Februar 2009 Liahona

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Februar 2009 Liahona

K I R C H E J E S U C H R I S T I D E R H E I L I G E N D E R L E T Z T E N T A G E • F e b r u a r 2 0 0 9

Liahona

LiahonaWas die

Evangeliumszeiten

uns lehren – von Adam

bis heute, Seite 10

Wie man dem Gruppendruck

standhält, Seite 26, 28

Sechs Strategien für eine gut

funktionierende Familie, Seite 36

Bring eine Freundin mit,

Seite KL10


Liahona, Februar 2009

Erwachsene

Botschaft von der Ersten Präsidentschaft

2 Kostbare Früchte der ersten Vision Präsident Dieter

F. Uchtdorf

Besuchslehrbotschaft

25 Die gottgegebenen Aufgaben der Frau

Beiträge für diesen Monat

10 Der große Plan unseres Gottes Elder L. Tom Perry

Jede Evangeliumszeit hält wichtige Lehren für uns bereit.

18 Helfen wir Neubekehrten, stark zu bleiben

Susan W. Tanner

Ein Werk der Liebe und der Freude: mithelfen, dass

Mitglieder aktiv bleiben oder wieder aktiv werden.

22 So kann man als Neubekehrter Fuß fassen Gayle S. Iliff

Drei Methoden, wie ein neues Mitglied im

Evangelium stark werden kann.

32 Wir lehren im Kindergarten, wir lehren zuhause

Margaret S. Lifferth

Der neue Leitfaden für den Kindergarten bietet

hervorragendes Material für die Lehrerinnen und

auch für Eltern.

36 Eine gut funktionierende Familie James D. MacArthur

Sechs Grundsätze für ein gelungenes Familienleben.

Weitere Rubriken

44 Stimmen von Heiligen der Letzten Tage

Eine Taufe, ein Priestertumssegen, eine Bekehrung

und eine Tasse Tee.

48 So können Sie diese Ausgabe nutzen

Anregungen für den Familienabend,

die Themen in dieser Ausgabe und

ein Bericht über einen gelungenen

Familienabend.

Junge Leute

Beiträge für diesen Monat

8 Wie ich zu Joseph wurde Ricardo Reyes Villalta

Ein kleines Theaterstück veränderte mein Leben.

16 Es ist nicht einfach Kelli Williams

Obwohl ich das einzige Mitglied der Kirche in meiner

Familie bin, bin ich doch niemals allein.

28 Niemand wird es je erfahren Elder Stanley G. Ellis

Fall nicht auf diese Lüge herein, wenn du einmal

versucht wirst.

40 Generationen Richard M. Romney

Treue zum Evangelium bewahrt die Familie

von Generation zu Generation.

Weitere Rubriken

7 Lehren des Propheten Joseph Smith: Einigkeit

15 Poster: Ein kurzer Blick?

26 Ich habe eine Frage

„Ich habe Angst, jemand könnte mir Alkohol oder

Drogen anbieten. Ich sage nicht gerne Nein zu anderen

und möchte sie auch nicht verärgern. Wie kann

ich sichergehen, dass ich nicht nachgebe?“

UMSCHLAGBILD

Vorderseite: Adam und Eva, Gemälde von

Douglas Fryer. Rückseite: Der Herr erscheint

Abraham, Gemälde von Keith Larson.


Februar 2009, 135. Jahrgang, Nr. 2

Liahona 04282 150

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Erste Präsidentschaft: Thomas S. Monson,

Henry B. Eyring, Dieter F. Uchtdorf

Kollegium der Zwölf Apostel: Boyd K. Packer, L. Tom Perry,

Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard,

Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, Robert D. Hales,

Jeffrey R. Holland, David A. Bednar, Quentin L. Cook,

D. Todd Christofferson

Editor: Spencer J. Condie

Berater des Editors: Gary J. Coleman, Kenneth Johnson,

Yoshihiko Kikuchi, W. Douglas Shumway

Managing Director: David L. Frischknecht

Editorial Director: Victor D. Cave

Senior Editor: Larry Hiller

Leiter Grafik: Allan R. Loyborg

Managing Editor: R. Val Johnson

Assistant Managing Editor: Jenifer L. Greenwood, Adam C. Olson

Associate Editor: Ryan Carr

Assistant Editor: Susan Barrett

Redaktion: David A. Edwards, Matthew D. Flitton, LaRene Porter

Gaunt, Carrie Kasten, Jennifer Maddy, Melissa Merrill, Michael R.

Morris, Sally J. Odekirk, Judith M. Paller, Joshua J. Perkey, Chad E.

Phares, Jan Pinborough, Richard M. Romney, Don L. Searle,

Janet Thomas, Paul VanDenBerghe, Julie Wardell

Redaktionssekretariat: Laurel Teuscher

Managing Art Director: M. M. Kawasaki

Art Director: Scott Van Kampen

Production Manager: Jane Ann Peters

Gestaltung und Produktion: Cali R. Arroyo, Collette Nebeker Aune,

Howard G. Brown, Julie Burdett, Thomas S. Child, Reginald J.

Christensen, Kim Fenstermaker, Kathleen Howard, Eric P. Johnsen,

Denise Kirby, Scott M. Mooy, Ginny J. Nilson

Prepress: Jeff L. Martin

Leiter Druck: Craig K. Sedgwick

Leiter Vertrieb: Randy J. Benson

Übersetzung: Axel Gomann

Lokalteil: Siehe Impressum Regionale Umschau Deutschland –

Österreich – Schweiz

Vertrieb:

The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints,

European Distribution Ltd., Magazinservice,

Steinmühlstr. 16, 61352 Bad Homburg, Deutschland

Tel.: 06172-492 858; Fax: 06172-492 890;

E-Mail: liahona-edl@ldschurch.org

Jahresabonnement:

EUR 16,00; CHF 26,00

Folgende Zahlungsmethoden sind móglich:

Kreditkarte: Anruf oder E-Mail an EDL

EC-Karte, Kreditkarte oder bar im Tempelkleiderverkauf

Bern, Freiberg und Friedrichsdorf

Überweisung auf folgendes Konto: Dresdner Bank Bad Homburg,

Konto-Nr. 07 264 094 00, BLZ 500 800 00

Verwendungszweck: Abo-Nr. + Name + Gemeinde

Bei Einzahlungen aus Österreich und der Schweiz zusӓtzlich:

SWIFT BIC: DRES DE FF 523

IBAN: DE52 5008 0000 0726 4094 00

Adressenӓnderung bitte einen Monat im Voraus melden.

Außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanadas erfahren Sie Näheres

zu Abonnements und Preisen bei Ihrem Versand oder der Führung Ihrer

Gemeinde oder Ihres Zweiges.

Manuskripte und Anfragen bitte an: Liahona, Room 2420,

50 East North Temple Street, Salt Lake City, UT 84150-0024, USA,

oder per E-Mail an: liahona@ldschurch.org.

Der Liahona (ein Begriff aus dem Buch Mormon, der „Kompass“ oder

„Wegweiser“ bedeutet) erscheint auf Albanisch, Armenisch, Bislama,

Bulgarisch, Cebuano, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch,

Estnisch, Fidschi, Finnisch, Französisch, Griechisch, Haïtianisch, Hindi,

Indonesisch, Isländisch, Italienisch, Japanisch, Kambodschanisch,

Kiribati, Koreanisch, Kroatisch, Lettisch, Litauisch, Madagassisch,

Marshallesisch, Mongolisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch,

Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Samoanisch, Schwedisch, Singhalesisch,

Slowenisch, Spanisch, Tagalog, Tahitianisch, Tamil, Telugu,

Thai, Tongaisch, Tschechisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urdu und

Vietnamesisch (Umfang variiert nach Sprache).

© 2009 by Intellectual Reserve, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Printed

in the United States of America.

Text- und Bildmaterial im Liahona darf für den gelegentlichen,

nichtkommerziellen Gebrauch in Kirche und Familie vervielfältigt

werden. Bildmaterial darf nicht vervielfältigt werden, wenn dies aus

dem Quellenhinweis entsprechend hervorgeht. Fragen richten Sie bitte

an: Intellectual Property Office, 50 East North Temple Street, Salt Lake

City, UT 84150, USA, E-Mail: cor-intellectualproperty@ldschurch.org.

Der Liahona finden Sie in vielen Sprachen auch im Internet unter

www.lds.org. Die englische Ausgabe finden Sie unter „Gospel

Library“, für alle anderen klicken Sie bitte auf „Languages“.

For Readers in the United States and Canada:

February 2009 Vol. 135 No. 2. LIAHONA (USPS 311) German

(ISSN 1522-9203) is published monthly by The Church of Jesus Christ

of Latter-day Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, UT 84150.

USA subscription price is $10.00 per year; Canada, $12.00 plus

applicable taxes. Periodicals Postage Paid at Salt Lake City, Utah.

Sixty days’ notice required for change of address. Include address

label from a recent issue; old and new address must be included.

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Center at address below. Subscription help line: 1-800-537-5971.

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84126-0368.

Kinder

Kommt, hört, was der Prophet uns sagt

KL2 Hilfe zur Heilung Präsident Thomas S. Monson

Beiträge für diesen Monat

KL8 So wie Adam und Eva Kimberly Reid

KL10 Eine Einladung zum Aktivitätentag

Marianne Dahl Johnson

KL14 So bin ich auch schon heut ein Missionar

Patsy Pehrson

Weitere Rubriken

KL4 Das Miteinander: Sei ein

starkes Glied in der Kette

Cheryl Esplin

KL6 Aus dem Leben

des Propheten

Joseph Smith: Ein Tag

der Macht Gottes

KL13 Besondere Zeugen: Was

ist wahre Bekehrung?

Elder Richard G. Scott

KL16 Zum Ausmalen

Leserbriefe

Der Geist ist noch stärker zu

verspüren

Ich bin Mutter zweier wunderbarer

Kinder und habe einen Ehemann,

der mich unterstützt. In dieser so unsicheren

Welt ist der Liahona für unsere

Familie wahrhaftig ein Kompass

für die heutige Zeit. Wenn wir bei

unseren Familienabenden die Botschaft

von der Ersten Präsidentschaft

und andere inspirierende Artikel

lesen, ist der Geist des Herrn bei uns

zuhause noch stärker zu verspüren.

Wir spüren die Macht des Sühnopfers

unseres Erlösers, Jesus Christus,

und finden Trost und Frieden.

Crisanta Estayo Padilla, Philippinen

Kleiner Liahona

UMSCHLAGBILD

KLEINER LIAHONA

Foto von Laureni

Ademar Fochetto.

Suche den

ukrainischen

WdR-Ring, der in

dieser Ausgabe

versteckt ist.

Demut und Vergebungsbereitschaft

in der Ehe

Der Artikel „Ich stellte meine Ehe

über meinen Stolz“ ( Januar 2008) hat

mir geholfen, noch besser einzusehen,

welche Verantwortung mit dem Ehebund

einhergeht. Ich habe den Artikel

mit meinem Verlobten gelesen, und

wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass

Demut und Vergebungsbereitschaft in

unserer Beziehung wichtig sein sollen.

Ich spiele mit dem Gedanken, den

Artikel für unser künftiges Zuhause zu

rahmen, damit wir uns immer an das

gute Gefühl erinnern, das wir verspürt

haben, als wir den Artikel besprochen

und damit unsere Liebe gefestigt haben.

Clébi Nascimento, Brasilien


Botschaft von der Ersten

Präsidentschaft

Kostbare Früchte

der ersten Vision

Präsident Dieter F. Uchtdorf

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft

Die Wünsche meines Herzens, Gemälde von Walter Rane, ABDRUCK MIT FREUNDLICHER Genehmigung des Museums für Kunst und Geschichte der Kirche

In den Jahren, in denen ich in Deutschland

aufwuchs, ging ich an vielerlei Orten

und unter verschiedensten Bedingungen

zur Kirche – mal in ein bescheidenes

Hinterzimmer, mal in eine eindrucksvolle

Villa, mal in einen modernen Zweckbau.

All diese Gebäude hatten etwas Wichtiges

gemeinsam: Der Geist Gottes war anwesend.

Wir konnten die Liebe des Erretters spüren,

wenn wir uns als Zweig- oder Gemeindefamilie

versammelten.

In der Gemeinde Zwickau gab es eine alte,

luftbetriebene Orgel. Jeden Sonntag wurde

ein junger Mann beauftragt, den robusten

Hebel des Blasebalgs auf und ab zu bewegen,

damit die Orgel ging. Auch als ich noch kein

Träger des Aaronischen Priestertums war, fiel

mir manchmal die große Ehre zu, bei dieser

wichtigen Aufgabe mitzuhelfen.

Während die Gemeinde die schönen Lieder

über die Wiederherstellung sang, pumpte

ich mit aller Kraft, damit der Orgel nicht

die Luft ausging. Die Blicke des Organisten

zeigten mir unmissverständlich, ob ich es gut

machte oder ob ich mich rasch etwas mehr

anstrengen musste. Jedes Mal war es mir eine

Ehre – angesichts der Bedeutung dieser Aufgabe

und des Vertrauens, das der Organist in

mich setzte. Verantwortung zu tragen und in

diesem großen Werk mitzuarbeiten gab mir

das großartige Gefühl, etwas zu leisten.

Die Aufgabe brachte aber noch einen weiteren

Vorteil mit sich: Derjenige, der den Blasebalg

bediente, saß so, dass er einen Blick

auf das Buntglasfenster hatte, das die Stirnseite

der Kapelle zierte. Auf dem Buntglas

war die erste Vision dargestellt; man sah, wie

Joseph Smith im heiligen Hain kniete und

gen Himmel in eine Säule aus Licht blickte.

Während die Gemeinde ihre Lieder sang

oder auch wenn eine Ansprache gehalten

oder Zeugnis gegeben wurde, betrachtete

ich oft diese Darstellung eines der heiligsten

Momente der Weltgeschichte. Vor meinem

geistigen Auge sah ich, wie Joseph Smith

Erkenntnis, ein Zeugnis und Weisung von

Gott empfing und so zu einem gesegneten

Werkzeug in der Hand des himmlischen

Vaters wurde.

Für mich war es immer etwas Besonderes,

wenn ich auf dem Fensterbild den schönen

Moment sah, als ein gläubiger Junge in

einem Wäldchen den mutigen Entschluss

fasste, aufrichtig zum Vater im Himmel zu

beten – einem Vater, der ihm zuhörte und

ihm gütig antwortete.

Das Zeugnis durch den Geist

Da war ich also – ein Junge, der im Nachkriegsdeutschland

in einer Stadt lebte, die in

Schutt und Asche lag, tausende Kilometer von

Palmyra im Staat New York in Nordamerika

Durch die allumfassende

Macht des

Heiligen Geistes spürte

ich in Herz und Sinn,

dass Joseph Smith Gott

und Jesus Christus

gesehen und ihre

Stimme gehört hat. Ich

glaubte Joseph Smiths

Zeugnis über sein

Erlebnis im heiligen

Hain, und heute weiß

ich, dass es so war.

Liahona Februar 2009 3


Auf diese

Weise wird

die erste

Vision uns selbst,

den Familien und

schließlich der

gesamten Menschheit

zum Segen: Wir

gelangen durch das

Zeugnis des Propheten

Joseph Smith

zum Glauben an

Jesus Christus.

entfernt, und über hundert Jahre, nachdem

dieses Ereignis stattgefunden hatte. Durch

die allumfassende Macht des Heiligen Geistes

spürte ich in Herz und Sinn, dass Joseph

Smith Gott und Jesus Christus tatsächlich gesehen

und ihre Stimme gehört hat. Der Geist

Gottes besänftigte meine Seele in diesen

jungen Jahren mit der Gewissheit, dass dieser

heilige Moment sich wirklich ereignet hat

und eine weltweite Bewegung ausgelöst hat,

die dazu bestimmt ist, „dahinzurollen, bis sie

die ganze Erde erfüllt hat“ (siehe LuB 65:2).

Ich glaubte Joseph Smiths Zeugnis über sein

herrliches Erlebnis im heiligen Hain, und

heute weiß ich, dass es so war. Gott hat wieder

zu den Menschen gesprochen!

Rückblickend bin ich vielen Freunden

dankbar, die mir in meinen Jugendjahren

halfen, ein Zeugnis von der wiederhergestellten

Kirche Jesu Christi zu erlangen. Anfangs

vertraute ich einfach auf das Zeugnis anderer,

doch dann gab Gott auch mir durch

den Geist im Verstand und im Herzen ein

Zeugnis. Ich zähle Joseph Smith zu denen,

deren Zeugnis von Christus mir half, mein

eigenes Zeugnis vom Erretter zu entwickeln.

Noch bevor ich erkannte, wie der Geist mich

führte, als er mir bezeugte, dass Joseph Smith

ein Prophet Gottes war, spürte ich in meinem

jungen Herzen, dass er ein Freund Gottes

war und daher selbstverständlich auch mein

Freund. Ich wusste, dass ich Joseph Smith

vertrauen konnte.

Aus den heiligen Schriften wissen wir, dass

geistige Gaben denjenigen gegeben werden,

die Gott bitten, ihn lieben und seine Gebote

halten (siehe LuB 46:9).

„Allen ist nicht jede Gabe gegeben; denn

es gibt viele Gaben, und jedem Menschen ist

durch den Geist Gottes eine Gabe gegeben.

Einigen ist die eine gegeben, und einigen

ist eine andere gegeben, damit allen dadurch

genutzt sei.“ (LuB 46:11,12.)

Heute weiß ich, dass mein aufblühendes

Zeugnis sehr von dem des Propheten Joseph

Smith und dem vieler Freunde in der Kirche

profitiert hat, die „durch den Heiligen Geist

[wussten] …, dass Jesus Christus der Sohn

Gottes ist und dass er für die Sünden der

Welt gekreuzigt worden ist“ (LuB 46:13).

Durch gutes Beispiel, liebevolle Zuneigung

und Hilfsbereitschaft ermöglichten sie es mir,

bei meiner Suche nach mehr Licht und Wahrheit

eine weitere besondere Geistesgabe, die

in den heiligen Schriften beschrieben wird,

zu empfangen: „Anderen ist es gegeben,

dass sie ihren Worten glauben, damit auch

sie ewiges Leben haben können, wenn sie

weiterhin treu bleiben.“ (LuB 46:14.) Was für

eine wunderbare und kostbare Gabe!

4


Fotos von Matthew Reier; Er ist auferstanden, Gemälde von Del Parson

Die Gabe des Glaubens

Wenn wir wahrhaft demütig sind, werden wir mit dieser

Gabe gesegnet, nämlich an etwas zu glauben und auf etwas

zu hoffen, „was man nicht sieht, was aber wahr ist“ (siehe

Alma 32:21). Wenn wir mit den Worten der heiligen

Schriften und der lebenden Propheten

einen Versuch machen – ja, selbst wenn

wir bloß den Wunsch haben zu glauben

– und dem Geist des Herrn keinen

Widerstand leisten, wird unsere Seele

erweitert und unser Verständnis erleuchtet

(siehe Alma 32:26-28).

Der Heiland selbst hat diesen barmherzigen

Grundsatz aller Welt in seiner

Fürbitte für alle Glaubenden unmissverständlich

erklärt – nicht nur den Aposteln,

sondern allen Heiligen, ja, auch uns in der

Gegenwart, wo immer wir leben. Er sagte:

„Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern

auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und

ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die

Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ ( Johannes

17:20,21; Hervorhebung hinzugefügt.)

Auf diese Weise wird die erste Vision uns selbst, den

Familien und schließlich der gesamten Menschheit zum

Segen: Wir gelangen durch das Zeugnis des Propheten

Joseph Smith zum Glauben an Jesus Christus. Den Propheten

und Aposteln hat sich Gott im Laufe der Geschichte

immer wieder ganz ähnlich kundgetan wie Joseph Smith.

Mose sah Gott von Angesicht zu Angesicht und erfuhr,

dass er ein Sohn Gottes „im Ebenbild [seines] Einziggezeugten“

war (Mose 1:6). Der Apostel Paulus bezeugte,

dass der auferstandene Jesus Christus ihm auf der Straße

nach Damaskus erschien (siehe Apostelgeschichte 26:9-

23). Dieses Erlebnis führte dazu, dass Paulus einer der

großen Missionare des Herrn wurde. Als der mächtige

König Agrippa während der Gerichtsverhandlung in Cäsarea

Paulus von dieser himmlischen Vision Zeugnis geben

hörte, räumte er ein: „Fast überredest du mich dazu, mich

als Christ auszugeben.“ (Apostelgeschichte 26:28.)

Viele weitere Propheten aus der Vergangenheit gaben

ebenfalls machtvoll Zeugnis von Christus. All diese Kundgebungen,

ob vor alters oder in neuerer Zeit, führen den,

der glaubt, zur Quelle aller Rechtschaffenheit und Hoffnung

– zu Gott, unserem Vater im Himmel, und seinem

Sohn Jesus Christus.

Gott hat zu Joseph Smith gesprochen, um alle Kinder

Gottes mit seiner Barmherzigkeit und Liebe zu

segnen, selbst in einer Zeit voller Ungewissheit,

Unsicherheit, voller Kriege und Kriegsgerüchte,

Naturkatastrophen und persönlicher Tragödien.

Der Erlöser sagte: „Siehe, mein Arm der

Barmherzigkeit ist euch entgegengestreckt,

und wer auch immer kommt, den werde ich

empfangen.“ (3 Nephi 9:14.)

Und jeder, der diese Einladung

annimmt, wird „ringsum von

der unvergleichlichen Fülle seiner

Liebe umschlossen“ (Alma

26:15).

Durch Vertrauen auf das persönliche

Zeugnis des Propheten

Joseph Smith und darauf, dass die

erste Vision wirklich stattgefunden

hat, sowie durch tiefes und aufrichtiges

Lernen und Beten werden wir

ebenfalls mit sicherem Glauben an

den Erretter der Welt belohnt, der

„an einem strahlend schönen Morgen in den ersten Frühlingstagen

achtzehnhundertundzwanzig“ zu Joseph Smith

sprach ( Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:14).

Der Glaube an Jesus Christus und ein Zeugnis von ihm

und seinem allumfassenden Sühnopfer sind nicht nur Lehren

von hohem theologischem Wert. Solcher Glaube ist ein

allumfassendes Geschenk, herrlich für alle Kulturen und

Regionen dieser Erde, ungeachtet der Rasse, Hautfarbe,

Sprache, Staatszugehörigkeit und gesellschaftlicher oder

wirtschaftlicher Verhältnisse. Zwar kann man dieses Geschenk

auch mit Verstandeskraft erfassen wollen, noch viel

tiefer empfindet seine Auswirkungen aber derjenige, der

bereit ist, den damit einhergehenden Segen anzunehmen,

indem er ein reines und sauberes Leben führt, den Pfad

wahrer Umkehr beschreitet und die Gebote Gottes hält.

Dankbarkeit für einen Propheten

Nun, da wir an den Propheten Joseph Smith denken

und ihn ehren, wende ich mich ihm mit dankbarem

Liahona Februar 2009 5


Der Glaube an

Jesus Christus

und ein

Zeugnis von ihm

und seinem allumfassenden

Sühnopfer

sind nicht nur

Lehren von hohem

theologischem Wert.

Solcher Glaube ist

ein allumfassendes

Geschenk, herrlich

für alle Kulturen

und Regionen dieser

Erde, ungeachtet der

Rasse, Hautfarbe,

Sprache, Staatszugehörigkeit

und gesellschaftlicher

oder

wirtschaftlicher

Verhältnisse.

Herzen zu. Er war ein guter, ehrlicher, demütiger,

intelligenter und mutiger junger Mann

mit einem Herzen aus Gold und unerschütterlichem

Gottvertrauen. Er war aufrichtig

und rechtschaffen. Als Antwort auf sein

demütiges Gebet öffnete sich der Himmel

erneut. Joseph Smith hatte wirklich eine

Vision gehabt. Er wusste es, und er wusste,

dass Gott es wusste, und er konnte es nicht

leugnen (siehe Joseph Smith – Lebensgeschichte

1:25).

Durch sein Werk und sein Opfer habe

Für die Heimlehrer

Bereiten Sie sich gebeterfüllt vor und tragen Sie

diese Botschaft anhand einer Unterrichtsmethode

vor, bei der Ihre Zuhörer einbezogen werden.

Dazu einige Beispiele:

1. Singen Sie mit der Familie das Lied „O wie

lieblich war der Morgen“ (Gesangbuch, Nr. 16). Zeigen

Sie ein Bild von der ersten Vision. Fragen Sie

Ihre Zuhörer, was sie auf dem Bild sehen. Lesen Sie

den ersten Abschnitt des Artikels und sprechen Sie

darüber, was Präsident Uchtdorf empfand, wenn er

das Buntglasfenster betrachtete, auf dem die erste

Vision dargestellt war.

2. Lesen Sie gemeinsam den letzten Abschnitt

des Artikels und bitten Sie die Familie, dabei

auf die Wahrheiten zu achten, die laut Präsident

ich nun wahre Erkenntnis vom himmlischen

Vater und seinem Sohn, unserem

Erlöser und Erretter Jesus Christus, und

ich kann die Macht des Heiligen Geistes

spüren und um den Plan des himmlischen

Vaters für uns, seine Kinder, wissen. Ich

betrachte dies wirklich als direkte Folge

der ersten Vision.

Ich bin dankbar, dass ich schon früh im

Leben mit dem einfachen Glauben gesegnet

wurde, dass Joseph Smith ein Prophet Gottes

war und dass er Gottvater und dessen

Sohn Jesus Christus in einer Vision gesehen

hat. Joseph Smith hat das Buch Mormon

durch die Gabe und die Macht Gottes übersetzt.

