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I Kultur · KritiK · Kontroversen I Jetzt abonnieren! Mail ... - Affe im Kopf

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Münchner Feuilleton I Kultur · Kritik · Kontroversen I März Nr. 06 · 10.03. – 06.04.2012 · 2,50 Euro · www.muenchner-feuilleton.de literatur SEITE 09 Kleines Putin. Großer Herrscher? Pünktlich zur Wahl in Russland entlarvt ein Buch Putin als skrupellosen Strategen. medien SEITE 13 Was? Sie lesen noch auf Papier! Die Digitalisierung schreitet voran. Michael Bartle über das »Ende« des Papierformats und wie die Cloud unsere Kultur verändern wird. Kunst SEITE 17 Landschaft in Variationen Zwei Münchner Maler, Eduard Schleich und Carl Spitzweg, widmen sich der Natur. Eine Ausstellung in Dachau. Foto: Volker Derlath Eduard Schleich d.Ä. | »Am Ammersee« | um 1855/60 | Ausschnitt | Privatbesitz | Foto: Christian Mitko Stadtbild SEITE 30 Bauch und Basar Die Großmarkthalle feiert Jubiläum. Eine Ausstellung im Stadtmuseum informiert über Handel und Wandel. Trugbilder können so schön sein: Was sieht der Junge, der hier aus seinem Bilderrahmen steigen will? Wo will er hin? Der naive Glaube an das, was man sieht, was man gelernt hat, was man für echt hält, weil man sich daran gewöhnt hat – ist das der Boden, der uns trägt? Siegt der, der einfach Fakten schafft? Der Behauptungen aufstellt, die beim genaueren Hinschauen zwar hanebüchen sind, aber trotzdem hingenommen werden? Zivilopfer? – »Kollateralschäden«. Wahlen in Russland? Chaos in Ägypten? Terrorismus in Syrien? Alles Fakes! Ecco Meineke Großmarkthalle München, 2011 | © Daniel Schvarcz, München Bühne SEITE 22 To be or not to be? Elisa Moolecherry leitet das freie BeMe Theatre in München. Es spielt nur auf Englisch und hat schon längst ein treues Stammpublikum. Musik SEITE 27 Die Mumifizierung der Rockmusik In diesem Frühjahr sind im Deutschen Theater Leben und Tod beängstigend nah beieinander: Die wilden Zeiten des Rock werden zu Hochglanz-Musicals – diszipliniert im Klappsessel statt wild in Woodstock. Rocken mit Peter Kraus | Ausschnitt | Foto: Mike Kraus Wenige Bewegungen haben die Kunst des 21. Jahrhunderts so stark geprägt wie die der postrussischen neo-futuristen. Die Verweigerung des Raum-Zeit-Kontinuums ermöglichte dem Petersburger Trio Achmatowa – Popilljitsch – Lewitanski sich im Jahre 2019 zu treffen und sich in Gegenrichtung unserer Zeitrechnung zu entwickeln, so dass die noch ausstehende, erste Retrospektive der Postrussen in München bereits stattgefunden hat: Am 20. Januar 2010 in der »Gagalerie«. Die gefakte Existenz der postrussischen Gruppe, der Siegeszug virtueller Netz-Piraten steht symptomatisch für die unmittelbar bevorstehende Entzauberung der kapitalistischen Kontroll- und Verwertungs-Monarchie, die ihrerseits nahezu vollständig auf Fakes setzt. Die Mächtigen unserer Zeit haben ihre Aktien der Absurdität mehrfach überzeichnet und endgültig an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Was »der Markt« in den Untiefen der Festplatte treibt – er weiß es selbst nicht mehr und der unbedarfte Bürger erst recht nicht. Auf dem Bildschirm erscheinen nur die medialen Fake-Bilder des politischen Betriebes: Inszenierung des Politischen. Kleines Beispiel? Vor aller Augen ereignet sich ein Finanz-Kollaps nach dem anderen. Die nach wie vor finanzkräftigen Schuldigen, die andernorts auf Lebensmittelpreise wetten, wagen es unverfroren, sich durch Steuergelder »retten« zu lassen und schaffen im Gegenzug die Demokratien ab, um sie durch Finanztechnokratien zu ersetzen. Statt sich dieser Klasse zu entledigen, regt sich der Bürger im Lande über die »faulen Griechen« auf, aus deren Land die Soldateska Hitlers ganz ohne Kriegserklärung noch unlängst alles herausholte, was sich transportieren ließ. Nach dem Krieg wird das Land mit deutschen Waren, allen voran militärischen Rüstungexporten geflutet, das Geld landet im Wesentlichen auf Konten der Klientel eines FDP-Clowns Rösler, der explizit sagt: »Unsere Geduld mit Griechenland neigt sich deutlich dem Ende zu.« Warum neigt sich unsere Geduld mit diesem System nicht dem Ende zu? Geht es nach den Schlagzeilen der letzten Wochen, ist dieses kleine Land verantwortlich für die »Euro-Krise«! Ein gigantischer Fake – Chapeau! Bereits das Wort »Krise« verschleiert, für wen es eigentlich kritisch geworden ist. Millionen obdachloser und verarmter Amerikaner wissen es, selbst wir Deutschen ahnen es allmählich, aber die allgemeine Angst vor dem längst fälligen »sapere aude!« ist eben dort am hartnäckigsten, wo es noch was zu verlieren gibt. In den Wohlstandszentren. Noch steht die Fake-Festung der falschen Autoritäten, auch wenn sie spürbar bröckelt und wir immer mehr Funktionsträger von hinten sehen. Ausländerhass? Faken wir einen »Integrationsgipfel«! Volksbegehren? Machen wir einen »Stresstest«! Beitragserhöhung? Unsinn: »Zusatzbeitrag«. Krieg? – »Robuster Einsatz«. Gilles Deleuze zufolge ist der Betrachter konstitutiver Faktor des Trugbilds. Noch funktioniert das Konzept von »Brot und Spiele«, auch wenn es mit Müller-Brot und Dschungelcamp bereits an die Grenzen des satirisch Darstellbaren geht. Dabei lässt es sich vortrefflich und selbstbestimmt zurückfaken: Die New Yorker Netzkunst- Gruppe »Yes men« gibt sich als Repräsentant internationaler Konzerne aus und karikiert sie öffentlich, »Adbusters« verfremden Werbung im öffentlichen Raum. Ich selbst mache mir den Spaß, bei meinem Kabarett-Solo aus frei zugänglichen Steuersünder-CDs vorzulesen. Wenn sich dieser Tage weltweit Menschen unterschiedlichster Couleur im öffentlichen Raum versammeln, werden sie noch spöttisch belächelt. Doch: Wenn wir uns klaglos die Infantilität der RTL-World zugestehen, warum dann nicht auch den infantilen Glauben an uns selbst als politischer Souverän? Der zivile Aufbruch in Tunis, am Tahrirplatz, von der Puerta de Sol bis zum Syntagma-Platz, von der Wall Street bis zum Rothschild-Boulevard, vom Moskauer Bolotnaja-Platz bis Gorleben ist bereits mehr als nur eine Utopie: sondern exakt die soziale Plastik, die Joseph Beuys vorschwebte. Sein radikales »Jeder Mensch ist ein Künstler« ist die längst fällige Korrektur eines genie-geilen, aber sozial-dementen Kunstbetriebes. Kopieren Sie diese Zeilen skrupellos, ich pfeife auf das Urheberrecht, schließlich versteht sich von selbst, dass ich diesen Text nicht selbst geschrieben habe, sondern Freiherr KT von und zu G. || Ecco Meineke Der Kabarettist, Autor und Musiker (alias Ecco DiLorenzo) lebt in München und erhielt für sein Wirken nach eigener Aussage zahlreiche Preise (Grimmel-Preisträger 2010, Deutsches Kabarettbeil 2011, Törner Prize der Tate Gagallery 2012). Sein aktuelles Kabarettsolo »Fake« spielt er wieder am 29. März im Schlachthof. Münchner Feuilleton Breisacherstrasse 4 I 81667 München Jetzt abonnieren! Mail an: info@muenchner-feuilleton.de

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