentralbanken derzeit

riesige Summen in die Wirtschaft, eine Entwicklung, die letztendlich die

Inflation erhitzen wird.

Zinssenkungen sind kein effektives Mittel mehr. Die derzeitigen

inflationären Trends bieten einen Nährboden für einen Abwärtstrend

bei den Anleiherenditen, allerdings geben die Regierungen Anleihen im

großen Stil aus, um Kapital für die Rettungspakete des Finanzsektors und

der Wirtschaft zu beschaffen. Auf der anderen Seite erwarten wir letztlich

im Moment keine größeren Bewegungen bei den Anleiherenditen.

4 Cheq 30 April 2009

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