Dieses Zeugnis ist mir immer wieder

bestätigt worden.

Ich bezeuge, dass Jesus Christus wirklich

lebt, dass er der Messias ist. Ich habe ein persönliches

Zeugnis, dass er der Erretter und

Erlöser der ganzen Menschheit ist. Ich habe

diese Erkenntnis durch den unaussprechlichen

Frieden und die Macht des Geistes

Gottes erhalten, und ich habe in Herz und

Sinn den Wunsch, dem Herrn rein und treu

zu dienen, jetzt und für alle Zeit. ◼

Uchtdorf infolge der ersten Vision hervorkamen.

Fragen Sie alle in der Familie, was ihrer Ansicht

nach die Früchte der ersten Vision sind. Lassen

Sie sie erzählen, was sie über Joseph Smith

denken.

3. Lesen Sie zur Vorbereitung auf Ihren Besuch

Joseph Smiths Bericht über die erste Vision (siehe

Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:11-20). Erzählen

Sie ihn dann der Familie und bitten Sie kleinere

Kinder, dabei ein Bild von der Vision zu malen.

Besprechen Sie eine Aussage Präsident Uchtdorfs,

nämlich: „Gott hat zu Joseph Smith gesprochen,

um alle Kinder Gottes mit seiner Barmherzigkeit

und Liebe zu segnen.“ Lassen Sie die Kinder ihr

Bild erklären.

6


Lehren des Propheten Joseph Smith

EINIGKEIT

Joseph Smith erkannte, welche Kraft aus Einigkeit entsteht.

In den frühen Tagen der Kirche gebot der Herr den

Mitgliedern der Kirche, eins zu sein (siehe LuB 38:27).

Der Prophet Joseph Smith organisierte und einte die

Mitglieder der Kirche sein Leben lang, damit das Werk

Gottes verrichtet wurde. Er lehrte und führte sie und

forderte sie auf, ihre Zeit, ihre Talente und ihren Besitz für

die Sache Zions zu opfern. Hier sind einige seiner Ausführungen

zum Thema Einigkeit.

So soll das Werk des Herrn verrichtet werden

„In der Tat sind wir froh zu wissen, dass ein derartiger Geist der

Einigkeit in der ganzen Kirche besteht, sowohl zu Hause als auch in

der Ferne … ; denn durch diesen Grundsatz und durch eine Bündelung

unseres Handelns werden wir in der Lage sein, die Absichten unseres

Gottes zu verwirklichen.“

„Einigkeit macht stark! … Die Heiligen des Allerhöchsten mögen

immer diesen Grundsatz pflegen, dann werden sich für sie die

herrlichsten Segnungen ergeben, nicht nur für jeden persönlich,

sondern für die ganze Kirche.“

uns selbst leben sollen, sondern für Gott; dadurch wird auf uns der

größte Segen ruhen – in der Zeit ebenso wie in der Ewigkeit.“

Die Segnungen der Einigkeit

„Nur durch eine verstärkte Aktion und gemeinsame Anstrengung

können wir das große Werk der Letzten Tage vollbringen … , wobei

sich sowohl unsere zeitliche als auch unsere geistige Situation sehr

verbessern wird und die Segnungen des Himmels in einem nicht endenden

Strom auf uns herabfließen werden.“ ◼

Aus Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith (Leitfaden für

das Melchisedekische Priestertum und die FHV, 2007), Seite 304–308.

Joseph Smith Jr., Gemälde von Brad Teare

Legen wir selbstsüchtige Gefühle beiseite

„Die Heiligen mögen sich dessen bewusst sein,

dass von der Bemühung eines jeden Einzelnen viel

abhängt und dass sie berufen sind, unsere und

des Heiligen Geistes Mitarbeiter zu sein, um

das große Werk der Letzten Tage

zu vollbringen; und … jedes

eigensüchtige Gefühl [soll]

nicht nur begraben, sondern

ganz ausgelöscht werden.“

„Mögen wir doch

begreifen, dass wir nicht für


Wie ich zu Joseph

Illustration von John Zamudio

wurde

Ricardo Reyes Villalta

Mein ganzes Leben lang hatte man mir die Geschichte

Joseph Smiths beigebracht. Ich glaubte,

dass sie wahr ist, weil ich denen vertraute, die

meine Lehrer waren. Wenn irgendjemand sich negativ

über den Propheten Joseph äußerte, verteidigte ich diesen

– nicht, weil ich ein Zeugnis von ihm hatte, sondern aus

Prinzip, denn ich wusste, dass ich so handeln sollte.

All das änderte sich, als meine Gemeinde beauftragt

wurde, für eine kulturelle Veranstaltung des Pfahls

Ilopango in San Salvador in El Salvador einen Beitrag

vorzubereiten. Meine Freunde und ich fanden, ein lustiger

Sketch sei am besten, aber unser JM-Leiter war anderer

Meinung. Er schlug vor, wir sollten aus einigen Erlebnissen

von Joseph Smith ein Bühnenstück zusammenstellen.

Wir waren von dieser Idee nicht begeistert. Meine

Freunde und ich wussten, dass alle anderen einen lustigen

Tanz oder Sketch aufführen würden, und es war uns

peinlich, etwas anderes darzubieten. Wir wussten, dass die

anderen uns auslachen würden, wenn sie sahen, wie wir in

Kostümen aus der damaligen Zeit ein ernsthaftes Bühnenstück

aufführten. Ich hatte so etwas bei anderen Anlässen

erlebt, und ich muss zugeben, dass ich sogar einer derjenigen

gewesen war, die lachten. Unser JM-Leiter versprach uns

jedoch, dass niemand lachen würde, wenn wir fleißig daran

arbeiteten, die Geschichte Joseph Smiths einzustudieren.

Also erweckten wir in den kommenden zwei Monaten

die Geschichte Joseph Smiths zum Leben. Wir sahen uns

unzählige Male den Film von der ersten Vision an und

prägten ihn uns Wort für Wort und bis ins kleinste Detail

ein. Wir malten eine gewaltige Kulisse mit dem heiligen

Hain und dem freien Himmel. Wir fertigten einen Stapel

goldener Platten an und machten eine riesengroße Bibel

und einen Schaukelstuhl als Requisiten ausfindig. Einer

meiner Freunde, der Klavier spielt, nahm das Lied „O wie

Ich war alles andere als begeistert, die

Geschichte Joseph Smiths als Bühnenstück

aufzuführen. Doch dann geschah etwas,

was mein Leben veränderte.

lieblich war der Morgen“ (Gesangbuch, Nr. 16) auf. Wir

nahmen sogar das Vogelgezwitscher im Wäldchen auf

und Josephs Schritte auf dem Laub. Als wir auslosten, wer

welche Rolle spielen sollte, zog ich Joseph Smith.

Am Tag der Aufführung stellten wir fest, dass wir, wie erwartet,

die Einzigen waren, die ein ernstes Stück darbieten

würden. Deshalb kamen wir, bevor wir an der Reihe waren,

noch einmal zusammen und beteten, dass alles gut gelingen

möge. Dann geschah etwas, was mein Leben veränderte.

Es war so weit, dass ich auf die Bühne musste. Vor mir

stand die Kulisse mit dem Wäldchen. Ich ging darauf

zu und hörte im Hintergrund die Aufnahme von dem

Kirchenlied. Dabei spürte ich ein Brennen in der Brust.

Irgendwie wusste ich auf einmal, dass das, was ich da

nachspielte, sich wirklich zugetragen hatte, dass ein

Junge, der nur ein bisschen jünger war als ich, das

tatsächlich erlebt hatte. Als ich mich zu der Gebetsszene

niederkniete, bekam ich meinen Mund nicht auf – doch

das lag nicht an einem Einfluss des Bösen. Vielmehr

wusste ich: Wenn ich versuchte zu sprechen, müsste ich

weinen. Eine gewaltige Macht bezeugte mir im Herzen,

dass Josephs Bericht wahr war! Ich war dem Herrn zutiefst

dankbar für Joseph Smith, und eine wunderbare Liebe zu

dem Propheten keimte in mir auf.

Als ich die Augen öffnete, erkannte ich, dass einige

im Publikum ebenfalls Tränen in den Augen hatten. Ich

wusste zweifelsfrei: Der Geist bezeugte ihnen, dass das,

was wir da darstellten, heilig und wahr ist.

Als ich später auf Mission war, verteidigte ich die Kirche

und den Propheten Joseph Smith nach wie vor, doch nicht

mehr nur aus Prinzip. Ich gab deshalb von ihm Zeugnis,

weil ich es, wie der Prophet selbst sagte, „wusste …; und

ich wusste, dass Gott es wusste; und ich konnte es nicht

leugnen“ ( Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:25). ◼

Liahona Februar 2009 9


Der große Plan

unseres Gottes

Jede Evangeliumszeit

hält

eine bestimmte

Lehre bereit, die wir

bei der Vorbereitung

auf unsere ewige Bestimmung

in unsere

persönlichen Pläne

aufnehmen können.

Elder L. Tom Perry

vom Kollegium der Zwölf Apostel

Bei dem hohen Tempo in der Welt von

heute überlassen zu viele Menschen

vieles, was im Leben geschieht,

dem Zufall – ohne angemessene Planung

und Vorbereitung. Ich stelle fest, wenn ich

einige Studenten nach ihrem Hauptfach

befrage, erhalte ich häufig zur Antwort:

„Da habe ich mich noch nicht festgelegt.

Ich werde diese Entscheidung später treffen.“

Ich sehe, wie Familien und einzelne

Menschen in die Schuldenfalle geraten,

weil sie es versäumt haben, einen soliden

Finanzplan aufzustellen, und über ihre

Verhältnisse gelebt haben. Andere überfüllen

ihr Leben mit Unternehmungen, Kursen,

Vereinen oder Sport. Obwohl es sicherlich

gut sein kann, sich auf diese Weise zu

betätigen, kann rasch Hektik aufkommen,

wenn wir es unterlassen, zu planen. Wenn

wir nicht planen, verlieren wir unsere ewige

Bestimmung aus dem Auge.

Wir können das beste Beispiel für Planung

finden, wenn wir einen Blick in die

heiligen Schriften werfen. In Mose 1:39

erklärt der Herr: „Denn siehe, dies ist mein

Werk und meine Herrlichkeit – die Unsterblichkeit

und das ewige Leben des Menschen

zustande zu bringen.“ Sein großer Plan,

wozu auch das Sühnopfer gehört, soll der

gesamten Menschheit die Unsterblichkeit

bringen. Durch die Gabe und Macht des

Priestertums werden diejenigen, die Gottes

Plan befolgen, ewiges Leben empfangen,

die größte Gabe, die Gott seinen Kindern

geben kann (siehe LuB 14:7). Die heiligen

Schriften enthalten eine Fülle von Hinweisen

auf diesen Plan.

Ein geschichtlicher Überblick darüber,

wie dieses Vorhaben ausgeführt wurde,

beweist ohne Weiteres, dass es vollständig

und in sich stimmig ist. Der Herr hat seine

Kinder während bestimmter Zeitabschnitte,

sogenannten Evangeliumszeiten, eingehend

über den Evangeliumsplan unterrichtet. In

diesen Zeitabschnitten hat „der Herr wenigstens

einen bevollmächtigten Diener auf

der Erde …, der die Schlüssel des heiligen

Priestertums trägt. …

Wenn der Herr eine Evangeliumszeit einrichtet,

wird das Evangelium erneut offenbart,

sodass die Menschen jener Evangeliumszeit

sich nicht auf vergangene Evangeliumszeiten

verlassen müssen, um den Plan der Errettung

zu kennen.“ 1

Jede Evangeliumszeit hält eine bestimmte

Lehre bereit, die wir bei der Vorbereitung

auf unsere ewige Bestimmung

in unsere persönlichen Pläne aufnehmen

können.

Rechts: Das Abbild Christi, Gemälde von Heinrich Hofmann, ABDRUCK MIT FREUNDLICHER Genehmigung der C. Harrison Conroy Co.; unten, von links: Adam und Eva im

Garten, Gemälde von Lowell Bruce Bennett; Die Stadt Zion wird entrückt, Gemälde von Del Parson; Noachs Predigt wird verachtet, Gemälde von Harry Anderson

10

Adam


Was die Evangeliumszeiten

uns

lehren

Die Evangeliumszeit

Adams: Wir können wie

unser Vater im Himmel

werden

Die Evangeliumszeiten

Henochs und

Noachs: Wählen wir

Rechtschaffenheit statt

Schlechtigkeit

Die Evangeliumszeit

Abrahams: Gehen wir

Bündnisse ein und halten

wir sie

Die Evangeliumszeit

Moses: Folgen wir den

Propheten des Herrn

Die Mitte der Zeiten:

Lassen wir unser Licht

leuchten

Die wunderbarste Evangeliumszeit ist die Mitte der Zeiten, als der Erretter

auf die Erde kam. Jesus Christus ist die zentrale Figur in unserer Lehre.

Die Evangeliumszeit

der Fülle: Freuen wir

uns an der Fülle des

Evangeliums

Noach

Henoch


Die Evangeliumszeit Adams:

Wir können wie unser Vater im Himmel werden

In der ersten Evangeliumszeit erschuf der Herr Adam

und Eva, setzte sie auf die Erde und gab ihnen Gelegenheiten,

sich zu entscheiden (siehe Mose 3:17). Ihnen wurde

geboten, nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis

von Gut und Böse zu essen. Ihnen wurde gesagt, dass sie

aus dem Garten ausgestoßen werden würden, falls sie es

doch tun. Sie würden aber auch sterblich werden. Sie aßen

von der Frucht.

Der Fall war keine Katastrophe. Er war kein Fehler und

kein Unfall. Er war ein beabsichtigter Teil des Erlösungsplans

des Herrn. Infolge des Falls sind wir Versuchung

und Unglück ausgesetzt – als Preis dafür, dass wir erfassen

können, was echte Freude ist. Ohne das Bittere zu schmecken,

könnten wir das Süße niemals erkennen (siehe 2 Nephi

2:15). Es war erforderlich, uns im sterblichen Dasein

zu erziehen und zu läutern, damit wir den nächsten Schritt

machen konnten, unserem Vater ähnlicher zu werden.

Was lernen wir aus der ersten Evangeliumszeit? Wir sind

buchstäblich geistige Nachkommen unseres himmlischen

Vaters. Wenn wir auf die Erde kommen, erhalten wir einen

Körper, der im Abbild Gottes erschaffen wurde (siehe Genesis

1:27). Uns ist verheißen: Wenn wir die erforderlichen

heiligen Handlungen empfangen, die Bündnisse

einhalten und Gottes Gebote befolgen,

gehen wir in die Erhöhung ein und werden

wie er.

Wir erfahren außerdem, dass wir als Söhne

und Töchter eines ewigen Vaters durch das

Gebet mit ihm sprechen und durch Inspiration

und Offenbarung Antwort erhalten können.

Zu unserem Lebensplan soll gehören, dass

wir beständig und regelmäßig Verbindung mit

unserem Vater aufnehmen.

Die Evangeliumszeiten Henochs und Noachs:

Wählen wir Rechtschaffenheit statt Schlechtigkeit

Die zweite Evangeliumszeit ist bekannt als die Evangeliumszeit

Henochs, der „seinen Weg mit Gott [ging]“

(siehe Genesis 5:24). Er errichtete die Stadt Zion, die ein

machtvolles Symbol für die Rechtschaffenheit wurde, die

man auf der Erde wie auch im Himmel erreichen kann

(siehe Mose 7:18-21).

Als nächste folgte die Evangeliumszeit Noachs. Noach

lebte in einer Zeit großer Schlechtigkeit. Obwohl er die

Menschen anflehte, umzukehren, beachteten sie seine

Worte nicht. Als die Flut kam, wurden nur Noach und

seine Familie gerettet (siehe Genesis 7:23).

Die zweite und die dritte Evangeliumszeit veranschaulichen

uns eindringlich, was geschieht, wenn man das Gute

dem Bösen vorzieht. Henoch und alle, die um ihn waren,

wurden infolge ihrer Rechtschaffenheit in reichem Maß

gesegnet. Die Menschen, die Noach nicht folgten, mussten

feststellen, dass der Sünder Verderben über sich bringt.

Aus diesen beiden Evangeliumszeiten lernen wir, nach

dem zu trachten, was gut und nützlich ist. In unserem

Lebensplan wird es gewiss unser Ziel sein, so viel Gutes

in uns aufzunehmen, wie wir auf dieser Erde nur finden

können. Wir können viel von diesem Guten entdecken,

wenn wir täglich in den heiligen Schriften forschen. Sie

führen uns zum ewigen Leben.

Die Evangeliumszeit Abrahams:

Gehen wir Bündnisse ein und halten wir sie

Die folgende Evangeliumszeit war die von Abraham. Wie

Adam, Henoch und Noach erhielt Abraham einen göttlichen

Auftrag vom Herrn. Der Herr schloss außerdem Bündnisse

– bindende, feste Vereinbarungen – mit Abraham:

„Geh fort aus deinem Land und von deiner Verwandtschaft

und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir

zeigen werde. …

Abraham

Und ich werde aus dir eine große Nation machen,

und ich werde dich über die Maßen segnen und deinen

Namen unter allen Nationen groß machen; und du

wirst deinen Nachkommen nach dir ein Segen sein,

dass sie in ihren Händen diesen geistlichen Dienst und

dieses Priestertum zu allen Nationen tragen; und ich

werde sie durch deinen Namen segnen; denn alle, die

dieses Evangelium empfangen, werden nach deinem

Namen genannt werden und werden deinen Nachkommen

zugezählt werden und werden aufstehen und dich

Mose

12


Von links: Abraham bei den Eichen von Mamre, Gemälde von Grant Romney Clawson; Mose teilt das Rote Meer, Gemälde

von Robert Barrett; Licht und Wahrheit, Gemälde von Simon Dewey; Bruder Joseph, Gemälde von David Lindsley; Christus in

Getsemani, Gemälde von Heinrich Hofmann, ABDRUCK MIT freundlicher Genehmigung der C. Harrison Conroy Co.

als ihren Vater preisen; und ich werde die

segnen, die dich segnen, und die verfluchen,

die dich verfluchen; und in dir (das

heißt in deinem Priestertum) und in deinen

Nachkommen (das heißt deinem Priestertum)

– denn ich gebe dir die Verheißung,

dass dieses Recht in dir und in deinen

Nachkommen nach dir verbleiben wird

(das heißt den buchstäblichen Nachkommen

oder den leiblichen Nachkommen)

– werden alle Familien der Erde gesegnet

sein, ja, mit den Segnungen des Evangeliums,

und das sind die Segnungen der

Errettung, ja, des ewigen Lebens.“ (Abraham

2:3,9-11.)

Die Heiligen der Letzten Tage sind ein Bundesvolk.

Wir haben Vereinbarungen mit dem

Herrn, und er verheißt uns viele Segnungen

unter der Bedingung, dass wir uns verpflichten,

seine Gesetze und Gebote zu befolgen. Zu unserem

Lebensplan soll auch gehören, dass wir

Bündnisse eingehen und halten. Das bedeutet

unter anderem, dass wir immer so leben, dass

wir würdig sind, einen Tempelschein zu haben.

Durch diese Unterweisung vom Herrn und

noch weitere wurde er ein guter Führer.

Auch wir können gute Führer werden.

Damit wir führen können, muss unser

Leben ausgewogen sein. Präsident Gordon

B. Hinckley (1910–2008) hat uns erklärt, welche

Der Erretter

starb, wurde

begraben

und stand am

dritten Tag von den

Toten auf, um das

Sühnopfer für die

gesamte Menschheit

zu vollbringen, damit

die Macht des Todes

nicht von Dauer

sei. Aufgrund dieser

Tat sollten sich alle

freuen und Unsterblichkeit

erlangen.

Jesus Christus

Joseph Smith

Das Evangeliumszeit Moses:

Folgen wir den Propheten des Herrn

Mose war einer der großartigsten Menschen,

die je gelebt haben. Er wandelte mit

Gott und sprach mit ihm. Er wurde von Gott

erwählt, Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft

zu befreien (siehe Exodus 6:13).

Er hatte das Vorrecht, für die Menschheit das

große Gesetz zu empfangen, das in den Zehn

Geboten enthalten ist (siehe Exodus 19; 20).

Verantwortungsbereiche wir gegeneinander

abwägen müssen, wenn wir unsere Zeit einteilen,

um erfolgreich sein zu können:

• Die Verantwortung für unsere Familie.

• Die Verantwortung gegenüber unserem

Arbeitgeber.

• Die Verantwortung gegenüber dem

Werk des Herrn.

• Die Verantwortung gegenüber uns

selbst. Das fand ich besonders interessant.


Wir leben in

einer bemerkenswerten

Zeit, nämlich

der Evangeliumszeit

der Fülle,

in der das Evangelium

Jesu Christi in

seiner Fülle wiederhergestellt

wurde.

Präsident Hinckley wies auch darauf hin, dass

wir uns Zeit nehmen müssen, auszuruhen,

uns sportlich zu betätigen, uns zu erholen, in

den heiligen Schriften zu lesen, nachzusinnen

und im Tempel den Herrn zu verehren, damit

unser Leben ausgewogen ist. 2

Aus der Evangeliumszeit Moses lernen

wir, prophetischer Führung zu folgen und

uns zu einem wirkungsvolleren Werkzeug

beim Aufbau des Gottesreiches auf Erden zu

entwickeln. Darauf bereitet sie uns vor.

Die Mitte der Zeiten:

Lassen wir unser Licht leuchten

Die wunderbarste Evangeliumszeit ist

natürlich die Mitte der Zeiten, als der Erretter

auf die Erde kam. Jesus Christus ist die

zentrale Figur in unserer Lehre. Er war nicht

nur ohne Sünde, gut und liebevoll. Er war

mehr als nur ein Lehrer. Er diente als Mensch

auf Erden, obwohl er der Sohn Gottes war. Er

starb, wurde begraben und stand am dritten

Tag von den Toten auf, um das Sühnopfer für

die gesamte Menschheit zu vollbringen, damit

die Macht des Todes nicht von Dauer sei.

Aufgrund dieser Tat sollten sich alle freuen

und Unsterblichkeit erlangen.

Es gab vieles, was der Erlöser uns lehrte,

so auch, dass wir das Licht der Welt sind und

unser Licht vor anderen leuchten lassen sollen

(siehe Matthäus 5:14-16). Wir sind damit gesegnet,

dass wir sein Evangelium empfangen haben.

Lassen Sie Ihr Licht leuchten, damit andere

Ihre guten Werke sehen mögen und mehr über

Gottes ewigen Plan erfahren wollen.

Die Evangeliumszeit der Fülle:

Freuen wir uns an der Fülle des Evangeliums

Wir leben in einer bemerkenswerten Zeit,

nämlich der Evangeliumszeit der Fülle, in der

das Evangelium Jesu Christi in seiner Fülle wiederhergestellt

wurde (siehe LuB 27:13). Unsere

Generation profitiert außerdem von allen vorausgegangenen

Evangeliumszeiten, auf denen

wir unser Leben aufbauen können, da wir ja

verstehen, wie Gott mit seinen Kindern umgeht.

Die Worte des Herrn, wie sie uns im Laufe

der Zeitalter von seinen heiligen Propheten

gegeben wurden, haben uns in einem Plan vorangeführt,

den der Herr für uns aufgestellt hat.

Dieser Plan ist vollständig von Anbeginn der

Zeit bis zu der Zeit, da wir – sofern wir würdig

leben – die Gelegenheit erhalten, in den Ewigkeiten,

die noch kommen, bei ihm zu wohnen.

Sie sind Kinder der Verheißung. Ich hoffe, dass

Sie nicht darauf aus sind, ganz gewöhnlich zu

sein, sondern dass Sie sich vorgenommen haben,

hervorragend zu werden. In dieser Welt ist kein

Platz für Mittelmäßigkeit; wir müssen nach Vollkommenheit

streben. Sie können auf so vielen

Gebieten vollkommen werden, wenn Sie auf die

Ziele hinarbeiten, die Sie sich gesetzt haben.

Sie haben ein reiches Erbe; scheuen Sie sich

nicht, nach den Grundsätzen des Evangeliums

zu denken und zu handeln und sich an seinen

Segnungen zu freuen, während Sie das Maß Ihrer

Erschaffung als Kind Gottes erfüllen. Gott segne

Sie, dass Sie den Wunsch haben mögen, voranzugehen

und nach dem großartigen Plan, den er

uns gegeben hat, Ihr Heil zu suchen. ◼

Aus einer Ansprache, die am 30. Oktober 2007 bei

einer Andacht an der Brigham-Young-Universität

gehalten wurde.

Anmerkungen

1. Schriftenführer, „Evangeliumszeit“, Seite 55; siehe auch

auf www.lds.org unter „Languages“, „Deutsch“, „Die

heiligen Schriften“

2. Siehe Gordon B. Hinckley, „Freuen wir uns, dass wir

dienen dürfen!“, Weltweite Führerschaftsschulung,

21. Juni 2003, Seite 25

Joseph Smith, Gemälde von Alvin Gittins

14


Ein kurzer

Blick?

Foto vom Wasser © Getty Images; Foto vom Alligator © Bigstockphoto.com

Hier klicken!

Die Pornografie-Falle

schnappt zu – jedes MAL

(Siehe Moroni 10:30)

Liahona Februar 2009 15


Es ist nicht einfach

… das einzige Mitglied der Kirche in meiner Familie zu sein.

Aber in Wirklichkeit bin ich nicht allein.

