Über Wilhelm Holzbauer - Christian Reder

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Über Wilhelm Holzbauer - Christian Reder

zu Kontakten und Gruppenbildungen, zu informellem Gespräch und Flanieren einlädtNatur< und der Aussicht auf die Festung im Hintergrund. Ahnungen davon

drängen sich auf, wie es – vor langer Zeit – in Universitäten bisweilen gewesen sein

kann (in Padua, Bologna, Oxford oder Heidelberg), mit Traditionen der >Universitas<

und des >Studium generaleSalzburger

Architekturreform< (das >Salzburg-Projekt< von Planungsstadtrat Johannes

Voggenhuber) mit seinem Gestaltungsbeirat (Vorsitz 1983-85: Wilhelm Holzbauer)

kulminierten diese Versuche, neue Strukturen für das Baugeschehen einer Stadt zu

schaffen. Mit der Darstellung des >stürmischenkomplexe und divergente<

Verfahren, denen er sich 21 Jahre lang beim Projekt Rathaus und Musiktheater

Amsterdam ausgesetzt gesehen hat, endet Wilhelm Holzbauers letzte große

Werkpublikation (Bauten und Projekte. 1953-1985. Residenz Verlag 1985). Bei den in

der weiteren Folge von ihm bearbeiteten Bauaufgaben hat, so sieht er das selbst, schon

wegen der Vielzahl großer Aufträge der Druck noch zugenommen, daß er mit seinen

Absichten als Architekt im komplizierten Räderwerk jeweils hereinspielender

Interessenslagen zerrieben wird. Allerdings: Er fühlt sich nicht ausgeliefert, weil er die

Mechanismen des Baugeschehens, die >Architektur< fast immer als Störfaktor

behandeln, sehr genau kennt und mit ihnen umgehen kann. Trotzdem lehnt er sich

polemisch immer wieder gegen sie auf, etwa wenn er die alltägliche Praxis so

charakterisiert, >daß irgendein Architekt ein Grundstück und die Finanzierung anbietet,

er also nach amerikanischem Muster Development macht, um einen Auftrag zu

bekommen, ohne daß neben dieser Geschäftsmäßigkeit Architektur einen besonderen

Stellenwert hätte. Dazu muß er sich verschiedener Bauträger-, Förderungs- und

Bürokratieinstanzen bedienen. In diesem Dickicht kann es dann gar nicht mehr zu

kompetenten architektonischen Entscheidungen kommen. – Die Verfilzung gehört

aufgebrochen, Projekt für Projekt.<

Zugleich ist die Exponiertheit und Verstrickung inmitten dieses Geschehens bei ihm

ein selbstverständlicher Teil seiner Professionalität. Man ist einfach Teilnehmer an

schwer abschätzbaren, von einem ständigen Agieren und Reagieren verschiedenster,

oft wechselnder Akteure geprägten Durchsetzungsprozessen. Das gehört zu den

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