Analyse

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VERBAND

Aufruf zum Neuanfang

BERUFLICHES GRUNDVERSTÄNDNIS

5Die zweite These lautet: Solange der ÖbVI nicht selbst seinen

Berufsstatus beschreiben kann, wird es ihm nicht gelingen,

Zurückblickend darf die Frage erlaubt sein, ob die genannten ein Selbstverständnis zu entwickeln, das ihm hilft, seine be -

»äußeren« Herausforderungen und Anstöße geeignet waren, dem ruflichen und gesellschaftlichen Aufgaben als »Belie he ner«

ÖbVI für seinen Beruf ein positives Grundverständnis zu vermitteln

– wie es erforderlich gewesen wäre. Nach einem Rund-

wahrzunehmen.

blick im Kreise der Kollegen neigt man zur Verneinung. Braucht Oder allgemeiner: ohne berufliches Grundverständnis

es vielleicht andere Anstöße, um das berufliche Selbst ver ständ - keine berufspolitisch erfolgreiche Zukunftsgestaltung.

nis des ÖbVI wachsen zu lassen? Oder – auch die Gegenfrage

muss zugelassen werden – braucht der ÖbVI überhaupt ein ei - Natürlich kann, ja muss man das auch positiv ausdrücken – aber

genes Grundverständnis, also ein Wissen um den Grund bzw. dazu später. Zunächst soll der Blick dem Berufsverständnis des

die Begründung seines Berufs?

ÖbVI gelten, wie es tradiert ist und überwiegend gelebt wird.

Anlass des neuen Reflexionsversuchs ist zum einen der Jubi läums - Vermessungsingenieuren konnte mit Wirkung vom 20. Januar

termin. Und zum anderen natürlich der Jahreskongress mit sei - 1938 von den Vermessungsbehörden die Befugnis erteilt werden,

nen Anfragen nach

an öffentlich-rechtlichen Vermessungsarbeiten mitzu wir ken – zu -

gestandenermaßen, weil es den Behörden an Kapazitä ten fehl te.

den notwendigen Ausbildungsinhalten, die dem jungen ÖbVI Keine wirklich inhaltlich tragende Begründung für einen neuen

quasi als Handwerkskoffer für seine berufliche Tätigkeit be - Berufsstand. Die Überwachung der Ausfüh rungsqualität wurde

reitgestellt werden,

dementsprechend auch keiner Berufs kammer übertragen. Sie

verblieb bei der Behörde. Der Öffentlich bestellte Vermessungs -

seinen interaktiven Fähigkeiten im Spannungsfeld zwischen ingenieur verrichtete ein von der Behörde verliehenes Amt – ein

Mitarbeitern, Behörden und Geschäftspartnern,

staatlich gebundener Beruf. Ohne die langjährigen Bemü hun -

gen der Protagonisten um Selbststän digkeit zu schmälern: Der

den Voraussetzungen für eine mittel- oder sogar langfristige Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur wurde als »verlän-

Büroplanung.

ger ter Arm« des Staates begründet |1|.

Der Betrachtung sollen zunächst zwei Thesen vorangestellt werden:

eine lapidaren Inhalts und eine These, die diesen Beitrag und Standesverhalten so lange respektabel und anerkennens -

Für den Vermessungsingenieur bedeutete dies, dass sein Arbeits-

erst begründet.

wert war, wie er die Grundregeln behördlichen Verhaltens be -

achtete. Die Behörde gab die Berufsregeln weitgehend vor. Die

Die eine besagt, dass in einer sich verändernden Umwelt na - Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure führten sie aus.

türlich die oben gestellten Anfragen immer wieder neu be - Von einem selbstständig lebensfähigen Berufsstand mit berufs -

antwortet werden müssen. Die bisher gegebenen Ant wor ten eigenen Regeln und Zielen konnte lange Zeit nicht die Rede

fordern die ÖbVI regelmäßig auf, sich der technischen Ent - sein. Noch 30 Jahre nach Begründung des Berufsstandes bestand

ein Teil der berufspolitischen Bemühungen darin, die Be -

wicklung, den neuen Kommunikationsstrukturen oder den

wirtschaftlichen Zwängen zu stellen.

soldungsregeln der Beamten in den Büros der ÖbVI abzubilden.

Und der einzelne ÖbVI sah es als sein persönliches Entwicklungsziel,

dem Leiter eines Vermessungsamtes auf »Augenhöhe«

Gut gemeint, aber für das berufliche Grundverständnis eher

nach geordnet.

zu begegnen.

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