Kelli Williams

Ich bin in der methodistischen Kirche

aufgewachsen. Obwohl meine Familie

normalerweise nur an Weihnachten und

Ostern zur Kirche ging, wusste ich immer,

dass ich einen Vater im Himmel hatte. Mein

Bruder und ich beteten regelmäßig mit meiner

Mutter. Was meine Eltern mir als Kind

beibrachten, bereitete mich auf das vor, was

ich in der Zukunft lernen sollte.

In der sechsten Klasse erfuhr ich, dass

meine Eltern sich scheiden lassen wollten. Das brach mir

das Herz, und ich fühlte mich sehr allein. Meine Freundin

Courtney konnte mich gut verstehen, denn ihre Eltern hatten

sich scheiden lassen, als sie noch klein war. Sie wurde

meine beste Freundin.

Als Courtney und ich einmal auf meinem Bett saßen und

uns unterhielten, erzählte sie mir erstmals von der Kirche. Sie

ging nicht ins Detail; sie fragte mich nur, ob ich am Sonntag

mit ihr in die Kirche gehen wolle. Anfangs ging ich nur ab

und zu mit ihr in die Kirche, doch dann ging ich jeden Sonntag

hin. Als ich zwölf wurde, nahm ich sogar an den Aktivitäten

der Jugendlichen teil. Irgendetwas dort zog mich an. Ich

wusste zwar nicht, was es war, aber es gefiel mir.

In der siebten Klasse machten Courtney und eine andere

gute Freundin, Aubrey, mich mit den Missionaren bekannt.

Ich erfuhr bald, was die Missionare meinten, wenn sie

darüber sprachen, dass man den Geist verspürt. Ich wusste

schon nach der zweiten Lektion, dass die Kirche wahr ist.

Trotz meines Zeugnisses vom Evangelium fürchtete ich

mich entsetzlich, meine Eltern zu fragen, ob ich mich taufen

lassen konnte. Ich ging weiter in die Kirche und hatte

unglaubliche, zeugnisstärkende Erlebnisse, aber die „große

Frage“ schob ich zwei Jahre lang auf.

In der neunten Klasse meldete ich mich zum Seminar an,

und im November wusste ich, dass ich nun fragen musste.

Ich sprach mit meiner Mutter. Sie antwortete mir, die Kirche

hätte mich nur zum Besseren verändert, und wenn ich mich

wirklich taufen lassen wolle, dann solle ich es auch tun.

Mein erster Gedanke war, warum in aller Welt

ich nur so lange gewartet hatte!

Danach rief ich meinen Vater an, aber er

war nicht gerade begeistert. Als ich fragte,

ob ich mich taufen lassen könne, sagte er

Nein. Er wollte, dass ich zuerst einige andere

Kirchen besuchte. Also ging ich auch zu

anderen Kirchen und lernte dort einige

bemerkenswerte Menschen kennen, die

wirklich ein rechtschaffenes Leben führten.

Doch nichts konnte etwas an dem Gefühl

ändern, das ich verspürte, wenn ich ein

Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi betrat. Im Februar

rief ich meinen Vater an und erklärte: „Ich lasse mich am 7.

März taufen. Ich hoffe, dass du kommst!“

Meine ganze Familie kam, auch mein Vater. Meine

Familie dabeizuhaben bedeutete mir sehr viel. Es war der

herrlichste Tag meines Lebens.

Manchmal werde ich gefragt: „Wie machst du das nur?

Wie kannst so stark in der Kirche bleiben, obwohl du ganz

allein bist? Du hast doch niemanden, der dich weckt und zur

Kirche oder zum Seminar schickt; du bist doch völlig allein!“

Die Antwort lautet schlicht: Ich bin nicht allein. Ich hatte

schon zu kämpfen seit meiner Taufe, denn es ist nicht einfach,

das einzige Mitglied der Kirche in meiner Familie zu

sein. Doch der Herr hat versprochen, dass er uns niemals

allein lässt (siehe Johannes 14:16-18). Der himmlische Vater

liebt uns so sehr, dass er seinen Sohn sandte, der für uns

starb. Wie könnte er uns denn je vergessen?

Das Leben ist schwer, und wir alle haben schon Zeiten

erlebt, in denen wir das Gefühl hatten, unsere Kraft sei

geschwunden und unser Glaube schwach. Aber wenn wir

an demjenigen festhalten, der uns am meisten liebt – am

himmlischen Vater –, und unsere Beziehung zu ihm durch

das Schriftstudium und das Gebet festigen, dann überstehen

wir alles. Der Herr hat verheißen: „Ich werde vor eurem

Angesicht hergehen. Ich werde zu eurer rechten Hand

sein und zu eurer linken, und mein Geist wird in eurem

Herzen sein und meine Engel rings um euch, um euch zu

stützen.“ (LuB 84:88.) ◼

Ausschnitt aus dem Gemälde Das Zweite Kommen von Grant Romney Clawson; Illustration von Daniel Lewis

16


Helfen wir Neubekehrten,

Susan W. Tanner

Präsidentin der Jungen Damen von 2002 bis 2008

Als ich vor einiger Zeit in den Süden

Brasiliens fuhr, wurde ich von meinem

Mann begleitet. Er hatte in dieser

Gegend als Missionar gedient. Als wir eines

Abends zu einer Versammlung eintrafen, wurden

wir an der Tür von einer jungen Mutter

begrüßt, die sich als meine Dolmetscherin

für die Versammlung vorstellte. Aufgeregt

wandte sie sich an meinen Mann und sagte:

„Elder Tanner, Sie haben meiner Familie vor

vielen Jahren das Evangelium gebracht. Ich

war damals noch ein kleines Kind, aber als ich

größer wurde, hörte ich immer wieder, wie

Ihr Name in Verbindung mit den ersten Taufen

in unserer Familie genannt wurde.“ Dann

erzählte sie uns, dass alle in der Familie all

die Jahre hindurch der Kirche treu geblieben

waren. Es war ein ergreifendes Wiedersehen!

Während der Versammlung blickte mein

Mann in die Reihen und erkannte unter den Zuhörern

noch andere, denen er das Evangelium

verkündet hatte und die treu geblieben waren.

Als er sein Zeugnis gab, brachte er seine Freude

über ihre anhaltende Treue zum Ausdruck. Er

sagte, dass ihn das an die Geschichte aus dem

Buch Mormon erinnere, als Alma seine guten

Freunde, die Söhne Mosias, auf der Reise traf:

Wir alle tragen dazu

bei, dass unsere

neuen Mitglieder treu

und aktiv bleiben.

Bekehrung ist ein

fortlaufender Prozess

– wir wenden uns

dem Herrn zu und

kehren immer wieder

zu ihm zurück.

„Nun waren diese Söhne Mosias bei Alma

gewesen zu der Zeit, als ihm zuerst der Engel

erschienen war; darum freute sich Alma über

die Maßen, seine Brüder zu sehen; und was

seine Freude noch vermehrte, sie waren noch

immer seine Brüder im Herrn.“ (Alma 17:2;

Hervorhebung hinzugefügt.)

An diesem Abend in Brasilien traf auch

mein Mann liebe Freunde aus der Vergangenheit,

die „noch immer seine Brüder [und

Schwestern] im Herrn“ waren.

Jeder glaubenstreue Missionar hat den

Wunsch, dass Neubekehrte der Kirche treu

bleiben und „in der Erkenntnis der Wahrheit

stark [werden]“ (Alma 17:2). Alle glaubenstreuen

Eltern haben den Wunsch, dass ihre

Kinder dem Glauben treu bleiben. Das wünschen

sich auch die Führer der Kirche für die

Mitglieder, die unter ihrer Obhut sind, und es

ist der innige Wunsch unseres himmlischen

Vaters für seine Kinder (siehe Mose 1:39).

Auf der Suche nach denen, die abgeirrt sind

Es berührt mich, wie oft der Herr seine

Liebe für sein Volk zum Ausdruck bringt, auch

wenn es vom Weg abirrt – vielleicht gerade

dann, wenn es abirrt. Denken Sie an die

Gleichnisse des Erretters über das, was verloren

war: ein Schaf, eine Münze, der verlorene

Sohn (siehe Lukas 15). Der Hirte geht dem

verlorenen Schaf nach; die Frau sucht unermüdlich

in ihrem Haus nach der verlorenen

Münze; der Vater läuft seinem eigensinnigen

Sohn entgegen, als er noch weit entfernt ist

und „[fällt] ihm um den Hals und [küsst] ihn“

(siehe Lukas 15:20). Auch im Gleichnis vom

Ölbaum gewinnen wir einen Eindruck von

der geduldigen Liebe, die der Herr für diejenigen

empfindet, die abirren (siehe Jakob 5).

Foto von Schwester Tanner von Busath Photography; Foto von Henrik Als; Illustration von Steve Kropp

18


stark zu bleiben


Neue und

abgeirrte

Mitglieder

brauchen unsere

Hilfe. Sie brauchen

einen Freund, eine

Aufgabe und geistige

Nahrung.

Immer wieder klagt der Herr des Weingartens:

„Es schmerzt mich, dass ich diesen Baum verlieren

soll.“ ( Jakob 5:7,11,13,32.) Das ganze

Buch Jesaja hindurch versichert der Herr dem

Volk Israel, dass er es nicht vergessen kann:

„Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in

meine Hände.“ ( Jesaja 49:16.) Im Buch Ezechiel

spricht der Herr: „Die verloren gegangenen

Tiere will ich suchen, die vertriebenen

zurückbringen, die verletzten verbinden.“

(Ezechiel 34:16.)

Wenn wir mithelfen, dass Mitglieder aktiv

bleiben oder wieder aktiv werden, dann sind

wir Mitarbeiter des Herrn in seinem liebevollen

Werk, unsere Brüder und Schwestern zu

suchen, die vielleicht wie das verirrte Schaf,

die verloren gegangene Münze oder der verlorene

Sohn sind.

Man betritt eine neue Welt

Auch für diejenigen, die neu in der Kirche

sind und sich bemühen, mit dieser mächtigen

Wandlung in ihrem Leben zurechtzukommen,

kann der Weg gefahrvoll sein. Ein neues

Mitglied beschrieb diese schwierige Veränderung.

Sie sagte: „Wenn wir vom Untersucher

zum Mitglied der

Kirche werden,

dann entdecken

wir ganz überrascht,

dass wir

eine völlig neue

Welt betreten

haben, eine Welt

mit eigenen

Traditionen,

eigener Kultur

und eigenem

Sprachgebrauch.

Wir stellen fest,

dass es keinen Ansprechpartner und keine

bestimmte Stelle gibt, an die wir uns wenden

können und die uns auf dem Weg in diese

neue Welt anleitet.“ 1

Präsident Gordon B. Hinckley (1910–2008)

betonte wiederholt, dass sowohl unsere

neuen Mitglieder als auch die vom Weg

abgekommenen Mitglieder unsere Hilfe

brauchen. Sie brauchen einen Freund, eine

Aufgabe und geistige Nahrung, so wie es im

Buch Moroni gelehrt wird: „Und nachdem sie

zur Taufe angenommen worden waren …,

wurden sie dem Volk der Kirche Christi zugezählt;

und ihr Name wurde aufgenommen,

damit ihrer gedacht werde und sie durch das

gute Wort Gottes genährt würden, um sie auf

dem rechten Weg zu halten.“ (Moroni 6:4.)

Als ich damals nach Brasilien fuhr, besuchte

ich auch viele Junge Damen zuhause,

weil ich den Wunsch hatte, an sie zu denken

und sie zu nähren. Einige hatten ein sehr starkes

Zeugnis, andere wiederum waren nicht

mehr aktiv in der Kirche. Jedes Mal fragte ich,

ob sie den Leitgedanken der Jungen Damen

aufsagen könnten. Jede Junge Dame konnte

es! Dann fragte ich jede von ihnen, welches

der Ideale der Jungen Damen ihr am meisten

bedeutete und warum. Als die Mädchen

mir antworteten, verspürte ich den Geist und

zumindest einen Funken Glauben bei denjenigen,

die nicht mehr zur Kirche kamen. Ich

wusste: Wenn jemand an sie denken, sie lieb

haben und jenen kleinen Glaubensfunken

nähren würde, dann könnte ihr Licht wieder

hell leuchten.

Persönliche Verantwortung

„Durch das gute Wort Gottes nähren“

heißt, dass wir uns um das geistige Wachstum

und Wohlbefinden anderer sorgen, so wie

wir unseren Körper mit Nahrung versorgen.

Auch wenn Eltern, Führer in der Kirche und

Freunde dabei helfen sollten, haben Neubekehrte,

wissbegierige Jugendliche und

Mitglieder, die straucheln, eine persönliche

Verantwortung, sich auch selbst zu helfen.

Das geht am einfachsten durch das persönliche

Evangeliumsstudium.

Ich erinnere mich noch gut an den Sommer,

als ich die Highschool abschloss. Es war

in geistiger Hinsicht eine turbulente Zeit für

mich, eine Zeit, in der ich meinen Weg im

Foto von Steve Bunderson; Sie brachten mich zurück, Illustration von Steve Kropp

20


Evangelium fand, genauso wie viele Neubekehrte. Mein

Rezept gegen diese Probleme war: jeden Tag eifrig und

aufmerksam im Buch Mormon lesen, oftmals auch längere

Zeit. Ich erinnere mich noch an einige dieser geisterfüllten

Zeiten. Damals legte ich das Fundament, auf dem mein

Zeugnis genährt wurde und wuchs.

Abgesehen davon, dass wir an diejenigen, die verloren

gegangen oder abgeirrt sind, denken und sie nähren,

müssen wir ihnen auch die Gelegenheit geben zu dienen.

Der Erretter ermahnte den Apostel Petrus: „Wenn du dich

… bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ (Lukas 22:32.)

Berufungen in der Kirche ermöglichen es den Mitgliedern,

andere zu stärken und gerade durch diesen Dienst auch

selbst innerlich zu wachsen.

Als meine Kinder Teenager waren und manchmal nicht

zu den Aktivitäten für Jugendliche oder zu anderen Versammlungen

gehen wollten, sprach ich mit ihnen über ihre

Verantwortung. Ich sagte ihnen, dass wir nicht nur zu einer

Versammlung gehen, um selbst etwas davon zu haben,

sondern auch, um von uns zu geben. Ich sagte oft: „Du

brauchst die Kirche, und die Kirche braucht dich.“ Neubekehrte

und weniger aktive Mitglieder müssen spüren, dass

sie gebraucht werden, denn sie werden gebraucht.

Ein Werk für alle

Wir alle tragen dazu bei, dass Mitglieder aktiv bleiben.

Bekehrung ist ein fortlaufender Prozess – wir wenden uns

dem Herrn zu und kehren immer wieder zu ihm zurück.

Alma bezeichnet dies als mächtige Wandlung (siehe Alma

5:14). Bekehrung ist das Werk, mit dem wir befasst sind, ob

wir nun mit Untersuchern, Jugendlichen, weniger aktiven

Mitgliedern oder selbst mit aktiven Mitgliedern arbeiten. Wir

alle sollen damit befasst sein, dem Herrn bei seinem Werk

zu helfen, nämlich die Unsterblichkeit und das ewige Leben

seiner Kinder zustande zu bringen (siehe Mose 1:39).

Mein Mann schrieb in sein Missionstagebuch: „Bekehrung

ist das größte Wunder. Sie ist noch wunderbarer als die

Heilung eines Kranken oder die Erweckung eines Toten.

Denn während ein Mensch, der geheilt wurde, vielleicht

wieder krank wird und schließlich stirbt, kann das Wunder

der Bekehrung für immer bestehen und sowohl für den

Bekehrten als auch für seine Nachkommen Auswirkungen

auf die Ewigkeit haben. Durch das Wunder der Bekehrung

werden ganze Generationen geheilt und vom Tod erlöst.“

Schließen wir uns dem Herrn an und suchen wir, was

verloren war. Bringen wir zurück, was vertrieben wurde,

und verbinden wir, was verletzt war. Dann, am großen Tag

des Herrn, können wir uns – wie mein Mann es erlebt hat

– daran erfreuen, dass diejenigen, die wir im Evangelium

liebevoll betreut haben, noch immer unsere Brüder und

Schwestern im Herrn sind. ◼

Anmerkung

1. Zitiert in: Gordon B. Hinckley, „Der vollkommene Glanz der Hoffnung“,

Liahona, Oktober 2006, Seite 3

Liahona FEBRUAR 2009 21


So kann man als

Neubekehrter

Fuß fassen

Gayle S. Iliff

Wenn wir anderen

freundschaftlich

begegnen, eifrig dienen

und uns an den heiligen

Schriften weiden, dann

wird unser Vertrauen

stark werden.

Der Wintermorgen, an dem ich zum ersten Mal die

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

besuchte, war ungewöhnlich hell und frisch. Als

ich auf das Gemeindehaus zuging, ahnte ich nicht, wie

sehr die Taufe mein Leben verändern würde. Zum Glück

können Bekehrte wie ich etwas dafür tun, dass sie im

Evangelium stark werden. Wir müssen Freundschaften

pflegen, in der Kirche dienen und uns „an den Worten

von Christus [weiden]“ (2 Nephi 32:3).

Freundschaften pflegen

Alle Mitglieder der Kirche, besonders aber Neubekehrte,

brauchen Freunde, die ihnen zur Seite stehen. Eine

solche Freundschaft aufzubauen kann viel bewirken. Dazu

möchte ich einige Beispiele nennen.

Mitglieder können Neubekehrten ihre Hand entgegenstrecken.

Vor meiner Taufe kam eine freundliche Schwester,

die gerade am anderen Ende des Gemeindehauses

war, sofort zu mir, als sie mich sah. Es berührte mich, dass

ihr offenbar viel daran lag, dass ich mich geliebt und anerkannt

fühlte. Viele andere verhielten sich ähnlich. Wenn

Bekehrte erkennen, wie lieb die Mitglieder der Kirche sie

haben, wird ihr eigenes Herz von Liebe erfüllt.

Auch die Lehrer in der Kirche kümmern sich um uns.

Der Lehrer des Kurses „Grundbegriffe des Evangeliums“

war für mich eine große Quelle der Inspiration. Oft hatte

ich das Gefühl, dass der Erlöser durch diesen Unterricht

zu mir sprach, mich erbaute und mich ermunterte

weiterzumachen.

Auch Heimlehrer und Besuchslehrerinnen wachen

über die Mitglieder der Kirche und sind ein Segen für sie.

Fotos von Matthew Reier, John Luke und Frank Helmrich

22


Liahona Februar 2009 23


24

Heißen Sie sie bei sich daheim willkommen

und danken Sie ihnen und

dem Herrn für das, was sie tun. Wie

Elder David B. Haight (1906–2004)

vom Kollegium der Zwölf Apostel

sagte: „Dankbarkeit … kann … unserem Herzen und Sinn

und unserer Seele ein Segen sein, sodass wir nicht stillstehen,

sondern weitermachen und das tun, worum wir

gebeten werden.“ 1

Bekehrte werden gesegnet, wenn auch sie sich anderen

zuwenden. Eines Tages kaufte ich eine Grußkarte mit dem

Bild eines riesigen Augapfels darauf. Innen stand; „Danke,

dass du ein Auge auf mich hast!“ Ich schickte die Karte an

eine Schwester in der Gemeinde, die freundlich zu mir gewesen

war. Als ich das tat, wärmte das Gefühl christlicher

Liebe mein Herz.

Schließlich müssen wir unsere Beziehung zum himmlischen

Vater und zu Jesus Christus stärken. Das geschieht,

wenn wir anderen dienen, unsere Dankbarkeit ausdrücken

und beten. Der Geist wird bestätigen, dass wir des großen

Opfers würdig sind, das der Erlöser für uns gebracht hat.

Dienst in der Kirche

Normalerweise werden neue Mitglieder irgendwann

kurz nach ihrer Taufe gebeten, eine größere Aufgabe im

Dienst für die Gemeinde oder den Zweig zu übernehmen.

Der Bischof oder Zweigpräsident wird eine Berufung aussprechen.

Das kann für manche eine schwierige Zeit sein.

Als ich die erste Berufung, die ich erhielt – Sekretärin

in der Frauenhilfsvereinigung –, annahm, fragte ich mich,

wie es sein konnte, dass mir eine so wichtige Aufgabe

übertragen wurde. Präsident Henry B. Eyring, Erster

Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, sagt dazu: „Es

werden Zeiten kommen, in denen Sie sich überwältigt

fühlen. Einer der Angriffe, die auf Sie zukommen, ist das

Gefühl der Unzulänglichkeit. … Aber Sie haben Zugang

zu mehr als nur Ihren eigenen natürlichen Fähigkeiten

und Sie arbeiten nicht allein.“ 2

Nach einiger Zeit sagte die FHV-Leiterin, dass die

Vorschläge, die ich bei einer Leitungssitzung gemacht

hatte, zeigten, dass ich inspiriert war. Verwirrt antwortete

Kümmern wir

uns um die

Bekehrten

„Jeder [Bekehrte] braucht

dreierlei – einen Freund,

eine Aufgabe und dass [er] ‚durch das

gute Wort Gottes genährt‘ [wird] (siehe

Moroni 6:4).“

Präsident Gordon B. Hinckley (1910–2008),

„Unsere neuen Mitglieder und die jungen

Männer“, Der Stern, Juli 1997, Seite 47.

ich: „Bin ich das?“ Freundlich

versicherte sie mir, dass ich auf

den Geist gehört hatte. Es ist zu

Beginn nicht einfach zu erkennen,

dass uns die Hand Gottes bei

unserer Arbeit führt, aber wenn wir die Gebote halten und

fleißig arbeiten, werden wir erkennen, dass er diejenigen,

die er beruft, groß macht.

Weiden wir uns am Wort Christi

Vielleicht ist das Schriftstudium der beste Weg, zu entdecken,

dass der Herr uns liebt und uns unterstützen wird.

Aus den heiligen Schriften wissen wir, dass der Herr alle

einlädt, „zu ihm zu kommen und an seiner Güte teilzuhaben;

und er weist niemanden ab, der zu ihm kommt“

(2 Nephi 26:33).

Einige neue Mitglieder staunen vielleicht über das Wissen

und das Zeugnis anderer. Aber denken Sie daran, dass

der Herr „Zeile um Zeile“ lehrt, „Weisung um Weisung“

(siehe 2 Nephi 28:30). Jeder von uns muss auf seinem Weg

lernen. Auch Jesus „empfing zuerst nicht von der Fülle,

sondern ging von Gnade zu Gnade, bis er eine Fülle empfing;

und so wurde er der Sohn Gottes genannt, weil er

zuerst nicht von der Fülle empfing“ (LuB 93:13,14).

Dieses Wissen hat meine Ehrfurcht und meine Achtung

vor ihm noch vertieft. Er kennt wahrhaftig den Schmerz,

die Versuchung, die Not und die Einsamkeit, die ich erlebt

habe (siehe Alma 7:11). Ich kann mich voller Vertrauen an

ihn wenden. Aus den heiligen Schriften lernen wir, dass

die Liebe des Erlösers, sein Verständnis und sein Mitgefühl

für uns vollkommen und grenzenlos sind, wo wir uns

auch befinden.

Wenn wir anderen freundschaftlich begegnen, eifrig

dienen und uns an den heiligen Schriften weiden, dann

wird unser Vertrauen stark werden und wir werden die

glaubenstreuen Heiligen der Letzten Tage, die wir sein

wollen. ◼

Anmerkungen

1. David B. Haight, „Es sind doch alle zehn rein geworden“, Liahona,

November 2002, Seite 26

2. Henry B. Eyring, „In unsere Berufung hineinwachsen“, Liahona,

November 2002, Seite 77


Besuchslehrbotschaft

Foto von Matthew Reier; Hintergrund von Shannon Gygi Christensen

Die gottgegebenen

Aufgaben der Frau

Bringen Sie den

Schwestern, die

Sie besuchen,

die Schriftstellen

und Aussagen nahe, die ihren

Bedürfnissen entsprechen. Geben Sie

Zeugnis von der Lehre. Bitten Sie die

Schwestern, auch über ihre Gedanken

und Erkenntnisse zu berichten.

Julie B. Beck, FHV-Präsidentin:

„Durch Nachdenken und das

Studium der heiligen Schriften

habe ich ein Zeugnis vom Plan des

Glücklichseins erlangt, den unser

Vater im Himmel für uns aufgestellt

hat. In diesem Plan gibt es auch

eine Aufgabe für seine Töchter. Wir

sind verantwortlich für die weibliche

Hälfte, und wenn wir unsere

Aufgabe nicht erfüllen, dann wird

es niemand sonst für uns tun. Die

Hälfte des Planes unseres Vaters, die

Leben schenkt, die Seelen nährt, die

Wachstum herbeiführt, die alles andere

beeinflusst, diese Hälfte wurde

uns anvertraut. Wir können sie nicht

delegieren. Wir können sie an niemanden

weitergeben. Es ist unsere

Aufgabe. Wir können sie ablehnen,

wir können sie leugnen, und doch

ist es unsere Aufgabe, und wir

sind dafür verantwortlich. Eines

Tages werden wir alle uns an das

erinnern, was wir wussten, bevor

wir geboren wurden. Wir werden

uns daran erinnern, dass wir einen

großen Kampf für dieses Vorrecht

ausgetragen haben. Wie können wir

dieser Verantwortung gerecht werden?

Wir bieten jeden Tag unsere

gesamte Kraft auf, um die Arbeit zu

tun, die nur für uns bestimmt ist.“

Elder M. Russell Ballard vom Kollegium

der Zwölf Apostel: „Laut der

Lehre der Kirche besteht der Grund für

die Erschaffung der Erde darin, Gottes

Geistkindern die Möglichkeit zu geben,

weiterhin Fortschritt hin zu Erhöhung

und ewigem Leben zu machen. …

Auch wenn Sie für die Gesellschaft,

die Kirche und das ewige Schicksal

der Kinder des Vaters nichts Wichtigeres

tun können als das, was Sie in

Ihrer Eigenschaft als Mutter und Vater

tun, so bestimmen Mutter- und Vaterschaft

jedoch nicht allein, ob jemand

ein guter Mensch ist und vom Herrn

angenommen wird. …

Jede Schwester in der Kirche, die

mit dem Herrn Bündnisse geschlossen

hat, ist von Gott beauftragt, bei der

Errettung der Menschen zu helfen, die

Frauen der Welt zu führen, die Zionsfamilien

zu stärken und das Gottesreich

aufzubauen.“ („Eine rechtschaffene

Frau“, Liahona, Dezember 2002,

Seite 36, 39.)

Elder David A. Bednar vom Kollegium

der Zwölf Apostel: „Gott hat

es so vorgesehen, dass sich Mann und

Frau gemeinsam auf die Vollkommenheit

und eine Fülle der Herrlichkeit hin

weiterentwickeln. Aufgrund ihrer verschiedenen

Wesensart und Eigenschaften

bringen Mann und Frau in eine Ehe

einzigartige Sichtweisen und Erfahrungen

ein. Mann und Frau schaffen auf

unterschiedliche, aber gleichwertige Art

und Weise eine Harmonie und Einheit,

die nur so und nicht anders erreicht

werden kann.“ („Die Ehe ist in Gottes

ewigem Plan von entscheidender Bedeutung“,

Liahona, Juni 2006, Seite 52.)

Silvia H. Allred, Erste Ratgeberin

in der FHV-Präsidentschaft: „Der

Herr hat die Frauen mit göttlichen

Eigenschaften wie Liebe, Mitgefühl,

Güte und Nächstenliebe gesegnet.

Durch unsere monatlichen Besuche

als Besuchslehrerinnen können wir

jeder Schwester Gutes tun, wenn

wir ihr Liebe, Güte, Mitgefühl und

Nächstenliebe entgegenbringen. Unabhängig

von unserer persönlichen

Situation haben wir alle die Möglichkeit,

andere zu erbauen und sie

geistig zu nähren.“ („Weide meine

Schafe“, Liahona, November 2007,

Seite 113.)

Präsident Spencer W. Kimball

(1895–1985): „Es ist eine besonders

edle Berufung, während des Schlussaktes

der Weltgeschichte, kurz vor

dem Zweiten Kommen unseres Erlösers,

als rechtschaffene Frau zu leben.

Die Stärke und der Einfluss einer

rechtschaffenen Frau können heute

zehnmal größer sein als in ruhigeren

Zeiten.“ („Privileges and Responsibilities

of Sisters“, Ensign, November

1978, Seite 103.) ◼

Liahona Februar 2009 25


Ich habe eine Frage

„Ich habe Angst, jemand könnte mir

Alkohol oder Drogen anbieten. Ich sage

nicht gerne Nein zu anderen und möchte

sie auch nicht verärgern. Wie kann ich

sichergehen, dass ich nicht nachgebe?“

Entscheide dich vorher, also jetzt, dass du Nein

sagen wirst. Wenn du nachgibst, wird es in

Zukunft sehr viel schwerer, Nein zu sagen.

Die meisten werden dich dafür respektieren, dass

du nach deinen Grundsätzen lebst. Und sie werden

dich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht

mehr fragen, ob du mitmachst.

Mach dir keine Sorgen darüber, dass jemand

sich über dich ärgern könnte. Falls es so ist, dann

ist das seine Entscheidung, aber es ist deine

Entscheidung, den Geist bei dir zu behalten und

nichts zu tun, was du bereuen würdest.

Vielleicht ist es für dich einfacher, Nein zu sagen,

wenn du einen Freund an deiner Seite hast. Die

Unterstützung eines Freundes kann dir helfen, dich

gegen eine Gruppe zu behaupten.

Versuch auch zu verhindern, dass solch eine

Situation überhaupt entsteht. Such dir Freunde aus,

die die gleichen Grundsätze haben oder deine

Grundsätze respektieren. Wenn du zum Beispiel

zu einer Party gehst, erkundige dich, wer dort sein

wird. Geh gar nicht hin, wenn du ein ungutes Gefühl

hast oder dich gedrängt fühlst, es nicht zu tun.

Halte dein Versprechen

Nach meiner Taufe ging ich nicht mehr

auf Partys, wo es Alkohol oder Zigaretten

gab. Einmal sagten meine Freunde zu mir:

„Komm jetzt, gehen wir. Es wird schon nichts

passieren.“ Aber ich lehnte ab, denn ich hatte

versprochen, dass ich keinen Alkohol trinken, nicht rauchen

und keine Drogen nehmen würde. Sie verstanden es, denn

sie wussten, dass ich Mitglied der Kirche war, und sie wissen,

wie wichtig ein Versprechen ist.

Wir müssen nicht unseren Freunden, sondern dem Vater im

Himmel gefallen. Wenn wir das Versprechen halten, das wir

Gott bei der Taufe gegeben haben, werden wir gesegnet.

Roxana C., 19, Lima, Peru

Verpflichte dich

Ich hatte auch Angst davor, meine

Freunde zu enttäuschen. Aber dann überlegte

ich, wen ich enttäuschen würde, wenn

ich nachgab. Für mich war es am besten, die

Entscheidung zu treffen, lange bevor die Situation

entstand. Ich habe mir selbst versprochen, Nein zu

Drogen und Alkohol zu sagen. Nachdem ich ein paar Mal

Nein gesagt hatte, respektierte man die Entscheidung, die

ich getroffen hatte. Wenn mich einige Zeit später wieder

jemand fragte, ob ich Alkohol trinken wollte, sagte einer

meiner Freunde: „Nein, Calder trinkt nichts.“ Es wurde

einfacher für mich, als meine Freunde verstanden, dass ich

grundsätzlich keinen Alkohol trank.

Elder Calder, 20, Idaho-Mission Pocatello

26

Die Antworten sollen Hilfe und Ausblick geben, sind aber nicht als offizielle Lehre

der Kirche zu verstehen.


Hab den Mut, treu zu

bleiben

Vor ein paar Monaten

wurden mir Drogen

angeboten. Ich wollte

den Betreffenden nicht

beleidigen, brachte aber den Mut auf,

ihm zu sagen, dass ich kein Interesse

hatte. Ich kann gar nicht sagen, wie

dankbar ich bin, dass ich meinem

Glauben treu geblieben bin. Einige

Wochen später sagte mir der Junge,

der mir die Drogen angeboten hatte,

es habe ihn sehr beeindruckt, dass ich

für das einstand, woran ich glaubte. Er

sagte mir, er habe noch nie jemanden

kennengelernt, der das geschafft habe.

Das erfordere eine Menge Mut. Dann

sagte er noch, dass er dieses Erlebnis

nie vergessen werde.

Du kannst durch dein Beispiel für

andere ein Licht sein und sie zum Guten

beeinflussen (siehe Matthäus 5:16).

Mary T., 16, Arizona, USA

Sei standhaft und

unerschütterlich

Deine Freunde werden

dich respektieren,

wenn du Nein sagst

und deinen Grundsätzen

treu bleibst. Umgib dich mit

Freunden, die die gleichen Grundsätze

haben wie du. Sie werden dich

unterstützen, damit du standhaft und

unerschütterlich bleiben kannst.

Lindy S., 15, Utah, USA

Entscheide dich jetzt

Wenn du dich jetzt

dafür entscheidest,

niemals Drogen oder

Alkohol anzunehmen,

dann ist es viel einfacher,

sie abzulehnen. Du musst dann

nicht zweimal über deine Antwort

nachdenken. Oft werden die Menschen

deine Entscheidung respektieren,

und vielleicht hast du sogar ein

Missionserlebnis, wenn du ihnen

vom Wort der Weisheit erzählst.

Chandler H., 14, Alabama, USA

Sei mutig

Ich hatte auch

so ein Erlebnis. Ich

betete zum Vater im

Himmel. Ich las in

den heiligen Schriften,

dachte darüber nach und versuchte

mein Zeugnis zu stärken. Und als

ich dann in einer solchen Situation

war, sagte ich: „Nein danke, aber

ich trinke nicht. Ich bin ein Mitglied

der Kirche Jesu Christi der Heiligen

der Letzten Tage.“ Ich versuchte,

anderen meine Grundsätze verständlich

zu machen. Zuerst war

ich nervös, aber jetzt habe ich mich

daran gewöhnt, und ich halte weiterhin

die Gebote des Herrn. Ich

habe diese Prüfung mit der Hilfe

des Herrn überstanden, und ich

war auch gesegnet – mit Vertrauen,

Glauben, Gesundheit und hohen

Grundsätzen. Bitte sage deinen

Freunden Nein, mit Selbstvertrauen

und Mut. Wenn du bei deinen

Grundsätzen keine Kompromisse

schließt, kannst du ein leuchtendes

Beispiel sein.

Lee, M., 17, Seoul, Korea

Seid stark

DIE NÄCHSTE FRAGE

„Wie kann ich meine Freunde davon

überzeugen, dass es bei unseren

Grundsätzen um Freiheit geht und

nicht um Einschränkung?“

Schickt uns eure Antwort bis zum 15.

März 2009 an folgende Anschrift:

Liahona, Questions and Answers

3/09

50 E. North Temple St., Rm. 2420

Salt Lake City, UT 84150-0024, USA

Oder per E-Mail an:

liahona@ldschurch.org

Eure E-Mail/euer Brief muss die nachstehenden

Angaben und die Genehmigung

enthalten:

VOLLSTÄNDIGER NAME

GEBURTSDATUM

GEMEINDE (Zweig)

PFAHL (Distrikt)

Hiermit genehmige ich, dass meine

Antwort und mein Foto gedruckt

werden:

UNTERSCHRIFT

UNTERSCHRIFT DER ELTERN (falls du jünger als 18 Jahre bist)

„Ihr steht vor immensen Versuchungen. Ihr begegnet ihnen

an den Vergnügungsstätten, im Internet, im Kino,

im Fernsehen, in billiger Literatur und in anderen raffinierten,

erregenden Formen, denen man nur schwer

widerstehen kann. Der Gruppendruck kann einen fast

überwältigen. Meine lieben jungen Freunde, ihr dürft

jedoch nicht nachgeben. Ihr müsst stark bleiben. Ihr

müsst weit nach vorne blicken und dürft nicht der verführerischen Versuchung

des Augenblicks erliegen.“

Präsident Gordon B. Hinckley (1910–2008), „Ein Panier den Nationen, der Welt ein

Licht“, Liahona, November 2003, Seite 83.

Liahona Februar 2009 27


Niemand wird

es je erfahren

Illustrationen von Dan Burr

Elder Stanley G. Ellis

von den Siebzigern

Ich bin in Burley in Idaho geboren und

aufgewachsen. Mein Vater hatte dort eine

Farm und eine Ranch, sodass ich meine

Zeit damit verbrachte, im Freien zu arbeiten.

Meine Familie gehörte schon seit Generationen

der Kirche an, und ich wuchs in einer

glaubenstreuen Familie auf. Aber während

meiner Highschool-Zeit wurde mein Zeugnis

auf die Probe gestellt. Das hing mit einer Entscheidung

zusammen, die ich getroffen hatte.

Ich kannte jemanden aus unserer Highschool,

der als Austauschschüler im Ausland

gewesen war. Das klang nach einer sehr

interessanten Erfahrung, also forschte ich

nach, fand heraus, wie man Austauschschüler

werden konnte, und bewarb mich.

Ich wurde angenommen. Damals war ich

sechzehn Jahre alt. Da ich ein Jahr an einem

Deutschkurs teilgenommen hatte, dachten

ich und auch mein Berater, dass ich nach

Deutschland kommen würde. Bei diesem

Austauschprogramm wurden alle Daten des

Austauschschülers mit denen der Gastfamilie

abgestimmt und dann wurde ein Land für

ihn festgelegt.

Als ich angenommen wurde, schickte

man mich nach Brasilien, und ich stimmte

zu. Ich lebte bei einer wunderbaren Familie

in São Paulo. Sie hatte sechs Söhne und eine

Tochter, genau wie meine Familie daheim.

Glücklicherweise sprachen sie Englisch. Es

wurde eine großartige Erfahrung, auch wenn

ich nur einen Sommer lang dort war.

In dieser Zeit in Brasilien lernte ich

einige Freunde kennen, die gerade in einer

Lebensphase waren, in der sie mit allerlei

herumexperimentierten. Bald luden sie mich

ein, mit ihnen wegzugehen. Sie wollten mit

ein paar Mädchen, die sie kennengelernt

hatten, Spaß haben.

Ich war tausende Meilen von zuhause entfernt,

in einem Land, wo mich niemand außer

meiner Gastfamilie kannte. Die Freunde,

die mich einluden, sie zu begleiten, sagten

immer: „Niemand wird es je erfahren.“ In

vielerlei Hinsicht stimmte das auch. Sicherlich

würde es niemand von meiner Familie in

Amerika erfahren. Ich war ein Teenager, weit

weg von zuhause, ich hatte die Einladung,

etwas zu tun, was falsch war, und niemand

würde je davon wissen.

Aber ich wusste, dass ich es wissen

würde. Ich wusste, dass der Herr es wissen

würde, und so lehnte ich ihre Einladung ab

und blieb auch weiterhin bei meinem Nein.

Sie fragten immer wieder – sie waren wohl

sicher, dass sie mich überreden könnten. Es

war keine einmalige Herausforderung, aber

jedes Mal, wenn ich ablehnte, wurde ich entschlossener,

bei meiner Meinung zu bleiben.

Die Rechtfertigung des Satans

„Niemand wird es je erfahren“ ist eine

Rechtfertigung, die der Satan verwendet, um

uns zu schaden. Es ist eine Lüge. Ich habe

das in jenem Sommer in Brasilien selbst herausgefunden.

Wie leicht man auf diese Lüge

des Satans hereinfällt, erkennen wir daran,

wie viele Menschen sich auf so etwas wie

Die Freunde, die

mich einluden, sie

zu begleiten, sagten

immer: „Niemand

wird es je erfahren.“

Aber ich wusste,

dass ich es wissen

würde. Ich wusste,

dass der Herr es wissen

würde.

Liahona Februar 2009 29


Ich begriff, dass

wir von allen

Seiten geprüft

werden. Einige

der schwierigsten

Herausforderungen

kommen von innen

und werden tief in

unserem Herzen

und unserem Geist

ausgetragen.

Pornografie im Internet einlassen. Sie glauben,

dass niemand jemals etwas von ihrem

Tun erfahren wird. Aber eines steht fest: Sie

wissen es und Gott weiß es.

Bitte glaubt niemals, in keinem Lebensbereich,

an diese Lüge. Ich bin dankbar, dass ich

diese falsche Argumentation als das erkennen

konnte, was sie war, und nicht nachgegeben

habe. Der Heilige Geist half mir, die

Wahrheit zu erkennen. Ich verließ mich

auch darauf, dass ich wusste, was richtig

ist, weil ich es in meiner Familie gelernt

hatte. Meine Eltern hatten mich die

Wahrheit gelehrt. Ich hatte die Wahrheit

in der PV gelernt, in der Sonntagsschule,

im Aaronischen Priestertum

und im Seminar. Die Grundlage des

Evangeliums wurde

in meiner

Familie gelegt,

in meiner

Erziehung und

im Unterricht in

der Kirche.

Meine Erfahrung mit

der Versuchung, das, was ich als

Austauschschüler erlebte, kam von außerhalb,

von hartnäckigen Freunden. Das, woran

ich glaubte, wurde von außen in Frage

gestellt, aber ich konnte standhaft bleiben.

Doch als ich weitere Erfahrungen machte,

begriff ich, dass wir von allen Seiten geprüft

werden. Einige der schwierigsten Herausforderungen

kommen aus uns selbst, dann

nämlich, wenn die Versuchungen, denen wir

widerstehen müssen, tief in unserem Herzen

und unserem Geist stattfinden.

Stellt den Herrn auf die Probe

Eine dieser Herausforderungen ergab sich,

als ich beschloss, fern von zuhause einen

ehrlichen Zehnten zu zahlen. Jedes Jahr

nahm uns mein Vater mit zur Zehntenerklärung.

Er half uns immer, unseren Zehnten zu

berechnen, und dann zahlten wir ihn. In all

den Jahren, als ich aufwuchs, gewöhnte ich

mir an, den Zehnten zu zahlen. Wenn man

mich damals gefragt hätte, hätte ich gesagt,

dass ich ein Zeugnis vom Zehnten habe.

Als ich die Highschool beendete, hatte ich

die Zulassung zur Harvard-Universität erhalten,

und so arbeitete ich in diesem Sommer,

um Geld für die Ausgaben zu verdienen,

die nicht durch mein Stipendium abgedeckt

waren. Am Ende des ersten Semesters hatte

ich dummerweise schon das ganze verdiente

Geld, das eigentlich für das ganze Jahr reichen

sollte, ausgegeben.

Zu Beginn des zweiten Semesters fand ich

eine Arbeit. Ich konnte nicht sehr viel arbeiten,

weil ich Vollzeitstudent war, aber es kamen ein

paar Stunden in der Woche zusammen, und

ich bekam meinen ersten Lohnscheck. Natürlich

war es nicht sehr viel, aber ich musste damit

bis zum nächsten Lohnscheck auskommen.

Da kam mir der Gedanke: „Was ist mit

dem Zehnten?“ Ich hatte den Zehnten immer

gezahlt, aber ich hatte auch immer genug Geld

gehabt, um den Zehnten zu zahlen. Nun stand

ich vor der Herausforderung: Zahle ich meinen

Zehnten, auch wenn ich nicht weiß, ob ich genug

Geld für die nächsten zwei Wochen habe?

Als ich darüber nachdachte, fiel mir die

Schriftstelle in Maleachi3:10 ein, wo der Herr

verheißt: „Stellt mich auf die Probe damit,

spricht der Herr der Heere, und wartet, ob

ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels

öffne und Segen im Übermaß auf euch

herabschütte.“

Da erkannte ich, dass dies meine Antwort

war. Ich würde es dem Herrn überlassen. Ich

zahlte den Zehnten, obwohl ich nicht sicher

war, ob mein Geld bis zum nächsten Lohnscheck

reichen würde. Und es geschah ein

Wunder. Ich schaffte es diese zwei Wochen.

Ich erhielt eine machtvolle Bestätigung,

dass der Herr sein Wort hält. Der Herr hat

es so erfüllt, wie er es verheißen hat. Genau

wie es in den heiligen Schriften steht: Wenn

wir unseren Zehnten zahlen, dann wird er

uns segnen. Das gleiche Wunder geschah

alle zwei Wochen während des gesamten

Semesters. Vorher hatte ich geglaubt, dass

ich ein Zeugnis vom Zehnten hatte, aber jetzt

hatte ich, weil ich die richtige Entscheidung

getroffen hatte, ein machtvolles Zeugnis vom

30


Ich zahlte den Zehnten, obwohl ich nicht

sicher war, ob mein Geld bis zum nächsten

Lohnscheck reichen würde. Und es

geschah ein Wunder. Ich schaffte es diese

zwei Wochen.

Zehnten. Der Herr tut immer, was er sagt, und so wuchs

mein Zeugnis auch weiterhin Schritt für Schritt.

Glaubt dem Herrn

Ich möchte euch ermuntern, den Herrn beim Wort zu

nehmen – jetzt, als Teenager, während ihr euer eigenes

Zeugnis entwickelt. Wenn der Herr etwas verspricht, dann

können wir uns darauf verlassen, denn – so steht es in der

Schrift – Gott kann nicht lügen. Der Herr hält sein Wort.

Wenn der Herr etwas verheißt, sei es durch seinen Propheten

oder direkt durch seine heiligen Schriften, dann

können wir uns darauf verlassen.

In den heiligen Schriften werden wir ermutigt, uns an

den Herrn zu wenden. „Bittet, und ihr werdet empfangen;

klopfet an, und es wird euch aufgetan werden; denn wer

bittet, der empfängt, und wer anklopft, dem wird aufgetan

werden.“ (3 Nephi 27:29.)

Durch diese und andere Erlebnisse erkannte ich,

dass diese Schriftstelle wahr ist. Der Vater im Himmel

ist immer für uns da. Ob nun unsere Herausforderung

von außen an uns herangetragen wird oder von innen

kommt – sein Plan, seine heiligen Schriften, seine Liebe

und der Heilige Geist, den er uns geschenkt hat, werden

uns begleiten. ◼

Liahona Februar 2009 31


Wir lehren im

Kindergarten,

wir lehren zuhause

Margaret S. Lifferth

Erste Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft

Der neue Leitfaden

für den Kindergarten

zeichnet sich durch

vieles aus, unter

anderem auch durch

Aktivitäten, die den

Kindern in diesem

Alter helfen, durch

Sehen, Hören und

Tun Evangeliumswahrheiten

zu

lernen.

Charlie, 20 Monate alt, macht es offenbar

Spaß, zuhause etwas über das Evangelium

zu erfahren. Er kann auf ein Bild

des Erlösers zeigen und „Jesus“ sagen. Im

PV-Kindergarten jedoch, wo er auch etwas

über Jesus erfährt, ist er immer noch ein

wenig schüchtern.

Sam ist fast drei Jahre alt und fühlt sich

wohl im Kindergarten. Er hat dort schon

verschiedene PV-Lieder gelernt und singt sie

gern beim Familienabend. Als seine Großmutter

einmal mit ihm sang, war sie sehr

überrascht, dass Sam mindestens ein Dutzend

Lieder auswendig singen konnte.

Beide, Charlie und Sam, machen in der

Kindergartenklasse ihre ersten Erfahrungen in

der Kirche. Hier können Kinder im Alter von

achtzehn Monaten bis drei Jahren mehr über

das Evangelium erfahren. Der neue Leitfaden

für den Kindergarten, Seht eure Kleinen, ist

sowohl für die Lehrerinnen im Kindergarten

als auch für die Eltern zuhause eine wunderbare

Hilfsquelle, um Kindern grundlegende

Evangeliumswahrheiten zu vermitteln.

Ein flexibles Werkzeug für den Unterricht

Kinder in diesem Alter sind bereits in der

Lage, einfache, aber grundlegende Evangeliumsgrundsätze

zu verstehen, wie etwa, dass

es den himmlischen Vater und Jesus wirklich

gibt und dass sie uns lieb haben, oder die

Liebe in der Familie, die Kraft des Gebets, die

Wahrheit der ersten Vision und die Schönheit

von Gottes Schöpfung.

Sie sind aktiv, brauchen Liebe und Zuwendung,

haben nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne,

lernen gerade zu sprechen und haben

Spaß an vielen verschiedenen Aktivitäten. Sie

lernen eigentlich immer. Präsident Thomas

S. Monson hat einen bekannten Arzt zitiert,

der sagte: „Am meisten nimmt der Mensch im

Alter von zwei oder drei Jahren auf.“ 1

Während der Kindergartenzeit freuen sich

die Kinder an Aktivitäten mit Musik, am Spielen,

an einem kleinen Imbiss und an einer

Lektion, in der sie die grundlegenden Lehren

des Evangeliums lernen. Die Lektionen im

neuen Leitfaden für den Kindergarten sind

flexibel gestaltet und entsprechen den Bedürfnissen

dieser Altersgruppe. Jede Lektion

beginnt mit einer Einleitung für die

Lehrerin. Darin wird kurz erklärt,

welcher Grundsatz gelehrt wird;

außerdem sind Schriftstellen

angegeben. Zur Lektion

gehören auch Tipps für den

Unterricht, damit Eltern

und Lehrerinnen wissen,

was sie von Kindern

in diesem Alter schon

erwarten können und

wie man den Unterricht den Bedürfnissen

der Kinder anpasst. Auch unterschiedliche

Lernaktivitäten sind Teil der Lektion: die

32


Links: Foto von Busath Photography; rechts: Zeit für eine Geschichte, Gemälde von Del Parson; Fotos von Christina Smith; Zeichnungen von Beth Whitaker

Mit Hilfe des Leitfadens

Seht eure Kleinen können

Kindergartenlehrerinnen

und Eltern kleinen

Kindern grundlegende

Evangeliumswahrheiten

vermitteln.

Adam und Eva Noach Mose

Zu jeder Lektion

gehören zwei Seiten

visuelle Hilfsmittel, die

die dargestellte Lehre

vertiefen sollen.

Liahona Februar 2009 33


Kinder hören etwas über die Lehre, sehen

etwas dazu, singen ein Lied dazu, machen

Bewegungen dazu und sagen etwas dazu.

Die Lehrerin im Kindergarten oder die Eltern

können die Lektionen in beliebiger Reihenfolge

durchnehmen, so wie der Geist sie leitet. Damit

das Gelernte vertieft wird, kann man Lektionen

und Aktivitäten innerhalb der Kindergartenzeit

wiederholen oder auch in den darauffolgenden

Wochen, entsprechend den Bedürfnissen und

dem Interesse der Kinder.

Die freigestellten Aktivitäten können zu

beliebiger Zeit und beliebig oft durchgeführt

werden. Alle visuellen Hilfsmittel und Aktivitäten

sind im Leitfaden enthalten.

Tipps für den Unterricht zeigen den Eltern

und Lehrerinnen auf, wie sie die Lektion

den Bedürfnissen der Kinder anpassen

können.

Erfolgsberichte

Als der Leitfaden für den Kindergarten

entwickelt wurde, testeten Kindergartenlehrerinnen

überall auf der Welt die Lektionen.

Von ihnen kamen viele gute Vorschläge, die

in den Leitfaden aufgenommen wurden.

Aus dem Pfahl Cape Coast in Ghana

schrieb eine Kindergartenlehrerin: „Als

ich die Lektionen ausprobiert habe,

habe ich viel über das Unterrichten

gelernt. Die Kinder hatten Interesse

an den Geschichten, beantworteten

Fragen und malten die Bilder aus. Sie

hatten große Freude daran.“ Eine PV-

Leiterin aus Scranton in Pennsylvania

schrieb: „Wir sind

ein kleiner Zweig und wir

haben nicht immer eine

Lehrerin. Diese Lektionen

können in sehr kurzer Zeit

vorbereitet werden und dennoch

sehr wirkungsvoll für die

Kinder sein.“

Im Pfahl Los Teques in Caracas in Venezuela

begrüßte es eine Leiterin, dass die Lektionen

dem Lehrer genügend Freiraum lassen,

sie so zu gestalten, wie der Geist es eingibt.

„Die Kinder mochten die Fingerpuppen

sehr“, schrieb eine Leiterin aus West Jordan

Oben links: Illustration von Jerry Thompson; ganz rechts: Christus und die Kinder im Buch Mormon, Gemälde von Del Parson

34


in Utah. „Jedes Kind durfte eine Geschichte

erzählen und dabei seine eigenen Puppen

verwenden. Sie haben das so gut gemacht,

dass ich glaube, dass sie es auch zu Hause

beim Familienabend tun können.“ Sie fügte

hinzu: „Die Tipps für den Unterricht fand ich

auch sehr hilfreich.“

Für Eltern und Kindergartenlehrerinnen

Es ist sowohl für Eltern als auch für die

Lehrerinnen in der PV eine besondere

Aufgabe, die ihnen anvertrauten Kinder im

Kindergartenalter zu umsorgen und zu unterrichten.

Diese Kinder sind fähig zu lernen

und voller Glauben. Sie sind schnell bereit zu

glauben, sie wollen lernen und machen gern

bei Bewegungsspielen und sonstigen Aktivitäten

mit. In einer liebevollen Atmosphäre

und im Licht des Evangeliums blühen sie auf.

Der neue Leitfaden für den Kindergarten

ist, verbunden mit Inspiration und Zeugnis,

für Eltern und Lehrerinnen in aller Welt

eine große Hilfe, um kleinen Kindern,

wie Charlie und Sam, das Evangelium

Jesu Christi nahezubringen. ◼

In einer liebevollen Atmosphäre

und im Licht des

Evangeliums blühen Kinder

im Kindergartenalter auf.

Kindergarten

Seht eure

Kleinen!

Anmerkung

1. Glenn J. Doman, zitiert von Thomas S. Monson,

„Beständige Wahrheit für wechselhafte Zeiten“,

Liahona, Mai 2005, Seite 19

Seht eure Kleinen!

Eltern können den Leitfaden

(Artikelnr. 37108 150) erwerben,

um ihn beim Familienabend

zu verwenden und um mehr darüber

zu erfahren, wie man kleine

Kinder am besten unterrichtet.

Liahona FEBRUAR 2009 35


Eine gut

funktionierende Familie

James D. MacArthur, PH.D.

Leiter der Berufsberatungsstelle an der

Brigham-Young-Universität

Ich erinnere mich, dass ich als junger Vater im Buch

Lehre und Bündnisse 93:40 die Stelle las, wo der Herr

sagt: „Ich aber habe euch geboten, eure Kinder in

Licht und Wahrheit aufzuziehen.“ Ich fragte mich: „Wie

soll ich das denn machen?“ Ich hatte oft gehört, dass

Leute über nicht funktionierende Familien sprachen, aber

ich wollte eine gut funktionierende Familie haben. Was

also ist eine gut funktionierende Familie?

Die Menschen scheinen zu glauben, dass in einer gut

funktionierenden Familie alle perfekt miteinander auskommen

und gemeinsam ihre Probleme perfekt lösen. Tatsache

ist natürlich, dass mit einer „gut funktionierenden“ Familie

keine perfekte Familie gemeint ist. Für alle Familien

bedeutet es eine Herausforderung, dass in einer Familie

ganz unterschiedliche Persönlichkeiten zusammenkommen.

In einer gut funktionierenden Familie erkennen die

Familienmitglieder aber, dass sie Schwächen haben, und

sie arbeiten daran, ihre Beziehung trotz ihrer Schwächen

zu verbessern. Tatsächlich ist jeder in der Familie glücklicher,

wenn sich alle bemühen, Evangeliumsgrundsätze in

ihrem Leben anzuwenden, um persönliche Beziehungen

und die Familienbeziehungen zu verbessern.

In den vielen Jahren, in denen ich als professioneller

Berater mit Ehepaaren und Familien gearbeitet habe,

habe ich einige Grundsätze gelernt, die meiner Meinung

nach dazu beitragen, dass eine Familie gut funktioniert.

In diesem Artikel werden einige davon besprochen; vielleicht

fallen Ihnen noch weitere ein. Wenn sie sich diese

Grundsätze durchlesen, nehmen Sie sich einen Moment

Zeit, um darüber nachzudenken, wie sie sie auf Ihre

Familie beziehen können.

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In einer gut funktionierenden Familie konzentrieren

die Eltern ihre Energie darauf, ihre Kinder

richtige Grundsätze zu lehren und ihnen zu erlauben,

ihre Entscheidungsfreiheit auszuüben. Als Vater und

als Großvater habe ich all meine Gedanken und meine

Mühen darauf verwandt, so viel Liebe, Anleitung, Zeit,

Sorge, Hilfe, Führung und Aufmerksamkeit wie möglich

aufzubringen, um meine Kinder und Enkelkinder richtige

Grundsätze zu lehren. Das heißt auch, ihnen klarzumachen,

dass Entscheidungen sowohl gute als auch schlechte Konsequenzen

haben.

Manchmal geraten wir als Eltern in die Rolle eines

Chefs und versuchen unsere Kinder zu kontrollieren,

weil wir ein von uns gewünschtes Ergebnis erwarten. Die

Schwierigkeit dabei ist, dass Kinder sich gegen Zwang und

Druck wehren, besonders, wenn sie älter werden. Wir sind

dann erfolgreicher, wenn wir uns weniger wie ein Chef

verhalten und mehr wie ein Trainer, ein Berater oder ein

Vorbild. Das bedeutet, dass wir unseren Kindern richtige

Grundsätze beibringen und ihnen dann, wenn ihre Reife

und Erfahrung es erlauben, mehr Freiraum geben, um

Entscheidungen zu treffen und die Folgen zu tragen.

Eine der besten Möglichkeiten, wie Eltern ihre Familie

stärken können, ist, jede Woche eine Zeit festzusetzen, in

der darüber gesprochen wird, wie es der Familie geht. Ich

nenne es „Familienbesprechung“. Wenn Sie diese Familienbesprechung

einrichten, dann verpflichten Sie und Ihr

Ehepartner sich dazu, regelmäßig über die Bedürfnisse

Ihrer Familie nachzudenken. Sie schaffen damit auch Zeit

zu überlegen, was Sie und Ihre Familie ändern müssen.

Wenn Sie alleinerziehend sind, dann können Sie jede

Woche eine Zeit festlegen, in der Sie über Ihre Kinder

nachdenken und beten.

Sich bewusst auf Ihre Familie zu konzentrieren bedeutet

auch, dass Sie darüber nachdenken, welche Auswirkungen

das, was Sie Ihren Kindern sagen oder nicht sagen,

hat. Schon von der Geburt Ihrer Kinder an senden Sie

Was ist eine gut funktionierende Familie?

Eine Familie, deren Mitglieder, wenn

Schwierigkeiten auftreten, gemeinsam daran

arbeiten, ihre Beziehung zu verbessern.

Links: Foto von Matthew Reier; rechts: Foto von Jan Friis, © Henrik Als

In einer gut funktionierenden Familie stärken

die Eltern ihre Kinder bewusst. Das bedeutet, dass

Sie regelmäßig und im Stillen über die Bedürfnisse eines

jeden Kindes nachdenken und sie den allgemeinen

Bedürfnissen der Familie gegenüberstellen. Viele von

uns sind nur damit beschäftigt, auf die Herausforderungen

des Lebens zu reagieren. Volle Terminkalender

und die Anforderungen des täglichen Lebens können

es erschweren, dass Sie bewusst entscheiden, wie Sie

Ihr Leben einrichten wollen und wie Sie auf die Bedürfnisse

und Ansprüche Ihrer Familie eingehen sollen. Das

bedeutet, dass nicht Sie selbst, sondern die Umstände,

andere Menschen oder alte Gewohnheiten am Ende

darüber bestimmen, wie Sie in einer Situation reagieren.

Natürlich gerät man durch solche Reaktionen oft in

unangenehme Situationen, in denen man sich nicht von

der besten Seite zeigt.

als Eltern ihnen Signale, was Sie für sie empfinden. Zu

diesen Signalen gehören Ihre Worte, Ihre Taten und Ihre

Einstellung, ob Sie das beabsichtigen oder nicht. Alle diese

Signale prägen das Selbstbild Ihrer Kinder.

Ein unbeabsichtigtes, aber oft schädliches Signal

wäre beispielsweise, ein Kind zu ignorieren oder

ungeduldig mit ihm zu sein. Wenn Sie zu beschäftigt

sind, um Zeit mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter

zu verbringen, dann senden Sie vielleicht das Signal

aus: „Du bist mir nicht sehr wichtig.“ Aber denken Sie

daran: Manchmal können Sie nichts daran ändern, dass

Sie beschäftigt sind – also machen Sie sich nicht allzu

verrückt deswegen. Denken Sie einfach daran, dass es

wichtig ist, bewusst positive Signale auszusenden, um

Ihre Kinder aufzubauen, und werten Sie immer wieder

einmal die Signale aus, die Sie senden, damit Sie gegebenenfalls

etwas ändern können.

Liahona Februar 2009 37


Welche Signale möchten Sie ihren Kindern bewusst

senden? Möchten Sie sie wissen lassen, dass Sie sie lieben

und an sie denken? Wenn Sie es sich im Voraus vornehmen,

können Sie oft positive Signale aussenden, auch

wenn es schwierig zu sein scheint. Ein Beispiel: Nehmen

wir an, Sie müssen jeden Tag zur Arbeit, bevor Ihre Kinder

aufwachen. Überlegen Sie, wie überrascht und glücklich

Ihr Kind wäre, wenn Sie einen kleinen bunten Zettel an

das Fußende seines Bettes kleben, sodass dieser Zettel

das Erste ist, was Ihr Kind beim Aufwachen sieht. Auf dem

Zettel könnte etwa stehen: „Hallo! Papa hat dich lieb! Wir

sehen uns beim Abendessen. Wenn ich heimkomme, spielen

wir miteinander!“ Ein solches Signal kann eine anhaltende,

machtvolle positive Wirkung haben.

In einer gut funktionierenden Familie sind Beziehungen

von größter Bedeutung. Man tut gut daran,

regelmäßig zu prüfen, wie der Zustand jeder Beziehung in

der Familie ist. Sie wissen nie, ob ein Kind nicht vielleicht

ein ganz konkretes, nicht erfülltes Bedürfnis hat, über das

es aus irgendeinem Grund nie mit Ihnen gesprochen hat.

Wenn Sie aufmerksam zuhören und für den Geist empfänglich

sind, können Sie leichter wahrnehmen, wie es

Ihren Kindern geht und was ihre Bedürfnisse sind.

Natürlich wirft das eine Frage auf: Wenn Sie feststellen,

dass jemand in Ihrer Familie in der Beziehung zu Ihnen

oder einem anderen Hilfe braucht, wie können Sie da

etwas verbessern? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass

eine Beziehung normalerweise nicht zufällig besser wird,

sondern nur dann, wenn wir diesem Ziel höchste Aufmerksamkeit

widmen.

Versuchen Sie ganz offenkundig, Zeit in die Beziehung

zu investieren. Vielleicht hilft Ihnen einiges von dem

weiter, was ich ausprobiert habe: Reden Sie miteinander,

spielen Sie miteinander, verbringen Sie Zeit zu zweit,

schreiben Sie Briefe, Karten oder kleine Zettel, um Ihre

Zuneigung auszudrücken, machen Sie Komplimente,

tun Sie etwas Lustiges oder Unerwartetes, sagen Sie: „Ich

hab dich lieb“, hören Sie dem anderen zu, bitten Sie ihn,

Ihnen bei einem Projekt zu helfen, sprechen Sie über Ihre

Gefühle. All das erfordert, dass Sie sich persönlich mit

dem befassen, was der andere tut. Sprechen Sie dann mit

Ihrem Ehepartner bei der Familienbesprechung über Ihre

Bemühungen. Sie werden vielleicht überrascht sein, wie

weitreichend Ihr positiver Einfluss sein kann.

In einer gut funktionierenden Familie sind die

Eltern aktive Lehrer. Ein ausgezeichnetes Beispiel von

Eltern, die gute Lehrer waren, sind Adam und Eva. Zum

Beispiel: „Adam und Eva … taten alles ihren Söhnen und

ihren Töchtern kund.“ (Mose 5:12.) Sie lehrten ihre Kinder

Grundsätze des Evangeliums – wie den Erlösungsplan –

und wie wichtig es ist, die Gebote zu halten, und welche

Segnungen daraus resultieren. Auch wir haben diese Verantwortung.

Wir müssen unsere Kinder nicht nur Fertigkeiten

lehren, die sie im Leben brauchen, sondern auch das

Evangelium. Wenn wir die geistige Erziehung unserer Kinder

dem Zufall überlassen oder jemand anderem, gehen

wir das Risiko ein, dass sie nicht das lernen, was ihnen das

wahre Glück bringt.

Das heißt, dass wir überlegen müssen, was wir lehren

und wie wir lehren. Sie könnten zum Beispiel bei der Familienbesprechung

fragen: „Was wollen wir unsere Kinder

in den nächsten paar Monaten lehren? Wie, wann und wo

wollen wir das tun?“ Vielleicht schreiben Sie die Antworten

als Familienziele auf und hängen sie gut sichtbar auf,

damit Sie daran denken. Dann machen Sie Ihre Ziele wahr.

Was könnten Sie sonst noch lehren? Alles, was Ihre Kinder

Ihrer Meinung nach lernen sollten. Zu den Themen gehören

Höflichkeit, Ehrlichkeit, Gebet, Schriftstudium, Finanzen und

wie man schuldenfrei wird, gegenseitiger Respekt in der

Familie, wie man seine Zeit sinnvoll nutzt, wie man mit Zorn

umgeht, wie wichtig eine Ausbildung ist und die Notwendigkeit,

dass jeder zuhause seine Aufgaben erfüllt.

Erfolgreich gelehrt wird auch außerhalb der üblichen,

formalen Lehrsituationen. Indirekt lehren Sie dann, wenn

Sie lehren, ohne Worte zu verwenden. Sie müssen nicht

einmal anwesend sein, wenn das „Lehren“ stattfindet!

Zum Beispiel: Ich hänge Bilder auf, die für Eigenschaften

stehen, über die meine Kinder nachdenken sollen,

wie etwa ein Bild von Pionieren unterwegs in einem

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Schneesturm, um zu zeigen, dass man nicht aufgibt, wenn

es schwierig wird. Wir haben auch 29 Porträts unserer

Enkelkinder auf dem Kaminsims unseres Wohnzimmers

stehen. Obwohl wir diese Bilder nicht beschriftet haben,

sind sie oft Gesprächsgegenstand. Niemand kann sie

übersehen. Die Bilder senden das Signal aus, dass unsere

Enkelkinder ein wichtiger Teil unserer Familie sind.

In einer gut funktionierenden Familie lehren

Eltern durch ihr Beispiel. Kinder passen immer auf

und beobachten unser Verhalten, ob wir es merken oder

nicht. In meiner Rolle als Vater überdenke ich regelmäßig

mein Verhalten und frage mich: „Kann ich meinen Kindern

empfehlen, sowohl in der Öffentlichkeit als auch privat

meinem Beispiel zu folgen?“ Wenn die Antwort nein ist,

muss ich etwas ändern.

Hier sind einige Fragen, die ich mir gestellt habe:

• Möchte ich, dass meine Kinder geduldig sind? Ja, deshalb

versuche ich so geduldig mit ihnen zu sein, wie

ich kann.

• Möchte ich, dass meine Kinder entspannt sind, Spaß

haben und das Leben genießen können? Ja, weil ich

glaube, dass diese Eigenschaften notwendig sind, um

Lehren Sie Ihre Kinder richtige Grundsätze durch

Ihr Wort, Ihr Beispiel und durch den Geist, wenn

Sie ihnen Zeugnis geben.

Links: Foto von Jan Friis, © Henrik Als: rechts Foto von Matthew Reier

gesunde und glückliche Beziehungen aufzubauen.

Ich versuche so oft ich kann, Spaß mit meinen Kindern

zu haben.

• Möchte ich, dass meine Kinder die heiligen Schriften

und gute Bücher lesen? Ja, deshalb sorge ich dafür, dass

sie mich lesen sehen, und ich lese ihnen vor.

• Möchte ich, dass meinen Kindern etwas an Familienbeziehungen

liegt? Ja, deshalb küsse und umarme ich

sie, lächle sie an, höre ihnen zu, spiele mit ihnen und

erzähle ihnen persönliche Erlebnisse.

Denken Sie daran, dass unsere Kinder von ihren Eltern

erwarten, dass sie Beispiel geben; dass sie jemand sind,

der sowohl in persönlichen als auch in geistigen Belangen

ganz klar die Richtung kennt. Wir als Eltern müssen so

leben, dass wir immer würdig sind, die Führung des Heiligen

Geistes zu haben, besonders dann, wenn schwierige

Zeiten kommen.

Schließlich lehren Eltern in einer gut funktionierenden

Familie ihre Kinder, an den Vater im Himmel

und an den Herrn Jesus Christus zu glauben. Dieser

Glaube errichtet ein sicheres und solides Fundament für

das Familienleben, das auf keine andere Weise erreicht

werden kann. Das ist auch ein Gebot unseres Vaters im

Himmel. In Bezug auf unsere Pflicht unseren Kindern

gegenüber sagte König Benjamin: „Ihr werdet sie vielmehr

lehren, auf den Wegen der Wahrheit und Ernsthaftigkeit

zu wandeln; ihr werdet sie lehren, einander zu lieben und

einander zu dienen.“ (Mosia 4:15.)

Vielleicht ist das Wichtigste, was wir im Leben tun werden,

unsere Familie zu lehren, Glauben an Jesus Christus

und seine Lehren zu haben und die Gebote zu halten. In der

Proklamation zur Familie lesen wir: „Ein glückliches Familienleben

kann am ehesten erreicht werden, wenn die Lehren

des Herrn Jesus Christus seine Grundlage sind.“ 1 Lehren Sie

Ihre Kinder richtige Grundsätze durch Ihr Wort, Ihr Beispiel

und durch den Geist, wenn Sie ihnen Zeugnis geben.

Vergessen Sie nicht, mit sich selbst und mit den Mitgliedern

Ihrer Familie geduldig zu sein. Beziehungen werden

normalerweise schrittweise besser, nicht über Nacht. Sie

zu stärken erfordert Zeit und Mühe. Wenn Sie sich jedoch

darum bemühen, auf der Grundlage der Lehren unseres

himmlischen Vaters und Jesu Christi und des wiederhergestellten

Evangeliums eine gut funktionierende Familie zu

haben, dann bieten Sie Ihrer Familie die beste Möglichkeit,

enger zusammenzuwachsen und sich allen Herausforderungen

mit mehr Harmonie und Freude zu stellen. ◼

Anmerkung

1. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, Oktober

2004, Seite 49

Liahona Februar 2009 39


Generationen

Ob du ein neues Mitglied bist oder ob deine

Familie schon seit vielen Jahren in der

Kirche ist – junge Heilige der Letzten Tage

aus Guadeloupe können dir erzählen,

dass man stark wird, wenn man nach dem

Evangelium lebt.

Richard M. Romney

Zeitschriften der Kirche

Coralie „Coco“ Gamiette, 12, hat viele Lieblingsplätze,

die sie öfter besucht, und einer davon ist ein Wasserfall.

Er heißt: la Cascade aux Écrevisses. Das ist

der Ort, wo viele der ersten Mitglieder der Kirche auf der

Antilleninsel Guadeloupe getauft wurden.

Coco sagt, dass der Wasserfall sie an einen Ort im Buch

Mormon erinnert: die Wasser Mormon, die als „eine Quelle

reinen Wassers“ mit einem „Dickicht von kleinen Bäumen“

beschrieben werden. Dort wurden 450 Menschen getauft,

die glaubten, was Alma lehrte (siehe Mosia 18).

Natürlich werden heute in Guadeloupe, wie fast überall

in der Kirche, Taufen in einem Taufbecken im Gemeindehaus

vollzogen. Aber für Coco ist la Cascade trotzdem ein

schöner Ort für ein Picknick, um im Bach zu waten und

im kühlen Schatten zu sitzen und darüber nachzudenken,

wie tief die Kirche in ihrer eigenen Familie verwurzelt ist.

Liebesgrüße aus Frankreich

Diese Wurzeln haben eine ziemlich lange Geschichte,

die zwanzig Jahre zurückreicht und in der Stadt Angoulême

in Frankreich beginnt. Dort wurden Vollzeitmissionare

zu einem Mann namens Michel Menardin geleitet,

der aus Guadeloupe, einem Übersee-Departement von

Frankreich, gekommen war, um seinen Militärdienst zu

leisten. Michel nahm das Evangelium an und ließ sich

taufen und konfirmieren.

Im selben Jahr und in derselben Stadt warfen die

Missionare eine Broschüre in einen Briefkasten. Diese

Broschüre weckte das Interesse einer alleinerziehenden

Mutter, Claudine, und ihrer 19-jährigen Tochter Delphine.

Beide erlangten ein Zeugnis und ließen sich ebenfalls

taufen und konfirmieren.

Fotos von Richard M. Romney

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Michel und Claudine lernten sich in der Kirche kennen,

stellten fest, dass sie füreinander bestimmt waren, und heirateten

(es sind Cocos Großeltern). Michels Mutter Marthé

kam zur Hochzeit nach Angoulême, lernte dort die Kirche

kennen und ließ sich taufen.

Später wurde Delphine auf eine Mission nach Seattle

im Bundesstaat Washington berufen. Während sie dort

diente, zogen ihre Eltern und ihre Großmutter zurück

nach Guadeloupe. Nach ihrer Mission besuchte Delphine

sie, und dort, in Guadeloupe, lernte sie Claude Gamiette

kennen, der kurze Zeit zuvor aus der Florida-Mission

Jacksonville zurückgekehrt war. Er war Ratgeber von

Delphines Stiefvater in der Zweigpräsidentschaft. Die beiden

jungen Leute gingen miteinander aus und heirateten

kurze Zeit später. Claude und Delphine sind Cocos Eltern.

Heute, vierzehn Jahre und fünf Kinder später, ist Claude,

dessen Familie schon seit Jahren der Kirche angehört,

Präsident des Distrikts Basse-Terre in Guadeloupe.

Ein heiliger Ort

Die Wasser Mormon waren für diejenigen, die Alma dort

belehrte und taufte, ein heiliger Ort. „Ja, der Ort Mormon, die

Wasser Mormon, der Wald Mormon – wie schön sind sie in den

Augen derer, die dort zur Erkenntnis ihres Erlösers gekommen

sind; ja, und wie gesegnet sind sie, denn sie werden ihm zum

Preis singen immerdar.“ (Mosia 18:30.)

Hast du einen Lieblingsort, der dich an einen Ort in den

heiligen Schriften erinnert?

Liahona Februar 2009 41


Oben, von oben:

Die Seminarschüler

Luidgia, Travis, Eole

und Leslie (gegenüberliegende

Seite) haben

Freude daran, gemeinsam

das Evangelium

zu lernen. Coco (vorherige

Seite) weiß, dass

das Evangelium ihre

Familie stärkt.

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Und damit ist Coco eine

Heilige der Letzten Tage in der

vierten Generation. „Ich bin

in der Kirche aufgewachsen“,

sagt sie. „Ich habe mein ganzes

Leben davon gehört, habe die

PV besucht und bin jetzt bei

den Jungen Damen, und ich

habe gehört, wie meine Eltern,

deren Eltern und deren Eltern

ihr Zeugnis gaben. Ich habe

immer gewusst, dass das Evangelium

wahr ist. Wenn ich in

Mosia lese, was die Gläubigen

versprochen haben, als Alma sie

taufte, dann finde ich darin das,

was ich mein ganzes Leben lang

gesehen und gefühlt habe.“

Coco erinnert sich, dass ihre

Urgroßmutter gesagt hat, dass

zu einer Familie mehr gehört

als nur die Eltern und ihre

Kinder. „Sie sagt, Familien reichen

über Generationen, von

Ewigkeit zu Ewigkeit“, sagt

Coco. „Das sehe ich in meiner

Familie.“

Eins nach dem anderen,

Tag für Tag

An einem anderen Ort auf

der Insel, in der Hauptstadt

Basse-Terre, sind Luidgia Duflo

(13) und ihre Schwester Stella

(17) die zweite Generation in

der Kirche. Sie schlossen sich

vor zwei Jahren der Kirche an,

zur selben Zeit wie ihre ältere

Schwester, ihr jüngerer Bruder

und ihre Eltern. Sie finden,

dass sie durch das Evangelium

gelernt haben, ihre Mutter und

ihren Vater zu ehren. Sie mögen

besonders gern den Familienabend,

den sie in ihrer Wohnung

abhalten, die über dem

kleinen Geschäft ihres Vaters liegt. Er verkauft Haushaltswaren,

Zucker, Gewürze, Süßigkeiten und Tiernahrung.

Am liebsten sprechen sie mit ihm in seinem Büro im

hinteren Teil des Ladens. Dort hängen an der Wand Fotos

von verschiedenen Tempeln der Kirche Jesu Christi der

Heiligen der Letzten Tage.

„Die Bilder ermöglichen ihm, ein wenig Missionsarbeit

zu tun, wenn Menschen geschäftlich zu ihm kommen. Oft

fragen sie, was das für Gebäude sind“, erklärt Stella. „Aber

ich glaube, sie erinnern ihn auch jeden Tag an seine ewigen

Bündnisse und Ziele; bei uns ist es jedenfalls so. Wir

sollen uns darauf vorbereiten, in den Tempel zu gehen.

Vater erinnert uns ständig daran.“

Familie Duflo sieht eine rosige Zukunft vor sich. „Die

Kirche wird in Guadeloupe weiter wachsen und gedeihen“,

sagt Stella. „Wir müssen nur unseren Teil tun, eins

nach dem anderen, Tag für Tag. Wir müssen dem Herrn in

allem vertrauen und so oft wir können mit anderen über

das Evangelium sprechen.“

Das Seminar und Goliat

Eole Montredon (15) kommt an jedem Schultag morgens

zum Seminar, obwohl sie noch kein Mitglied der

Kirche ist. „In gewisser Hinsicht“, erklärt sie, „ist es so,

als wäre ich schon mein ganzes Leben ein Mitglied der

Kirche, denn ich bin im Umfeld der Kirche groß geworden

und kenne das Evangelium.“

Sie sagt, dass sie sehr gerne zum Seminar geht, weil

„es für uns junge Leute gut ist, uns gemeinsam mit den

heiligen Schriften zu befassen, auch wenn wir schon vor

Sonnenaufgang aufstehen müssen, um hierher zu kommen.“

Das Seminar beginnt um 6:00 Uhr, deshalb steht

sie um 5:00 Uhr auf. „Einige meiner Freunde denken,

dass ich verrückt bin, aber wenn ich dann erkläre, was

wir tun, finden sie, dass es vernünftig klingt. Außerdem

verspüre ich den Heiligen Geist, wenn ich dort bin. Das

ist ein gutes Gefühl, an das ich mich den ganzen Tag

erinnere.“

Eine ihrer Lieblingsgeschichten aus der Bibel ist die

Geschichte von David und Goliat. Sie sagt, dass ihr das

Wissen, dass der Herr kleinen Menschen hilft, große Probleme

zu überwinden, Mut macht – steht sie doch selbst

vor einer Schwierigkeit, die ihr manchmal so groß wie Goliat

erscheint. Ihre Eltern leben getrennt, und obwohl ihre

Mutter ein aktives Mitglied ist und sich sehr freuen würde,

wenn Eole eine Heilige der Letzten Tage wird, besteht ihr


Vater darauf, dass sie wartet. Und so wartet sie, um ihrem

Vater zu gehorchen, lebt geduldig nach dem Evangelium

und betet dafür, dass er eines Tages seine Meinung ändert.

„Wenn ich der Jugend der Kirche eine Botschaft senden

könnte“, so Eole, „würde ich ihnen sagen, dass sie jeden

Wochentag zum Seminar gehen sollen und jeden Sonntag

in die Kirche, denn je mehr man tut, umso mehr erkennt

man, wie gut es ist und wie stark es einen macht.“ Auch

wenn Eole nicht auf mehrere Generationen in der Kirche

zurückblicken kann – noch nicht –, weiß sie doch, dass sie

schon heute daran arbeiten kann, ein Erbe aufzubauen für

die Generationen, die nach ihr kommen. „Ich weiß, dass

ich jetzt damit anfangen muss“, sagt sie, „und wenn ich

treu bleibe, dann wird viel Gutes geschehen.“

Erholung am frühen Morgen

Auch bei der frühmorgendlichen Seminarklasse in

Abymes erkennt man den gleichen Wunsch: mit der Zeit

Stärke zu entwickeln. Die Schüler messen sich in einer

Schriftstellenjagd. Sie zeichnen auch gerne etwas an die

Tafel. Stellt der Lehrer eine Frage, melden sich gleich mehrere

Schüler.

„Das Seminar hilft uns, Gott besser kennenzulernen“,

sagt Travis Devarre (14). „Es hilft uns auch, uns vorzubereiten,

damit wir jetzt Missionsarbeit tun können und später

für eine Vollzeitmission bereit sind. Du lernst, wenn du

dich mit dem Wort Gottes beschäftigst, und dann kommst

du hellwach in die Schule, den Kopf voller guter Gedanken.

Es erneuert dich.“

Erneuert bedeutet unter anderem „geistig

wiedergeboren oder bekehrt“. Es kann auch

bedeuten „wiederhergestellt zu einem besseren,

höheren oder würdigeren Zustand“. Travis sagt,

dass ihn auch der Dienst im Priestertum erneuert.

„Dieser Dienst ist für mich und meine Familie ein

Segen, denn so habe ich die Möglichkeit, meinen

Mitmenschen zu helfen, auch meiner Familie. Das

macht mich sehr glücklich.“

„Wenn wir auf den himmlischen Vater vertrauen,

können wir gesegnet werden“, sagt Leslie

Amoussouga (15). „Wir wissen, dass er uns immer

einen Weg bereitet. Wenn wir nicht zweifeln,

wenn wir glauben und die Gebote halten, dann

bringt er Sonne in unser Herz.“ Mit anderen

Worten: Er wird uns helfen, uns zu erneuern, von

Generation zu Generation. ◼

Wa r u m L e s l i e z u m

Seminar geht

Mir gefällt es, früh am Morgen

aufzustehen, noch bevor die

Sonne aufgeht, und mit meinen

Freunden zusammen zu sein“, sagt

Leslie Amoussouga (15), die zum

Zweig Abymes gehört.

Aber es geht nicht nur darum,

mit Freunden zusammen zu sein. „Im Seminar befassen wir

uns viel intensiver mit den heiligen Schriften, als ich es alleine

zu Hause tue“, sagt sie. „Man lernt viele gute Dinge, wenn man

gemeinsam liest und wenn man einen Lehrer hat, der aufrichtig

daran interessiert ist, beim Lernen zu helfen, und der vieles

erklären kann, was man selbst nicht ganz versteht.

Und das Seminar hilft mir auch in der Schule, denn ich

muss früh aufstehen, um zum Seminar zu gehen. Wenn ich

dann in der Schule ankomme, bin ich schon aufmerksam

und aktiv, während manche Schüler noch schläfrig sind. Das

Seminar hilft uns, gute Gewohnheiten zu entwickeln, und lehrt

uns Selbstdisziplin, sowohl beim Studieren als auch bei so

einfachen Dingen wie aufstehen und in Schwung kommen.“

Liahona Februar 2009 43


Mein

eigentliches

Ziel als

Missionarin

Denise Barfuss

Ich war gerade zwei Monate auf

Mission in Argentinien, als ich

erfuhr, dass sich meine jüngere

und einzige Schwester verlobt hatte.

Rebecca und ich standen einander

schon immer sehr nahe, und wir hatten

davon geträumt, bei der Hochzeit

der anderen dabei zu sein. Doch jetzt

würde ich ihre verpassen.

Meine Eltern schickten mir Pläne,

Fotos, Speisekarten und Terminkalender,

aber ich fühlte mich trotzdem

ausgeschlossen, allein und ganz weit

weg. Die Missionsarbeit war schwer

und ging nur mühsam voran. Ich

fragte mich, was ich eigentlich so

weit entfernt von zuhause machte,

und ich war mir nicht mehr sicher,

was meine Aufgabe war.

Ich wusste aber schon, dass der

Herr mich in seinen Dienst berufen

hatte, und ich hatte ein starkes Zeugnis

vom Gebet und von der Macht des

Priestertums. Ich erhielt einen Segen

des Trostes, und mir wurde versichert,

dass ich dort war, wo ich sein sollte.

Als Missionare sprachen wir oft über

die Aufforderung in Moroni 10:4,5.

Ich glaubte fest an die Verheißung in

diesen Versen: Wenn ich Gott, meinen

ewigen Vater, im Namen Jesu Christi

fragte, könnte ich durch die Macht des

Heiligen Geistes von allem wissen,

ob es wahr sei. Ich betete eifrig, um

herauszufinden, ob es richtig gewesen

war, nach Argentinien zu gehen, statt

Ein junger

Mann rief

uns etwas

hinterher. Wir

ignorierten ihn,

aber als er wieder

rief, hatte ich das

Gefühl, dass ich

ihm antworten

sollte.

zu Hause zu

bleiben, wo

ich meiner

Schwester

bei den

Hochzeitsvorbereitungen hätte helfen

können. Je näher der Hochzeitstermin

rückte, desto inniger wurden meine

Gebete. Ich spürte den tröstlichen

Einfluss des Heiligen Geistes, doch ich

hoffte noch immer auf eine Antwort.

Zwei Wochen vor der Hochzeit

gingen meine Mitarbeiterin und ich

gerade nach Hause, nachdem wir bei

Mitgliedern aus dem Zweig, wo wir

arbeiteten, zu Mittag gegessen hatten.

Der Zweig war in einem kleinen Ort

mitten in Argentinien, und die Leute

dort hielten die traditionelle Siesta. Um

die Mittagszeit traf man für gewöhnlich

keinen einzigen Menschen.

Als wir eine Straße entlanggingen,

rief uns ein junger Mann etwas

hinterher. Doch da wir von vielen

jungen Männern aufgezogen wurden,

ignorierten wir ihn und gingen weiter.

Als er wieder rief, hatte ich das Gefühl,

dass ich ihm antworten sollte.

Er hieß Horacio und wollte wissen,

ob wir mit zwei jungen Frauen befreundet

seien, die mit seinem Cousin

im Buch Mormon gelesen hatten. Er

erzählte uns, dass er etwas Besonderes

verspürt hatte, als die Missionarinnen,

die auch in unserem Zweig gedient

hatten, vorlasen. Er wollte wissen, ob

er unsere Kirche besuchen dürfe.

Als wir Horacio mit Unterstützung

der Mitglieder im Zweig belehrten,

nahm er das Evangelium schnell von

Herzen an. Er änderte sein Leben,

je besser er das Evangelium kennenlernte,

aber seine Familie erhob

Einwände, und seine Freunde wollten

nichts mehr von ihm wissen. Doch

Horacio spürte die Liebe des Herrn

und wollte ihm unbedingt folgen. Bei

der Unterweisung von Horacio hatte

ich einige der wertvollsten Erlebnisse

meiner Mission.

Illustrationen von Robert A. McKay

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Stimmen von Heiligen der Letzten Tage

Als meine Familie im Oakland-

Kalifornien-Tempel zusah, wie meine

Schwester eine heilige Handlung

erlebte, die sie auf das celestiale Reich

vorbereitete, saß ich in einem kleinen

Gemeindehaus in General Pico und

wartete auf Horacio, der gerade ein

Interview hatte, das ihn auf seine erste

errettende heilige Handlung vorbereitete

– die Taufe. Meine Schwester

konnte sich auch ohne meine Hilfe

auf ihre heilige Handlung vorbereiten,

doch Horacio hätte es ohne mich vielleicht

nicht geschafft. Für ihn war es

notwendig, dass meine Mitarbeiterin

und ich ihn das Evangelium lehrten,

und für mich war es notwendig, dass

er mich an mein eigentliches Ziel als

Missionarin erinnerte, nämlich Seelen

zu Christus zu führen.

Als ich am Ende meiner Mission

Vorbereitungen traf, Argentinien

zu verlassen, traf Horacio gerade

Vorbereitungen, auf Mission zu

gehen. Durch ihn hatte der Vater im

Himmel mir Antwort gegeben, und

nun schickte er Horacio zu anderen

Menschen, damit auch deren Gebete

erhört wurden. ◼

Warum

hatte

ich ein

so starkes Gefühl

gehabt, dass ich

Stuart um Hilfe

bitten sollte,

und musste nun

feststellen, dass

er gar nicht

erreichbar war?

Er muss hier

sein!

Paul Culbert

An einem Samstagvormittag rief

mich eine Freundin an, eine

Junge Alleinstehende Erwachsene

aus unserer Gemeinde in Wiltshire

in England. Ihre Stiefmutter, die im gleichen

Dorf wohnte wie ich, lag krank

im Bett. Sie konnte sich kaum rühren,

und obwohl sie kein Mitglied der

Kirche war, hatte sie darum gebeten,

dass ich ihr einen Segen gab.

Ich gehörte der Kirche erst seit ein

paar Monaten an, doch dank der Schulung

in den Priestertumsversammlungen

fühlte ich mich einigermaßen in

der Lage, einen Segen zu geben, auch

wenn ich ein bisschen nervös war. Ich

sagte, ich würde mir noch einen zweiten

Bruder suchen und dann so bald

wie möglich zu ihr gehen.

Ich überlegte sofort, welcher Älteste

am nächsten wohnte, und fuhr zu

ihm. Seine Frau machte die Tür auf

und sagte, dass doch alle Brüder der

Gemeinde Swindon, die das Endowment

haben, an diesem Tag zum

Tempel gefahren seien. Als ich

wieder wegfuhr, war ich ziemlich

bedrückt. Da hielt ich das Auto

an und fragte den Vater im Himmel,

was ich tun solle.

Im Gebet fragte ich, ob es

einen Träger des Melchisedekischen

Priestertums gebe,

der mich begleiten könne.

Ich musste sofort an Stuart

Ramsey denken. Seine Telefonnummer

hatte ich nicht,

aber er und seine Frau Gill

wohnten auf einem etwa

zehn Kilometer entfernten

Luftwaffenstützpunkt.

Als ich dort ankam,

klopfte ich an die Tür,

vollkommen überzeugt,

dass Stuart mich begleiten

konnte. „Er ist nicht hier“,

sagte Gill zu meiner Überraschung.

„Er ist auf den

Stützpunkt gegangen.“

Davon ließ ich mich nicht

beirren und fragte, ob ich ihn

erreichen könne. Sie meinte,

Stuart, ein Automechaniker, befände

sich im Sicherheitsbereich

Liahona Februar 2009 45


des Stützpunkts. Er wollte einem

Freund bei der Reparatur seines Autos

helfen. Telefonisch war er nicht erreichbar,

und mir war der Zutritt zu diesem

Bereich verwehrt.

Warum hatte ich ein so starkes Gefühl

gehabt, dass ich Stuart um Hilfe

bitten sollte, und musste nun feststellen,

dass er gar nicht erreichbar war?

Hatte ich die Antwort auf mein Gebet

falsch verstanden? „Nein“, dachte ich,

„er muss hier sein.“

Gerade in diesem Augenblick

hörte ich eine fröhliche Stimme hinter

mir. „Paul, was machst du denn

hier?“ Es war Stuart! Er hatte sich

damit abgemüht, das Auto seines

Freundes zu reparieren, doch dann

hatte er das Gefühl, dass er nach

Hause gehen solle. Ich erzählte ihm,

in welcher Notlage ich war, und er

war sofort bereit, mit mir zusammen

den Segen zu geben.

Ich war dankbar, einen so erfahrenen

Bruder dabeizuhaben. Er salbte

die Frau, und als ich die Salbung

siegelte, hatte ich die Eingebung, ich

solle sagen, dass sie wieder gesund

werden würde. Als ich Stuart nach

Hause brachte, freute er sich darüber,

dass er vom Geist geführt worden

war, damit er rechtzeitig zu Hause

war, um mich noch anzutreffen.

Am folgenden Morgen freute ich

mich sehr, als ich erfuhr, dass es der

Stiefmutter meiner Freundin schon

viel besser ging. Seither habe ich viele

Segen gespendet, aber ich bin dankbar,

dass ich schon früh gelernt habe,

dass der Herr uns – wie unerfahren

wir als Priestertumsträger auch sein

mögen – in die Richtung führt, die

wir einschlagen sollen, wenn wir uns

auf ihn verlassen, seine Gebote halten

und unser Bestes geben, um unsere

Berufungen groß zu machen. ◼

Soll ich Sie

mitnehmen?

Errol Fernando

Ich war den ganzen Tag mit meinem

Bus durch Victoria in Australien

gefahren. Nun fuhr ich meine

letzte Strecke an diesem Abend, und

dann ging es nach Hause. Auf dem

Weg sah ich zwei gut gekleidete

junge Männer gehen. Ich entschloss

mich, anzuhalten und zu fragen, ob

sie mitfahren wollten.

Als ich den

Missionaren

Fragen

zu ihrer Tätigkeit

stellte, fühlte ich etwas.

Später wusste

ich, dass das der

Heilige Geist war.

Ich fragte sie, warum sie ein

Namensschild, ein weißes Hemd

und eine Krawatte trugen. Einer der

beiden sagte, sie seien Missionare der

Kirche Jesu Christi der Heiligen der

Letzten Tage. Ich stellte Fragen zu

ihrer Tätigkeit und spürte etwas, was

den Bus erfüllte. Später wusste ich,

dass das der Heilige Geist war. Als ich

sie bat, mir mehr über Jesus Christus

zu erzählen, konnte ich mich über

ihre Ausführungen einfach nur freuen.

Leider war es schon spät, also ließ

ich die Missionare in Dandenong

aussteigen. Danach stellte ich traurig

fest, dass ich sie nicht nach ihrer

46


Telefonnummer gefragt hatte. Wochenlang

betete ich darum, dass ich

sie noch einmal treffen möge. Als ich

meine Busstrecke fuhr, hielt ich sogar

Ausschau nach ihnen. Es vergingen

Monate, und dann geschah etwas

Unglaubliches an meinem Geburtstag,

dem 19. August 2002.

Meine Frau Camelia und ich aßen

gerade zu Mittag, als jemand draußen

klopfte. Als meine Frau zur Tür

ging, hörte ich vertraute Stimmen.

Dort standen die Missionare, die ich

im Bus getroffen hatte! Sie waren

genauso überrascht, als sie mich sahen.

Sie waren in unserer Straße von

Tür zu Tür gegangen und waren zu

unserem Haus geführt worden. Meine

Gebete waren erhört worden.

Elder Jason Frandsen und Elder

James Thieler begannen sofort, uns zu

unterweisen. Vom Buch Mormon und

dem Propheten Joseph Smith hatten

wir noch nichts gehört, aber das Evangelium

begriffen wir schnell, weil wir

christlich erzogen worden waren. Die

Missionare forderten uns auf, über das,

was wir von ihnen gehört hatten, zu

beten und nachzudenken. Als wir dies

taten, spürten wir den Heiligen Geist;

wir hatten den Wunsch, in die Kirche

zu gehen und uns taufen zu lassen.

Seither sind wir sehr gesegnet worden.

Auch heute, Jahre später, bin ich

noch Busfahrer und nehme noch immer

Missionare mit. Doch jetzt helfe ich

ihnen bei der Missionsarbeit, indem ich

ihnen Bekannte vorstelle und meinen

Passagieren das Buch Mormon und anderes

Material über die Kirche schenke.

Die Leute im Bus merken unweigerlich,

wie glücklich ich bin. Wenn

sie dann nach dem Grund fragen,

sage ich einfach: „Der Herr hat das

für mich getan. Er kann auch Ihr

Leben verändern.“ ◼

Trink doch

eine Tasse!

Eleanor F. Williamson

Kurz nachdem wir uns

der Kirche angeschlossen

hatten,

machten mein Mann und

ich Urlaub auf Bermuda. Eines

Tages nahm ich am Nachmittagsprogramm

in unserem Hotel teil. Als

ich mir das leckere Gebäck ansah, stieg

mir der Duft von schwarzem Tee in die

Nase. Es roch so verlockend, dass ich

schon fast eine Stimme sagen hörte:

„Trink doch eine Tasse!“

Seit meiner Taufe hatte ich mich

genau an das Wort der Weisheit gehalten.

In Gedanken sagte ich: „Nein,

das mache ich nicht!“

„Ach, komm schon“, schien mir

eine verführerische Stimme zu sagen.

„Du kennst doch hier keinen, und du

bist weit weg von daheim.“

Mit noch mehr Nachdruck sagte

ich in Gedanken: „Nein, das mache

ich nicht!“

Und wieder sprach da diese verführerische

Stimme: „Niemand wird je

davon erfahren.“

Ich entgegnete ganz resolut: „Aber

ich werde es wissen!“

An dieser Stelle stand ich genau bei

dem Kellner, der den Tee ausschenkte.

Ich ging fest entschlossen an ihm vorbei.

Als ich nach einem Tisch Ausschau

hielt, war ich ganz überrascht,

als jemand meinen Namen rief. Ich

staunte, als mich mein ehemaliger

Chef anlächelte, den ich schon viele

Jahre nicht mehr gesehen hatte. Er kam

auf mich zu, und als wir zu einem Tisch

gingen, sagte er: „Ich habe gehört, dass

Sie sich der

Mormonenkirche

angeschlossen

haben. Erzählen

Sie mir doch

etwas darüber!“

Dieser Aufforderung

kam ich

gern nach und

erklärte ihm ein

paar Grundsätze

Und wieder

sprach da

diese verführerische

Stimme:

„Niemand wird es

je erfahren.“

des Evangeliums. Ich sagte, wie glücklich

ich sei, Mitglied der Kirche Jesu

Christi der Heiligen der Letzten Tage zu

sein, und gab Zeugnis. Mein ehemaliger

Chef erzählte mir, dass er nach

seinen Ahnen geforscht hatte und viele

Generationen zurückverfolgen konnte.

Er war sehr an dem interessiert, was ich

über die Kirche zu sagen hatte, und ich

konnte während des Gesprächs den

Heiligen Geist stark verspüren.

Während wir uns unterhielten, kam

mir ein Gedanke: „Hättest du dieses

Gespräch führen können, wenn du

eine Tasse Tee auf dein Tablett gestellt

hättest?“ Ich wusste die Antwort.

Hätte ich der Versuchung nachgegeben,

hätte ich ein einprägsames

geistiges Erlebnis verpasst und eine

Chance, Zeugnis zu geben. ◼

Liahona Februar 2009 47


So KÖNNEN Sie diese AUSGABE NUTZEN

Anregungen für den

Familienabend

Sie können diese Anregungen im

Unterricht und auch zu Hause verwenden.

Stellen Sie sie für Ihre Familie

oder Klasse passend zusammen.

„Es ist nicht einfach“, Seite

16: Bitten Sie die Familienmitglieder,

auf einen Zettel

zu schreiben, wie der Herr

ihnen schon geholfen oder sie

gesegnet hat. Gestalten Sie

eine „Dankbarkeitsdose“

und legen Sie die Zettel

hinein. Fordern Sie alle in der Familie

auf, die Dose weiter zu füllen (oder in

ihr Tagebuch zu schreiben), wenn sie

etwas erlebt haben, wobei der Herr

ihnen geholfen hat.

„So kann man als Neubekehrter

Fuß fassen“, Seite 22: Ob man der

Kirche erst seit kurzem angehört oder

schon länger – es ist wichtig, dass

Mitglieder untereinander Freundschaften

pflegen. Überlegen Sie als Familie,

wie Sie Mitgliedern in Ihrer Gemeinde

oder Ihrem Zweig zur Seite stehen

können. Erklären Sie, dass man dauerhafte

Freundschaften aufbauen kann,

wenn man diese Beziehungen vertieft.

Außerdem können wir zu Christus

kommen, indem wir anderen dienen.

„Niemand wird es je erfahren“,

Seite 28: Was meint jemand, der sagt,

dass niemand je davon erfahren

wird? Besprechen Sie, was an diesem

Ansatz falsch ist, und wie die Familienmitglieder

der Versuchung widerstehen

können. Listen Sie einige

Versuchungen auf und lassen

Sie die Familie im Rollenspiel

darstellen, wie sie in

der jeweiligen Situation

reagieren würden. Lesen

Sie 1 Korinther 10:13.

„Generationen“, Seite 40: Erzählen

Sie Ihre Bekehrungsgeschichte oder

wie Ihre Vorfahren zum Evangelium

gefunden haben. Bitten Sie die Familienmitglieder

zu erzählen, warum

das Evangelium für sie wichtig ist.

„Eine Einladung zum Aktivitätentag“,

Seite KL10, und „So bin ich

auch schon heut ein Missionar“, Seite

KL14: Lesen Sie diese Geschichten

und überlegen Sie anschließend, wen

Sie zu einer Versammlung oder Aktivität

in der Kirche einladen könnten.

Schreiben Sie Nachbarn, Freunde

und Angehörige auf. Schreiben Sie

auch Personen auf, von denen Sie

meinen, dass sie sich wohl nicht dafür

Themen in dieser Ausgabe

Die Zahlen geben jeweils die erste Seite des Artikels an.

KL = Kleiner Liahona

Adam und Eva, 10, KL8

Aktiverhaltung, 18

Aktivierung, 18

Bekehrung, 16, 18, 22,

40, 44, KL13

Besuchslehren, 25

Beten, 44, 45

Bündnisse, 10

Einigkeit, 7

Eltern, 36

Erste Vision, 2, 8

Evangeliumszeiten, 10

Familie, 16, 36, 40, KL4,

KL8, KL16

Familie, die nur teilweise

der Kirche angehört, 16

Frauen, 25

Freunde, KL10

Gehorsam, 26, 28, 47

Göttliches Wesen, 10,

25, KL8

Gruppendruck, 26, 28

Heilige Handlungen, 44

Heilung, KL2, KL6

Inspiration, 45

Jesus Christus, 2, 10

Kindergartenklasse, 32

Missionsarbeit, 44, 46,

47, 48, KL10, KL14

Neue Mitglieder, 18, 22

Pornografie, 15

Priestertumssegen, 45,

KL2, KL6

Primarvereinigung, 32,

KL4

Propheten, 10

Smith, Joseph, 2, 7, 8,

KL6

Unterrichten, 32, 36

Versuchung, 26, 28, 47

Wiederherstellung, 2,

8, 10

Wort der Weisheit, 26, 47

Zehnter, 28

Zeugnis, 2, 8

interessieren. Man kann nie wissen,

wer solch eine Einladung annimmt.

Wählen Sie vor der Versammlung

oder Aktivität gebeterfüllt einige Personen

von der Liste aus, und laden Sie

sie ein, mit Ihnen dorthin zu gehen.

Bieten Sie ihnen nach Möglichkeit an,

sie abzuholen oder sie mit dem Auto

mitzunehmen. Wenn die Betreffenden

nicht mitkommen wollen, erhalten Sie

die Freundschaft weiter aufrecht.

Eine Einladung zum Familienabend

Seit meiner Taufe vor zwölf

Jahren hat sich mein Leben

gewaltig verändert. Aus diesem

Grund beschlossen mein Mann

und ich, viele Menschen an dem

göttlichen Licht, das wir empfangen

haben, teilhaben zu lassen.

Wir fingen damit an, die Missionare

und ein paar Nachbarn zu unserem

Familienabend einzuladen.

Wir bastelten kleine Einladungskarten

für unsere Nachbarn. Viele

kamen einfach, weil sie wissen

wollten, was ein Familienabend ist.

Einige hatten mehr Interesse als

andere, aber den meisten gefielen

die Aktivitäten und die Erfrischungen.

Eine der Familien, die wir

eingeladen hatten, ließ sich sogar

taufen!

Seit ich durch den Familienabend

anderen zeige, wie glücklich ich bin,

der Kirche Jesu Christi der Heiligen

der Letzten Tage anzugehören, ist

auch mein Glaube gewachsen.

Gladys Elena Yepes de Velásquez,

Antioquia, Kolumbien

48

I h r s c h ö n s t e r Fa m i l i e n a b e n d

Schildern Sie Ihren schönsten Familienabend und senden Sie ihre Beschreibung an liahona@ldschurch.org.


Für Kinder • Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage• Februar 2009

Kleiner Liahona


K o m m t , h ö r t , w a s

der Prophet uns sagt

Hilfe zur Heilung

Präsident Thomas S. Monson

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs

wurde ich zum Ältesten ordiniert –

eine Woche, bevor ich meinen Dienst

in der Marine antrat. Ein Bruder aus der

Bischofschaft war am Bahnhof, um mir Lebewohl

zu sagen. Kurz bevor der Zug abfahren

sollte, drückte er mir ein Buch in die Hand:

das Handbuch für Missionare. Ich lachte

und meinte: „Ich gehe zur Marine – nicht auf

Mission.“ Er antwortete: „Nimm es trotzdem.

Vielleicht wird es dir noch nützlich sein.“

Und so war es dann auch. In der Grundausbildung

zeigte uns unser Kompaniechef,

wie wir unsere Kleidung am besten in einem

großen Seesack unterbringen konnten. Er

gab uns den Rat: „Wenn ihr einen harten,

rechteckigen Gegenstand habt, den ihr unten in den

Sack legen könnt, verrutschen die Kleidungsstücke

nicht so leicht.“ Ich dachte: „Woher bekomme ich einen

harten, rechteckigen Gegenstand?“ Plötzlich fiel mir das

Handbuch für Missionare wieder ein. So erwies es sich

zwölf Wochen lang unten im Seesack als nützlich.

In der Nacht, bevor wir zum Weihnachtsfest nach

Hause fuhren, war es ruhig in den Kasernen. Plötzlich

merkte ich, dass mein Kamerad im Bett neben mir –

Leland Merrill, ein Mitglied der Kirche – vor Schmerzen

stöhnte. Ich fragte: „Was ist los, Merrill?“

Seine Antwort war: „Ich bin krank. Mir ist ganz elend.“

Die Stunden zogen sich dahin, und er stöhnte immer

lauter. Schließlich flüsterte er verzweifelt: „Monson, du

bist doch Ältester, oder?“ Das bejahte ich, und daraufhin

bat er mich: „Gib mir einen Segen.“

Auf einmal wurde mir deutlich bewusst, dass ich

noch nie einen Segen gegeben hatte. Inständig betete

ich zu Gott, er möge mir helfen. Und es kam die

Antwort: „Schau unten in deinen Seesack.“ Also leerte

ich um zwei Uhr morgens den Seesack. Dann las ich

Präsident Monson

bezeugt, dass wir

Anspruch auf die Hilfe

des Herrn haben.

im Licht der Nachtlampe im Handbuch für

Missionare nach, wie man einen Krankensegen

gibt. Mit etwa 120 neugierigen Matrosen

als Zuschauern gab ich Leland Merrill einen

Segen. Noch ehe ich meine Sachen wieder

eingepackt hatte, schlief er bereits.

Am nächsten Morgen drehte er sich

lächelnd zu mir um und sagte: „Monson,

ich bin froh, dass du das Priestertum hast!“

Seine Freude wurde nur von meiner Dankbarkeit

übertroffen – nicht nur für das Priestertum,

sondern auch dafür, dass ich würdig

war, in einer Notsituation die erforderliche

Hilfe zu bekommen.

Wenn wir im Auftrag des Herrn handeln,

haben wir auch ein Anrecht auf seine Hilfe.

In meinem Leben habe ich unzählige Male erlebt, wie

er mir geholfen hat. ●

Nach einer Ansprache bei der Frühjahrs-Generalkonferenz 2007.

Denk mal drüber nach!

1. Zuerst dachte Präsident Monson, dass er das Handbuch

für Missionare gar nicht brauchen würde, weil er ja

zur Marine ging. Dann stellte er aber fest, dass er das, was

darin stand, wissen musste. Inwiefern kann das, was in den

heiligen Schriften steht, dir zu unterschiedlichen Zeiten und

an verschiedenen Orten helfen?

2. Leland Merrill hat seinen Glauben an Gott und an die

Macht des Priestertums gezeigt, indem er um einen Segen

bat. Wie kannst du deinen Glauben zeigen?

3. Wie hat sich Präsident Monson wohl gefühlt, als er

wusste, dass ihm 120 Matrosen dabei zusahen, wie er

seinen ersten Priestertumssegen gab? Woher kannst du

den Mut nehmen, das zu tun, was der himmlische Vater

möchte, auch wenn andere, die dir dabei zusehen, es vielleicht

nicht verstehen?

Foto von David Newman; Illustration von Michael T. Malm

KL2


KL4

Hinweis: Man kann diese Aktivität kopieren oder im

Internet auf www.lds.org ausdrucken. Für die englische

Ausgabe klickt man auf Gospel Library, für andere

Sprachen auf Languages.


Das Miteinander

Sei ein starkes Glied in der Kette

Illustration von Thomas S. Child

„Die Familie ist von Gott eingerichtet.“

(„Die Familie – eine Proklamation an die Welt“)

Cheryl Esplin

Als junger Mann lebte Präsident Gordon

B. Hinckley (1910–2008) im Sommer mit

seiner Familie auf einer Farm. Dort erlebte er

Folgendes:

„Einmal wollte ich einen abgestorbenen Baum aus

der Erde ziehen. Ich befestigte ein Ende einer Kette am

Traktor und das andere am Baum. Als der Traktor sich

in Bewegung setzte, wackelte der Baum ein wenig, und

dann riss die Kette.

Ich betrachtete das zerbrochene Glied und fragte

mich, wie es brechen konnte. Ich ging zur Eisenwarenhandlung

und kaufte Ersatz. Dann setzte ich alles wieder

zusammen, aber die Verbindung wirkte plump und unansehnlich.

Die Kette war niemals wieder wie zuvor.“ 1

Betrachte dich selbst als Teil einer Kette – einer

Familienkette. Präsident Hinckley hat gesagt, dass wir

niemals ein schwaches Glied in unserer Familienkette

sein sollen.

Adam und Eva bildeten die erste Familie auf der

Erde. Sie fingen die Familienkette an. Gott trug ihnen

auf, Kinder zu bekommen. Als Adam und Eva Kinder

hatten, lehrten sie sie das Evangelium.

So wie die Kinder von Adam und Eva von ihren Eltern

gelernt und dann ihre eigenen Kinder unterwiesen haben,

möchte der himmlische Vater, dass du von deinen Eltern

lernst. Wenn du dann selbst Kinder hast, möchte er, dass

du sie unterweist. Du kannst in den heiligen Schriften lesen

und von Adam und Eva und anderen rechtschaffenen

Familien lernen, wie du dazu beitragen kannst, dass deine

Familie ein starkes Glied in der Familienkette wird.

Anmerkung

1. Gordon B. Hinckley, „Keep the Chain Unbroken“, aus Brigham Young

University 1999–2000 Speeches, 2000, Seite 108f.

Zur Beschäftigung

Trenne Seite KL4 heraus und klebe sie auf Karton.

Schneide jedes der Kettenglieder an den durchgehenden

schwarzen Linien aus. Schneide an der gestrichelten Linie

entlang, um die Kettenglieder innen ausschneiden zu

können. Schreib deinen Namen auf eines der Glieder und

auf die anderen Glieder jeweils den Namen deiner Eltern,

Brüder, Schwestern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins

und Cousinen und weiterer Verwandter. Verbinde die

Glieder miteinander. Häng deine Kette dort auf, wo sie dich

daran erinnert, dass du ein Teil einer Familie bist und ein

starkes Glied in der Kette sein kannst. Jeder in der Familie

soll sich beim Familienabend einen Namen auf einem der

Kettenglieder aussuchen und kurz etwas sagen, was er von

dieser Person gelernt hat und was ihm hilft, stark zu sein.

Anregungen für das Miteinander

1. Schreiben Sie je eine der folgenden Schriftstellenangaben auf

insgesamt sechs Umschläge: Mose 3:24, Mose 5:1, Mose 5:2, Mose 5:4,

Mose 5:5, Mose 5:12. Bereiten Sie die folgenden sechs Wortstreifen

vor: heiraten, zusammen arbeiten, Kinder bekommen, beten, die

Gebote befolgen, Kinder unterweisen. Schneiden Sie die einzelnen

Buchstaben auseinander, heften Sie jedes Wort mit einer Büroklammer

zusammen und stecken Sie es in den entsprechenden Umschlag.

Suchen Sie zur Veranschaulichung jedes Wortstreifens Bilder

von Familien heraus. Zeigen Sie Bild 119 aus dem Bildersatz zum

Evangelium (Adam und Eva unterweisen ihre Kinder). Erzählen Sie

kurz die Geschichte von Adam und Eva und betonen Sie, dass durch

sie die Familie nach dem vom himmlischen Vater vorgegebenen

Muster begründet worden ist. Bilden Sie sechs Gruppen und geben

Sie jeder Gruppe einen Umschlag. Die Kinder sollen die Schriftstelle

lesen, die Buchstaben wieder in die richtige Reihenfolge bringen und

sie zusammenkleben. Beginnend mit Mose 3:24 soll jede Gruppe der

Reihe nach ihren Wortstreifen vorzeigen und ein dazu passendes

Bild auswählen. Ordnen Sie die Bilder um das Bild von Adam und

Eva herum an. Erklären Sie, dass die Familie der beste Ort ist, wo

man das Evangelium lernen und danach leben kann.

2. Um zu zeigen, dass der himmlische Vater rechtschaffene

Familien segnet, lassen Sie die Kinder die Geschichte von den

Söhnen Helamans, die in der Schlacht beschützt wurden, nachspielen.

Teilen Sie hierzu die Rollen des Erzählers, Helamans und

der Söhne Helamans ein (siehe Alma 53:10-23; 56; 57). Benutzen

Sie Namensschilder oder einfache Kostüme, falls gewünscht. Auch

andere rechtschaffene Familien wurden vom Vater im Himmel

gesegnet. Bilden Sie zwei Gruppen. Jede Gruppe erhält eine der

folgenden Geschichten: Nephis Familie (1 Nephi 17:7-13; 18:1-6)

und jareditische Familien (Genesis 11:1-9; Ether 1:33-43). Jede

Gruppe soll die Geschichte vorlesen. Spielen Sie einen Reporter (benutzen

Sie ein Mikrofon, falls vorhanden) und interviewen Sie jede

Gruppe zu den Einzelheiten ihrer Geschichte. Geben Sie Zeugnis,

dass der himmlische Vater rechtschaffene Familien segnet. ●

Kleiner Liahona Februar 2009

KL5


Aus dem Leben des Propheten Joseph Smith

Ein Tag der Macht Gottes

Als die ersten Heiligen der Letzten

Tage an den Ort zogen, wo

später Nauvoo entstehen sollte,

war dieser sumpfig und voller

Stechmücken. Viele Mitglieder

wurden krank und starben.

Joseph und Emma nahmen kranke

Menschen in ihrem Blockhaus auf und

gaben sogar ihr Bett her. Sie selbst

schliefen draußen in einem Zelt.

Es kam ein Tag, den Wilford

Woodruff später „einen Tag der

Macht Gottes“ nannte. Nach

einem Gebet am Morgen segnete

Joseph die Kranken.

Brigham, hast du

genug Glauben, um

geheilt zu werden?

Ja, Joseph.

Joseph und Brigham gingen zu

Elijah Fordham, der bereits im

Sterben lag. Jede Minute konnte

seine letzte sein.

Illustrationen von Sal Velluto und Eugenio Mattozzi

KL6


Joseph nahm Elijahs

Hand. Zunächst gab

Elijah keine Antwort,

aber alle Anwesenden

konnten die Auswirkung

des Geistes

Gottes sehen, der auf

ihm ruhte.

Elijah, erkennst

du mich denn

nicht?

Glaubst du, dass

Jesus der

Messias ist?

Ja,

Bruder Joseph.

Die Worte, die Joseph

sprach, waren wie die

Stimme Gottes. Es war,

als ob sie das ganze Haus

erbeben ließen, und sie

bewirkten, dass Elijah von

seinem Bett aufsprang.

Elijah, ich gebiete

dir im Namen Jesu

von Nazaret, steh

auf und sei geheilt!

Bruder

Fordham, erkennst

du

mich?

Doch!

Hast du den

Glauben, geheilt

zu werden?

Ich fürchte, es ist zu

spät. Wärst du früher

gekommen …

Sein Gesicht nahm wieder eine

gesunde Farbe an, und er war

voller Leben. Er bat um seine

Kleider, aß eine Schüssel Milch

und Brot und setzte seinen Hut

auf. Dann folgte er Joseph, um

die übrigen kranken Mitglieder

zu segnen.

Aus Lehren der Präsidenten der Kirche: Joseph Smith (Leitfaden für das Melchisedekische

Priestertum und die FHV, 2007), Seite 421–424.

Kleiner Liahona Februar 2009

KL7


So wie Adam und Eva

Kimberly Reid

Anleitung: Löse diese Seiten aus dem Heft. Falte

die Seiten so, dass sich die blauen Punkte mit den

gelben Punkten decken. Lies nach, wie Adam und Eva

Adam war ein Sohn Gottes.

Adam erwies Eva Achtung.

Adam lernte den Unterschied zwischen Gut und

Böse kennen.

Adam war ehrlich und gab seine Übertretung zu.

Adam war des Priestertums würdig.

Adam arbeitete, um seine Familie zu versorgen.

Adam hörte auf den Herrn und

lernte das Evangelium.

Adam befolgte die Gebote.

Adam unterwies seine Familie

im Evangelium.

Adam liebte seine

Familie.

Ich bin ein Kind Gottes.

Ich kann einer Frau Achtung erweisen.

Ich kann lernen, das Rechte zu wählen.

Ich kann ehrlich sein.

Ich kann mich auf das Priestertum vorbereiten.

Ich kann arbeiten, um meiner Familie zu helfen,

und meine Talente entwickeln.

Ich kann auf die Propheten hören und über die

heiligen Schriften nachdenken.

Ich kann gehorsam sein und umkehren, wenn nötig.

Ich kann anderen vom Evangelium erzählen.

Ich kann meine Familie lieben und meinen Teil dazu

beitragen, in Ewigkeit mit ihr zusammen zu sein.

Ich kann so wie Adam sein.

KL8


auf der Erde als gleichwertige Partner zusammengearbeitet

haben. Falte dann die Seiten wieder auseinander

und sieh nach, wie du ihrem Beispiel folgen kannst.

Illustrationen von Dilleen Marsh

Ich bin ein Kind Gottes.

Ich kann meine Priestertumsführer unterstützen.

Ich kann lernen, das Rechte zu wählen.

Ich kann ehrlich sein.

Ich kann mich darauf vorbereiten, Gottes Plan für

mich zu befolgen.

Ich kann arbeiten, um meiner Familie zu helfen, und

meine Talente entwickeln.

Ich kann auf die Propheten hören und über die heiligen

Schriften nachdenken.

Ich kann gehorsam sein und umkehren, wenn nötig.

Ich kann anderen vom Evangelium erzählen.

Ich kann meine Familie lieben und meinen Teil dazu

beitragen, in Ewigkeit mit ihr zusammen zu sein.

Ich kann so wie Eva sein.

Eva war eine Tochter Gottes.

Eva erwies Adam, dem Propheten, Achtung.

Eva lernte den Unterschied zwischen Gut und

Böse kennen.

Eva war ehrlich und gab ihre Übertretung zu.

Eva wurde eine rechtschaffene Mutter.

Eva arbeitete, um sich um ihre Familie zu

kümmern.

Eva hörte auf den Herrn und lernte das

Evangelium.

Eva befolgte die Gebote.

Eva unterwies ihre

Familie im Evangelium.

Eva liebte ihre Familie.

Kleiner Liahona Februar 2009

KL9


Eine

Einladung

zum Aktivitätentag

Marianne Dahl Johnson

nach einer wahren Begebenheit

„Um die versprengten Kinder

Gottes wieder zu sammeln.“

( Johannes 11:52)

Denk an den Aktivitätentag

heute nach der Schule“, sagte

Clarissas Mama beim Frühstück.

Clarissa seufzte. „Ich weiß.“

„Was ist denn los?“, fragte Mama. „Ich dachte,

der Aktivitätentag gefällt dir.“

„Ist schon in Ordnung“, meinte Clarissa.

„Weißt du noch, wie sehr du dich gefreut

hast, als du acht geworden bist?“, fragte Mama.

„Und Schwester Cobian magst du doch auch.“

„Sie ist toll“, sagte Clarissa. „Es ist nur

schwierig, weil Ashley und ich die beiden

Einzigen sind, die hingehen. Ich mag Ashley,

und sie ist immer nett zu mir. Aber sie

ist schon fast zwölf, und ich bin gerade

erst neun geworden. Ich weiß nicht so

recht, was ich zu ihr sagen soll. Es

macht nicht so viel Spaß.“

Mama legte ihren Arm um Clarissa.

„Es tut mir leid, dass es manchmal

nicht leicht ist. Wir haben eine kleine

PV mit nur wenigen Mädchen, aber

ich bin mir sicher, dass es dir heute

Nachmittag gefallen wird.“

Nach der Schule lief Clarissa zu Fuß die

kurze Strecke zum Gemeindehaus, wo der Aktivitätentag

stattfand. Schwester Cobian und Ashley begrüßten

sie freudig. Nach dem Anfangsgebet sagte Schwester

Cobian: „Ich habe mich bei der PV-Leiterin nach den

Mädchen erkundigt, die zwar auf der

Liste stehen, aber weder zur PV noch zum

Aktivitätentag kommen. Hier habe ich

eine Liste mit den Namen der Mädchen

und ihren Telefonnummern.

Ich dachte, wenn wir sie vor jedem

Aktivitätentag anrufen, dann kommen

sie vielleicht und machen mit.“

„Das ist eine tolle Idee!“, rief Clarissa

aus. „Es wäre schön, wenn wir mehr Mädchen

hier hätten.“

Schwester Cobian lächelte. „Es freut mich, dass

dir die Idee gefällt. Ich wollte nämlich dich bitten,

die Mädchen vor unserem nächsten Aktivitätentag

anzurufen.“

„Mich?“ Clarissa schluckte. Sie war sich nicht

sicher, ob sie das konnte. Schwester Cobian

gab ihr die Liste. Clarissa kannte zwar die

Mädchen von der Schule her und einige

von ihnen kamen auch dann und

wann zur Kirche, aber die Vorstellung,

sie anzurufen und einzuladen,

machte ihr ein wenig Angst.

„Und? Machst du es?“, fragte

Schwester Cobian.

Clarissa sah sich die Liste noch

einmal an. Einige von den Mädchen

waren in ihrem Alter. Der Aktivitätentag

würde bestimmt viel mehr

Spaß machen, wenn sie auch kämen.

„Na klar“, antwortete sie.

Vor dem nächsten Aktivitätentag rief Clarissa jedes

Mädchen an, das auf der Liste stand. Sie sprach mit

allen, die sie erreichen konnte, und hinterließ den anderen

eine Nachricht. Das war überhaupt nicht schwer.

KL10


Illustrationen von Jennifer Tolman

Am nächsten Tag in der Schule fragte Olivia,

eines der Mädchen, die Clarissa angerufen hatte,

ob sie mit ihr zusammen zum Aktivitätentag gehen

könne. Clarissa war vor Freude ganz aufgeregt!

Nach der Schule gingen Clarissa und Olivia

gemeinsam zur Kirche. Als sie ins PV-Zimmer kamen,

lächelte Schwester Cobian sie strahlend an.

Vor dem nächsten Aktivitätentag rief Clarissa die

Mädchen wieder an. Olivia wollte unbedingt wieder

mitkommen. Chelsea wollte ebenfalls kommen. Am

darauffolgenden Nachmittag war Clarissa überglücklich,

als sie zusammen mit Olivia und Chelsea zum

Gemeindehaus ging.

Am Abend sagte Clarissa ihrer Mutter, wie

viel Spaß der Aktivitätentag mit mehr Mädchen

machte. „Ich wünschte nur, dass Madison

kommen könnte“, meinte Clarissa. „Sie ist doch

meine beste Freundin.“

„Nun, warum sollte das denn nicht möglich sein?“,

fragte Mama.

„Aber Mama, sie steht doch gar nicht auf der Liste.

Sie ist kein Mitglied unserer Kirche.“

„Das macht docht nichts“, war Mamas Antwort. „Du

leistest Missionsarbeit, wenn du sie einlädst. Du bist

schon eine Missionarin gewesen, als du Olivia und

Chelsea ermuntert hast zu kommen.“

Clarissa dachte darüber nach. Als sie das nächste Mal

die Mädchen wieder wegen des Aktivitätentags anrief,

rief sie auch Madison an. Madison fragte ihre Mutter, ob

sie gehen dürfe, und ihre Mutter erlaubte es ihr. Clarissa

konnte kaum glauben, wie einfach das gewesen

war. Sie fragte sich, warum sie Madison nicht schon

Kleiner Liahona Februar 2009 KL11


Monate zuvor eingeladen hatte!

Beim Aktivitätentag in dieser Woche kündigte

Schwester Cobian etwas Spannendes an. Beim nächsten

Aktivitätentag sei ein besonderer Gast eingeladen, der

ihnen zeige, wie man Kuchen verziert. Clarissa und

Madison lächelten einander zu. Das machte sicher Spaß!

Als sie am Nachmittag auseinandergingen, sagte Madison:

„Danke, dass du mich eingeladen hast. Nächstes

Mal möchte ich auch kommen und Kuchen verzieren.“

Gleich am nächsten Tag erzählte Clarissa all ihren

Freundinnen in der Schule, dass man am nächsten

Aktivitätentag in der Gemeinde lernen konnte, wie man

Kuchen verziert. Madison half ihr dabei. Viele ihrer

Freundinnen sagten, dass sie kommen wollten.

„Zu unserem nächsten Aktivitätentag kommen vielleicht

fünfzehn Mädchen“, erzählte Clarissa ihrer Mutter.

„Fünfzehn!“, rief ihre Mutter aus. „Wo hast du denn

so viele Mädchen aufgetrieben?“

„Ich habe alle Mädchen in meiner Klasse eingeladen“,

meinte Clarissa.

„Das ist ja wunderbar!“, sagte Mama. „Aber du solltest

Schwester Cobian Bescheid sagen, damit sie auf so viele

vorbereitet ist.“

KL12

Also rief Clarissa Schwester Cobian an, um ihr mitzuteilen,

wie viele Mädchen zu erwarten waren. Am

Aktivitätentag war das PV-Zimmer gedrängt voll mit

lauter Mädchen, die beim Kuchenverzieren plauderten

und lachten. Schwester Cobian zwinkerte Clarissa zu

und lächelte über das ganze Gesicht.

Später half Clarissa Schwester Cobian beim Aufräumen.

Ihre Freundin Emily kam, um sich zu verabschieden.

„Danke“, sagte sie schüchtern zu Schwester

Cobian. „Darf ich nächstes Mal meine ältere Schwester

und meine beiden Cousinen einladen?“

Schwester Cobian lächelte. „Das würde uns sehr

freuen, Emily“, sagte sie.

Clarissa konnte den nächsten Aktivitätentag kaum

erwarten! ●

„[Beziehen wir unsere] Freunde und Nachbarn

in den ständigen Strom von Unternehmungen

der Familie und der Kirche mit … [ein]. Wenn

wir unsere Freunde einladen, mit uns an diesen

Unternehmungen teilzunehmen, werden

auch sie den Geist spüren.“

Elder M. Russell Ballard vom Kollegium der Zwölf Apostel:

„Wir müssen ein Zuhause schaffen, in dem man das Evangelium

weitergibt“, Liahona, Mai 2006, Seite 86.


Besondere Zeugen

Was ist wahre Bekehrung?

Illustration von Beth M. Whittaker.

Einfach ausgedrückt ist wahre Bekehrung

die Frucht des Glaubens,

der Umkehr und des beständigen

Gehorsams.

Der Glaube kommt, indem man das

Wort Gottes hört und danach handelt. Ihr

werdet vom Heiligen Geist ein bestätigendes

Zeugnis für das erhalten, was ihr im

Glauben tut, wenn ihr es bereitwillig tut.

Ihr fühlt euch dazu bewogen, von

Fehlern umzukehren, die daher rühren,

dass ihr das Falsche getan oder das

Richtige nicht getan habt. In der Folge

wächst eure Fähigkeit zu beständigem

Gehorsam.

Dieser Kreis aus Glauben, Umkehr und

beständigem Gehorsam führt zu noch

intensiverer Bekehrung und zu den Segnungen,

die damit einhergehen.

Wenn ihr euch wahrhaftig bekehrt habt,

könnt ihr noch besser das tun, wovon ihr

wisst, dass ihr es tun sollt, und zwar dann,

wann ihr es tun sollt – ungeachtet der

Umstände. ●

Nach der Ansprache „Vollständige Bekehrung macht

uns glücklich“, Liahona, Juli 2002, Seite 27f.

Elder Richard G. Scott

vom Kollegium

der Zwölf Apostel

äußert einige seiner

Gedanken zu diesem

Thema.

Kleiner Liahona Februar 2009 KL13


So bin ich auch schon

heut ein Missionar

Patsy Pehrson

nach einer wahren

Begebenheit

„Ich werde mit dir sein; und an welchem Ort auch

immer du meinen Namen verkündigen wirst, da wird

sich dir eine wirksame Tür öffnen, sodass sie mein Wort

empfangen können.“ (LuB 112:19.)

Der Abend dämmerte bereits, als Micah mit seinem

jüngeren Bruder Noah zum Gebet neben seinem

Bett niederkniete. Er dachte immer noch an ihren

Nachbarn, einen älteren Mann namens Sam. Plötzlich

stand Mutter in der Tür.

„Ich freue mich, dass ihr jetzt beten wollt“, sagte sie

und lächelte den beiden Brüdern zu.

„Ich schließe heute Abend Sam in meine Gebete

ein“, sagte Micah. „Ich werde ihn bitten, am Sonntag mit

uns in die Kirche zu kommen, und ich möchte, dass mir

der himmlische Vater hilft, wenn ich ihn darum bitte.“

„Glaubst du denn, dass er mit uns in die Kirche kommen

wird?“, fragte Noah. „Unser PV-Lehrer hat gesagt,

dass der himmlische Vater sich darüber freut, wenn wir

unsere Nachbarn in die Kirche einladen.“

„Ich weiß, dass der himmlische Vater dir

dabei helfen wird, wenn du Sam einlädst“,

sagte Mama.

Am darauffolgenden Morgen wachten Micah

und Noah bereits früh auf. Sie freuten sich sehr

darauf, mit Sam zu sprechen. Sam wohnte

bereits nebenan, als Micah und Noah noch

gar nicht

KL14


Illustrationen von Gregg Thorkelson

geboren waren. Micah wusste, dass Sam sehr einsam

war, seit seine Frau gestorben war.

Die beiden Jungen machten unaufgefordert ihre Betten

und aßen schnell ihr Frühstück, bevor sie aus dem

Haus gingen.

„Hast du Angst?“, fragte Noah Micah.

„Nein. Ich glaube, Sam wird zusagen“, gab Micah zur

Antwort. „Na ja, ein bisschen Angst habe ich schon“,

gestand er dann.

Die beiden liefen auf Sams Haus zu. Micah war sich

sicher, dass Noah genauso aufgeregt war wie er selbst.

Was wäre, wenn Sam ablehnen würde? Was wäre, wenn

Sam nicht mehr ihr Freund sein wollte und sie und

Papa nicht mehr zum Angeln mitnähme?

Schweigend näherten sie sich Sams Eingangstür. Als

sie gerade an die Tür klopften, kam jemand um die Hausecke

gebogen. „Hallo Jungs!“, sagte er und ging auf sie

zu. „Was habt ihr zwei denn heute vor?“ Ein großer Strohhut

verdeckte sein Gesicht, aber die Jungen erkannten

Sam an seiner Stimme. Sie sahen auch, dass er lächelte.

„Wir kommen Sie besuchen“, sagte Micah.

„Genau“, pflichtete Noah bei. Dann fügte er schnell

hinzu: „Micah möchte Sie etwas fragen.“

Micahs Herz schlug plötzlich ganz schnell. Er holte

tief Luft und sprudelte hervor: „Möchten Sie morgen mit

uns in die Kirche gehen? Sie können mit uns mitfahren

– wir haben genügend Platz –, und Sie können auch in

der Kirche neben uns sitzen.“

„Ich sehe ja eure Familie jeden Sonntag in die Kirche

gehen“, meinte Sam. „Ich selbst bin schon lange nicht

mehr in der Kirche gewesen. Aber es spricht wohl

nichts dagegen, wenn ich euch diesen Sonntag

in die Kirche begleite.“

„Super!“, riefen beide Jungen gleichzeitig

aus.

Noah sagte: „Wir fahren um halb

zehn los. Wir holen Sie dann ab!“

Als die Jungen nach Hause zurückrannten,

drehte Micah sich um und

rief dem noch immer lächelnden Sam zu:

„Bis morgen früh dann um halb zehn!“

Als sie ins Haus traten, warteten ihre Eltern

bereits auf sie.

„Und? Was hat Sam gesagt?“, fragte Papa.

„Kommt er mit uns in die Kirche?“

Micah grinste. „Ja. Wir haben ihm gesagt,

dass wir ihn um halb zehn abholen.“

An diesem Abend sprachen Noah

und Micah ihr Gebet nicht ohne dem

himmlischen Vater dafür zu danken, dass

er ihnen geholfen hatte, Sam einzuladen,

mit ihnen in die Kirche zu gehen.

„Ich bin so richtig glücklich“,

sagte Micah.

„Ich auch“, meinte Noah.

Die beiden Jungen

stiegen in ihr Bett, und

Micah kam

etwas in den Sinn, was

ihr Bischof in der

Abendmahlsversammlung

eine

Woche zuvor gesagt

hatte: „Jedes Mitglied ein

Missionar!“ ●

„Wir sind jeden Tag in

unserer Familie … und

im gesellschaftlichen

Umfeld ein Missionar.

Ungeachtet unseres

Alters, unserer Erfahrung

oder unserer Lebenslage sind wir

alle Missionare.“

Elder David A. Bednar vom Kollegium der

Zwölf Apostel, „Ein Missionar werden“,

Liahona, November 2005, Seite 44.

Kleiner Liahona Februar 2009 KL15


Zum Ausmalen

KL16

Ich kam als Teil einer Familie zur Erde

„Die Familie ist von Gott eingerichtet.“ („Die Familie – eine Proklamation an die Welt“)

Illustration von Apryl Stott


Mein Kind, Gemälde von Jon McNaughton

Jesus „wuchs heran und wurde kräftig: Gott erfüllte [ihn] mit

Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm“ (Lukas 2:40).


Die Worte des Herrn, wie sie

uns im Laufe der Zeitalter

von seinen heiligen Propheten

gegeben wurden, haben uns in einem

Plan vorangeführt, den der Herr für

uns aufgestellt hat. Dieser Plan ist

vollständig von Anbeginn der Zeit bis

zu der Zeit, da wir – sofern wir würdig

sind – die Gelegenheit erhalten, in

den Ewigkeiten, die noch kommen,

bei Gott zu wohnen.“ Siehe Elder L.

Tom Perry, „Der große Plan unseres

Gottes“, Seite 10.


Zum Gedenken – eine Beilage zum Liahona

Elder Joseph B. Wirthlin

– dem Gottesreich verpflichtet

Foto von Craig Dimond; Umrandung von Pat Gerber

An einem denkwürdigen

Heiligen Abend im Jahr

1937 wanderte Elder

Joseph B. Wirthlin, der damals

Vollzeitmissionar war, mit seinem

Mitarbeiter von Salzburg aus in

die kleine Ortschaft Oberndorf

mitten in den Salzburger Bergen.

Bei ihrem Besuch in dem Dorf, das

dafür bekannt ist, dass es einst zur

Entstehung des Liedes „Stille Nacht,

heilige Nacht“ 1 inspiriert hat, rasteten

sie in einer kleinen Kirche, wo

ein Chor Weihnachtslieder sang.

„Auf dem Rückweg gingen wir

durch die klare, kalte Winternacht“,

erzählte Elder Wirthlin. „Über uns

stand der Himmel voller Sterne, und

unter unseren Füßen lag wie eine

Decke frisch gefallener Schnee.“ 2

Unterwegs unterhielten sich die jungen Missionare

über ihre Hoffnungen und Träume und ihre Ziele für die

Zukunft. In dieser wunderschönen Umgebung verpflichtete

sich Elder Wirthlin erneut, dem Herrn zu dienen: „Ich

nahm mir vor, jede Berufung, die mir im Reich des Herrn

übertragen würde, groß zu machen.“ 3

Elder Wirthlin hielt dieses Versprechen, solange er auf

Erden weilte. Am 1. Dezember 2008 ist er im Alter von 91

Jahren friedlich an Altersschwäche gestorben.

Über seine Berufungen als Bischof, Ratgeber in einer

Pfahlpräsidentschaft, Ratgeber in der Sonntagsschulpräsidentschaft,

als Assistent und später Mitglied des Ersten

Kollegiums der Siebziger sagte er: „Jede Aufgabe, die ich

im Gottesreich je übertragen bekam, hat mir große Freude

bereitet.“ Als er am 4. Oktober 1986 als Mitglied des Kollegiums

der Zwölf Apostel bestätigt wurde, erklärte er:

„Wenn ich so diente, erschien mir jeder Tag wie ein Sonntag,

weil ich eben im Dienst des Herrn stand.“ 4

11. Juni 1917 – 1. Dezember 2008

Glaube und Football

Joseph Bitner Wirthlin wurde

am 11. Juni 1917 in Salt Lake City

geboren. Er war das erste der fünf

Kinder von Joseph L. Wirthlin, der

Präsidierender Bischof war, und

Madeline Bitner Wirthlin. Josephs

Vater sorgte für seine Familie als

Inhaber der Firma Wirthlin’s Inc.,

eines Groß- und Einzelhandelsunternehmens

für Lebensmittel,

während seine Mutter ihre Kinder

anhielt, sich vielseitig zu beschäftigen

– darunter auch mit Musik

und Sport. Joseph und Madeline

brachten ihren Kindern bei, demütig,

ehrlich und fleißig zu sein,

Gutes zu tun und mitfühlend und

gläubig zu sein.

Joseph junior hatte viele Talente,

aber der Sport reizte ihn am meisten, und so erhielt

er in der Highschool Auszeichnungen als Football- und

Basketballspieler und als Läufer. Er war Quarterback an

der East High School und später drei Jahre lang Runningback

an der University of Utah. 5

Vom Rednerpult aus berichtete Elder Wirthlin gern darüber,

was er als Footballspieler gelernt hatte. Eine wichtige

Lektion lernte er, als er bei einem Meisterschaftsspiel gerade

unter zehn anderen Spielern begraben lag. Joseph hatte versucht,

einen Touchdown zu landen, der den Sieg gebracht

hätte, doch dann wurde er kurz vor der Ziellinie angegriffen.

„In diesem Moment war ich versucht, den Ball nach

vorn zu schubsen. … Ich [wäre] ein Held gewesen“, erzählte

er. Doch dann kamen ihm die Worte seiner Mutter

in den Sinn: „Joseph“, hatte sie ihm oft gesagt, „tu, was

recht ist, und achte nicht auf die Folgen.“

Joseph wollte lieber ein Held in den Augen seiner Mutter

als in den Augen seiner Mannschaftskameraden sein. „Also

Liahona Februar 2009 1


Drei Jahre lang spielte

Joseph B. Wirthlin

(Nummer 4) als

Run ningback in der

Foot ballmannschaft

der University of Utah.

1937 gab er den

Foot ball auf und stellte

seine Berufsausbildung

zurück, damit er auf

Mission gehen konnte

(unten). Rechts: Joseph

B. und Elisa Young

Rogers Wirthlin an

ihrem Hochzeitstag,

dem 26. Mai 1941.

ließ ich den Ball

dort, wo er war –

fünf Zentimeter von

der Ziellinie entfernt“ 6 ,

erzählte er weiter.

Als im Jahr 1936 die Footballsaison

vorbei war, wurde Joseph von seinem

Vater angesprochen, ob er nicht auf Mission

gehen wolle. Europa stand vor einem Krieg,

und so musste Joseph bald gehen, wenn er

die Gelegenheit nicht verpassen wollte.

„Ich wollte meinen Traum weiter verfolgen

– wollte weiter Football spielen und mein

Studium beenden“, berichtete Elder Wirthlin.

„Wenn ich die Berufung auf Mission annahm,

musste ich alles aufgeben. Damals diente

man noch 30 Monate, und mir war klar, dass

ich danach wohl kaum mehr Football spielen

würde. Vielleicht konnte ich sogar mein Studium

nicht mehr abschließen.“ 7

Aber Joseph hatte auch davon geträumt,

ein Missionar zu sein, und so wusste er, was

er zu tun hatte. Wenige Monate später war er

auf dem Weg nach Europa, wo er von 1937 bis

1939 in der Deutsch-Österreichischen und der

Schweizerisch-Österreichischen Mission diente.

Er spielte nie wieder Football, sondern

schloss vielmehr ein Universitätsstudium mit

Betriebswirtschaft als Hauptfach ab. „Und

dennoch hat es mir nie leid getan, dass ich

eine Mission erfüllt und mich entschlossen

habe, dem Herrn zu dienen“, erklärte er. „Mein

Leben ist dadurch spannender geworden; es

hat geistige Erlebnisse gegeben und Freude,

die alles übertrifft.“ 8

„Eine vollkommene Ehe“

An dem Heiligen Abend in Oberndorf

hatte Elder Wirthlin sich unter anderem

vorgenommen, eine geistig starke Frau zu

heiraten, die nach dem Evangelium lebt. Er

beschrieb seinem Mitarbeiter, wie sie aussehen

sollte: 1 Meter 65 groß, blondes Haar und blaue

Augen. Zweieinhalb Jahre nach seiner Mission

lernte Elder Wirthlin Elisa Young Rogers kennen.

Sie entsprach exakt seiner Beschreibung.

„Ich weiß noch, wie ich ihr das erste

Mal begegnete“, erzählte Elder Wirthlin bei

einer Konferenzansprache im Jahr 2006,

zwei Monate nach ihrem Tod. „Um einem

Freund einen Gefallen zu tun, fuhr ich zu

ihrem Haus, um ihre Schwester, Frances, abzuholen.

Elisa öffnete die Tür, und es war, zumindest

für mich, Liebe auf den ersten Blick.

Sie muss wohl auch etwas empfunden haben,

denn die ersten Worte, die ich je von ihr

hörte, waren: ‚Ich wusste, wer du war.‘“

Elder Wirthlin scherzte über diesen

grammatikalischen Fehler, zumal Elisa ja

Englisch als Hauptfach studierte. Doch er

sagte auch: „Bis zum heutigen Tag gehören

diese fünf Wörter für mich zu den schönsten

der menschlichen Sprache.“ 9

Sie heirateten am 26. Mai 1941 im Salt-

Lake-Tempel und führten 65 Jahre lang

eine, wie Elder Wirthlin sagte, „vollkommene

Ehe“ 10 . Sie stärkten, ermutigten und

stützten einander, und sie berieten sich bei

Entscheidungen. Elder Wirthlin ging nie

aus dem Haus, ohne sich von Elisa mit einem

Kuss zu verabschieden, und rief jeden

Tag mehrmals an, um sich zu erkundigen,

wie es ihr ging. 11

2


Abdruck der Fotos mit freundlicher Genehmigung der Familie Wirthlin, wenn nicht anders angegeben; links: Foto vom Football von Christina Smith;

rechts: Foto von Schwester Wirthlin und Elder Wirthlin von Michael Lewis, BYU Idaho, Vervielfältigung untersagt; Zeichnung von Cloy Kent

Elder Wirthlins Vater wurde 1938 in die

Präsidierende Bischofschaft berufen, und so

übernahm Elder Wirthlin nach seiner Mission

das Lebensmittelgeschäft der Familie. Später,

als Elisa und er Kinder hatten, verbrachte er

unzählige Stunden damit, den Anforderungen

seiner Arbeit und den Pflichten in der Kirche

Genüge zu tun. Doch Elisa und die Kinder,

sieben Töchter und ein Sohn, waren immer

sein ganzer Stolz. Elder Wirthlin hinterlässt 59

Enkelkinder und fast 100 Urenkel.

Liebe zu den Menschen

Alle, die Elder Wirthlin kannten, hatten ihn

gern. Präsident Thomas S. Monson sagte von

ihm, er sei „die Güte selbst“ 12 . In den 33 Jahren,

die Elder Wirthlin Generalautorität war,

22 Jahre davon auch Apostel, trat diese Güte

immer wieder zutage, wenn er vom Erlöser

und dessen wiederhergestelltem Evangelium

Zeugnis gab – und zwar in Wort und Tat.

In aller Bescheidenheit und oft auch humorvoll

hielt Elder Wirthlin die Mitglieder der

Kirche dazu an, aus ihrem Leben auf Erden

das Beste zu machen, indem sie dem Beispiel

des Erlösers nacheifern. Dazu müsse man

sich jedem Einzelnen zuwenden, sich um

Freundlichkeit bemühen und seine Mitmenschen

lieb haben, sagte er.

„Die am meisten geschätzten und heiligsten

Augenblicke unseres Lebens sind die,

die vom Geist der Liebe erfüllt sind“, betonte

er. „Je größer unsere Liebe ist, desto größer

ist unsere Freude. Letztendlich ist das wahre

Maß für den Erfolg im Leben, ob wir solche

Liebe entwickeln.“ Um zu lernen, wie man

liebt, müssten wir nur über das Leben unseres

Erlösers nachdenken, meinte er. 13

„Wir sind alle sehr beschäftigt“, sagte Elder

Wirthlin ein andermal. „Man findet leicht Entschuldigungen

dafür, warum man sich nicht

um andere kümmern kann, aber für den

himmlischen Vater klingen sie vermutlich so

hohl wie die Entschuldigung eines Grundschülers,

der seiner Lehrerin eine Notiz mit

der Bitte überreicht, ihn vom 30. bis zum 34.

März vom Unterricht freizustellen.“ 14

Elder Wirthlin bestärkte die Mitglieder der

Kirche auch darin, „jeden Tag … voller

Dankbarkeit“ zu verbringen, ungeachtet

aller Widerstände. 15 „Wenn wir bedenken,

welche Segnungen wir haben“, so

meinte er, „[vergessen] wir manche unserer

Sorgen.“ 16

Ein Zeugnis zum Abschied

„Der eine oder andere glaubt vielleicht,

dass eine Generalautorität nur

selten Schmerz, Leid und Kummer

erlebt. Wenn dem doch nur so wäre!“,

sagte Elder Wirthlin bei seiner letzten

Ansprache auf einer Generalkonferenz.

„Der Herr bewahrt in seiner Weisheit

Oben: Familie Wirthlin

mit Verwandtschaft im

Juni 1999. Links: Elder

Wirthlin und seine

Frau begrüßen Mitglieder

der Kirche 1998

nach einer Andacht am

Ricks College (der heutigen

Brigham-Young-

Universität Idaho).

Unten: Das Gemälde

zeigt Elder Wirthlin

und seine Frau im

Jahr 1999.

Liahona Februar 2009 3


niemanden vor Leid und Traurigkeit.“ 17

Seinen größten Kummer erfuhr Elder

Wirthlin mit dem Tod seiner geliebten Elisa. In

den einsamen Stunden danach gab ihm „die

tröstende Lehre vom ewigen Leben“ Kraft und

auch sein Zeugnis, dass auf den finsteren Freitag,

an dem der Erlöser gekreuzigt wurde, der

helle Sonntag folgte, an dem er auferstand. 18

Weil Elder Wirthlin ein festes Zeugnis vom

Sühnopfer des Erretters hatte, wusste er, dass

das Leben nicht mit dem Tod endet und dass

die Glaubenstreuen, die in einem heiligen

Tempel Gelübde abgelegt haben, sich einmal

wiedersehen werden.

„Wir alle werden vom Grab auferstehen“,

bezeugte er im Oktober 2006. „An diesem Tag

wird mein Vater meine Mutter in die Arme

schließen. An diesem Tag werde ich meine

geliebte Elisa wieder in die Arme schließen.“ 19

Und an diesem Tag wird sich die Verpflichtung,

die Elder Wirthlin an einem kalten

Winterabend vor langer Zeit einging, endlich

ausgezahlt haben. ◼

Anmerkungen

1. „Stille Nacht, heilige Nacht“, Gesangbuch, Nr. 134

2. Joseph B. Wirthlin, „Was man während der Reise

durch das Leben lernt“, Liahona, Mai 2001, Seite 36

3. Liahona, Mai 2001, Seite 37

4. Joseph B. Wirthlin, „Das Evangeliumsnetz einholen“,

Der Stern, Januar 1987, Seite 57

5. Siehe Don L. Searle, „Elder Joseph B. Wirthlin: Finding

Happiness Serving the Lord“, Ensign, Dezember 1986,

Seite 10

6. Joseph B. Wirthlin, „Lektionen des Lebens gelernt“,

Liahona , Mai 2007, Seite 46

7. Liahona, Mai 2001, Seite 35

8. Liahona, Mai 2001, Seite 37

9. Joseph B. Wirthlin, „Der Sonntag kommt gewiss“,

Liahona, November 2006, Seite 28

10. Liahona, November 2006, Seite 28

11. Siehe Ensign, Dezember 1986, Seite 10

12. Siehe Ensign, Dezember 1986, Seite 13

13. Joseph B. Wirthlin, „Das wichtigste Gebot“, Liahona,

November 2007, Seite 30

14. Joseph B. Wirthlin, „Das Leben in Fülle“, Liahona,

Mai 2006, Seite 101

15. Joseph B. Wirthlin, „Live in Thanksgiving Daily“,

Ensign, September 2001, Seite 13

16. Joseph B. Wirthlin, „Ein Schritt nach dem anderen“,

Liahona, Januar 2002, Seite 27

17. Joseph B. Wirthlin, „Was immer kommen mag – nimm

es freudig an“, Liahona, November 2008, Seite 26

18. Siehe Liahona, November 2006, Seite 29

19. Liahona, November 2006, Seite 30

„Ich hatte ihn als Bruder sehr

gern. Ich vermisse ihn. Über

die Jahre dienten Joseph

und ich gemeinsam in

vielen Berufungen. Doch wir

waren mehr als Kollegen,

wir waren gute Freunde. …

Seine Rüstung war unversehrt.

Seine Seele war ohne Arg. Sein Charakter

war makellos. Elder Wirthlin

liebte den Herrn von ganzem Herzen

und diente ihm mit aller Macht bis

ans Ende seines Erdenlebens. …

Joseph kannte den Herrn, und der

Herr kannte Joseph.“

Präsident Thomas S. Monson

Nachdem Präsident Packer einen

Artikel von Elder Wirthlin mit dessen

Zeugnis gelesen hatte (siehe „Silent

Night, Holy Night“, Church News, 29.

November 2008, Seite 8f.), meinte er,

die Familie Wirthlin solle diesen „in

einer Form drucken lassen, die auch

den noch ungeborenen Mitgliedern

der Familie diesen großen Mann

nahebringen wird, der ihr Großvater

und ein Apostel war“.

Präsident Boyd K. Packer, Präsident

des Kollegiums der Zwölf Apostel

N a c h r u f e

„Er und ich saßen als Hohe

Räte im Pfahl Seite an Seite

… Insgesamt elf Jahre lang

war Joseph mein Ratgeber

[in der Pfahlpräsidentschaft

und der Präsidentschaft der

Sonntagsschule]. Er führte

jeden Auftrag ordentlich aus. …

Damals ahnten wir nicht, dass wir

einmal gemeinsam im Kollegium der

Zwölf Apostel sitzen würden. … Er

strebte nie ins Rampenlicht. Er verkörperte

die Äußerung des Herrn, der

sagte: ‚Der Größte von euch soll euer

Diener sein.‘ Nun wird sich an Joseph

eine andere Verheißung Christi erfüllen:

‚Wer sich selbst erniedrigt, wird

erhöht werden‘ (Matthäus 23:11,12).“

Elder Russell M. Nelson vom

Kollegium der Zwölf Apostel

„Wenn ich über das Vermächtnis

nachdenke, das Vater seiner Familie

und der Kirche hinterließ, dann fällt

vor allem seine Demut auf. Vater hat

sich einfach nie für etwas Besonderes

gehalten. Als Präsident Monson ihn

zum Apostel ordinierte, prophezeite er

Vater: ‚Deine Demut wird dich bei den

Menschen beliebt machen.‘ Genau so

war es.“

Joseph B. Wirthlin Jr.

4

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